Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 819 (8.5.1921)
- Date
- 1921-05-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 819 Wiener Morgenzeitung 8. Mai 1921 Wien. Sonntag Serie F Das ' der ukrainischen Juden an die österreichische Judenschaft. Oer Anlaß dieses Austitfes ist selbst in der alten Mischen OeidettsgeschichtL so ünethört, bÜs Unglück, z rl dessen Linderung wir äüfförderü, so unermeßlich, baß alle Ausdrucksmittel versagen. ES handelt sich um das Martyrium der ’ ukrainischen Krbek und seine katästvöphälen Folgen: Nur einige Daten: Den zwölsmaligen Wechsel der Macht fit btt Ukraine mußten die Juden mit entsetzlichen Pogrome« büßen. Nach einer Statistik, die der jüdischen WelthilsskvufeteNz zu Karlsbad (Sommer 1920) vorlag, wurden innerhalb vierzehn Monaten n icht weniger als 9 6 8 Ortschaften der Ukraine von den disnuN blutigsten Jubenmassükers der Weltgeschichte betroffen. Nach den Pogromen im Krühjahr Und SoMMe? 1919 zählte man 138.960 jüdische Leichen. Die Zahl der Kränken, Verstümmelten, Mißhandelten, in den großen Wäldern HerumirrendeN ist nicht zu Überblicke:!, wahnwitzigsten Greuel wurden an Männern und Frauen, au Greisen und Kindern verübt. So durften während des mehrtägigen Jndenschlachtens rn Proskurow die Lärchen nicht bestattet werben mrd die martervölte Nredermetzelung wurde um '8 Uhr abends durch bas Konzert einer Musikkapelle beendet. Anläßlich der berüchtigten „Aprilpogrome" wurden 4a jüdische Städtchen vollkommen ausgeschtachiet uud die Bedauernswerten, welche aus Dampfern zu entkommen suchten, ertränkt. Väter haben große Summen g^ahlt, damit ihre Söhne nicht zu Tode gefoltert, jondern bloß erschossen werden, und haben ver Erschießung betwohnen müssen. Eltern wurden gezwungen, ihre Kinder lebendig zu begraben, und Mütter, oas Blut geschlachteter Säuglinge zu trinken. Aber wahrend man anläßlich der Karlsbader Welthilfskonserenz hoffte, daß das Maß der Leiden auf dem blutgetränkten Boden der Ukraine erschöpft sei, wurde das Morden und Foltern noch bis in die allerjüngste Zeit fortgesetzt. So haben im verflossenen Herbst die entmenschten Horden des Gexerals Balachowicz im ukrainischen Grenzgebiet 150 j ü d i sch e O r t f ch a f ten hermgesucht. Zerstörte' jüdische Siedlungen, unzählige Gräber zutode Mfolterter Juden jeden Alters, herumirrenbe hungernde Witwen und Waisen, venerisch kranke, geschändete Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 50 Jahren, in ElendsquavtiereN der- Lammende Ueberlebenbe, geschände te, zerfetzieThorarollen sind die Hinterlassenschaft dieses „Feldzuges". Die Toten sind erlöst, aber von den drei Millionen ukrainischer Juden, die zu dem besten jüdischen Menschenschlag gehören, ist die Hälfte völlig ruiniert, die ganze Judenheit des Landes von Epidemien, insbesondere Flecktyphus, hetmgesucht. Und noch immer sind die Mischen Ortschaften in der Ukraine wehrlos den Massakers der ständig sich neubildenden Banden ausgesetzt! Israelitische Kultusgemeinde: Der Präsident: Üniv.-Prof. Dr. Alois Pick. Zionistisches Laudeskomitee r Der Präsident: Landtagsabg. Robert Stricker. Und nun denke man an die überlebenden jüdischen Kinder! Nach einer oberflächlichen Zählung sind mehrere Hunderttausende jüdischer Warfen zurückgeblieben! Die Qualen dieser unschuldigen, hilflosen Geschöpfe, auf deren kurzem Erdendasein entsetzliches Erleben lastet, schreien zum Himmel! Tue Kindersterblichkeit ist enorm, ganze Städte und Ortschaften stehen ohne einen einzigen Arzt da. Hunger, Kälte, Schmutz, Krankheit nnd Obdachlosigkeit sind das Los dieser elternlosen', von den dutchiebten Schrecknissen für, immer gezeichneten Unmündigen. Aus ihren Berufen gerissen,'dem neuen Wirtschaftssystem nicht gewachsen, täglich am Leben bedroht/ flüchten nun die überlebenden ukrainischen Juden seit dem Winter 1920 über die Grenzen B e ß a r ä b r cn s und der p' ölni )‘dj enRa n dgebiete. Aus verbdkgenen Wögen, über - nachtbedeckte Felder Und dürch finstere Wälder ziehen die Scharst! verzweifelter Menschen,- Und verlassen die Hemtat, die sie unendlich geliebt UNS die ihnen znrn Fluch geworden ist. Hinter ihnen Strömt Mischen Blutes, Tod und Verderben,- vor ihnen bk Grenze, über welche sie aus der Hölle entfliehen. So sind bisnun 25.000 Flüchtlinge Nach Rumänien und 35.000 dieser Entwurzelten nach den polnischen Gebieten geströmt und harren, buchstäblich nackt Und aller Mittel eütblößt, noch am Wege mißhandelt und ihrer letzten Habe beraubt, in unhhgienischen Massen quartieren zusawnien gepfercht, der Weiterbeförderung, der sich unendliche Schwierigkeiten entgegenstellen. Hinterihnenaberdrä u g e N ü e u e M a s j c n, welche trotz der unsäglichen Schwierigkeiten dtr Flucht und der tausend Gefahren hüben und drüben die bald nicht mehr aufuahmSsähigen Gebiet« Überfluten werden. Zehntausend jüdische Waisenkinder leben in dem zu Polen gehörigen Wolhynien. Unter ihnen Hunderte, die sich erst vor kurzen: herübergerettet haben. Sine kleine Zahl nur ist mit Hilfe der amerikanischen Judenheit in Waisenhäusern untergebracht, ein kleiner Bruchteil befindet sich in Pribatpflege. Die große Masse der anderen Harri, von Hunger UNd Verwahrlosung bedroht, der Hufe dtr jüdischen Welt. Wohl haben die kanadischen unb" argentinischen Juden sich l ereit erklärt, vorläufig einige hundert Waisenkinder zu adoptieren, aber nur eie vereinte Hilfe der Juden aller Lander kann das Los dieser verlorenen ^Generation lindern. In Kanada beteiligen sich auch Christen an der Rettungsaktion und ein edler christlicher Greis, Mister Farrar, nimmt an der europäischen Mission teil und ist infolge der Strapazen, der Reisen im Osten schwer erkrankt. Die Juden der ganzen Welt dürfen hinter dem beispielgebenden Wirken dieses nichtfüdischen Kanadiers nicht Zurückbleiben« Auch die Juden in jenen Gebieten, welche von Flüchtlingen erfüllt sind, leisten Menschenmöglichstes, trotzdem das Wirtschaftsleben dort noch an den Wunden der letzten Schreckensjahre krankt und trotzdem ihr Geld einen Oberrabbiner Dr. H. P. Chases Mitglied des Zentralrates der Jüd. Welthilfskonferenz. Verb. d. Isr. tzrrmaniLatsvereine B'nei-B'rith r Der Präsident: Anio.-Prof. Dr. S. Ehrmarm. noch geringeren Wert hat ÜilS düs unsere^ Sind; sie doch ein Teil jener ukrainischen Juden, welche, äls die russischen Armeen Galizien und die Bukowina, besetzt harten, ein großzügiges Hilfswerk für die notleidende Juden» s ch a,f t i tn F e im d t § I ä ti'd. Mßerichtet ufib in zartfühlender Weife zur Röttung von ZehUtauseUden beigetragen haben. > ' Las amerikanische Hilfswerk, welches in der . ganzen' Welt so viel Judenleid zu lindern hat, unterstützt auch diesmal die Flüchtlinge, jedoch ist es außerstande, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dre amer ikanischeJuditt* Tieit forbert auch mit Recht, daß sich auch die Juden anderer Länder ihrer Pflicht'gewußt werden. , Jetzt heißt es von überäÜ her zu Hilfe eilen. In Oesterreich hät sich ein H i l f Z k ö Mi t ee f ü r die ukrainisch*1üdischen PögröMopfer (per Abvossö Israelitische Kultusgemei ndir, 1. Bez., SeiteNftett.sngasse 2,-2. Ztock) gebildet. Es will folgende Zwecke eLfüllen: ' ‘ l: SamMlung von Geldmitteln und Pekleidungsstücken aller Art (beziehungsweise unverarbeiteten Stoffen). 2. Gründung von EM girantenheim,eN in beit Randgebieten. 3. Errichtung von Werkstätten zur Beschäftigung arbeitsfähiger Elemente -biZ zum. Zeitpunkt ihrer Weiter- ' reise und Beihilfe zu ihrer Weiterbeförderung in aufnahmsfähige, insefondere überseeische Länder. 4. Intensivste Mitwirkung an der Adoption von Pogromwaisen durch Familien, welche jüdische Vollwalsen an Kindes Statt aufnehmen wollen. - . Wenn auch die Nerven durch die Ereignisse der Kriegs-. und Nachkriegsjahre abgestumpft sind: dieses furchklare jüdische Unglück muß alle ausnahmslos hilfsbereit findein Wer noch Kinder Und Angehörige hat, die er liebt, w er nur einen Augenblick d a r a n. d e n k t, daß ihm und seinen Lieben dieses Martyrium erspart geblieben ist, wird nach Kräften und w eit ü o11 seine Kräfte für diesen Zweck spenden. Der wird nicht wollen, daß jene Märtyrer um ihre letzte Hoffnung betrogen werden, daß die Judenschaft sich der Witwen und Waisen annehmen werde. » Wir wollen rasch und mit größter Energie unsere Beihilfe zu dem großen allgemeinen'Hilfswerk leisten und sind überzeugt, daß die Beiträge, welche wir im atmen Oe st erreich auf bringen, von großer morali. scher Rückwirkung auf die Judenheit der reicheren Länder sein werden. Gedenket des unsäglich, qualvollen Loses der ukrainischen Stammes- und Glaubensgenossen, und dieser Aufruf wird nicht vergebens ceviien worden fei». ' Israelitische Allianz r Der Präsident: Dr. Artur Kurand^. Agudas Iifroel: Der Präsident: Wolf Pappenheim. ckr. Ott» ttftelc» Großindustrieller Dr. Gustav Arsu» Univ.-Prof. Dr. Gvstav Alexander Dr. Arnold Ascher, Gew-Sekr. der Baron Hirsch-Stiilung Richard Beer-Hoffman» Hofrat Dr. Ernst Dettelhei« Richard Bettelheim. Prokurist des Bankhauses 8. M. Rotschild Umv.-Pro!° Dr. Lndwig Braun Dr. Eugen Brettauer, Präsident der Mermrbank A.-G. Aeä. vr. Siegfried Boxer Philipp Broch, Dnektor der Verkehrsdank Ing. Edwin Ezeezowirzka Groß industrieller Eduard Doktor Großrabbmer Israel Friedmann Großrabdinrr I.M. Heschel Robb. Dr. David Feuchtwaug Robb. Dr. Max Grunwald Akad. Maler Iehudo Epstein Grmrinderat Dr. Jakob Ehrlich Siegwund Epler, Direktor der Länderbank Martha Boudy Hvjrak Dr. Salomon Frankfurter Fanny Fre.uud-MareUo Rechtsanwalt Dr. Defider Friedman». Bn,rp! äsident der israekilischm Knktusgemelnde Lisette Gelber Hvwat Dr. Siegfried Gerstmann, Direktor deL Zentraltaxamtrs Börsenrat Igna» Glück Dramaturg Heinrich Glücksmann Paul Goldstet«. Geneiakdnektor der Allgemeinen Depositenbank Dr. Philipp Gomperz Alfred Gritnielv Sophie Grünfeid Bergrat Max Gutmaun Uni».-Prof. Dr. Markus Hajek Dr. Paul Hammrrfchlag. Direktor der Creditanstalt Rechtsanwalt Dr. Oskar Hein Oroßindustrieller Ernst Hirsch Ludwig Horch Abraham Hornstein Dr. Adolf Kapralik Rechtsanwalt Dr. Felix Katzau Akad, Maler Istdor Kaufmann Baurat Wilhelm Kemplev Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner Univ-Prof. Dr. Leopold Königstein Charlotte Königowarter Akad Maler David Kohn, Präsident des Ibs Viennu Isrvisd Relief Fund Bankier Artur Kola Akad. Müler Lazar Ktestin äleä. vr. Edmund Kohn RechkSanwalt Dr. Albert Kuh Wilhelm Kux. Direkror der Nie,'erösterreichrschcn Escomptegeselljchast Großittdnsttieller Siegfried Lands' manu Großindustrieller Max Lawetzki Rechtsanwalt Dr. Josef Löwenherz Hosrat Dr. Josef Löwner Regierungsrat Josef Lövy Großindustrieller Leopold Lourie Grobkaufmann Jakob März Kultusrat Max Markus Anitta Müller, Mitglied der Ereku'.ive der Jüd. Welthllfskonferenz Ludwig Reurath, Direktor der Creditanstalt Rechtsanwalt Dr. Julius Ofner Rechtsanwalt Dr. Karl Ornstein S. Öfterer, Präses des Jiid. Hochschulaussiiusses RechtsanwaltDr.Wilhelm Pappenheim Grna Patak GememdermDr. Leopold Plafchkes Oskar Pollak, Direktor des Wiener Bankver eines / Gememderat Dr. Bruno PollaK- Parnrru Josef Popper-LqnKeus Grobiudusirieller Oskar Rosner Felix Salten Aleä. vr. Isidor SchaliL stlrtur. Schnitzler '? Hosrat tlniö. - Prof. Dr. Julius Schnitzler Kommerzialrat Hugo Schwarz, Direktor der Auolodank Gemeindcrat Dr. Rudolf Schwurz- Hiller Großindustrieller Felix SodoLkra . . Prot. Julius Stwertka» Konzertmeister der Staatsover Negienmgsrat Rredolf Tautzig Isaak Jakob Thrrmim Akad. Maler Wilhelm Wachte! ' - Dr. Israel Waldmann . - Iakov Wassermann Dr. Ludwig Werner, Z n'.r l? inspeftor der vstcrr.- Bunde. Vahr nt Juliusz Wolfs ohn Börsenrat Robert Wortmaun Alexander Mols Theodor Weiß, Mi'glied des Deutschen Volksiheaters Unip.'Prof. Dr. Otto Zuckerkarrdl Adresse für Grldsendunaen: Allgemeine Depositenbank, 1.. Schottenaasse 1, Konto »Hilfskomitee für die «krainisch>- jädischett Pogromopfer". Adresse für Spenden von Bekleidungsstücken: Svph>e G) ü n s e ld, Beklcidnngszen'rale, VHI.,Langegasse72, Amtsstunden jeden Donnerstag von 3 bis S Uhr. Der12. Kongress ist einberufen! Werbet für den Schekel! Stärket die österreichische Deleaation auf dem Kongress! dW (Schkalim beim Zionist Landeskomitee für Osstorrsich, II., Zirkusgasso 33 und in allen Orisgruppon und ßezirkssektionen.) 2593