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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-24 · Heft 834 (24.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 834 (24.5.1921)
Date
1921-05-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 83T Wien, Vlenska- ÄZieuer Vtorgeuzettuns ..— ... . _r|----- . ° W . ** L4. Mal 192! - . .. tzMeS MonarchistischerAufstand In Portugal? AeAisfiou d«s Kabinetts. . LisjWM, 23. Mai. (Havas.) Bas MIM h<ü seine Demission gegeben. Präsident Almeida hält'mit den Vertretern der verschiedenen Parteigruppen' und den hervorragendsten politischen Persönlichkeiten Besprechungen behufs-Bildung des neuen Kabinetts ab. Abteilungen von Makinesoldüten bewachen die Ministerien. Es ist die Auflösung des Parlaments in Aussicht genommen. London, 33. Mai. (Reuter.) Nach der „Daily Mail" soll es sich hei den Vorgängen in Lissabon um einen Aufstand handeln, der von den militärischen und monarchistischen Kreisen unterstützt werde. Sämtliche Minister sollen verhaftet worden sein. Der AngeKggte hestxertet im allgemeinen,. sich, der Mißhandlung strafbar gemacht zu haben. . Bon. den englischen Zeugen wird zunächst John Parry vernommen. Er sagt aus,.die Beiten, im Aefangenenlager seien gut gewesen,, die. Nahrung .aber schlecht. Die ihm und seinen Landsleuten zugemutete Arbeit im Bergwerk, hätten .sie. nicht leisten, wollen, da sie darin eine Kriegsarbeit erblickten, die /ihren Landsleuten Gefahr bringen könnte. Der Angeklagte habe seinen Befehl, die Arbeit aufzunehmen, mit Gewalt durchzusetzen versucht und ihn mit dem Gewehrkolben geschlagen, so daß er besinnungslos niedergefallen sei. Die anderen Gefangenen seien dadurch ein geschüchtert wprden und hätten sich zur Arbeit bequemt. Den Ausdruck, „britischer Schweinehund" habe der Angeklagte in bezug aus ihn gebraucht. Der Zeuge sagt weiter ans, er habe eine Wunde, am. Bein, gehabt und einen Arzt verlangt. Der Angeklagte habe aber erwidert, da genüge ein Bad. Einen andereW Gefangenen habe der Angeklagte abwechselnd unter kalte und eine heiße Brause gestellt. Diese« Mitgefangene sei nachher geisteskrank geworden, »r4 1 Der Nächste Zeuge, der Engländer Henry A.b'^ gibt an, 12' Engländer' seien..'bei' ihrer .Lager vom Angeklagten eingesperrt worben,.weil sich weigerten, Bergwerksarbeiien zu leisten. Die Ge^ fangenen seien vorwärts gestoßen worden, einer. hübitz einen Faustschlag' erhalten. Der Angeklagte habe hD Leüte gezwungen, Bergarbeiterkleibung anzulegen und'! mehrere seiner Landsleute seien dabei geschlagen worden/ Er selbst, sagt Zeuge, sei' von dem Angeklagten ge-' I legentlich mit einem Stock geschlagen worden. Die deutschen Freiwilligen in Oberschlesien. BerNn, 23. Mai. (Wolfs-) In einer, Note des französischen Botschafters an den Reichskanzler" vom 19. Mai wird erklärt, daß die von deutscher Seite getroffenen Maßnahmen gegen die Beförderung von Freiwilligen und Waffen nach Oberschlesien zu spät getroffen worden seien, so daß sich bereits bedeutende bewaffnete Kontingente in Oberschlesien befinden. Die Lage erheische gebieterisch eine st'r e n g e Abschließung der Grenze zwischen Deutschland und dem Abstimmungsgebiet durch die deutschen Behörden. Korfantys Kampfbericht. Warschau, 23. Mai. (Funkspruch.) Frvntbericht. der Aufständischen:. Im .nördlichen Abschnitte ist es uns gelungen, die deutschen Angriffe abzuweisen. Im Mittelabschnitte wird um den Anyaberg erbittert gekämpft. Im südlichen. Ab schnitte wurden deutsche Angriffe hei Olsa zurückgeschlagen. Die Samstag von drei Seiten gegen die Aufständischen unternommenen Angriffe werden als Beginn eines konzentrischen Angriffes auf das Industriegebiet angesehen. Die deutschen Angriffe haben dank der Artillerievorbereitung Anfangserfolge aufzuweisem Die Ausweisung König Karls aus der Schweiz. Zürich, 28. Mai. (Privat.) Zu der Meldung, daß Äönig Karl sich entschlossen habe, die Schweiz endgültig ';’,it verlassen, schreiben die „Neuen Züricher Nachrichten", daß sie in denweitesten schweizerischen Kreisen peinlich berühren werde» In Wirklichkeit handle es sich um eine Ausweisung, um eine Verletzung des schweizerischen . Asylrechtes. _ " ' Y' ' ■ < Dem „Journal de Geneve" znstlge sei tont schweizerischer Seite die endgültige Erledigung der Angelegenheit der Abreise des Königs Karl am 17. d. M. erfolgt. Der Gesandte Dinnich^rt des politischen Departements sei zum König entsandt worden, um ihm'die Bedingungen des Bundesrates mitzuteilen, unter denen er seinen Aufenthalt in der Schweiz bis zum August verlängern könne. „Die geschichtliche« Ideale der ungarischen Rasse". Budapest, 23. Mai. (Ung. Del.-Korr.-Bür.. Nationalversammlung.) - Die Debatte stber den Staatsvoranschlag wird fortgesetzt. Abg. Bvczik (christlichnational) befaßt sich' mit der letzten Rede Wilhelm Dazsonyis und richtet an ihn die Aufforderung, seinen Einfluß auf die ungarische Juden schüft dazu zu benützen, seine Stammesgenossen für die geschichtlichen Ideals der ungarischen Rasse und der christlichen Weltanschauung zÜ gewinnen. (Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Abg. Karafiath (christlichnational) weist Darauf hin, daß nach den großen Menschenverlusten, die dev Krieg mit sich gebracht hat, dem Mutter- und! Kinderschuh die größte Aufmerksamkeit zu widmen sei. Der erste Prozetz gegen die Kriegsverbrecher. Leipzig, 23. Mat. Heute begann hier der erste sogenannte' KriegSverbrecherprozeß unter dkm Vorsitze des Senatspräsidenten Schmidt. Der Prozeß richtet sich gegen den früheren Untevoffizier und jetzigen Küfermeister Karl H e y n e n ans Barmen wegen Gefangenenmißhandlung im Lager Herne. Anwesend waren Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsjustizministeriums, der englischen Regierung und der englischen Gerichtsbarkeit mit dem Svlltcilvr General Sir Ernest Pollock. - . Die Anklage wird vom Oberreichsanwalt Doktpr Ebermeyer vertreten. Ws Zeugen sind erschienen 16 retchsdeuksche und 15 englische Staatsangehörige. Besonders zahlreich ist die Presse erschienen, die durch etwa 80 deutsche und ausländische Berichterstatter vertreten ist. ‘ Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, was ihm zur Last gelegt wird. Heynen soll .in der Zeit vom 13. Oktober bis zum 36» November 191.6 im Gefangenenlager Ferne in SS Fällen sich der Mißhandlung von Gefangenen schuldig gemacht haben, neuerdings. seje» noch sichen Ml« ^uMrWv^L. Das Zionistische Landi;skomitee für Oesterreich chatte für SonNtag eine Versammlung ins Komödienhaus einberufen, um zu den Vorfällen in Erez Israel Stellung zu nehmen. Die Versammlung gestaltete sich zu einer jüdischen Massenkundgebung, in welcher der feste Wille zum Ausdruck kam. sich durch keinerlei Hindernisse in der Arbeit, für den Aufbau der Heimstätte in Erez Israel beirren zu lassen. Lange vor Beginn waren Parkett, Galerien und Logen des großen Theatersaales überfüllt und noch immer dauerte der Zuzug von Teilnehmern an. Die Theaterzugänge mußten vorzeitig geschlossen werden und Hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden. Nach einigen/einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. Schallt/ welcher darauf hinwies, daß' zurzeit ungefähr tausend Chaluzim. infolge der, Ereignisse in Jaffa hier zurückgehalten werden und es Pflicht der Judenschaft Wiens sei, für die besten Söhne des Volkes zu sorgen,, ergriff, stürmisch begrüßt,' Oberrabiner Dr. ChaZes das Wort und führte aus': Das Verhältnis zwischen England und dem jüdischen Volke in der Palästina- Frage ist derart, daß wir ein Eingehen aus unsere besonderen Bedürfnisse erwarten dürfen. Es gründet sich ans gegenseitiges Vertrauen. Angesichts der letzten Vorfälle in Palästina müssen wir uns fragen, ob wir bas Vertrauen zu England verlieren sollen, was mit dem Aufgeben unserer Sache identisch wäre. Die Antwort auf die Frage lautet: Unser Vertrauen ist im wesentlichen nicht erschüttert. England hat den Konflikt in Palästina in seiner wahren Form in. .Erscheinung treten lassen, wahrscheinlich, um vor aller Welt klarzulegen, wie dr Lügend Hie endgültige EntscheÜmng, die Anerkennung des Mandatsentwurfes dur ch den Völkerbund ist. Wir haben keinen Anlaß, das Vertrauen zu England und seinen führenden Männern zu verlieren, allerdings müssen wir verlangen, daß uns England nicht zu schwer mache, dieses Vertrauen zu erhalten, das heißt, daß es a l l e Sch r i L te in Palästina und beim Völkerbund unternimmt, die her Welt und vor allem den Arabern den Beweis erbringen, daß ein Ankämpfen gegen den Beschluß von San Rewv unmöglich ist. Dazu gehört, daß endlich einmal her Mandatsentwurf vom Völkerbund beraten und durchgesührt werde und daß die palästinensische Regierung überall im Lande, wo Juden in größerer Zahl wohnen, durch eigene Truppen oder jüdische Hilfskontingente die Rühe und Ordnung erhalte. Nuu ist die Ftage, ob auch England das Recht hat, zu uns Vertrauen zu haben. Als England das Abkommen mit uns schloß, wüßte es, daß die zionistische Organisation nicht das ganze jüdische Volk vertritt, aber es meinte, daß die zionistische Idee die Idee des ganzen Volkes vertritt und daß die Juden aller Schattierungen beweisen werden, daß ihre Sehnsucht nach' Erez Israel ernst ist. Jetzt, ein Jahr nach San Nemo, ist dieser Beweis noch nicht erbracht. Das jüdische Volk hat uns nicht die Männer zur Verfügung gestellt, um das Palästina-Problem zu lösen und während es sich' darum handelte, das Land aufzubauen, haben wir in der Partei' selbst mit inneren Streitigsten über Methoden begonnen. Und außerhalb der Partei ist noch etwas geschehen: Die amorphe jüdische Masse im Osten, die zu persönlichen Opfern hätte gebracht werden können, wurde von anderen Führern dazu gebracht,michtS zu tun/ weil nach ihrer Ansicht die Arbeit der zionistischen Führer schacht wäre. Wenn die „Aguda-s Jisroel" positive Arbeit^ in Palästina leisten wollte, so wäre dies zu begrüßen, auch wenn es zu einem Kulturkampf in Palästina käme/Aber es ist zu fürchten, daß die bloß negative Tätigkeit der Agudah die Massen weiter rn Lethargie hält. Ohne Enthusiasmus kann keine Arbeit geleistet werden, negative Arbeit jedoch hat noch' nie Enthusiasmus hervorgebracht. Daß trotzdem die englisch«: Regierung bas Vertrauen nicht ver- Lsven hat, ist einzig und allein der Arbeit von wenigen tausend Ch h a l u z i m zu danken. Nun aber ist es höchste Zeit, daß nicht nur ein kleiner Teil, sondern baß das ganze Volk Opfer für Palästina bringt. Gin Palästina, das ohne Opfer erobert ist, würde uns. demoralisieren. Nur durch den Beweis unserer Opferwilligkeit können wir Englands Vertrauen er- HuLLßk. ^LebhaM < Nach einem warmen Appell der Frau Dr. S v f e r wurde dann eine Sammlung für die in Wien weilenden ‘ ' Chaluzim vorgenommen. Es fanden sich auch eine. Anzahl von Personen bereit, Chaluzim während ihres' hiesigen' Aufenthaltes bei sich in Wohnung und Kost zu nehmen. * ' In einer eindringlichen Rede erörterte sodann , Professor Artur Freud die Schlußfolgerungen, welche aus den Vorfällen in Jaffa zu ziehen sind. Er wies darauf hin, daß es nicht'! darumgehe, bloße Trauerkundgebung-en zu veranstalten, sondern alles einzusetzen, damit künftig ähn-' liche Vorfälle in Erez Israel hintangehalten werden. Es mag sein, daß die Schuld an diesen Vorfällen; jene Gruppen von Drahtziehern und Hetzern trifft/ welche im Verborgenen gegen die jüdischen Interessen! in Palästina wühlen. Wir kennen sie jedoch noch nicht, so genau, um das Ausmaß ihrer Schuld festzustellen. Anzukla'gen haben wir auch den Geist der europäischen - Politik, welche bis heute eine Klärung in der Welt-, läge verhindert hat. Aber aüch das jüdische Volk ist an den Geschehnissen in Erez Israel mitschuldig, und/ darunter auch der bewußte Teil des jüdischen Volkes,, ein Teil der Zionisten selbst. Es hat.die Opfer-/ Willigkeit gefehlt, man hat seine Energien zu : sehr in Kundgebungen ausgegeben und die Taten//Y. versäumt, aus die es ankommt. Wenn das jüdische.. Volk zu apathisch ist, so ist dies zum Teil darauf zurückzusühren,. daß wir Zionisten es nicht durch das lebendige Beispiel, van Tat und Arbeit mitgerisfen . habeir. Wir müssen nun mit allen Kräften versuchen, bas' Versäumte.nachzuholen. Wir. haben die Menschen, ein Beispiel sind die Chaluzim. .Aber wir dürfen unsere Pioniere nicht ohne Arbeitsmöglichkeit lassen. Das nach den Ereignissen, in Palästina wohl, mit den besten Absichten erlassene Einwanderungsverbot ist ein. verfehlter Schritt. Denn es hilft den Drahtziehern, welche es zu den Exzessen gebracht haben, dazu, die weiterhin schwache jüdische Position in Palästina berennen zu fassen. Daher müssen wir an England und' an die palästinensische Regierung den Appell richten, die Einwanderung sofort freizugehen, damit durch neuen Zustrom die jüdische Position gestärkt werde',; damit unsere Pioniere beweisen, daß sie dem Landesförderliche, friedliche Arbeit leisten wollen. Es müß' auch' den Arabern bewiesen werden, daß sie in uns! Brüder sehen und Unrecht tun, den Hetzern zu glauben/ Damit diese Arbeit in Palästina geleistet werde, muß/; bas jüdische Volk Opfer bringen. Wir fordern die/ jüdische Vermögensabgabe. Wenn sich das jüdische Volk nicht wirklich bewußt wird, daß' *es heute auf den „Maaßer" ankommt, dann istes trotz aller politischen Erfolge vorbei mit dem jüdischen Erez Israel. Solange dem jüdischen Volke nicht . dex Gedanke eingehämmert wird, daß das Entscheid t bende für Palästina kein Völkerbund, kein England'/'- » sondern das jüdische Volk selbst Hirn wird, solangewerden wir immer Zufällen und . der Gefahr-nutzloser Opfer in Palästina ausgesetzt sein. Hier gibt es keine/ rechnerische Spekulation für ein Kolonisationsunter-, -, nehmen ^sondern hier gilt es die Tat des Volkes für/1 seine Heimat. Nach den mit starkem Beifall aufgenonnnenen Ausführungen des Redners' schilderte! . I Ingenieur Wladimir Temkin, welcher zurzeit in Wien weilt, seine persönlichen Ein* drücke von dem Ruin der Judenheit in der Ukraine und wies darauf hin,, daß gerade in dem Teile des! Volkes, der am schwersten gelitten hat, die Op.fer-; Willigkeit am stärksten ist. Es Müssen aber 'alle! Teile des Judentums Opfer für Palästina dringen Y " um es zur Bolksheimat zu machen. Die anfeuerndeNP Worte des Redners fanden begeisterte Aufnahme. Hierauf wurde folgende von Professor Fre txf>* * vorgelegte Resolution -Yy'X einstimmig unter begeisterten Akklamationen aitg^. nommen: „Die Nachrichten über die Vorgänge h Palästina haben uns mit Trauer und uinarY- - e.-z exWt. Wr. -Henke» Brüder unb

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