Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 829 (19.5.1921)
- Date
- 1921-05-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 829 Wien, Donnerstag _ " feBfctttt .ü 'x —~' ‘ ^-^ - r ■■■)■ -- '■ ■"7* ’M ——————*—— ■■* m1ta. ÄS 1921 £?i tC d'CiS --—jfcr- V - \ Sonntag den 22. d. M., um 10 Uhr, vormittags, sprechen im Wiener Komödienhaus, Wien,' IX., Mossdorierstrassey, die Herren Oberrabbiner Doktor H. P. Chajes sowie Prof-Freud über , 9?JSi® letzten Ereignisse in Palästina ' 990 ZE' Jude n/U n d J ü d i nn eu, ^BT MG" erscheinet in Massen! “1WI richten bereits bcr Presse übergeben wurden. Inzwischen sei eine Untersuchungskom m i s f io n eingesetzt worden und er glaubt nicht, daß die Veröffentlichung weiterer Detaüs vor Beendigung der Untersuchung möglich sein werde. Die Politik Leu Zionistischen Organisation. Statott, 16. Mai. <Züd. Oürr>Buü) /Wie wir eiffahren, ist 'die ExrKuLioe ' der Zionistischen Welt-. yrganisMon g c g e n j e g l ich e, selbst' vchnber-' tzrhende Einst e l l u n g b e r j ü d i sH e n'.H.L'n- Wanderung nach Palästina, / -Schon dieZürück- HMwa der aus dem Wege Hfindlichcu; jüdischen Emigranten würde der 'Zionistischen: "Sache '/nE/ach-; träg 1 ich fein, da dies von' den - ätdöischen Llgitatoren als zionistischer R ü ckz u g,.. betrachtet würde. Die einzig 'rilhtch'e PÄiM^' Mf 'MMen Volkes Kann' gegenwärtig Keineandere sein, als die fortgesetzte, weit gtii'prot wa nbetunq und die Bersorgung der ^Immigranten mit allem Erforderlichen, damit die 'konstruktive Arbeit in Palästina beginnen könne. - Einzelheiten über die Borgänge. London, 15. Mai. (Iüd. Korr.-Bur.) Die Zionistische Organisativtr erhielt vom Waad tzazmm in Jerusalem weitere telegraphische Einzelheiten über die Ereignisse in Jaffa, demzufolge während der Ausschreitungen bloß jüdische Geschäfte geplündert wurden. Unter den Verhafteten befinden sich 20 Juden. Etwa 40 a.r'a b i s ch e P oliz r st e n sind des Verbrechens des Mord es b es ch u l di g t. Es wurde weiters festgestellt,. daß die Mehrheit der Verletzten K o p f m u n d c n v o n Ges ch o ß e n exhielten. Die Zionistische Kommission^ beschäftigt sich zurzeit mit der Feststellung . der - D e r. m ö g e n sschaden, die die Juden erlitten haben.» . ", »> > —. ■ ‘ /Y Die Mandatskommission des Völkerkund es. London, 1.6. Mar. (Iüd. Koi-r'-Bur.) Gemäß dm Satzmrgm bcc permanenten, Maudatskorumchion des Bölkerl'nnLes wurden folgende Herren zu Beisitzern der Mandats tsmmissio« auseesehen, die nicht als Regieruüqsvertleter, sondern als Experten Privaten Charakters die Jahresberichte. der Waudatarmächk ^u.prnsen und dem Völkubundrat bezüglich der ^nsfilh^uug der MaudatSbestimmrmgen zu uuterrichte» haben. H. B e a u (Frankreich), Madame Anpa Bug g e Wrcksell (-Dchweden). H. Freire d'A n d r a d o (Portugal), M. O r m § b y (Kare (Großbritamneu), M. Pierre Orts (Belgien),) Dan K e t § (Holland), H. Thevdoli (Italien und N. Kamon Aanagida (Japan). Die Auswanderungsfrage. Loodrm, 16. Mai. (Iüd. Äorr.-Bur.> Die van der ^niernationalen Arbeit« organ'öatic.n eingesetzte »Internationale^ rlMvanderungskommisiron" tcht im August in G e n s zu einer Sitzung zusammen-, Diese Tagung wird auch für die.jüdische Tuswanderungsfrage von großer Wichtigkeit sein, da der Gesamtem pler dieses PrvLlun's — sowohl, di-: Auswie auch die Ein» Wanderung — einer erugehmdm Eröitenittg auf dieser Kon« serenz unterzogen werden wird. / Die Minoritatsrechte in Lettland. Riga,14. Mai. (JüdV Korr.-Bur.) In der letzten Sitzung des Bcrfasjungsausschusses der lettischen Konstituante wurde 'ülgeude, das Recht der Minorrtäien auf Benützungihrer Sprachen betreffende Resolution gefaßt : „Die Staatssprache des Landes ist das Lettische. Den nationalen Minderheiten wird die freie Benützung ihrer Sprache in Wort und - Schrift zugefu&at.“ Ein besonderes Gesetz soü die Anwendung dieses Grundsatzes m der Praxis näher umschreiben. Ei« «euer Strom ukrainischer Flüchtliugein Betzarabien. Kifchirri«, 15. Mau (JSd. Korr.°Bur.) In de« letzten Tagen ist wieder eine große .Zahl jüdischer Ftüchtsinge ans der Ukraine in Beßarübic» eingetrofferr. Die Zahl/ der rüdffchtü Pöchüinge in Beßarabien . ist von 35.600 ans 50.000 an» üe,vachsm. Die ewige Resolution Knox. X Paris, 18. Mai. „Chicago Tribüne" meldet MS Washington: Der Chef der republikanischen Partei im Aepräsenlantenhause M o n d e H erklärte nach einer Konferenz mit dem Präsidenten H ardina, saß die Annahme des Ulttmatums durch Deutschland nunmehr gestüte, in die Beratung der Resolution Knox, die den Friedenszustand mit Deutschland wiederherstelle, einzutreten. Die Debatte werde aber nicht vor de«t 1, Juni eröffnet werden, da man die erste Zahlung Deutschlands abwarten wolle. <! * Wir Ijü&eit seinerzeit Wer das Menteuer üsrichüek, welches der Debrecziner jüdische Kaufmann Salomon S ch i f f nt a n n int Dezember vorigeu Jahres auf. einen Eisenbahnfahrb hatöe.- .Er . wurde von einem mitreißenden Oberlenttmnt nach' fnrchtLaretl Mißhandlungen vvm fahrenden Zuge durchs Fenster Hmausgewvrfen und) erlitt schwere Verletzungen. In dieses Angelegenheit,faÄ>' mn 10. d. M. gegen den Oberleutnant,K p s frö r yZ).Ien^ Helden in dieser Rechtsprdnungstvagtzdie des Staates, vor dem Debrecziner MiliLärgericht die Hauptverhandlung statt. .Der Verlauf dieser VerhaMung und noch mehr ihr Abschluß und das (MrichLZurteil sind sö,. reich au chgratLeristischen,,WMiDn,....dast wir. sie vH nd" jeden Konuu^ntar als Dvkunceut der Rech Ls unsicher-- . heit im Lande dds weißen Terrors wiedergÄldn. ' >.' c Nach der/AnUageschrist hat^sich^der OberleuKant Kv szvrüs^die. Verbrechen der. schweren -Mperttchsn Verletzung, der Verletzung der. pLvsönli'Du-Keih'eit.-und ' des - Mißbrauchest der cAmtsgewaU dadurchs zuschulhen " .kommen lassen, daß er ain- 21.' Dezembem'1920 den •’ ,/^Lr f-'■.v''; }i -l. '. ■ är r-'-u Die Taten eines magyarischen Oberleutnants. Sie habe« ihn hintasgewoME" . Der nächste Zeuge, NefervsMiterlrutnant nWWÄK blamier Stephan Tonk, gibt an, daßer jene Z-iviL^, Person war, die mit Oberleutnant Koszvrus ür.daZ -A^ ' teil, in welchem Schissm-ann saß, eintrat. Er habe dch-s Müls MilitätLieust geleist.Lt, obgleich er yt Zivilkleidernt Juttt, und sei daher berechtigt gewesen^den Zug zu steigen. „Ich muß jedoch erklären" — setzt Tonk .sei«« .Aussage fort — ,^>aß ich ziemlich an Li stemitischLW Ge'sinnung und daher in dieser Angslegenheit siurgeü bin." \ .W-SjT:' V o r s.i tz e n d e. r:. Mer .Sie. sind imstand^,. Tatbestand zu erklären?. \' '.i^ - Z^uge: Ich will es..versuchen. ' In Turgdnwl rneAete/ ein SöldaL - dE OberleuLnünt Ksszorus, dcsU d e r J ud e sich dennoch rm Züge, befinde. Wir gmgM auße-Mnk Haketwagerr 'mÄ dem Soldaten. zu ^meürk DLftwageri, ans,'-MlcheM. «.SchHsntattn,^ El s e. r u » erb l i ck t'e, über unsere'' Köpfe hinweg -hinauf gesprungen ist. Kaufmann Salomon - Schiffmann in-dem-- ppn'-'j j ^'.BVrlätzönd-er:Mer ichchtzteAMriUMSchA-j Szoln-ok nach Debreeziu^fahrenden Zuge'v ö.lli g E chi-/s ntann/ .schauen' Sch .ihn. doch an, Em ZOjährigers * | Mann! Istsicher solcher - SaltomorWMrünge. fähig?' k leide n ließ, ihn-blutig' schlug/ und^ dann aus dem Züge hinauswarf. Zeuger Ich bitte, das war aber auch ein seh-! geMngene-r Sprung. - Er wuchs sticht-, hinaus-' ausgefiochertr .Zu/ tzieser/Äuffocherung sei er berechtigt gewesen. Im Eisenbahnwagen habe sich eine sehr au sgeregLe Stimmung gegen Schifsmailn gezeigt, ein i Landwirt habe sogar sein Messer gezogen, nM! Schifftnann nicderznstechen.- -In diesem Zuge durfte - übrigens nur , Militär fahren.- Als sie die Station - Kisnjszallas. passierten, lei Schiffmasi n P l ö'tz l i ch an s j dem Zuge gesprungen. . . / Privatkläger Salomvn S chif fman n gibt an,daß irr der Stativrt Turgouh Oberleutnant Koszorüs in Begleitung einer Zivilperson in den Zug eistgestiegen. sei. Der Oberleutnant fing sofort mit ihm Streit an, nannte ihn einen Kettenhändlerc und. Valutaschieber, und. befahl ihm, sich' nackt auszukleidün. Während. er' sichaüs-- Midete, schlugen beide auf ihr: ein, 8er Zivilist.- mit bloßer Hand, der Oberleutnant mit einem Gin mmr-' st o ck. Infolge - der schweren Stockstrei.che' wurden ihmdie Ober- und Unterlippe völlig zerschlagen. , In Kisujszallasumßte .er derr Leib anziehen, daun wurde er mit' seutem Hemd und seinen Unwrhosen an Hanbeü mid Füßen gebunden, und alsder Zug" schon eitrige Kilomeber' über KisnjsMlas hinaus war/ aus dem Fenster geistürzts. Zwei Sonaten warfen Ihn .auf Be fehl de^s .An gekla g ten zum Fenster hinaus. ‘ - / •. Oberleutnant Köszorus hält sein/ erste Angabe' ausvecht. und fiigt 'hinzu, Schiffmann habe sich selbst «e n t ü {c ifoet, NM zu zeigen, daß er weder Geld noch sonst etwas Verdächtiges bei sich habe. Als erster Zeuge. .gil,t Zugssuhrer Alexander Natzy an, daß Oberleutuant Koszorus ihm erzählte, daß er dem Inden die Ausweispapiere ttttb 2000 Kronen Bargeld abgenommen habe und daß er das Geld au Arme verteilen werde. Der Schafstter Andreas Kvvacs war Zeuge der Leibesvisitation des Schiffmann. Koszvrns befahl dem Schiffmann, sich ganz zu entkleiden, - was Schifftnann auch tat. Im Eisenbahnwagen, wäre,t auch Frauen anwesend. In feiner Gegenwart wurde wohl Schiffmann . nicht.geschlagen, -er fand .Ihn jedoch chereits bluttriefend vor, ulld. .fah. .ihni -'M er-'gründlich.wer?., prügelt worden sein .Später - wurtze: . Schiffmann der.. Hinterrock urngehängt. .In Kisujszallas stieg der Zeuge aus. WaS' ivtziter geschah, weiß der Zeuge nicht. 'Offiziersstellvertreter Martin Szöts stieg in Kisujszallas in den Zug. Schiffmann habe. auf die Frage des Oberleutnants gestanden, daß er der Flügeladjutant Bela Kuns gewesetr sei. nttd in Deüreczin mit den -Rmnänen die Frau eines- Generals mit Sivckstreichen. traktiert habe. . ' Verhandlungsleiter:' Haben Sie gesehen, wie Schiffmann. ans dem Zuge geworfen wurde? - 7 Zeuge: Ich'habe es nicht gesehen, denn ich hatte Mitleid, ihn anzuschauen. Er war ganz, von Blut überströmt. ^- - Oberleutnant K o s zw r-u s hält-leine .Aussage aufrecht. Der Soldat Ignaz Kölinger erklärt, ZeuM der Fesselung Schifsmanns gewesen zu sein. Ein Soldat fesselte ihn an Händen und Füßen, und warf ihn auf Befehl des Oberleutnants aus dem Zuge. Bvrsitz.endv.r: Würben Siediesen SÄEen erkennen? . Ze stge : Ja. > , - . Hierauf werden sämtliche Zeugen hereingerusen und Kölinger erklärt, ,auf - idm -KWvuilLenführer -Monns weisend: Dieser war es.' „; ...: Bo r f itzender (zu Monits); Haben Säe iemau» den aus dem Zuge, geworfen?. / ' ' . k Monns: // .'. > . : /Zeuge: Erst - später, im Wagen. Oberleutnant Koszorus versetzte dem Judett ein paar. Ohrfeige»^ weil -er unnrcrsort dazwischeu gesprochen hat. Er bekam es von mir und auch von dem Herrn Oberv leutnant. ■ - - Wr Jude behauptete, daß er nur ein paar Zehner? bei' sich habe; später jedoch kamen auch Tausendes Zum' Dvrfchem und. auch eine Reiselegitimutron, nach! per /THjechst-SsirwaM. Die Soldaten haben nun, an-; geeiE bün/dem g uten Beisptel, welches siß uiEder Herr' Oberleutuant gäben, -gleichfalls blistd d p.ging c s ch la ge n,.ohne zu, achten, /w o h in die 'SUl S ste,f a'l le ns.'Der -Jltde. begann' M a-nzukleiden^ wHiienddcssen der Herr Oberlsutnaut ihm mit ein."-.stk .U u mm i stbck' ein; paar Hiebe -versetzte. /;' . 4 \ So r-s'i MUste'r:^'KarM.die''-Hie^,schlpLrerRatime^ " Zeuge: Neist,'--denn -er hät sie ja er* -t ra gen. J.ur Wagen befand - sich-auch eirr .Bauer, bvrj mit, Mn ' 'Messer^ aus den Juden losgeheuwolltch ^Mnd'-iefer''vD-r-ichm^'u,std'^M Bod/eU he-ruw- ■l r^|!iÜt kümmertest uns weiter nicht nur den Schiff-. urann, ' und als wir eimnal hrnblickten, War er. niW mehr im Wagest. - Wir; schauten zum .Fenster hin« und sahen ihn bet dem Mleise stehest und seine So zusammenpacken: - - ,->■ .Vorsitzender: Herr Oberleutnant, der ZestK^ sagt, daß Sie Schifftnann mißhandelt haben. $ - Ob.e rlentnant K v s Kv r u s: - Ich ha b e i h^ n icht mißhandelt.! Mor.sitzestder: Hatte 'Schiffmmm.Angst'? . - , Koszorn's: Er ist feig, wie jeder Jude. Vorsitze n d e r?"'Klx' bitte, Leine '/st-Wst-'/Mu^-' drücke zu gebrauchen. s, -/ Der -Rechtsvertreter .des Schiffmatm,-.'zmn^Peäßm' ' deutest gewendet: Herr Präsident, ich. bin ObrrlerftuarÜ -züL: Disposition. Mein Verhalben -chähretch der KatoM Revolutwn und zur Zeit der Kommune, wurde vchr der Rechtfertigungskömmission gnigehÄßen-' Ich biv .Jude mnd bitte den Gerichtshof, mich - als Mserb^. Offizier gegen solche Angriffe zu schützen/ Ich bitte, den Angeklagten zur Ordnungzu ruserr. V;ö r s itz en.d e r: Ich' bitte, Linen dMM zn gebrauche«, wir sürd jetzt im und/nicht inr Eisenbahnwagou. Der nächste Zeuge, Franz Popovic, ^rkläv^ selbst gesehen zu haben, wie der QoerleuLnauL deu Schlsp man» furchtbar verprügelte. Der der Staatspolizei Franz Hasser hörte, wie Ober, lentuant Koszorus sich^ damit brüstete, daß er Juden gründlich verprügelt und ihm : x; » m: seine Dokrrmente und sein Geld abgenv habe. ° /'!- i «tz- Der nächste Zeuge ist.Andreas M o n u s. Er ÜeAM srchj mit Oberleutnant Koszorus in den Wage«. Dtt OWleutnant versetzte dem Schiffmann wohl ti% paar Ohrfeigen, dieserhat sich aber vvst -entkleidet. ' \ Oöesitze«der: Hat er M ganz nackt ' gezogen?-; Zeuge: Zcein, seine Leibwäsche behielt' er V Bo rsitz e>n d e r: Versuchen Sie hier nicht' her«! zulügN.- Wenn Sie falsch aussageu, könne» Sie verhaftet werden. >. Zeuge: Schiffmann hat auf Befehl - H' e r r n D b e r l e u t n a n t s auch die Leibwäsche, ziehen müssen- Vorsitze n der : We gab der Herr Obers den. Beseht, betr Schiffmann aus dem Zuge zu. > i ».k