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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-22 · Heft 832 (22.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 832 (22.5.1921)
Date
1921-05-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m WM, SonM-" »WaantiymiBW.-T.-aarT«:." rrrv PolitischeRundschau. \ Czernin nttb Ungarn. ' Im „P^sll'r Itoyd^ bespricht der Herausgeber der „Revue' Politiqüe - JtHevnationaw" Felix- Bä^h'idie im englischen Oberhaus' geführte Debatte über den Friedensvertrag von Tr in non und hebt als höchst'bedeutsam die Erklärung Lord Cnrzvns -hervür,-daß'- der Vertrag - Wil-syn vorgelegt, durch ihn geprüft und angenommen wurde. Die Tragödie Ungarns' führt Valyi darauf zurück, daß-die vollständig ungeschulte europäischeundamerikanische Demokratie' die Geschichte als Quelle der politischen Wissenschaft verlacht«. Die ungarische Nativ« zähle zu> de« Lol«.rantesten, anderen Rasse« gegenüber verständnisvollsten, gastfreundlichste« Böller» der Weltgeschichte. (Der schlagendste Beweis hie für liegt wohl in den Archiven der „Erwachenden Magyaren"!) Ungarn sei währenid des Krieges durch die österreichische Diplomatie verraten worden. Valyi teilt, um dies zu erhärten, eine -Stelle-aus einem angeblich vom Grafen Czernin am 15'. Oktober ,1917 durch einen geheimen dlgenten in Paris übergebenen Memorandum mit: . - ,Mas in diesem üstorreichisch-ungatlschen Reiche nieder- > - geschlagen zu .tverden hat, , das ist .das ungarische. Uebergewicht. . . Es wird sehr geraten fein, auf Kosten. dieses verprsußten Ungarn", -die. '.'Untzu" '..Siieberchürgens mit' Rü- - mänien zu verwftllichchi:! begleichen dieMige Bosniens und der Herzegvw'mä mit Serbien. - Dies-'für-das -llngarN des Tiszal" ,!. - r--. ■, - Es wird notwendig .sein,- daß -sich. Graf Czernin zu dieser Enthüllung äußert/die/i-uns " übrigens-'nicht recht schlüssig scheint.- - v :; . i; v . - Baly-i nennt als seine Quelle die-im- Vetlag Plou-Nourrit in Paris und Constable in' London veröffentlichten Dokumente, ohne aber den' NÄnen -desgeheimen Agenten anzügeben, aus dessen * Tagebuch' er sogar Notizenab schreibt! Wohl-'- diesen' 'seMn-''Dokui'- menten wird die Behauptung entlrourmen/ daß von-Wien aus -Ko n st a n ti no p e l den Russen schon am-15. Dezember 1916 angebotrn. wurde, was/ wenn es, wahr Päre, den magyarischen Minister Burian belasten würde, der bis zum 23. Dezember 1916 am BallhAUspkatz residierte. Gras Czern i-n sei auch, was'Valyi andeutet, mit dem Sixtus-Brief einverstanden gewesen und aus sein Betreiben sei Gras Clam-Martin ie nach', dem Sturz Körbers. Ministerpräsiedrnt geworden, den Balyi als Tschechen getrachtet. Weiters, klagt Valyi den slowenischen. Klerikalen Schnsterschitz und ' den Wiener .Christlichsozialen W-a t,a j a - an, sie hätten, noch während die Hvnve^,OMerreich verteidigten, in der Schweiz .im Auftrag- C ze r n i ns und . des Grafen Po lzer . nrit -Entett.LevertreLe.rtt. aus .Kosten. Ungarns geschachert. Des langen Artikel Sinn ist wohl: An dem Unglück Ungarns ist alle Welt schuld, nur »icht die Magyaren 1 Die polnische» Militärbehörden und die jüdischen Sold-ten. Kine Interpellation der jüdischen Abgeordnete« im . x Sejm. ' . , , ' Warschau, 20. Mai. (Privat.) In der letzten Sejmsitzung wurde von den Mgeordneten Grünbaum, Färb ft ein, H a r t g la s und anderen eine Jnterpellatwn eingebracht, welche sich mit einer Reihevon öffentlichen oder Geheimbefehlen der polnischen Militärbehörden beschäftigt, die huM ihre ' anftjMsche Tendenz gegen' die StaüLsgrundgesetze' der polnischen Republik verstoßen. Unter anderenr wird angeführt,, daß in den Tagesbefehlen der Bewachnngsumb Etappentruppe Nr. 3 in . Lublin, so oft während der Monate September uitb%Oktober 1920 verordnet wurde, intelligente Kräfte" für der: Kanzleidienst zu nominieren, stets beigesügt war: „Soldaten ji'chischex Religion sind in diese Verzeichnisse nicht aufzunehmen." Ferner wird wörtlich ein Geh ei ruhe fehl Nr. 18 des Dtilit ärkomma ndos in Lublin, gefertigt vom General Jedrzefewskf» zitiert, in welchem darüber Klage geführt , wird, daß trotz des ausdrücklichen Befehles an die Abieilnngskommandanten, nur nichtjüdische Soldaten den Bewachungsbataillonen zuznweisen, doch 'immer noch Juden hinge schickt werden. Im Geheimbefehl Nr. 2 des Lubliner Stadtkommandos vom.21. März 1921 wird ausdrücklich befohlen, daß zum Wachdienst bei de« Wasfenmagazinen keine politisch Verdächtigen und keine. Inden verwendet norden dürfen. Auch in anderen Militärrayvns wurden solche Und ähnliche Befehle erlassen.' Es wnrhe auch' festgestettt, daß jüdische Soldaten ans einer militärischen Formation ansgeschieden wurden, der Land zugewiesen wurde. Motiviert wurde dies damit, daß Juden als Kolonist cn nichts taugen. Die Interpellation weist darauf hin, baß die polnischen Militärbehörden die Eignung zu speziellen Dienstleistungen individuell M beurteilen verpflichtet sind, jedoch nicht das Recht haben, i ein Urteil über eure ganze Gruppe von-Staatsbürgern nur auf Grund der Tatsache abzugeben, daß sie einer i bestimmten Nationalität oder Religion angehören. Da diese Methodeausschließlich, auf Juden angewendet werden,'bedeutet dies, wie die Interpellation hervorhebt, eine Beschränkung ihrer Staätsöürgerrechte. In dieser Beziehung ist die Verweigerung von Boden an jüdische - Soldaten eur) deutlicher 'Beweis, daß trotz aller Versicherungen der Regierung , die bürgerlichen Rechte der Jrchen beschränkt werde«. Der Delegiertentag der dentichen Zionisten. tzan«oVer» 17. Mai. (Privat.) Der in Hannover tagende Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde am 16. Mm geschloffen, »achde» eine Reihe auf die zionistische Polrtck und die LaubeSarbeit bezügliche« Resolutionen gefaßt Word« war. Unter anderem fordert der Dclegirrtentag, der m der zionistischen Weltorganisation den Ausdruck der national« Einheit und des nationale« Willens des Mischen BolkeS erblickt und dm nationalpolitischen Charakter der! ziomstischm Organisation als Boranssetzung znr Erringung politischer Erfolge ansieht, daß der ^Kongreß eine von einheitlichem Willen geleitete Exekutive mit dem Sitze in London emsetzt, ... die die verantwortliche Führung ans allen Gebieten zionistischer Tätigkeit ausubt. Die Aufbauarbeit iu Palästina soll von emem dortselbst wohnenden Teil der Grsamtexekntive unter Heranziehung von Vertretern des Jischuw geleitet werden. Der Delegiertentag vertraut darauf, daß keinerlei Zwischenfalle die die- Durchführung ders von Eug-! land m der Balfour-Deklaration niedergelegten und vonder palästinensischen Landesverwaltung unter Sir Herbert .Samuel bereits eingeleitetrn Politik, welche zur Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina führe» soll, beeinträchtigen werden. Der Delegrertentag protestiert. gegen die blutigen G:zesfe in Jaffa und erwartet, daß der jüdischen Bevölkerung G e n it g tung gewährt und für A u f r e ch t e r h a l t u n g jj t x S i ch e rheit Sorge getragen wird. Er spricht die Erwartung aus, daß ^ie zur Zeit verfiigte Sperrung d er I m m \* 8 r a t r o n tt n tt t rzüglrch a u f g e h o b e« wird: Die intensivste Arbeit für den Keren Hajessvd umß iAk Vordergrund der zionistischen Tätigkeit stehen. Er erwartet,, daß die Bemühlmgeü der Exekutive zur Durchführung der Keren Hajessöd- Akrion in Amerika sowie zür Einheit und Autorität der Gesamtorgamsation von Erfolg begleitet sein unddaß die zionistischen Führer alles tun werden,^ um die E i n h e i-t in der Welt-' organisatron wiederherzustellen. Der Delegrertentag beauftragt den f geschästssührenden Ausschuß», unverzüglich Mittel für dir B e r n fs vor b'e r e i t« n g .« n d Uebcrsicdlung v v « C h a l «z i m zu beschaffe«. Die „Arbeit" der Balachowtcz- Ba«de«. m Wie tvesfliche Arbeit di« BalachvwicMänden, die sich! jetzt in Polen der goldenen Freiheit erfreuen, geleistet haben, davon gibt ein Brief aus Plvtnica bei Pinsk Kußde. Es heißt dort unter anderem: „Jüdisches Wut wurde von den' 'Mördern a,tch> in der Schuh vergossen, wo ein jüdischer Schneider aufgehängt wurde. Einem jüdischen Schmiede wurde in seiner Schmiede auf feinem Anrboß der Kopf abgehackt- AuG Frauen würden geköpft. Das Blutbad und die anderen Untaten der Balach'owicz-Leute dauerten in Wotniea drei Wochen. Die Beth äusei würden ausgeplüirdert und' zerstört; aus den zerrissenen Thvrarvllen nmchten die Söldner Stieseleinlageu. Die Toten' läge« in' de« Straße«, da sie nicht beerdigt werden konnten. Die Stadt ist fast, ganz' zerstört. Me Inden, welche am Leven blieben,. gehen nackt oder in Säcke gehüllt umher, hungern und frieren. Sie wohnen zumeist auf dem Friedhof." - Es ist übrigens sestgestellt worden, daß jetzt ei« Offizier aus der Balachowicz-Hvrde diejüdische» Städtchen Polens bereist, mch dort mit eine« Brief, der die Unterschrift des Rabbiners von Karlin-Pinsk trägt, um Un jerstützungen bettelt. Auf Gruiw dieses Briefes hat ihm die Bialystocker jüdische Geineindeverwaltung 2000 polnische Mark gegeben. Ueber die Geschichte dieses Briefes gibt mm A- Feinstem, Stvdtrat von Prüft, w der. Warschauer „Hazefira-h" Aufklärung. Als die Vorhut. BalaWowiez' im' Septembdr MSY i« Pinsk einrüc^te, begannen sofort Mord, Brand und Plünderung. In der ersten Nacht nach der Ankunft des Trupps wurden 20 Juden ermordet und 76 jüdische Mädchen geschändet. Am nächsten -Tage sprach eine Deputation des Pinsker Stadtrates, der auch. Feinstein angehörte, beim Kommandanten der Balachowicz» Vorhut vor. Und bat ihn, Maßregeln zu ergreifen^ M. mfimr' / damit die Gewalttaten aushören. Derä&mtmcnbauS erklärte sich dazu berefts, wenn man ihm, eine Million Mar«x zahle. Nach lliugsr?« Berhandüwgew . ermäßigte er seine Faserung auf 100.600 Mark. Gr bekam bas Geld, aber nichtsdestoweniger mußte jede jüdische Seele, wo es möglich war, noch separat vow ihm losgekauft werden.. Als der ehrenwerte Kormuandan^ endlich abging, verlangte er fürseine ,Hilfe"'ein W v H X? . bet Haltungszeugnis. Dieses' erhielt er aü ch'. M ist in hebräischer Sprache abgefaßt und vom RabL'iÜch und etwa 20 jüdischen Bürgern unterfertigt. D'a 'iüaü wußte, daß der Brief bedeutsam' werden könne," wurde et photographiert. Die Photographie befindet sich^iü Pinsk. Ob jetzt der Kommandant selbst oder jemand'' «uGerrr den Brief „ausnützt", $ noch nicht festgestellt. - Inland. Die Aufgabert der SoMWerjeMou. des NationaLraLs.! Die Regierung befaßt sich st-hr «Wg mit den ' ' Vorarbeiten für die Sommertagung des Z^tionalrais:. Das Haus soll, wie schon gemeldet, am 31. Mai wich-er zusammen treten. Die Chefs der einzelnen Ressorts haben bereits die Vorlagen, die in der Sommersessiou. vom Nationalrat verabschiedet werden sollen, fertiggest?lli. Das Arbeitspensum der Sommersesswü -des Natimralrats ist sehr' umfangreich. Es wird der größten ''Änstrengungen bedürfen, alle die Borlagen und Anträge - ' bis zu den Sommerserien zu verabschiedend Neben einer •* stattlichen Anzahl von kleineren Vorlagen und Anträgen sind noch' eine Reihe wichtiger Gesetzesvorlagen 'zu br- - schließen, darunter auch solche, bei denken es große Differenzen gibt. Dazu gehört das Wiener 'St'adlf'chutratsg-esetz', bas infolge des..Einspruches ' tln BundesraLe nicht verabschiedet werden konnte nrib niU noch' einmal den Nationalrat passieren muß. Große Schwierigkeiten bieteu auch die Vorlagen üfei^' öfe S-ta^felung der Leben-smittelfirMfU das Br v tau f läge g e s e tz, i das Beso ld ü-uMg efftzH und die P e r s o nu l v e r t t e f u üg? die WstMAchW bundesstaatlichen „FunktiorNäre imd das - AezirMerMO - ' tungsgesetz. Die Regierung beabsichtigt nvch,-Bem MM « das Budget für daszweite Halbjahr ^i92P,' Me?MM läge-' über die Austeilung^ der FmanM'''ztvtscher'L--dM ' Bunde und den Ländern, ein BeamEilberMiLÜn'g^" gesetz und ein B e a m t e n a b b-a u g e f e tz/Pas GMerMi-. bewirtschaftnngsgssetz für die kommende Ernte und ein Gesetz-, betreffend den unlauteren Wettbewe r b, > vvrzulegen. Auch das L ändevbaukgefech soll noch - . in der Sommersession erbÄigt werden. ' Stzhalb"' W vom Unterausschüsse eingesetzten Sachverständ'igLil nw'ft ihren Arbeiten fertig sein werden, wird ddÜ''UnHikV-. ansschrch seine Verhandlungen wieder ausuehmen. Die Hprzabfto«knngs»Ajf«ire. '' , Am 27. d.M. bereisen die Mitglieder des lllttsr* suchüngsaüsschusses zur Prmfung der Holz-abstockungLverträge. die nordsteirischen. Wälder. Außer den Mitgliedern des parlamentarischen 'Ausschusses werden nväj drei Sachverständige und Vertreter der Regiexullg -Ä dstr Besichtigung der Wälder -Muehmen.Mie BereifuHerfvlgt zu dem 'Zwecke, damit sich die Mitglieder dos' Ausschusses überzeugen können, ob die Angaben der privaten Interessenten der- Holzabstockungswerträge, die behaupten, daß diese Verträge für sie durchaus nicyü ' so günstig, seien, wie allgemein angenommen wird, oder ob. die Gutachten der drei Sachverständigeü, die de^ gegenteiligen Standpunkt erMehmen, richtig find - / Abreise der rusftsche« Äöwjetdelegierten. . Wie eine parlamentarische Korrespiwdenz erfährt wird der - russische SvwjeLkommissär ftr Wien, Hertz Brvnsky-Warszawsky, demnächst ^nach Moskaw znrückkehren. Heber die Person seines Nachsol^rs ist' noch' keine Entscheidung getroffen, doch wird unter M-? deren! auch der Name des polnisch-sozialistische n Schrift" Wlertz Dr. Ma.rjKlewski tzemmnt. , Eine Anfrage des Prager Außen- Ministeriums in der Anfchlntzfrage... Die .Politische Korrespovdevr" schreibt: Nach einer Meldung des tfchecho-slowakischm PreßbnreauS hat das tschecho-slowakischischr Mirnsterimv für AeußereS bei der ästerreichische« Gesandtschaft i» Prag einen Schritt unter*' nomnten rntb angestagt, was der Gesandtschaft über die im Zuge; befindliche» Antchlnßabstimmungen bekannt sei und welchen Standpunkt die österreichische Regiinmg zu deuftlben einnchme. Der österreichische Geschäftsträger teilte mit, daß die österreichische Regieruug die Abstimmmrg als rer« privates Unternehmen betracht«, an dem die österreichischen Behörd« « seiner Weise def telligt seien. . j Massenversammlan Heute, io Uhr vormittags im MAB Komödienhauf, IX., Ntiss^ dorferstrasse 4* Tagesordnung:: ZL»'W«L».E!L«»EV^ t«& r Redner: Oberrabbiner! P. Ghajes, Abg.R. Stricker, WladSmirTemktn (Ukraine) Prof. Arthur Freud.

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