Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 846 (5.6.1921)
- Date
- 1921-06-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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EeUe 6 V Wie«, Sormhrg?5 W «SA $' Der Streik in der englischen Mamrsakturindustrie ansgebrochen. Paris, 4. Juni. (Funkspruch.) „Petit Parisien* nieidct. öaß in der englischen Manufakturindustrie. ein Konflikt nusgebrychen sei, der den streikenden Bergarbeitern weitere 600.000 % r b c t i s I o f e zugeselle. London, 4. Juni. (ÄZolff.) Der „Dallp Mail" Zusolge wollen die Arbeiter in den Bau m w o I lspinnereien von Lancashire wegen Gehalts- und Lvhndifferenzen die dlrbeit einstellen. Der englische Bergarbeiterstreik. London, 4. Juni. (Reuter.) In Erwiderung aus bk Vorschläge der Regierung schlagen die Kohlengruhrnbesitzer vor, daß ein nationales Lohnbvreau unter Vorsitz einer neutralen Persönlichkeit die Fragen zu prüfen hätte, die sich auf den Mormallohrr und auf das Verhältnis beziehen,, das zwischen den Erträgnissen und den Lohnen bestehen soll. In Ihrer Antwort nehmende Grubenbesitzer im allgemeinen die Vorschläge d e r R e t* tung au und machen für deren Dnrchsühnrng eigene detaillierte' Vorschläge. London, 4. Juni. (Reuter.) Der Exelutwausschuß der B e r 8 I Mt i c hielt heute zwei Versammlungen ab. Der Anschuß erhielt heute nachmiltagsOeine Mitteilung Lloyd Georgesmlche besagt, daß die Regierung keine neuen Vorschläge machen onne und daß ihr Angebot nur noch für U 2 a q c g ü l t i g s e i. D'rrei-B'rith-Logen Englands für den Zionismus. Mainchefier, 2. Juni. (Jüs. Korr.-Bur.) Die hier Agende 20. Jahrcskonferenz des unabhängigen Ordens B'nei B'rith. an der 100 Delegierte verschiedener Logen tsiluahmen. na hur die ein ft i m nr i g e N e sv-l u t io n an. das; sich der Orden mit der zionistischen L-ltbeweg nngidentisiziert und den Aufbau lös nationalen Heim» in Palftina als eine seiner w ich? ^igftcn Aufgaben betrachtet. Die deutschen Bergarbeiter fordern die Sozialisierung der Gruben. Gießen, 4. Juni. (Wolfs.) Am letzten Verhandlungstage «er Generalversammlung des Deutschen BergarbriterverbandeS vnrdr einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es reißt, -daß der Brrgarbeiterverband an dem Bielrjelder Beschlüsse ,om Jahre 1919 über die S o z i a l i s e r u n g de s B e r g- tscS und an der gleichgerichteten Entschließung des Interrationalen Bergarbeiterkongresses f e st h a l t. Der notwendige Schutz der öffentlichen Interessen grgm die privatkapitalistische, nonopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohfioffindustrie sei Kr Hauptgrwd für die Forderung der Sozialisierung. Bismarcks Memoiren. Urteil im Prozeß Exkaiser Wilhelm-Verlag Cotta. Berlin, 4. Juni. (Tel.-Kvmp.) In dem um die M e- «oiren Bismarcks entbrannten Streit zwischen.dem Verlag Cotta und dem Exkaiser Wilhelm, der gegen die Verisscvtlichung des dritten Landes Einspruch erhoben hatte, vurde heute folgendes Urteil verkündet: Aus die Brmswlg des klägerischen Verlages Cotta wird das Urteil vom?. März 1920 folgendermaßen abgeändert: Es wird verfügt, dgß. »er Verlag Cotta berechtigt erscheint, die Briese des Exkaisers Wilhelm an den Fürsten Bismarck vom 14. Juli 1889 und die Briefe des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, späteren Kaisers, Friedrich Ul., an den Fürsten Bismarck vom 17. August 1881 mb 28. September 1886 als Bestandteile des Werkes zu veröffentlichen und zweckmäßig zu verbreiten. Die weitere Berufung wird rurückgewiesen und bleibt das Verbot «übrigen bestehen. Deutsche Justiz. Leipzig, 4. Juni. (Wolss.) Das Reichsgericht hat den rüheren U-Boot-Kommandanten Kapitäuleutnant Karl R e uvannfreigesprvchen. Gegen das Verbleiben. Exkaiser Karls in -er Schweiz. London, 4. Juni. (Reuter.) Der diplomatische Korre- -ondmt des »Daily Telegraph* berichtet, daß mehrere Gesandte der All irrten .in Bern einen Kollcttivschritt bei der schwelzerischen Regierung unternommen Men, dessen Gegenstand die durch die fortdauernde Anwesenzeit des Exkaisers Karl ans Schweizer Boden ,eschassene Lage bildete. In ganz Zentraleuropa und in Italien vürde ein Gefühl größerer Sicherheit Platz greifen, wenn der Hkaiser seinen Aufenthalt in Spanien nähme. Der tschechische Metallarbeiterstreik. Prag, 4. Juni. (Privat.) Die Verhandlungen zur Bc> «gpng des M e t a l l a r b e i t e r st r e i t s, die Freitag im Ministerrum Hk soziale Fürsorge 'ast bis Mitternacht aydauerteu, »erliefen ergebnislos. Den Gegenstand der Beratungen bildete die Krage der Wiederaus nähme der entlassenen Arbeiter. Die Bersandlungm wurden Samstag voi mittags wieder ausgenommen. Legalisierung des Jüdischen Nationalrates in Litauen. Kowuo, l Juni. Md. Korr.-Bur.) Der litauische MrUifteriur behandelte aus seiner letzten Sitzung die Leg * \ i j i <t \ u it g des jüdischen Nationalrats für Lidewreu als staatliche Einrichtung Das Gesetz würbe bsMA in ersher Lefung angenvrnmen. Wiener Morgeuzeitang 5. Zwir 1921 Nr. 846 Mtteilnngen aus dem Publikum, i Hirschl Ladislav Hirschberger Krizeyci (S. H. S.) Wien, I Verlobte l m M a i 19 2 1 219 Dr. S. D. Margules und Frau zeigen hocherfreut die Geburt eines Töchterchens an. Jaroslau. im Mai 1921. Möbel ii. Innendekoration in rrösater Auswahl. Kur jrediceeae 619 Erzcnjcnisse. .. OBEL ann« VH.,SchottenfeIög.24 — Telapboa 381-08 — GRÖSSTE AUSWAHL IN LtJXUS- UND STIL- MÖBELN MÄSSIGE PREISE 410 Kuranstalt Jostria" Prohnlelten bei Graz. — Pauschalpreise. — Chefarzt: Dr. S. Weise. Wasserdichte Regenmantel Gummi, imprägnierte und Seide u? 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ARBEITERN 10% NACHLASS Maßnahmen gegen die Kemalisten. London. 4. Juni. Das Rrutrrsche Burean erfährt, daß nach de» letzten eingetroffenen Telegrammen, die dem Auswärtige» Amte zvgegangen seien, die Feindschaft der Regierung von Angora rapid zunehme. Außer den bereits gemeldeten Attentaten haben die .Nationalisten, weitere britische Untertanen verhaftet und einem, britische» Schiffe verboten, seine Ladung zn löschen. Sie vrrdietm anch die Einluhr in die Häfen. Die gegmüber der Regierung von Angora einzuschlagende Haltung wird von eine« Mmistennt anfangs nächst« Woche geprüft wevde». Tagesbericht. Dr. Isidor SchalU. Anläßlich seines fnofzigste« Geburtstage«. Ciner der opstr freudigsten Wiener Vorkärnpfer deA Zionismus und der iübifrlycjt Moderne, Dr. Isidor Schnlit. begeht heute seinen fünfzigsten GebMttz-i lag!-. i Es bleibt unvergessen, daß Isidor' Schslit sichj dem damals recht einsamen Begründer des politische Zionismus, Thepdor HerM yoch vor Erscheinen seiinesi „Judenstaat" zur Verfügung '.stellte und ihn müt de» „Chowewc-Zion" in' Verbindung brachte. MM Schalit insbesondere in den ersten kampfreichen Jahvach des jungen Zionismus, geleistet hat, mit welcher Hin-! gäbe er jür die VeMeituZgIer Ahee, Mr die Erziehünch der Jugend wirM 'Datkeaft ex be«i äußeren «und inneren. Feinden des Judentums ent-< gegentrat, kann nur der ermessen, welcher damals imj der Bewegung stand. Er war der Hort und.das Rück^ grat der jüdischen Studentenschaft,' die ihn liebte -uÄ nmjubelte, wie ihn die antisemitischen Studenten ■—, der - Rassenantifemitisnms stand damals im Zenit — achten nnd^ fürchten mußten. Nicht zuletzt ihm ist es' zn> danken, daß die damals in sich gespaltene, dem Afsi^ rnilationswahn ergebene oberflächliche jüdische Aba-- denülerschaft znni ersten Werkzeug der zionistische«! Bewegung geformt wurde. Schalit hat an den Vorbereitungen zum eilten Zionistenkongres;, den bekanntlich hie „Protestrabbiner^ verhindern wollten, hervorragend Anteil genommen, wirkte an der Gründung des zionistischen Organs „Die Welt" mit und versah vom Jahre 1898 bis zum Tvhv Herzls. das wichtige und verantwortimgsvollL Ami eines Sekretärs des Wiener zionistischen Aktion».» komiiees. Unmittelbar vor dem ersten Kongreß hatte er an der Spitze einer zionistischen Aerztegruppe, die er zusammenstellte, ün Aufträge der Wiener Zionisten am griechisch-türkischen Oongveß teilgerMMM^n. Als nach Herzls Tode das zickinstische Aktions-, komitee nach Köln übersiedelte, übernahm D'r. Isidor Schalit die Führung der österreichischen zionistischen Partei, deren Struktur der unermüdliche Mann schon deshalb vortreffliche kannte, weil er fast, alle zionisti-. schen Ortsgruppen in den westlichen Provinzen des' ehemaligen Oesterreich geschaffen hatte und mit den zionistischen Führern . Galiziens' und der Bukowina ununterbrochen in Fühlung staiid. Alsbald begann er für die zionistische Landes Politik zuwirken ■ und ihm ist es zu danken, daß auf dem Parteitag im| November 1905 das nativnaljüd i'sche Gegenwart s p r v g r a m m gegen ' eine - statte Opposition durchgesetzt wurde. Bekanntlich hat auch D'r. Isidor Schalit als erster jüdischnativnaler Kandidat sich im Wiener Jüdenbezirke im Jahre 1907 unk ein Mandat beworben und mit unvergleichlichem Elan anläßlich! dieses heißen Wahlkampfes die Idee der jüdischen Moderne -propagiert. .! Seine Teilnahme an der politisch-zionistischen Arbeit während eines ganzen Menschenalters, seine, ausgezeichnete Kenntnis der neuen zionistischen Be-- wegung, die Herzl schuf und die Schalit wahrhaftig! mitgelebt - hat, veranlaßt^ die zionistischen Führer, welche sich nach' dem Weltkriege zu der denkwürdigen ersten Konferenz in London versammelt hatten, Isidor Schalit zum Referenten der p-olitischen Immission Zu bestellen. ' \ Zu den Glückwünschen, anläßlich' seines 50. Ge-" burtstages gesellt sich' inniger Dank für bas vorbildliche, unermüdliche selbstlose Wirken des ansgezeich-- nejen.Mannes im Dienste des Volkes. - , Arme Jugend 1. Der Heranwachsenden Jugend wird jetzt von allen Seiten recht viel Böses nachgesagt: Zügellose Genußsucht, Rücksichtslosigkeit, Mängel an Selbstzucht und makrielle Gesinnung. Die Vorwürfe sind schwer. Dennoch — ungerecht sind sie nicht. Eigentlich trifft alles zu, vom ersten bis zum letzten Punkt, trifft zn bei .99 von 100. Mer was die strengen Richter nicht bedenken, das ist, wieviel diese Jugend entbehren muß, auf wie viele harmlose Freuden sie verzichten muß, die den früheren Generationen als selbstverständlich in den Schoß fielen. Man wirft der modernen Jugend Vergnügungssucht vor. Aber man vergißt, ruf wieviele ihrem Alter angemessene und natürliche Zerstreuungen diese Heranwachsenden nicht mehr rechnen dürfen, wieviele sie gar nicht mehr kennen, nicht mehr rechnen dürfen. Früher hatte nur die Arbeiterjugend das schönste Recht der Jugend, das Recht, in die Ferne zu streben, die Fremde zu sehen, fchuLloÄ verwirkt. Der Sohn aus bürgerlichem Hause (worunter damals nicht die Großbourgeoisie zu verstehen war, sonder» die Kreise der Intelligenz) und späterhin auch die Tochter machte seine „Maturareise", die geradezu zu den geheiligten Institutionen zählte. Den einen zog es nach^ Tirol oder in die Schweiz, der andere wollte das Meer sehen, der Dritte unternahm eine Städtvreise »ach Deutschland. Die Ellern nickten lächelnd Gewährung — Ryisen bildet, hieß eS, und die Wünsche waren wahrhaftig nicht unbescheiden^ Die Reise nach Triest kostete ja weniger als heute die Fahrt nach Baden und mit -all Kronen konnte man weit, kommen und lange aushalten. Darum traf mau den Wiener Stiidenien auch allüberall und tvenn ec aucti M pHÄydsrHm WM «ügMtL Md, ikW iv»f KAultzuÄ.