Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 860 (19.6.1921)
- Date
- 1921-06-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Äov zmentx BN»rgenzcttung Churchills Erklärungen im Unterhaus. England» Haltung »mt »er Balfour-Deklaration vorgeschriebe«.!“•* TmdM, 16. Juni. Md. Sorr.-Vur.) In seiner s Party nachstehende Mästma-Rssolution unLerbreitet tm Unterhaus abgegebenen Erklärung betonte Churchill s Party nachstehende Palästina-Resolution und zur Annahme empfohlen werden: die Notwendigkeit der. Erfüllung der britischen Ver--- WiKtuntzek ge^nübev den Arabern und' Juden/ Verpflichtungen, die nur auf Kosten des britischen Pre- ' ß^L rm Oste» vertzeugrE werden können.. Er sagte: ,Mir können Nicht erlaube«, daß die Jude« von den gegen svr aufgererzten Arabern mißhandelt werden. Das palästinensische Problem sei gegentocir.tig viel schwieriger als das mesopotamische, povr «Üitärischen Standpunkt aus jedoch viel Leichter. Die einzige Ursacheder Uriiuhe» irr Palästina liege nr b$r zidmstischen Bewegung und in den britische« Bersprechungen. Dies, sei aber noch Li» Grund, um die auf Englands Kosten in Palästina unterhaltene, größtenteils aus regulären BorkriegsverLänden bestehende Garrison zu reduzieren/ Wenn sie daher nicht in Palästina stationiert wären, würden sie irgend anderswo MtwNiert sein müssen, außer daß das Hans ihre AufsysuNg beschließen würde. ZnglandS Haltung gegenüber den Jude» sei von der ' Balfour-Deklaration vorgeschriebe«, dH voin Obersten alliierten Rat in San Remd bcftätigt wurde. Ihr Wesen sei - im Mandatsentivnrf rsiedergelegt, der Ln kurzem dem Völkerbund unterstreitiet werden soll. Die SchwierigLiten, die sich aus diesem Versprechen ergeben, komrnen daher, daß es nzit unserer üblichen Politik der B e f r a g u n g d e s Volkes in den Mandatsgebieten und Gewährung autv-- nä>mer JststiylLionen an dasselbe kvllidierep.,. In diesem F<rlle würde eben eine autonome. Behörde so jvrt die rMsche Einwande.rung einstellen. Es gebe zwax.vMe Schwierigkeiten/ man-werde aber mit Geduld, Kaht-- b.lü:t ißic.it und ein wenig G lü ck ei Mn Ä«sweg finden. . . - , , : Die Einwanderung und die sie begleitende Propa- -ganda haben die arabische Bevölkerung' stark aufgereizr. " ftt Zionisten haben jedoch das vollkommene Recht, ihre Hoffnungen in bLZUg aus die Zukunft Palästinas aus» ' zudrückem f Äie Araber glauben, daß sie in Hen nächsten Jahren von Tausenden von Einwanderern aus Mittel-''und Osteuropa werden' weggefegt werden. "Didse-Hirrcht 'sei ganz illusorisch und 'das müsse man den' Arabern heilftiügen. Redneu habe, jedoch Vertrauen Hü Mir Herbert "‘i tu ue i, her ein ebenso fähiger,, praktischer und^liberater Politiker alI''ein/he'iH'e^r.A^yn-ist sei,/bsr^hZert^auen uitb Ünterstützüng verdiene. Er gast vor kurzem eme Erklärung ah, in der er die Bedeutung der Balfoür- Ähklarativn erläuterte.^ Die' Araber Haber wahrlich keinen Grund zu Befürchtungen. Me jüdische Ei'w w and er u n g se i s o r g fältigüber wa ch t sowohl in bezug auf die Zahl als auch in bezug auf dem Charakter der Einwanderer. i . den Juden in Palästina, geleistete Arbeit sehr/mMw von den von ihnen erreichten pvödnklwerl Erfolgen ungemein überrascht werden. sHedner zweifle, ob jemand, der dies gesehen hätte, sagen köncke, . '. . sie britische Regierung könne ihre eingenommene Haltung aufgebe« / uird dies alles über den Haouftn werfen, .damit diese Erfolge dursch einen sarratischen Ueberfall. der arabischen Bevölkerung in roher und brutaler Weise perluich Le t . werde. . . ' . , Bei entsprechender Entwicklung der natürlichen Quellen Palästinas, und wenn sich das jüdische Kaki iln t bettt Wiederaufbau des Landes zur Verfügung stelle, werde es jährlich neue UnterhaltsmöglichLiten für ^eine angemessene Anzahl jüdischer Gnwarchever geben.' " - - ' ' Man könne n ich t erlauben, daß die' jüdisches Kolonien zerstört oder die ganze zukünftige jüdische Einwanderung eingestellt werde, ohne daß das britische Wort im ganzen Osten seine Geltung verliere.; Sollten den Arabern autonome Institutionen gell-, ährr werden, so würde man mit ihnen zu einem tzesinitipen Uebereinköntmen gelangen müssen, f>te chrnw anderüng der Jude n ins Land sicherstet len werde.' . Unsere Aufgabe ist es — sagte Churchjll — um mit beit. Horten des verstorbenen Lord Salisbury zu jpkschest — die eine Partie zu Konzessionen, die ändere zum Vergeben zu überreden, jedem einen entsptechWen Spielraum zu lassen, um die Einnahme dieser .Haltung sh.r beide.Parteien zu..sichern." . ... .... LioinÄi»«, 18. Juni. Md. Korr.-B'nr.) Wie wir ersah ran» .wird der am 21. d. M. in' Brighton/zusrnimentrelenden Jahresk'ousereuz der britischen Labour . '. - „Indern die Konferenz die Annahme des Mandats über Palästina durch Grvßbriläünieü zum Zwecke d^er! Sicherung der Entwicklung eines jüdischen autonomen Gemeinwesens zur'Kenntnis nimmt, fordert die Konferenz, daß der Wiederaufbau, dieses Landes -- die Regelung der Bodenfrage, bre Institutionen öffent- . licher Arbeiten, die landwirtschaftlichen uwd industriellen Unternehmungen — mich t auf der Gründläge der kapitalistische« Ausbeutung,' syudern i« Interesse der Arbeiter durchgeführt werde« soll. Die Konferenz bedauert, daß die wirtschaftliche und administrative Einheit Palästinas der imperialistischen -Rivalität zwischen Fra n t*, reich und England zum Opfer gefallen.ist, > wodurch das Land, namentlich infolge des Verlustes des Haurän und fast des ganzen oberen Galiläa empfindlich verkleinert und die Möglichkeiten für dessen Besiedlung ernstlich gefährdet wurden. Die Konferenz fordert die Regierung auf, der unnatürlichen iutb überaus schädlichen Te i lun g d es. b t\ t i s che n Mandatsterritoriums ein Ende zu machen. , und die V e r e i n i g u,n g des Ostens Palästinas mit dchn Westen zu bewerkstelligen. >D.ie Konferenz glaubt, daß es im Interesse der friedlichen Erschließung Palästinas und der künftigen Entwicklung der sich selbstverwaltenden Einrichtungen gelegen ist, das Leiben Wohnvölkern des Landes, den Inden und den Arabern, eine volle demokratisch organisierte Autonomie behufs Regelung ihrer inneren Angelegenheiten und mit dem Rechte auf Ginhebung von Steuern Zur Deckung ihrer spezifischen Bedürfnisse zu gewähren." •: Die englische Presse über Ehurchills Rede. London, 16. Juni« (Jüd. Korr-Bur.) Die gesamte englische .Presse bespricht in Leitartikeln die vorgestrige Rede des Kvlonialmiyisters Churchill. ,Mmes" schreiben, daß der größte Teil von Churchills Rede vernünftig war. Nur. gewisse Stellen i.eien. unrichtig gewesen. Wir bezweifeln —r sägte das Matt — ob er,die Bedeutung der zionistischen Bewegung rrr ihrer ganzen Tragweite erfaßt, ob. er tzen Charakter der in Mlästina entstanderren <Äl)wierigkeiten kennt und ob er die Konsequenzen des M nverm ö g en s Herbert energisch entgegenzutreien, versteht. . „Daily Mail" spricht sich gegen weitere Ausgaben in Mesopotamien und Palästina aus und erklärt, daß die Erhaltung dieser Leiden Lander auf Kosten ihrer Einwohner zu geschehen habe. . \ ,Daily Chronicle" drückt alb Regierungsorgmr die Hoffnung aus, daß die.Regierung an ihrer zionistischen Politik in Palästina festhalten werde. Juden und Araber können einander wirklich nützlich werden; es dürfe daher nichts unterlassen werLen, um den Geist der Zusammenarbeit unter ihnen zu entwickeln. Das britische - Imperium hat auch mit Rücksicht auf die Nähe Palästinas vom Suez-Kanal ein Interesse an diesem wichtigen Lande. Niemand anders als die i Juden sind imstande, Palästina zu: einem glücklichen und sich, selbst verteidigenden Lande zu errttoickeln. ' Feierlicher Empfang der arabische« Abord«««g in London. lLoUdo«, 17. Juni. Md. Korr.-Bur.) Wie wir erfahren, wird die aus Palästina hier erwartete arabische Abordnung überaus feierlich empfangen werde». Es werden Vorbereitungen getroffen für BanLtbr, feiere liche Reden imb andere Veranstaltungen. In zionistischen Zkreise» betrachte mau dies n ich t als S y mp ty m einer antizionistischen Stimmung in den amtlichen englischen Kreisen, sondern als den Ausdruck, besonderer Freundlichkeit gegenüber der muselmanischen ' Welt. Bols kommt «ach IerLsalem? Damaskus, 16. Juni. Md. Koxr.-Bür.) Daß hier erscheinende arabische Blatt „Mf-Ba" bringt eine Meldung seines Jerusalemer Berichterstatters, wonach•' - neral Bols und Mr. Watso.n, die unter Ellerchy > an der Spitzender Okkupationsverwaltung standen und gegenwärtig zur Gesellschaft zur Bekämpfung des Zionismus in London gehören, dieser Tage in P a lä st i n a. ointre^en werden, um die Ausreise der. arabischen Abordnung nach England zu erleichtern und ihre Forderungen in London zu unterstützen. Wie die arabische Presse weiter erfahrt, traf Captain Zern ton in besonderer Mission Marschall Allewbys in Jaffa ein,. um Erhebungen über die wahren Ursache^ der Unruhen in Palästina zu pflegen. Die arabische Presse charakterisiert ihn als Persönlichkeit, auf die die Zionisten keinerlei Einfluß haben können. Eine Palastina-ResölAtio« der englischen t Arbeiterpartei. ' 19. Juni 1921 ■ . Seite ■■■ ■i -. ■—:— ..yflff'uy1) Zala«b. Kabiuettskrise ««d Lei« E«de. i. Don nnitttm Pariamerrtsberlchterstttter.) ' Der gegenwärtigen, Leitung der christkichsozialep. . Nationalratsframon kann gewiß nicht der Vorwurf der mangelnder^ Betriebsamkeit gemacht werden, doch sprichst - jedenfalls die Tatsache gegen sie, daß sich die Kybinetts« krise nun schon , die dritte Woche hrnzieht. Der' Partei- und.Klubobmann Dr. Seipel hat nun, um die Fristzum. langen Ueberlegen abzukürzen, den HauptaüÄchutz>: für morgen und den Nationalrat für Dienstag zur. Vornahme der Wahl der.neuen Regierung einberufen lasten und man versichert, er habe auch die Liste des i neuen Kabinetts schon fix und fertig. Durch die.christ..' lichsoziale Parteipreste laßt er verkünden, daß morgen, nach, der christlichsozialen Klubfitzung im Hauptaußschuß,- der - Vorschlag zur Wahl der neuen Regierung tzsmaM werden kanw Es' wird ' e i n ch r i st l i ch s o z'4 ck l e § Kabinet»t zur Wabl vorgeschlagen werden^ 'istdÄsmehrere Mitglieder' - d-'er '.b'is'b ek'rg^n- Regierirng entsendet werden Men.'' ' - Augenblicklich steht also der Plan mr VvrdergkttE - em Minoritätskabinett einzusetzen): das -nur mit denchristlichsozialen Stimrnen gewählt werden würden Drüse Idee-hat zur Voraussetzung, daß die Sozialdemokraten' bei der Regierungswahl eine erkeckliche Anzahl -'ihköv - Leute abkommandiertzn. Ob in dieser Richtung -bÄsits^ verhandelt wurde, mag füglich bezweifelt werden, da die sozialdemokratischen Führer inden ' letzten-Tagennicht in Wien weilten. Präsident S e i tz hat' sich ckäMlich mit mehreren anderen' redegewandten- Führern der- Partei nach Kärnten auf eine Agitationstorrr begßben'/' wo heute die Nationalrats- und Landtagswablen stottfinden. '. -/./I Die Großdeutschen müssen nach dem Verzicht der : Christlichsozialen auf die steirische ArlschlußabstmuuuM Wohl noch geraume Zeit böse Mienen zur Schaü LragEf' es sei denn, daß die großdeutsche Reichkwatteileilüngj unter Führung des durch semest'. Schristenwechsel. HM dem englischen Gesandten Lindley zu komischer Be- . rühmtheit gelangten Herrn Kand^ sich anders besinnt/. : ' . So' sehr auch Herr Dr. Seipel .nach außenhnr dem Anschein zu erwecken sucht, als habe, er das .neue. ^Kabinett schon komplett in der 'Tasche, ebensosehr mM ^Man bezweifeln, daß 'dem wirklich so ist; fehlen doch! bis zur Stunde noch die. rein .technischen und persön--. lschen Voraussetzungen hiefiir. Tatsache ist, daß Doktor!' SLip.el nicht mehr in Händen hat als esnen WWiH' seiner Fraktion auf Neassumierung der steirischen Vp^ks-! absfimmung. Diese Reassumierung/welchefden.Wög. zür^ 'Rdgierüngsbik'düng sreimachen soll, ist vorläufig/'.noM nicht erfolgt, Wohl aber haben gestern ‘ der'' störrisch^ Landeshauptmann, Dr. Rin t e.l e n und sein Stell? Vertreter Dr- Ah rer, die durch ihr Eintreten für das PlehiDzit. den Sturz des Kabinetts. M a'y r.. hörbei»^ sühttey, - d e m i ff t on i e r t. Als Rintelens Nachsolgüv. Wird : der Christlichsozialen. ehemals Groß'üeutsche Professor P a u l genannt. Dr. Seipel verhandelt weiter,^ um mne Regierung zustande zu bringen. Zu. den Groß--» deutschen sind die Brücken noch nicht ganz-abgebrochen/. Gestern erst wurde dem großdeutschen Führer^ MMr,. F r a n k das Justizportefeuille angeboten, er hat dankend! abgelehnt. Dr. Seipel war übrigens auch gestffM noch auf der Suche nach einem rreuen Bundeskanzlers Man verhandelte mit dem Vorarlberger Landesharrpi-! mann-Dr. En der. .Lehnt er die Uebernahme/ der! Kanzlerschaft ab, so käme der gegenwärtige Mimstep des.Innern Dr. Ramek für dieses Amt in Betracht, der auch das Ressort des Innern weiterleiten soll. Doktor Mayr wird schon mit Rückcht auf die von ihm in die Wege geleitete Kreditaktion des Völkerbundes auch dem! neuen Kabinett, als Außenminister angehören.- Da-, geöen: ist es fraglich, ob Finanzminister Dr.. Grimm. ohne bindende Zusagen der Parteien, daß sie sefne« Finanzplan gewissenhaft durchführen werden, in dis neue Regieruüg eintreten wird. Uus ziemlich sicheres Quelle verlautet, daß der .Ackerbaummister Hauers ausgeschifft werden wird, seine Stelle soll der Nationale ratz Weigl erhalten. Im übrigen will man mit de« Gryßdeutschen morgen weiterverhandeln.! •: Aus dem Vorstehenden erhellt, daß Herr Doktopi Seipel mit der Kabinettsbildung noch lange nichts .fertig ist; liest man manche christlichsoziale Presseäuße-j rungen über den gegenwärtigen Führer der Fraktion, sch will es scheinen, daß das Urteil über die taftische Geschicklichkeit Dr. Seipels bei einem ganz ansehnlichen! Teil seiner Klubkollegen schon fertig ist. / v Die Konferenz von Portorose, % Drc seit Fetz mar immer wieder vecschvöellL Konftretiz > :von Porborose wird nun endgültig am 2. Juli Zusammen- -treten-.. Nach Ansicht msormierter Kreise kommt ihr eins weit größere Bedeutung als der Konfer«rx von Rm» zu. Das - geht ' schon ' daraus hervor^ baß i nicht nur die Sukzessionsstaalen, sondern .auch die Enftntelnächte Delegierte nach Poetovose entsenden werden« Den Borsitz wird der italienische Gesandte i» Wien, Marchese? ■ Aktien-Ci «seift <ha?t in Xnterensengemai&sch&ft mit der Fabank B. D. (Holsbank A.-Gr,), BttdapMl Widn, I., Wipplingerstrasse 23 P«8t»p«rkaa$eaKon<v r 150.638 : Telsphom Nr.13-1-87. i.^l-99, 13*3 86, 13 3-38 : Tel.-Adr.: Mtttlwi, Wtttj Kulante LuredtÄdrung von Belehuungeü aUer.Artf