Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 851 (10.6.1921)
- Date
- 1921-06-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 851 Wien, Freitag . Oesterreichs erfolgen. Unter Hinweis auf die Anschlußbewegung in Oesterreich machen sich aber in Paris Stimmen geltend, welche die Uebergabe vereiteln wollen. Der „Temps^ schreibt im Leitartikel: Am 31. Mai, also am gleichen Tage, da der-steirische Landtag die Durchführung der Volksabstimmung für den Anschluß an Deutschland beschlossen hat, richtete die Bvtschasterwuserenz an die ungarische Delegation ein Schreiben, welches wirklich als nicht zeitgemäß bezeichnet werben muß. Es wird darin von Ungarn gefordert, Westungarn an Oesterreich zu übergeben. Ja, man geht so weit, von der ungarischen Negierung zu fordern, daß sie den Widerstand Mer Westungarn, ivelche nicht Oesteereichev werden wolle,:, unterdrücke. Man muß es als absurd bezeichnen, wenn im Augenblick, wo die österreichischen Alldeutschen den Friedensvertrag brechen wollen, da sie die österHeichische Regierung gestürzt haben, die unverzügliche und Vollständige Erfüllung des Friedensvertrages zugunsten Oesterreichs gefordert wird. Wenn die Ungarn klug sind, dann werden sie erklären: Die Annexion Oesterreichs durch' Deutschland bedeutet unter den gegebenen Verhältnissen eine ungeheure Gefahr für die nationale Unabhängigkeit Ungarns! Wenn Ungarn so sprechen wird, dann wird Frankreich es nicht zwingen, einen Teil seines Landes an bas alldeutsche Oesterreich auszuliefern!" — Die Ungarn werden diesem deutlichen Wink gewiß gerne folgen. Im „Journal des Devats" erklärt Auguste Gaüvain, eg könne wohl Leine Rebe davon sein, Ungarn die drei Kvmitate zurückzugeben. Da aber die österreichische Regierung die Anschlußplebiszite ermutige und so die Verträge von Versailles Und Saint-Germain verletze, werde man provisorisch von der offiziellen Uetzergabe der Mbiete an Oesterreich absehen können- Die Budapest«» Marschaststafel. An Horthys Hof. In der DieuStagsitzung der ungarischen Nationalversammlung machte der Karltstenführer Neniezky, der bekanntlich während des Putsches von Gtelnamanger züsainmen mit Smreczanyi eingesperrt worden war, seinem gepreßten Herzen durch einige interessante Mitteilungen Luft, die er dem Plenum über Horthys Hofhaltung servierte. Er erzählte: < Die Oeffentlichkeit habe aus deck Voranschlag nicht ohne Befremden erfahren, baß die Kosten des Re ich s v erw e setamt es und des Hofstaates mehr als 36 Millionen Kronen betragen.. Finanzminist«» OlMdüS hat erklärt, er werde den Posten beträchtlich einschränken. Die Erklärung des- Finauzministers erfolgte im Finanzausschuß und — im „Äz-Est", der dawals noch nicht als „destruktiv^ vev. s^rien war Und als ein bevorzugter Liebling.deS Reichsverweseranrtes galt. Nun steht daS Parlament einem ' unlösbaren Rätsel gegenüber. Seinerzett wurde daS Honorar des Neichsverwesers mit 3 Millionen Kronen festgesetzt. Dennoch betragen die Unterhaltungskosten des Reichsverweseramtes ungefähr 36 Millionen Kronen, also das Vierfache dessen, was bas alte, reiche und glückliche Großungarn sich an Kosten des Hofstaates geleistet hat, und ungefähr bas Dreifache dessen, was heiüe die ganze Nationalversammlung daS Land .kostet. Es taucht nun die Frage auf, wie dieser Betrag von ungefähr 66 Millionen Kronen entstehen konnte, Md wie dieser seit eineinhalb Jahren unter vollständiger Mißachtung des Bubgetrechtes verausgabt wird. Mein de« Betrag, der für Jagdwag« des Hofstaates veranschlagt ist, stellt sich auf bas Zweifache dessen, wäS das Staatsoberhaupt der Republik Oesterreich insgesamt bezieht In Deutschland erhält daS Staatsoberhaupt an Ehrensold und RepräseutationSkosten insgesamt 200.000 Mark. Die Volkstümlichkeit des Reichsverwesers sei über jeden Zweifel erhaben. Vor feiner Tür« halbe die ungeteilte Liebe und Hochachtung der ganzen Bevölkerung Wache. Darum müssen M außerdem auch eine Ehrenkompagnie und drei LekbgairdeN zur-Verfügung stehen, die 19 Millionen Kronen vom zusammengeschrumpflen Staatsvermögen verschlingen- Budapest beherbergt eine gr o ße G ar n i so n, die ganze Gendarttterie und die ganze Polizei stehen dem durchlauchtigsten Herrn Hyrthy zur Verfügung, wozu die kostspielige Svnderbewachung- Ungarn wird bald gezwungen sein, einen großen Teil seiner.Beamten und Offiziere auf die Straße zu setze«, und zur selben Zeit wimmelt eS in der Burg von höfische«' Volk. Oben glänzende Uniformen und der Soldat muß sozusagen hungern, während junge Offiziere ein- MarfchalUtafet unterhalten. Sie habe« sich sogar Herrn R e p a l e k (den Oberzeremonienmeister des Kaiser- Franz Joseph — Red.) aus Wien bringen lassen,- um von ihm Unterricht zu nehmen — wie man bei der MarschallStafel zu speisen habe. Beniczky betont, seine -,BemerLtngcn" hätten sich nicht gegen die Person Horthys, sondern nur gegen die exotischen Galagewänder gerichtet, die, wie ihn» ein Ausländer gesagt hat, de« Hofhalt in Ofen auf die .Höhe" des HofhaushaltS eines. Hotte«tatt«AhMptrwg6 erniedrigen. _ Die Bodenreform in der Tschechoslowakei. Aus Prag wird gemeldet: Nach einem vom Vodenamt veröffentlichten Arbeitsplan für di« erste Epoche der Durchführung der Bodenreform in Böhmen, Mähren und Schlesien beabsichtigt Bvoenamtz Lvrener Morgenzeitung 10. Juni Mt /Seit e S7 Das €rgebni$ 4er Oemögemadgade. lieber vier Milliarden Banknoten und fast vier Milliarden Kronen Kriegsanleihe. Amtlich wird mitgetcilt: Der erste Schritt zur Verwirklichung btt Zwecke der ein. maligen großen Vermögensabgabe ist getan, mehr als 4 Milliarden Kronen Banknoten wurden aus dem Verkehre gezogen, nahezu 4 Milliarden Kronen Kriegsanleihe werden vernichtet. Nach dem Stande vom 6. d. M. bezifferten sich laut der. Ausschreibungen des PostsparkaffenamteA bei dem stch die gesamten Abstattungen auf die Vermögensabgabe schließlich konzentrieren, die Einzahlungen aus einen Barbetrag von 4316 Millionen Kronen Und aus Schuldtitel , (hauptsächlich Kriegsanleihen) im Nennbeträge von 3936 Millionen Kronen. Diese Ziffern stellen zwar, nicht allein und nicht zur Gänze daS Ergebnis der begünstigten Vorauszahlungen dar, weil einer-' seits sie auch Einzahlungen an Vermögensabgabe enthalten, die nach Ablauf der Frist für die begünstigte Behandlung geleistet wurden, andererseits noch immer. Abrechnungen ausständig sind. Wesentlich wird stch aber daS Bild Nicht mehr ändern. Der ständige AuSfchüß der Kommission zur Kontrolle der Verwendung der Vermögensabgabe hat beschlossen, von der Finanz- Verwaltung zu verlangen, daß die Banknoten der Oesterrerchischungarischen Bank eingeliefert werden und diese den Gegenwert in kurzfristigen österreichischen Staatsschatzschemeu, zu deren ESkompimtammmm—mmn+amtamMammmaBmmamaauaamMamuum tieruug die Dank seinerzeit Danknoten in Verkehr setze» muße, der Finanzverwütung auShändigr, worauf diese rückgelösten Schatzscheitte vernichtet werden. Die Finanzverwaltung hat stch diese« Auffaffung vollständig angeschloffen. In DurchsührMg des BeschluffeS erfolgt die Rückstellung der Banknoten an die Orsterreichisch-ungarlsche Bank in der Weise, daß dermalen eia Betrag von 4209 Millionen Kronen dem Girokonto der Postsparkaffe bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank, auf welche das vorläufige Ergebnis der Vermögensabgabe bereits überwiesen worden ist, angetastet wird. Gleichzeitig übergibt die Oesterreichisch-ungarische Bank am 9„ JLO. und 12. d. M. fällige 27s°/*tfle Schatzscheine iw Betrage von rund 4209 Millionen Kronen in bereits entwertetem Zustand der Finanzverwallung. Durch diese TraaSaktio» wird der Banknotenumlauf definitiv um mehr als 4 Milliarden Kronen verkleinert und der Staat endgültig von einer Schuldenlast im gleichen Betrage befreite. Durch das Ernfließen der Kriegsanleihe» find die Kriegsschttlden um nahezu vier Milliarde» Krone» abgebürdet worden. Die eingelieferren Kriegsrnleche» werden fortlaufend unter ständiger Aussicht der Kommission zur Kontrolle der Vermögens- - abgabe und deS Rechnüngshvfes als Behörde für die Kontroll« der Staatsschuld vernichtet. zu übernehmen: 176.000 Hektar Ackerboden, 255.000 Hektar Waldbads», 7000 Hektar anderen Boden, im ganzen 448.000 Hektar. Die Uebernahme trifft 152 Eigentümer und 248 Großgrundbesitze mit 1000 Wirtschaftshöfen. Bei 58 Großgrundbesitzen wirb der ganze r Boden übernommen, bei neun Großgrundbesitzen der ganze Ackerboden, bei 12 Großgrundbesitzen '40 bis 50 Prozent Ackerboden, bei' sechs Großgrundbesitzen weniger als 40 Prozent, bei 163 Großgrundbesitzen oder mehrere Wirtschaftshöse. In der Slowakei sollen im ganzen 39.000 Hektar Boden von 60 «Eigentümern mit 62 Großgrundbesitzen übernommen werden, in Karpathorußland werden übernommen >5000 Hektar Ackerboden, die drei Besitzern gehören. Der in der ganzen Republik zu übernehmende Boden von Grundbesitzen beträgt 492.000 Hektar, die 215 Eigentümern mit 313 Großgrundbesitzen gehören. Inland. Die Krise der Negierung und ihrer Partei. Heute erst nehmen die offiziellen Verhandlungen. der Christlichsozialen mit den Großdeutschen und der Bauernpartei ihren Anfang. Die Kabinettsbildung dürfte zu Beginn der nächsten Woche erfolgen und Herrn M a h r, der Minister deS Aeußern bleiben soll, mit einer neuen Umgebung versorgen. Die Personenfrage wird noch nicht berührt, man streifet noch immer um die Volksabstimmung. Die Großdeutschen körmen schwer zurück, da auch.sie gegen die Provinz nichts auSrichten. Auf deyr Parteitag der Ch'ristlichfoztalen ist eS ziemlich lebhaft zugegangen. Diese Versammlung der größten bürgerliche» VolkSpartei, die immer so demokratisch tut, verlief vertraulich und man Hort nur, daß das Land mlt dem Kunschak sehr scharf ins Gericht gegangen ist. JrrzaSek, der feine von Hovlhy diktierten Kneipenphrasen stotterte, würde auSgelacht und mußte sich fetzen. Die politische Debatte Motz Mit der Annahme einer Resolution, die wir im Wortlaut hieher setzen, «eil sie am besten die innerliche Faulheit der christlichsozialen Gesellschaft bekundet: »Unter den gegenwärtige« Umstanden ist die einzig mögliche Grundlinie der Politik die Rettung unseres Staates aus den politischen und wirtschaftlichen Nöten. De«. Parteitag billigt daher die von. der bisherigen Regierung eingelettete und von der Christlichsozialen Bereinigung im Nattonalrat gestützte Aktion zur Sanierung der österreichischen Staatswirtschaft mit Hilfe des Völkerbundes. Er appelliert an die Vertreter der Partei im Nationalrat und in den Landern,'alles zu vermeiden, was dieser Aktion hinderlich sein könnte. Er verlangt von den Abgeordneten im Nattonalrät, daß sie nur eine Regierung unterstützen» welche die gekennzeichnete Politik konsequent fortseht, die aber auch mit starker Hand die Verwaltung zu führen entschlossen ist und mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau zugleich die Gesundung der inneren Verhältnisse des Staates anstrebt.* Parteiamtlich wird berichtet, daß diese Entschließung, di« den Charakter des Kompromisses an der Stirn trägt, einhellig mit rauschendem Beifall angenommen wurde. Eine zweite Resolutton belehrt die widerhaarigen Ländler, daß sie in die äußere Politik nichts dreinzureden haben und auch sonst die „einheitliche Auffaffung und Lösung" nicht stören dürfen. Ob das die Bauern und Dorfiatecheten stark rühre« wird, bezweifeln wir. Aber es mutz doch alles geschehe«, um die Leute beisammenzuhalten, denn das Parlament kann in der Weife, wie bisher, nicht mehr arbeiten, da es im Volk keinen Kredit mehr hat. Man spricht sehr viel von Neuwahlen, die im Herbst kommen sollen; bis dahin soll Herr Mahr zusehen, wie er mit der Entente den Finanzplan rettet. Die Zerteilung des Staates in Bundesländer ist de« christlichsozialen Landlern noch immer nicht weit genug gediehen. Auf dem Parteitag führte der Referent über die | Bünderverfaffirng Dr. Bgdler (Vorarlberg) darüber Kü daß in der Verfassung die Wünsche der Länder nach Erweiterung ihrer Selbständigkeit nicht voll berücksichtigt wurden.- Dabei braucht man sich nur cm die länderweise Abstimmung und an die Markwährung in Tirol zu erinnern. Der Kanzler Dr. Mayr mußte sich aber notgedrungen zur föderalistischen Verfassung bekennen, obzwar er in der Abstimmungsangelegenheit und itt der Frage der Freizügigkeit der Wiener im Lande sehr böse Erfahrungen sammeln konnte. Er meinte, „für die Behauptung, daß gegenwärtig von Wien aus zentralistisch regiert werde, können keine Beweise erbracht werden". Es wird , nämlich überhaupt nicht regiert^ * Wie z» erwarten war, ist Kunschak, der bisherige Pnrteiobmann, im Kampfe »nt dem Führer des rechten Flügels der Christlichsozialen, Abgeordneten Dr. S e i p e l, unterlegen. Bei der Wahl der Reichsparteileitung ist Dr. S e r p et) zum Obmann gewählt worden. Ob es Dr. Seipel gelingen wird/ die drohende Auslösung der Partei der Demagogen anfzuhalten/ scheint uns mehr als fraglich. Die KLrntner intervenieren in Graz Wegen der Anschlntzabstimmnng. Graz, s, Juni. (Privat.) Heute erschien hier eine Abordnung deS Kärntner LandeSrates, um bei den Vertretern des Bauernbundes, der Christlichsozialen und Sozialdemokraten wegen der Anschlußabstimmnng zu intervenieren. Bei der Besprechung betonten die Kärntner, daß sie sich in die steierischen Angelegenheiten nicht eirimrschen, sondern lediglich de» Standpunkt der Kärntner festlegen wollten und legten eingehend den Standpunkt der Kärntner in der Frage der Anschlußabstimmnng dar. (Sie find entschiede» gegen eine Fortsetzung der Anschluß«) abstimwungrn.) . Graz, 9. Juni. Wie die Blätter berichte», erschien dien Kärntner Abordnung im Landhaus und schilderte den Vertreter) aller Landtagsparteien die schwere» Gefahren, diel zunächst dem Lande Kärntm auö einer Abstimmung in Steiermark! erwachsen können. Auf Grund bestimmter jugoslawischer, und i t a l i e n i s ch e r Nachrichten habendi« Kärntnert von einer Abstimmung ab zusehen. Mit derj Zusage teö Landeshauptmanns, die von der Kärntner Ab-1 ordnung vvrgebrachteu Mitteilungen dem Parteiklub zur KenntniH zu bringe«» wurde die Borsprache beendet. Der Beginn der Konferenz von Portorose verschoben. | ffilttt» 9. Jm>i. Wie die Politisch« Norrrspo»dmz n fährt, ist an die östeneichische Bundesregierung die Einladungj zur Teilnahme an der Konferenz vv« Portorose ergangen. DH Beginn der Beratungen, der dekarmtlich anfangs für dey 15. Juni festgesetzt war, hat «« Birs chiebung auf 2. Juli erfahre«. - Oberst Honse beim Bnndesmnristrr Dr. Grünberger. Oberst Honse erschien gestern in Begleitnng des ameri^ konischen Gesandten beim Bundesminister für Volksernährung Dr. Grünberger. Oberst Honse, der sich für die wirtschaftliche Lage Orstrrrcichs ans das lebhafteste interessiert zeigte erhielt vom Bundesminister eine erschöpfende Darstellung da österreichischen ErrrährnngSverhältmsse.? Di« Tiroler Aeisescheckrs. Alls Innsbruck wird gemeldet: £.■" Landes.' verkehrsrat für Tirvl veröffetttlicht : rfangreichK Erläuterung zu der schon gemeldeten Verordnung züglich der Reiseschecks. Derselben ist zu entnehmen^ daß der Preiszuschlag zum Nominalwert der Scheck voraussichtlich 16 Prozent betragen wird. j Von einer Unbilligkeit den Fremden gegenüber We angjeälich keine Hede sein. hfl. ftgc AujWag &eg