Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 860 (19.6.1921)
- Date
- 1921-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 860 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 19. Juni 1921 Seite Polens Wirtschaft. Warschau, 18. Juni. (W. P. G.) Hier fand eine Konferenz der Pressevertreter beim Ministerpräsidenten W i t o s statt. Zunächst gab der Ministerpräsident m längerer Aussicht «na eine eingehende Darstellung der gegenwattigen äußeren und i n » r r e« ,S i t« a t i o n. Hierauf ergriff das Woh der Minister für Handel «nd Gewerbe Przan - wski. Er iührte ans» daß die polnische Industrie im lausenden Jahre seht bedeutende Fortschritte gemacht hat. In kurzer Zeit wird die Leistungsfähigkeit der polnischen Industrie eine derartlge sein, daß Pole» seinen ganzen Bedarf durch die I n l a n d p r o d u k. t i o n wird decken können. ES wird im wesentlichen mir ans den Import von Maschinen «nd gewissen Luxusartikeln angewiesen sein. Berkehrsminister Iasi«ski erteilte Ausklärung über die Entwicklung des polnischen Eisenbahnverkehrs. Zwecks Beseitigung des Defizits im Budget der StaatSbahnm wird ein Abbau der überflüssigen Funktionäre durchgeführt, ferner wurde die Erhöh « u g d e r Eisenbahntarife verfügt. Auf diese Weife werden ungefähr 7 Milliarden Mark erspart. Ackerbanminister B a c z y n s k i erklärte, daß der Saatenstand heuer ein überaus günstiger sei. Die Ernte w rd nicht bloß de« Inlandsbedarf decken, sondery auch noch einen rrhehlichcn Uederschuß für den Export brrten. Der polnische Finanzminister bleibt. Warschau, 18. Juni. Funkipiuch.) F nanzmt« ster Doktor Steczkowski hat seine Demission zurückgezogen. Ei« polnischer Konsul in Mährisch- Oftra«. 18. Juni. Die Regierung hat den Ingenieur Bratkowski zum Konsul in Mährisch- Ostrau ernannt. Er ist auf seinem Dienstpystön bereits Mgetrüfse». ,! Das ungarische Budget. Badapeft, 18. Juni. Finanzminister Dr. He g e d Ü 8 hat heute de« Vertretern der auswärtigen Staate« in Budapest ds§ Budget für das Jahr 1921/23 vorgelegt. In seinem Exvoss wies er darauf hin, daß er bis zur äußersten Grenze der LeistungS» lochigkeit der Steuerträger gegangen sei und daß er die Aus« g a b e n auf ein Minimum beschränkt habe, insbesondere seien die Ausgaben für d a S Heer auf ei» Mindestmaß herabgesetzt worden. Wirtschaftliche Einigung zwischen Italien «nd Jugoslawien. Belgrad, 18. Juni. (Tel. Koutp.) In den wirtschastl'chen Verhandlungen zwischen denitalnmscke« und' jugoslawischen Delegierten ist nach den letzten Meldungen eine prinzipielle Einigung erzielt worden und es sind Mr mehr einige Spezialfragen, wie jene der Küflenschiffahrt und der Fischemrechte, zu lösen. Polizei mit Handgranaten. Tilsit, 18 Juni. (Tel.-Komp.) Gestern kam es hier anläßlich einer Demonstration gegen dir Ermordung des Abgeordneten G a r e i s zu Schießereien Md gloßmStlaßmunrUhen. Die Sicherheitswache sah fich genötigt, von der Waffe Gebrauch zu machen, und war sogar grzwungm, Hand, granate« in die Menge z « werfen, da sich die Polizeibeümten „in ihrem Leben bedroht sahen. Im ganzen wurden zehn Personen darunter auch Kinder, verletzt, einige davon liege« in Sterbe». Ernst Toller — bayrischer Landtagsabgeordnrter. Müuchm, 18. Juni. (Privat.) Der Präsident des Verwaltungsgerichtshojes teilt nunmehr als Landeswahlleiter amtlich mit, daß an Stelle des verblichenen Abgeordneten Gareis der Schriftsteller Ernst Kolter, zurzeit in Festungshaft, in den Landtag e intritt. Toller hat die Wahl zum Abgeordneten angenommen. England und dir ostgalizische Frage. Warscha». 17. Juni. (Tel. d. .Wr. Morgenzeitü«-".) In Kreise«, die der englischen Gesandtschaft nährstehen, verlautet, baß die englische Regierung Polen eine Nöte übermittelt habe, in welcher angeiragt wird, ans welcher Grundlage Pale« die Gebiete von Ostgalizien verwaltet und über sie verfügt. obwohl diese Provinz sich nicht innerhalb der Greinen der polnische» Republik befindet Man kommentiert in Warschauer diplomatische» Kreise« diese Note als Schachzug Ll.otzd Georges gegendaSpoluis ch-f r a n z 8 fisch ePetroleuma b k ö m m e n, welches Frankre ch bedeutende Konzessionen im Borhslawer Naphthagebiet zusichert. Man erwartet in diplomatischen Kreisen ein entschiedenes Austreten Englands geg«r Polen 'n der ostgalizischm Frage. Die Donau-Konferenz. Paris, 18. Juni. (HavaS.) Die Donau-Konferenz hat dir Bestimmungen, womit ausländischen Klägern t« Angelegenheiten der Donauschiffahrt die Sicherheitsleistung für die Prozeßküsten erkaffen wird, sowie die Schlußbesttmmungen des Vertragsentwurfes festgesetzt. i.,8s!vstor§SSSe dir.1v (aLobsto, 2aea»r Hoi«1 Metropol) Spezial-rumänische KUohe Speisen am Rost, wie auch am Spiess, Karnateen, Parseholen sowie lämtl. einschlägigen rumänischen Speisen ns W. Spritzer, Restaurateur lumaU'iew Tagesbericht. Gedenket der Organifat on! Das Zionistische LandeSkonfitee veröffentlicht folgenden Aufruf: . GesinnungSgekiossen! Da die Organisationskosten ständig wachsen Md die ordentliche Patteisteuer, die überdies von e nem sehr großen Teile der organrstetten Zion sten noch immer nicht entrichtet wurde, nickt zur Deckung der lausenden Ausgaben reicht, richten wir an alle Zwenste« de« dringende« Appell, entzprechende Zuwendunoen dem Organisationsfonds des Zionistischen LandeS- Verbandes für Oesterreich ehestens znkommen zu lüffen. Zi ov ist is ch eS L and e8 k o m i 1 ee für Oesterreich. Be trage werden im Zionistischen LaftdeSkoMitte, lt., Zirkusgaffe 83, und in der „Wiener MorgenzeltMg*. II., Taborstraße 1, entgegrngeuömmrn. Postsparkaffcnkonto des LandrSvttbandes 47.115. Außerordentliche zionistische Parteift e u e r. An außerordentlicher Partcisteuer sind beim Zionist scheu Landeskomitee weiter folgende Beträge eingelangt: Durch Ing. Ackermann K 500, Philipp Kunstadtk 480, B o m s e K 190, N. N- 180, Fran Ottilie Löwenthal ll 100, Sammlung Ing. Ackermann: H«mann Körner, Sirgmund S ch i n d l e r, M. Popper, Hans Fischt. Georg F r s ch l, Ing. Richard F r i Drr. Leopold B a n e r. Otto N u ß b a « m, F. A ck e r m a u a, A. R e ch k e r, M. G l ü ck, Amatre G l ü ck, R o t h s e l.d, Abraham K n o p f, Dr. Nußbäum, M. Babier, Marie Knopf. Laura Kn opf- Jul'«S F i» k, I» D e l l e r, I. K ö » i f ch je K 8ü, Regina A l sansh - Hay »s e n, Philipp, Heinrich, Sarine, Albert A l f a n s y - H a h m s e n je L 40, zusammen 8330,' bisher auSgrmese» A 182.140, zusammen K 185.470. Der Verpflegsskandal im Lainzer Äersorgnngshans. Gelt Monaten beschäftigen die Oefsentlühkeit Nachrichten über die schlechte: Berpftegimg der Pfleglinge -im Lattrzer Versorgungshaus, mit wÄcher Frage sich auch die Kommune Wie« mehrfach z« befassen hatte. Nunmehr ist erhoben worden, baß der größte Teil der im Lainzer Versorgungshaus zubereiteten Speisen von den Pfleglingen nicht verzehrt werden konnte und wieder in die Küche zurückgewcmdert ist. Dort wurde aus diesen Rücklieferungen ein sogenannter „Tran l" bereitet, der von den Küchenbediensteten verkauft und zur Fütterung von Schweinen verwendet worden ist. Es besteht nun der dringende Verdacht, daß die Speisen kbsichtlich so schlecht zubereitet worden sind, um sie ungenießbar zu machen, und dadurch die Menge des „Tranks" zu erhöhen. Die polizeiliche Untersuchung hat nun ergeben, daß unter dem Küchenpersonal eine förmliche Organisation bestand, gegen die der Borwurf erhoben wirb, daß sie die Speise« für den Genuß der Pfleglinge nicht genügend zübeveitet haben, um dadurch die Menge des Tranks und die Einnahmen aus dem Verkauf desselben zu erhöhen. Aber auch ein großer Teil von Anstaltsbediensteten selbst, deven Namen durch die Untersuchung festgestellt wurden, hat Schweina aufgefüttert Und die Speisenxückstände und Küchenavfälle als Futter benützt. Das Geschäft hatte einen solchen Umfang angenommen, daß sogar eigene Fuhrwerke mit dem Fortschaffen der Speisereste betraut waren und ganze Kolonnen von Wage« täglich bas Dersorgungshaus verließen, während die Pfleglinge hungerten. Die Rathauskorrespondenz versendet nun eine Auslassung, in der gesagt wirb, etz sei „den Angestellten mitveteilt worden, daß jeder Trankbezug mit Ende dieses »ahres vollständig eingestellt sein muß". Eine schöne Geschichte! Die rmglücklichen Greise sollen also zugunsten der Sauwirtschaft »vch ein halbi» Jahr mit den Schweinen teilen? . Wieder Banknoten-Falschstempler. Die Vorsteherin dcr Pension »Amerika*, Fra« Berta Ne« dörfer, zeigte am 17. d. M. dem Polizeikom« ffariat Alsergrund an, daß sich in ihrer Pension ein Ausländer befinde, der sich weigere, sich polizeilich melde« zu lasten, und sich auch sonst verdächtig benehme. Kriminalbeamte drangen in das Zimmer deö Fremden »nd überraschten dort auf frischer Tat den 24jährigen angeblichen Studenten Abraham Fröhlich, zn Tölcz im Bistritzer Komitat geboren, der seit dem S. d. M. in Wien weilt, und den LSjäbrigen HandelSagestellten Willy Mann, zu Krakau geboren, V., Schönbrunnerstraße 66 wohnhaft, als sie eben dabei waren, „glatte", das htitzt ungestempelte Banknote« der Oesterreich,! ch-nngarischen Bank Mit dem ungarischen Stempelaufdruck zu versehe«. Beiden Verhaftetennmrde« gesunden und beschlagnahmt: K 11.200 österreichisch ungestempelte Banknote«, K 21.670 abgesiempelle Banknote» und K 28.700 in österreichisch abgrstempeft« Banknoten, dann 40 Lei. 33 deutsche Mark. An Fälschern, erkzeux wurden beschlagnahmt: Ern Klischee mit dem Mgarffchen Bank« noiensiemvel, ein FariMen, eine Glasplatte mit roter Farbe, ve» schredene Gesckäslspapiere und Aufzeichnungen. Die Verhafteter^ wurden dem Slchrrheitsbureau überstellt, das die weitere Uutevs suchung iührt. __ Keine Erhöhung der Gemeindeumlagen. In der gestern abgehaltenen Sitzung des Flnanmusschuffes machte Sladtrat B r e i 1 n e r Mitteilungen über die Möglichkeiten, den im Boranscklag sich ergebmdm Abgang von 1757 Millionen Kronen zu decken. Von einer Erhöhung der Umlage soll, solange es die Veihälmiffe irgendwie gestatten, A b st a » tz g e» o mm e n w e r d e n. Es wird vielmehr beantragt, eine MilliardeKronen durch eine Kredits p v-, ration zu beschaffen. Diese Summe entspricht rund dem Jnvest'tionsbedars der Unternehmungen Md der Gememdr von 600 Millionen Kronen sowie den für Rückzahlung früherer Schulden erforderlichen 450 Millionen Kronen. Für weitere^ ftOO Millionen Kronen wird durch HeranziehMg vorhandener Kaffenbestänor vorgesvrgt werden. Der Rest soll seine Deckung i» dem mutmaßlichen Ertrag der Luxusabgabe finden und in einer Abgabeber Geschäftsüber< trngnngen. ... Die Luxustvarenabgabe. Der Stadtsenat bat gestern den Gesetzentwurf Über die Lnxnssttuer beraten. Die Ehriftüchsozialen behielten sich ihre Stellungnahme für das Plenum vor. Die Vorlage gelangt am Mittwoch zur Bechandluag im Gememderat als Landtag. In der gestrige« Sitzung de- Finanzausschuffes wurde «och eine- NeumüSwrrte Aenderung dahin beschloffm, daß im Fell» b r'et u ngs w ege znm Belkant gelandende Gegenstände nuv einer Aboabe von gegenwärtig 5 Prozent unterworfen sind. Bei de« Blsmrngrwinden und Blumm werden Grabbuketts zum Preise von nicht mehr als K 100 (nicht, wie mitgeteilt. R 1000^ übgabeftel sein. Während Diplome abgabesrei sind, fallen Adreffe«^ unter die Steuer. __ Me Wahlordnung der Kultusgemeinde. Donnerstag, den 83. d.M., Uhr abendS. findet' eint ö f» e n 1 l i ck e Plenarsitzung m Sitzungssnatt der israelitischen KuitnSgemein-e, 1., Seitenstettengafie 4/li, statt^ Gegenstand» DrinplichkeitSontrag des Borstandrmitgliedes Doktor Ehrlich und Gettoüen, betreffend die Aenderung der Wahlordnung. — Das Komitee der n r ch t w a h lberrchtigten KnlruSsteverz ah l er beru t für Dienstag den 21. d. M. um 6 Uhr abends im Versammlung^ lpkal des Jüd schen Nutionalrates, I!., Taborstraße 20», eine Versammlung der nicktwcihlbeiecktkglen Kuliussteuerzahler zwecks, f tellungnahme zur bevorsteheuven Wahlreform der siidlschett ultttsoememde ein. Es liegt im Interesse aller mchtwahlberechtigte» Kultussteuerzahler, bet dieser Versammlung zahlreich zu rrichemevu Kein Reisescheckverkehr i« Tirol?! Wie die Korrespondenz .tzerwei von maßgebew-l der Seite erfährt, wird es zu der vom Tiroler LandtaK beschlossenen Einführung der Reiseschecks nicht kommen^ Verschiedene Umstände lassen es ratsam erscheinen, der^ Beschluß des Landtages zu reassumieren. Die Anfechtungsklage beim Verfassungsgerichtsho wird am 28. d. M. zur Verhandlung kommen. Aber' der Tiroler Landtsg wird schon am 27; d. M. M! einer eintägigen Session zusammentreten und den J&mfc-j tagsbeschluß reassumieren, wodurch dann die Verord-j nung der Lanhesregiernng, betvefferck di des Reifefcheckverkehrs, ungültig wird. Jüdisches Religionslehrerseminar in Wieiü - Das jüdische ReligivnSsebrerseminar in Wim rröffnet mit Beginn des SckuliahreS 1921^82 «nen n um vierjähriges LshrkurS. AufnahmSwetber (brtderlei Geschlechts^ müssen da^ 15. Lebensjahr zurückgeleat und eine Untermittelschule ode die dritte oder virrte Bürgerschulklasse —' gutem Erfolg absolviert baben. Ausnahmsgesuche sind an di« S e m i n a r l e r t u n .. H., TeM p e laa ss e 3, z« adressieren. Beizulegm: Gebnrts schein, das letzte Schulzeugnis und rin Gesundheitszeugnis. Ei«! AusnahmsprMung findet mcht statt. Bezüglich etwaiger Sttpendem und der ans der Abso yierung des jüdrschm Rellg'ytislkhrerseminars sich ergebende^ Anstellllngümöa!ichke,ten erteilt die Seminarleitung Auskunft^ Die Ausnahme (persönliches Erscheinen deö AufnahmS-j Werbers in Bcgleitung eines verantwortlichen Aufsehers' erfolgt!, am 3. I «l i und 18. S e p t e « b e r 1921, 10 biS 12 Uhtz/ in der Seminarkanzlei, N., Tcmpelgaffe S. / Der Persoven- «nb Güterverkehr zvs Wiener Messe. 50*/tl§e Erm«bl,»«g für Meffebefucher ««d Messe» Siitee. Die österreichffchm Ei''e»bahnverwalt»ngm haben sich mit Rücksicht auf hie wirffckaftllchr Bedeutung der Wiener Messe bereck rrklätt, dm M<ffebesuchern und Meffmusstellem in der! Bemessung der Gcbühren >m Prrsonm- und Frachtenv-rlehr in weitaehebder Weise en'.grgruzukommm. Rach drn jcht abge'chloffenm Bkthandlunarn zwischen dm Österreich,schm Eisenbahnverwaliungen' und dm Wirnrr Messe genießrn m der Zeu vom S. bis, 25. Schttmber d. I. sämtliche Besucher der Wiener Meise (Aus*, stesser «nd GnkLnfers auf sämtlichen österreichischen Bahnen, so« kern sie sich mit der Mesiea«Swe>Skarle legitimieren können, für Personen- und SchneWige und f ü r eine F a h r t n a ch Wie», «nd von Mm, eine 50*/«ige Fahrpreisermäßigung. L. £ Bl!!■■■■■■■■ An alle Schekelblock-Irihaber! Verrechnet sofort im Zionistischen Umdeskpmitoe (9 bis 3 Uhr) ^48115