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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-29 · Heft 839 (29.5.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 839 (29.5.1921)
Date
1921-05-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©citc 4 Wien. Sonntag Inland. Die Kreditakttou für Oesterreich. Die japanische Regierung hat sich dem Vorschlag jkMf Zurückstellung ' der Repavationsprivilegien für zwanzig Jahre an ge schlossen. Die Erörterung des Zinanzkomitees galt vorgestern der Frage der Vorschüsse Mt Oesterreich. Als Unterpfand für diese Vorschüsse wären von der Vsterreichischeu Regierang Pfänder zu liefern. Die Erörterung über oie verschiedenen Punkte, die sich auf die Oesterreich zu gewahrenden Kredite beziehen, wird unter den Mitgliedern der Kommission, die sämtlich Sachverständige auf finanziellem Gebiet sind, fortgesetzt. Der Präsident der Kommission Sir Henry S tr a ko sch ist Präsident der Union Corporation Ltd. Mitglieder der Kommission sind: Der französischeFinanzinspektor Avenol, der Finanzkontrollor des britischen Schatzamtes Sir Bayil Älakett, der japanische Finanzkommissär Kan ge Mori, der Direktor der belgischen Nativnalbank Janssen, der Direktor der 'Hope Bank in Lünsterdam ter Me ulen, der Direktor der Stockholmer Enskilda Bank Wallemberg, der Direktor der Manchester and Liverpool Bane Sir Drunrmvnd Fraser und der Direktor der Kopenhagens Landmannsbank Glück st ad. Der Bericht der Finanzkommission über die Kredit- Hilfe für Oesterreich enthält Vorschläge zur Reform der Währung und der Errichtung einer Notenbank - Das Kapital dieser Bank, die eine fünf-Undzwan z igjährige Autor isationerhälten müsse, ist mit 10Ö Millionen Franken vorgesehen, von denen die Hälfte vom Ausland aufgebracht werden soll. Die Bank hätte alle Fragen der neuen Währung zu regeln, Kredite für eigene Zwecke zu beschaffen. Es obliege ihr, das Niveau der österreichischen Währung zu stabilisieren fremde Valuten aufzubringen, um Auslandssorderungen genügen zu können. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben müßten ihr die ZollEinkünfte, die Erträgnisse Hes Tabak Monopols und der Wälder zur Verfügung stehen. Aus Washington wird offiziell gemeldet, daß sich die Vereinigten Staaten an den Erörterungen über den Oesterreich zuzuwendenden Kredit nicht beteiligen werden. London, 28. Mai. Auch' die Tschecho-Slvwakei hat der Suspendierung des Generalpfandrechtes für 20 Jahrtz zugestimmt. Der Bericht des Subkomitees über den Bericht der Wiener Delegierten des Finanzkomitees des Völkerbundes ist gestern fertiggestellt worden. Im Subkomitee sitzen die Menet Delegierten unter Hinzuziehung Janssens. Der Bericht des Subkomitees wirb heute nach Eintreffen Gianninis beraten und das Resultat wird anfangs nächster Woche an Da Gunha. den Präsidenten des Völkerbundes, und vn den Obersten Rat gehen. Wiener Wkorgcrizerrun^ Re-ürungSoor>a»uu, von denn» *iu)y L.i..d.kgcsctz beüefscrid den VerfsSrtütttzSverjüch im E h i i» e r f a h r e ü uüd das Bundesgesetz betreffend die zeitweilige Ünzulasfigkeit der gerichtlichen Geltendmachung von Ansprüchen gegen das l k. Aerar nnd k. n. k. Aerar «nd k. n. I. Hofärar a«S giwiffea Anflaltr» «nd Fonds erledigt wurden. Das Bundtsgesetz Über die Haftpflicht Vei Kreditüberschreitungen wurde vorläufig mit dem Auftrag au die Regierung zurückgestellt, eine genauere Faffung der Haltpfllchlbkdingnngen, sowie Bestimmungen über die Regelung des ErsayverfahrenS auSmarbeiten. Darauf leitete dieBerichterffatterm Frau Rudel-Zehnek die Generaldebatte über daSKiyozeusurgefetzein. Der Steichsarbetterrat. erste Tag brachte eine scharst Auseinandersetzung zwijcheri den Sozialdemokraten und Kommunistendir aber nichts nenes zutage förderte als die schon bekannte Tatsache, daß der Kommunismus überall der Reaktion in die Hände arbeitet. Tie Delegierten a«S den Ländern berichteten auch über das Umsichgreifen der bewaffneten Heimwehren. Gestern protestierte die Tagung gegen den Eingriff von Ententeoffizieren in die staatliche Souveränität. Ein englische Kommission hat nämlich am Freitag ohne behördliche BrwÜigung in einem Arbeiterbetrieb in Meidlung eine Hausdurchsuchung vorgr-- nommrn, bei der nach verborgenen Waffe« gefahndet wurde. Die Maßregel blieb erfolglos. Der ReichSarbeiterrat stellte festdaß gegen dle österreichische Orgesch derartige Maßnahmen nicht geschehen und daß die fremden Offiziere Nicht dorthin gehen» wy dir Waffen in Mengen aufgehäuft sind »ndwodieReaktionrüstet. Die weitere Debatte drehte sich um die Aendenmg keS OrganifationsstatutS. ES kam hiebei mehrfach zu scharfe» Zusammenstößen. Ter Sozialdemokrat Doktor Max Adler wandte sich heftig gegen die Moskauer Taktik, die jede proletarische Richtung bekämpfe, wenn sihrricht den Weg Moskaus gehe. Dabei sec das Moskauer Programm noch unter daö Programm der Menschewiki gesunken. Der nächste Redner, der Kommunist T ä u b l e r, rief L ä r ms z e n e n h e r v o r, als er die Versammlung mit den Worten „Genosten und Herren!" ansprach. Er wurde umdrängt und niedergeschrien. Als man ihn schließlich vom Rednerpult verdrängen wollte, setzte er sich wieder nieder. Im Ganzen hat die bisherige Konferenz pur die Tatsache zutage gefördert, daß der Arbeiterrat seine Ecistenzberechtigung za erweisen versuchte. Das ist kein gutes Zeichen, weil eine Institution niemals an sich selbst zweifeln darf. Es muß deshalb sestgehalten werden, daß Friedrich Adler in der Debatte selbst gesagt hat: ^Bon dem Gesichtspunkt der Bekämpfung der reaktionären Strömung in Oesterreich i st d e r Arbeiterrat nicht unbedingt notwendig." Das ist ganz neu und für die weitere Innenpolitik Oesterreichs nicht unwichtig. ... Die Drau als Grenzlinie. Wie die „Politische Korrespondenz" erfährthat der Leiter der jugoslawischen Delegation des internationalen Grenzregulierungsausschufses^sür die Grenze zwischen Oesterreich und Jugoslawien heute an den- Präsidenten dieses Ausschusses den Antrag gestellt, bei der Festsetzung der Grenze zwischen Jugoslawien »nd Kärnten die D r a U als Grenzlinie sestzulegeu. Er teilte zu gleicher Zeit mit, daß die jugoslawische Regiemng die gleiche Forderung bereits auch bei det Botfchafterkonferenz in Paris erhoben habe. Iustiza«ssch«tz. Der Justizausfchuß beschäftigte sich in den am 27, und 28. d. M. abgehalteneu Sitzungen mit einer Reihe von feinste englische Gegenüber.*) Bon M. Smilemski. An jedem Morgen, mit Sonnenaufgang, gehe ich von meinem Hause, das sich in der Kolonie befindet, zum Obstgarten. Und wenn ich den Hügel erstiegen habe, der die Kolonie von dem Gurten trennt, fällt mein Blick auf zwei «neue Punkte, die in den letzten Tagen bei dem Dorlfe Jawneh, bas mir gegenüber liegt, vor meinen Auge« «emporgewachsen sind. Auf der einen Seite der. Station der hier vorbeiführenden Eisenbahnlinie Kantor a—Ludd wuchsen über Nacht J60 bis 70 Zelte empor. Die Zelte sind militärisch, nach militärischem Muster in Reihen aufgestellt; aber nicht Soldaten wohnen in ihnen, sondern 3Ö0 Jugendliche aus Israel, die tagtäglich mit ihren Pflugscharen und Schaufeln hinausziehen und einen riesigen Graben ausheben, um die Station vor der hier, in her Regenperiobe üblichen Ueberschwemmung zu schützen. Und auf der anderen Seite der Station, auf einer grünen Anhöhe, erstand — und wiederum über Nacht — eine Siedlung, einige große Holzbauten, Dampfpflüge, Eggen, Sämaschinen, Wagen und einige Paare starker Pferde enthaltyrd. Und aus dieser Siedlung ziehen tagtäglich einige Dutzend Jünglinge, Christen, aus, um zu ackern und im prächtigen Tal zu säen, das sich von Jawneh bis zum Flusse Remven erstreckt. Der Aufseher über die Arbeit und Bewirtschafter dieser Siedlung ist ein Australierder nach seiner Entlassung Ms dem Heer im Lände blieb und die deutsche *) Die hier ans dem Hebräischen übersetzte Skizze eines palästinensischen Veteranen kennzeichnet treffend die Stimmung, welche eine Folge der mangelnden Opferwilligkeit des jüdischen Volkes ist. Sie zeigt den Gegensatz zwischen den Erwartungen und der Wirklichkeit imb ist im Hinblick auf die jüngsten. . Ereignisse in Palästina von besonderes Aktualität. Siedlung Beer-Schalom neben Rechoboth pachtete. Auch dieses Tat, bas gegen 10.000 Dunam fetten, fruchtbaren Bodens zählt, pachtete er von seine« Eigentümer, einem spaniolischen Juden, und erbaute auf ihm eine neue Siedlung. Aber bevor noch der Blick vom Hügel aus diese zwei neuen Punkte erreicht, erblickt er unterwegs zwischen dieser 5kolonie und dem Nachbarborf einen Streifen Bodens, der früher ebenfalls sich in den Händen des zuvor erwähnten! Spaniolen befunden und nun Ms ei,reu Efendi Übergegangen war. Und wen« du bedenkst, daß dieser Sepharbe, der, in Nöte geraten, gezwungen war, an der einen Stelle sei» Grundstück zu verkaufen und an der zweiten seinen Boden zu verpachten, sich an alle Wischen Aemter des Länder und auch! an alle Zionisten gewendet hüt und nirgends Gehör fand! Die Jc-a zahlt nicht mehr als zwei Pfund per Dun am; das genannte Grundstück aber, das m eine jüdische Kolonie grenzt, wurde mit fünf bettoufi. Der «Wand Häzirtm" -aüft nicht von Jude»; außerdem hat er kein flüssiges Gelb bei bet Hand. Und die. Kolonien — die habe» für Käufe kein Gelb und zum Pachte« Seine! Last. Der Sepharbe aber fand „Erlöser": den Efendi und den Australier. Der Australier hat nür die Hütide seine Hände, und den Willen — seinen Willen; das Geld aber erhielt er als Anleihe oder Anteil von einem — ägyptischen Juden, einem von jenen ,/neuen Zionisten"- denen das Lav-d nur zu Busineß-Zwecken gegeben wurde. SBcwi du noch VsLvttkst, daß nach zwei, drei Monaten die Aushebung des Grabens an der Eissnbahnstvecke beendigt und das Lager der jüdischen Arbeiter verschwunden sei« wird, so wie es gekommen, und mit die Siedlung mit ihren Gebäuden, Maschinen und Arbeitern zurückbleibt, da das Rohr, bas im Boden steckt, nicht absterben kann . . . Wenn du bgtz ajfeä hAvM, bom betfmft&t jW daL . 23. «Mt 19M 9lt. 836 Telegramme. Der Oberste Äat Paris- 28. Mai. (Wolff.) Das „Echo de Paris« teilt mit, es scheine sich zu bestätigen, daß nach dee Meinung der französischen Regierung dl» nächste Zusammenbunst des Oberste« Rates nicht vor dem! 16. Juni stattfinden werde. An einer anderen Stellt des Blattes erklärt Pertinax, daß diese Vertagung von der französischen Regiemng verlangt werde. Demselben Blatte zufolge hat sich der Botschafter-! rat in seiner heutigen Sitzung mit einem Vorschlag des Generals de Martini und des Obersten Perzival beschäftigt. Die beiden Kommissäre hätten dm Vorschlag vnterbreitet, unverzüglich die Bezirke, in denen Detttschland eine unantastbare Mehrheit erzielt habe, durch d e u t s ch e Trupp en, und die Bezirke, indenm Polen gesiegt habe, durch polnische Truppe» besetzen lassen. 17.000 Mann alliierter Truppen sollten alsdann in dm strittigen Industriegebieten zusammengezogen werden um dort tvmtuell später die neuen Grenzlinien z» verteid^m. Gi«e Erklärung Briands. Paris, 28. Mai. (Wolff.) Wie .Echo de Paris-! mitteilt, wird Ministerpräsident D r i a n d am Montag im Senat eine Erklärung über die auswärtige Politik und das Abkomme« von London abgeben. Man wiffe noch nicht, ob sich eine Debatte daran schließm werde. Drei Avne» in Oberfchlesten. Paris, 28. Mai. (Havas.) Die Bvtschafterko n serenz wird sich morgen mit dem Vorschlag der Vertreter Italiens und Englands in der oberschlesische!n Uhstirninungsvommrssiou beschäftige«, der die Schaffung dreier Zonen beinhaltet, nämlich' einer Zoneunter polnischer und einer unter deutscher Herrschaft (das sind die Gebiete, die sich unzweifelhaft für das!' eine, beziehungsweise bas andere Land ausgesprochen haben) und einer dritten, strittigen Zone, die zwischen . diesen beiden Zonen liegt, in der die. alliierten Streitkräfte konzentriert würben und dort die Ordnunbg «lij«*. rechtzuerhalten hätten. Dieser Vorschlag wird wahrscheinlich einem ziemlich heftigen Widerstand von französischer Seite begegnen, wo man der Ansicht ist, daß er der endgültigen Entscheidung präjudizieren könnte. Heftige Kampfe. Oppeln, 28. Mai. (Wolff.) Die polnischen Insurgenten haben den Bahnhof und einige Privatgebäude in Rv senberg gesprengt. Heftige Aingrckfft der Aufständischen gegen Borek und Kmsetzna wurden aptze-- schlügdn. Im ganzen Südabschnitt des MfstandsgebteM herrscht heute auf Seite der Polen lebhafte Feuertätigkeit. Der italienische Kreiskontrvlleur hat auf der Fahrt über Land sechs. Schüsse in seine» Zkraftwagen erhalten. In der Gegend von Kofel war die Fenertätigkeit dör Polen besonders über Nacht sehr stark. in der Stadtrestenmesse nur A, ‘ÜJeihbarg* gasse 10 bis 12 10W Licht deiner Augen und der daö Auge erfreuende Anblick vor dir. Die blauen Uerge Jehudas diesseits Und bas blaue MitteNändtsche Meer jenseits verlieren ihren Reiz und ihren Zauber. Gebeugt, mit eine« fürchterlichen Schmerz im Hetzen, setzest du deinen Weg in den Garten fort, zu deiner gewöhnlichen, tagtäglichen Arbeit, «nd dein Herz stürmt in dir. Manchmal brechen auch .aus deinem Munde bittere, harte Worte hervor und verlieren sich! im Weltraum. ' lieber wen und worüber petzst du dich' auf, Meuschenm? i; * ' 1 Nie Scheichs der Nachbardövfer, Meine alten Freunde, kommen öfters za Besuch! in meinen Garten. Man spricht über ,Mltpolitik", versucht dabei den süßen Saft der Orangen and erwähnt auch im Gespräch so. nebenbei die Zelte, an. dev Station. ,Mozu jene Zelte- Was haben diese Judm da zu suchet 'V* fragen meine Gäste in der geheimen'HvfstMg, -M wahres Sfcott" meinem Mrstde z» entbrcke«. 4 ,Oas sind arme Immigrant^», die ihr Mot bM btes«i schweren Arbeit fachen." m letchWs LlchM Mlev MdM» ve Mt M vor-, bergen vermochte, Überfliegt die Lippen Meines FtMmdes, des Schiichs, während er spricht: ^akt' uns. nicht zu» bestem! Freund, wir temteft eure List."' Die älteren unter ihnen schweigen, die jüngeren kött-refl sich aber nicht beherrschen: „Nicht einmal trockenes Ärvt rsunen sie bei diese« Arbeit veebie«m... Ule Erde ist aus Men," sagt der Eine.' „Was hübe« Jubvi mit eiNvr solchen Arbeit zu tun? Auch unsere Söhne tverben sie nicht durchführe». Nur für einen Aeghpter oder Neger taugt sie," sagt der Zwette. ' Und der Dritte schließt mit einem Ton der Devzweiflung. * Jßoja dretz WortzÄ. WMdM. ohss «MMbeu

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