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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-12 · Heft 823 (12.5.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 823 (12.5.1921)
Date
1921-05-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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fjPcfte J Men. Domtnrwg_ A«m Aufbau Palästinas. 80« Dr. Ing. Abraham Werber. ,^f» einer Gasse der Leopoldstadt wohnen mehr Inden als ttt sämtlichen jüdischen Kolonien Argentiniens", argumentierte Herzl, die Kolönisationsbestrebungen des Baron Hirsch kritisierend. Mit diesem einfache» Satze, der in verschiedenen Variationen, auch in bezug auf die RothschiPsche Tätigkeit in Palästina,!in seinen Vorträgen uich Schriften wiäderfthrt, hat Herzl den.gewaltigen Unterschied gekennzeichnet, der -zwischen seinem Plan und den Planchen der großen Milanthrvpe» bestand: Herzl bekämpfte die philanthropische Kplonisatisnsweise^ die das Ziel hatte, einige! hundert jüdische Familien zu Ackerbauern zu machen, rvgs für die. Losung der Judenfrage nichts bedeutete». Bestenfalls konnte sie dartun, daß eine Umwandlung des jüdischen Städters in einen Bauern keine Schimäre sei. Aber auch.diesen Beweis hat die philanthropische Kolonisation nicht voll zu erbringe» vermocht. Erst als der zionistische Gedanke die Arbeitsmethoden der jüdischen Kvlonisationsgesellschasten ^u befruchten begann urzd'. als schließlich die zionistische.Organisation selbst Ätfi: ästig in das Getriebe Älonisgto^scher Arbeit einzugreifen , anfing, konnte es zur^sichtbaven Tatsache werden, daß der. jüdische Landmann auf eigenen Füßen stehen könne. , Die Seßhaftmachung einiger tausend jüdischer Familien, die in der Landwirtschaft ihren Erwerb finden (pon denen jedoch nicht alle von der eigenen Arbeit irr der Landwirtschaft leben), die Heranbildung eines Kernes geschulter landwirtschaftlicher Arbeiter, die Besitznahme eines Gebietes .von nicht.ganz 2 Prozent der Landesfläche — das war das praktische Ergebnis einer jüdischen 'Kolonisationstätigkeit von vier Jahrzehnten in Palästina. , Und dies unter Mitarbeit der zionistischen Organisation, deren Ziele nationale und nicht philanthropische waren, Wenn auch die Methoden, welche die zionistische Organisation seit der Aufnahme der praktischen Tätigfifi in Palästina an sich von denen der nach philanthropischen Prinzipien arbeitenden Kolonisationsgesellschaften »grundverschieden waren, da sie dem Hauptziel, der Schafftmg einer Heimat für die Juden, zugewandt waren, so-war der.Umfang dieser Tätigkeit und der sozusagen kleine Zuschnitt der Arbeiten ein derartiger, daß die Erfolge dieser nationalen Kolonisation im wesentlichen von d^uen der Jca oder der Baron RothschUdschen Verwaltung nicht abwichen. Allerdings fehlten zu einer g-WßZügige» Aktion die politischen und finanziellen Voraussetzungen. Und doch waren es diese ungefähr vierzig jüdischen Siedlungen, welche uns eine» wesend liche» Halt gaben, als wir Palästina forderten. " Als wir unsere Förderung stellten, konnten wir uns..nur -auf unser historisches Siecht berufen, ein Rechtdas man nach zwei-Jahrtausenden gewillt war, als verjährt anzusehe». Waren wir doch außerhalb des Landes, das wir forderten:' Außerdem führten wir; die Judennvt, diese Triebfeder des Herzlschen Zionismus, ins Treffen, An positiven-Werten hatten wir nur die jüdische» Kolonien in Palästina. ,Menn unsere kolonisatorische» Erfolge größer gewesen wären, so wären-unsere poetischen Errungenschaften und Garantien größer geworden," berichtet-Weitzmann. So erhielten die für praktische Ziele angelegten Kolonien ihren politischen Weist. Die philanthropische Kolonisationsweise, hat eine»' politischen Erfolg gezeitigt. Sie wollte ein Dorf — ' und es entstand die Grundlage für ein Land. Nun haben wir. die politischen Garantien. Wir haben den Charter. Und mit ihm müssen wir die alten Arbeitsmethoden ablegen. So viel auch an dem Mandat her umge krittelt werden mag, so unbefriedigt auch hievon gewisse Kreise sein mögen, jedenfalls bleiben es die Errungenschaften, die wir h a b e n. Und sie bieten einen Rahme», ausreichend genug, um das jüdische Polt zu retten durch Schaffung eines Judenlandes. Durch unsere Schaffenskraft allein werden wir den Wert des Mandats bestimmen und mit unserer Arbeit werden wir hie Grenzen bestimmen. Die Grenzen werden sich dehnen mit unserer physischen Expansion, Die wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeit ist gesichert. Wir werden die Gewässer des Jordan und Litani sopie, des Jarmuk nützen, ihre Wassermassen werden unsere landwirtschaftliche Produktion sichern und dem Lande die Energiequellen erschließe». Nun aber muß jede Kleinarbeit aufhören. Jetzt tzehört ein großer Plan für die große Arbeit. Und da. vermißt man. Herzl. Herzl war ein Träumer, aber er «bewies, -daß vom Träumer zum Führer nur ein Schritt war. Und der Führer ist Organisator. Und mit Organisation kann man Massen bewegen^ Wüsten in. Kulturland verwandeln, Städte aufbauen, ein Land schaffen. Lebte Herzl, er würde vielleicht nicht das «grandiose Bild der Massenbewegung, wie es im „Judenftaftt'' gezeichnet ist, anwenden,. aber er würde viele,. Elemente hievon in den Plan aufnehmen. Bor allem den großen Zug. Den wollen wir ihm ablernen. Wir müssengroße Massen nach Palästina bringen. Allerdings ' leben wir in einer Zeitperiode nach einer Weltzerrüttung. Aber wir erlebten erst vor kurzem sehr anschauliche daß große Menschenmassen in der kürzesten Zeit in entfernteste Länder gebracht wurden, dort jahrelang erhalten wurden ~ um zu zerstöre». Wir wollen Massen in Bewegung setzen, um aufzubäuen. Also muß aurfj hier das Prinzip der Organisation nützen. Wir wollen ei» Land aukbaue« für ein aanres Volk. Wkever Morgenzelttmg .2. MÄ 1921 fltt 82$ Das neue kiliwaiMliWgesetr in Amerika. Proteste gegen die Einschränkungen. Aus New-Ho r k wird uns berichtet: Me bereits gemeldet wurde, hat der Kongreß eine Bill gegen die Einwanderung angenommen, durch welche die Immigration in die Vereinigten Staaten auf drei Prozent jeder Nationalität, auf die Zahl der Volkszählung vom Jahre 191Q berechnet, eingeschränkt wird. Gewisse Ausnahmen werde» für solche Personen gemacht, welche ihrer Religion Wege» verfolgt werden,.firner. Geschäfts- oder Vergnügungsreiftnde, für Personen, die : in. Amerika gewohnt haben und zum Besuche ihrer Angehörigen von dort weggefahren sind, das Land verlassen haben sowie für Personen, welche bereits ein Jahr in Kanada, Kuba und Südamerika ansässig gewesen sind. /Ausnahmen gibt es auch für Geistliche (darunter Rabbiner), Schauspieler, Sänger, Maler, . Lehrer, Professoren, Krankenschwestern und - Dienstmädchen.! . Zu dem Gesetze hat der jüdische 'Kongreßmann Siegel einen Minderheit »bericht eingehvycht. Dari» wird darauf hingewiesen, daß kein Grund zur Annahme bestehe, es sei eine zu große Zahl von Europäern zur -Einwanderung nach Amerika bereit. Mit statistischem - Material wird nachgewiesen, daß der Cinwandererstrom iin der letzten Zeit erheblich schwächer geworden ist und daß die Einwanderer zumeist Verwandte und Angehörige von in Amerika seßhaften Personen sind. 'DerMinderheitsautrag fordert, daß, selbst wenn im allgemeinen eine Dreiprozentnorm eingeführt werde, Verwandte von in Amerika ansässigen Personen ohneweiters ins Land Einlaß finden. Das Gesetz bedarf nunmehr der Annahme durch de» Senat und der Bestätigung des Präsidenten. . Das Senatskomitee für Einwanderungsangelegenheilen hat jetzt hie vom Kongreß angenommene Bill in Behandlung. Es liegt eine Reihe von Vorschlägen auf Aenderung der Grundprinzipien des Gesetzes vor. Die Einwanderungsgegner arbeiten daraus hin, daß der Senat noch vor Eintritt der Sommerferien die -Bill in ihrer vorliegenden Form annehme. Unter den Iude» Amerikas hat die Annahme des Gesetzes'durch den Kongreß ungeheure Bewegung hervorgerufen. Die jüdische Presse Weist darauf hin, daß die.neue.Bjll sich wenig von dem durch den Präsidenten Wilson verworfenen Gesetz unterscheidet, das die Einwanderung überhaupt verbieten ivollte. Auch ein großer Teil derenglischenZeitungen spricht sich gegen das neue Gesetz aus, welches!. , die freiheitlichen Prinzipien Amerikaverletze- und fordert, baß der Senat einschneidend« Aenderungen vornehme. In allen Großstädten der Bereinig len Staaten, so in Boston, Philadelphia, Baltimore und anderen, Habens große Protestkundgebungen gegen das Gesetz stattgefunden, bei denen die hervorragendsten jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten Protestansprachen hielten. Die Redner wiesen darauf hm, daß die wirtschaftliche und politische Lage des Landes unbedingt eine Abänderung der Bill in dem Sinne fordere, daß die Einwändererzahl vergrößert werde. In Mv-Iork werde» riesige Meetings gegen bft Bill ab gehalten. Das erste fand im Lexmtzton-OpMh Haus statt. Eine ungeheure Menschenmenge.'war an», wesend, viele Tausende konnten keinen Einlaß m«hr^ finden. Nach einer Reihe, von Reden über die I NF toleranz der neuen Bill wurde eine Resolution! gegen die. Annahme de-, Gesetzes in den übrige« Instanzen gefaßt.' In den Resolutionen aller Meetings! wirdgefordert, die Bill grundlegend ab zuandern. Die; Juden Amerikas verlangen, daß die Jude» in der. BM als be sondere Nativ n anerkannt werden und daß' die Norm auf 10 Prozent der Einwanderung des Jahres 1920 festgesetzt werde. In die normierte Zahl sollen die Angehörigen amerikanischer Bürger, welche in die; Bereinigten Staaten einwandern, und ähnliche Kategorien nicht einbezvge» werben. Die Protestresolution«^ .werden dem Emigrationskomitee des Senats über* »mittelt. ' Die verschiedene» jüdischen Organisationen Amerikas bieten ihren ganze» politischen Einfluß auf, um auf die Abänderung der Einwand«rungs-; bitt einzuwirken. Da2 Komitee des jüdischen Kongresses in Amerika hat beschlossen, sich a» die Partei de- Präsidenten Harburg zu wenden, um zu erwirke», daß in einer neuen Fassung-, der Bill die Möglichkeit gegeben werbe, daß Juden, bie vor politischer und religiöser Verfolgung flüchten, zu ihren Verwandten.in den Bereinigten! Staaten kommen können. Aehnliche Beschlüsse wurde», von anderen einflußreichen jüdischen Organisationen ge-, faßt, welche beim Präsidenten und beim Staatssekretär für Aeußeres Hughes intervenieren. Die Einwanderuugsfrage tot Parlament von Kanada. MMtrdal, 'S. Mai. (Privat.) Der Antrag des' Deputierten Delarie, die Einwanderung nach Kanada, gänzlich zu verbirten, hat im kanadische» Parlament zu einer großen Debatte geführt. Ein großer^ Teil der Parlamentsmitglieder sprach sich gegen den An-' trag aus. Die Vertreter der L a n d w i r t s ch a f t wiesen darauf hin, baß die kanadische Landwirtschaft-durchs den Antrag stark geschädigt werden würde. Ändere Redner erklärten rundweg, Kanada müsse für . jeden offin sein, der einwandern wolle. Es wurde auch gefordert, baß die Verordnung über den Besitz von 250 Dollar bei der Ankunft in Kanada aufgehobenwerbe. Der Minister für Einwanderungswesen versprach, eine offizielle Erklärung im Namen der« Regierung über ihre Absichten in der Einwanderungsfrage abzugeben und verlangte mit Rücksicht darauf vom Deputierten Delarie die Zurückziehung des Antrages bis nach der Regierungserklärung. Gegen die japanische Girrw and erring. PMS, 9. Mai. (Wolfs.) Wie „Chicago Tribüne" aus Washington meldet, hat Senator Shortrid ge im Senat eine gemeinsame Resolution der kalifornischen gesetzgebenden Körperschaften eingebracht, die auf ein allgemeines E i n w a » de ru » g s v e r b v t fü y Japaner hinzielt.; wenn auch nur ein Teil desselben physisch mit dem Lande verbunden werden soll. Haben wir den großen Plan? Wir haben einen: Er heißt: Keren Hajes so d, Aufbaufvnds. Am Anfang war bas Geld — wird es in der Schöpfungsgeschichte des Dritten Reicheheiße» — oder die ForderungnachGeld, nach viel Geld. Wir wollen unser Land erobern durch Arbeit; Arbeit ist Krieg, die Voraussetzung von Krieg und Arbeit ist Kapital- Die Geschichte zeigt merkwürdige Wiederholungen. Auch heute, wie einst in Babylon, sind es die Armen, die hinauswvll«n und hinausgehen in das Land, es aufzubauen, 'und auch heute verlangen wir, daß "die Reichen, jene, welche noch bleiben können und wolfin, die Auswanderung und den Wiederaufbau ermöglichen. Dies will der Keren Hafissod. Der Keren Hafissod will aber noch; mehr. Er will, daß jeder Jude Anteil habe am Aufbau der Heimat. .Heute handelt es sich' nicht mehr darum, 40.000 Juden bie Wiederkehr in das Land zu ermöglichen: Es soll Platz und Lebensmöglichkeit für Millionen geschaffen werden. Hiezu müssen die lebend« Kraft und die materielle Leistungs- Möglichkeit des ganze« Judentums herangezogen werde». Und dazu dissnt der Maasser — die Zehentsteuer. Der K«ren Hafissod ist nicht nur ein Finanzplan, sondern der Aufbauplan. Er trägt den großen Zug der nationalen Kolonifationspolitik. Nicht mehr einige Kolonien im jüdischen Lande will er — er will das jüdische Land. Er will Massen von Juden der Schlachtbank entreißen, sie ins Land bringen, damit bi« jüdische Mehrheit in wenigen Jahren entstehe: Der Keren Hafissod will für sie Land erwerben, e§ aufschließen und kultiviere», darauf die Einwanderer in aeschlosfinerr Siedlungen ansässig machen, diese Siedlungen miteinander und mit den Zentren durch Wege, Straßen und Eisenbahnen verbinden, die nötigen Häfen errichten, die Wasfirveäste dem Bqden und den Industrien sichern, kurz, die wirtschaftliche Grundlage für die Entwicklung Palästinas zu einem lebensfähigen Judenstaat schafft». Bloß die Grundmauern. Der Fleiß der Bevölkerung soll dann weiterbauen. Der Keren Hafissod ist der Staatsschatz, mit welchem wir einen künftigen Staat schafft» wollen. Und er ist ein Wirtschaftsplan einer großzügigen KvlonisationSdrbeit. Der Keren Hajessod heißt Abkehr vom philanthropischen Zionismus! und neue Methode der Verwirklichung deÄ zionistischen Gedankens. So ist er Wiederkehr zpm Herzlschen prakttschen Zionismus. VerftänLignngsverhandlungenzwischen Arakern nnd Zndcn Aus London wirb uns berichtet: Rentier meldet aus Jerusalem: Am 4, b. M. fand beim Gouverneur von Jerusalem eine Besprechung der führenden- Persönlichkeiten der Araber und Juden statt, um zu der Frage Stellung zu nehmen, auf welche Weift die infolge der Ausschreitungen ln Jaffa entsfimdenen Mißhelligkeiten beigelegl werden könnten. .Der. Gouverneur legte alle Maßnahmen dar, welche die Negierung bisher ergrifft» hat und noch zu ergreift» c»V schlossen ist. Die Konferenz faßte nach eingehender Diskussion und nach einer affinen Aussprache der Vertreter beider Nationen einhellig e den Beschluß, die Regierung bet der Herstellung der Ordnung durch beruhigendes' Einwirfip auf bi« Bevölkerung und mit allen.sonst zu Gebote ffihenden Mitteln zu unterstützen.

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