Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 862 (21.6.1921)
- Date
- 1921-06-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 862 Men. Dienstag Wiener MsegenzeitM- 21. Juni 1921 'Seite Ackerbau: Sektionschef Hennef. Verkehr: SektionZchef Rodler. Ernährung: Du re sch. Heerwesen: Oberst Graft . Justiz; Staatsanwalt Dr. Winterstei xi, bet in den letzten Horthy-Pwzessen hervorgetr^ten ist. Kür Unterricht ist noch kein Vorschlag gemacht worden, wahrscheinlich bleibt Vreiskh. Der Pakt zwischen den Christlichsezinlest rMd Großdeutschen. Die Kvrrtzsp-onbenz Austria meldet: Die Christlichsoziale Vereinigung versammelte sich int Laufe des gestrigen Tages unter dem Vorsitz des Obmannes Abgeordneten Dr. Sei fiel zu wieder-' HMen Beratungen. Im Verlauf der Sitzung tdäf die Mchricht ein, daß der gleichzeitig tagende Vollzugsausschuß der GroßdeuLschen Volkspartei es ablehnte, eine christlich soziale Regierung mitzuwähle« oder auch nur ihre Wahl zu ermöglichen. DageM erbot, sich die Großdeutsche Volkspartei,' ern ä«s Kl^tnäNsterN zusammengesetztes Kabinett mitzuwählen und dasselbe entgegen der bisherigen Politik der freien Hand zu unterstützen. Die Christlichsoziale Vereinigung erklärte sich zu einem solchen Zusammenwirken unter der Bedingung bereit, baß die letz derzeit wiederholt aü fgestellten Leitlinie« iWr Politik auch von hit Mötzdelltstzen Dolksparrei als für die nächste Zukunft maßgebem snerküMt wLrveNi - In einer gemeinsamen Keeatiing don DgkkteKM beider Parteien kam sonach folgende Vereiusarimg zustande : 1. Die Regierung wird.die hon der Finanz^ koMmissisn des Völkerbundes in Änssicht gestellte SünieriMgssltioü durchführen und die die Regierung wählst dM Parteien werden sie entsprechend den von ihnen gegenüber den Völkerbunddelegierte« übernomMnen Verpflichtungen unterstütze«, wobei vorausgesetzt wird, d>äß die Entscheidung über die KMithilfe spätestens ittt Herbst laufenden Jahres erfolgt» 2. Die Partei« gewährleisten das Unterbleiben weiterer MschlußabstiMmungen für die Dauer der durch Punkt i gSschafftnen Vereinbarungen. 3 Wenn der Mische Landtag seinen Beschluß auf Einleitung der Anschlußabstimmung auft hebt, sö bleibe« die in den vorstehenden Punkten enthaltenen Vereinbarungen hiedurch Unberührt. - Rationalrat. ' Die' Tägtsördvimg btt heutigen SitzüNg bis Ratibttalrates wurde dahin ergänzt, daß alseisttt PMft hinnMitt: Vötschlag des Hauptausschusses, betreffend dft Wahl der Hündrs' resirtung. k Riederöstevreichifchev Landtag ' Sitzung am W. Juri* '. Der Landtag voll Riederösttlreich-Läffd b^chästrgte seiner ' gesirigr« Sitzung M zahlreiche« ArittäM des Ban-, Fiya«z-, Versaffungs-, Schul- Und Äintschastsausschussts, welche fast olle ohne Debatte angenonmUN würden. So Mißt, ttfttä! anderem durch Beschluß die Landesregierung aügiwiest«, aÜes Erforderliche zu veranlasse«, M die Erühebüng eikier L Ü u d e s a b g a d e v o n K r a f t f a h r z e ü g e « dmchzuiührett; desgleichen gelaugte die Bürlagk, betreffend die Ginhedüiig tinet 8v'/«'gen LandesarÄeniondsumlage für das Iaht 1981. zur Annahme. El« Antrag des Verfafsungsausschuffes über de« Beucht und Antrag der LaNdesrtgiktNNg füt Riidttöstrettich- Land (selbständiger Wirkungskreis), betreffend dt« ÄesitzeNtwMf üb’ct bie Aüsnützuttg der W ü s s e r t t ä f t r, wird ebenfalls ohne Debatte üngenü mtnen. Die nächste Sitzung sind ei heute statt. ' , ’, Das Ergebnis der Wahlen 1« Kärnten. Klagenfnrl, so Juni. Aui Grnnd des nunmehr völlständig vorliegenden amtlichen, vorläuffgen WahlergedniffrS vttteilen sich die neuen Nationalratsmandate in folgender Weise: Sozialdemokraten vitr Sitze, K a rü tn er Bauernbund zwei Sitze, C b r l st l i ch i o z i a l e Partei zwei Sitze, Großdeutsche Partei Nn Sitz. Auf Grund der veröffentlichten Parteilisten sind demnach gewählt; Die Sörialdemokraten Florran G r 8 g 11 (Klagen'ürt , Joses G a b v i e l (Spittal a. d. Dräü), AntoN Falte (BiÜach) und Matia. Tusch (Sankt Ruppttchk bei Klügenfütt': die WistlichlazialeN Michael Päülitsch sKlacrenwrt) und AMbros S charfegg e c EaWchs; dtt Großdeutiche Dr. Hans A N g 11 i i iKchgettfürt) Und die Mitgl cdcr des KärnMer Väü'tvbunRs Philipp G t o t ßb a u i t (Lichtengrabtn^ und Bitrcha,d Egger (Radlach). Fiir den Landtags Wahlkreis Obrrlärnten entfallt« äüf GkltNV dis StinilNchetgkbtMS M die christl ch. soziale Partei drei Sitze, aui die So laldemokraten acht, auf die Käintncr Wahlgemeinschaft vier und aus die Großdeutiche BolkSpaiiki ew Sitz. IM Wahlkreis ÜnteikäkntiM ettt'M« ans Me christtichsöziakt Partti fünf Sitze, auf dir StnaldkMoliäten tls, auf diö K ä t n t Net S l o w e N i: q z w t i, äus die KarntNet Wühltztwemschast fünf Und äuf die Gkößdeütsche DolWaittr drei Sitze. Dir Aegirruttgserbltirüng 4« erigiffchrn Oberha»s über bie Einwanbenmg v». PalLstina. > fischen Äuffassung nachgegeben. Es gebe »ad. einen Weg zum Schutze der Juden, ohne Lasten bem? Einkommen oder den Steuerzahlern dieses Landes auf«* z«erlegen und ohne die 5060 Mann englische Truppen , in Palästina zu vermehren, und zwar den JudeA einfach zn gestatten, eine eigene Ver- Mdigrmgsmncht z« bilden. JNi Kkriege hatte« die Jude« ei« vorzügliches Mgiment. l Dieses Ndgiment leistete bewundernswerte Dienste. AMs Ende des Krieges würde es von der damaligen Milität>' Verwaltung in Palästina aüfgeköst. Sie-sollen ihr«! eigette« Regime«ker diMtt. Die palästinensische Jude«--, heit und die Zionist Lommisstvn sind vollkommen davauß borbereitet, selbst die Mittel zur Equipierung dieser' Truppen zu finde«. „Man gebe ihnen Gelegenheit,^ selbst ihre Heimstätten zu verteidigen, und wir werde«; diel weniger von dieser gefährlichen Stelle im Osten j hören." ' ' Pie Juden seren das friedlichste Volk. Sie wissen, daß es für die Minorität unvernünftig hie Majorität äüzNgreistn.. Gegenwärtig fei die ganze!! Polizei im Lande arabisch. Die Gefahr für dies Jude« sei daher sehr groß. Redner unterbreitete betj Regierung de« Vorschlag, alle möglichen Schritte zM ünternehmen, um die Bildung territorialer Abteilungen^ zum Schutze der Juden zu unterstützen und die Üriti-Z scheu Steuerzahler von einer Ausgabe zu befreien,,di<8 sonst äuf ihre Schultern fallen würde. , Mr. OrMstzy Gore beleuchtete den Zionismus bo« der nwrali schön Undgeistigen Seite und trat gegeui den Teil der Presse, wie „Daily Mirror" oder die „Mor-l Ning Post", auf, welcher glaubt, daß England sich ohM! Verlust an Ehre aus Bagdad und Jerusalem zurück-1 tiehe« könne. England habe sein Siegel unter einem Verträß gesetzt und sei weite internationale Verpflich-1 Lungen tziutzegangen. Diese ehrenhaften Verpflichtungen? br einem Moment finanzieller Verlegenheit von sich M werfen, würde einfach «inen Schandfleck auf das. britrscW^ Imperium werfen. isir Mniftijchi PÄitii teSdegUttWjfrf Ä g4frittSÄ Mt «uw* fortgescht Werte«, w ' Lord Robert Ceeil unterstützt die Uusführuu-«^ gen des Vorredners und bedauert, daß mancherorts diej Meinung herrsche, England suche in Palästina bloß seine) eigenen Interessen. 4 Kenworthy: Das einzig Gute, was der Kriegs gebrächt hat, ist die Durchführung der Balsour-t Deklaration in bezug auf Palästina. Sie ist dies einzige idealistische Tat des Krieges, diel wir öisNUtt gesehen haben, eine moralische ^r-1 pflichtUng und es würde ein Unglück sein, sie auf-) zugeben. ■••• . Telegramme. Jüdisch« Iütrrprllationen im pol«ische« P«elaAe«t. rtarscha», 19. Jimi. (Privat.) 3» dm leisten Stjck»^ sttzüüzea wmdcn von den Mischen Abgeordneten mehrere Inter-, prllalionrtt eingebracht, welche sich mit versch,ebenen Urbergrjffen, gegen die Juden befaffen. Hervorzuhebrn ist eine Interpellation^ der DepuNerte» G r ü n b a u m, H a r l g l a s nnd Konsorten,; in welch« daraut hin gewiesen wird, daß. der Kommandant desl Militärischen Generalbezirkes Kielke, General 8ati-s n i k, bei semer Änkunst m Miechow am Sonntqg den ö. d. M.» während hii AeböUerüng aus der K'.rche^ ging, einen Vortrag über die Verteidigung Oberschleffensi hielu Dabei gab er als Grund dafür, - daß! Obtrschkeffen nicht Pdütt zkgespröchen wurde, die gemein-! lams Arten der DeNtscheN, EN^l8nder^ N n d I « d e n <tn. Die Interpellanten weisen aut die Schädlich fett fölchrr AeußerüngeN einer hohen Militärischen Persönlich feit hin, die geeignet sind, im JNnern nnd nach außenhin für den gesamten polnischen Staat nachteilige Wirkungen hnvorzürusen. Dabei wird auch bemerkt, daß GenMl 8 a 1 i n i k, welcher während deS bolschrwilischen Vormärsche? mikilärischtt Gtzüvernrnr der Warschauer Rayons war, damals die Ausweisung ausschließlich der jüdischen Zivilbevölkerung SüS den zum FestungSdezirk Modlin gehörigen Ortschaften verfügt hat, wodurch er sie als des Verrates hepdächtig erscheinen l,eß und mit zur Entstehung der nachher für die Juden so verhängnisvollen Legende vom jüdischen Verrat deiNug. D» Interpellation sordert energische Maßnahme» gegen den politisierenden General. (General Latin,k ist übrigens schön auS seiner Mtgkeit als Brigadeoberst in der ö st erde tch i s ch e N Armee zur Genüge bekannt; er hat es damals als seine Hauptaufgabe bezeichnet, die Juden und Sozialdemokraten in seiner Brigade auSznrotten, was tr durch Placierung seiner Regimenter an den gefährlichstm Stellen der Front zu erreichen versprach. Die Red.) ,J M&m, 18. Juni. (Jüd. Korr>Bur.) Im Oberhaus hat eine lebhafte Debatte über die Etklärüttg Churchills bezüglich der Regierungspolitik i« $fttä? stina stattgefunden. Der Düke ol Sutherland Leanttvortete eine Reihe von Anfragen, die vo« einigen antifemitifcheN Lords an die Regierung gerichtet wurden, und gab über den gegenwärtigen Stand der Einwanderung nsch Palästina folgende Erklärung ah: Die Einwanderung nach Palästina wurde zeitweilig bis zue .Verbesserung ' dsr Lage eingestellt. Für die sich seit der Verkündigung der Emwanderungssperre bereits unterwegs befundenen Emigranten, dersn Zahl sich auf etwa 1 ö.6 0 Ö (?) stelle, wurde eine Reihe von^Begünsttgungen gewährt. Man werde diesbezüglich . M Einvernehmen mit der Zionistische« Dkgomsatio« deren Einreise nach Maßgabe ihrer ÜNtvrßriNgnngsmöglichkeit in de» bereits bestehenden industriellen und landwirtschaftliche« Unternehmungß» im Lande erlauben. Zn diesem Zwecke wurden, zwei FüMiönäre des palästinensische« EiNwanderuNgsbepärtements Nach Europa entsendet, um die Lage zu untersuchen und die Mswahl zu tttzjftA. - - Die Unteryausdedatte über ChürchiNS Ee° ttlaküttg. Äondisn, 1ö. Juni. (Jüd. Korr.-Brrr.) In der Debatte über die Erklärung des ^olonialmmisters Churchill ergriff Earl DintertoN das Gort, der in' bezug auf Palästina erklärte, er kenne sehr gut die jüdischen Kolonien, die ein Denkmal für die harte Arbeit «US den gesunden Siün dev jüdischen Einwanderer bilden. Die Araber glauben aber, daß sie de» modernen, von de« Juden eingeführten AckerdaüMkthMst nicht staNbhalteN köniM üttd -tzEmstach ihren 'Platz den Jude« wstden räümö'n Müsst«. Nichts köNttö für bis palästinensische Regierung VSN vitalersr Wichtigksit stin, als diese Ideen zu ZsrstkeueN. Es blsibs in der Jnbüstris Und vielleicht irr dsk Entwicklung der natürlichen Bodenschätze viel zu tun, wofür ss genug Raum gebe, Mdner schaue nicht schwarz auf die Zukunft Päkästinas. Ek weist Mttss entschieden wie der begeisterte Mterstützer der zionistischst« Bewegung die gegen sie gerichteten Mgrifst zutttck. Wir haben in Sir Herbert Samüel einen unparteiischen und in der Regisrungskünst sehr erfahrenen Mann, und ich glaube, di ist bereits bei allen Bevölkerurrgsschichtsn Palästinas populär- Das Land und. das. Haus haben die Verpflichtung, seine schwierige Lage in PaMns nicht nSch mshr tz« erstzmfsn- Sir Tvwnshand wies in seiner Rede auf den Chakäktsr der Araber «Nd der ambischsn Pöüiiker hinüstd führts mehrere Vsispisle für die arabische AaverlSßttchkeit an. Dsv Araber respektiert bloß Macht und Kraft strhts der 8std«er. Eokvnsl Wedgöwood beschäftigte sich eingangs mit den Koste« der palästinensischen Garnisvn und erklärte, jeder Mann dieser Garniftn sei entweder in Palästina oder in Aegypten zum Schutzs des Suez.», Kanals krfarderlich, und hätte man Pakästini Acht gehabt, sv würde mau es gewünscht Habs«, dart eins Garnison zu untäthältsü. Diejenige«, welche den Kosten^- bvranschlag für diese Garnison aufstellen, haben daher sehr geschickt biest Ä,s Millionen Pfund Sterling auf die Inden überwälzt. „Es ist eine Last für die britische Armee" — sagte Redner — „und wir haben kein Nkcht, za sagea, vätz mt dieses Geld für dea ÄsaisMs aas^edea« . Redner stellt stst, daß bist Militärverwaltung antijüdisch war, weil die Organe derselbe« in Gesellschaft der Efendis und der ex türkischen Würdenträger verkehrten, deren Ansichten sis sich zu eigen machen. Die Juden stis« .ems östliche Rasse, in. Palästina seien.sie Pioniere der westliche« Zivilisation. Osts sti die Ursache der Pögrvme. Nicht der arabische Bauer, sondern der Gfenbi reizt die unteren arabische« Klasse« züm Judenmord «üf und dies sei bis Geschichte aller PsgrÄM in der Wett. Sie hetzten die „Schwatzen Hundert^ züm Riedermcheln der Juden auf und bei der ersten Gelegenheit dieser Ausschreitungen Mts die Reg'etUttg Unverzüglich die weitete Eivwänderung der Juden eiüi Dies sei die schlimMste Politik. Dies sei das Aussehen eiuev PröMie mt die PvgrvMe. Daß Einst.-lt-'N der jüdischen EinwaUbrrUttg sei gerade das,, was die Efendis berlänW: PaWi«ü mit einer SchüßmaUer zuguvst. « der beratteje« Idee« zu NmgstbeN. Leider habe Sir Herbert SaMüel der span zd- £fiiellscha}t ctmhh ito mit der Fftb&ttk E.T. (HolzbaUk A.-0.), Wien.I.,Wipplingerstrasse 23 »<lM» : VtzwodMii'. itz4A» kS^l«. IV.-M : Tftl.-Adr.: «Ittlllsttz. Wlrai Knl^nte Bajchiahrang vollLvIskllllllgkll aller Arl