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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-28 · Heft 838 (28.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 838 (28.5.1921)
Date
1921-05-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sftt 838 /Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 28. Mar 1921 Seite 3 würde die Auslieferung des Gemeinderates Dr. Plaschkes in beiden Fällen beschlossen. Die Begründung des Ausschusses ist ganz falsch. Dt. Plaschkes hat. die angeblich, beleidigenden Ausdrücke in Ausübung seiner öffentlichen Funktion getan. Das ist ein politischer Akt, der unter dem Schutze des Jmmunitätsrechtes bleiben muß, da sich Dr. Plaschkes einer Kategorie öffentlicher Angestellter angenommen hat. Um einer: Privatverkehr hat es sich Nicht gehandelt. Abgeordneter Dr. Seipel über politische Tagesfragen. Gegett eine Politik mit dem Kopf durch die DZairv, über die Süniernntzsaktion UNd die GvMMertagung des Parlaments. Der Obmann der christlichsozialen Vereinigung de§ Nationalrates, Abgeordneter Professor Dr. Ignaz Se i»- el, sprach Mittwoch abends in einer Versammlung im 1. Bezirk. (5r .warnte - vor einer Politik mrt dem Kopf durch die W and. Es sind zwei Kategorien von Leuten-, die un-' bedingt eine solche Politik Machen wollen: Dre einen, die verzweifelt sind und meinen, es ist ohnehin nichts mehr -ü Machen, und die anderen, die noch nicht das richtige Gefühl von der Not der Zeit und unseres' Volkes haben? Nach meiner Ueberzeugüng hat noch keine der Rettungs- - Aktionen, noch keiner der Sanierungspläne, die vom Völkerbund oder von dev'Entente vor uns gebracht worden sind, so viele Aussichten geboten als gerade die gegenwärtige. Wir haben es hier mit einem klar 'überlegten Plan zu tun, uttb was ihn mir so empfiehlt: Cs verspricht dieser Plan nicht allzu viel. Er verspricht nicht eine plötzliche Sanierung, sondern setzt eine bestimmte Frist; er sagt, wenn ec im Ernst durchgeführt wird, dann wird in einigen.Jahren die Rückkehr zu gesunden, wirtschaftlichen Verhältnissen eittgc» lreten sein. Das empfiehlt diesen Plan. Es wird zu den wichtigsten Aufgaben unserer Volksvertretung m den künftigen Wochen gehören, daß wir erne Reihe von gesetzgeberischen Maßnahmen treffen. Es werden schwerwiegende, unangenehme Maßnahmen zu treffen fern;: man weicht nicht Steuer- und Gebührenerhöhungen aus.- Gleich in den ersten Tagen, als ich die Geschäfte in der Partei wieder. übernommen habe, habe ich erklärt: Das ist ausgeschlossen, daß die Gesetzgebung in den nächsten Wochen nur solche schmerzliche Gesetzedie nur Opfer fordern, beschließen darf, sondern wir müssen zugleich auch solche Maßnahmen treffen, die es denen, die es angeht, lerchter uüd überhaupt möglich machen, diese schweren Opfer aus sich.zu nehmen. Wenn man die Gebühren bei den TranSportunternehmungen erhöht, müssen bessere Ver» kehrZverhältnisse herbeigeführt werden. , Man wird von auswärts Vorschußkredite <!uf die künftige Sanierungsaktion verlangen, um die notwendigen Lebensmittel herbeizuschaffen, und gleichzeitig im eigenen Lande Maß n ä h m kn' treffen müssen für die Förderung der 'landwirtschaftlichen Produktion. Cs wird auch auf anderen Gebieten für uns in der Sommectagung des Parlaments eine Menge von Arbeit geben. Wir müssen bei aller Verwendung des größten Teiles unserer Zeit für die wirtschaftlichen SanierungSattionen darangehen, unsere Verfassung auszubaut,n. Besonders dringend ist das Bedürfnis dazu, daß endlich, das BundesberfaffungSgesetz über die Abgrenzung - der Finanzhoheit zwischen dem Bunde und den Ländern durchgeführt wird. Die oft von stürmischen Zustimmungskundgebungen unterbrochenen Ausführungen lösten am Schlüsse sich stets erneuernden Beifall aus. I Sitzung des Neichsarbeiterrates. Im niederösterreichifchen Landtag ist gestern der Reichsarbelterrat zusammengetreten. Er besteht aus 131 Mitgliedern, und zwar 122 Sozialdemokraten und.9 Kommunisten. Im politischen Referat erklärte dev Vorsitzende Dr. Friedrich Adler: „Wenn wir die Gesamts'.Wicklung betrachten, müssen wir zugöben, daß die gegenwärtige Ruhe keine dauernde ist, sondern daß an die Arbeiterschaft sehr bald sehr große Probleme gestellt werden können, die die Zusammenfassung der gesamten Arbeiterschaft erfordern. Wirwerden die Institution der Arbeiterräte als ein Instrument bewahpen, das für di« künftigen Kämpfe von großer Bedeutung sein kann." Die westungarische Frag«. Der Standpunkt Englands. London, 26. Mai. (Wolfs.) Das Reutersche Bureau erfährt, der Standpunkt der englischen Regierung in den Mischen Oesterreich und Ungarn Über die Abtrennung der westungarischen Gebiete 1 stattfindenden Verhandlungen sei der, daß die Bestimmungen des Vertrages von Trianon genau angewendet werben müßten. Man werde aber keine Einwendungen erheben, wenn die Verhandlungen eine für beide Teile befriedigende Aegelnttg bezwecken. Nur müßten diese Verhandlungen von dem Grundsatz. ausgehen» baß es sich um ein Um streitig äst er reich tsches Gebiet handle. Im übmgen werbe «wn befriedigt sein, wenn sich beide Parteien freundschaftlich Exkaiser Karl geht «ach Spanien. Berlin» 87. Mai. ,Est Europr" meldet auS Pari-: Die Aqeme Franco-Jtalienne berichtet, die spanische Regierung habe Exkaiser Karl ermächtigt, seinen Wohnsitz in Spanien aufzwchlagen. Seine Abreise werde Ende August erfolgen, wenn nicht rin neues Ereignis eintrete, das die bisherigen Entscheidungen abändere. Telegramme. Das deutsche Volk will keinen Krieg. Berlin, 26. Mai. Vizekanzler Bauer erklärte dem Leiter des Berner Preßbureaus Res publica: In kurzer Frist wird die Regierung vollzählig sein und ein Programm über die Reparationen vorlegen, die wir Deutschen zu cifüllen für unsere Pflicht halten und erfüllen wolleiu Das Programm wird eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen enthalten, die es ermöglichen, den Alliierten alles zu geben, was Deutschland zur Abtragung seiner Schuld geben kann.' Die jetzigen Steuern werden nicht ge-, nügen, sie müssen daher e r h ö h t werden. Es müssen auch nöch andete Wege gefunden pierdenum die rrlörderlicheu Drittel herbeizMaffen. Das Nationalvermögen niuß herassgezvgcn werdest. Auf die Frage: „Gibt es in Deutschland einen RevanchegedankcU?" tiNtwdrte der Vizekanster: „R ein. Deutsch' land kann keinen Krieg suchen Und das Volk w i l l k e i n e n. Rur gewisse chauvinistische Nationalisten und -ein Teil der Kommunisten sprechen von Revanche." Die Placierung der deutsche« BoNs in Amerikm Paris» 27. Mai. „Chigago Tribüne" erfährt aus New- Nork, die amerikanischen Banken seien geneigt, deutsche DcmS zu übernehmen, wenn sie sich itiit 8% verzinsest und von Frankreich sowie von England garantiert werden. Auch der schnelle Wiederaufbau der deutschest Handelsflotte könne für die Placierung der deutschen Obligationen entscheidend in Betracht kommen. Man wisse, daß die deutsche Tonnage bereits die Hälfte des Vorkriegsstandes wieder erreicht habe, Man glaube, daß deutsche Bons bis zur Höhe von 1‘6C0 Millionen Dollar von Amerika ausgenommen werden-könnten. Harding Konferiert mit amerikanischen Bankiers. Paris, 27. Mai. „L'Jttjormalion" meldet aus London, es werde bekannt, daß bei einer jvlchtigen Unterredung, dieH ard-ing gestern mit Vertretern der großen Bankengruppe New-Norks hatte, Pierpont M o r g a n die Erklärung abgab, die amerikanischen Kapitalien sollten hauptsächlich für Anleihen fremder Nationen verwendet werden. Verfassungsreform in Griechenland. Athen, 28. Mai. (Agenee d'Athönes.) DK Regierung hat ihren Nevistonsentwurf dem Kammerausschuß unterbreitet. Die hauvtsächlichsten Punkte des Entwurfes sind die Zuerkennung aller politischen Rechtes« d i e F r a » e n, Einsetzung eines obersten Wirtschafisrates, der dreihundert Mitglieder zählt, Organisierung deS B ö H S t« t s ch e ide § mrd Bildung eines Geschciftskabinetts im Falle der Auflösung der Kammer. Die Regierung hat auch den Vorschlag der Reformistenpartei, betreffend erhebliche Einschränkungen deS Standrechtes und die Notwendigkeit eines einhelligen Parlamentsbeschlusses zu dessen Verhängung, angenommen. Neue Verhandlungen im englische« Kohlenstreik. London» 27. Mai. (Funkspruch.) Der Premierminister hat die Bergarbeiter und die Grubenbesitzer für heute zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Regierung eingeladm. Da Lloyd George seinerzeit erklärt hat, daß die Einladung zu einer neue» Besprechung nur dann ausgehen könne, wenn die Vorbesprechungen zu einem guten Ergebnisse geführt haben, sieht man dm neuen Verhandlungen mit V e r t r a « e n entgegen. Englische Trnppen «ach Oberschlesten. ' LmÄ«, 27. Mai. (Fimkspruch.) Zur baldigsten Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im ober-, schlesischen Abstimmungsgebiet wird die englische Regieryyg, außer den vier von der Rheinarmee beizufiellenden Bataillonen noch zwei Bataillone aus England nach -Oberschlesien entsenden. Diese Truppen werden mit Panzerzügen, Motorkampfwagen und Flugzeugen versehen sein. . Eine englische HaNdelsmisstoN nach Moskau. Londioni, 27. Mai. (Funkspruch.) Die amtliche englische Handelsmisston, die sich demnächst! nach Moskau begeben wird, wirb ungefähr zwanzig Personen umfassen. Ihre erste Ausgabe wird sein, mit den russischen. Handelsbehörden in Fühlung zu.treten und dann nach Petersburg und Archangelsk zu gehen, um die dortigen. Handelsmöglichkeiten zu studieren. Auch bte. Bereisung der Ukraine und des Kaukasusgehietes wird geplant. Die Unruhen in Alexandrien. 10.000 Balte« Baumwpve in Brand. AliexanüM««, 27. Mai. (Reuter.) In der letzten Nacht herrschte überall volle Ruhe. 2000 Flüchtlinge wurden in Schulen untergebracht; andere, haben in verschiedenen öffentlichen Anstalten oder Privathäusern Zuflucht gefunden. Die Negierungsmagazine, mit etwa 10.000 Balles Baumwolle stehen in Flammen. Die WüreVW versichert. . ( |' Mehrere englische Kreuzer sind zur UntzerdrückutrH der Unruhen eingetroffen. Weitere Kriegsschiffe werdeWi erwartet. . , ' . . > 1 . : Eine sonderbare GeseVschLsL., ' London» 27. Mai» Uankspruch.) Eine Bande, sian« tischer E i n g e b o r.e u e r, die sich . selbst „Israeliten^ nannte und die der südasrikanischen Regierung große Schwierig-, ceitcn bereitete, wurde bei Queenstown zersprengt. Die ZM der im Kampfe Getöteten und Verwundeten beträgt gegen, 150. Vombenattentat in Sopihia. Sophia, 27. Mai. (Funkspruch.) Gelegentlich' des Zyrill-' und Method-Festes warfen unbekannte Täter in die Volksmenge eine Bom.be, wodurch! über 20 Personen, darunter mehrere. Kinder, verwundet wurden. Man glüubt, daß es sich uck ein-r boschemiki- ~ sehen Anschlag handle. , : Die polnisch-litauischen ANterhandlrmgeN. Brüssel, 25. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die,litauische! Delegation hat ihre Forderungen für die Lösung, des polnisch-, litauischen Konflikts nunmehr endgültig .formuliert Und dch polnischen Delegation übergeben. Sie lauten : 1. Polen anerkennt Litauen als unabhängigen souveränen/Staat. 2, 235 i.t-, it ct iji biej Hauptstadt des litauischen Staates. 3. Die' Ostgebiete! Litauens erhalten kulturelle .Autonomie aus breiter Basis. 4. Litauerr stimmt einem W i r t s ch a f t s ü b e r e i n k o m m e n mit! Polen zusammen mit den anderen baltischen Staaten zu und if^ auch bereit, sich an einer M i l i t ä r k o n v e n t i o y Mj- Polen zu beteiligen. . i Der Vorsitzende der in Brüssel tagenden polnisch-litauischem Konferenz H y m a n s hat den beiden Delegationen einen Vor^ schlag zur Lösung des Konflikts überreicht, dessen Einzelheit«^, bisher noch nicht bekannt stnd,^och haben sich beide Delegationen!' grundsätzlich bereit erklärt, die Vorschläge Hymans' zu beratend Es besteht Aussicht, daß es auf Grundlage der Hhrnansschen! Lösungsvorschläge zu einer Einigung kommen dütfte. AppoNyi-Feier in Brrdapest. Budapest» 27. Mai. Die Nationalversammlung, hielt! heute zur Feier des 75. Geburtstages des Grafen App o tt h y der zugleich auch. die 50. Jahreswende seiner parlamentarisches Tätigkeiten beging, eine Festsitzung ab. In seiner Dankrebe mußte ZEpponhi selbst konstatieren, daß daß Ungarn, für das er gewirkt hat, in Trümmern liegt. Von seiner Schuld daran sprach eci nicht. Generalstreik in Christiania. Ehristiania, 26. Mai. (Wolfs.) Der/'gl'oße'Stte^.rsi'heU^ nachmittags mit Arbeitsschluß in Kraft getreten. Bon den' hiesigen Zeitungen werden morgen „Tidens Tegn" und „Morgenbladet"!. erscheinen, »Astenposten" hat heute abends eine Nummer gedruckt,! die morgen heransgegeben werden wird,. „Svciäldemvkrateu^ wird, wie gewöhnlich, morgen nachmittags erscheinen. Bandenkrieg in Cork. Tork, S7. Mai. <Re»ter.) In Cnrk nnd Umg»i b u n g wurden mehrere Häuser in Brand gesteckt. Aus der Eisens bahnlinie Cork—Nonghal ist eine B -r ü ck e gesprengt worden. An mehreren Stellen dieser Linie sowie auf mehrere« nach Cork führenden Straßen wmden Baumstamms quer ütönj den Fahrdamm gelegt. _ " Tagesbericht. Der Abbau der Hilfsaktionen. 1 Die Einstellung des Joint» der Schweizer Küchen nndf' des Emergeney Fund.; ' In der gestrigen Pressekonferenz berichtete RegiermrgZ)- rat Friedrich Reischl über den augenblicklichen - Standl der fremden Hilfsaktionen in Oesterreichs Vor allem ist fest«, zustellen, baß einige Hilfsaktionen bereits avtzebaul wurdet^ oder sich im Zustande des Abbaues befürden. So werden! die Schweizer- Küchen, in Innsbruck, Salzburg und Wiest! nnr mehr' bis Ende des Monats, geöffnet. sei«. Fernen! schließt das Ameri can Joint Äistributio wj Eommiitee und der Vienna Emergemcy Relie.ß Fund Ende Juni seine segensreiche Tätigkeit. ' Der Vienna Emergeney -Fund hatte bisher FO^OO! Kinder unterstützt und einen Gesamtbetrag von 1' Milliarde! Kronen aufgebracht. Er war .als besondere Hilfsquelle lad „Zegam", des Charitasverbandes und des Arbeitervereine^' „Kinderfreunde", aber auch der internationalen 'Spitalaushilfes'' von besonderer Bedeutung. Das American Joint Distribution! Committee erstreckte seine TättAeit aus die drrtch! den Kriegs betroffene j ü d i s'ch e Bevölkerung und .hatte nach Schätzung des Referenten rund 1 Mlliarde Kw:ren Leigetragen. Im Wirklichkeit steNen sich die Aufwendungen des Hoint höher. Der norwegische Küchenbetrieö ist bereits eingestellt^ die schwedische Aktion wirb weitere Einschränkungen erfahren^ Me Aktion „Kinder ins Ausland" weist wieder etttä Besserung auf. Doch süch «och immer 30.000 Wiener Kindes vyrgenierkt. - 'j Günstig gestaltet sich die von Holland und' der Schweiz subventionierte Mion des Niederösterreichischen Landesjngend-! >l in Interesaengomeinachaft mit der Fabank E. T. (Holzbank A.-G.), Budapest Wien, I., WippBingersfrasse 23 Poatsparkassenkonta: »0662 : Telephon Nr.13-1-87, 13-k-U. 13-3-86, 13-3-92 : Tel-Adr.: Mitilung, Wiw^ Kulante Darchifilirnna von Belehnnnaen aller Art ^65952

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