Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 858 (17.6.1921)
- Date
- 1921-06-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 858 Wien, Freitag Wle«er Morgeuzeitans 17. Juni 1921 Seite S 7' * ‘ tagore in Wien. HI lrSq« bic Zustimumng des FuianzmittiMUliüS ttilbedingl äirzuholen gewesen wäre. Nächste Sitzung Dienstag den 21. v. M. nach dev Han»« itzung. Die Kpnferenzen de« Sukzessions. ftaaten. Rom, 10. Juni. Am nächsten Donnerstag wird die Konferenz der Nachfolgestaaten Oestcrreich-Ungarns in Rom ine Plenarsitzung zum Abschluß der Arbeiten abhalt-en. Da än Konferenz von Portorose am S. Juli zusammeni reten wirb, wirb die Konferenz von Rom ihre -Arbeiten :iS zum 1. Juli Unterbrechen. Fast alle Delegierten nehmen?.uch an der Konferenz von Portorose teil. Oesterreich ein wirtschaftliches Problem London, 16. Juni.. (Reuter.) Der volkswirtschaftliche Mitarbeiter der „Time S" bespricht den Bericht des ^euterlkben Bureaus über die Schritte, die zum Zwecke des Abbaues der österreichischen Schulden unternommen wurden, in günstigem Sinne. Das Blatt fügt hinzu, cs herrsche die Ueberzeugnmg vor, daß die Fortschritte viel rascher wären, wenn baS wirtschaftliche Problem von dem politischen getrennt werden könnte. Die finanzielle Äiederaufrichtung Oesterreichs und ZentraleuwpaS sei vornehmlich eine wirtschaftliche Frage und alle Versuche, politische Plane mit den wirtschaftlichen Notwendig»- leiten Zu verquicken, könnten nur eine weitere Verzögerung der Lösung zur Folge haben. Telegramme. Die Vorgänge in Ungarn., Die Kleinen Landwirte für Bethlen. Budapest, 16. Juni. (Ung .Del.-Kvrr.^Sur.) In einer bis Mitternacht andauernden Konferenz der Partei der kleinen Landwirte - forderte Ministerpräsident Graf Stephan Be t hle-n von der Partei einen Beschluß in, der Vertrauensfrage und gleichzeitig auch einen Beschluß, daß die Parteimitglieder in den politischen Kardinal fragen für die Regierung zu stimmen haben. Zuwiderhandelnde mögen die Konsequenzen ableiten. Die Partei votierte hierauf der Regierung einstimmig bas Vertrauen und nahm einen Antrag des Ministerpräsidenten in der Frage der Parteioisziplin an. Kerekes muß in den Kerker. Budapest, 16. Juni. Die königliche Tästl in Äebreczin hatte bas gegen den Abgeordneten der Nationalversammlung Michael Kerekes wegen des Verbrechens der Aüfreizüng gefällte Urteil des Gerichtshofes Miskolcz, womit der Angeklagte zu zehn Monaten Kerkers verurteilt wurde, annulliert und Kerekes zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. Der Verteidiger Kerekes' hat gegen, dieses Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet. (Kerekes hatte in einer Versammlung die Gentry gewarnt, ihre Frechheiten gegen die Bauern zu weit zu treiben. Die Kriegsgefangenen. Budapest,' 16. Juni. Zahlreiche Frauen der noch in Rußland weilenden ungarischen Kriegsgefangenen erschier/n gestern auf der Galerie im Sitzungssaal des Rathauses, wo eine Interpellation wegen Verzögerung der Heimbringung der Kriegsgefangenen verhandelt werben sollte. Als der Bürgermeister die Mitteilung machte, daß die Verhandlung Über diese Interpellation aufgeschoben worden sei, erhoben die Frauen einen ungeheuren Lärm. Sie stürmten in den Sitzungssaal, um die weiteren Der> handlungen des Gemeinderates zu verhindern, und schrien: „Wir fordern die Verhandlung der Interpellation! > Wir werden die ganze Nacht hier bleiben!" Nur mit großer Mühe konnten die Frauen, beruhigt und Ausschreitungen verhindert werden. Schließlich wurde ihnen versprochen, die Angelegenheit in wenigen Tagen zu erledigen. Die Vermögensabgabe. Budapest, 16. Juni. In Fortsetzung der Debatte über am Gesetzentwurf, betreffend die Staatsschulden, verlangt Abgeordneter Andreas Koloczi (kleine Landwirtepartei) vom Finanzmintster einen Ausweis über die Höhe der Ungarn belastenden Staatsschuld. Redner fordert die Besteuerung der Juwelen und Pretiosen, und erklärt, daß er den Gesetzentwurf annehme. ■ Abgeordneter Schließ! bittet, die Inhaber von StaatSanleiheobltgatianen Nach Möglichkeit zu schonen, da diese größtenteils der Mittelklasse oder der ärmeren Bevölkerung angehöre«. Abgeordneter Baron Gzierenyi befaßt sich mit der Frage deS Preissturzes an der Effektenbörse, den er auf die Nervosität des Publikums zurückführt. Auch er befürwortet die Herabsetzung deS SbeuerschlüsselS bezüglich der Kriegsinlethe. Die Streiks i« England. London, 16. Juni. (Funkspruch.) Die Grüben- Besitzer haben gestern ihre geänderten Vorschläge den Vertretern der Arbeitern überreicht, aber letztere Der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore.ist gestern nachts aus Darmstadt in Wien eingetroffen. Der Äektor der Universität und ein Vertreter des Unterrichtsministeriums wollten ihn im Westbahnhof begrüßen, doch hatte Tagore jeden offiziellen Empfang dankend abgelehnt. Er wurde daHer nur von einem Wiener Freunde und einem Staat sau to erwartet, das ihm für den zweitägigen Aufenthalt in Wien zur Verfügung gestellt ist. Als sich der Dichter auf dem Perron zeigte, war jedermann durch die ungetvöhnlich interessante Persönlichkeit gefesselt. Der auffallende Kopf mit dem langen weißen Bart, die hohe, in einen wallenden, silbergrauen Talar gehüllte Gestalt vereinigen sich zu einer Erscheinung, die durch den Reiz des Exotischen anziehlt und schon durch bas Außerordentliche des ersten Eindruckes imponiert. Seine beiden Begleiter, sein Söhn und sein Freund und Schüler Bo rn anj i, waren europäisch gekleidete Tagores Sohn heißt Ratinbranath. Bomanji ist ein indischer Großkaufmann, der seine Geschäfte aufgab, um immer um den Meister sein zu können. Der getreue Jünger ist Tagore auch auf der Reise durch Europa gefolgt. Rabindranath Tagore hat den ganzen Ertrag seiner Borträge dem Wiener Kinderhilfswerk und den Fürsorgeaktionen der Universität gewidmet. Dem von Tagore geäußerten Wunsch entsprechend, die Stätten des Wiener Elends aus eigener Anschauung kennen lernen, hat es die Socisty of. Friends übernommen, den illustren Gast zu führen. Tagore, der über Paris in seine Heimat zurückkehrt, wird sich möglicherweise noch heute abends nach seinem Vortrage im Konzerthaussaal in einem von der tschechischen Regierung zur Verfügung gestellten Flugzeug mit seinen Begleitern nach Prag und von dort in demselben Aewplan nach Paris begeben. , Tagore hat sich noch die Entscheidung Vorbehalten, ob er die Reise nach Prag im Flugzeug machen wird. . - Im Festsaal der Universität fand gestern nacherklärten sich nicht in der Lage, diese anzunehmen. Mac Namara hat neuerdings die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Kohleninbustrie gestern nachmittags empfangen urw es ist ihm gelungen, die Grubenbesitzer zu bestimmen, ihren Beschluß, die Aussperrung schon heute in Kraft zu setzen, auf Ende Junizu verschieben, damit den Arbeitervertretern die Möglichkeit gegeben wird, die letzten Vorschläge der Urabstimmung vorzulegen. . . London, 16. Juni. (Reuter.) Der Konflikt in der B.aumlvollindustrie ist im Prinzip beigelegt worden. Die Arbeiter haben in eine LohnheraLsetzung um 25 Krozent eingewilligt. Dr. Rathenau über den Wiederaufbau in Frankreich. Berlin, 16. Juni. Mwlff.) Reichsminister für Wiederaufbau Dr. Rathenau legte im Ausschuß des Reichswirtschaftsrates die Grundzüge und Aufgaben dar, die sich an den Wiederaufbau Frankreichs knüpfen. Die gewaltige Masse der Lieferungen müsse mit der Aufnahmsfähigkeit Frankreichs im Einklang bleiben. Diesseits und jenseits der Grenzen werde eingesehen, baß die deutsche AuSsuhr nicht alS Maßstab angenommen werden solle; denn dieser Maßstab entwerte die Bons, die in französischem Besitz seien, und entwerte den deutschen Kredit. Was die Devisenleistung anlangt, so werde die Folge eine Vollkommene Zerrüttung des internationalen Geldmarktes sein. Für die Preise her Sachleistungen müsse ein Maßstab gefunden werden, um zu gewährleisten, daß sich die französische Industrie nicht darüber beschweren könne, baß die Leistungen Deutschlands erheblich teurer als die französischen seien. Reben der Preisfrage stehe die Finanzierungsfrage. Die Arbeitsleistungen werben verhältnismäßig zurücktreten. Bezüglich der Beratungen in Wiesbaden hob der Minister hervor, daß dieöffentliche Meinung in Frankreich und einem Teile deS übrigen Auslandes jetzt noch geteilt sei. Es fei eine entschlossene und staatSmännische Tat deS franzö» fischen Ministers der befreiten Gebiete gewesen» nach WieSbacen zu gehen und persönlich die Verhandlungen zu führen» eine Tat. die in Frankreich nicht ohne Widerspruch geblieben sei. Bei den Verhandlungen sind auf beiden Seiten mit voller Loyalität die Schwierigkeiten anerkannt worden, die seitens der Gegenpartei bestanden. Der Minister bewnte, er habe die volle Objektivität empfunden, mit der Loucheur die Interessen feines Landes vertrat. In Deutschland muß? ein Organismus geschaffen werden, der in der Lage sei, Aufträge von Frankreich entgegenzunehmen und sie der Bearbeitung auf deutscher Seite entgegenzuführen. Zwar sei die Aufgabe des Wiederaufbaues noch nicht gesichert, er hoffe aber, daß die Begegnung, die die erste im engsten Kreise zwischen verantwortlichen Staatsmännern beider Länder feit mittags der offizielle Empfang und der Festvortrag Rabindranath Tagores statt. Ein illustres Publikum ' hatte sich zum Empfang eingefunden. Im Festsaal sah' man die Vertreter der Wiener Wissenschaft fast vyllj zählig beisammen. Auch viele politische und diplomatische Persönlichkeiten waren anwesend, Fm Saale herrschte aber kein Gedränge. An der Seite des Rektors betrat der indische. Gast den Saal. Der Rektor begrüßte den illustren Gast. Dann bestieg Tagore das Podium. Er Hielt ein gebundenes. Manuskript in der festen, energischen Hand. Wir stehen vor der Welt — so beginnt er in? reinem Englisch, aber ohne englischen Akzent. - Was Tagore spricht, ist die Lehre seiner Weltanschauung, die er dreifach gliedert: Die Erkenntnis, daß wir sind, die Erkenntnis, daß wir denken, die Erkenntnis. daß wir genießen. Die Menschen haben sich 'der Natur entfremdet, deshalb haben sie die Harmonie verloren, denn nur tiefer, inniger Zusammenhang mit der Natur gibt Glück und seelischen Frieden. Im Heiligtum des Waldes hat sich die Kultur Indiens entwickelt, dort, wo keine Mauern engen und die Begierde nach Ausdehnung der Macht nicht entsteht, das habe ich so deutlich gefühlt, sagt er als unser Schiff auf der Reise nach Europa den Stillen Ozean verließ und ich auf der einen Seite Aegypten sah, <das alte Kulturreich, auf der anderen das streitbare Arabien. Selbst als Fndiön aus der Höhe seiner Zivilisation stand, hat es die bedürfnis- - lose Lebensführung des Waldheiligtums nicht vergessen.' Interessant ist die Art. in der Tagore die Werke Shakespeares, „Hamlet", Macbeth", „Romeo und Julia", das „Wintermärchen" und „Was ihr wollt", der inbi- - schen „Sakuntala" gegenüberstellt. Nur ab und zu in einer Mondszene der Liebe füht man bei den Briten das Aufgehen der Menschen in der Natur; in „Sakutala" empfindet man stets diese tiefe, heilige Harmonie. Auch Miltons „Verlorenem Paradies" geht diese Harmonie mit dem Eintritt des. Menschen verloren. Nur durch Liebe, die uns die Natur lehrt, ist das verlorene Paradies zu gewinnen. Lauter Beifall folgte dem Vortrag, Begann des Krieges gewesen sei, zur Fortsetzung geiz Lösung führen werde. Amerikanisch-japanische Verhandlungen. Washington, 15. Juni. (Reuter.) Die Vereinigten Staaten und Japan sind bezüglich einiger Fragen, so besonders Hinsicht-?, lich der Frage der I n s e l A a p und S ch a n t u n g . sowie betreffs der Einwanderung von Japaner»: nach den Vereinigten Staaten, in direkte Verhandlungen getreten^ Wassilko tritt zurück. Gr will sich nicht kontrollieren lassen. <’ Rom, 16. Juni. (Tel.-Komv.) Der Hauptbevollmächtigtst der Petljura-Regurung im Ausland, Nikolai Wassilko, hat telegraphisch seine Demission gegeben. Wie die ukrainischen Blätt^ melden, gab den Anlaß dazu die Ernennung eines jungenukrainischen Diplomaten zum Generalkontrollor aller ukrainisch^ Missionen im Ausland. Deutsch-tschechischer GewerKschasts- Kongreß. Prag» 16. Juni. Die Blätter melden: Die meinschaftliche Konkurrenz der Gerverkschaftsorgani< fativnen der Republik (Gewerkschaftsbund der deutschen Arbeiter in der Tschecho-Slowatei, der tschecho-slowa^ kische Gewerkschaftsoerband und die tschecho-slowakischst Arbeitsgemeinde) wurde heute vormittags eröffnet. Im! Präsidium beftndet sich unter anderem der deutsche Sozialdemokrat Pohl. Dieser stellte im Laufe der Debatte fest, daß die Arbeitslosigkeit zunehmen. - Die kapitalistische Front Kämpfe gegen die Arbeiter, ob sie nun K r a m L f oder Lodgma n; Heiße. Cs wurde sodann eine Resolution über dje Einführung der Betriebsräte angenommen. Der tschecho-slowakische Ernährungsplan. Prag» 16. Juni. Nach einer Information der »Prager Presse* dürfte bezüglich des Ernährungsplanes ein Uebereinkommen dahin erzielt werden, daß 40 bis 50% des vorjährigen Kontingents gebunden und. der Rest frei sein werde. Dte„Proklamterung'einerslowakischen Regierung in Krakau. Einschreiten der polnischen Regierung. Prag, 16. Juni. (Tschecho-slow. Preßbur.) Gestern erschien beim bevollmächtigten Minister D'v. Griso^,. der polnische Geschäftsträger, um im Aufträge seiner; '! Regierung der tschecho-slowattschen Regierung bekannt-^ »»»»>»»»>»»» An alle Schekelblock-Inhaber! ■■■■naaa«RB« »N,»»>»»«»»» UHDBIBBIIIII Verrechnet sofort im Zionistischen Landeskomitee (9 bis 3 Uhr) i 51441