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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-31 · Heft 841 (31.5.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 841 (31.5.1921)
Date
1921-05-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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..'Seite Wim»Wmsiaq - ,*■»-' ,1'. ...-. jfl . r Die Wiener Tagung des , Zentrglstates der jüdische« , Wtzltdilfskonferenz. f-r 5$» der zweiftn Ätzung erHattete Frau Anitta Müller Hk ausführliches Refexat «fees iwe Probleme --er; chinberfsixsorge. Frau Mükftr kyüpft -an d^e bei der ' Karlsbader Welthilfskonferenz aufyestellten Leitsätze an und! die von den überseeischen jüdischen OrgMiscsiWien - jeingeleiteten Aktionen zur Ueherfühxung von irischen! .Pl^rMwajsep aus der Ukraine den .überseeischen Ländern. jAe macht nähere Eingaben über di- Aktion der kanadischen AudA, M derer: Durchführung sie Herangezogen wurde, und erklärt unter Zustimmung aller Anwesenden, das; die Verantwortung für diese Aktion wie für alle anderen nur übernommen werden könne, wenn sie'allen Anforderungen einer geeigneten Vorbereitung und fft-rer nach allen Richtungen hin VegMvrn Sicherhetz dpx |t,e£*jcf Diese Aktionen bilpen allerdings nur eines der Mittet zur Lösung des Problems der Kinderfürsorge. Man müsse dafür Hsgen. daß ' die Hogromwajse« Oomögllch auch an Ort und Stellin geeigneten Heimen «Ntergebracht werden. Die A d o p t: o n fei nicht rbzuiehnen, jedoch müsse sie. unter der Kontrolle von gefeüschaftlicheu jüdischen Organisationen durchgeführt werden. Es dürfe auch ikncht der;erügen Kinder vergessen werden, welche, weil nicht vollkommen gesund, von der Aeberführung ausgeschlossen Werden. Ueberhaupt sei das Problem nur nach einheitlichen iDefichtSpunkten zu regeln. Römerin schlägt die 'Errichtung -iper Zentralstelle für Kind er für sorge im Ayhme« der Exekutive der jüdischen Welthilsskonferenz mit beM Ditz iy Wien vor, welche das ganze Kinderhilfsweck AU organisieren hatte. ). H«r Ochberg (Südafrika) berichtet über die Aktion ße? südafrikanischen Juden, welche sich bereit erklärt haben, ^Machst 261) P o g r o m w a ise n nach Südafrika zu brrngen, pm sie dort in Waisenhäusern unterzubringen. Erst dort Äveiche die Adopüim der Kinder allmählich erfolgen. Die südafrikanischen Juden werden sicherlich nach dem Gelingen jjgg ersten Veberführung auch weiter ihre Pflicht tun. %- Die Sitzung vom 27. Mai war der Debatte nb.'r die " Kinderfrage tzüvidmet. > Kaplan berichtet über die Lage der Waisenkinder *rn Palästina und wünscht, datz der Uekerführung von Pogromwmsen dahin ein besonderes Augenmerk geschenkt werde. Vater Zustimmung aller Anwesenden spricht er sich gegen jede Privataktion aus, komme sie von wem auch hmner. \ Herr Sfroikin (Paris) beleuchtet alle Bedenken, welche W«r die Ueberführung von Kindern ins Ausland geltend gemacht werden, weist auf die ungeheure Verantwortung hin, welche man mit der Unterstützung solcher Aktionen über. und verlangt genügende Garantien der jüdischen Körperschaften. Die gesellschaftliche Kontrolle müsse soweit »eichen, datz ei« Kind de» Adoptiveltern auch weggenommeü Werden könne, wen« sie ihre Pflichten nicht erfüllen. Die prfterbringung von Kindern in Palästina halte er, wie wünschenswert sie auch jedem Juden ohne Unterschied der Parteirichtung erscheine, wegen der zu hohen Kosten derzeit f$E undurchführbar. * Dr. Klumel (Warschaus verlangt die Gründung von Werkstätten im Osten, die Uebergabe des HilfSwerkeS an eine östliche Kinderhilfszentrale, zu welcher hauptsächlich Frauenorganisationen herattgegoge« werden können, und spricht sich für jeden Fall für die lieber- Wrung von Kindern nach Palästina aus. . Dr. Krämer (Czevnowih) bekennt sich ebenfalls nicht ga den Anhängern des Exports von Kindern. Es sei aber setzt unmöglich, die ungeheure Zahl der Kinder im Osten selbst zu versorgen. So könne die polnische Judenschaft daS Problem ihrer eigenen Waisenfürsorge noch nicht lösen, in Ostgalizren befänden sich 17.000 registrierte Waisen, von denen nur ein Bruchteil ordentlich versorgt i ist, eS befänden sich sogar Waisenkinder bei Bauern. Man ' ffi&t keine Hoffnung, daß die 10.000 ukrainisch-jüdischen Waisen, die in Wolhynien sind, im Inland versorgt werde» können. Die völlige Erhaltung von 10.000 Waisen- Andern erfordere einen jährlichen Betrag von 400 Mil. fiorren Mark, und e» sei klar, daß diese Last nicht von den einheimischen Juden getragen werden könne. Gr spreche sich daher für die Adoption als eines der AuSkunstsmitttel aus. Jedoch sei auch in Wolhynien und Polen sowie in den Kachbarstaaaten, wo große jüdische Mafsensiedlungen sind, Pir die Adoption zu wirken. tz i Dr. Hezlmann (Riga) gibt seinem Erstaunen Ausdruck, datz das Ausland Einzelpersonen mit der Durchführung seiner Aktionen betraue, anstatt sich verantwortlicher Organisationen zu bedienen. Wir mühten jede Verantwortung abkehnen, wenn die Durchführung nicht vom ersten bis zum letzten Moment unter unserer Kontrolle stünde. Das Problem der Ueberführung von Waisenkindern nach Palästina sei nicht Zur für u«S, sondern auch für Palästina sehr schwierig. Gr w«ne davor, daS aufzubauende Land mit neuen Problemen §s belasten. j Mozkin (Paris) würdigt alle Anregungen, fpritft sich Der dagegen aus, das jüdische Ausland in seiner groß» tzügigen Hilfsbereitschaft durch allzu große Skepsis zu entmutige«. ES sei nicht zu erwarten, datz daS jüdische Ausland genügende Mittel zur Erziehung der Kinder im Oste« berif» stellen werde. Er wünsche auch, nicht daran zu vergesse«, -ich die meisten Menschen, welche den schweren Entschluß stlssen, ein fremdes Kind ganz zu sich zu nehmen, sicherl-ch Eck ägoer Verantwortung bewußt such. Unter einer Monge« Wiener Morgettzeltimst A« unsere p. t» Leser und Abonnenten! Am 1. Juni beginnt ein neues Wonnement. Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit Ly der Anstellung des Blattes keine Unterbrechung -inftytr. ' *5 ' Die Verwaltung der „Wiener Mvrgenzeitnng". * * * Bezugsbedingungen: Für Wien (zum Abholen in den Trafiken oster mit Postzusendung) Kr. 10V.— monatlich. Mt Postzusendung: Deutschösterreich monatlich ........ Kr. 1Q0,~ Dschecho-Elowakei mpuatlich ....... Kö. 17.— Polen mouatllch ..pol«. -stark 100.-~ A«g»fta»»je« »vnatlich ....... . Dinar 12.A9 Deutschland M «»>«•*•• 12.— Rumänien n Lei 20.- HoSand »» »»».«.» . holl. st. 1.50 Schweiz . FreS. England 3.- Italien n ........ Lire Amerika . Dollar —.50 Frankreich, Belgien monatlich.... . Free. V- Zahlstellen: Oefterreichisches Postsparkassenkonto (Wien) 150.893. Tschecho-slorv. Postsparkaffenkonto (Prag) 59.351. Polnische» Postsparkassen!;onto (Warschau) 190.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Rumänien (Ezernorvitz): Allgemeine Depositen-««?» Filiale Ezernomitz. Jugoslawien: Am Kisicky bankein, Osijek I.. fiajev leg U oder Postsparkaffenkonto (Agram) 40.085. Italien (Triest): 8oe!otn Itallana di credit« Commerclale, Triest. Via Mazzlni 30. Kontrolle werde die Adoption und die Ueberführung der Kinder ins Ausland die Lösung des Problems bedeutend erleichtern. Füy die palästinensische Aktion sei sicherlich großes Interesse zu finden und er glaube, daß man für sie gengnete Fonds schaffen werde. Angesichts der ungeheuren Notlage der Kinder seien alle Mittel in Anwendung zu bringen, welche die Linderung der Not sichern. Oberrabbiner Dr. Chaj es konstatiert auf Grund seiner Erfahrungen in Amerika und im anderen Ausland, daß weite jüdische Kreise geneigt sind, die Erziehung der Kinder für Palästina zu fördern. Es können auch außerhalb Palästinas Kinder,für ihren künftigen Beruf in Palästina auSgebiidrt werden. Schon jetzt lägen nach dieser Richtung hin Verschiebern: Angebote vor. i Dr. Klee (Berlin) regt dre Errichtung von Sammetvormundschaften an. Die Patenschaft einzelner, aber auch von ganzen jüdischen Gemeinden sei ein Weg. der Hilfsaktion eine große materielle Erleichterung zu bringen. ES wurden verschiedene Resolutionen gefaßt, welche d r Exekutive übergeben wurden. Inland. Der BundesprSfident in Klagenfrtrt. Klagenfurt, 80. Mai. Im festlich geschmückten kleinen Wappensaal des Landhauses fand, heute nachmittags die offizielle Begrüßung des Bundespräsidenten Dr. Hainisch statt. Um 1 Uhr nachmittags fuhren der BundeSpräfident und Bundeskanzler Dr. Mahr in Automobilen beim Landhaus vor. Landesverweser Dr. Le misch richtete an den Bundespräsidenten eine Ansprache, in der er nach herzlichen Begrüßungsworten unter anderem erklärte: Kärnten hat immer seine deutschösterreichische Loyalität gewahrt und .rrll auch in Hinkunft nur legale Wege keschreiten, auch wenn über die Frage entschieden werben soll, ob der Bundesstaat Oesterreich ein staatliches Dasein in seinem gegenwarttgen Bestand führen könne oder innerhalb der von den Enrentemächten gezogenen Grenzen einen neuen Weg suchen müsse. Die Kärntner können nicht dauernd als zahlungsunfähige Schuldner auf Kredit leben» sondern wollen mit .deutschem Pflichtbewußtsein durch Arbeit und Tätigkeit die gebührende Stellung erringen. BundeSpräfident Dr. Hainisch dankte mit herzliche« Worten für die Begrüßung und sagte sodann: Der Regierung und Ihrer harrt die Aufgabe, der Welt durch eine gerechte upd versöhnliche Politik den Beweis unserer kulturellen Mission nördlich der Karawanken zu erbringen, den durch den Friedensvertrag und Mfe Gesetze unseren slowenische» Mitbürgern verbürgten MinderheitSschny voll zur Geltung zu bringen und jenen Zustand ungetrübter Harmonie und brüderlichen Zusammenlebens zwischen beiden Nationen fnt Lande herzustellen, wie er durch Jahrhunderte geherrscht hat. Die Hilfsaktion für Oesterreich. London, So. Mai. Der italimilche Delegierte Tiauuiui hat an der gestrige» Sitzung der Finan-kommtfsto« de- ÄSlkerdundrS teilgenommen. Margen wird der französische Delegierte L »e n a l den adschlie-endm Bericht erstatt». Die Regierung verzichtet auf die Brotauflage. 8« Finaup und VadgetanSschntz Eden fttat Antrag d« Chüstlichsoziale« die Varlag» über die Staffelung der Ledtz»-«»ttelprais« und über die $»• d. 3i. MäsMl' " ^" 1I~, auflage von der Tagesordnung abgeftht. Der Christliche soziale E i s e n h u t teilte mit, daß die Aggi«««- in den Ver- Handlungen mit de» Bauer« sich -erUgtftWdt^hghe^ auf tzie Brotauflage -n herrschten, weil dieAmdwkttvertrcter einer Berftngemng hie Nachzahlung auf dm Getreide« preis ygn K lo «tf K 9 zggestjuWt hatinr. DbWnn Dr. R e n n e r brachte die ZMMt der AdgieryUg m Verlkfsng, jy der sie mitteilt, dgß dev M^t-voranschlgg Mt rechtzeitig eingebrgcht werdm Hann. Abgeordneter Dr. B g u e r beanir-gte, trotz tag FMs-r de- BmcheSvoraujchlage-, eine« Bfchgotberichterstatt« zu wählen. Er behalte sich vor, im Haust einen Antrag emzrchringM, daß der R e g i e r u « g wegen der versassung-wchrige» TeesWung bei Einbringung deS Budgets die M i ß b i l l i g » n g a u Lz u s p r e ch e n sei. Der Antrag Bauer wurde angenommm «Nd Doktor Gürtler zum Drrichterfiatter bestellt. ZurSchzirhuus d« Vttvrduu«s ützrr die Eiuführuug der Sommerszeit in Wie«. Der Hauptausschuß beschloß gestern, die Verordnung des Justizministeriums über die B e z a h l u n g ausländischer in Gold und Silber zu erfülle »der Schulde«, der Regiemng zur Einbringung einer Gesetzesvorlage a« dm Naiionalrat zurückzustellm. Die Verordnung des Bmidesministniums für VolkSrrnährnnp, beziehungsweise die FreigabedeS Verkehrs mit Erfatzlebeusmittekn wurde genehmigt. Die Gültigkeit der Verordnung über die Erhaltung des Arbeiterstandes in gewerblichen Be» trieben wurde bis 30. September verlängert. Die Verordnung über die Vorverlegung de^ Arbeitsstunden und deS SchukbeginnS imGebietederSladtWie» und in dem mit Wien im engeren BrrkehrSzufammenhange stehenden Industriegebiet von Niederösterreich-Land, wird vom Vizekanzler B r e j S k h namens der Regierung zurückgezogen. Der Führer der „Orgefch" Escherich 1« Innsbruck. Wie«, 30. Mai. Dir Korrespondenz Herzog «eldet aus Innsbruck: Der Führer der Hermwrhren m Deutschland. Oberfvrstrat Escherich, trifft am &. Juur hier ein und wird am Berge Jsel an die Tiroler Heimwehren eine Ansprache halft». Die Aufteilung des Goldvorschuffes der Oesterreichifch-ungarifche« Band. Gestern tagte hier die Konferenz der Vertreter der Natiouast staaten, die Über den Goldvorschuß und über Frag», die sich aus die Llguidatio» der Bank beziehen, verhandelte.' Leiter der Berhandlrmgen war de Mones. Er kam zuerst i« allgemeinen auf sämtliche Fragen zu sprechen und ging dann znr Regelung der Anstellung des Goldvorschuffcs von 69, beziehungswelse 50 Millionen Kronen über, der aus dem Goldschätze der Bank « die Sperre der Liquidatoren überging. Dieser Goldvorschuß wird aus Grund der BevölkernvgSzahl und auf Grunds des Ergebnisses der Notmabstempeluug aufgetellt werden. Telegramme. Bevorstehende Erneunung Oskar Straus' zu« Botschafter iu Japan. GaHÄrgbo«, 28. Mai. (Jüd. Krwc.-Brcr.) Es verlautet, daß der bekannte Diplomat Oskar Straus zum amerikanischen Botschafter in Asapan ernannt werden soll. Oskar Straus stand bereits im diplomatischen Dienste als amerikanischer Botschafter in Kvnstantinopel. Unter der Prästt>entschast Roosevelts war er Staatssekretär für öffentliche? Arbeiten. Englische Kolonien für jüdische Einwanderer. LointdiM, 38. Mai. (Jüb. Korr.-Bur.) Ein aus Vertretern des Joint Foreign Committee und der,Lkca" bestehendes Komitee unterbreitete dem Kolonialministerium ein Memorandum, in dem die Lage der jüdischen Auswanderer in Polen beleuchtet tmb die Regierung um die Freigabe der englischen Kolonien für die jüdische Einwanderung ersucht wird. Der Unterflaatssekretär für Kolonien versprach eine ernste rmd eingehende Prüfung dieser Angelegenheit. , Die Fremdeufrage in Amerika. WaMtgchM, 38. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Die jüdischen Blätter Amerikas lenken di« Aufmerksamkeit auf die bezeichnende Tatsache, daß der amerikanische Staatssekretär für Arbeit, Mr. Samuel Doods, sich! in einer.Tagung des Freimaurerkonvents in Washington für die Einbringnng eines Gesetzes im Kongreß aussprach, das eine Registrierung sämtlicher in das Land Mmntende» Fremden einführen fall. Der Krieg i« Irland. LO«von» 80. Mas. (Rruter.) Dem »Daily Ehronicle" zuselge hat dir Regierung die Ast-dch«i«g tze» Bela-eruogsplsiarde» ia IAautz beschlösse«. Allruffischer Kommuuisteukongreß. Moskau, 30. Mai. (Funkspruch.) Die allrussische Konferenz der Kommunistenpartei wurde vorgestern in MvSM durch L«nm mit eützer Nsde eröttM, ür. der

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