Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 830 (20.5.1921)
- Date
- 1921-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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nMbVKttitaäSfei. iE TP Meu»FreÜag 5?r. >.' neue Gruppierung der in der WelLpolitik wirks .ien Energien ankündigt, und die Herstellung eines «rirklichcu Friedens wenigstens auf dem europäischen '.Kontine;-! ist eine der wichtigsten Erfordemisse der «glischen Politik. Lloyd Georde hat „die Kinder des «ertragest unwirsch zur Ordnung gerufen. Aber seine Mahnung gilt mehr den hinter diesen Kindem stehenden Hnperialisttschen Brunnenvergiftern, die sich jetzt zum Amz Briands anschicken. Der Deleglertentag der deutschen Zionisten. $9» unsere« K»rresP»»de»te«. v. H a n « o v e r, 15. Mai. Dtt '17. Delegiertentag btt Z. B. f. D'. wurde n« 13. b. M. in Hannover eröffnet. Anwesend fittb 226 Delegierte, von 88 Gruppen gewählt. Der Vorsitzende R. Ä. Rosenblüth gedenkt in seiner Eröffnungsrede der Opftt der Jafsaer Ausschreitungen und skizziert ckurz die Aufgaben des Delegiertentages. Zuversten Punkt der Tagesordnung referiert das Mitglied' der provisorischen Exekutive Richard Lichtheim über die allgemeine Lage in der zionistischen Bewegung. Er benützt die Gelegenheit, um zum ersten Male vor der Oeffentlichksit das Programm der neuen Exekutive darzulegen, und setzt sich mit den verschiedenen Richtungen im Zionismus, insbesondere mit dem amerikanischen Programm» auseinander. Unsere Bewegung scheint heute in einer Krise zu sein, deren Ursachen wir nachgehen müssen. Die Ereignisse in Jaffa stich eine grimmige Illustration der Unsicherheit unserer Lage. Wir ersehen daraus, daß wir keineswegs am Ende, sondern erst am Anfan g unserer Politik stehen. Wir haben Politik zu führen mit den Engländern und mit den Arabern. Es ist unzweifelhaft, daß England an der Politik der Balfour-Deklaration festhält... Mit den Arabern wollen wir ein friedliches Zusammenleben, aber wir müssen ihnen beweisen, daß wir eine reale Macht sind. Darum ist unsere stärkste politische Waffe die wirtschaftliche Arbeit in Palästina. Um sie zu fördern und gegen alle unsere Gegner stark zu sein, müssen wir innere Streitigkeiten zurückstellen. Lichtheim entwickelt die Auffassung der neuen Exekutive über die Aufgaben und die Ausgestaltung der Organisation. Er bezeichnet es als einen schweren Fehler dtt amerikanischen Richtung und btt früheren Exekutive, daß sie die Bedeutung der Organisation verkannt habe. Auch für die Geldaufbrinjgung ist die Organisation unser wichtigstes Instrument. Sie ist unsere einzige wirtschaftliche Macht. Gne ganz andere Frage ist die Frage der Geldverwendung. Diese muß selbstverständlich nach streng wirtschaftlichen Methoden vor sich gehen. Die Fehler unseres Kolonisationssystems müssen einmal rücksichtslos ausgesprochen werden. Unter dem Schein genossenschaftlicher Siedlungen werden unrentable Wirtschaften mit Lohnarbeitern betrieben. Durch die Nationalfondsverwaltung ist diese Form der Zuschußwirlschaft groß gezogen worden. Wir müssen dazu kommen, wirtschaftlich selbständige Siedlungen zu schaffen, dies ist auch die einzige Lösung für die Ehaluzfrage. Dabei muß es uns gleichgültig sein, ob die Kvlonisationssormen sozialistisch oder kapitalistisch sind, wenn sie nur zur Schaffung blühender Siedlungen führen. Im Schlußteil feines Referats stellt Lichtheim seine Vorschläge über die Zusammensetzung der neuen Leitung zur Diskussion. Er beantragt eine acht- bis zwülfgliedrige Exekutive, von der die kleinere Hälfte in Palästina sitzen und dort die wirtschaftliche Arbeit leiten soll. Das große Aktionskomitee von 30 Mitgliedern soll wiederhergeftellt werben, daneben ein Ausschuß von 60 Vertretern der Landesorganisationen und Föderationen, der im kongreßbosen Jahr die Jahreskonferenz darstellen soll, zusammen mit dem Aktionskomitee. Der Kongreß soll jedes dritte Jahr zusammentreten .Die Leitung muß aus Persönlichkeiten bestehen, die nicht nur Fach- Leute sind, sondern die Fähigkeiten haben, die ganze Aufgabe zu überblicken. In dtt Debatte wird von allen Rednern mit Genugtuung anerkannt, daß die provisorische Exekutive es als ihre Aufgabe ansieht, den nationalen Charakter und die Einheit der zionistischen Organisation wieder herzuftellen, ihr jenes inner« Lebe» zu geben, welches sie zur Lösung ihrer Aufgabe und zur Beschaffung der Mittel bedarf. Es wird auch betont, daß die Organisation sich nicht auf die Palästinä-Ausgaben beschränken darf, sondern als die große nationale Organisation des jüdischen Volkes alle Lebensinteressen des Volkes in ihre Tätigkeit einbeziehen und vor allem fcjfce nationale Erziehung durchführen muß. Für den nationalen Einheitsblock sprachen Dr. Hamtkih »und Julius Berger, für den Misrachi der Lonbontt Sekretär Boß und Dr. Aron Barth, für die Fraktionslosen Dr. Losser-Man»heim und Heinrich Lvewe, für den Hapoel Hazair Kurt Blumen selb -und W e l t s ch. L e s s e r tritt lebhaft für Julius Simo« ein. Die Redner der Linken beanständen, daß Lichtheim einseitig die palästinensische Arbe.terschast kritisiert hat,, ohne den Gesamtkomplex der Ko lonisatio ns fragen zu erörtern. Die Debatte wird am Sonntag' vormittags fortgesetzt und durch ein Schlußwort Lich.theims beendet. sodann ttstattet der Vorsitzende Felix Kosenplürh das Referat übe" die zionistische Arbeit in Wiener ÄtvrgrvzKbmg kn btt Zionlstischen Vereinigung für Deutschland' Gruppen ausgetreten, welche die nationale Haltung der Leitung bekämpfen und. die Gründung einer eigenen Föderation unter dem Namen Binjan Haarez, die den Nichtzionisten, die Zusammenarbeit mit den Zionisten leichter machen wollen, gründen Wolken. Die Führer dtt Gruppe Binjan Haarez sind auf dem Delegiertentag nicht ttschienen. Rosenblüth erörtert grundsätzlich die Streitfragen, insbesondere die Frage der Gewinnung der Mitarbeit nichtzionistischer Kreise für Palästina und des zionistischen Radikalismus. Er weist nach, daß nur eine inne« Stärke des deutschen Zionismus es möglich' macht, auch Erfolge bei NichtziottistSn zu erzielen. Die Zionisten dürfen nie vergessen, daß der Zionismus ausgeht vom Bewußtsein des Gvlus, daß er die Freiheitsbewegung des jüdischen Volkes ist. .Wir brauchen an leitender Stelle Menschen, die dieses GoluSgefühl als Quelle ihres Zionismus ganz lebendig.empfinden. Der Ernst unseres Zionismus bewährt sich' in unserer Leistung für den Keren Hajes sod und in der Pioniergesinnung der Jugend. Die Chäluzfrage war im letzten Jahr umstritten, sie muß ein integrierender Bestandteil der zionistischen Arbeit sein. Wir wollen durch eine Bündnispolitik ohne Gesinnungskompromisse das deutsche Judentum für die Palästina^Arbeit gewinnen- Schließlich wendet sich der Referent gegen die Versuche, die staatsbürgerliche Zuverlässigkeit der Zionisten in Frage zu ziehen, eine Methode, die selbst der „Zentvalvecein der deutschen Juden" als denunziatorisch bezeichnet hat, als sie von den national-deutschen Juden ausging, die er selbst aber anzuwenden verschmähte. Nach Rosenblüth spricht Kurt Blumen selb, der die Erfahrungen der praktischen Arbeit des letzten Jahres und die Prinzipien des radikalen Zionismus darlegt. Blumenfeld ist nach Beendigung seiner Rede, die mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört wird, Gegenstand lebhafter Ovationen. Großen Eindruck machte die Erklärung des Redners des Misrachi, Herrn Lazarus Barth, der die Richtigkeit der Blumenfeldschen Methode für die Keren Hajessod-Arbeit anerkannte. Bon den meisten Rednern wurde die' Politik der Abstinenz, die Binjan Haares übt, heftig kritisiert. Mehrere Redner traten für Verständigung und Entgegenkommen ein. Die Debatte wurde Sonntag abends obaejchlossen. Der Montag ist der Besprechung dtt Palästina- Arbeit gewidmet, wobei nur jene Teile besprochen werden sollen, die sich' auf direkte Wirkungsmöglichkeiten deutscher Juden in Palästina beziehen. Hiezu liegen Referate der Herren Professor W a r b u r g, Davis T r ie t s ch und Jakob Wolfs, die sämtlich in der letzten Zeit Palästina besucht haben, gedruckt vor. PolitischeNunds chau. Das italienische Wahlergebnis. Das Ergebnis dtt Wahlen zur italienischen Kammer bedeutet eine allgemeine Ueberraschung. Während sich, in Italien alle politischen Parteien und nicht zuletzt die Sozialisten selbst darüber einig waren, daß die Wahlen einen starken Rückgang der sozialistischen Mandate bringen werden hat das Resultat alle diese Erwartungen Lügen gestraft. Der faszistische Terror war in dtt letzten Zerr so stark, daß sich, eine Sozialistenkonserenz mit der Frage beschäftigen mutzt», ob Wahlbeteiligung zu üben oder Abstinenz zu beöbachM sei und nach langen Debatten entschieden sich die Vertreter von 44 Wahlkreisen für die Wahlbeteiligung, während 16 Kreise für Wahlenthaltung stimmten. Wie man nunmehr sieht, hat auch der Terror des Fascismus nicht vermocht, den Sozialisten eine empfindliche Niederlage beizubringen, obzwar jener vielfach des stillschweigenden Schutzes der Autoritäten sicher sein konnte. Niemand wird von dem Ausgang der Wahlen überraschter sein als die Sozialisten selbst. Sie haben mit einem starken Rückgang ihrer Stimmen gerechnet und mußten angesichts dtt immer brutale«» Terrorakte der Fascisten, gegen welche eine wirkliche Gegenwehr völlig vergeblich schien, mit der Unmöglichkeit freier Wahlen «chnen. Nun hat sich zur allgemeinen Überraschung erwiesen, daß die Rechnung der Nationalisten nicht nach Wunsch aufgegangen ist. Ob an dem Umstande, daß die Sozialisten sich im allgemeinen behaupten konnten, die politische Müdigkeit des bürgerliche» Elements und seine geringe Wahlbeteiligung die Schuld trägt, läßt sich augenblicklich nicht feststellen. Aber Tatsache bleibt, daß der Terror der Faseisten, der in letzter Zeit eine wah« Landplage bedeutet hat, bei dem ruhigtt denkenden Teil des Bürgtttums die gleiche Ablehnung ftndet, wie früh« die sozialistischen Terrorakte, welche jenen weiterzeugen halfen. An der Schwächung der sozialistischen Position in Italien, welche trotz des günstigen Ergebnisses der Wahl nicht zu bestreiten ist, ist die Betwirrung schuld, welche die Moskauer. Propaganda ins Land getragen hat. Wenn die italienischen Sozialisten die unerwarteten Erfolge zu behaupten suchen wollen, werden sie aufhören müssen, ihre Kraft im sozialistischen. Jnnenkanipf zu erschöpfen. Das' Emporkommen eines agressiven Nationalismus bedarf des sozialistischen Gegengewichts umsomehr, als in Frankreich die Macht des Sozialismus völlig gebrochen ist mtd dort der Chaul bittiälttlliä flow trfwtrWtfhfte . .. ^TaORfSTTTTr. ... . •iMRraSEEÄTl3 Ä>. wärmt r&t83<f ’•* risch-nationalistische Einheitsfront unter den kontinen-ij talttr.Westmächten würde für die Sache der Herstellung friedlicher Zustände in Europa düstere Perspektiven^ eröffnen. f Rom, 19. Mai. (Stesani.) Nach Berechnungen, sich auf die zuletzt eingegangenen Wahlbericht« stütze^' gewinnen die Liberalen 29 und die Vvlksparteiltt 9Sitze^ während die Sozialisten 16, die Republikaner 1 Und die, Kommunisten 3 Sitze verlieren. Darnach würde sich bist Kammer zusammensetze« aus 382 Konstitutionellen, 18j| Sozialisten, 8 Republikaner«, 14 Kommunisten. 6 Slawen und 4 Deutschen. . ' Inland. Die Sanierung Oesterreichs. ' Doubon, 18. Mai. (Reuter.) Wie das Reuterscher Bureau erfahrt, wird die F inauzsektion deU Völkerbundes bei ihrem Zusammentritt in Äonbon am 23. Mai sowohl die Antwort der östsrreichi^' scheu Regierung auf den vom Bölkerbmch ausgearbeiteten! Finanzreformplan ■< als auch die darauf bezüglich^ Stellungnahme der österreichischen Politik schon Parteien erörtern. In Anbetracht der Fortschritte, die die Festlegung des Charakters der Finanzreform gemacht hat, wird in einflußreichen Kreisen dtt, Hoffnung AuÄwuck gegeben, daß sowohl hie Alliierten' als auch die anderen Mächte demnächst ihre Bereitwilligkeit erklären werden, die aus dem Friedensvertrag und aus den Hilfskrediten sich ergebende«! Pfandrechte zurückzustellen. — Aus dieser Meldung^ ergibt sich, daß die Zurückstellung des Generalpsand-s rechtes noch nicht beschlossene Sache ist. London, 19. Mai. (Reuter.) Die „Times" stellemj Jfcji, daß die Antwort der österreichischen Regierung aüff den Plan der Bölkerbunhdelegierteü bezüglich dtt) Wiederherstellung der Finanzen Oesterreichs die taMj sächliche Annahme der von ihnen aufgestellten Be», dingungen bedeute. Dahtt sei nunmehr offenbar der! Weg geebnet, um die nötigen schritte zu tun, durchs die dtt Man des Völkerbundes verwirklicht werden^ Soft. Obwohl die verbündeten Regierungen im Prinzip, mit dtt Zurückstellung der Pfandrechte ein* verstanden gewesen feien, hätten sie auf die seinerzeit von der Finanzsektion des Völkerbundes ergangenes und inzwischen von der österreichischen Regierung bttnt-! wartete Rote tuxfy keine Antwort erteilt. Bevor weite« Fortschritte möglich' seien, müsse diese Antwort tt-» folgen. Es sei auch, notwendig, daß die andtten Mächte,., denen Pfandrechte auf österreichischen Besitz zustehen,s ihre Zustimmung zur Zurückstellung ihrer Ansprüche' , geben und baß alle Pfandrechte einer und derselben Stellt' als Treuhänderin unterstellt werden. Es sei zu hoffen,! daß die verbündeten Regierungen nunmehr wirksame! Schritte unternehmen würden, um die Annahme dtt! ursprünglichen Bedingungen des Völkerbundes zu, sicher«, so daß die Aufgabe, Oesterreich' wirtschaftlich' auf eigene Füße zu stellen, energisch in die Hand genommen werden könne. Zwar habe die industrielle». Lage Oesterreichs in dtt letzten Zeit eine gewisse Besse-! rung erfahren, aber das Land sei noch immer übel? daran und bedürfe der auswärtigen Kredite, um .fiw, seine Lebensnotwendigkeiten und für seinen Bedarf an Rohstoffen den Weg zu ebnen. Dies könne erst geschahen, bis dtt Plan des Völkerbundes angenommen sei, Oesterreichische Delegierte i« Rom. «M»,!1S. M-i. (Stefani.) ©fc 8e««le* Oesterreichs bei der Konferenz dtt Nachfolgestaaten sind hier angekommen. | Jugoslawien verlangt eine Revision der Kärntner Abstimmung. Bekgead, 19.' Mai. In der gestrigen Sitzung dev» Konstituante erklärte Ministerpräsident Pasie in Be-i antwvrtung einer Anfrage wegen dtt Kärntner Ab-: stimmung: Als die Skgienmg gesehen fya6e, daß im Oberschlesien neue Grundsätze angewendet würden^ wonach' jene Landesteile, wo eine polnische Mehrheit!' vorhanden ist, Polen zugesprochen werden, habe sie bei den Verbündeten Schritte unternommen, um diese Grundsätze auch für Kärnten anzuwenden. Die Angelegenheit sei noch' nicht geregelt, obwohl die Regierung sachliche Beweise dafür angeboten habe. Arw 26. März fei an die Pariser Botschafterkonferenz eine; Note gesendet worden, worin betont wurde, daß die! einzige natürliche Grenze gegen Oesterreich die Drarö wäre. Eine starke Grenze gegen Norden sei notwendig besonders wenn sich Oesterreich mit De»ts (jjtf land vereinig e. f Demgegenüber verweist das Telegraphen-Ko rrespoNdenz-Bureau auf die am 12. d. M. im Zusammen^ hang mit ähnlichen, damals verbreiteten Meldungen! veröffentlichte Mtteilung btt Politischen ikorttsponden^ die besagte, daß die in Betracht kommenden Bestimmungen des Friebensvertrages von Saint-Germain eine Revision der Abstimmung in der ehemaligen kärntnerischen» Abstimmungszvne Ä nicht vorseheu, und baß das Abstimmungsergebms endgültig anerkannt worden ist. Buudesrat. Dir nächste Sitz«- dr- YnndrSrqtr» findet Freitag 97. d. M. «u S Uhr nachmittags »it folgender Tagesordnung statt: GesetzrSbefchläffe deS Naiionalrates, betreffend