Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 840 (30.5.1921)
- Date
- 1921-05-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der diplomatische Redakteur der Agence Havas glaubt zu wissen, die französische Regierung habe dem Foreign Office eine Note zukommen lassen, worin darauf bmgewiesen wird, von welch großem Interesse es sei, daß die oberschlesische Frage nicht sofort angeschnitten werde, da die in den beiden in Betracht kommenden Ländern herrschende Geistesverfaffung jede Lösung unwirksam zu machen drohe. Ministerpräsident Wand schlage daher vor. die Frage der Teilung Oberjschlesiens vorläufig Sachverständigen zuüberantworten,!so daß der Oberste Rat erst nach Kenntnisnahme des Ergebnisses dieser technischen Prüfung seine Meinung Wer» solle. London, 30. Mai. (Tel.-Komp.) Während Frankreich noch einen Aufschub der Sitzung des Obersten Rates wünscht, erklärte die englische Regierung in einer offiziellen Note, daß der Zusammentritt des Obersten Rates noch im Laufe dieser Woche unbedingt erfolgen müffe. Die „Daily Mail" läßt sich aus Paris melden, datz die französische Regierung die Konferenz nur unter der Bedingung beschicken werde, daß sie vorher die Zusicherung erhalte, daß von Frankreich und Polen in der oberschlesischen Frage kein großes Opfer gefordert werde. London, 29. Mai. (Havas.) „Daily Chronicle" billigt den italienischen Vorschlag in der oberschlesischen Frage und fügt hinzu: Die Hauptsache ist doch die endgültige Regelung und wir geben uns der Hoffnung hm, daß die verständige Rede Briands in der Kammer dazu beigeiragen hat, die Lösung der Frage' zu beschleunigen. Solange der Oberste Rat noch nicht zusainmerrgetreten ist, wird keine Lösung gefunden werden können und wir glauben, daß dabei nichts zu gewinnen, wohl aber viel zu verlieren ist, wenn man die Vertagung zu lange hinausschiebt. Eine angebliche Geheimnote Tschitscherins. Paris, 29. Mai. ..„Die. focialifte" veröffentlicht «Mi'vüWLüdigett Text der Geheimnate; die Tschitscherinmn - y. Febmär 1921 - an die S 'o'W^ä t d' e rt r e t int g e it im Auslände gesandt hat. Tschitscherin empfiehlt in dieser Note eine Politik, die einen a'llge meinen Krieg in der ganzen Welt herv orz.ur ufen geeignet wäre. Es heißt darin: Wir müffen damit ansangen, uns der nationalen Konflikte für unsere Zwecke zu bedienen. Die entgegensteherrden Interessen Uitgarns und seiner Nachbarstaaten müssen zu einem ' bewaffneten Zusammenstoß führen, der zweifellos auch Italien e i n b e z i e h e n würde und einen allgemeinen europäischen Konflikt Hervorrufen könnte. Die aktive Tätigkeit unserer Vertretungen soll dahingehen, schon bestehende nationale Streitigkei 1 en zu vergrößern und zu verstärken. Im Falle eines Krieges würde sich unsere Lage zweifellos verbessern. Intensive ubd geschickte Arbeit muß das Ereignis beschleunigen. Augenblicklich brauchen wir noch Zeit, um uns entsprechend vorzubereiten; aber in sechs Monaten werden wir bereit sein. Dann gilt es, keine Zeit mehr zu verlieren. / Pierre R enaudel, der dieses Dokument in der „Vi<. socialiste" einbegleitet, fügt hinzu: Diese Meen übttraschen uns nicht. In ihren öffeMchen Reden haben die Bolschewikenführer, namentlich iTrotzky und Radek, sie wiederholt ausgeführt; aber jschwarz auf.Weiß sind sie noch niemals mit solcher'!Klarheit festgehalten worden. Man wird daher, eines iTages pon.Cachin und Froffard Rechenschaft über die Werredüng verlangen müssen,, die sie am.Weiten. Tage nach ihrer' Ankunft in Moskau mit Trotzky und Lenin hatten, als sich diese nach dem Siege über Palen anschickten, die Führung der Welt zu übernehmen. Froffard hat wiederholt in privaten Gesprächen üher diese erste Unterredung Bericht erstattet, wahrend Eachin manches in . Abrede steltte. Der InhaÜ seiner Unterredung, erklärt Renaudel, sei im Grunde nichts anderes gewesen als eine Umschreibung der Instruktionen, dze dann Tschitscherin am 6. Februar ausgegjeben hat.- , Der amerikanische Akrüftuttgsvorschlag. Washington, 29. Mai. (Funkspruch.) Der vom Tenatvr Borah eingebrache Antrag aus Abrüstung zur See ist vom Senat einstimmig angenommen worden. Der Antrag wird an die Kämmer zurückverwiesen werden und. man . hofft, daß er auch dort angenommen wird. Der Präsident wird ermächtigt und ersucht werden, die Regierungen Englands, Frankreichs und Japans vuszufordem, ihre. Vertreter zur Konferenz zu ent- 'stnden. ' ,vt- Der englische BergardeiterstreiL. London, 28. Mai. (Reuter.) Dem Vernehmen nach hat der Premierminister den Bergleuten in der entwurf werde eingebrächt, werden . üA die Beilegung des Streiks durch einen Schiedssprüchezu' erzielen, der für beide Parteien bindend sein soll. Dre Bergleute erwiderten darauf, daß sie an ihrer Forderung auf Nationalisierung' des Bergbaues festhalten. Die erste Milliarde Goldmark bezahlt. Berlin, 29. Mai. (Wolff.) Wie das Reichssinanzministerium mitteist, haben die v-Banken, die Darmstädter Bank, die Deutsche Bank, die Diskontogesellschaft und die Dresdner Bank, die Schatzwechsel im Betrage von 840 Millionen Goldmark, die nach dem Londoner Ultimatum für den nicht durch Gold oder Devisen gedeckten Teil der bis zum 31. Mai zu entrichtenden Milliarde Goldmark zu liefern wären, indossiert. Das Indossament dieser Banken war von der Reparationskommission als befriedigende Sicherstellung bezeichnet worden. Im vaterländischen Interesse geschah die Indossierung unentgeltlich. Die Schatzwechsel sind am 28. Mai an die Reparations- Kommission abgesändt worden, so daß die Verpflichtung, innerhalb von acht Tagen vom Mimatum ab eine Milliarde Gold mark zu zahlen, rechtzeitig erfüllt worden ist. Aathena« deutscher Wiederaufbauminister. Berlin, 30. Mai. Wie die „Berliner Montags« post" meldet» ist die Ernennung Dr. Waller Rath enaus zum Wiederausbauminister gestern durch den Reichspräsidenten vollzogen worden. Sie wird heute amtlich bekanntgegeben werden. Die Regierungskrise in Warschau. Warschau, 29. Mai. (Poln. Test-Agi) Ministerpräsident Witos hat dem Staatsoberhaupt das Demisfionsgesuch des Kabinetts zur Genehmigung überreicht. Das-Staatsoberhaupt lehnte unter Appell , an das bürgerliche Pflichtgefühl das Demisflonsgesuch ab und wies darauf hm, daß das gegenwärtrge Kabinett au? die llWrheit des Parlaments rechnen könne. Aus diesen Grmrden ersuchte das Staatsoberhaupt das Kabinett Witos, das Demissionsgesuch zurückzuziehen, und forderte Witos auf, Vorschläge zur Besetzung der vakanten Portefeuilles zu machen.. Der Generalstreik in EhrMania. Kopenhagen, 29. Mai. (Wolff.) Nach Blätter-' Meldungen aus Christiania ist es dort gestern abends aus Anlaß des Generalstreiks zu Unruhen gelommeu, wobei 40 bis 50 Personen verhaftet und mehrere verletzt wurden. Die Brotversorgung der Stadt wird durch.die technische Nothisfc aufrechterhallen. Besnic gestorben. Paris, 28. Mai. (Havas.) Der jugoslawische Gesandte in Paris und ehemalige serbische Ministerpräsident D e S n i c ist plötzlich gestorben. Horthy-Angar« ersucht um Aufnahme in den Völkerbund. Genf, 29. Mai. (Wolff.) Ungarn teilte dem Sekretär des Völkerbundes offiziell mit, daß es beabsichtige, die nächste Völkerbundversammlung um seine Aufnahme in den Völkerbund zu ersuchen. Die amerikanische Zudenheit an Herbert Samuel.; New-Uork, 25. Mai. (Jüd. Kvrr.-Bür.)-,' Heupi' wurde än Sir Herbert.'Samuel folgende,Resolution telegraphiert: „Eine Konferenz vonVertretern.','Älter. Hdischesi Organisationen Gvoß-New-Nörks nahm -emmniig, die ' an Sie zn übermittelnde Resolution arr,' in - der 'sie.^ie-' Unterstützung des Keren'Hajessöd ( m.it^ ganzÄsi(, Herzen gelobt, die'kürzlich geschelMen, durch .nichts ‘ anlaßten Exzesse beklagt, die nnerschüktertiche,'!E,n't schXosfcn'heit misd.rückk, die. Kon.s olih'iLÜv-rig. des jüd ischnativUlalen .He'i''me's' zü. .'SesWunigen, bei aller Hochachtung vor derr'r. HighWmipissiosier die der Gewalttätighrit genrachten Könzessionen.'Mißbilligt und 'die sofort i g e B e s e i L'i gün g d'S's' H i n-' itüt it'b e r nng s v epb v'-tes dringend fordert-.^;; Araber-Pyhkatt gegeu die(AuMr. ^^, Jerüßaliein, 2l-. Mai. (Jiid. Korr.-Bür.' Berspchöt.-), Die Araber in' Jaffa proklamwirLeuden Boykott, gegen die Juden, der jedoch' mit bis heute dauerte- MähreM':- des Boyfotts verkanfteittdie.-,.ALabLL/ ke.inön.'.'Äu^rg«;-'!:, Artikel.^einenr Inden. Dieser. Boykott'führis her--jühi-7 schen Bevölkerung 7 Palästinas die,' NotwerchigWvo r..; Auge-n, die Bildung eigener LebensmittelAentron rni^ bcti Städten in Angriff zu nshrnen,. da. sie. ans (>> eine Versorgung, mit Bvdenfrucht durch die Araber nicht mehr verlassen können. " Die Wiederaufbauarbeit des.Jsmt. KswÄio, 26. Mai. (Jüd. Korr.-B'nr.) Der Na tionälrat für Li tauen erhielt vom Amsri call' .Joint ' Distribution Committee die offizielle Verständiguüg über, die Zeichnung von 1,S,Mllivne«' bentscher 'Mi.N rnr-. die jüdische Zentralbank in Litaneoi. " Die Kredithilfc. . Französische Bvrschlage. Brüssel, 28. Mai. (HavaS.) Ter - „Syir^ veröffentlicht ein Interview mit dem nunmehrigen Haydels-' attachö Frankreichs bei deffen Botschaft in Brüssel C h a r r i 0 t, der Frankreich in der RepärationÄommission in Wie» vertreten hat. Eharriot sagt, daß die Läge iw Oesterreich sich ein wenig gebessert habe, daß aber die? Not, wenn auch in geringerem Maße, nach wievor bestehe, und zwar namentlich infolge des Zerfalles der Länder, die die frühere Monarchie gebildet haben.. Charnot schildert ausführlich die finanziellen. Nöte, unter denen Oesterreich leide,! und kommt dabeb auch auf den Anschluß zu sprechen, indem er sagt) die Idee des Selbstmorde.s durch den! Anschluß an Deutschland werde für Oefterreich! durch einen Vorteil vergoldet: wenn nämlich Oesterreich! nicht mehr existierte, dann sei auch der. Vertrag von! Saint Germain hinfällig geworden und damit fiele» auch die Lasten weg, die « «it sich bringe. Chariot tritt für eine» Zollverband der aus der Auslösung der Monarchie hervorgegangenen Staaten ein und betont schließlich, datz Ochenerchs wirtschaftliche Lage lange nicht so Misch sei wie. seine-; finanzielle. '• Paris» 38. Mai. In Besprechung der Londoner Tagung' des Finänzkomitees des Völkerbundes stellt der „Jutrcmsigeant" fest, daß man das österreichische Finanz.-. Programm einer ernsten Prüfung unterziehe. Denn nach' den Berichten der aus Wien zurückgekehrteu alliierten Sachverständigen sei die Gewissenskrise, die Oesterreich augenblicklich durchmache, zu einem guten Teildurch. str.e^materieNe^Krne.nersrjacht.