Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 841 (31.5.1921)
- Date
- 1921-05-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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■?n. z&mxov -gcr..,. 31. Mai 1921 Seite 3 er über 11:' Dl:.';;"CrforjJ' der ‘gc;i:ihVWirtschaftspolitik sprach tmo die beabsichtigten iuefterm. dNaßregeln auf diesem Gebiete erläuterte. Lenin dementiert. Moskau, 30. Mai. (Funkspruch.) „Wjestnik" bezeichnet die in lettischen und estnischen Zeitungen gebrachten Nachrichten von Ausstanden und Unruhen i „Petersburg als Unrichtigkeiten und die in diesen Zeitungen veröffentlichten Meldungen Petersburger Blätter als Fälschungen. - Polnische Nückwandernng. Wia'rfchlktt, 30. Mai. (Funkspruch.) Die polninische Evakuierungskvmmission irr Moskau meldet, daß die Lahl der Polens die Rußland verlassen und nach' Polen zurückkehren wollen, nach den bisherigen Anmeldungen über li/g Millionen betrage. . Hauptmann Müller verurteilt. Leipzig» 30. Mai. (Wolff.) Das Reichsgericht hat heute nachmittags im Prozeß gegen Hauptmann Müller das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde wegen Mißhandlung sowie wegen vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener zu einer Gesamtstrafe von s e ch s M o n a t e n Gefängnis verurteilt. Im übrigen erfolgte Freispruch. Englische Truppen in Oberschlesien. Warschau» 30. Mai. (FunKspmch.) InOppeln sind bisher 2000 Mann englischer Truppen eingetroffen. RaufereieninderNationalversammlung von Angora. Athen» 28. Mqi. (Agence d'Athcnes.) Nach Meldungen, die aus Angora MSmhrna ringetroffen sind, sei eS in einer Sitzung eines geheimen Ausschuffcs der Nationalversammlung von Angora zu einem blutigen Handgemenge gekommen. Beim Verlassen des Saales sei auf I s m e t Pascha ein Anschlag verübt worden, -vobei Jsmet leicht verletzt wurde. Anhänger Enver B e y s. die heimlich nach Angora gekommen -waren, wurden -ntdeckt, verhaftet und der größte Teil von ihnen gehenkt. Die Fünfzigjahrfeier der Kommune. Paris, 30. Mai. Zur Fünfzigjahrfeier der Kommune hatten die Sozialisten auf dem Friedhof Montparnasse und die Kommunisten im Friedhof Pere Lachaise gestern Kundgebungen veranstaltet. Mim Ausgang des Friedhofes Pere Lachaise kam es zu kleineren Zusammenstößen mit der Polizei, wobei einige Personen, darunter, der Deputierte Ernest Lafont, leichte Verletzungen erlitten. Die Kundgebung der Sozialisten' war ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Heute vormittags wurden, wie die „Information" meldet, etwa 80 Hausdurchsuchungen bei Kommunisten oorgenommen. Der Zweck der polizeilichen Maßnahme war, die Urheber der antimilitaristischen Flugschriften ausfindig zu.ünachen, derentwegen in der letzten Zeit eine gerichtliche Untersuchung ein geleitet worden ist. Unter den betroffenen Personen werden genannt: Frossard, Pioch, Loriot, Souvarine, Meric, Cohen sowie eine Reihe militanter Journalisten. Papiere und Dokumente wurden beschlagnahmt; Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Keine Ententenote an Ungarn. Budapest» 30.- Mai. Das Ungarische Telegraphen'Korrrpondenz-Bureau wird von zuständiger Seite zur Erklärung ermächtigt, daß die Nachricht des „D aily H er ald", wonach die Komrmffäre der Verbündeten in Budapest der ungarischen Regierung eine Note überreicht halten, in der die Reorganisation des Systems in Ungarn gefordert wird, vollständig unwahr ist. Ein Kommentar des Pariser „TempS" zu dieser phantastischen Erfindung des „Daily Herald" zeige übrigens klar, welche Abstchtcn derlei Nachrichten verfolgen. Ungarische Nationalversammlung. Budapest, 30. Mai. (Ung. Tel.-Korr.-Bur? Nationalversammlung.) Bor Eingehen in die. Tagesordnung verwahrte sich Abgeordneter Dr. Balla gegen die Beschuldigung, die Prinz Windischgrätz im „Pester Lloyd" gegen einige Mitglieder der gewesenen UnaibhängigkeitSpartei gerichtet habe. Prinz Windischgrätz, der sich auf eine vom Grasen Andrassh erhaltene Information berief, habe darauf hingewiesen, daß im Jahre 1917 ein Politiker französisches Geld nach Budapest gekracht und dem seither verstorbenen Abgeordneten Ludwig Hollo übergeben habe, in dessen Wohnung Konferenzen zur Förderung einer defaitistl» schen Aktion abgehalten worden 'seien. Redner weist diese Behauptung als grundlose und-durch keinerlei korrekte Daten gestützte Verleumdungen zurück und erklärt, daß der Gewährsmann AndrasshS, ein gewisser Christoph Potovsky- Zichy, ein notorischer Verleumder sei. Die Witwe und-der Sohn Hollos hätten gegen den Prinzen Windischgrätz bereits die Verleuni dungsklage angestrengt. Hierauf wurden das Budgetprovisorium sowie Mehrere kleine Finanzvorlagen in dritter Lesung angenommen« folgen der Die sonntägige Absti.mmn.ng in Salzb ur g, deren Resultat dort mit Jubel und Festbeleuchtung., gefeiert würde,-hat bereits das Resultat gezeitigt, daß. die Verhandlungen über W e st ungarn ins Stocken geraten sind. Die Verhandlungen zwischen Italien und -Jugoslawien über Kärnt eit sind wieder ausgenommen worden. < - Gestern nachmittags hat überdies eine längere Aussprache zwischen dem jugoslawischen Gesandten Doktor Rastic und dem tschecho-slvwatischen Gesandten Doktor F l i e d e r - über die Anschlußagitation stattgefunden. In FortsetzungdiesÄ: Besprechung findet heute eine Konferenz mit dem rum änischen Gesandten Cant acuzene statt. Es handelt, sich um einen Meinungsaustausch über eventuelle weitere Schritte der kleinen. Entente für den Fall, daß in Oesterreich die Anschlußabstimmungen fortgesetzt werden sollten.' - Die deutlichen Warnungen Dr. Mayrs im auswärtigen Ausschuß und die vorerwähnten Negotiationen der Entenbediplomatie scheinen gleichwohl auf die Parteien in den Ländern wenig Eindruck ^gemacht zu haben, da man nunmehr auch in G raz die zwecklose Demvnstra- ' Lionspolitik der länderweisen Anschlußabstimmungen fortzusetzen gedenkt. Gestern haben sich die Klu b - ob Männer des steirischen Landtages für. die Beranstaltung einer'Dolks'b'efr agüng nach Salzburg e r M u st e r erklärt 'und die landtäglichen Klubs.. sowie...der. Landtag 'werden sicherlich heute diesem Beschlüsse beitreten. - - UnLrdessen weilt der BuicheskänDv'Dr? M ä y r mit dem Bundespräsidenten Dr. H a im iM in K l a g e nfurt zwecks Abhaltung offizieller Empfänge. Innerpolitisch dürfte die Anschlußbewegung schon in den nächsten Tagen die latente Krise des Kabinetts Mahr wiederum in Erscheinung treten lassen,.nachdem gestern.die Reichsparteileitung der Großdeutschen eine Reihe von Beschlüssen gefaßt hat, die.sich nur schwer mit der Haltung des großdeutschen Vertreters' im Auswärtigen Ausschuß, Dr. Ding Hof er, vereinbaren lassen. Dr. Dinghofer mußte sich vor der ReichZparteileitung, deren Spiritus rector ein Parteisekretär deutschböhmischer. Schule ist, rechtfertigen, warum er gleich den anderen Parteienvertretern eine Fortsetzungder länderweisen Volksabstimmungen als untunlich erklärt hatte. Nach dieser Kopfwaschung wurden wieder einmal Richtlinien für die Partei festgelegt, welche die Abgeordneten auf eine Schriftleiterpolitik feftlegen sollen, die.letzten Endes die. deutschöfterreichische Republik fo. zugrunde richten müßte, wie es dem. österreichischen Staate durch die deutschradikale Politik, .-der Wo l s. Teufel und Konsorten besorgt wordenist.^Ob da die anderen .Parteien noch länger mittun werden, wird sich bald zeigen. Herr M ah r hat jedenfalls für seine Person alle Verantwortung schon in seiner.letzteni Rede im auswärtigen Ausschuß ab ge lehnt. .Aus den grvßdeutschen Richtlinien mögen folgende Sätze als Kostproben dienen: ' ' Selbst Zwangsmaßregeln gegenüber wird unser Volk imnter den Weg finden, seinen Anschlußwillen kundzugeben, ja gerade diese Zwangsmaßregeln rütteln selbst die Lauen auf. In der Frage der Ententekredite hat die Großdeutsche Volkspartei durch ihre Wortführer bei den Beratungenkeinen Zweifel gelassen, d aß sie in den Plänen der Sanierungsakt io W und des Finanzplanes, keine dauernde Rettung, sondern höchstens eine vorübergehende Erleichterung unserer gegenwärtigen Lage erblickt. Der Verlauf der Rettungsaktion des Völkerbunds rechtfertigt die Am Schluffe der Sitzung wurden mehrere JmmunitäiSaNgelegenheiten verhandelt. Die . vom Jmmunitätsäusschutz' befürwortete Suspendierung'der Immunität des Abgeordneten Edmund Beniezkh, gegen den der gewesene Landesverteidigungsminifter Sreter eine Ehrenbeleidigungs¬ und Verleumdungsklage eingebracht hat, weil Beniczky in einem Blatte erklärt hatte, daß Sreter und mehrere seiner, politischen Freunde mit. den Serben, den Tschechen- und den Rumänen in intimer Verbindung gestanden seien, wurde, nachdem Beniczky selbst zugestimmt hatte, rnl* geheißen. Die Brrdapester SKandalaffKre. Biuvapest, 30. Mai. Abg. Beniczky hat einen Antrag eingebracht, worin verlangt wird, die Nationalversammlung möge eine interparteiliche Kommission entsenden, um die Angelegenheit der sogenannten Bankgasse-Millionen sowie die Verrechnung der durch, die Szegediner Regierungen Anspruch genommenen Be-' träge seit dem Abmarsch aus Szegedin zu untere htchen. * Bergwerkskatastrophe. Meuselwitz, 30. Mai. (Wolff.) Jnsolge eines in der Leipziger Gegend niedergegangenen wolkenbruchartigett Unwetters wurde der ^Ünion"-Schacht des hiesigen Vraunkohlenreviers so rasch überschwemmt, schlimmsten Bedenken. Das SchwergewM^wird anscheinend dem NotenbankgeschäfLe ZügM'endet, das in seiner bis heute angedeuteten Form' üps zu reinen Vasallen des internationalen Großkapitals machen würde: Bei der vorgeschlagenen Parität der Bankverj^etung stünde, jede endgültige Entscheidung bei den Finanzdelegierten. des Völkerbunds. Inländische, und ausländische Treibereien find am Werke, uns.in. die lateinische Münzunion einzuzwängen. Dem wird die G.roßdeutsche Volkspartei n ie z u stimme n. Die drüben inneren - Verhältnisse im Vaterlande und die geplanten Sanierungsaktionen verlangen heute von der Partei größte Selbstverleugnung, Die Haltung der Regierung.der Regierungspartei erschwert eine solche Steklungnahme der Großbeutschen Volkspartei. Sie behält sich jedes..Rechj der .freien-' Ent-' schließung vor. ' ' - - Hierauf wurde noch, eine Entschließung einstimmig angenommen, iy der es. heißt: Die.Reichsparteileitung muß in der Sch wäche der Regierung umsomehr eine ernste Gefahr für die Fr ei heit Oesterreichs, über seine staatliche Anabhängig^it selbst zu verfügep, erkennen, als durch diese Schwäche die Vertreter auswärtiger Mächte geradezu ermuntert.''wurden, unter Mißachtung des Rechtes des Völkerbunds auf Entschei-. düng über unsere staatliche Unabhängigkeit-diese 'gegen den Geist des Völkerbunds zu beeinträchtigen. -? Wenn die Ententemächte aus -der Frage - der Völkerbundkredite eine politische Machtfrage zu machen' ,-beab s r ch Ligen,, so tra gen hiefür die R e gier it tt g und! d ie ch r i st l i ch so ziale P ar teil e i| u n g d. i e Ve ra n t w o r t un g. Hinsichtlich der- Un/abhängigkeit 'un-- serer Republik aufdem Boden des Friedensvertrages stehend und anerkennend, daß die Vereinigung Deutfchösterreichs mit dem Deutschen Reiche unter, den gegebenen Verhältnissen nur. mit Zustimmung des' Rgtes des Völkerbunds möglich ist,, hat sich unsere Partei wie hie zwei anderen^ Parteien unter den bekannten Vorbehalten verpflichtet,, die Regierung bei Du r.ch f ührung des Fin.anzplaues zu unterstützen. Die Reichsparteileitung erkennt diese V e r P f hi ch Lu n g als für die Großdeutsche Vvlkspartei nicht mehr 'Lindend an, wenn sie. durch die nickK vereint-- barte neue Verpflichtung erweitert werden soll, diq innere Politik unserer. Republik und dtzn durch den. Friedensvertrag festgesetzten Umfang ihres Gebietes . von. rein machtpvliLischt;n Geboten, d-er En Len te st-aa ten -bestimmen zü las sem Beratrmgen Ln Graz., < --- Noch Keine Einigung. - Gvaz, 30. Mai. Die Konferenz der Obmänner der Klubs des steiermärkischen-., Landtages,, die por- und.' nachmittags stattfand, 'urch' in derew Hrlauf' die 06V Männer aller Karteien zu 3Wrt^ WMütnen sind, koninte, über die Frage der-PoMahme. .einer Anschl!ußabstim-> mung in Steiermark^ heute noch! keinen endgültigen Beschluß fassen, da einige Parteiklubs sich erst morgen' über ihre Haltung entscheiden werden. Der. Landtag' ist für morgen 11 Uhr vormittagß behufs Beschlüße fassung über die Volksbefragung einberufen.. Die Korrespondenz Herzog , meldet aus' Graz: Mends verlautet, daß sich die Klubobmänner auf eine am 3.. Juli von einem gemeinsamen Ausschuß zu! leitende Volksabstimmung n-a^ch Salzburger Muster einigen werden. 1 . f daß von der 23 Mann zählenden Belegschaft sich nur vier einen Ausweg bahnen konnten. Die übrigen habenden T o d g e f u n d e n. Bei den sofort aufgenommenen Rettungsversuche« konnte bisher nur eine Leiche geborgen werden. Me verlautet, sollen' auch die benachbarten. Schächte unter Wasser stehen,' so daß der Betrieb allgemein gestört ist. Die Tiroler sind gnKdig. > Innsbruck, 30. Mai. Anläßlich der Erörterung-^^ über den Plan des Tiroler Reises checkverkehrs wird an zuständiger Stelle erklärt, daß es verfrüht -. sei, zu dem' vom Tiroler Landtag beschlossenen Reisescheck- Verkehr, der erst durch eine diesbezügliche Verordnung' näher erläutert' werden wird, schon jetzt Stellung zu'-- xehmen. Gänzlich unrichtig.sei jedenfalls die vielfach^ verbreitete Meinung, daß Oester-yeicher. die nach Tirol: reifer: wollen, gezwungen seien, die für die Reise und den Aufenthalt, in Tirol. erforderlichen Reiseschecks in Markanzukausen. Oesterreicher können, die auf Kronen lautenden Tiroler Reises checksanstÄndsl o s zum jeweilige n von der Tiroler ' Landesregierung festzpsetzenden Preise-in Krone-n'-K ankaufen, ebensoIwie sie der Schweizer in Franken,--^ der Reichsdeutsche in Mark, der Italiener > in Liveusw. wird ankaufen können. iAMIen«<i8t«UKlialt in Interesaengemeinschaft mit der Fabank St. T. (Holzbank A. G.), Budapest Wien, L, Wipplingerstrasse 23 Postaparkasseukonto: 150.652 : Telephon Np. J3-1-87, (3-1*99. 13-3-86, 13-3-92 : Tel,-Adr.: Mt(«yg,Dien Kulante Durciilüliiuag von BelejinuHgea ailer