Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 847 (6.6.1921)
- Date
- 1921-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ftt 847 Mm. Montag * Eschertch itt Innsbruck. Aus Innsbruck wird gemeldet: Sonntag leierte die Tiroler He>matwehr das Fest ihres emiahriaen Bestandes. Dazu war auch der Leiter der bayrischen Heunweyren Dr. E s ch e r i ch erschienen. * Die Erziehungstätigkeit der Altlance Israellie in Palästina. Im Oktober 1820 eröffnete die AUianes Israslits UnivsrssUs die erste Klasse eines Lehrerseminars m Jerusalem- Der Eröffnung wohnten Bcrtreter des Jüdischen Erziehungsrates (WaadHachmuch) bei. Am Schlüsse des ersten Semesters wurden nunmehr die Schüler von Vertretern des Waad Hachinüch geprüft. Dr Kabok, welcher, im Hebräischen prüfte, äußerte (ich sehr befriedigt über die Kenntnisse der Schüler in Ncuhebräisch. Bibel und Talmud. Es sei sehr zu begrüßen, dgß europäisch geschulte Lehrer mir guten hebräischen Kenntnissen herangeZogen würden.' * Werkzeuge für Palästtna. Das New-Norkr Zentralkomitee für die Beschaffung von Werkzeugen für Palästina hat dieser Tage eine große Menge von Werkzeugen eingekauft, die demnächst nach Palästina verladen werden. In kurzem soll ein q cr n z e s S ch i f t m i t W e r k z e u g e ri und ' Maschinen, wie'Zugmaschinen, Stcinbrttchmäschinen und anderen, direkt nach Palästina abgehen. (I. * Bevorstehende Ankunft BialikS ln Litauen. Die Ankunft Bialiks in Komno wird in Kürze erwartet. Dre Sowjet» regierung erteilte ihm die Bewilligung zur Ausreise nach Palästma via. Litauen. Bialik wird sich direkt nach Palästina begeben, ohne sich irgendwo unterwegs auftrrhallen. (I. K.-B.h * Zionistische Bezirkssektion Landstraße, Wien, lll., Untere V i a d u k t g a f f e iS. Die Zionistische Bezirlsseltion Landstraße veranstaltete anläßlich des Nationaltrauertagcs, Donnerstag den 2. d. M . eme Gedenkvcrsammlnng. ber welcher nachstehende Resolution gefaßt wurde; „Die am 2. Juni 1821 tagende Versammlung der Zionistischen Bezirksseklion Landstraße gibt ihrer tiefsten Trauer anläßlich der vor Monatsfrist in Jaffa und den benachbarten Kolonien stattgesundesten arabischen Ansichreitungen, die nicht weniger als "5 jüdische Todesopfer zur Folge hatten, sowie ihrer Entrüstung daiübec Ausdruck, daß die engliche Reaierung daraufhin die Einwanderung uniercr Chalnzim cingrstellt hat. Die versammelten Zionisten danken der englischen Regierung für ihre neuerliche Erklärung, die Balfour-Deklaration mit allen Mitteln in die Tat umsetzen zu wollen, und erwarten die sofortige Aufhebung deS EmwanderungSvrrbotes." * Theoretischer und praktischer elektrotechnischer Kurs. Das Gewerbeförderungsamt des Jüdischen Nationalrates veranstaltet einen am 10. d. M. beginnenden dreimonatigen praktischen elektrotechnischen Kurs, der Arbeiten in Installation St e ch n i k und Uebung im Berfuchsraum umfaffeu wird. Am 1. Sev t e m ber beginnt em z e h n m o n at i g e r theoretischer und praktischer Kurs- Anmeldungen: II., Taborst r a ß e 59 (Arbeitsnachweis), täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags. * Urania. Heute, Montag: V-8 Uhr (Großer Saal) Das Wnnder des Schneeschuhs. — V-6 Uhr (Kleiner Saal) Universitätsprofeffor Dr. Richard Wasicky: Ueber Volks- Heilmittel. V,8 Uhr (Kurssaal) UniversitätSleltor Manns W. Fab er: Drama nnd Jnszene. — V;8 Uhr (Klubsaal): Liebesdichtnugen seit Goethe. * Ende des Streiks in der Rem-Darkev Bekleidunysindustrie. Aus New - Nork wird gemeldet: Der Streik der Angestellten der Bekleidungsindustrie, an dem 25.000 Personen beteiligt warm und der seit Dezember andauerte, ist beigelegt worden. Die Arbeiter habe« einer ik»*/,igtn Lvhnhrrabsetzung zygestimmt. * Die hypnotisierte verlassene GeUebte. In der Gesellschaft der Aerzte berichtete vor einigen Tage« Professor Dr. K o g e r e r über einen Fall von Mißbrauch der H y pnose. Ein Mädchen war von ihrem Verehrer verlassen worden. Sie war darüber so deprimiert, daß sie ihr Bruder mit einem Manne brtannt machte, den er selbst im WiiMause kennen gelernt hatte und der oft und gerne hypnotisierte. Kaum war daS Mädchm von dem Hypnotiseur „behandelt" worden, als fiie in schwere Erregungszustände verfiel, in deren Verlauf sie ihre Angehörigen augriff und nur mit Mühe Überwältrgt werden konnte. Der Klinik übergeben, war die Kranke bei dev Aufnahme sehr Erregt und erst später aelaug eS, teils im wachen Zustand, teils in der Hypnose, ihre Erinnerung zu wecken. Seit drei Tagen ist die' Kranke bewußtseinsstönmgIfrrt. Der Vortragende bemerke, dieser Fall zeige wieder deutlich die G efahr der Anwendunader Hypnose durch Laien. Er avpellierte schließlich an die Aerzte, Schädigungen infolge Hypnose durch Laie« mitzuteilen, damit dr« immer inehr um stch greifenden Schädigungen der BolkSgesundheit ein End« gemacht werde. Konzerte. Fe öfter man Mols Busch hört, umso interessanter findet man btti jungen Künstler, der sich so unauffällig i« seinem Aeußern gibt und so schlicht en seinem Spiel ist.! Als Sohn eines westfälischen Geigenbauers hat er gleich seinem Bruder, dem Stuttgarter Musikdirektor Fritz Pusch, schon von frühest« Kindheit an Musik in sich ausgenommen, in den Rheinlanden seine, musikalische Ausbildung vollendet und erinnert in manchen Wesenheiten an deh „Jean> Christoph" in Romain Rollands berühmtem Roman. Gleich diesem verehrt er seinen Bach und seinen Beethoven — freilich auch. Brahms, der von Rollackd «Epigone" gescholten wird — und duldet, von Reger abgesehen, keine späteren Götter neben ihnen. Ein Stück deutscher Kunst spiegelt sich in dem großen, Hellen, blonden Geiger mit seinem struppigen Haar und seinem etwas schwerfälligen Gehaben wider. Auch seinem Geigenspiel haftet-ein letzter Rest von Erdenschwere an, es fehlt'ihm jede Spur von weltmännischer Eleganz und die Widerstände, die 'er in zähem Kampfe überwinden mußte, scheinen in seinem Spiel'' noch nachzuzittern. Er feiert seinen Beethoven und es sind Stund« der Andacht, die man dabei erlebt. Wie Hubermann in Tschüikowskys Violinkonzert dis flämische Volksseele zum Kltygen bringt, so Busch die deutsche Volksseele bei der Wiedergabe von Beethovens. Violinkonzert, dessen Larghetto kaum inniger gesungen werden kann, und ebenso' geben Abel der Empfindung und Größe der Auffassung seinem Bach-Spiel die höchste Weihe. —"Seine herbe'Kunst, die sich im Laufe der Lahre immer mehr ver!i',ncrl'icht hat.und jedem äußeren Schein und leeren Virtnrl \:ut abhold ist, mußte ihn auch in das Reich der inuerlic.-ften Kunst, der Kammermusik, führen, auch hier huldigt er Beethoven, BtahmS und Regtt und seht den Tenherren im Vereine mii: seinen vortrefflichen Ouarteltgenossen Gösta AnPreajson, Karl Zoktox und Me«er Morgeszemms * Del-Ka Goiserer. * Das ist Wien. Dir Freudenau war am gestrige« Derbytag von rund 30X00 Personen besucht. Es waren 270 Fiaker, 245 Einspänner, 1028 Autotaxi und 420 Privatwagen zugefahren. Der Gesamtumsatz beim Totalisateür betrug K 18.420.110. * Falsche Patzvisa. Am 3. d. M. wurde der 20jähriae Händelsangestellte Manik Fessel, zu Sanok geboren, Große Sperlgaffe 39 wohnbaft, in Lnndenburg angehalten, weil sein Paß ein falsches ischecho-stowakisches und ein falsches österreichisches Visum zeigte. Er wurde nach Wien gebracht und behauptete brr >er Bahninspektion Nordbabnbof, die Visa von. einem gew-ssm Berger gegen ein Entgelt von K 2C0 erhalten zu hüben. Er wurde dem Polizeikommlssanat Leopoldstadt übergeben. . * HeranSgelockte ungestempelte Banknoten. Der Handelsagent Isidor R o n i s. IV., Wiedener Hauptstraße 117, weilte Mitte Mai in Lnndenburg und üb-rgab seiner dortigen Quartiersrau Knrtek am 19. Mai K 199.000 in ungestempelten Banknoten zur Aufbewahrung, da das Geld . nicht nach Oesterreich eingcsührt werden'sdnntri. Tags darauf erschien bei Frau Krutek ein junger Mann und sagte, er sei von RoniS beauftragt, d.aS Geld abzuholen. Er nahm die Summe in Empfang und verschwand. Später stellte es sich heraus, daß ein Betrüger das Geld erhalten hatte. Als Täter wurde der 26jährige postenlose Magazineur Arnold Unger, XX., Bäuerlegaffe 36, am 2. d. M. in seiner Wohnung verhaftet. Er bestreitet, Fra« Krutek zu kennen, jemals bei ihr gewesen zu sein und von der Entlocknng etwas zu wissen. Der Betrag wurde nicht znstaiüe gebracht. Ungcr wurde beute dem Landesgericht eingelreiert. * Die B anknotendüglerin. Wie berichtet, wurden am 16. v. M. die Brüder Franz und Rudolf Fiedler, die Hilfsarbeiter in Hermine Schmidt, die Geliebte dcS Rudolf Fiedler, der. Monteur Karl Saßmann und der postenlose Buchhalter DrzsZ Schwarz dem Landesgerecht emgelicfert. wo sieüberwiesen wurden, Banknoten mit dem ungarischen falschen Stempel versehen z» babrn. Hermine Schmidt, die Thaliastraße 119 wohnte, wurdeäm l.d.M. unter FortführnngderUntersnchung ausderHaftcntlaffen.Sie wurde aber noch am Abend des 1. d. M. abermals verhaftet. Sic hatte bei allen ihren Verhören in Abrede gestellt, an den verbrecherischen Umtrieben der Brüder Fiedler beteiligt gewesen zu sein. Es mar aber herausaelommm, daß sie seinerzeit in ihrer Wohnung für die Brüder Fiedler und im Aufträge des Franz Fiedler die ungarisch falsch gestempelten Banknoten zu K 20 in großen Mengen gebügelt hat, um ihnen ein frisches Aussehen zu verleihen. Auch ist. erhoben, daß sie und ihre Mutter, die 46jährige Hilfsarbeitcrin AloisiS Schmidt in der Wohnung, Thaliastraße 119, vorübergehend zwei mutmaßlich zur Falschstempelung der Banknoten dienende'Druckprcsscft ausbewahrt haben. Sie gehörten den Brüdern Fiedler. Der Aloistia Schmidt fällt außerdem zur Last, daß sie an ihrem Arbeitsorte, in der Maschinenfabrik Warchalowski, Odoakergaffe 32, Kupferspäne und Kohlen gestohlen hat. Bon der Beute wurden nur noch 16 kg Kupsertpäne und 6 kg Kohle im Werte von X 4760 gefunden. Aloista und Hermine Schmidt wurden dem Landesgericht einoeliefrrt. Briefkasten der Redaktion. I. Schächter, Rohaly«. Gewünschte Adreffe: R. Friedl, Wien, 1., Wollzeile 8. — Armer Student. Gegenwärtig bestehen im angefragten Sinne keine Möglichkeiten. Das andere wird später beantwortet. — I. Handelsman«. Firmen in Polen sind nns nicht bekannt. Die gewünschte Adresse in Oesterreich bautet:, Erste österreichische Jutespinnerei und Weberei, Wien, XI., Gräßlplatz 3. — Zion. Wenden Sie stch an den Jüdischen Nationalrat. II., Taborstraße 20». Es ist fraglich, ob noch etwas z« machen sei« wird. Steuerfragekast««. ». Mar ^fc-wwiiVi^tsiiMginiiirmi Gteueradministration zu erstatten, die bisher M Es» war. — GchenKung. Was Sie seit dem 13. März JW' andcren geschenkt haben, wird, wenn der Wert «ehr SÄ K beträgt, Ihrem Vermögen hinzngerechvrt. jedoch «w «ü. Betrage, um den der Beschenkte am 30. Juni 1919 »och L««j war. Hievon haben also Sie die VerwögeicktadgM iz» l3* doch können Sie dm verhältnismäßigen Ersatz vom OD vrrlangcn. Bei Schenkungen an Eltern und Kinder M dies wmn sie seit dem 1. Jänner 1917 erfolgt sind. — Was Sie aus die Vermögensabgabe vorauSgrzablt haÜen, MÄ» S r vom,Einkommen nicht abpehen. Mierzingsaustage und KAM-', struer bildcn dagegen Äbzugsposten. überhanpr aste dstW» Steuern, mit Ausnahme der Einkommenstvaer nnd drrBermöWÄabgabe. Von letzterer sind »vr die 5% Zinsen te>1 80. )«ni LM. abzugsfähig, doch erst in dem Jahre, m dem sie wullusi fpt' werden. — Hermine S., U. Bez Rrgelnräßige Unterstützungen mit Lebcvsmitteln durch Ihre Verwandten Mden siennM'cktig?- Emkommen und sind unter „Sonstiges Ervkowmin^ (k) e nzubekennen. Lankunck Weekslerxesekatt «* Lobstein & Kusznier Wien, ll!.r LaRcSsfttr&sser Kauplstrasse Nr« N Tel. 1263 (Ecke HinlzerelrasEe 1) Tel. 1*€3 Kulante Durßhfahrung aller bankgeschäftlichen Traflsaklionas Der Volkswirt. ■ Gestempelte Krone —.99 Centimes, Anszahlung Wie« -- 1.S2'/, Centime». In Zürich votierte: dir östcneichischc Krone .... 1.32V* ( 1.32'/-- am 4. Jnm) dir öfter:, gestempelte Krone . .—.99 (—.89 am 4 JrmAf dic tschechische Krone . . . » . 8.32'/« ( 8.35 am 4. Jmi)i dir Mark , . .. . 8.97*/, ( 8.S?'/, am 4 Jnhi)' .Igram ........... 430 ( 4.25 sw 4 Jü«i) Bukarest ...... ... . 9.50 ( 9.45 am 4. Ami) Budapest ......... 2.40 ( 2.40 am 4. JmA! Warschav .......... — ö5 (— Jbb am 4 Das Länderbankgesetz. Prag, b. Juni. DaS ^Prager Tagbkttt" meldet rr Der Verwaltungsausschuß für die «euMernchtend»! Länderbank zentrale in Paris hat beschossen,! in Anbetracht der in Wien bestehenden parlamen* tarischen Widerstände daS Ergebnis . der Ker- Handlungen des Länderbankgesetzes nicht abzuwarten, sondern zur Umwandlung der tschechischen Länderbaukfilialen zu schreiten, bevor daS Gesetz m Wien erledigt wird. Ueber Anregung des Vorsitzenden der Botschafterkonferenz, und Präsidenten der. neugegründete» Bank, .Jules C a m b o n, wurde die französische Gesandtschaft in Prag veranlaßt, mit der kschechsslowakischen Regierung in Verhandlungen einzntreten, die demnächst eingeleitet werden. Ausländer. Nicht auf die Staatsbürgerschaft, sonder« ans den Wohnsitz und auf den Aufenthalt kommt eS an. Da Sie in Oesterreich Ihren Wohnsitz haben, sind Sie von Ihrem gesamten Einkommen hier fteuerpsluhtio. ausgenommen wäre mott das Einkommen ans ausländischen Realitäten und ruhenden Gewerbebetrieben. wrnn dieses Emkommen bereits im Ausland der Einkommensteuer oder einer gleichwertigen Steuer «uterlregt. — Richard Al ... s Die Verköstigung und der sonstige Lebensunterhalt Ihrer Familienmitglieder, btt in Ihrem Betriebe verwendet werden, gehört unter dre Betriebskosten, vnd ist daher abrugsfähig. Sie können auch einen Loh» für diese Familienmitglieder in Rechnung stellen, doch muß ihre Tätigkeit geeignet erscheinen, eine im Lohn stehende Hilfskraft zu ersetze«. — H. W. Eine individuelle Aufforderung zur Einbringnng des EinkommensteNerbekenatniffes wird nur m de« scktenste» Fällen ergehen. Die Steuerbehörde ist hiezu berechtigt, aber nicht derpflichtet. Die allgemeine Frist endigt am 30. Juni. — Aeberfiedlung. Die Anzeige der Uebersiedlnng ist bei derjenigen Der Hausarzt. Nckigiwt »et Dr. 6att«I Beer. Heber die Z«cksrKr»«KhM. l Drei Jahrzehnte vrelseitigar Forschungen haben wohl viel Licht in das 'dunkle Wesen der Zückerhatnruhv (DiübeleS) gebracht, doch ist noch inuner das Organ sticht gefunden, dessen krankhafte Störung zu dauernder Anhäufung von Traubenzucker rm Blute zu-dauernder Ausscheidung von Zucker im Harn, kühkt. Man spricht daher von einer Siosswechselkrankheii, da düs Zuckerleiden in einer ganzen Reihe von Orgünen seinen Sitz haben mutz. Denn die aufsehenerregende Entdeckung, daß die Erkrankung der BauchspeichÄdrsi!«' Paul G r ü m m edurch ExakthM des JusammenspieK, tiefes Empsircken, satten Farbenküng und verständnisinnige, pietätvolle Durchdringung der Materie tönende Denkmäler. Sein Quartettspiel war ein ungeirMer Genuß und nur in Schuberts Oktett wäve eine weniger strenge Anffaffung, ein .leichter, beschwingter Tanzrhhthmns im Scherz« und Menüett willkommen gewesen. Für seinen Sonatencrbend (Bach, Beethoven, Reger) hatte sich Busch aus' Berlin den Pianisten Edwin Fischer als treuen Helfer mttgebrachi, wie Busch ihm andererseits als Drvvgent dreier Beethovenscher Klavierkonzerte wertvolle Dienste leistete. Edwin Fischer, der in Berlin besondere Wertschätzung genießt, hinterließ hier wechselnde Eindrücke. Liebevoll versenkte er sich in den lyrischen Charakter des Beethovonschen G-Dur-Konzerts, dessen wehmütiges E-Moll- Andante wie in mystische Fernen getaucht schien, in Beethovens C-Moll-Konzort hingegen waren im ersten Satz «echt irdische Nebel gebreitet, die den klaren. Ausblick trübten. Immerhin trägt sein mitunter verträumtes Spiel den Stempel ausgeprägter Musikalität, reifen Stilgefühls und gepflegter Technik. — Erwähnen wir noch den jungen Robert-Schüler RudolfSeckin, der sich erfreulich zu immer reiferer Künstlerschaft ckni Klavier entwickelt "und in Beethovens Tvipel-Konzert E-Dirr, Op. 86, für Klavier, Moline und Eello als Dritter im- Bunde mit Bnsch und Grüntmer äiiHiuem großen-Erfolg teilhaben drifte. Zur klassischen Musikwoche hat sich auch der Pianist Ernst von Dohnanyi ^nachrÄnger AbwvsenhNt wieder in Men eingefunden. Cr ist älter geworden, seitdem ihm im alten Böscudorser-Saale alle Backfische zujubelten, im übrigen aber der alte gEeben. Ihm ist - alles..- Technische. nur ^schlechtes Geflunker", das ihm weit wenig« gilt als «all' Poesie", und der Poet am Mgel ist er noch immer, ein «recht leichtfertiger wohl, der ohne Uebung Meister sein möchte, aber, ein djenfo sympathischer, dem man ob seiner Sorg- IMrkeit uicht lange böse sein kann. Trotz der sommerlichen Glut in» den überfüllten Sälen' haben die Künstler der Musikwoche klassische Meisterwerke in vollendeter Weise unter stürmischem, .immer noch anwachsendem Beifall zum Vortrag gebracht. Äköge nun der klassischen eine moderne Musikwoche in festlicher Aufführung unter Mitwirkung erster Künstler bald Nachfolgen und bei einem ebenso zahlreichen Publikum den gleichstarken WiderhcD finden! Die Ausbeute der abgelanfenen Saison ast Novitäten war recht dürftig sowohl an Zahl wie nach Gewicht. Moderne Werke, die einer Aufführung wert sind, sind erwteseuer» mähen in genügender Zahl vorhanden; eS bedarf nur brS guten Willens und der geordneten Zusammenarbeit vötr Konzertdirektionen und 5konzertvereinigtmgen mit der leider noch nicht organisierten Künstlerschaft, um, von Häß Gunst unbeeinflußt, die richtige Auswahl der Stücke zu . treffen, hochwertige Künstler für .die AnSsüyriurg. zu Winnen itttb die nicht immer -eingäuglichen Werke durch eiste, größere Probenzahl entsprechend vorzubereiien. Durch angemessene Erläuterungen in den KonzertprogramMeN wir durch instruktive Vorträge wäre allmählich ein größeres P'üblikuäk. fit« die Moderne zu werben und heranzubilden» von der Ehrfichkeit ihres Wollens wie von der Schwierigkeit ihriV Mngens zu überzeugen.., — Ää6 Beispiel Arnolv Cchöttbergsj, der unermüdlich seit Jahr und Tag im „Verein für musitz kalische PrivatMlfführungen" in diesem Sinne -künstftriE tätig 'ist, ist ja allen kompetenten Stellet! und Persönlich» kettest bekannt; er wird nur lvider nicht nachgeahmt. Nebett dem Mangel an Novitäten war namentlich di» Ueberwuchern von Mittelmäßigkeit und Dilettantismus ick Konzertsaal zu beklagen, die nur allzu oft einen schrillen Miß. klang in die abgelaufene Musiftaison gebracht haben. Ästckist sie dank der glanzvollen Darbietungen der klasstscheU! Musikwoche in einen reichen und schönen Schlußakkord äusge»! klungen. ' Dr. Erwin F e \ ste r. I