Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-05-14 · Heft 825 (14.5.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 825 (14.5.1921)
Date
1921-05-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979904--07573-2993637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

rtw I..., - .1.1. ■■....«■»—i »rr»-.,. . .. ImoR auch in diesem Meer des Elends fischen und daß man die Not aller Wett ausnützen kann.!Ste leben von der Planlosigkeit der Friedensstifter und hatten dieser ihre Politik der vollzogenen Tatsachen entgegen. _ ©er Arbeiterstreik Itt England. v Man schreibt uns aus LondoE: Die Ausland sbewegung der englischen Bergarbeiter verschärft sich zusehends und alle Hoffnungen, die 'man, bisher auf die Intervention der Regierung setzte, jfinb unerfüllt geblieben. Die Spannung hat durch den Beschluß der Arbeiter von Glasgow, die Verladung!jeglicher Art von Kohle, auch der für Eisenbahnen und öffentliche Arbeiten aller Art bestimmten, zu verhindern, während der Boykott bisher nur der für di6 private Industrie bestimmten Kohle galt, eine bedeutende Erhöhung erfahren und dteEisenbahner unterstützen die Bewegung, indem sie sich weigern, die Kohlenwagen zu befördern und Kohlenzüge durchzulassen, wodurch die Arbeit in den 'Docks vollständig verhindert wird. Auch in London selbst macht sich be eit-Z hie Weigerung, die auf der Themse ans dem Ausland aingelangte Kohle, zu verladen, fühlbar. Die verschiedenen Arbeiter verbände haben diese Boykottentscheidung tzanz spontan getroffen, ohne sich vorher .mit ihren Organisationen ins Einvernehmen zu setzen. Nach einer Meldung des Reuterscheu Bureaus hat der ausführende Ausschuß des Verbandes der Lokomotivführer und Heizer die Mitglieder des Verbandes »»gewiesen, Züge mit Streikb reche rkohle, das heißt Kohle, die durch nichtgewerkschaftliche Arbeiter verladen wird, nicht zu führen. Wenn die Mitglieder wegen ihrer Weigerung bestraft würden, werde der Vusführende Ausschuß sie bis zum äußersten untersstütze», nötigenfalls sogar durch eine Streifer klä- Ilung. Die Nachwirkungen dieser Bewegung lasseü sich kn der gesamten englischen Industrie bereits sehr stark verspüren. Die Zahl der Beschäftigungslosen pder mit reduzierter Arbeitszeit Tätigen hat bereits die Höhe von fünf Millionen erreicht, Industrie und Handel sind gelähmt, und die meisten Firmen haben ihre Reisenden heimberufen. Der Eisenbahnverkehr ist ständigen Einschränkungen unterworfen, so daß die Regierung «m das Publikum die Aufforderung richten mußte, Pfingstreisen tunlichst zu vermeiden. Die Theater müsse» früher schließen und die Londoner Blätter müssen mit der Drucklegung um einige Stunden früher beginnen -jals gewöhnlich. Es besteht überdies die Gefahr, daß auch' etliche Schiffahrtsgesellschaften den Verkehr werben einstellen müssen.? Wie groß die Gärung ist, beweisen die Fälle, kn denen Reservisten mit den Streikenden gemeinsame! Sache machen. So hat in den bedeutenden Militärj lager Alderfhot eine Gruppe, von Soldaten die Fenster ber Omnibusse zertrümmert und eine zweite Reservisten gruppe entfaltete eine rote Fahne unter Hochrufen auf den Bolschewismus. Die Reservisten sind ungehalten darüber, baß sie unter den Waffen zurückgehalten werden und sind so der revolutionären Propaganda leichter zugänglich. Die Londoner Polizei ist in das Hauptquartier der Kommunisten eingedrungen und hat verschiedene Dokumente sowie die Z^rsse beschlagnahmt Und den Leiter der kommunistischen Bewegung, In kl in, verhaftet, weil er ein revolutionäres Flug-* blatt veröffentlicht haben soll. Unter anderem wurde buch' eine kleine Urne konfisziert, welche angeblich die Asche von Nos «Luxemburg enthält, die auf irgendwelche Weise nach London gekommen sein soll. U Naturgemäß wächst die Gärung unter den streien Arbeitern, je weiter sich die Lösung der Frage!hinauszieht. Der Regierung bereitet die Angelegenheit jedenfalls nicht geringe Sorge und man berät über die Maßnahmen, welche geeignet sein könnten, bcks Land vor weiteren Erschütterungen zu bewahren und den Maßnahmen ber Streikenden mit Gegenmaßnahmen, fofc etwa der Nequierung sämtlicher Transportmittel, HU begegnen. _ Politifche^undschau. Der frühere «ugarische Landes» . verteidignugsmiatster über die Inden 1« der Armee. Aus Budapest wird «ns berichtet: Der frühere ^andesverteidigungsminlster, Abgeordneter Stephan S re te r. hielt letzten Dienstag in bxr Nationalversammlung eine viel beachtete Rede, ln welcher er sich gegen jedwede Polftik in ber Armee auSsprach. Am Schluss« seiner Ausführungen sagte Abgeordneter störe terr „Ich sollte mich nun auch mit derJudenfrage in chrer besonderen Rücksicht auf die Armee beschäftigen. Zu diesem Behufs bin ich schon seit Wochen daran, bas Material zu sammeln. Ich bin aber mit «einer Arbeit noch nicht fertig, nab so wünsche ich nur, in aller Kürze festzustellen, daß di« Judenfrage im Rahmen der Armee nicht nach der Schablone geregelt werden darf. Ist rcr-Sienst ber Juden für die Anne« förderlich, so mögen sie dienen. Entsprechen sie «icht, so müsse« wir uns über allehinwegsetzen und Eie Inden aus der Armee entfernen." Man kann Meuer Morgewzettiens fe Mai 1021** malige ungarische Landesverteidigungsminister, ber im Kriege so oft Gelegenheit fand, jüdische Soldaten und Offiziere zu beloben, komme»-wich. Da« ««garische Geschäftschristentam. .Aus Budapest wich uns berichtet: Die Ber» christlichung des ungarischen Handels, wie sie von christlichnationaler Seite angestvebt und zum Teile auch bereits durchgeführt ist, zeitigt bereits recht erbauliche Früchte. Die auf christlichnationaler Grundlage ins Leben gerufenen Genossenschaften und Handelsgesellschaften brechen eine nach der anderen wegen ber Mißwirtschaft und der Unterschleife der führenden Beamten zusammen. Zum großen Teile werden diese Zusammenbrüche vertuscht, iüdem mit den Geschädigten Ausgleiche getroffen werden. In manchen Fällen jedoch nehmen die Malversationen einen solchen Umfang an, daß dje Polizei und die Gerichte sich mit ihnen, wenn auch wider Willen, öffentlich beschäftigen müssen. In diesen Fällen haben all die glaubensseligen Kommittenten, die ihr Geld diesen Gesellschaften anvertrauten, das Nachsehen urü» rennen zu Gericht. So ist es auch den vielen Mitgliedern und Kunden der christlichen Einfuhr- und Handelsakti engesellschaft in Budapest ergangen. Diese Gesellschaft eine Gründung der christlichnationalen Partei, die ihr Entstehen dem damaligen Ministerpräsidenten Friedrich und dem Pogromminister Karl Ereki,! damals Dolksernährungsminister, verdankt, hat sich in j letzterer Zeit hauptsächlich mit dem Holz- und Kohlenhandel befaßt. Die Besteller mußten die Beträge für die bestellten Waren im voraus erlegen, erhielten jedoch trotz mehrfacher Urgenzen weder Ware noch ihr Geld zurück. Die Betrugsanzeigen gegen diese Gesellschaft, an deren Spitze der Direktor Johann Roman steht, belaufen sich auf mehrere hundert und wie die ersten Untersuchungen ergaben, beträgt der Schaden, den die leichtgläubigen Anhänger des christlichnationalen Handels erleiden, mehrere Millionen Kronen. Unter den Beschädigten figurieren auch, wie der Polizeibericht feststellt, mehrere berühmte Politiker und Männer des öffentlichen Lebens. Sie sind auch materiell die Hauptleidtragenden. Jetzt wird es bekannt, baß Direktor Johann Roman vor dieser Holz- und Kohlenaktion auch eine grvßangelegte Lieferungsaktion in verschiedenen Lebensmitteln mit nicht besonderem Erfolge und dem gleichen Ergebnisse durchgeführt hat. Da, wie gesagt, in dieser Affäre angesehene Politiker kompromittiert erscheinen, ist es sehr zweifelhaft, ob dve ganze Angelegenheit über ein« polizeiliche Voruntersuchung hinaus gedeihen wirb. Budapest«» Parlamentskdyll. Am letzten Samstag hielt der neugewählte Abgeordnete Bela Andahazy-Kasnya seinerste Rede in der ungarischen Nationalversammlung. Kasnha gehört der sazialistischen Partei an und sagte unter anderem: Die ungarische Arbeiterschaft ist eine Gegnerin jeder Diktatur, sowohl der weißen als auch' der roten. Bei dieser Stelle warf Bela Fangler (ein Apologet, des weißen Terrors, der unausgesetzt gegen die Juden und Arbeiter hetzt und sich' auch' rm Parlament den Ausspruch' leistete: Konnte es einen roten Bolschewismus geben, so wollen wir jetzt unseren weißen Bolschewismus haben!) die Frage dazwischen: „Wo gibt es eine weiße Diktatur?" Mgeordneter Drvzdh antwortete darauf prompt: „In Zalaegerszeg!" und nun spann sich ber Dialog weiter: Fangler: Solange du frei herumgehst, kann von einer weißen Diktatur noch' lange feine Rede sein! Drvzdh: Aber ich hahe noch' niemals jemanden durchs Fenster angeschvssen- (Das war eine Anspielung auf hie Exzesse, die Fangler vor einiger Zeit in Zala- ^gerszeg aufgeführt hat, wo er, total besoffen, johlend durch die Straßen zog und Lei einem Hause, in welchem ein Jude wohnte, mehrere Schüsse Lurchs Fenster abfeuerte.) Aber Fangler war durch diese Indiskretion durchaus nicht in Verlegenheit gebrächt, sondern antwortete kurz: „Ich schon, aber auch damals habe ich bloß nach Kommunisten gefahndet!" Und seine Gesinnungsgenossen im Horthy-Parlament stimmten dem wackeren Fangler, wie in den Berichten ausdrücklich' hervorgehoben wird, mit großem Beifall zu. Herbert Samuel über dl« Schaffung einer Miliz in Palästina. Das „Bulletin des Waad-Hazirim" veröffentlicht nachstehendes Communiquö des Oberkommissärs über die Bildung 6 einer Miliz: „Die Regierung hat beschlossen, die Bevölkerung von Palästina zur Deilnahme an der Schaffung einer Verteidigungstruppe einzuladen, die von allen Teilen der Bevölkerung ausgestellt werden soll. Jedes Land muß es für seine Pflicht ansehen, gewisse Maßnahmen für seine Verteidigung zu treffen. Die Miliz soll nicht groß sein, weil daS Budget keine großen militärischen Unkosten gestattet. Das britische Militär wird im Lande bleiben, um die Ordnung und Sicherheit aufrechtzu erhaltendie Grenzen Palästinas zu verteidigen, um die friedliche Entwicklung des Landes zu sichern und die Verpflichtungen zu erfüllen, dös England als MandatZmacht mif MtfWttuxm. « <ft jdN# «#Mttfieftn, daß itt Palästina eine militärische Formation exd», stieren soll, die im Lande selbst gebildet ivmde. Diese, Truppe soll zusammen mit dem englische^ Militär ausgebildet werden und unter dem Kommando des militärischen Oberbefehlshabers in Palä-! stina stehen. Das Kommando über die Miliz wird ei» angesehener Offizier, Colonel Costello, imre haben, der die Verhältnisse in Palästina genau kennt. Ich hoffe, daß diese Miliz sich gut repräsentieren und ein Aktivum für Palästina sein wird. Me Teile der palästinensischen Bevölkerung sollen eingeladen werden, sich zu dieser Truppe zu melden. Cs werden jüdische und arabische Abteilungen gebitdctz werden. Selbstverständlich wird keinerlei Zwang geübt, es soll dies ein durchaus freiwilliger Militärdienst sein. Weder jetzt noch in Zukunft beabsichtigen wir irgendeine Art von Zwangsmilitärdienst einzuführen: dies ist auch im Mandat verboten. Das Ausmaß der Dienstzgit und die Besoldung sind noch nicht festgestellt. Ich möchte darüber gern die Meinung des Landes erfahren. Cs ist nicht beabsichtigt, die Steuern zum Zwecke der Erhaltung der Miliz zu erhöhen, und es sollen dafür auch nicht die Mittel verwendet werden, die anderen Bedürfnissen zu dienen haben. Die Miliz wird die allgemeine Sicherheit im Lande erhöhen, und wenn sie gut organisiert ist, wird der Stand der Polizei im Lande vermindert werden können. Diesen Vorschlag, der die Entwicklung Palästinas fordern soll, lege ich hiemit dem Rate zur Begutachtung vor.- Euthstlluuge« Batthyanys. Budapest, IS. Mai. (Privat.) I» der heutigen Leo- Handlung >m Tisza-Prozeß wurde auch Graf Batthyauy einvmtvmmm. Graf Batthhantz erklärte, daß er stets bestrebt war, eine FriedenSregieryns z» bilde«. I» diesen Bestrebnngm wurde er trotz der UntcrUützuna Tiszas von den Ereignissen überholt. Die größten Unannehmlichkeit« jedoch bereitete ihm Graf Karolyi, d«rch seine Reden über auswärtige Frage», weshalb er auch demissionieren ' wollte. Trotz des Versprechens Karolhis sich jeder politischen Rede durch längere Zeit z» enthalte«, erklärte Karolyi einige Tage spät« in einer volitlsche» Rede, der damalige Mimst« drS Aeußerv Gras Ezeruin habe, ihm ausdrücklich darum ersycht, eine ententefrenndliche Rede zu hatten. Ezern« wollte Wien und Budapest durch? Gntmtetruppm besetze» lasse», damit diese Städte nicht von Rumänm «nd Serben besetzt werde». Der Erfolg diese- Planes hätte es verhindert, daß in Ungarn eme Proletarier-,ktatnr festen Fuß faste._ ■fV-- Inland. Der Fiuanzplän. MLer den Finanzpla« ber Regierung uuib: bit gestrigen Pressekonferenz mitgeteiltr Was den Finanz/ plan der Regierung betrifft, der für die Öffentlichkeit große Lasten bedeutet, so wird derselbe der Öffentlichkeit in dem Augenblick bekanntgegeben werden, bis die Beschlüsse ber Londoner Konferenz, bezüglich der Sanierung Oesterreichs, bekannt sei« weMn. GMckstadt Aber de« SüMerungsplan Ü$potS)ttsru, 12. Mal. (ffiolff.) ®toatäiat Glück, stadt äußerte sich einem Mitarbeiter der „Perlingske Tidenbe" gegenüber folgendermaßen: Den Delegierten, die vom Finanzkomitee deS Völkerbundes den Auftrag erhielten, Oesterreich aus seinen sinanziellen Schwierigkeiten zu befreien, scheint es wirklich gelungen zu semeineu Weg zu finde». Es Ist ein Plan zur Wiederaus richtUng ßes Landes ausgearßeitet worben, dem nicht: nur die österreichische Regierung, sondern auch sämtliche politischen Parteien Oesterreichs zugestimmt haben. Die Delegierten werden dem Finanzkomitee des Völkerbundes in London am 20. d. M. Bericht erstatten.' Die österreichische Flotte. Dieb« Republik Orsterrckch zucrkaanteuvierPatrouillenbooic Barsch. Comp», Stör mb - » ga welche feinerjtU «egen Medrigwasier in Budapest verblrrbm mußten, sind von Budapest in Schlepp »ach Wim abgegangen, wo sie zunächst vnbleib« wnde». , Die Erhöhung der Persoaentarife. Die vom Hauvtansschnsie genehmigte Persoventarifrrhoh. u^ auf b« österreichische» LnndrD-ahnm beträgt, wie bereits gcmetdet, toll Prozent »nv tritt am 1. Juni in Kraft. Grundsätzlich wurde dabet derart vorgegangen, daß d« Ansatz i» den einzeln m Relation» auf volle Kronen abgerundet worden ist. Grundsätzlich wurde du Kiiomet« bis z» 3VV dw von 36 auf 78, üb« 300 dm von 87 ans 54 Hell« erhöht. ' Der MindestfahrvreiS in der dritten Klaffe des PersonenzugeS betragt K 6, was auch der Rüstige Fahrpreis auf den in Betrieb befindliche« Linim der Stadtbah» sei» wird. Die Preiseft»Sch»ellzstge betmg»daSSmemhälbfachv der P«s»«mzng-gedühr. j Dagegen wurden dir biShttigm Rrlatione« in dem Preis- Verhältnis z» dm das stch «f das Zweieinhalbfache zu dm Perfonenzüge« stellt» anfgelaffm, «nd eS wird für V-Ziige der SchneUzugspreiS mit folgmdm Zuschläge» berechnet: In der UI. Klaffe biß zu 900 ta» & 40, II« 800 km bi- 670 km t SO, üb« 670 km K 190. Diese Zuschläge steig«, sich für die H. und 1. Klaffe im Verhältnis von 1:8:4. ' Bezüglich der Gep.L cks.t a . ist.lenle.Amderung^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.