Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 819 (8.5.1921)
- Date
- 1921-05-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Me»«^M-rse»zekttu,g S. Mai im | ««cr'ar teilte die Mitarbeit Amerikaist eine Beruhigunburopanicht -u erreichen, und der Plan HardingS, pmen Bund aller Völker zu errichten, gewinnt täglich starke« Notwendigkeit. Die Friedenverträge erzeuge» Zmmer neue Krisen und die endlosen Konferenzen der Mächtigen verlieren jeden Sinn, wenn sie das Unglück von Versailles nicht aufheben und die Welt weiter in den Fängen der Militaristen, Schieber, Glücksritter und Demagoge» verröcheln lasse». Uerpfändung und Kontrolle. 118 Milliarde« Dudgeterfordernis. - Ae«here Anleihe vaa so» Millionen Schweizer Franke». - Der Kampf der Parteien «m die Verantwort««». — Wirhrnngswechsel »nd Notenbank. - Derpfününng des Tabaknnd Zoll- «ouopols. — Ei« Kontrollkomtter. :v Du Wort an die SUchtzionisten! » lk. W i e». ö. Mai. I Kehr ltmständ' vermag die abnormale Situation Ger Mischen Gesamtheit klarer zu beleuchten als die in weiten jüdischen Kreisen noch immer herrschende Gleichgültigkeit und Jnteresielosigkett, wie sie in dieser für Hie jüdische Sache so entscheidungsvollen Zeit zutage tritt. Die Erkenntnis, daß das jüdische Volk an einem Wendepunkt seiner Geschicke steht, ist noch immer nicht im. erwünschten Maße zum Allgemeinbesitz der Gesamtjudenheit geworden und viele unserer Brüder gehen völlig Unberührt an den großen Ereignissen und Umwälzungen vorüber, die bestimmt find, die Zukunst der jüdischen Gesamtheit in radikaler und endgültiger Meise zu verändern. Die Politik des Zionismus, die unentwegte Arbeit bjwt mehr als zwei Jahrzehnten, steht vor ihrer Erfüllung. Was den zahlreichen Gegnern der zionistischen. Idee als ein phantastisches Märchen erschien, das soll nunmehr Tatsache werden. Die Idee Theodor Herzls, Las Strehen, unsere Dolksheimat Palästina wieder zum Perm eines neuerwachten jüdischen Volkes zu machen, Zoll" nuttmtzhr Wirklichkeit werden.! ' In einer ungeahnten Schnelligkeit, die niemand erwarten mochte, sind die jüdischen Zukunststräume zur Wirklichkeit gereist. Es war dem Weitblick der englischen Politik beschieden. den realen Kern in dem zionistischen Programm zu erkennen, und schon während des Krieges haben Englands Staatsmänner, vor allem der damalige Außenminister Lord Balfour erkannt, daß die Zikdenfrage, deren Lösung nicht nur eine Angelegenheit des jüdischen Volkes bildet, sondern auch eine Sorge der internationalen Politik, nur auf internationalem Wege fc» großzügigster Weise gelost werden kann und daß sie, deten letzte Ursache die jüdische Heimlosigkeit bildet, nur dünn einer befriedigenden Lösung zugeführt werden kann, wenn dem jüdischen Volke von den Mächten der Welt der Weg zur Heimatsscholle ermöglicht wird. Er hat gesehen, daß die zionistische. Lösung des Palästina- Problems gleichermaßen im Interesse der jüdischen Polkes wie im Interesse der Menschheit selbst gelegen ist. indem so dem europäischen Antisemitismus die Giftkeime genommen werden und durch die Verpflanzung eines Kulturträgers von der Bedeutung dctz jüdischen Volkes in den Orient für diesen selbst eine Epoche der Ruhe und eine neue Periode des Auffchwungs aus jahrhundertelanger Stagnation sich ergibt. So kam der als Dalföur-Deklaration für die Geschichte des Judentums historische englische Regierungsakt zustande, in welchem diIhistorischen Ansprüche des jüdischen Volkes astf fern Land feierlich und formell anerkannt wurden, und bei den Verhandlungen von San Remo, die der Festlegung des türkischen Friedensvertrages galten, wurde bekanntlich diese Deklaration dem türkischen Ariedensvertrage selbst einverleibt. So erhielt das zionistische Programm «durch biß* Weltmächte selbst seine Rechtskraft. Damit eröffnet sich der jüdischen Arbeit in Palästina freie Bahn. Das jüdische Volk soll wieder festen Boden unter die Füße bekommen, der ewige Wanderer ein Heim, es soll wieder ein Land geben, wo jüdische Arbeit jeglicher Art sich ungehemmt entfalten, sich eine souveräne jüdische Kultur entwickeln kann, ein Land, wo der Jude Herr im eigenen Hause ist und von wo wrs er, mit allen Attributen eines unabhängigen Volkstums ausgL stattet, seine Stimme im Bölkerkonzert tzn.erheben vermag und sein Wort in die Wagschale werfen kann, wo jüdische Rechte und jüdische Ehre und Würde bedroht sind.; Aber das jüdische Palästina kann nur geschaffen werden, wenn da- Judentum in aller Welt ohne Unterschied der Richtung sich der Größe des Augenblicks bewußt wird und die Opfer bringt, die dieser von ihm fordert. Palästina ist wohl der zionisttschen Organisation Zugesprochen worden, aber für daS ganze jüdische Volk. Wir stehen vor unerhörten Schwierigkeiten. Aus der allgemeinen Weltkrise heraus sollen von jüdischer Seite alle die Opfer und Leistungen vollbracht werden, die Zum Aufbau eines Gemeinwesens nötig sind. Schon in nächster Zeit müssen Investitionen aller Art, öffentliche Arbeiten in größtem Ausmaß, wie Straßen-, Brücken-, Eisenbahn- und Hafenbauten begonnen werden, es wer- «den Stadtviertel und industrielle und technische Anlagen aller Art nötig sein und brachliegender oder ungenügend behauter Boden wirin weitestem Umfang gekauft werden müssen. Die Aufforstung deS Landes soll seine künftige Ertragfähigkeit sichern, ein ansgebautes Schul- und Erziehungswerk der Förderung des jüdischen Geistes dienen. Um all dies bewerkstelligen zu können, würbe ein zentralgedachter Palästina-Grundfonds, der „Keren Hajesiod", geschaffen, der in kürzester Zett die Summe dyn 25 Millionen englischer Pfund aufbringen soll. Es M dies, eine freiwillige jüdische Volkssteuer, die sich auf Die Vechandktnge« bet Rogiern«» mit de» Finanz» delegierten des Völkerbünde» sind nunmehr abgeschlossen. Das Finanzministerium hat das Gesamterfordernis für danächste Budgetjahr mit 118 Milliarden errechnet. Davon solle» mit Zuhilfenahme der in dem neuen Finanzplan vorgesehenen Steuererhöhunge» und neuen 101 Milliarden gedeckt werde», so daß ein Defizit' von 17 Milliarde« erübrigt. Der Abgang soll durch eine innere Anleihe horeingebracht werde», z» der der Realbesitz auf die Weise herangezogen werde« ftll, daß do» der sofort «ifzunehmenden srchSprozentigen Kmtttonshypothek auf alle Liegenschaften 4 Prozent für die innere Anleihe «nd 2 Prozent als Garantie für die äußere, 600 Millionen Schweizer Frauken betckigende Anleihe» verrechnet werbe» . Da- Schwergewicht der SanierungSaktion erscheint nun zunächst nach G enf verlegt, wo der Rat deS Völkerbundes am Dienstag Berichte der Fmanzdelogierte« enchegennehme« und den Finanzplan der österreichischen Regierung sowie die Garantien und Erklärungen der Parteien des österreichischen Nationalrates prüfen wird. Man rechnet damit, daß der Rat, des Völkerbundes ungefähr Mitte Mai mtt feinen Verhandlungen zu Ende kommen wird. Dann dürfte sich der Rat des Völkerbundes mit den Bankgruppen der 1» Betracht kommenden : Staaten in Verbindung fetzenum die Ausländsanleihe zu perfektionieren. Alle Parteien haben der Regierung Erklärungen übergeben, in denen sie ihre Haltung zu dem Finanzprogramm umschreibe». ES ist vorweg zu konstatiere», daß bet dm Christlichsozialen eine, arge Mißstimmung besteht ■ Und daß sie schon wieder mit der Krise drohen. Die Parteien nageln in ihren AntwortSorklärungen die Verantwortung der Christ» lichsozialen fest, indem sie Wohl die Forderungen der völkerbuMominisfion, nicht aber den Finanzplan der Regierung akzeptieren, für den der Minister Dr. G r i m in verantwortlich zeichnet. ES Mag bei dieser Gelegenheit nochmals darauf verwiesen werden, daß dieser Reformplan ein schon oft dvrgetrageneS Programm deS Herrn Dr. Grimm darstellt und von der Volkerbundkommiflion wohl genehmigt, von ihr ober durchaus Nicht als den Staat verpflichtend angesehen wurde, Die Kommission wünscht eine Verminderung der Ausgaben und ein- Erhöhung der Einnahmen. Auf welche Weise dreö erreicht wird, ist nicht ihre Sorge, sondern die der Regie« iruttg. Die ChristlichsoMeN haben die ausländischen Experten ' als ' Vorspann für ihre Fiiumzidseu benütze» wollen, um hinter deren Autorität eine Schonung ihrer agrarischen Wähler durchzusetzen. Die Übrige» Parteien aber verderben dieses Spiel. Die Sozialdemokraten wollen dir Bequemlichkeit ihrer QppostttonssteÜuNg Nicht amsgeden, die Kroßdeutschen verlange» eine Ausdehnung der staatlichen Hypothek, die Nach dem Regierungsplan auf die Liegenschaften gelegt worden soll, auch auf den beweglichen Besitz. Die Bauernpartei tut sö. als wenn sie alles annehme, fordert jedoch gleichzeitig eine Erhöhung der außer«» Anleihe/ und stellt i« übrigen boshafterweise ihre» christlichsozialen Freunden das Bein deS A nschluffes an Deutschland. Die Hoffnung der Christlichsozialen, die parlamentarische Last auf alle Parteien zu verteilen, ist also enttäuscht. Sie müssen sich für jede einzelne Steuererhöhung die parlamentarische Mehrheit holen. Ihr Kanzler, Herr Dr. Mayr, hat es für höchst notwendig befundchi, seine Familie in Tirol wieder zu besuchen, und hat den armen Dr. Grimm mit den Parteien alletngelasseu. Die Verhandlung«! -zwischen der Regierung und der Bölkerbundkommission wurden gestern um 2 Uhr morgens jim Hotel Bristol ftnalisiert. Die Herren Glückstab, Ave n-o l und Drummonb-Frajer wiederholte» ihr«;' Bereitwilligkeit, sich für Oesterreich nach bestem Gewissen einzusetzen. In den RegierungSkreisen rechnet man sehr stark aus die baldige Gewährung von Vorschüs sen, was angesichts der Lage des Staates und der internationalen Konflikte sehr dringlich ist. Dte Heranführung von Leben-Mittel« dem ckktjudlschen Grundsatz des „Zehnten" (Maatzer) aufbauen soll. An der Spitze des für diese Zwecke geschaffene» wirtschaftlichen. Beirats (Economic council) sichen neben bekannten jüdischen Politikern Männer, deren Namen in der Finanzweü einen guten Klang haben und die ihr Wirken mit der jüdischen Palästina- Sache .verknüpft haben, unter anderen der englische Minister Sir Alfred Mond, Lord Walter Rothschild it.cr. Man kann sich zur Politik der Zionisten stellen wie man will, die Arbeit für das jüdische Palästina jedoch hört in diesem Augenblick auf, die Angelegenheit einer jüdischen Richtung oder Partei zu sein. Es ist eine Sache dos gesamten Judentums, für welche wir nunmehr zur tätigen Mitarbeit aufrusen. Mögen die einen im künftigen jüdischen Palästina die Volksheimat sehen und von ihr die Lösung der Judenfrage erwarten, mögen die anderen sich für ein jüdisches Palästina auS rein religiösen Gesichtspunkten erwärmen ober statt der nationalen jüdisch-humanitäre Beweggründe im Auge haben. Ein Judentum, das flir den PaläsAna-Gehanken nichts übrig hat, ist schlechterdings m keiner Form denkbar. Die Gegner denationalen Judentums, welche!« Kampfe gegen die politische Betätigung der Zionisten de» Geaeniatz zwischen der Kalästiua-Arbeii zuch der utf tat holländisch« Hästn ist durch die Verhältnisse im Ruhrgebiet erschwert, die ttuchen AufstSnbe in Oberjchlefie« wirken ungünstig «f dft Zkohlenversorgung Oesterreich» «nd «S werden bereit» «amhafte ZugSrebnzte^ rangen in dieser Woche verfügt. Die auswärtige« Kredite sott«« Mr Gründung eine» privaten Roten in stituts verwendet werben, das, wie verlautet, nochim Sommer). inS Lebe» treten und ungesäumt an die Ausgabe nenzep österreichischer Franc» schreiten wird. Die,Zurück- Ziehung der österreichische« Krone soll langsam und stufen- Die österreichische Rote. Ihr I»h«t der «ntw»rtm>« tat Ssdirreichtscha, Regie, omrg «Nts da» von den. Delegierten des Finanzkomitees des Völkerbundes am 29. AM 1921 Übermittelte ÄeMvrandum steht bereit» fest, nachdem die Regierung mit allen politischen Parteien Fühlung genommen und deren grundsätzliches Einverständnis erlangt hat. In der Antwortnote wird es MnLchst als unumgängliche Voraussetzung einer Sanierung dezetchwe, Sag der von der Regierung aufzustrllenbe Finanzplan und die vom Finanzkomitee zu arganisierenden auslärrdische« Hilfsmaßnahmen ein einheitliches Ganzes Hilden. .4 Die Regierung erklärt sich bereit, um den Schwäukungen des Geldwertes ei« Sude p machen und bi« Valuta zu stabilisieren, einer mkt Beteiligung «nSlSndych« Kapitals nenzugründenden «M..L . ..aä TuUCinHUlI des ausschließliche Recht der NvtencukZgckbe zu ÜbertragLN, wobei eine entsprechende Teilnahme Oesterreichs an der' Verwaltung dieses Instituts zu sichern ist. Diese Notenbank hätte di« Ssterretchische-Rvtenzirkulation gänzlich als eigenes Passivum zu übernehmen. Sie wird durch die Kapital?- einzahlüttg der AktivttLre, durch den vom -Staate einzuliegenden Erlös des für die-Vqlutazwecke tm Auslände auszunehmenden AUletzeüS Und durch sonstige Zuwendungen des Staates, die er ans. Rechnung, feiner Nvtenschuld leistet, fundiert werden. Die wichtigste Aufgabe dieser Notenbank wärst die Aufrechterhaltung des Goldk-nrswertes der Krone. Die Feststelümg des Goldkurswertes wird.Vorbehalten. Zur Sicherung der ausländischen Kredite und der Schuld dsö Staates aU die neuzugründende Notenbank werben - bestimmte Einnahmen,. insbesondere jene.. .. , i, ,v,:. aus dem Tabafmmwpvl, d«M Zchllgcfülle, eventuell «ns drn - StaatsMrstm zur Verfügung gestellt. Di« Kontrolle, soll von einem aus Delegierte«, des Finanzkomitees des Völle bunbe» und aus Bertret-ern der österreichischen Regierung^ zusammengesetzten Komitee ausgeicht werden. Ferner, w^x'd den üNslLnbischor Kreditgebern «in gesetzliches.. B p r z ugspsandkeHt ü» da» nrfanrte» Realbrsttz in Oesterreich in der Höhe von 4 Prozent des Po r - kriegswertes eingerauM. Der von der Regierung vorbereitete Finanzplan soll unter Heranziehung aller Steuerquellen und unter f ortschreitcttdeM Ä'h'- b au d er Lebens mittol su b s i d icn da? Gleichgkwicht im Staatshaushalt Herstellen. Drö. Regierung erklärt,,.sich bereit, zu inneren Anleihen zu schreiten. ' Üm den: Finanzkomitee des Völkerbundes die verlangte möglichste Sicherheit zu gewähren, baß die ersorderlicheu Kapitalien auch durch inländische Anleiheoperatiqnen, soweit nötig, werden aufgebracht werbe», erklärt sich O«ster«ich schon jetzt bereit, die Aufbringung det üineren Mitttt dürch etm wettere zw.'iprozentige Vorzugshypothekarbelasütng d e s 8 st e t r e i ch r * sche« Privaten Realbssitzes zv garantieren. Die beiden Garantiehypotheke« solle» bereits auf die neu« Mhrung lauten, Wodurch zum Ausdruck gebracht werden soll, 'sie von der vorherigen Sicherstellung der Sanierung des Staat?- h«SharteS b» der ZSährung bedingt find. nationalen Propaganda im Wohnlande zu ttnierftreichen bemüht Ware» und stets barattf hrnwiefen, daß ihrt Gegnerschaft bloß dieser «ationalpoUtische« B.etLtlgüüg gelte, wahrend der Gedanke des Aushaues erncS jüdischen Palästina ihre vollen Sympathien habe, sie werden nunmehr in die Lage versetzt, diese ihre Sympstthsi: durch die Tat zu bewerfen. Heute ist das jüdische Palästina zum Losungswort, zum * Schiboleth für fcb'c.t Ju'den geworden und wer sich der Mitwirkung- '^'1^ schließt/ dokumentiert dawit, daß er fein' Schicksal 06:1 dem seiner Gemeinschaft trennen will, daß es ibrn ur'tt um Erhaltung und Aufbau, sondern um Untertauchcn und Auflösung geht. . Die Arbeit für den Palästina-Aufbaufonds, "Leu Keren Hajessod, hat in vielversprechender Weise in allen, auch den entferntesten Teilen der von Juden bewohnten Wett eingesetzt. Worauf es nunmehr ankomnü, sind nicht Spendensammlungen, sondern freiwillig gebrachte große Opfer, eine wirklühe Verntögensabg'.lbe. Jedermann wird den Zehent von seinem Vermögen und feinen Jahreseinkünften auf dem Altar der großen, ge» meinsamen Sache niederlegon müssen und hierftr sMe unumgängliche Pflicht zu erblicken haben. : Dt« Augen der gesamten zivilisierten Menschheit sind Wieder snmal auf u«S gerichtet. Eme w unserer