Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 822 (11.5.1921)
- Date
- 1921-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 832 Wien, Mittwoch Wlenev Mvrg??rzett.?N8 fit Mai mi .Lölkerhu::d' nu5 von der Autorität, her N/g'^'nng zu sprachen. Den Völkerbund interessiere,, solche Vorfälle wenig und ntän weif; in Kränkreich und in England über das Kapitel politischer Unruhen ziemlich bie( zu ^zählen. Und was die Autorität der Regierung anbelangt, so geschieht tagtäglich von selben jener Kreise, die sich jetzt als Hüter der Ordnung > auf,spielen, ein förmlicher Wetteifer in dem Untergraben des Staates. Daß Tirol plötzlich die Markwahrung für alle Frem-, den, auch! für die Oesterreicher, einführt, daß die Länder an ihren Grenzen durch Gendarmen den PassägierSn feiN Kikö- Fletsch abnehmen lassen,'daß in Wien ein Kegierungserläß durch einen anderen durchkreuzt wird, daß der Schleichhandel rüit Tabak unter, dem Gewährenlassen' der Tabakregie blüht, daß unter der Sachdemöbilisierüng Milliardettwerte verschleudert tderden, das alles ist tausattdmak mehr" Abbruch der Staatsautoritat. Die Konsequenz' aus den Vorgängen in St. Lorenzen wäre gerade im Hinblick auf die laufende Kreditaktion ein Waffenstillstand der Parteien. Aber Herr Dr. Mataja predigt den Selbstschutz, das heißt, den, organisierten Massenmord., in der innerpolitischen Arbeit. Das wird Oesterreichs Kredit nicht,sehr fördern. Graz, 10. Mai. Die Nachforschungen der Gendarmerie nach den Schuldigen an den Ausschreitungen in St. Lvrcnzen führten im ,Laufe der Nacht von Montag auf Dienstag zur Verhaftung von vier Arbeitern. Während der Eskorte nach Bruck mußten jedoch die Verhafteten freigelassen werden, da die Arbeiterschaft des Mürztales die EisenbahnstaLronPi bewachte, die Züge durchsuchte und die nach Bruck führenden Straßen sowie , die Höhenübergünge besetzt hielt,, um die Einlieferung der Verhafteten zu verhindern. Die Arbeiter erklärten, sie würden für den Fall, als die Verhafteten nach Graz cingeliefert werden sollten, dort ihre Freilassung erzwingen. - Lin Derkehrsabkommea mit Jugoslawien. Die in Klagensurt zwischen Oesterreich und Jugoslawien geführten Besprechungen über ein Verkehrsabkommen find am Montag abgeschlossen worden» Ihr Ergebms stellt den freien Verkehr wieder her. Die Paßfchwierigkeiten wurden bis auf das unumgänglich notwendige Maß beseitlgt.. . Für den Transit über jugoslawisches oder österreichisches Gebiet innerhalb obiger Relationen wurde vereinbart, daß die Reisenden vom Paß- und Bssumzwang und von der zweimaligen Zollrevision frei sein sollen. An Stelle des Passes wird rin gebührenfrei auszustellend« Transitschei« oder eine mit Photographie versehene amtliche Legitimation genügen. Die Belöidemng der Reisenden und des Gepäcks erfolgt in durchgehenden Wagen. Diese Erleichterungen werden aus österreichisch« Seite dem Reiseverkehr zwischen Graz und Klagenfurt Md dem Berkrht aus dem Lavanttale mit dem übrige« Körnte» und d« Steiermark zugute kommen. Auf jugoslawischer Seite wird die Absperrung des Luttenberger Bezirkes von der Südbahnhauptfirecke beseitigt. Die Lösung der Paßfrage zeigt den Weg, wie die gegenwärtig den Verkehr so sehr hemmenden Paßschwierigkeitrn >n unmittelbarem Einvernehmen der beteiligten Staaten abgebaut werden können. Für die Südbahn, die durch die Verkehrsabsperrungm nnd Reiseerschwrrungen in ihren Einnahmen arg geschädigt war, sind die neuen Vereinbarungen besonders erfreulich. Da gleichzeitig auch schon alle Einzelheiten über die Durchführung des Verkehrs auf de« erwähnten Transitlinien geregelt wurden, wird der Verkehr unter Anwendung der vereinbarten Erleichterungen schon am 1. Juni auf allen Linie» ausgenommen w«den. . Die Volksabstimmungen. Der VerfaffungSausschuß ist auch gestern mit der Beratung beS Antrages der Großdeutschen wegen Schaffung eines Gesetzesü^er dieBolkSabstimmung für den Anschluß an Deutschland nicht zu Ende gekommen. DaS Bestreben geht dahin, der z« schaffenden Gesetzesvorlage eine solche Fassung zu geben,, daß ihr alle Parteien zustimmen könne«, ohne daß der Regirrnug irgendwelche Schwierigkeiten daraus erwachst». Die »Times« über die Ssterreichische Wührungsfrage. London, io. Mai. (Reuter) I« Besprechung der Antwort der vsterreichen Regierung aus die Vorschläge der Finanzdelegirrten sagen die ,T i m e S*, daß der Vorschlag» eine neue Notenbank zu gründen und eine «me Währungseinheit frstzufetzen, von besonder« Wichtigkeit sei; wenn dies nicht geschehe und die neue Währung nicht in Kraft trete, werde eS schwierig, wenn nicht unmöglich iciu, Oesterreich die Auslandskredite zu verschaffen, die es brauche. Die gefährdete Kohlenversorgung. Der Leiter des Kohlenamtes Hyftat Kloß ist nach Paris entsendet worden, um dort über die Lieserung von Saarkohle als Ersatz für die aus Oberschlesien fehlende Kohle zu verhandeln. Auch mit der Prager Regierung sind Verhandlungen eingeleitet worden, um eine Vermehrung der vertraglich zu sendenden QantitÜten zu, erzielen. Tatsächlich rollen bereits seit drei Tagen g r öße?e Brapnkoh l e ntransporte nach,Oesterreich, Die Saarbohle soll mü der Bahn nach Regensburg und von dort <ws dem Wasserweg nach Oesterreich gebracht werde». Telegramme. Die englische Orientpolittk. Loinidon, 8. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Der „Daily Telegraph" erfährt, daß das Ergebnis der Churchillschen Reise nach dem mittleren Ostdn der Beginn einer entschiedenen und klar umrissenen Politik in den betreffenden Ländern durch England sein werde und daß im Zusammenhang damit zwei große Grundsätze aufgestellt wurden: 1. Die Errichtung eines großen Landweges von Europa über Indien nach Australien, 2. die Organisierung des mittleren Ostens kn eine Reihe autonomer Nationalstaaten im feudalen Verhältniszu England. Betreffs Mesopotamiens »soll ein unabhängiger arabischer Staat unter einem heimischen Prinzen geschaffen werden, wofür bereits die Kandidatur Emir Faisuls wohlwollend in Erwägung gezogen werde. In bezug auf Palästina werde folgende Politik verfolgt werden: Die Organisierung Palästinas soll nach den gegenwärtigen Grundzügen fortgesetzt werden. Die heiligen Stätten sollen unter Aufsicht einer unter dem Vorsitz eines prominenten Engländers stehenden Kommission gestellt werden, der unter anderem außer zwei mohammedanischen Vertretern auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung ängehören sollen. Palästina soll eine eigene, in gleichet Weise aus den a r a b i s ch e n und jüdischen Vevölketungsteilen rekrutierte Wehrmacht haben. Haifa soll im Hinblick darauf, daß es zum Ausgangspunkt'der LtünskonLineMlen Straße und spater der Eisenbahn vom Mitielmeer nach Mesopotamien werden soll, zu einem nrvßangelegten H äsen ausgebaut werden. Auch die Röhrenleitung für mesopotamisches Erdöl soll hier enden. Die Errichtung eines regulären Kraftwagen der-' kehrs von Haifa via Ammon und Rhamadi soll sofort in Erwägung gezogen werden. Es wird empfohlen, die H e d s ch a s - B a h n einer unter englischem Vorsitz stehenden Kommission zu unterstellen. , Konstituierung der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes. London, 9. Mar. (Jüd. Korr.-Bur.) Im englischen Unterhaus erklärte B a lfv ur, daß die permanente Mandatskommission bereits endgültig konstituiert ist und daß der Rat beschlossen habe, Frankreich, Schweden, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Belgien, Holland, Italien und Japan ' zur Entsendung ihrer Vertreter in die permanente Mandatskommission einzuladen. Mit Ausnahme des Vertreters der Vereinigten Sta aten, Forbez, der wegen Annahme einer offiziellen Mission seiner Regierung das Angebot ablehnen mußte, haben alle erwähnten Länder ihre Zustimmung bereits erteilt. f . Ein arabischer Kongreß in Genf. Jerusalem, 5. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Das Komitee des arabischen Kongresses in Haifa hat beschlossen, einen arabischen Kongreß für den nächsten Monat nach Genf einzuberufen, der seine Sitzungen gleichzeitig mit den Völkerbund abhalten soll. Außer Palästina sollen auch andere arabische Länder Delegierte entsenden. (Der arabische Kongreß in Haifa ist eine aus Vertretern arabischer Großgrundbesitzer bestehende Körperschaft, die nicht die geringste Legitimation hat, im Namen des von ihren Auftraggebern ausgebeuteten und geschundenen arabischen Volkes zu sprechen. Die jüdischen Politiker, die mit dem Völkerbund Fühlung ~ hal^n, werden das ihre tun, um den Charakter und das Mandat dieser arabischen Kongreßeinberufer in das rechte Licht zu stellen. Red.) Die polnisch-litauische Konferenz. Warschau, 10. Mai. (Funkspruch.) Bei den polnisch-litauischen Verhandlungen in Brüssel haben die litauischen Vertreter das Gebiet von Wilna für Litauen verlangt. Die polnischen Vertreter hingegen erklärten entschieden, Wilna sei eine polnische Stadt, und lehnten jedeDiskussion über den litauischen Antrag ab. lieber Vorschlag der litauischen Konferenzteilnehmer wurde hierauf zur Besprechung der wirtschaftlichen und politischen Fragen übergegangen. Die Beratungen werden fortgesetzt. Die Unruhe« in Oberschlesten Warschau, 10. Mai. (Funkspruch.) Aus Beuchen wird gemeldet: Gestern nachts sollen die Aufständischen Kattowitz besetzt haben. Die Aufforderung, zur Arbeit zurückzu kehren, hat in einigen Orten Teilerfolge erzielt. In Szopienice, Rodzien, Myslowitz und Hindenburg haben sich die älteren Arbeiter zur Arbeit eingefunden. Die Aufständischen haben Laura Hütte und Kreuzburg besetzt. Der Zugsverkehr beginut wieder normal zu tckerden. Deutsche Berichte. Beuthen, 10. Mai. (Wolfs.) Die Lage ist unverändert. Die nächtlichen Schießereien haben etwas nachgelassen. Der Stadtkommandant hat den deutschen Gewerkschaftsvertretern gestem aufs neue erklärt, daß die Sicherheit Beuthens gewährleistet sei. Es liege ein Befehl aus Oppeln vor, die Aufrührer nicht in die Stadt zu lassen. Auf die Hohenzollern- und die Heinrichs-Grube sind je 15 Wann französische Wache gelegt »ordm. D« Betrieb wurde Mischst in schwachem Umfang wieder aufgenonunt'r..O ' -o befinden sich 1675 Flüchtlinge. Hindenburg ist von Aufrührem frei. ° "olnifdjj Kommandant erklärte, daß in den nächsten Tager polnische Gendarmerie und Spezialgeheimpolizei im gerichtet werden. In den Straßen werden anvauenü Deutsche festgenommen. Wer deutsch spricht oder ab? fällige Bemerkungen macht, wird verhaftet. Die Zqhj der Verhafteten ist noch Nicht festzustellen. Die bayrische Regierung gegen hi« antisemitischen Exzesse in AUinchew München, 10* Mai. (Privat.) Der Negierung des Her« von Kahr scheint der Münchner NadäuantisemüiSmus übq den Kopf zu wachsen. Deshalb hat der Münster des Innern bei Münchner Polizeidircktion den Auftrag erteilt, die antisemitisch^ Bewegung scharf zu beobachten nnd allen Exzessen energisch cntgtzgcnzutreten. .' Keine ausländischen KshleKteanspsrLe in England, . , London, 10. Mai. (FunLspruch.) Die GeweM schaft der Tr an s p o r t ar b ei,i er hat beschlosseqi ausländische Kohle nicht zur Beförderung Züzulässen! Prager ÄatiynalVersaMwlung. Prag, 10. Mai. (Privat.) Es war projektiert, das Parlwi ment für 19. d. M. zusammenttcten zu lassen. Da sich dst Parteien über einen Arbeitsplan nicht einigen konnten, wttrds die Einberufung des Parlaments biS znm 29. d. M. vertagt. Ungarns Außenpolitik. Das Expose des Grafen Banffy. Budapest, 10. Mai. In der Nationalversammlung hiM heute der Nachfolger des Dr. Gr atz, Graf Nikolaus B an f f Y, sein Exposee über dle auswärtige Politik. sieht den Friedensvertrag von Trianon als bindend 'an, kündigt Handelsverträge mit Deutschland, Oesterreich,, der Schweiz und Polen an und betont seinen Willen, Mit den Nachbarmj ehrlich und ohne Rückhalt za verhandeln. Im übrigen singt auch er d as Lied von Ungarns Mäßigung und von jemexj Unschuld am Weltkrieg. In der westungarischen Frage wird! mit Oesterreich direkt verhandelt werden. Gegenüber den/im; englischen Oberhaus gehaltenen Reden Balfours, Asquiths und. . Ceeils meint Graf Banffy, Ungarn steheauf dem Standpunkt der Freiheit der Minoritäten. Für die ryagharischtz. Bevölkerung in den verlorenen Gebieten müsse der Völkerbund sorgen. Das nationale Gefühl in Ungarn sei gestärkt worden und „im Bewußtsein einer jahrhundertelangen Kultur, die uns ihre Waffen leiht, unserer Arbeitsfähigkeit und Offenheit, rm festen Vertrauen aus die Gerechtigkeit, werden wix vor die Welt treten. All das gibt uns einen Wert, dsik immer mehr zur Geltung gelangen wird." . ' ' Wie um ^>iese Kultur zu beweisen, forderte Nach PanfU der Abgeordneten Sreter von der Partei der kleinen Landwirte, daß die Offiziere ihre Pflicht tun, aber nicht, politisieret . sollen. Das Exposee machte keinen besonders guten EtndrnLi Wie Ungarn mit den Bauern redete Budapest, 10. Mai. (Ung. Tel.-Korr.°Bur.j In einer heute in Kaposvar abgehaltenen Volksversammlung erklärte Ackerbauminister S z a b o-N a g ya t a d unter anderem, wenn Ungarn seinen Verpflichtungen aus dem Friedensoertrage nicht Nachkomme, werde die Entente die Steuereinnahmen mit Beschlag belegen. Der Minister erklärte weiters, er sei fest entschlossen, d e « freien Verkehr mit Getreide wiederherz u st e l l e n. Die Landwirte sollen nicht darauf rechnen, daß die gegenwärtigen Getreidepreise sich noch erhöhen werden, sondern ihre etwaigen Vorräte zu den jetzigen Preisen anbieten, da sonst der Staat aus Amerika Getreide importieren werde. Weiters bemerkte der Minister, daß eine l°/otge Verkehrssteuer im Gewerbe und eine 3%ige Verkehrssteuer in der Viehzucht eingeführt werden sollen. Auf einen Zwischenruf reflektierend, sagte der Minister, die kleinen Landwirte, die das Rückgrat des Staates bilden, müßten deswegen auch den größten Teil der Lasten tragen. Ei«e Eisenbahnkonferenz in Budapest. B«dapest, 10. Mai. (Privat.) Hier findet demnächst eine von Oesterreich. Jugoslawien, Rumänien und Üngär» beschickte Eiseubahnkouferenz statt, in der die Führung' direkt« Güterzüge aus Oesterreich über Ungar» nach Jugoslawien und^ Rumänien e r ö r j e r t werden soll. Die Streiks in Südtirol. Innsbruik» 10. Mai. Wie das ^AlpenlandE! aus B o z e n berichtet, wird der Zugsverkehr in Südtirol durch italienische M a r i n e m a n n s ch a s t mangelhaft aufrechterhalten. Der Streik der Gewerbeangestellten hat sich ausgebreitet. Die B u ch d r u ck e r, Setzer und Transportarbeiter sind in den Ausstand getreten. Es erscheinen keine Zeitungen, Die Gaserzeugung ist feit Samstag eivgestellt. Kleine Nachrichten. 10. Mai. (Funl'vruch.) als Vertreter Polens Paderewfli ist vo»' beim Völkerbund Wauschau seiner Stellung MÜckgeNeten. , Moskau, 10. Mai. (Funksvruch.) Die radio-telephonischt Verbindung zwischen Berlin und Odessa ist hergestellt. Athen» 9. Dlai. (Agence d' AthöncS) Es bestätigt sich^ Hatz dw Kurden ein von Lcureddin Pascha befehligtes Regime« pfaugeagtuomwe» habe».