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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-30 · Heft 840 (30.5.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 840 (30.5.1921)
Date
1921-05-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- ©eite 2 ., ~ Wien, Montag m-----:--- Oesterreich leide. Man könne die eine nur heilen, indem man die andere behebe. London und Paris seien für den Finanzplan im großen und ganzen gewonnen, man erwarte eine AeußerWg der Vereinigten Staaten. W l -in»- r Morse nzcrtrrt? r A« MjLLS p.t.AhVNKeNLen in der SomMerfrifche! Die Aufchlutzabstrmmung In Salzburg. Sa 1 zbu r 29. Mai. (Prip.-Tyl.) Don den 151 Gemeinde« des Landes find bis zur Stunde 114 Abstimmungsergebnisse bekannt. Es wurden Danach 86.523 Stimmen abgegcöon,nb Z^ar85.4Ü6 Za, 7 4 5 Nein. Die übrigsn Stimmen waren ungültig. Zm ganzen Lande waren 125.006 Personen w ah lb e r e ch t i g t. Die Stimme« für de« Anschluß sind also durchschnittlich 85 Prozent, Pie NefuktKte einiger wichtiger Gemeinden stehen noch aus. Zm allgemeiyen durften die «och ausftehenden Teilresultate die Ergebnisse kaum verändern, zumindest «her nicht verschlechtern. Zahlreiche Gemeinden des Landes gaben sämtliche Stimme« mit Z a ab. Schlechter sind die Terircsnttate einiger Grenzgemeinden, wo bei der Abs stimmung die Angst vor einem Valntaausgleich ausschlaggebend gewesen sein dürste. Ruhiger Verlauf. Die „Korrespondenz Herzogmeldet aus Salzbuxg: Schon um 6 Uhr früh erschienen die Abstimmungsberechtigten mit ihren Legitimationspapieren vor den Abstimmungslokalen, zumeist Restaurationssäle, Vereinslokalitäten rc., und harrten des Beginns der Stimmenabgabe, die nach dem Vorbilde der im Oktober y. I. durchgeführten Wahlen in den Nationalrat auf Grund derselben Listen durchgeführt wurde. Als' Wahlkommissionen fungierten Vertrauensmänner der drei politischen Parteien. Die aus Tirol, Bayern und Wien eingetroffmen, in Salzburger Gemeinden heimatberechtigten Personen legitimierten sich m einem eigenen Abstimmungslykal mit ihrem Heimatsschein. Die Landesregierung hatte es qllen ihren Organen z«r Pflicht gemacht, sich jeder wie immer gearteten offiziellen Teilnahme an dem AbftimmupgSakte zs enthalten. Die Abstimmung währte von 6 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags. Die „Korrespondenz Herzog" meldet quS Salzburg, 8 Uhr abends: In den Landgemeinden haben durchschnittlich 92 bis 95 Prozent der Abstimmungsberechtigten, also weit mehr als in Salzburg selbst £86 Prozent), gestimmt. Die Extraausgabe de- „Salzburger Bolksblatt", welche von dem Abstimmungssiege Kunde gab, fand reißenden Absatz. Nicht der leiseste Mißtou störte die Kundgebung, von der eine Reihe auswärtiger Korrespondenten dem Ausland« berichteten. In de« späten Abendstunden langten auS Tirol und Deutschland bei dem gemeinsamen AbstimmungSausschufle Glück- Krmschdepeschen ein. Bundespräfident und Kanzler in Kärnten. Bundespräfident Dr. Harnisch und Bundeskanzler Dr. Mayr sind gestern abends nach Klagenfurt abgereist. In ihrer Begleitung befinden sich Sektionsches Dr. Löwenthal von der Präsidentschaftskanzlei und Ministerialselretär Dr. Troll vom Bundeskanzleramt. Mafse«K«ndgek»rmgen der Pensionisten. In allen Wiener Bezirken und größeren Städten der Republik fanden gestern über Einberufung des Zentralvereines der österreichischen Staatspensionisten Pensionistenversammlungen statt, um ihren Forderungen anläßlich der Schaffung der Besoldungsreform Ausdruck zu geben. In der Hauptversammlung im Wiener Justizpalast erstattete Vereinsobman» Sektionschef-a. D. A. Fischer das Referat. Er verwies auf dm vor einigen Tagen verhungerten Pensionisten, der ziemliches Aufsehm hervorrief. Bon einem Falle werde Notiz genommen, von Dutzendm gleicher Fälle erfahre die Oeffmtlichkeit nichts. Die Kosten der Lebmsführung haben sich um das Hundertfache erhöht, die Krone ist zum Heller geworden, aber die Ruhegenüsse haben sich nur um daS Acht- bis Zcknfache erhöht. Die Pensionisten find Hungerkünstler geworden. Schließlich erklärte der Refermt, die Pensionisten beharren auf ihrer Forderung der Mitübcrführung in die Besoldungsreform. Die vorgelegte Resolution wurde unter großem Beifall angenommen. Die unter Führung ihres Präsidentm Mleoch stehenden Pensionistm des Allgemeinen StaatSpenstomsteuv-reines hielten gleichzeitig eine stark besuchte Versammlung in der Volkshalle des Rathauses ab. Während des Berichtes des Präsidenten Mleoch, der die Notlage der Pensionisten schilderte, machte ein oppositioneller Teilnehmer Zwischenrufe und fragte, waS.denn der Verein bisher für die Pensionisten geleistet habe. Diese Zwischenrufe erregten lebhaften Unwillen auf seiten der Anhänger Mlcochs, es entstand ein großer Lärm, der erst na^ der gewaltsamen Hinausbeförderung des Zwischenrufers sich legte. Wir bitten bei Ueberstedlung um rechtzeitige Verständigung und Angabe dev neuen Adresse. ■;r Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung". Die Lage der Juden in Karpathorutzland. Karpathiorußkmb, dieseselbständige Provinz der Slowakei, deren Autonomie noch nicht realisiert ist, war schon'vvr dem Kriege ein kulturell sehr stark zurückgebliebenes Gebiet. Der Krieg hat jene Gegenden besonders hart hergenornmen und die allgemeine Not ist sehr groß. Aber auch die Lage der Juden ist sehr traurig. Zu den rneistvepnichheten Gegenden gehören die nördlichen, in den Karpathen liegenden Ortschaften, welche durch den Krieg am stärksten heimgesucht wurden. Bereist man das Land, so wird man von allen Seiten um Beteilüng mit Brot, Schuhen und Kleidern angefleht. In gewissen Gegenden fällt es der Bevölkerung nicht einmal ein, um Brot zu bitten, dessen Genuß den armen Leuten als etwas Unerreichbares vorschwebt. Es wird lediglich Maisbrot begehrt, welches im Verhältnis zu dem von der Regierung beigestellten Haferbrot Luxnsware darstellt' Die Menschen gehen zerfetzt, in Lumpen gehüllt umher. Wäsche scheint etwas ganz Unerreichbares zu sein. Die sch lech den Wohnungen, die Unterernährung, die arge Bekleidung, der Schmutz verursachen in der Folge Verbreitung von Cholera, Typhus und Scharlach. Die Juden, welche meist in Dörfern wohnen, fittb sehr arbeitsfreudig. Sie waren in der Friedenszeit Holzarbeiter, nun sind die Sägen nicht im Betrieb, die meisten sind sogar vernichtet. Zum Teil waren sie Kutscher und Lvhn'f uhrwerker, nu« sind ihre Pferde requiriert oder längst verkauft. Die Bevölkerung ist infolge des harten Existenzkampfes, des chronischen Hungerleidens vollständig stumpf und hoffnungslos. Die ganze Gegend ist auch schon vor dem Kriege stark vernachlässigt worden und kaum irgendivo in Mitteleuropa ist der Analphabetismus sy verbreitet wie in Subkarpathien. Als seinerzeit Vertreter des „Joint" durch' das Land reisten, war die ganze Linie förmlich aufgewühlt. Elende, halbnackte Jammergestalten strömten aus ihren Unterschlupfen herbet. Die Ausgehungerten wünschten auf einmal sattgemacht, die in Lumpen Gehüllten hofften nun menschenwürdig bekleidet zu werden, Es war ein Ansturm ganzer Bataillone von Bittstellern. Die Juden des Gebietes Kosice waren vor dem Kriege fast durchwegs Kleinkaufleute und Gewerbetreibende; sie sind jedoch infolge des Krieges, insbesondere infolge der Russeninvasion, während welcher Hunderte von Familien vertrieben und um ihr ganzes Hab. und Gut gekommen sirch, ganz zugrunde gerichtet worden. Die vernichteten Häuser der nichtjüdischen Eigentürner wurden bereits mit Hilfe verschiedener staatlicher und nichtstaatlicher Hilfsfonds aufgebaut. Die Häuser jüdischer Besitzer liegen noch immer in Trümmern, die Läden der jüdischen Kaufwute sind ohne Einrichtung, ohne Waren, den Gewerbetreibenden fehlen die Werkzeuge. D«r Mangel an Wäsche und Kleidern vergrößert auch hier noch das Bild des schrecklichsten Elends. Die Zahl der jüdischen Kriegsopfer in Karpathorußlayd ist sehr groß. In manchen Ortschaften trifft man über sechzig Prozent jüdischer Kriegswttwen und -Waisen. In vielen Gegenden muß die ganze Mische Ortsbevölkerung als kriegsbetvoffen betrachtet werden. So stellt zum Beispiel bas Dorf Nelipeno, in dessen unmittelbarer Nähe sowohl im Jahre 1914 als auch im Jahre 1916 die Russen hausten, dessen sämtliche Einwohner zweimal "zwangsweise evakuiert wurden und dessen Bevölkerung im Jahre 1916 von einer Choleraepidemie dezimiert wurde, das Bild des schrecklichsten Elends dar, dessen Beschreibung unmöglich ist. Dazu kommt, daß auch hier FlüchtliDd a«S Galizien die allgemeine Not noch, vergrößerten. Das Joint hat seinerzeit ßr die Gebiete bey Tschecho-Slowakei vier Sektionen errichtet: In Prag, in Bratislava '(Preßburg), in Koste« (Kaschaü) und. Mukaeevo (Munkaez). Pie Hilfstütigkeit der Sektion. Mukaeevo umfaßt gegenwärtig 105 Ortschaften. Im Februar dieses Jahres zählte die Abteilung unter ihren, Sürsorgefällen 380 Jnvaliöenfmnilien, 542 Kriegerwitwensamilien, 1738 Kriegswarfen, 801 sonstige Familien von Kriegsopfern. Die Ausgaben für Bargeld- Unterstützungen der Sektion Mukaeevo betrugen im Monat März allein 102.600 ischecho-slowakische Kronen. IM Monat März standen nicht Weniger als 2674 Fa- .. j .n'Wtofl92T\ Nr. 840 . ..——-—< < miücu mit z..,arnnren 7544 Personen in Bezug fortj laufender Geld- und LeLensmittefunierststtzungen, j j Zu den wichtigsten Aufgaben der Hilfst äligM Karpathorußland gehört die Grüpdrzng von By IlfD küchen. Im'Oktober porigen Jahres waren im gayM Gebiet kaum'' -Mi Volksküchen in Gründung begriffen- Gegenwärtig werden 14 Volksküchen vom Joint er-'' halten, di« zum großen Dell auch von ihn; gegrMdej worden find. Im Anschluß an die Volksküche wird M in jedep GemMb« M« MMrinkhalle errichtet. Dtt Zahl der Milch trinkhaltzn entspricht ungefähr her dßl Volksküchen. Die schrecklichen sanitären Verhältnisse jn Karpathorrrßland machen die K r a n k e n f ü r s o r ge zudem tragenden Pfeiler eines jeden Hilfswerkes für dieses Gebiet. Der kulturelle Tiefstand der Bevölkerung, Schmutz und Armut, die Verbreitung von, Trachom und Lu«s Wen eine verheerende Hixkung auf die Bevölkerung aus. Hiezu kommen die sich regelmäßig ausbreitenden Typhusepidemien, ferner die weite Verbreitung der Lnntzentuber-, fnkose, dje het der schlechten CrnähWng und derl mangelliaften Bekleidung der Bevölkerung zahlreiche, Opfer fordert. Der Mangel an Mrzten und Spitälern^ hie Unzulänglichkeit der Reinigungsanlagen in den! kleinen Städtchen und Dörfern erschweren den Ausbau der Krankenfürsorge. Aus dem Medikamentenvvrratt des Joint werden denMrzten des Landes Hellmittel zur unentgeltlichen Verteilung an die grmje Bevölke." rung ansgefolgt, und zwar hauptsächlich Typhoid, als. Typhusprophylaktikum. Wenn auch all diese Aktionen in Verbindung mit der allgemeinen Lebensmittels aktton viel Gutes stiften, kann doch' nur die großzügige Gründung von Spitäler«, Anstellung von Aerztsn^ Errichtung von Destnfektionsstalioneu und! Bädern eine wirklich drpechgreifende Besslerung deir« sanitären Verhältnisse in Subkarpathien herbeiführen, Die Sektion Kosice dies Joint umfaßt die Zripanate Abaj-Turno, Savos, Zemplin und SpiS. Dieses Gebiet bMt einen Teil der Slowakei. Mt Rücksicht auf die ziemlich' weite Entfernung de-r Zupanate vtzni Bratislava, den: Vorort des „Joint"" für die Slowakei, sowie die starke Kriegsbetroffenheit dieser Gegenden und! das hauptsächlich im nördlichen Gebiete dUer, bktiM WrsKendle, an Karpathorußland erinnernde» Elendl wurde mit der Fürsorgetätigkeit für die bier Zupanate ein eigenes Komitee betrgut. Von W; für. die Slowakei bestimmten Hilfsmitteln, Lebensmitteln, und! Kleidern wird ein Teil der Sektton Kosice znge> wiese«. .. . -__ : :■ Dritte Reichskonferenz des FüdisÄ)en Nationalfonds für Oesterreich. Die am 22, d. 371. im großen Saale des Nied-röstk-rreichischen Gewerbevereins abgehaltene dritte Reichstonferenz des jüdischen Nationalfonds war eine schöne Kundgebung Her erstarkten österreichischen Nati mmlfondSorganisation. lieber 100 Delegierte hatten sich eingefunden, um bis in den späten Abend hinein die Arbeiten der Konferenz z» erledigen. Der Vizepräsident der Reichsleitung, Max Markus, erösfnete um 9 Uhr die Versammlung, begrüßte den Direktor des Jüdischen Nationalfmchs. Johann Kremenezky, den Mitgründer des Jüdischen Nationalfonds, Abgeordneten Stricker, den Präsidenten der zionistischen Orgams.rijprr in Oesterreich, Dr. Egon Zweig, den Vertreter des HauptbureauS im Haag, und Kultusvorstand Schwarz in Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Herr Ingenieur Kremenezky übernahm das Präsidium der Konferenz während der Vormittagssitzung, Oberrechnungsrat Weiner am Nachmittag. Die außerordentlich lebhafte Debatte fand ihren Niederschlag in einer Reihe von Anträgen, die zum Teil rein organisatorischen Charakter hatten, und die Ausbreitung der NattynalsondSarbeit auf alle jüdischen Kreise fördern sollten- Unter anderen gelangten folgende Anträge zur Annahme: Die Reichskonferenz spricht ihren Wunsch aus, daß die Exeku. ttve der zionistischen Organisatton geeignete Schritte unternehme, damit das temporäre Einwanderungsverbot nach Palästina sofort aufgehoben werde. Die RekchSkonserenz spricht Nehemia de LieMe den herzlichste« Dank für seine Tättgkeit im Nattonalfonbsbirektorimn aus, und gibt der Hoffnung Ausdruck, ihn bald wieder an führend« Stelle in der Nationalfondsarbeit zu sehen. Ferner wurde ei« Antrag angenommen, der die baldigste Uebersiedlung des Hauptbureaus nach Palästina verlangt und fordert, falls dies nicht zur Ganze möglich sein sollte, den Sitz des Hauptbureaus nach Wien zu verlegen. Nachdem die Vorschläge der Zentrale zur Ausdehnung der „Jaär Austria"»Aktton und zur BorL«eitung der Aktton für die „Kolonie Oesterreich" (Mofchawah Austria)' angenommen und die Einberufung einer außerordentlichen Reichs, konferenz für den Monat August zur Durchberatung detz Organiisatton dieser Koloniesammlung beschlossen wurde, wurde die Reichskonferenz mit einem einhelligen Dankesvotum an den Bureauleiter der Wiener Zentrale, Ingenieur N u ß« bäum, und an Herrn Dr. P r ä g e r, der eine große Spe,:de für die Errichtung einer Wiener RationalfvndS-Bibliothek ankündigte, geschloffen. Die besondere Bedeutung dieser Reichskonferenz liegt in der starken Beteiligung der Provinz und der Jugend. Die wiederholten VertrauenSkundgebungen der Konferenz an Reichsleitung und Bureau bewiesen, daß die Arbeiter cuu Jüdischen Nationalfonds wollen, daß sein Werk fet den bisherigen Richtlinien weiter auSgebaqt toegs,

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