Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 828 (18.5.1921)
- Date
- 1921-05-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitung \ k 18. Mai 1921 Die Ereignisse in Palästina. Die Ruhe wieder hergestellt. London, 14. Mai. Md. Korr.-Bur.) Das Kvtonialmmisteriüm erhielt ein Telegramm vom OberkdMmissär S ck m ue l, demzufolge seit dem 8. Mai im ganzen Lande vollkommene Ruhe herrscht und das Mi l itär keinerlei Opfer zu beklagen habe. Den Verletzungen erlegen. Jerusalem, 14.. Mai. Md. Korr.-Bur.) Aon den bei den.Exzessen in Jaffa verwundeten Juden sind. G isim Abschal vm, Grünstein CH aim.RaP.papvrt Nathan ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der jüdischen Todesopfer erhöht sich dadurch auf 35. Der Aeberfall aus Cheverah. KeMskBem, 12. Mai. Md. Korr.-Bur.) Beim Ueberfall der Araber auf die jüdischen Kolonien Chederah > und Nechoboth, der mit Unterstützung englischer Aero- 'plane zurückgewreftn wurde, sind itt Chederah sechs Häuser jüdischer Kolonisten niedergebrannt worden. Kfer Saba wurde von den Einwohnern verlassen. Das provisorische Laudungsverbst. . Jerusalem, 14. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Die palästinensische Regierung hat unter dem Druck gewisser Kreise in Aegypten und Palästina die Ausschiffung der Passagiere, die mit den letzten zwei Dampfern vor Jaffa eingetroffen sind, verboten. Die Zionist Commission und dev Waad Leunri legten gegen die Handlung der Regierung Verwahrung ein. Sie erhielten von der Negierung die Versicherung, daß dieses Verbot bloß für die Dauer von zwei Wochen in Geltung bleibe. ec’ir 3 VERSAMMLÜNÜ Donnerstag den 19. d. M. um halb 8 Uhr abends HOTEL POST, I., FLEISCHMARKT Thema: Gegenwart and Zukunft des jüdischen Volkes z Redners Abg. R. STRICKER, Prof. ARTHUR FREUD, Ü.-R. Dr. JAKOB EHRLICH, Dr. ISRAEL WALDMANff r^ebc tto^'cittm lassen, gab er noch mehr antisemitischen Unsinn zum Bestens , Man müsse sich — sagte er — gegen die Juden zusammeuschließew Daß es in Ungarn ejne Judenfrage gebe, könne nicht geleugnet \ werden, denn die Judenschaft sei im Besitze allzugcoßer Macht gewesen. Dem müsse nun nicht mit Gewalt, sondern systematisch abgeholfen werden- Auch der Christ möge zumindest soviel Nech^ und Bildung haben wie der Jude. In diesem intelligenten Tone bewegte sich die ganze christliche Tagung. Bekir Samt Bey demissioniert. / London, 17. Mai. iFunkspruch.) BekrrSa m i Bey,' der Minister des Aeußern der Angora-Regierung, ist von seinem Posten zurückgetreren. . ' Athen, 16. Mai. (Agcnce d'Athönes.) Die militärische Lage ist unverändert. Die Extremisten von Angora, durch die! Niederlage bei Tulubünar, den Aufstand der Kurden und uriauf^ hörliche Verschwörungen gereizt, haben die Regierung gezwungen) schwere Repressivmaßnahmen zu treffen, Bekir Sami \ hat demissionieren müssen. Tagesbericht« Nr. 828 MM. MittMöch Inland. •mb* ' Die BeehattdUrngert der österreichischen Sukzessionsstaaten itt Äom. . Der Bukarestcr „U niverf u l" beichtet über die Arbeiten dSr Sukzessionsstaaten-Konferenz in Rom. Danach wurde unter anderem verhandelt: Die Frage der Aufteilung des Besitzes ün Dokumenten, Kunstgegenständen usw. Es wurde beschlossen, daß die einzelnen Vertreter der Sukzessionsstaaten die beanspruchten Gegenstände ausweisen und im Kalle einer Ablehnung' die Entscheidung einet Schiedskommission itt Anspruch nehmen. Die zweite Frage ist die Feststellung der Zahlungsart der Schulden der Sükzessionsstaaten. Es wurde beschlossen, daß die Zahlung der Schulden in der V a l u 14 des Schuldners nach dem Geldkurse der Krone voM'Jäüner 1918 dev Genfer Börse erfolge. Die dritte Frage betrifft die, Etttschadrgung jener Personen, die infolge Ausnahmsmaßregeln im Kriege gelitten haben. Diese Frage befindet sich noch im , Studium. Ju diese Kategorie füllen auch jene Personen, dje durch Internierung' uttd K o n f iit t e t Utt g sowie durch Kriegsleistuugen usw. Schaden davongetiagen haben. ' ' Die vierte Frage bötr'ifft die Feststellung der Nationalität physischer und moralischer Personen. Zn diesem Zwecke, sollen in jedem Sukzessionsstaate .Kommissionen eingerichtet werden, die jeden Fall prüfen und die entsprechenden Zertifikate ausstellen sollen. Die wittschüftlich-finänzielle Kommission befaßte sich mit der Frage det Aufteilung der Fonds der gemeinsanien Jttsiitutiouen. Als ersten Punkt waren Gegenstand der Beratung die Sparkassen. lieber Antrag Antonescus wurde beschlossen, Vorbereitende Arbeiten an Ort uttd Stelle der itt Frage kommenden Institute zu machen, und zwar durch Sachverständige jeder Gesandtschaft der Sukzessionsstaaten in Wien und Budapest. Die Anschlutzbestrebungen. Salzburg, 17. Mai. Hier fand heute eine von mehreren lausend Personen besuchte Versammlung statt, um kür die Durchführung des Anschlußplebiszits am 29. d. M. Stellung zu' nehmen. Der grvßdeutsche Landcsrat Christoph und der Bürgermeister von Salzburg sprachen die Hoffnung aus. daß der Landtag bei seinem ursprünglichen Beschluß, daS Plebiszit am genanniM Tage durchzuführeä, verbleiben werde. Die sozialbemokraüich organisierte Arbeiterschaft hielt eine eigene Versammlung ab, in der Landessaüptmmnstellvertreter Preußler die Notwendigkeit des Anschlußes besprach. Beide Versammlungen verliefen ohne jeden Zwrschrnfall. Die Verhandlungen Über Westungarn. Wie du „Politische Korrespondenz* erfährt, ist die Fortsetzung der lachmännüchen Verhandlungen über Weltungarn für dm 23. d. M. anberaumt worden. Die Verhandlungen finden in Wien statt. , Telegramme. Französische Meldungen Über Oberschlesten. Parts, 17. M-ai. (Havas.) Wenn die letzten Tage in Over,chlesien durch Ruhe gekennzeichnet waren, meldet bü& „Echo de Paris" dagegen, oaß die Zusammenziehung von Reichswehrtkuppen fortdauere. , Deutsche Soldaten oder Freiwillige überschreiten in kleinen Gruppen die Grenze. , „L2 Journal" berichtet, daß die interessierten Staaislanzleien ihre Delegierten in Oppeln aufgefordert haben, alle Anstrengungen zu Machen, um zu. einer einmütigen Regelung der Frage zu gelangen. Der italienische Delegierte habe bereits die von Frankreich vorgeschlagenen Grenzen, an ge nommen. Mit Bezug auf das bereits dementierte Gerücht, wonach General Levond Mit Korfanty üUf der Grundlage des Status quv einen Waffenstillstand abgeschlossen hätte, erklärt „Petit Parisien", daß die interalliierte Kommission und nichtLerond einen General beauftragt habe, sich, zu Korfanty zu begeben und ihn zur Unterwerfung aufzuforbern. Dieser habe gebeten, der Kommission gewisse Forderungen zu unterbreiten, die Übrigens nicht zugelassen worden seien. Der englische Standpunkt. London, 17. Mai. (Wolfs,) Das Reutersche Büteau erführt, die Haltung der britischen Regierung gegenüber dem Aufstande in Obetschlesien sei die des Festhaltens am Fair play gegen Polen und Deutschland, eine Haltung, die sich aus den Versailler Vertrag stütze. Großbritannien beabsichtige, loyal seine Verpflichtungen, auszuführen, könne aber keinen Versuch dulden, der Entscheidung des Obersten Rates durch Schaffung eines fäit accompli vorzugreifen. Der britische Standpunkt gegenüber der Frage der Teilung Oberschlesiens sei der vollständiger Unparteilichkeit. Die Haltung der deutschen Regierung werde als völlig korrekt angesehen, aber das dilatorische Verhalten der Polen, die es unterließen, die Grenze zu Beginn des Ausstandes zu schließen, werde als durchaus usbefriedigend angesehen. Die enMfche Regierung tmb die Ereignisse. Lv d n, 14. Mai. Md. Korr.-Bur.) Wie wir aus autoritativer Quelle erfahren, haben die antijüdischen Exzesse in Jaffa in keiner Weise die Haltung der englischen Regierung gegenüber dem Zionismus beeinflußt. Hohe Beamte vom Kolonialministerium erklären, daß der Entschluß der britischen Regierung, ein jüd ischnatro na les Heim in Palästina zu errichten, auf jeden Fall werde ausgeführt werden. „Haare')" Nber die Gesche^'tnffs in Jaffa.. London, 14. Mai. Md. Korr.-Bur.) Im „Hwarez" vom 2. Mai finden wir folgende Darstellung der Jaffaer Ereignisse: Heute (1. Mai) veranstalteten die M. P. S. I. (die kommunistischen Poale-Zion) eine Demonstration zu Ehren des' 1. Mai. Der Umzug bewegte sich durch die Straßen von Jaffa und erreichte Tel-Awiw. Bewaffnete Polizisten hielten die Ordnung aufrecht. Der Umzug ging) abgesehen von einer gewissen Erregung unter der jüdischen Bevölkerung gegen die M. P. S. I., die provokativ jüdische Lieder sangen, in Ruhe vor sich. Die M. P. S. I. versuchten auch im arabis chen Viertel einen Umzug zu veranstalten, um die Araber.zur Teilnahme an ihren Demonstrationen zu veranlassen. Die Araber beantworteten diese Einladung mit Schlägereien. Die Polizei schritt daraufhin ein. Eine zwischen Nwei-Schalom und Tel-Awiw plazierte Polizeiabteilung feuerte in die Luft, um Zusammenstößen vorzubeugen. - Die Keren Hajessod-Bewrgung in Amerika. New-York, 10. Mai. Md. Korr.-Bur.) In der jüdischen Gemeinde, in Brownville, Brooklyn, fand eine Kevm Häjessod-Verfammlung. statt, die unter großer Begeisterung der Anwesenden verlief. Dr. Weitzmann und andere Mitglieder der Delegation richteten an die Versammlung einen Appell für den Keren Hajessvd, dem die Anwesenden mit einer sofortigen Zeichnung von 100.006 Dollar beantworteten. Den hier vorliegenden Nachrichten züfolge laufen ununterbrochen beim Keren Hajessod-Komitee Zeichnungen ein. Bisher sind etwa 800.000 Dollar bereits eingezahlt worden. Hunger und Unruhen in Petersburg. London, 17. Mai. (Funkspruch.) Der Korrespondent der „Times" in Helsingsors meldet, daß in den letzten acht Tagen in Petersburg kein Brot mehr zur Verteilung gelangt sei. Gelegentlich einer religiösen Prozession sei es zn schweren Ruhestörungen gekommen, da die Teilnehmer an der Prozession die Zuschauer mit Gewalt zwangen, die Kopfbedeckung abzunehmen und nirdrrzuknien, Die zur Zerstreuung der erregten Menge eingesetzten Truppen seien mit Gewehrschüssen empfangen worden. unb hätten namhafte Verluste erlitten. Weißer Gewerkschaftskongreß in Ungarn. Budapest, 17. Mai. (Privat.) In den letzten Tagen haben die christlichsozialen Gewerkschaften ihren Landeskongreß abgehalten. Hiebei produzierte sich auch der Volkswohlfahrtsmmister Dr. B e r n o l a l als Nationalöksnom. Ec erklärte unter anderem, daß die yon ihm befolgte Politik nicht antikapitalistisch sei, denn ohne Kapital gebe es keine Produktion. Bei düsen Worten brach ein wahrer Sturm vonZwischenruse» aus. Die weißen Gewerk- . schastler riefen : «DaS jüdische Kapital", „Man muß eS dr« Juden - wegnrhmerr* usw. Dr, Bcrnolak schien sich, m diesem Ar« seht , ftttt gefallen, den« kan« war Anke er die Für Palästina-Reisende! Infolge eines zeitweiligen Landungsverbotes in Palästina mußten die in Wien etngetroffenen Palästina-Wanderer, aufgehalten werden. Es steht zu erwarten, daß schön in' nächster Zeit die Weiterbeförderung möglich sein wird, unb zwar in, erster Linie mit dem direkten Palästina-Dampfer ■ „Carniolr a". Zugleich wird auch dafür gesorgt werden, daß diejenigen Palästina-Fahrer, welche keinen, Plqtz mehr aus der „Carniolra" erlangen konnten, un gef ähr gleichzeitig mit einem anderen - Dampfer abreisen können.! 1 Die Palästina-Wanderer werden sowohl im Interesse , der allgemeinen Ordnung als auch in ihrem'eigenen Interesse . davor gewarnt, eigenmächtige Schritte zu unternehmen, da sie weder in Triest, wo sonst eine 21 tägige Quarantäne, J gilt, noch in Alexandrien, wo auch ein Landungsbexbot bestehtetwas erreichen können. Sie würden vielmehr Gefahr laufen, weitere unberechenbare Schwierigkeiten und Leidest durch eigenes Verschulden auf sich zu' labtzn. Insbesondere mögeni die PalästinaWanderer den gerüchtweise ausgetauchten SM*- dun gm über andere Be förberungsmöglich leiten keinen Glauben ‘ schenken. ,';.i Das Palästina-Amt wird vön den offiziellen Stellen^ fortlaufend über dm Stand dieser Angelegenheit informiert und weitere wichtige Mitteilungen werden den Palästina-^ Wanderern in geeigneter Weise rechtzeitig bekanntgegeben werden. Es ist selbstverständlich, daß wir" mit allen Kräften bemüht sind, eine rasche Wwderaufnähine der Palästina-Emigration herberzuführen. Das Palästina-Amt Wen. Vom Jüdischen NationaLfonds. Durch die von der Exekutive der Zronistrfcheu Orsamsativn und vom D.rcktorium des Jüdischen Nationalfonds in letzter Zeit befolgte Bodenpolitik fühlte sich Herr NeheMia deLreme^ welcher kürzlich als Mitglied der Exekutive zurückgetreten ist/ veranlaßt, nunmehr auch lein Amt a!S Governor und Manäging^ Direktor des Jüdischen Nationalfonds nicderzulegen. Bis zur Neuregelung durch die demnächst tagende Generalversammlung des Jüdischen Nationalionds wird er dem Hauptbureau im Haag mit keinem Rate bereüstehen. Der Gerichtshof zu Jerusalem hat > der dortigen Vertretung des Jüdischen Nationalfonps offiziell' mitgetcUt» daß dieser am LI. November 1920 als gemeinnützige G esellschaft registriert worden ist. Danach; ist der Zweck der Gesellschaft — Bodenkauf m Erez Israel und den Nachbarländern — aus dem Londoner Statut übernommen^ Aus Anlaß des Zionistenkongresies soll eine National-! f o n d s k v n f e r e n z stattfinden, die vier Tage vor Kongreß- . eröffnung beginnen wird. Nebst dem Nationalfondsdirektorium und den Sekretären des Hauptbureaus sollen Vertreter der Landeskoknmisfionen und deren leitende Sekretäre sowie Experten und andere Gäste an der Konferenz tcilnehmen. Ziöniftisches Landeskomitee für Oesterreich. Sonntag den 22. d. M.» um 10 Uhr vormittags, sprechen im W iener Komödienhaus, Wien, IX., Nußdorferstraße, die Herren Oberrabbiner Dr. H. P. C Hajes sowie Prof. F r e w d über „Die letzten Ereignisse In Palästina". Juden und Jüdinnen, erscheinet in Masten! Die Leiden der ukrainischen Flüchtlinge in Galizien. Aus Warschau wird unL geschrieben: Dem^ hiesigen ulrainischen Zentralhilfskomitee kam ein alarmierendes Telegramm aus Lemberg zu, laut welchem in P o d w o l o e z y s k a alle Juoen, die nicht polnische Bürger sind, auSgewiesen werden. Eine Delegation aus Podwoloczyska, welche zum Zwecke der Intervention für die jüdischen Flüchtlinge nach Warschau kam, teilte mit, daß am 6.d.M. dieAeldgendarmerie in PodvolohAsta Razzien in den Gaffen veranstaltete. Eine