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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-01 · Heft 842 (1.6.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 842 (1.6.1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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erae 4 Wien. Mittwoch 1---—11 mnmm... ■ ,1. IW. , , n.... ...i.i n i—■■ im.M****- i 's« Die IndusteLekrise in Sowjetrußland. MÄskau, 31. M-ai. (Fuutsprüch.) „Vjestni^ schreibt über die Jndustriekriso: Man braucht nicht ein oder Zwei Jahre, sondern eine lange Reihe von Jahren dazu, um die Folgen der Räubereien der Weißgardisten zu beseitigen und die Großindustrie wieder aufzurichteir. Bis zu diesem Zeitpunkt sind aber Kleinindnstriennd Warenumtausch (Kleinkapital) notwendig. Wer das Klemkapital beseitigen will, darf dieses Ziel nicht etwa durch Enteignungen, Requisitionen, bureaukratische Maßnahmen, Verbote und dergleichen, sorchern muß es durch die Herstellung billiger und guter Ware in Großbetrieben zu. erreichen 'trachten. Die Konkurrenz zwischen Groß- und Kleinbetrieben wird lange Jahre dauern. Bevorstehende Erklärung Churchills. London, 30. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Wie wir erfahren, wird Kolonialmimster Churchill Donnerstag den 2. Juni die Politik der englischen Regierung im Mitte!osten in einer ausführlichen Darlegung vor dem Unterhause zur Sprache bringen. Man erwartet eine lebhafte Debatte über die britische Politik in Palästina sowie über das Palästina-Mandat selbst. Die EinwanÄernngssperre in Palästina. London, 30.. Mai. (Jüd. Korr. - Bur.) Unterhausmitglied und gewesener Minister Artur Henderson hat im Namen der britischen Labour Party eine Anfrage an die Regierung Angebracht, in der die Regierung zur Darlegung der Grürche für die eingestellte Einwanderung nach Palästina aufgefordert wird. Der nkrainisch-rnsfische Kongreß in NetzhenhaK. Berlin, 31.. Mai. (Tel.«Kc>n,p.) Au de« Kongreß in Keichknhall nimmt unter anderem auch der frühere Erzherzog Vilh.el m von Oesterreich teil, der bekanntlich als Kron- »ratendeut der ukrainischen Monarchisten gilt. Das Preßbmeau ^es Kongresses erklärt, daß dieser lediglich wirtschaftliche Ziele »erfolge, und gibt gleichzeitig folgendes Coummniquö aus: Die Tagung bezweckt keinerlei politische Besprechungen, da solche von »er bayrischen Regierung nicht geduldet werden könnten. Sie dient vrÄchlirßlich dem Ziele, zwischen der russischen und deutschen Jnwstrie neue Beziehungen anzutnüpfea. Die bayrische Regierung -alte die Einreiseerlaubnis nur unter der ausdrücklichen Bemerkung rteilt, daß die Russen sich ausschließlich über wirtschaftliche und eine politischen Fragen unterhalten. Die Auflösung der Orgesch. Berlin, 31. Mai. (Tel-Komp.) Im Laufe des hentigeu Tages wird die Reichsregirrung an General Rollet die am N. Mm fällige Liste der in Deutschland tins Grund des E n tuaffnnrigSgesetzes auszulösendeu Organisationen überreichen. Die Liste ist zustande gekommen auf Grund einer Umfrage sie das Reichsministerinm des Innern an die Staatsregirrungeu >ec Bundesstaaten gerichtet hat. In politisch unterrichteten Kreisen, die der Entente nahe« 4ehen, erklärt man, daß General Rollet im Namen der interrlliierten Kommission diese Liste beanstände« und die E i n« iehnwg der Orgesch fordern wird. Die Reichs- -egienmg wird in diesem Falle der Forderung der interalliierten Kommission Rechnung tragen. Geringe Bestraf««- der de«tsche« Kriegsverbrecher. London, 31. Mai. (Funkspruch.) Der Generalstaatsrnwalt hat im Unterhaus auf eine Anfrage wegen der gegingen Bestrafung des erstens deutschen Kriegsverbrechers geantwortet, daß nach Durchführung der ersten Serie »air Prozessen, die den Zweck verfolgen, sich von dem guten Willen der deutschen Regierung zu überzeugen, die Alliierten sie nötigen Schritte unternehmen würden. . Deutscher Reichstag. Serlht, 31. Mai. Der Reichstag ist nach den Pfürgststiertägen heute wieder zusammrngetreim. Der Präsident erklärte vor Eintritt in die Tagesordnung: Eine. Mitteilung, die wir gestern erhalten habe», ist geeignet, unsere lebhafteste Empörung hervorznrufey. Die polnischen Insurgenten i» Oberschlesiru haben sin Mitglied dieses Hauses, den Abgeordneten Hartmann Heulschnational) gefangengenvmmeu Md «ach eine« unbekannten Orte verschleppt. Ich habe mich sofort mit dem Auswärtigm Amt verständigt, damit die interalliierte Kommission aus diesen Gewaltstreich hmgewiesen und daß sofort Anstalten getroffen werdm, um den Abgeordneten Hartman» zu befreie». Im Zause der Sitzung teilte Legatiovsrat v. Maltzah« namens des Auswärtigm Amtes mit, daß die Reichsregierung an die interalliierte Kommission eine Note gesandt habe, um die sofortige Befreiung des Abgeordneten z« veranlassen. Dev deutsche Vertreter in Warschau, Graf P r a s ch m a, hat diese Forderung «nndlich wiederholt. Eine Antwort der interalliierte» Kommission liegt noch »icht vor. Prager Abgeordnetenhaus Prag, 31. Mai. Nach mehr als einwöchiger Pause hielt heute das Abgrordne'.enhaus eine Sitzung ab. Nach Erledigung ewiger Borlagen, darunter der Ratifizrerung des Handels» und Zollvnlrages zwischen der Tscheche-Slowakei Md Jugoslawien wwie de- Regierunasimlrages über den Vertrag, durch dm die Handelsbeziehungen zw'ichen Her Tjchecho-Slowakn und Iugo-- ttulftrfto imoork sich d-^ HW. Di» Wiener Morgeozeitsug 1. Zimi ISA ... 9b. 842\ .... .. " ' ■■■■■«"' .--- . Mitteilllllgen Ms dem Publikum. MM Stand Jakob Bodian empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mai 1931 Der Jüdische Jugendbnnd veranstaltet zur Feier seines zehnjährigen Bestandes am 2. d. M-, 7 Uhr abends, im Mittleren Konzerthanssaal einen Ausführende: Prof. Miisi Wolfsolin, Mirra SoMsfcaja. Das gesamte Reinerträgirissoll der Hilfsaktion für die Pogromopfer in der Ukraine zufliessen. Karten von K 140 bis K 30 sind erhältlich pejm Jüd. Jugendbund, IX., Universitätsstrasse 4, sowie an der Abendkasse. «eo RBLLANTEN, Perlen, Gold, Silber,Platin n.Uhren k ts tt und verkauft 779 ETTER Roteninrmstr. 23, Kerlahilferatr, 98 Grösster und bester Säufer Wiens Brillanten, Perlen Juwelen, Edelsteinhändler Rabino witsch, Juwelier I. Maximllianstrasee 5 il. Stephaolostraase 3, nur Nr.3 (jetzige Mah'erstrasse) (jetzige Hollandstrasse) Tel. 8541 und 45146 im eigenen Hause Haltestelle Opernrinj:, Zag. EHrahierBtr. , eamstaa Beachten. , »Sron Sie auch unsere Preise und Bureaumöbei die grösste Auswahl Leopold Steinhart Wien, I-, Biberstrasse Sr. 8 Sehreibmasebmearoparshxreo rasch, billig-und gut 153 Tel. 4073/V121 nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege bekannt gegeben werdm. Prag» 31. Mai. Wie verlautet, soll d rs AdgeordnetenhauS am 18. Juni wieder zusammmtreten. Aus der Horthy-Dersam«lu«g. Budapest, 31. Mar. (Ung. Tcl-'Korr.-Bur.) Die Debatte über den Staatsvoranschlag sör 1920/21 ^»ird fortgesetzt. Abgeordneter R i g e r (chnstlichnational) betont die Notwendigkeit einer stärkeren* Geltendmachung des nationalen Geistes 'n der auswärtigen Vertretung Ungarns. Er hofft, daß der Minister des Aeußeru als zeitweiliger Leiter des Ministeriums für nationale Minderheiten das HauS über, feine Nationalitätenpolitik informiere« werde. DaS beste Mittel zur Wiederherstellung der nationalen Integrität Ungarns sei eine verständnisvolle und konziliante Nationalitätenpolitik. Redner weist darauf hin, daß die ungarische sozialistische Partei infolge ihrer Teilnahme an dem kommunistischen Abenteuer das Recht verwirkt habe, die angeblich gefährdete Rechtsordnung z» reklamieren. Damit aber diese ungerechtfertigte Agitation gänzlich verstumme, müsse eine ehrliche Sozialpolitikdurchgeführt werden. (Lebhafter Beifall). Abgeordneter Hahpal (Kleine Landwirte) fordert die Hebung des kulturellen Niveaus des Dorfes. genommen. Die kategorisch und ohne jede Rück» ficht auf die traurige» örtlichen Verhältrüffe für de» 30. d. M. anbefohlene Schließung der meiste» Institutionen beweist den Mangel jeglicher Vertrautheit mit dem Wesen des grandiosen Wien« HUfswerkes. Sie muß schweres Unheil stiften und de» innigen Dank, welcher den amerikanischen Brüder» bisher aus vollstem Herze« gezollt «mde» iu Jammer und Anklagen wandeln. Die gmannten Organisationen muffen jede. Mitverantwortung für ein solches Beginnen entschieden und vor der breitesten Oeffentsichkeü ablehnen. Ihre Vertreter dürfen in Keiner Weise dabei behilflich sein, ein Hilfswexk, welches, vorsichtig imd verständnisvoll errichtet wurde und ebenso abgebaut werden mußte, über Nacht und auf Kommando abzubrechen. Sie berufen daher ihre Bevollmächtigten ab und überlaffen den Herrn des Direktoriums des Joint die volle Verantwortung für den von ihnen angeordneten und dmchzuführenden Abbruch des Wiener HUfswerkes. _____ Die Forderungen der Aerzte. In beiden MufikvereinSfälen sowie auf der Straße vsy dem Musikvereinssaal fand gestern vormittags die angeküwi digie Maffcnverfammlulng der Aerzteschaft WienH und Niederösterreichs statt. Der Beginn der Versammlung war für 12 Uhr mittags angcsetzt/ doch schon lange vor dieser; festgesetzten Stunde begann der Zuzug zum Musikv ereinsg-bLrrdh und um 12 Uhr waren beide Säle vollständig gestillt, so daH noch eine Nebenversammlung auf der Straße abgehalte» werden mutzte. Die Landarzteschaft hatte sich gleichfalls in Massen eingefunden, sie füllte beide Galerien des großen Saales. Der Versammlung wohnten auch zahlreiche Dienen Hochschullehrer und fast alle außerhalb des Professor«^ kollegiums sichenden Professoren und hervorragend« Aerzte bei. . - Nach den mit stürmischem Beifall ausgenommen« Autzq führungen des Referent«, Obermedizinalrat °Dr. Theuen^ wurde nachstchende Resolution angenommen: s „Die Aerzteschaft fordert: 1. Gründliche endgültige Abkchr von der kisher geübt« Praxis, rechtzeitige Einholung des Votums der Ältlich« Körperschaft« bei alle« sanitären Fragen; 2. sofortige. parlamentarische Erledigung detz GsetzeS über die AerAteordnung, welches der Aerzteschaft die Erhaltung der Ordnung und Reinheit in ihr« ReiheU ermöglich« soll; ö. zeitgemäße Reform der Sozialbersichorungl 1. Errichtung eines obersten Gesundheitsrates mit gesicherter ärztlicher Majorität von zum größten Telle gewählten Aerzt«; 6. Selbständigkeit des Bolksgesundheitsamtes mit dem Rechte des ärztlichen Leiters zu Erlass« und Verfügungen; 6. ein neues Reichsfanitätsgeseh, dessen Geist die «er« gische Anwendung der gesicherten Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung über 5krankheits«tfiehung und KvankheitSver« Hütung, dessen Ziel die wirkliche Assanierung Oesterreichs sein soll; 7. Alters- und Jnvaliditätsversicherung der Aerzteschaft im Zusammenhang mit der Reform der Sozialversicherung^ 8. Befreiung der Aerzte, welche Arbeiter und keine Urrternehmer sind, von der ungerechten, schweren, drückenden Last ' der Erwerbsteuer; 9. zeitgemäße Reform der medizinischen Studiknordimng. ' Die Aerzteschaft, welche jahrelang petittoniert und gebeten hat, ohne ein« anderen Erfolg zu erziel«, als mehr? oder weniger schöne Worte und leere Versprechung«, ist mit ihrer Geduld zu Bude und sieht sich deshalb gezwungen, falls' von d« maßgebend« Faktor« nicht binnen vier, Wochen bindende Zusagen und Garantien für die Erfüllung ihrer Forderungen gegeb« werden, fkn in unserer Zeit allein wirksamen Weg des Widerspruchs unv im Notfall de^ Arbeitseinstellung zu betret«." Der Streik der amerikanische« Seeleute Washington, 31. Mai. (Funksprnch.) Die BeilkgMg des Ausstandcs der Seelrutr und Sermaschmisten sicht bevor, da die Arbeitnehmer sich mit einer 10'/«igen Vcrmindeiung der Löhne einverstanden erklärt haben. , TagesSericht. Demission »o» Mitglieder« des Zoi«t- Komltees i« Wien. Das LandLskomitee der österreichischen Zionisten, die Wiener Delegation des ostaalizischen jüdischen Nationalrates und dos Präsidium des jüdischen' Naüonalrates für Oesterreich haben beschlossen, ihre Vertreter aus dem Wiener Komitee d e s I o i n t a b z u b e r u f e n. In der Präsidialsitzung . des Wiener Joint am 30. Mai hat Ingenieur Robert Stricker diesen Beschluß offiziell zur Kenntnis gebracht, im Namen der genannten Organisationen dem Präsidenten Dr. K u r a n d a den Dank für seine überaus objeMve und vomebme Führung des Konütees ausgedrückt und sein Mandat als Vizepräsident n i e d'e r g e l e g t. Der Beschluß ver Organisationen ist durch, die Art verursacht, in welcher die vom New-Dorker Joint nach Wien entsandten Direktoren Landesco, Dr. Bojen und Dr. Kahn die Liquidierung des hiesigen HUfswerkes durchzüführen gedenken. Die Herren haben, ohne das seit mehr als zwei Jahren zur vollen Zufriedenheit der New-Porker Leitung arbeitende Komitee zu befragen, ohne die für einm gedeihlichen Abba« notwendigen Verhandlungen zu pflegen, die Art der Liquidierung dem Komitee diktiett ha* fjtei'e EutJ$Jsrecht Maffevaufzug dev Landärzte. * Im Hofe des Landhauses versammelt« sich gestern gegen' Mttag die Gemeindeärzte deS Landes Niederösterrerch-8and, um der Dringlichkeit ihrer Forderurlgen Nachdruck zu geben.' Sie sandten eine Abordnung zum Landeshauptmann Johann Mayer und zum Sanitätsreferent« LandeSrat Palme, und der Obmann Dr. Kowalewski unterbreitete d«selben nach einer Ansprache folgende Forderungen: 1. Nicht nur die Anstellung, sondern auch die Bezahlung der Gemeindeärzte erfolgt durch daS Land und so wie die Tierärzte er. halt« auch die Gemeindeärzte den Charakter von Landesbeamten mit der Einteilung in die entsprechend« RangSklaff«. 2. Vorrückung, respektive Vorzugsrecht auf freie Gemeirldeärziestell«. 3. Zeitgemäße Alters-, Witwen- und Waisenversorgung mit sofort in Zhcaft tret«der Erhöhung der Bezüge der Altpensionist« und der Mtw«/ 4. Regelung a) der Wohnungsfrage, b) des KrankheitS- und Erholungsurlaubes, c) der ärztlich« Fortbildung, d) der FnKerbeschaffung. 8. Neueinteilung der SanitätSbezirke» wo sich dies als notwendig erweist, eventuell Verlegung des PrtzeSder Gemeindeärzte nach Zweckmäßigkeit für d« Sanität?-' dienst und aus Gründ« der leichter« Erreichbarkeit ärzt-' sicher Hilfe. 6. Bestellung eines Gemeirrdearztes zum Fachrefer«t« für den Gemeindesanitätsdi«st. 7. Sitz und Stimme für die Aerztekammer und die LandeLovgamsation in der ErnennungZ- und DiSzipliuarkoinmisfion. ÄlS Gegenleistung find die Aerzte zur Erweijrrung ihresi Pflichtenkreis bereit. Die Aerzte wünschen die Einberufung einer Kommission, mit dem Auftrag, einen Gesetzentwurf rechtzeitig fectrz-' zustellen, damit der Landtag inr Herbste darüber entscheide. Die Aerzte find krveit, nötigenfalls mit allen ihnen zu Gebote stehender Mitteln dies-. Existenzfrage einer gedeihlichen Lösung -uzuführen. Wenn ihren Forderungen nicht Rechnung getragen werde, so wollen fie die tchminlstrasioe und, falls es not-^ > wendig ist, auch ihre ärztliche Tätigkeit einstrNr«..;

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