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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-14 · Heft 825 (14.5.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 825 (14.5.1921)
Date
1921-05-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 825 Wien, Samstag Wisn'er Mörgenzeitung 14 Mai 1921 Serie 3\ Ab 1. Jmli wird beispielsweise eine Fahrkarte Ul. Klaffe Personrnzug kosten: Auf der Strecke Wien—Amstetten R 96, bisher 8 46.80; Wien-BuchS K 473, bisher K 284.90; Wren-Salzburg K 228, bisher K 113.40. Die gleiche Erhöhung wird auch die Monats- und Strecken karten treffen. Eine gewöhnliche Monats-! streckenkarte bis lO km wird K 136, bisher K 63. dH 20 km K 332, bisher K 108, kosten. Auch die Preistacife für ermäßigte Streckenkarten für Arbeiter und Angestellte wurden erhöht, und zwar werde» diese Karten kosten: Bis 8 km K 16, bisher k 5.20 bis L 6.50, für 20 km K 39, bisher K 13.50, bis 40 km K 43, bisher K 20.70. Npr bei Schülermonatskarten Hürde über eine 5O°/,ige Erhöhung nicht hinauSgegangen. Tagesbericht. 1000 Palästina-Emigranten in größter Not. Sin Appell an ine jüdische Ocffentllchkieit. ' Durch unvorhergesehene Ereignisse mußte zeitweilig der nach Erez Israel gerichtete Auswandererstrom aufgehalten werden. Ein vorübergehendes Landungsverbvt in Palästina, offenbar die Folge der jüngsten, traurigen Vorfälle in Jaffa, brachte die unerwartete/Stockung in der Palästina-Emigration. Die für den ersten direkten Palästina-Dampfer „Earniolia" bestimmten Emigranten wurden unterwegs von dieser tieseingreifenden Maßnah nre überrascht und müssen in Wien bis zur Klärung der Lage Aufenthalt nehmen. Zu diesem, etwa 800 Personen zählenden Transport gesellt sich eine Anzahl schon früher hier eingetvoffener Palästina-Fahrer, so daß wir uns plötzlich vor die Aufgabe gestellt sehen, fast 1000 Emigranten Unterkunft und Verpflegung zu besorgen. ' Die verhältnismäßig geringfügigen Mittel unseres Fürsorge Komitees sind bereits durch die Hilfeleistung in den ersten Dagen völlig erschöpft. Es gilt nun, unseren Brüdern; welche zum großen Teile aus der ukrainischen Hölle entronnen sind/ auf der unfreiwilligen Zwischenftaiion die primitivste LebensmöFlichkeit zu bieten. ' Dazu brauchen wir die Mitarbeit aller Juden ohne Unterschied ihrer Parteirichtung. Wir brauchen Millionen, mn die aller Mittel entblößten' 1000 Emigranten, darunter Frauen und Säuglinge, menschenwürdig unterzubringen, zu verpflegen, und im gegebenen Moment mit Reisezuschüssen zu versehen. Jeder Jude tue sein Möglichstes! Jeder sende Gelb oder verpflichte sich, einen Emigranten oder eine Emigrantin für die kurze Zeitin 'sein Haus aufzunehmen. Denn derzeit wohnen 350 Menschen im städtischen Asyl und Werkhaus, Wien, 10. Bezirk, Zenzüachergasse 3, was eine t ägliche Auslage von 28.O0O Kronen allein für Unterkunft bedeutet, und der Rest wohnt im Ewigrantenheim in der Rossauerkaserne, das derart überfüllt ist, daß ' die Emigranten schichtweise bei Tag und Nacht schlafen. Dazu kommt die Ausgabe für Verpflegung im Betrage von 60.000 Kronen täglich. Es ist eine Katastrophe, die zu. wildern, eine Judenstadt von 300.000 Seelen wie Wien unbedingt den Mut und die Mittel aufbringen muß. . / Palästi na-Amt Fürsorgestelle für jüdische Emigranten. Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Geldspenden werden, bei obiger sowie hei folgenden Stellen entgegengenommen: Hauptbureau .des Palästina-Amtes, 1. Dezirk, Bauernmarkt 24; Doktor Leopold Sofer, 1. Bezirk- Kohlmarkt 10; Oskar Rosner, 9/ Bezirk, Lackietexgasse 9; „Wiener Morgenzeitung", 2. Bezirk, Daborstraße 1—3; Allgemeine Depositenbank, Filiale Daborstraße. Die DeKLmpfung der Tuberkulose in Wien. Der Wiener Jndustrullenverbänd hat ün seine Mitglieder .men Aufruf rrlaffen, in dem «nter anderem gesagt wird: „Die Wiener Krankheit, die Tuberkulose, hat unter den Wirkungen und Nachwirkungen btö Krieges neuerlich an Ausbreitung gewonnen. Während des Jahres 1918 starben daran rund 1000 Personen monatlich. Seither ist wohl eine kleine Befferung zu verzeichnen, immerhin ist aber die Hahl der Opfer auch noch heute eine erschreckende. Wien besitzt 14 Fürsorgestellen für Tuberkulöse, doch die Schar der Hilfesuchenden ist ,ut groß, um jedem die notwendige' Hilfe dringen zu können. In richtiger ErkenntnsS, daß diese Fürsorgestellen eine um vieles größere HilsSmannschast benötigen, hat die eüglischnmerikanische Gesellschaft der Freunde sich bereit erklärt, in Form Letzte NachVichtm. Lloyd George über Oberschlesien. Scharfe Stellungnahme gegen Polen. London,.13. Mai. (Wolfs.) Lloyd George erklärte im Unterhause, die Alliierten müßten darauf bestehen, daß der F r i e d e n s v e r t r a g geachtet werde. Er erklärte weiters, zu behaupten, daß solche Truppen, wie sie Deutschland habe, zur Teilnahme an der Wiederherstellung der Ordnung nicht zugelassen werden dürfen,seiunfair (Beifall). Fair play, sagte Lloyd George, ist dgs, wofür England eintritt und ich hoffe, daß England, dafür bis zum Ende eintreten wird. Ich hoffe auch, daß, obwohl es sich um Deutsche handelt, wir immer zeigen werden, daß wir für fair play eintreten und daß mir unsere Autorität in Europa in immer steigendem Maße dafür einsetzen werden. Daß den Polen gestattet sein soll, in Verachtung des Friedensvertrages, O b e r f ch l e f i e n , wegzunehmen und daß es den Deutschen nicht gestattet sein soll, sich in einer Provinz zu verteidigen, die ihnen 200 Jahre gehört hat und die 600 Jahre gewiß nicht polnisch war, wäre entehrend und u n- .wert der Ehre jedes Landes Lloyd George sei überzeugt, daß die Haltung der Alliierten nicht derartig sein werde. Das einzige, was er im Namen der Regierung zu sagen wünsche, sei, daß, was auch immer sich ereignen möge, sie ein fait accompli nicht anerkennen könnte. (Beifall.) einer Kromn-fm-Klönen-Spende zur Erweiterung der Tuberlulosen-Fürforgestelle.n bis zum HachstauSmaße von drei. Millionen Kronen soviel beizutragen, als dir Bevölkerung Wiens aus eigener Sammelräiigkeit aufbringt. Es handelt sich also darum, daß die Opserwilligkeit der eigenen Bürger hier eingrcift unb: damit zugleich .die Voraussetzung für eine ebensolche Zuwendung aus ausländischen Mitteln schafft. Es darf erwartet werden, daß die Jndustne auch bereit sein wird, für die Erhaltung der allgemeinen Gesundheü nulzüwirkrn. Demgemäß richten wir an unsere Mitglieder die Bitte, jenes dankenswerte Werk der Menschlichkeit durch ihre Spenden zu Unterstützen. Auch möchten wir empfehlen, der Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe von der Aknott Kenntnis zu geben, um ihr, falls sie ihrerseits dazu beitragen will, hiezu Gelegenheit zn bieten. Wir sind gerne bereit, Beiträge der Mitglieder eutgegenzunehmen ynd sie ihrer Bestimmung zMführen. ,Spenden sind zu richten an die Zenlralsparkasse der Gemeinde Wien, Tuber Kilo stu-Fm sorgkfonds' Der Tabakwncher. Die vor wenigen Tagen vollzogene FestuahM der unser Führung des Händlers und Hoteliers.Re i s stehenden Ärbakschleichhändlerbande hat einiges Licht in die Geschäftsusancenunserer Dabakregie geworfenderen Tätigkeit schon längst die ehrfurchtsvolle Bewunderung aller Schleichhändler erregt hat- Man hat erfahren, daß die Bande den Tabak mit Erlaubnis des UerarZ für das Wrar bezog, und . die Fertigprodukte, die für das Ausland bestimmt sein sollten, im Inland durch Kellner , und andere Zwischenhändler verhökerte. Der Generaldirektor S ch e uch.e n st u e l hat gestern in der Pressekonferenz eine. Reinwaschung versucht und aus sich selbst ein Loblied gesungen. Es -ist,' wie er sagt, nicht wahr, daß die Tabakregie die Kniffe der Händler kannte — was umso ärger ist daß ein großer Teil der Dabakerzeugung verschwunden ist, daß der Staat geschädigt sei und so weiter. Tatsache ist, daß die Rauchexkarte nicht oder, nur mangelhaft honoriert wird, daß die freigegebenen Sorten im Verkehr nicht zu sehen sind, und daß man in allen Cafös, bei jedem, Kellner Tabakfabrrkate zu „angemessenen" Preisen erhalten kann. Mit dem Tabakmonopol, einem wirklich! tragfähigem Aktivum des Staates, wirb Schindlüder getrieben und daran verdient jeder Gauner, nur nicht der durch Herrn Scheuchenstuel repräsentierte Staat. Daß unsere antisemitische Presse sich mit Triumphgeheul auf die angeblich jüdischen Namen der Verhafteten stürzt, ist' selbstverständlich'. Wir wollen aber das vBilb durch' die Mitteilung ergänzen, daß unter .den Festgenommenen sich eine'Menge von Markthelsern, Kutschern und ähnlichen Herren befindet, die zur Religion der „Reichspöst" und und zur Nation der „Tageszeitung" gehören. Wir knüpfen daran keine weiteren Schlüsse, möchten aber doch betonen, daß unter den Angestellten Und Leitern des Tabakdienstes ausschließlich Nichtjuden ihre für die Allgemeinheit so segensreiche Tätigkeit entfalten. Die Kohlenkrise. ] '' Netzer die derzeitige Lage unserer Kohlenverserguug in der gestrigen Pressekonferenz Hofrat Kr. Kloß unters . anderem nachstehendes mit: . \ Durch die oberschlesischen Vorfälle sind seit 1. MaH die Zuschübe aus dem Kohlengebiet für Oesterreich voll«! kommen aus geblieben. Sie betrugen verembarungs»! gemäß im Monat - 801X000 Donnen. - Ber einer län< geren Dauer des Streiks würde die österreichische Kohlen-- Wirtschaft sehr schtver gefährdet werden, doch' liegen Nach<^ richten vor, daß nach Pfingsten die Förderung . in Ob erschlesien wieder äufg'e lto-mittch werde»' soll, und ich habe mich sofort mit den. maßgebenden Stellest.- ins Einvernehmen gesetzt, damit Oesterreichaus der oberinschlesischen Produktion wieder beliefert werde. Sehr störend'. wirken auch die Streiks in Köflach und G.rünbach auf ujtjtere; Kohlenversorgung. . ■ Die in Paris geführten Verhandlungen tpeßfn der deml Bundeskanzler zu gesagten Saar kohle sind dadurch -für! die österreichische Kohlenwirtschaft von unterg^rdneter Bedeutung geworden, weil die Saarkohlendirektion br^se Kohle nurdurch eine private Vermittln»g-'an Oesterreich zum Preise von 100 Francs lieferir wUü , Diese K-öhle würbe - sich also' teurer stellen als die oberschlesischö Kohle in Wien und die Berechnungen - dev Kohienwirb-- schaft über den Haufen Wersen. Der ursprüngliche Plan, mit der französischen Saarkohle die westlichen Gebiete bis Linz mit Eisenbahn- und Jndustriekohle zu versorgen, mußte daher! fallen .gelassen werden/ weil weder der Eisenbahnbetrieb noch', die Mehrzahl der Industrien so teure Kohle vertragen. Es wurde der Ausweg gewählt, daß die fr an zö siche Saar» > kohle als Ex ko n tin gent ko h le ebenso wie die eng»: lische, holländische und amerikanische nach -Oesterreich gelangen kann. Sie wird aber natürlich nur von solchen Industrien?- bezogen werden, deren Produkts wertvoll genug find, um ein, - so teures Betriebsmittel anschaffen zu können. Äib ameri^," kanische Kohle stellt sich derzeit bis' Triest auf ' 11 bis!: 12 Dollar, so daß die Saarkohle ab Grube mit 100.Francs/' zu teuer ist. __ Die burgarischen Jrrden für Palästina., Einem Briese des nach Bulgarien entsandten Bevoll-j mächsigten der- Keren Hajessod-Zentrale in London, entnehmen wir folgenden Passus: «Ich habe bereits! aus Philippopel berichtet, daß meine Tournee durch! die Provinzstädte "Bulgariens einem Triümphzüg glich/ Niemals werde ich vergessen, was i<ch in H äsno ro\ erlebte. Mein Besuch schien ein nationales Fest gu; fein. Bei meiner Ankunft wurden die Läden geschlossen,, und die ganze Bevölkerung eilte in die Synagoge, wo! die Versammlung stattfand. Am Wege wären dies Schulkinder! ausgestellt, sämtliche Rabbin«^ 'MBtahts' waren anwesend, der Oberrabbiner im vollen Hrnäk! ' begrüßte mich in herzlichster und feierlichster Weise. Nach!! Beendigung meiner Rede erhob sich der Oberrabbiner: 'und leistete den Schwur auf den Aron Kaudesch, daß kein Jude und keine Jüdin in Hasnow sich der Ent-f richtung des M a a s s e r entziehen werde. Die Be-i geisterung der Bevölkerung war unbeschreiblich; die! Lrute gaben mehr, als man von ihnen erwartete.! Selten in meinem Leben sah sch eine Zuhörerschaft in;' einem solchen Grade erschüttert beim Anhören des! Berichtes über das ukrainische Elend und in. eine solche Begeisterung für Erez Israel und besonders fusj die Arbeit der Chaluzim versetzt." (Ziko.) Die Frage des SommeraufenthaltLs.! In der gestrigen Pressekonferenz führte Mini-!' sterialrat Dr. Dorning«r unter anderem aus: Die Grundlage für die Regelung des Reiseverkehrs bildete! ein Entwurf, der gestern im Hauptausschusse nichts! akzeptiert und zurückgestellt wurde. Schon nach dieseist- Entwurse wäre eine bedeutende Erleichterung des Reise--j Verkehrs eingetreten; vor allem wurde die Aushebung des Paßzwanges, vorgesehen und ein größerer Spiels raum für die Einreise- und AufenthaltsbewilligungeW in den Ländern gelassen. Fast überall werden di^ - Fremden und Touristen Heuer prit Mietzinsabga-i b e n zu rechnen haben, die in. den einzelnen Ländern;! 20 bis 440 Prozent betragen werden. Einzelne Landers beabsichtigen auch die Einführung einer Kopfsteuer für Fremde und kursieren diesbezüglich ganz un--, glaubliche phantastische Gerüchte; so soll an einem öfter-.' reichischen See nicht.weniger als 100 Kronen per: Dag von jedem Fremhen als Kopfsteuer eingehobeu werden. Es ist jedoch, kaum anzunehmen, daß diese Pläne verwirklicht werden könnten. Eine Art vouz Frsmdenbesteuerung soll in Tirol eingeführt werden! . durch die Ausgaben von Reiseschecks. Nieders ö st e r r e i ch wird das -große Becken sein, Pas ' 'da^ - Gros der Wiener im heurigen Sommer aufnehmen! wird; hier wird es keinerlei EinreiseschwierigkeiteH geben. Oberö st erreich plant zumürdestens die E i führung einer einschneidenden Mietzinsabgabe, wenn; HEUTE 7 ühr abende RestHche Karten an der Konzerthauskassa und bis5 Uhr in der ,, Wiener Moräen» zeitung“,!!., Taborstrasse 1—3 7080

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