Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 826 (15.5.1921)
- Date
- 1921-05-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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ome tr 1 ..... _ . wm, TvmmlT „ Mer sehr viel an Oesterreich' gesündigt worbe« «nd es scheint, daß man dies erst jetzt wirklich einzusehen beginnt. Wir wollen hofft», baß diese Erkenntnis sich ftoch vertieft und zu heilsamen Taten internationaler MoÜbaritüt für uns führen wird. Bor der Entscheidung über die Abstimmung in Salzburg. GalLb«rg, 14. Mai. Die Laude-regieruug hat sich unter b» Borfitz des ^andeSha«vmarmstkVvrrtretcrS Preußler d» Beisein -es Bundeskanzlers Dr. M a y t, -rS Bundes- «mrsterS des Innern Dr. R a m e k, tzo» Vertretern sämtlicher politisch« Klubs des Landes Kärutm m»d eines Vertreters des mrderösterreichischm Landtages mit den Bedmken. die seitens der Bundesregierung gegeudieAbhaltung derVolksadstimmnng über den Anschluß au Deutschland am SS. d. M. erhoben werden, in eingehender Weise befaßt.! Der Bundeskanzler legte die Gründe dar, auS ßem» die Bundesregierung sich im gegeuwärtlg« Zeltpunkt gegen Leilabkimmungen m den Ländern auSspreche» müsse. , Ueder Antrag des LaydeShauptmannstellvertreterS Dr.R e h r l ward« folgende Beschlüsse gefaßt: Dp» Salzburger Landtag ifi daß Borbrrng« des Bundeskanzlers und der Vertreter aus Kärnten ohne Stellungnahme mit dem Ersuchen zu übermitteln, dem BekwaltungS- und VerlassungSausschuß cm Einvernehmen «ü dem Anschlußausschuß zur Beratung darüber zuzüweisen, ob hiÄurch gegmüber der politischen Situation, in der der seinerzeitige Abstimmungsbeschluß gefaßt wurde, eine wesentliche Aeudernng erblickt werden müsse. Für den Fall der Besahnng dieser Anfrage wird der Landtag darüber Beschluß zu fass« haben, ob der Äbstimmüttgsbrschlnß ausrecht bleibt oder irgendeine andereManifestationan die Stelle der Abstimmung zu treten hätte. Dre Antrag: des LändesbaüptmannfiellvertkMS Wurden pnt Ausnahme der Stimme des LsudesratrS Eb^siopb ^großbeutsch) eiustimmig angenommen. l . -- - f ' Die Ko«fere«z dev Nachfolgestaaten. Abreise der österreichische» Delegation. Die Politische Korrespondenz schreibt: Die Verhandlungen der römisch» Konferenz der Nachfolgestaaten sind nach den ein-» leitenden Besprechungen unterbrochen worden, UM die Einholung von Detarlinsiruktion« der beteiligt« Regierungen zü «möglich«. Die Konferenz nimmt am Ist. d. M. ihre Arbeiten wieder auf. Die österreichische Delegati»«, die Montag abends Bach Rom fährt, besieht auS folgenden Teilnehmern: Vom BstNdrSmimsterium für Aeußeres Sektionschef Dr. Schüller mit begaiwaSselretär Schmid, vom Bundesministerium für Finanzen Ministerialrat Dr. Bartsch, Sektion-rar Dr. Egger, Sektionsrat Dr. Schönberger, vom Ministerium für 'Justiz Ministerialrat Dr. Walker, vom Bundesministerrm« für Jnuerrs Ministerialrat Dr. Ehnnzweig, Ministerialsekretär Dr. Matztr, Bekfichttungsrat Lkrvdranrk. Die Kuustasgelegenheitm vertritt Dr. Löhr. < --- ........ Die Sa«ier««g Oesterreichs. Genf, 18. Mai. (Schweizerische DepescheN-Agentur.) Der Zusammentritt der FinanzkomrüiisiöN des Völkerbundes». der in London für dm 20. d. Min Aussicht genommen war, ist auf d» 28. d. M. verschoben worden» Die Kommission wird den L«icht der drei Sachverständig« prüfen, die zum Studium der wirtschaftlich« und finanziellen Lage- Oesterreichs nach Wie» entsend ct wordeü waten. Wltn et Morgenzettriirg VersteiiermssBBt JllOTlEir Wien. 1. Dorotheerflasse 17. Tal, 9162, 291«. Gesamtelnrictitung Schloss Klessheitn Nachlass Erzherzog Ludwig Viktor III. Tel! Erste grosse Kunstauktion 250 Gemälde, Aquarelle und Miniaturen hervorragender österreichischer und ausländ. Meister. Silbervergoldetes Reiseservice von Bietmais in Paris, Geschenk des Kaisers Napoleon'an Maria Luise. Schreibzeug des Kaisers Napoleon mit Bildnisminiatur von Isabay. Prachtvolles Kunstmobiliar des 17. bis 18. Jahrhunderts (darunter prächtige Vieuxlaque-Arbeiten). , Eine grosse Sammlung Keramik besonders Delft, Alt-Wien, Meissen, Nymphenburg, Frankenthal, Alt'Japan und Alt-China. Sieben grosse Gobelins des 16. bis 18. Jahrhunderts. Grosse Dosensammlung, Marmorskulpturen Bijoux, alte chinesische Porzellane, darunter viele Stucke aus der kgl. Porzellansammlung in Dresden. Chinesische Seidenteppiche, seltene Japonika. AUS STELLUNG! von Sonntag den 22. Mal bis Samstag den 28. Mai von 10—5 Uhr und Sonntag deh 29. Mai von 10—1 Uhr. VERSTEIGERUNG: von Montag den 30. Mai bis Freitag den 3. Juni ab 3 Uhr in den Kunstauktionssälen. Subskriptionen für den mit zirka 100 Lichtdrucktafeln ausgestatteten, in einer Auflage von 600 numerierten Exemplaren erscheinenden Katalog zum Preise, von K 500 werden von der Kunstabteilung entgegengenommen. Bezug nur bei rechtzeitiger Anmeldung. ss Portugal ratifiziert den österreichische» Friedensvertrag. Lissabon» 14. Mai- (Havas.) Die Abgevrdnetmk immer hat deii'Fnedensvertrag mit Oesterreich ratifiziert. Die Äesoldung^ordnnng. Wie der Konespondmz Herczvg meldet, erfolgt fonmi.sutu Donnerstag dm 19. d. M. die KonstitUleruntz des aus den Beamtenorganisation« zusammengesetzten BrnatrS zur Vorberatung der Besoldungsordnung. Der Beirat wird seine Arbeiten am 28. d. M. ausnehmend Verhaftung eines Kommuuistenführers. Graz, 14. Mai. (Privat.) Die Polizei verhaftete gestern den Kommunistenführer Friedrich Markus, der feit einiger Zeit in den steirischen Kohlenrevieren Propaganda betrüben hat Die Verhaftung wird mit den Vorgang« in Kapfenberg m Zusammenhang gebracht. 1Z7AA 1921^> ' * Rr. 826X Telegramme. Die Einwattderungsbill in Amerika. Washington, 13. Mai. (Reuter.) Senat und, Repräsentantenhaus stimmten dem Ausschüßbericht über das Gesetz zu, das zur Beschränkung der Ein«, Wanderung dienen soll. Das Gesetz wird nun bem; Präsidenten vorleget werden. Die irländische» Parlamente. Luudou, 14. Mai. (Rätter.) Heute erfolgte die Nominierung der Kandidat« für die beide« irländisch« Parlamente. Für das Südparlament sind mit Ausnahme der Dubliner Universität, die Antisinnfriner-Kandidaten ausgestellt hat, nur Sin»«-, fciner-Kandidar« namhaft gemacht ward«. Die Mitglieder der alten natiouallstlschm Partei Hab« kerne Kandidat« aufgestellt. > Für daSnordirländ ifche Parlament kandidiere»! in mehr«« Wahlkreisen Nationalisten »nd Sinnfeiner. Eine Niederlage der französischen Extremisten. Pari«, 14. Mai. Das Ergebnis der gestrigen Abstimmung des Ausschusses des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes wird als Niederlage der Extremisten betrachtet, die den gesamten Vorstand und insbesondere Jouhaux zu stürzen gedachten. Es sollte ein entscheidender Schlag gegen die Mehrheit geführt werden. Der allgemeine Kongreß, der ursprünglich für September vorgesehen war, wird schon in der zweiten Iuliwoche stattfinden und die definitive Entscheidung bringen. Die jugoslawische Verfassung. Der Regierungsrntwurf angenommen. Belgrad, 14. Mai. (Pretzbureau.) In der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung sprach Unterrrchtsminsster P r i b i ö e v i c gegen die Annahme der von oppositionellen Parteien vorgelegten Verfassungsentwürfe, worin Autonomie oder Föderation vorgeschlagen wirb. Der Ministerpräsident trat für den! Äegiettmgsentrvurf ein und betonte, .in diesem feil zwar die Staatse i n h e i t vorgesehen, aber keine ZentraWerung. Hieraus wurde der Verfassungsentwurs der Regierung in namentlicher Abstimmung mit 22 7 gegen 93 Stimmen als Gmndlage für die Spezialdebatte angenommen. Das Ergebnis der Abstimmung wurde mtt großem Beifall ausgenommen. Gegen den Regierungsentwurf stimmten der jugoslawische Klub, die Kommunisten, die Sozialisten und der Unabhängige Trumbic, für ihn die Demokraten, die Radikalen, die Bauernpartei und die Muselmanen. Die polnisch-litauischen Verhandlungen in Brüssel. »raka«, 14. Mm. <Privat.) ^Nowa Nefvnna" mlldttZ aus Warschau: In der Sitzung der polmsch-lttauischen Konfer«z r in Brüssel hielt der Vorsitzende der litauisch« Delegation ein ausführliches ExposS über die lttauisch« Poflulatr. In der! Erwiderung erklärte der polnische Delegiert«, Professor A s chk e« a s e, daß die vom Vorsitzenden der titanischen Delegation! gemacht«, das Meritoriv« der Frage betreffende« Vorschläge, stk die Pol« vollständig unannehmbar serc» Beinste englisi in der Stadtrestenmesse nur %Oeikburggasse TO bis 12 1050 Büchners „Dantons Tod". 2»» erste« Male ar»fgef»hrt i« Deutsche« Bolkstheater am 14. Mai. Schon in der ersten Szene fühlt nran: bas Werk ßknes Genies. Man unterbricht die Lektüre und sammelt sich, denn die Dichtkunst der Zeitgenossen und ihrer unmittelbaren Vorfahren, Hauptmann und Ibsen mitinbejgrisftn, ist nur laues Flackern im Vergleich zu dieser stufschießenden Flamme. An Shakespeäre hat sich dieser tzüngling gebildet, und hätte nicht die Tücke des Schicksals den Vierundzwanzigjährigeu ftrtgerafst — er wäre wohl der. deutsche Shakespeare geworden. Heimlich am Seziertisch arbeitend, schleuderte der Student dieses Szenenbündel aus sich hinaus, und doch ist die Sprache gehämmert, jeder Satz gesammelt und saftig und fast jglle Gestalten sind von genialer Plastik.! Danton: In den ersten Worten, die er zu seiner Etottfct spricht, steht er ganz vor uns. Fertig mit dieser Mit, nur mehr dem Duft ihrer Schönheit ergeben, lebenssatt, aber noch trunken vom Weibe, träge, auch wenn das Fallbeil droht. Könnte mit einer Rede den Döbel wiHer in die Faust kriegen, aber wozu auch nur den Finger rühren? ,Mas liegt daran? Es ist recht gut, daß die Lebenszeit ein wenig reduziert wird; her Rock war zu lang, unsere Glieder konnten ihn nicht vusfüllen. Das Leben wird ein Epigramm, bas geht pn; wer hat auch Atem und Geist genug für ein Epos Ü« sünzig oder sechzig Gesängen^ Lacroix kann von diesem Danton sage«: „Nichts als Faulheit! Er will sich lieber guillotinieren lassen als eine Rede haltend Vor dem Revolutioustrib unal reizt es ihn nochmals, die Macht seiner ■ Persönlichkeit aufs Volk wirLn zu lassen und seine Richter erbeben zu machen: „Ihr wollt «pd sie werft« euch Köpft. Mul Mr dürWt und sie machen euch bas Blut von den Stuft» der Guillotine lecken!" Geflügelte Worte für die Menge. Ern Revolutiönchen gegen die Herren der Revolution bricht los. Aber Danton weiß wohl selbst, daß es nur eine Augenblicksstimmung des Bolkshaufens und daß er verloren ist. Er kennt den Mob. Bewahrt Haltung noch an den Stufen des Blutgerüstes und überantwortet sich lächelnd „seinem besten Arzt, dem Fallbeil". Rvbespierre: Tugendhafter Schulfuchs, einwandfreier Streber,, genußfeindlicher, bienenfleißiger Arbeiter. Gönnt sich nichts, wenn er nur das eine hat — die Macht. Enger Gesichtskreis. Aber soweit dieses kalte, graue» nimmermüde Auge reicht, ist er Alleinherrscher. Die beiden unvergleichlichen Rüden, die wir zu hören bekommen, zeigen ihn auf der Höhe. Unfehlbare Geste des Tyrannen von antikem asiatischen Format, dem Todgeweihte die Füße lecken. „Die Wafft der Republik ist der Schrecken, die Kraft der Republik ist die Tugend — die Tugend, weil ohne sie der Schrecken verderblich — der Schrecken, weil ohne ihn die Tugetü» ohnmächtig ist." Hat es nicht nötig, demagogisch zu sein, der JBfottmessiaS", von dem Danton sagt, daß feine Rede» Bretter für die Guillotine hobeln. Dieser Flagellant, her bei keinem Weibe schläft und spartanisch Mt, erhält mit der Maxime: jbie Tugend muß durch Schrecken herrschen, um das Laster zu besiegen", bas Fallbeil m ständiger Tätigkeit. Mit seiner Geisel treibt er alle zu Paare». Den wankenden Nationalkonveut macht er mit diesem mesftrscharftn Satz gefügig^. „Wer in diesem Augenblick zittert, ist schuldig. Denn nie zittert die Unschuld vor der Hfftntlichen Wachsamkeit." Und es ist Größe i« diesem beschränkte«, bestialische» Mörder. I« Augenblicken überfällt ihn die Rot des Alleinseins. Dann überwindet er sie mit dem Hochgefühl der Seu- Nj»g Wch bHatzt; das. SchMpHvoß^ das Dmrams Freunde beigelegt haben: „Jawohl, Murmessias, der opftrt und nicht gbopftrt wirb. Er hat sie Mit ftinem Blüte «erlöst, ich erlöse sie mit ihrem eigenen. Er hat sie sündigen gemacht, ich nehme die Sünde auf mich.'. Ge hat die Wollust des Schmerzes, ich habe die Qual , des Henkers. Der hat sich mehr verleugnet? Ich oder / er?" . . . , - n ■ Mben diesen zwei grandiosen Mstaltungen eine FWe van Nebenfiguren. Bor allem St. Juft^ Nobespierres furchtbares Echo, und Uamilft, Dantons wohlklingendes Echo. Was er in der Nacht vor.der/, Hinrichtung von seiner Geliebten spricht, sei als Kost-' probe Büchnerscher Poesie hiehergefttzt: „Sie können j die Hände nicht an sie legen ... Siehtz,. die Erde, würde nicht wagen, 'sie zu verschütten, sw würde sich!j um sie wölben, der Grabdunst würde wie Tau an-s ihren Wimper« funkeln, Kristalle würden wie Blumen^ um ihre Glieder sprießen und helle Quellen in Schlafi sie murmeln." Und Marion, die ErosfaÄel, in purpurnen, Lüsten verlohend, Simou, das besoffene Revolution^ faktotmu« Lneile, die blorcke, deutsche Klärchensigur des!' StLckeum» müßte bis zu de« Arifttwu hinam die Liste der Personen durchgehen. i Ein Zweinndzwanzigjähriger hat dieses vollendet« Szenenbündel aus sich hinausgeschleubert. Dann bezwang ihn das Nervensieber. Das Schicksal war ixt1 diesem Falle ft grausam, urch unerbittlich, wie die! Guillotine am Pariftr Rcvvlutionsplatz. Es raubte^ Deutschland am 19. Februar 1887 einen ftiner größten Söhne, einen weltweisen Jüngling mit abgrundtiefer Seele. > Im Deutsche« BvMtheawr werbe« «ich't albe Szenen gespielt, aber doch' die wichtigste« und in glücklicher Auswahl. Direktor Bernau bringt die Dichtung, fr TfrlpwmmA DiaK HM der. Dextj