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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-27 · Heft 837 (27.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 837 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr/ 837 Men, Freitag' , wenn die Anschlußagitation yicht gufhiift, syich sich Frankreich von der V ö l k e r b u n d a k t i q y zmÜch" ziehen und es wird dann aus dieser Mion nichts werden können. Seit dieser Stunde lastet die s u r ch t b a r s ch w e r e $ e rantwortung auf d e n S ch y l t e rn d e r gegenwärtigen Regierung., Wenn sie für uns auswärtige Kredite erlangen soll, so muh sie sich der Anschlußagitation, wie sie heute betrieben wird, entgegenstellen, und damit tut ste allerdings etwas, was die Entente, vor allem Frankreich will und was weiten Polkskreisen nicht behagt. An Volkstümlichkeit ist in einer solchen Zwangslage für eine Regierung wirklich wenig zu gewinnen. Es. fragt sich aber nicht: Was macht eine Regierung volkstümlich, sondern womit kann eine Regierung ihrem Volke zu seiner Wohlfahrt dienen. Ich möchte aber diejenigen, welche di? verantwortungslose P o l it i k. der Demonstrat'ionen hinter dem Rücken der Regierung betreiben, ernstlich fragen, ob sie geneigt wären, d i e Re g i e r u n g z u ü b e r n e h tq c n und die fur ch tbare Verantwortung für das Scheitern der K r e d i t h i l f e und für die gänzliche Verelendung «nseres Volkes zu tragen. , Man sr^ll den Anschlußgedanke» aicht in den Alltagskampf der Politik hinabziehen. Wir sollen nicht jeden Augenblick mit der zeballten Faust fuchteln, sondern mit der Bescheidenheit, die weder Feigheit noch Unterwürfigkeit zu sein braucht, und in nüchterner Erkenntnisunserer Stellung und unserer Kräfte unseren Weg gehen. Telegramme. Der Streit um Oherschlefien. Paris, 26. Mai. (Havas.) Der Gedankenaustausch zwischen den Staatskanzleien in Paris, London und Rom über die Regelung der oberschlesischen Frage wird eifrig fortgesetzt. Wählend Premierminister Lloyd George nach Ausbruch des Aufruhrs in Oberschlesien eine Teilung des Gebietes durch den Obersten Rat verlangte, hat Ministerpräsident Briand dem Zusammentritt des Obersten Rates nach Beendigung der Debatte im Parlament grundsätzlich zugeftimmt, wobei er' darauf bestand, daß vorher die Bedingungen zur t e chn ischen Prüfung der Frage gesammelt würdön, um die Lösung vom politischen und vom wirtschaftlichen Standpunkt aus vornehmen zu können. Die maßgebenden französischen Kreise hätten gerne der Bildung eines interalliierten Komitees von Juristen und wirtschaftlichen Fachleuten zugestimmt, um die wirtschaftlicke Seite der Frage zu Erledigen, während deren polnische Seite dem Obersten Rat überlassen würde. Diesbezüglich glaubt die Agence Havas zu wissen, daß hie ^französischen Sachverständigen gegenwärtig die ^praktischen Details prüfen, deren Aufstellung unerläßlich» ist. um zu einer vollständigen und rationellen Lösung zu gelangen. Andererseits scheinen sich die französische und die englische Reg'?rung für den Vermittlungsvor'schlag des Grafen Sforza zu interessieren — und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie sich auf ihn einigen werden — der darin besteht, zwischen den drei Kabinetten eine» Gedankenaustausch durchzuführen, dessen Ergebnis dem Obersten Rat zur Ratifizierung unterbreitet würde, während die Einzelheiten der Beschlußfassung der BottschasterVonferenz anhetmgegeben würden! Dee Oberste N-t. Paris, 26. Mai. (Wolfs.) Rach einer Meldung des „Petit Journal" aus Boulogne werden dort Vorbereitungen für die nächste Sitzung des Obersten Rates getroffen, die in den ersten Tagen des Juni stattfinden solle. Kämpfe in Oberschlesien. Oppeln,. 25. Mat. (Wolfs.) Die Drahtverbindung mit dem Industriegebiet ist Nach wie vor unmöglich. Aus K a t t v w i h in Oppeln eingetrvffene Bürger berichten über die großen Leiden der; dortigen Bevölkerung. Im Kreise Rosenberg unternahmen die Mfst kindischen mehrere Vorstöße, wobei sie durch eine« polnischen Panzerzug unterstützt waren. Aus dem Kreise Ratibor werden gleichfalls mehrere Zusammenstöße gemeldet. Berlin, 85. Mcm Düs Gerücht, wonach' Kattvwitz bereits übergeben worden sei, bestätigt sich nicht. Die Franzosen hüben jedoch im Kreise Kattotyitz ihrs Auße»Posten zurückgezogen und nach der Stadt konzentriert. Myslowitz wurde von den Franzosen geräumt und von den Insurgenten besetzt. Bei zahlreichen Einzelgefecht en befand sich auch heute der deutsche Selbstschutz stets in der Abwehr schwerer pölui scher Angriffe. Bei Ratlbvr schossen die Polen dreißig Minen ab und machten einen vergeblichen Angriff. Amerikas europäische Orientierung. , Prag, 26. Mai. Der hiesige amerikanische Gesandte Mister i r o n c gab einem Mitarbeiter der „Prager Presse" folgende Aufklärung: „Seit dem Amtsantritt des Neuen Präsidenten v a r d i n g hat die amerikanisch- Politik eine gewisse Periinderuvg «fahren, aber picht mchx, ass natürlicherweise pon einem Wechsel solcher Art zu erwart?» war. Amerika hatte an geordneten Verhältnisse» i» Guropg st-lS Anker esse besessen, sei»? Vertreter beteiligten sich vor ihrem neuerlichen Eintritt in die Do't - ichafterkonferenz und in die R e p a r a t i v n $ * Wiener Morgenzeitung - --- - -- ■ - - if-r.'-' - Reichskanzler Dr. Wirth über Deutschlands Zuknnftspolitik. 'Karlsruhe, 26. Mai. Anläßlich - der süddeutschen Reise des Reichskanzlers Dr. W i r t h. fand gestery beim Staatspräsidenten Tr unfeine ausführliche politische Aussprache statt. Auf die Begrüßungsansprache des Staatspräsidenten erwiderte der Reichskanzler, er hoffe, daß wenn er in den nächsten Tagen Gelegenheiten chaben.werde, die Regierungen weiterer Länder aufzusuchen, er borst dieselbe einmütige Auffassung von den Notwendigkeiten der' Stunde finden werde. ' Wir haben, sagte der Reichskanzler, das Ultimatum mit Ja beantwortet. Dies war notwendig um der Freiheit des deutschen Volkes willen. Es war kein an formelle Konstruktionen geknüpftes Ja, sondern ein aufrichtiges, deutsches Ja. Es war ein Ja, das ein Zeitalter der Leistungen einleiten soll.' Wenn wir auf. die letzte Vergangenheit zurückblicken, dann wäre es unrecht, nicht anzuerkennen, daß sich schließlich doch einiges gebessert hat. Gewiß sehe» wir auch jetzt noch Not und Elend um uns herum, aber es hat sich die gesamte Lage des deutschen Volkes wieder gehoben. Um der Freiheit willen haben wir Ja gesagt. Ich könnte mir nichts. Schrecklicheres vorstellen, als', die großen Industriegebiete Deutschlands, Rheinland und Westfalen, unter Me Gewalt fremder Bajonette gestellt zu sehen. Ich glaube, daß die deutsche Arbeiterschaft, insbesondere die Arbeiter der Rheinlande und Westfalens selbst, nns dafür dankbar sein werden, daß wir ihnen die Möglichkeit gegeben haben, mit freier Arbeit als freie PolitAche Staatsbürger das deutsche Volk gerade an der. Stelle retten zu helfen, wo es am verwundbarsten ist. Um der Freiheit willen haben wir Ja gesagt, und dabei handelte es sich um die wirtschaftliche Freiheit der lebenden Generation wie.der kommenden. Wohl weiß ich, daß das Ja Unbarmherziges in sich schließt; es muß daher an den Willen aller appelliert werden, die überhaupt den Gedanken dev Freiheit ins sich aufnehmen können. Die Waffen werden wir zum großen Teil aus den H ä n de n geben. Umsomehr aber tuefoen wir in jedem Augenblick der kommenden Monate .und Jahre den Standpunkt des Rechtes für das deutsche Volk betonen. Von diesem Gedanken ausgehend, habe ich auch im Reichstag erklärt, daß es für uns unerträglich wäre, wenn die yb.erschlesische Frage durch die Diktatur eines polnischen Insurgenten gelöst werden sollte. In den. nächsten Wochen kommen die Beratungen! des Reichstags. Sie werde« uns neue Belastungen jauflegtzn Müsse«. Me Kreise werde« wieder «eue Opfer bringe« müssen. Ich weiß nicht, ob alle Kreise des deutschen Volkes während des Krieges und nach dem Kriege wirklich Opfer gebracht haben. Wenn man da und dort durch die Lande geht und den frechsten Luxus — es gibt, keine« anderen Ausdruck dafür — sich breit machen sieht, dann darf man füglich verlangen, daß in der beginnenden Zeit der Arbeit, wo der Hammer entscheidet, der auf den Amboß niederfällt, alle Kreise des Volkes sich, was die Lebenshaltung betrifft, in solchen Bahnen bewegen, daß es gegenüber den Leistungen, die alle auf sich nehmen müssen, erträglich ist. Ich glaube, so ist eine Bahn möglich, die zu? Freiheit führt. Das ist der große Gedanke, wie. man durch Arbeit zur Freiheit wieder kommen kann, zu dem köstlichsten Gut, das der Mensch hat. kommission lange an den Beratungen der Alliierten-Ier Amerikaner verfolgt die Entwicklung der europäischen Vethältniffe mit Interesse, er überläßt jedoch den europäischen Mächten in allen konkretenFallen die Schlichtung ihrer Streitfragen. Nur woseineJnteressen berührt werden, fühlt er sich bemüssigt, einzuschreiten. Diese find vor allem w.irts ch a f t l i ch e r N a t» r. denn er glaubt, daß durch wirtschsstliche Zusammenarbeit und nicht durch territoriale Streitigkeiten den Interessen der Welt gegenwärtig am beste« gedient werden kan». Solche Streitigkeiten, welche vielleicht Unvermeidlich find, entmutigen die Amerikaner, sich aktiv an den europäischen Angelegenheiten zu beteiligen. Andererseits entsprechen Versuche für ein Zusammenarbeiten, wie die beabsichtigte P o r t o r o s e - K o n f e r e n z, den amerikanischen Ideen für Wiederaufbau. Det Amerikaner ist am Frieden und Wohlergehen aller europäischen Staaten interessiert, alle Grenzfragen spezieller Natur berühren ihn nicht. Das internationale Schiedsgericht für Deutschland. London» 25. Mai. (Wolfs.) Der Vollzugsausschuß des internationalen Schiedsgerichtes in London hat eine Entschließung angenommeä, worin die Hoffnung ausgedrückt wird, die britische Regierung werde nicht zulassen, daß Deutschland aus irgendwelchen ZweckmWgkeitsgriinden der Ergebnisse der großen Mehrheit beraubt werde, die sich bei der Volksabstimmung in Oberschlesien zugunsten Deutschlands ergeben habe, da die Abtretung von Gebietsteilen, die seit Jahrhunderten deutsch gewesen seien, .an Polen infolge vereinzelter Mehrheiten iy gewissen Gemeinde» verfehlt und voll G eiahxen für die zukünftige Wohlfahrt Europas sein würde. Dtt Ausschuß erklärt, die Pst sei ge? kommen, wo' alle aus dem Frledensvertrage sich ergebende» Fragen dem Völkerbund überwiese» werden müßte«. 27. Mai 1921 Seite 3 Ein Sieg Briands. Parks, 26.Mai. Die Kammer hat den ersten Teil der TagÄ vrdnung. der das Abkommen vonLondon gutheißt, M403 gege, 103 Stimmen angenommen. Der zweite Teil der Tagesordnung der der Regierung Briand das Vertrauen votiert, wird mit SA gegen 162 Stimmen angenommen. * Der Prozeß gegen die KriegsbeschnldigLen. Leipzig, 26. Mai. (Wolfs.) Im Prozess Heyne» wurde heute um 9 Uhr vormittags.daß Urteil ver^ kündet. Der Angeklagte wurde we.gen Gefangen^nmissi Handlung, Beleidigung und .vorschriftswidrWr, 8^. Handlung Untergebener.zu insgesamt z eh n M %%<$$$■ Gefängnis verurteilt, wobei die tlnhttWMM Haft in die Strafe eingerechnet wird. ' , v v j Heute begann der zweite Kriegsbesch'uldigten- Prozeß. Angeklagt ist der Rechtsanwalt, und, Haupt-, mann a. D. Emil Müller aus Karlsruhe wegen Gesangenenmißhandlung. ./ .-■■•r-i-v? Leipzig, 26. Mai. (Walsf.) Auch im Prozeß gegen den * Rechtsanwalt und Haupt'mann der Landwehr Müller sind außer deutschen Zeugen etwa 20 englische erschienen. Der Vorsitzende verliest die Anklage, nach welcher der Angeklagte im Jahre 1918 im Lager Flavy-de-Martelle, das hinter der Front in Frankreich lag, englische Gefangene mit der Reitpeitsche mißhandele und unter anderem einen Kraiffen mehrere Tage lang an, einen Pfah gebunden haben soll. - r Ein Prozeß gegen Walter Rathenanl Paris, 26. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung des „Petit Journal" gus Brüssel, werden gegenwärtig in Lüttich die' Vorbereitungen zu einem Prozeß gegen Walter. R a t h e n a u getroffen. Er wird beschuldigt, der Organisator der systematischerk Zerstörung belgischer Fabriken gewesen zu sein. Das Lütticher Gericht hat bereits in contumacian die Brüder Langm'ahr zum T o d e v e r u r t e i l t, die in Ausführung der-ihnen vo« Rathenau erteilten Befehle im Lütticher Jndustriebezrrk Zerstörungen von verschiedenen Fabriken angeordnst hatten. Der durch sie entstandene Schaden wird auf mehr als 100 Milliourn- -P'und geschätzt. ' Der neue deutsche Botschafter tu Amerika. Berlin, 26. Mai. (Tel.-Komp.) Wie verlautet, hat die amerikantsche Regierung der deutschen Regierung bereits ihre ' Zustimmung zu der bevorstehenden Ernennung des gegenwärtigen deutschen Botschafters in Tokio Dr. Solf zum- Botschafter in - Washington bekanntgegegeu. Dabski Leiter des polnischen Außere Ministeriums. Marscha«»^26. Mai. (Poln. Tel.-Ag.) Das Staatsoberhaupt hat die DeNlisstvn des Ministers für Auswärtiges S a p i e h a angenommen und den Unterstaatssekretär Dabski mit der Leitung des Außenministermms betraut. Das polnische Budget. - Warschau, 25. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Im Parlament wurde das Budget pro 1921 eiygebracht, dessen Beratung, demnächst erfolgen soll. Das Budget sieht Einnahmen von 118.537 Millionen Mark und Ausgabe« von 198.674 Millionen Mark vor, so haß sich ein Defizit.von 80.109 Millionen Mark, bas heißt von mehr als 80 Milliarden, Lrgibt. Die größten Ausgabenpostm hat das Budget des- Eisenbahnministeriums, in welchem die Gehälter .firr das Personal allein .16, Milliarden Mark betragen. Verhandlungen Amerikas mit Sowjrtrnßland. Paris, 26. Mai. „Chicaga Tribüne", erfährt aus New» Nork, der amnikamsche Senator Jofes Fra n c e habe sich auf der „Aquitania* nach Rußland eingeschifft, um mit L e n i n und T r o tzk i Besprechungen zu pflegen. - Krassins ErklSrnngen. , Paris» 26. Mai. Wie der „New Aork Herold" meldet, feien nach Erklärungen KraffinS noch an keine englische Grvvpe Könzessioneu für kaukasisches Petroleum erteilt worden; die Ber- Handlungen bieröbrr seien aber int Zuge. Die Gruppe Vanderlip habe keine Konzessionen erhalten, weil sie verabsäumte, rechtzeitig . eine Garantie zu deponieren. Mit einem deutschen, britischen sind - schwelnschen Syndikat seien wegen Errichtung von Fabriken in, der Donetzgegend'Besprechungen im Zuge. Krassin gibt die Möglichkeit der Prägung n euen Silb er- . g d e s in Rußland zu, doch wäre dies nur als 1leb:rgangs- . Maßnahme zur geldlosen Wirtschaft zu betrachten. Der Bandenkrkeg auf dem Balkan. Monstanttnopel,' 24. Mai. (Reuter.). Die . Kommission des Generals Franck, die beauftragt wvrden ist, über die von den Griechen in der Gegend von' Grmlik und Palvva begangenen Greu^ltate«'eine Untersuchung einzuleiten, hat festgestellt, daß die mohammedanische Bevölkerung schwer durch die Griechen ■ gelitten hat, die sich Mord. Raub ruck unbarmherzige' Verfolgung zuschulden kommen ließ. Dethlen verteLdigL die „RechLsordKMg" Pudapcst, 36. Mai. - IfUngar. Tel.--K2rr.-Vnp.) Ministerpräsident Gtaf'Stephan Bethlr-! .- geshern imungarischen Juristensportktubt wo w, Vor-

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