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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-05 · Heft 846 (5.6.1921) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 846 (5.6.1921)
Date
1921-06-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. ' "Men, Tonntag Wiener Morgenzektnug 5. Juni mi Selie.7, Rappen litt — Jugendglück war es doch. Auch jetzt mühen sich junge Sü'.denten und Studeiitinneu mit heißem Eifer, ihrer Ausgabe gerecht zu werde»:, auch Heuer werden Maturanten bas letzt«; Mal die Schulture Hinter sich ins Schloß fallen l).oren. Was harrt jhrer alsf Entschädigung, als Lohn für'alle'Plage? Die Hetzjagd um den Posten in der. Bank, das Herumlaufen zu Ratgebern und Protektoren, die Sorgen, lote' mau sich standesgemäß Kleider verschafft, die Mühen, wenn sie ein^ Hochschulstudium ergreifen, sich ein paar Lektionen jtt. erlisten. Nur die allerwenigsten, und kaum ein Pater; aus den Kreisen der geistigen Arbeiter, besitzt die Mittel, feinem Kind eine AüSlandSreise. zu bezahle»:.. Perm selbst die bescheidenste, selbst die berühmte „Reise durch die. Schweiz mit' dem Schnellsiede'r", kostet jetzt viele Tausende. DirMt also isi's vorbei. . ' Aber/auch den Daheimgebtiebenen wirb kein Ersatz' . uteÜ für versäumte Jugendfreude. Ein So»:ntagsä,.sflug in oin Wienerwald. — wer Hätte die Kosten überhaupt erst in Erwägung gezogen? Selbst der Arbeiter legte schmunzelnd die' IO üöbcr 30 Kreuzer — wenn es, hoch' ging — per. „Maut: und Nase" auf den Tisch und der wohlgefüllts! Rücksack Verständ sich von selbst. Heute ist ein Ausflug auf den Kahlenberg, um vom Gänsehäufel, Kritzendorf oder anderen Ausschweifungen gar nicht zu sprechen, ein Untevuehmen, 'das wohl bedacht sein will, und ein Luxus, den» sich Halbwüchsige ganz gewiß nicht jeden Sonntag erlauben dürfen.. Mit dem Theater ist es ungefähr dasselbe. Ein Op'er'nbesuch legt so schwere Opfer an Zeit und Geld auf, daß er den Eltern nur sehr selten zugemutet werden darf, urib von dem seligen Fieber einer Burgtheaterpremiere, die inan am höchste»: Stehplatz (60 Heller) miterlebte, haben die'/Herantvachsende:: ^keilte ' Ahnung.' Sie wissen auch nichts ooü dem Vergnügen) in alten Büchern zu stöbern und Halms gesammelte Werke M.3 Kronen oder die „Leonoren-Ouvertüre^mm 30 Heller'tzä 'erstehen. Alles, wonach' sie Der«- langen tragen, ist tener, unsinnig teuer, und wollen sie nicht aus alleJugenbfreude verzichten, so 'müssen sie entweder ein.schlechtes' Gewissen hüben' oder — ein robustes. '".'-"-.Die''MÄ'd'che'n sind dabei vielleicht nöch schlechter daran als die..Burschen. In dem Mter, in dem bte Nascht' sucht- «in«. natürliche psychologische Erscheinung ist, müssen sie ihrem Wünsch unaufhörlich Schranken setzen. Eine Düte mit. Bonbons, ein-' Täfelchen Schokolade, ein paar süße Früchte — so weit reichte es auch in bescheidenen Familien bald'. Jetzt sind -das Kostbarkeiten, hie gar spärlich' zugemeffett werden, und so manche kleine Naschkatze verzehrt sich in-Sehnsucht, sich einmmal, ein einzigesmal sattessen zu können an Süßigkeiten. Mit der Kleidung ist es ähnlich bestellt. Junge Mädchen -Hatzen -früher vielleicht weniger elegantes Schuh* ive'rk und sie-haben bestimmt keine Seidenstrümpfe getragen. Aber — erinnern wir uns doch! —' nette Fußbekleidung,, jedes - Jahr zwei. Paarneue- Schuhe, daswaräuch füt das' Tökhterche:: der- Beamten- und des Lehrers, der Angestellten und-ves. Kleinhändlers die blanke- Selbstverständlichke'tt. - Das zählte ,roch gar -nicht mit' nnd jetzt ist es eine AM ' gäbe/ die oft zu Familienkatastrophen'führt. Ein Weißes' Kleid, eine Seidenbluse, früher Kleinigkeiten,"sind jetzt schtmre Sorgen für die Eltern. Dazu kommt noch, daß diese Halbwüchsigen einen unerhörten, einen noch nicht bageweseiAn! LuxuS. um sich "sehen, der ihre natürliche Putzsucht zu noch hellerem Flackem' aufstachelt. Eine mangelhafte, durch den Krieg vernachlässigte Ausbildmrg beraubt die Heranwachsenden auch noch so. ma»:chen geistigen Genusses, so mancher stillen Freude und verweist sie mit ihren Wünschen auf das. Grob», Materielle. Hier aber haben sie zumeist nur die Wahl, sicht den Genuß zu ertrotzen, mtt Unrechten Mitteln z,» verschaffen pder'z-u verzichten. Arme Jugend! Der Aushau des jüdische» Schul« Werkes i« Wie«. Erweiterung de» Jüdischen Nealgymnafinms und der Jüdischen Volksschule. — Errichtung einer jüdischen Volksschule in der Leopoldstadt. Das vorn ' Jüdischen Schulverein nach Ueberwindung zahlreicher.großer Schwierigkeiten, geschaffene jüdische Hchul». werk -soö inj kommenden Schuljahr. wesentlich erweitert werbem '.Das jüdische Realgymnasium (1.) . Bezirk, .Draht« gaffe 4), das bisher aus" drei Parakleiklassen der 1«,' und . zwei'der I. Klasse bestgird,'.eröffnet , im Schuljahr 1620 bis 1921' 'die 3. .Klasse, . die voraussichtlich wieder in. zwei Parallelklassen geteilt, werden wird, so daß d'ieseÄ::stalt, die sich nach zwijährigem.Pesta»:de bestens bewährt hat' und .deren Leistungen von Gliernkreisen.Ebenso""wie.' von den .maßgebenden sch'ulbehördlichen Faktoren in Rodender Weise aner- . karint worden f:nbf ' zu Beginn ' des dritten . SchuljahveS sieden.'Klassen mit^ ungefähr^ 380 Schülern umfassen'wich. Das Kuratorium des'Jüdischen SchulvexeineS ist unablässig .bemüht, die Hindernisse, räumlicher Natur zu. beseitigen,' um. dem zu' gewärtigenden großen Andrang .von Schülern' tunlichst gerecht werden zu können. Jy gleicher Weise' soll' die?m Vorjahr errichtete' I üd i s ch e B y lkSschule (20. Bezirk, DeniSgasse 33) durch die Aureihnng der zweien.. Pstlksschulklasse erweitert Wochen.' Auch in -.dieser Anstalt, die. sich rm Vevkaufe ihres verhältnismäßig. .tzzrM.., Bestehens das Vertrauen der jüdischen Wemschast' de- Bezirkes erwerben konnte, ist i»n kommenden Schuljahr ein starker Zuwachs, an Schülern zu erwarten, so daß das Kuratorium des. Jüdischen SchulvcrcineS die Möglichkeit der. Aufstellung einer Parallelklasse der 1. Klasse ins Auge fasse:: mußte. Besorrders zu begrüßen ist. die Gründung einer neuen zweiklassigär: jüdischen Bo-lksschule im 2. Bezirk (Tabürstraße 29), die im Schuljahr 1921 bis 1922 ihre Lehrtätigkeit beginnt. -In diesem Bezirk, wo das Bedürfnis nach einer jüdischen Volksschrtle ungewöhnlich stark war, konnte der Jüdische. Schuldere::: erst in den letzten Wochen und unter schweren materiellen Opfern geeignete Schullokalitäten erlangen, die für den klaglosen Betrieb sotvie für eine gesunde Entwicklung der Schule volle Gewähr bieten. Vormerkungen für die jüdischen' Volksschulen werden schon jetzt entgögengenominen: Für Schüler der Brigittenau täglich mit LbuSNahme von Samstag und Sonntag zwischen .6 und 10 Uhr vormittags im Schulgebäude. 20. Bezirk. DeniSgasse 33, für die Schüler der Leopoldstüdt täglich zwischen 10 und 12 Uhr im Sekretariat des Jüdischen Schulvereines. 2. Bezirk, Taborstraße 20 a. Neuaufnahme in das Jüdische Realgymnasium. Die Einschreibungen für die l. Klaffe deS Jüdischen Realgymnasiums erfolgen ab Montag den 6. bis ein s chließlich Freitag d e n 10. d. M., nachmittags von 5 bis ,6 .Uhr, in der Kanzlei des Jüdischen SchulvereineS,!!., Tabvrstraße 20 a, Zimmer Nr. 1.' Ausnahms- und Prüsungstaxe (Li 120) ist bei der.Einschreibung zu erlegen. . Nach demlO. JunikönnenAn m e ld.u n gen nur aüsuahmswerse und ohne Gewähr d e t A u fnahme e n t g e g e n ge n o m m e n werd en. - ■ - Die Wetterkatastrophe i« Nieder« österreich. Schaden von mindestens einer Milliarde. ' " Dve Hochwasserkatastrophe des Traisen«,' Gölsen-, Perschling- und Pielachtales hat riesige Schäden an öffentlichem ui»d Privateigentum angerichtet, die man auf eine 'Milliarde Kronen schätzt. Dr. Mahr und der. Finanzmimster haben eine weitgehende Hilfe zugesagt. Auch Landeshauptmann Johann Mayer sicherte die werktätigste . Unterstützung zu. Die holländischen Teil«, nehmer des Kleinbahnkongresses versprachen, Mer .'ein amtliches Schreiben des Landesrates Sever,'in Holland eine' großzügige Sammelaktion in holländischen Gulden einzuleiten. , Die Traise,n , ist,, .wie aus St. Pölten gedrahtet .wird,-in der Strecke von St. Pölten bis Wilhelms«, bürg aus dem linken Ufer, getreten und hat den Damm zweimal durchgerissen, worauf sich ein ungeheurer Schwall von Wasier und Schotter Mer die Felder und die neu angelegten schönen Schrebergärten ergoß, alle Kultur mit sich reißend. DaS Hochwasser in Steinklamm. Freitag begab sich eins Magiftratskommission in die Lungenheilstätte Steinklamm, um die notwendigem Erhebungen zu pflegen. Es konnte festgestellt werden, daß die Kranken durch den Wasie-vembruch an Gesundheit und Eigentum keinen Schaden erlitten haben. Auch die Baulichkeiten blieben bis .auf starke Verunreinigung der Fußböden intakt, nur die Gartenanlagen und Wege haben durch Verschlämmung gelitten. Es ist zu hoffen, daß in etwa drei Wochen der volle Betrieb wieder wird ausgenommen werden können. Kriegsinvalide demonstrieren im Dorotheum. Gegen die Versteigerung von Kriegsmarken. -Die gestern im Dorotheum stattgefuvdene erster Spezialauktion von Postwertzeichen der ehemaligen Feldpost und der Militärpost in Bosnien nahm eine« sehr b e w e g t e n B e rl a « f. Es handelte sich um die Veräußerung größerer Posten von Karl-Fonds-, Invaliden-, Witwen- und Waisenmarken, die Sur KriegSopferfürforge herausgegeben wurden. Die Versteigerung würde durch di« Hauptanstalt für Sachdemobilisierung vorge« nommen. Die K r i-e g s b e s ch 8 d i g t e n, die von der Versteigerung K-nntniS erhalten hatten, beabsichtigten ursprünglich. die Auktion zu spr e ng en, und esgelang erstna^langwicrkgeü Verhandlungen, beschwichtigend einzuwirken. Nichtsdestoweniger hatte sich eine größere Anzahl von Kriegsinvalide» und KrirgerSwitwen im Aultionslokal eingefunden nnd wollte nicht zugebrw daß die Marken versteigert werden, bevor nicht der Erlös für die Kriegsopfer stchergestellt fei. ES kam zu lärmenden Szenen und erst durch das Einwirken der Leitung des ' Zenlr-lverhandes gelang es nach stürmischen Debatten, die Invaliden zu beruhigen. Sie verließen schließlich daS Auktion-lokal, so daß die Versteigerung ihren ungestörten Verlauf nehmen konnte. Cs handelt sich hier um einen Betrag von hundert M i l l i o n e n Kronen, der, wie die Kriegsopfer wollem -ur Verstärkung de- Kneg-opferfonds herange-ogen »erden soll. StreikdrohnngderIndustrieangestellteu Im Favorttener Arbeiterheim fand gestern ' mittags oie Vollversammlung der Betriebsräte d'E , Jüdustrieunternehmungen, welche den KollektivvertragÄ gemein schäften des Bundes der Jnbustrieangestellterh angeschlossen sind, um zu der ablehnenden HaltuitK gegenüber den Forderungen der Angestellten Stellung zu nehmen. Der Präsident des Bundes der Industrie^ Angestellten Seidel berichtete über den Startd dSts' Gehaltsaktion und teilte mit, daß seitens des. J'ndustriellenverbandes an den Bund ein Schreiben gerichM wurde, worin erklärt wird, daß sich der BerbandslÄ ' ausschuß Montag mit den Forderungen der An.g^ stellten beschäftigen und in der Dienstag.stattsindenoeyl. Vollversammlung des Jndustriellenverbgndes über dA Forderung der 'ISi/zprözentigen Erhöhung der Grunds; gestalte beraten werde. Nach Erstattung dieses Berichtesl hielten die einzelnen Branchevertreter Besprechungen ab, worauf von den einzelnen Vertretern jeder GrupW- Erklärungen abgegeben wurden, daß im Falle der>' weiter ablehnenden Haltung der Unternehmer sossiH das äußerste Kampfmittel in Anwendung zu kommen) habe. Hierauf wurde eine Resolution einstimmig an->^ nommen, welche für Mittwoch den 8. d. M, de^. Streik an droht. Die DorgKnge in der Devisenzentrale^ Zvr Affäre Schneider. i Me wir erfahren/ hat der Direktor der DeviM^ zentrale, Hofrat Spakovic, im Hinblick auf die .faf letzter Zeit gegen die Devisenzentrale, im Zusammen^, hang mit der Affäre des in Linz verhafteten Beamte^ Schneider, erhobenen Anschuldigungen um die- Ein< seyung einer Un.ter suchungskommis.fion an5, gesucht, zu welcher. Parlamentarier herangezogen wer^. den sollen. Der Streik der österreichische» Bergarbeiter -eendet. E Die Lohnbewegung', unter den KohleiibergÄrML^A^ irr, Wieder öfterreich' und Steiermark, die am 12. Mäh l. Z. zur Einstellung der Arbeit in fast allen Kohlend - bergbauen dieser 'Länder geführt, hatte, ist munmehÄ.' zum Abschluß gebracht worden. In den meisten Kohlen«» - gruben wurde die Arbeit am 30. Mai wie-der ärrsie ge na m men, nur bei den Braunkohlenbergbawer^- F o h n s d o r f und S e e g r a b e n der OesterreichischM Alpinen Montangesellsch'aft ist eine grundsätzliche EiNWgun-g in der Lohnsrage erst gestern erzielt wordchLß' sodaß auch' diese Gruben morgen wieder in BetMbsi kommen. Die Lohnbewegung endete mit einer weserÄ lichen Erhöhung des.Lohneinkommens der BergarbejM«1 Ein neuer Selbstmordversuch Harry! Wäldens. / Fra« «nd Sohn die Pulsadern durchschnitten. Berlin, 4. Juni. (Privat.) Der Schauspieler,- Harry Waiden, der vor einigen Monaten in Men, einen Selbstmordversuch verübte, hat gestem mittags s e i n e r F r a u, s e r n e m Sohne und st ck selbst die Pulsadern durchgeschnite«^ Die Verletzten wurden in das Krankenhaus Westens gebrächt. Der Zustand der Verletzten ist s.e h r ernste der Schwächezuftand des Sohnes ist jo groß, daß er,- kaum mit dem Leben davon kommen, dürste. Wie festgestellt, wurde, haben sich alle drei Verletzten vor Verübung der Tat M o r p h i u m e i n^ spritzungen beigebracht. Das Motto der Tat ist seelische Depression. Heldentaten der Jünger Lntsftawskis^ Aus Krakau wird-Uns berichtet: Der bekannt; . Hetzapostel Pater Lutoslawski. nationaldemvkrati-j sther Deputierter im polnischen Sejm, sollte in de^ Krakauer Universität einen Vortrag unter öemrj Titel „Die Jugend und die Politik halten. Die-aLa-.i bemische Jugend der Krakauer Universität wollte Diesen . Vortrag-nicht ab halten lassen. Sie entsandte eine sDepu^. lation zum Rektor, welche erklärte, daß, für den Fay« als Unruhen vorkämen, die Vorlesung von den Studeytm ' verhindert werden würde. Der Rektor erklärte, .nach!-' einer Beratung mit dem Professorenkollegium, be^- Vvrtrag würde überhaupt nicht stattfinden. UeberdiE" fand eine Versammlung der gesamten sörtschrittlicheri! Studentenschaft statt, welche eine Resolution annahm^ daß die Hochschule nicht für Agitationszwecke benützt^ - werden dürfe' und daß besonders Leute vom Schlags Lutoslawskis, deren Tättgkeit Polen nür Schäden', bringe, an der Universität nicht zu Worte wmmefr!'- " dürfen. Dawb entstand bei den rechtsstehenden beuten große Erregung, es kam zu einer Schlägereh,z TUNGSRAM biii:': -L -'»«»»»»»» »M »«»»»»» l» d ita ü » » »'«««««»»«M-»

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