Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 819 (8.5.1921)
- Date
- 1921-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 819 Wien, Sonnt»- '-:—;—A---7 Pveitausendjahngen LerdensgeichichL? unerhörte Glück-« charrce bietet sich unserer Gemeinschaft. Ob wir sie jedoch rruszunützen verstehen werden,. licpt durchaus in unserer Gand. Die MaNdatarmacht Tnplano hat'l m unzweideutiger Weise ihren Willen kundgetan. Aber, daS iüdische VöL selbst ist bisher allzu stumtn geblieben.- Denn daran kann nicht -der mindeste Zweifel 'sein, daß tmr wir selbst das iüdische Palästina -zu.schaffen vermögen. Die Mandatsmacht selbst kann rrur die Möglichkeiten und Vorbedingungen biMr bieten, alles andr re -st unsere eigenste Aufgabe. -Keinem.Volk kann, man die Heimat.schercken, eine Heimat ckann nur durch Hingabe 'md -Opfer errungen werden rmd eine geschenkte Heimat mre dieses Namens unwürdig.. An der ^Herrschaft Oesterreichs und vor allem an 5em Mischen Wien liegt eS nuymehr, seinen jüdischen WAen durch die Tat zu beweisen. Wir rufen alle ans Werk, denen ihr Judentum, noch etwas gilt und dre ihm swu» größere, freiere Zukunft bereiten wollen. Darüber hinaus fragen wir nicht nach, G-stnmrng und Pro- »ramm. Palästina wartet. Das durch-Jahrhunderte sträflich vernachlässigte Land' -schreit Nach' jüdischen Mitteln und jüdischen Merrschen, (ir'nd'-LMende '.jünger Men stehen bereit, um hinüb'erzuMeir -und 'in opferlrüudiger Entschlossenheit, mit Derächtuwg aller' Mühe und Gefahr ihrem alten Manun'' öie neue Heimat tzu Breiten und d6A -'Land, '-auff''ö.eni''-er. Mische Genius ^wachsen ist, detsMr Welt seine' unvergänglichen Lehren verkündete/ seinen alten, sierlörenen Glanz wied^rzü- :men. An uns liegt -es nunmehr, diesen' unseren Pionieren den Weg zu bahnen. So ergeht denn unser Ruf an alle Juden: Leistet ^hne Zögern die freiwillige jüdische Völkssteuer für den ^alästinaUusbaufoNds, den Keren Häjessod! -! Tirol verlangt eine Erhöhung ver; staatlichen Zuschüsse.! Innsbruck. 7. Mai. Der Landtagnatjm heule einf-bunirj die Anträge des Ernährungsausschussesaniovnach - eine zur Verbilligung von Fleisch uÄs,Milch sür Miudestbemittelte bestnnmte eck nckwml iH.e dg ab e - vom Viehbesitz beisonstigem Zwang zur biHcrigen zehnpr-ozentigen ViehabstallüNtz' und ejnd Abgabe für die Stellung dev Rückstände'eingeführt werden ^soll- Für die Fremden sollen nux' aus dem Ausland einge-. -ührte' und mit der von den -Fremden ziK leistenden Äaluta anzukaufende Lebensmittel verwendet, .das v> a rn st e r N d' u r ch Fremde verboten- und auf dem Wege des Reise-Scheckverkehrseine Besteuerung,.. der . Fremden zugunsten der Verbilligung -der -Lebenshaltung oer Minderbemittelter eingeführt' werderr:> - ' Hierauf begründete' Abgeordneter Dr. P ü s ch einen Airtrag des Firianzausschnsscs, das Nachtragserfordernis züm Voranschlag mit einem Mehraufwand ./'hon 132,200.700 Kronen und einer Bedeckung von 44,135.('00 Aroneii zu genehmigen und die Landes-- regievung' zu beauftragen, eine wesentliche Erhöhung ddr b u n d e s st a a t H d) en Zuschüsse, ' mindestens 50 Prozent, zum gesamten Personalauswand durchs hie Bundesregierung' zu erwirken und eine-dev Geldentwertung entsprechende Erhöhung der allgemeinen Dotation für das Landeserfordernis von dev Bundesregierung anzusprechen. SOIntnr Morsr»sett»«- des Herrn Oberabbiners Dr« Chajes. Themar Die Qottesfffirchflgen im alten Heldentum "Beginn 7 Uhr abends. Eintritt frei, Gaste willkommen 1 Hontag den 8. d. M. im Saale des HumanitätsVereines »B’nel Brlth«, Wien, IX., UniversitätsstrasBo 4, Verein für jüdische Geschichte und Literatur. VORTRAG Heute 3 Uhr nachmittags im Garten und in den Sälen des Restaurants „Pr aterfee**, //., Prater Hauplallet (zwischen 1. und 2. Kaffeehaus) Jüdisches Volks-Gartenfest zugunsten des Jüdischen Nationalfonds Reichhaltiges Programm Anschliessend Tanz Kapellmeister Geige Politische Rundschau, j . Die jüdischen Parteien »nd die polnisch-jüdische Verständigung. - Seit der ersten Tagung der Konferenz zwischen der polnischen Negierung und den Vertretern der jüdischen Parteien und in der Frage dev polnrsch-jiidifchen 'Verständigung ist geraume Zeit verflossen, ohne daß die ganze Aktien einen Schritt vorwärts gekommen wäre. Die Regierung selbst hat bei diesen Verhandlungen ein P-rogramminimum .aufgestellt, in welchem an erster Stelle die für die Juden - Polens so wichtige Frage der Abänderung des Zwangs- ' sonntagsruhegesetzes sieht. Diejüdischen Partien'haben, wie es schon bei den früheren Verhandlungen mehrfach der Fall war, ihre Forderungen formuliert. Trotz aller Zusagen .wurden diese Forderungen von der polnischen .Regierung; bisher nicht beantwortete und' auch in oet Frag^ der Sd'nu-', tag sv^h e.. nichts^ getan/ um die Hr die^Juden Polens^ wirtschaftlich mlinosen-Bestimmungen des Gesetzes andern. ' . . -./ --V Während noch die Aüsgleichsvevhandlungen. zwischen der ° interministeriellen Kommission und den Vertretern' der jüdischen Parteien währten, hat der polnische Sejm bei bnzweiten und dritten Lesung des VerfassunqZentwurfes all c jüdischen M inj Malforderungen ab gelehnt. Die polnische Regierung hat jetzt im Zusammenhang mit dem Friedensvsrtrag von Riga,eine „Fremden"-Politi? inauguriert, welche Zehntausende von Juden-mit der Landsverw-isung bedroht und die jüdische Bevölkerung Polens in schwere Unruhe versetzt. Die Einsteinsche Nelatwitätstheorie.*) ° ' B»« Samnel Auerbach 1. Das Problem. Wir wissen bereits, daß .sich/di« von Einfte.isi .im (sahre 19p3 .. aufgestellte „spezielle Re.!:«*ti-.vij.4HIJfr-i t-heorie" kurz so ausdrücken läßt: ,D i e..(matheryatssche) Formulierung aller Naturgesetze bleibx^Mr^ jeden beliebigen, sich gradlinig-gleichförmig bewegendes Bezugskörper unverändert (invariant). - . . Nun ist es selbstverständlich, daß sich Einstern die Frage vorlegen mußte» ,wie eS denn komme, daß. die Naturgesetze nur für gradlinig-gleichförmig sich bewegende BezugStörper invariant bleiben, und ob es nicht möglich sei, den Naturgesetzen eine solche Formulierung zu geben, daß sie für j eden sich b e l i e b i g b e w e geir« de« Bezugs kör per ihre (mathematische) G e sial t unverändert beibehalten. Der Lösung dieser Aufgabe stellten sich unüberwindlich scheinende Schwierigketten, entgegen. Bei der gleichförmig-gradlinigen Bewegungkann rnan sich deren Relativität gefallen lassen; wenn man zum Beispiel im gleichförmig-gradlinig dahinbrausenden. Schnellsitzt, so bleibt man ganz ruhig auf seinem Platz,'man fann sich in Ruhe wähnen und sieht nur. den Bahndamm, die 'Aegraphenstangen und Kilometersteine: in grasender - Bewegung.. j.'; I Wenn aber die Bewegung des Zuges..u-ng.ler.ch-- tzörmigwi^ indem, zum Beispiel der Zug plötzlich gebremst. wird»' da.kann man nicht mehr ruhig sitzen, Man bckümmt einen tüchtigen Ruck, nach vorye, -man spürt, daß. ,^Krast" auftritt. Dasselbe ist der Fall bei der krummlinigen Bewegung. Die klassische .Mechanik - sah sich nun i^nötigt, diesen (ungleichförmigen ruck»' krummlinigen) Dewegunge» absoluten Charakter• Zuzuschreiben, da sie sich; i? durch , die auftretenden Kräfte als ' tatsächlich, stattf'-ndLnd manifestieren» , .. •/ - ' ■ ' ., 3 .M. F-siWLprl in d«x »Wlöner DoxsMtzi^vts' jM Auch der fallende Stein bewegt sich, wie die Erfahrung zeigt, mit immer größer werdender Geschwindigkeit, also ungleichförmig. Als Grund des FallenS geben wir die »A n z i e h u n g s k r a'.f t" der @ri,e ‘ an. Die Physiker sagen, eS herrscht in der Umgebung der Erde ein «Schwerefeld" oder «Gravitationsfeld". Fragen wir uns nun, kann in den angeführten Fällen Rel^üvckat herrschen, d. h. kann man annehmen, daß infolge einer veschleunigten Bewegung ein Gravitationsfeld entsteht', wie man annimmt, daß infolge deö letzteren die befchlemugte Bewegung hervorgerufen wird? (Mit anderen Worten: Kann man die mathematische Formulierung der ungleichförmigen Bewegung für die Darstellung des Gravitationsfeldes verwenden?) .Wie gesagt, die Durchführung dieses Gedankens mußte'sehr schwierig, fast unmöglich .erscheinen, da infolge des Auftretens von „Kräften" die Relativität ausgeschlossen' scheint. Andererseits ist eS klar, daß man durch die Lösung dieses Problems einen genaueren Einblick in das Wesen der Gravitation (Schwerkraft) gewinnen müßl 2. Gleichheit der „trägen" und „schweren" Masse. Bei der Lösung der genannten Aufgabe kam Einstein ein iSätz zuhilfe, den zwar die klassische Mechanik aufgestellt, aber nicht erklärt hat. -ES ist dies di« folgende Tatsache: Will man einen Körper heben, ü, spürt man einen gewrssen Widerstands derumso größer tft, je schwerer der Körper :st. Die Physiker nennen diesen Widerstand die «schwere Masse" dtzS Körpers. Will man aber den Körper nicht heben, sondern nur verschieben, so' spürt man auch einen Widerstand, den man die „trage Masse" nennt und die Physiker haben nun festtzSstellt) daß die „trage" Masse gleich ist 'der „schweren". Den Grund aber find sie uns schuldig ge-' blieben. Einste i n ging Nun von dem Gedanken imö, daß dttse Gleichheitnicht-zufällig sein kann. ES muß vielmehr einen Standpunkt geben, vän welchem aus 'betrachtet die „schwere" Äiraffe als „träge" erscheinen mutz und ümgekehrt. Daß es einen solchen gibt, läßt sich durch dafost genbe sinnreiche Gedankenexperiment Einsteins klarmachsn:' Denken wir rM irgendwo'im Weltraum» fern von der WWiMstjeMHer Kräfte, ein K'mUten ^n dieses 8. Mat 1921 .Äelle s Dieser Stand der Dinge hat in den jüdisch-politischen^ Kreisen Polens starken P essimism us in der -Fcagck 'der - Weiterführung der polnisch-j üdischen' Ansgleichsvetchaud^ klungen .erzeugt und in der jüdischen Presse, der verschied lsten Parteischattierungen »heb. die Frage erörtrrüob unter diesen Umständen überhaupt einen Zweck'hahe, dir Handlungen -weiterzuführen. Verstärkt wurde..diese/ §ti«' mung durch die maßlose Hetze der rechLs-ste.h-ea^dy P.r.esse gegen die Verständigungsaftion und durch die in»'- zwischen bekanntgewordenen Vorschläge der Negieru:rg auf, Aenöerung des Wahlgesetzes für das polnische Parlament» durchs rvstlche die städtischen Wahlkreise mit ländlichen vereinigt., werden und so den Juden eine fast völlige Ausschaltung outf* dem kommenden Sejm droht. . - Diesem durch die Tatsachen gerechtfertigtem Mißtrauens gab ein« in den letzten Tage«. in Warschau statigefuudenSt Konferenz sämtlicher jüdischen Parteteujl Ausdruck, in welcher die Frage der Wetterführung der Tu-»^ gleichsverhandlungen auf der Tagesordnung starch. Ans, dieses Konferenz wurde mit überwiegender Majorität.erklärt, daßz die jüdischen Parteien an der von der Regierng einbernferrepr Bersrändigungsaktron so lange nicht weiter teilnehmen wollen, chiP. nicht die von der Regierung akzeptierten Mirnmalforde» -rungett der jüdischen Parteien erfüllt sind. Dr.iNoss^g, deo Vermittler zwischen der polnischen Regierung urrd den jüdi* scheu Parteien, welcher an der erwähnten Konferenz teilnohm^ wurde beauftragt, diesen Beschluß der jüdischen Parteien dkH polnischen Regierurrg bekanntzugeben. ' .Es ist nun abzuwarten, was die polnische Regisennq, lun-witd. Aus ihren Schritten wird sich erkennen lassen^ e' es ihr mit der Verständigungsaktion ernst ist. Die pornisch-tttauische Frage. 1 ÄuS Warschau wird uns geschrieben: Obwohl nuatj in hiesigen politischen Kreisen an die in Brüssel untme d«j Patronanz des Völkerbundes ftattfindenden Verhandöunge» Zivischen, den polnischen und litauischen Vertretern keine allzut weitgehenden Hoffnungen knüpft, scheint seit einigen Lage«' eine etwas . günstigere Beurteilung des polnisch-lidauis Konflikts Platz zu greifen. Sie stützt sich vorlimfig eigentli '.tnr -auf Imponderabilien und Stimmungen, scheint aber bochi^ .einer , gewissen ernsteren Grundlage - nicht zu. entbehren. Ditz' tatsächljchen Gegensätze sind nach wie vor sehr -bedeutend^ nichtsdestoweniger brnn vielleicht von einer leichten Ent»! spanrmyg der Situation die -Rede sein. Derckitauische Ministes pes^ - Äeußern, Herr Puricfts,. hat^^ namlich dieser Tags Kownoer Landtag eine Rede , gehalten, in . der er betonte, da^ Zentrallitauen danach stvesien .müsse, sein -Verhältnis W ^Polen zu regeln, .auf jeden Fall, aber die bisher -zwischens' '/Polen .und Litauen-.-bestehende „chinesische --Mauer" mebet», zureißen. Minister Purickis sprach^ auch von -der . MstgNKMkeit. eines militärischen Bündnisses mit Polei^ wobei ra unterstrich, daß Litauen yls - neutraler Shrat joderzÄr ei« solches Bündnis cchschließen .könne,. ■ ohne hiedurch seine« Vertrag mit Sowjetrußland zu - verletzen. . Ueberdies abetz wies, der litauische. .Minister. des -ÄeußcLn auf die. RotzvendiA^ kcit deS AöfchlüffeS eines HandelSübereinkommens mit Polen! hin. Er entwickelte schließlich ein ziemlich detailliertes «Prodis sorisches" Prograinm der litauischen Politik gegenüber und führtch dabei aus, daß die Kownoer Regierung bereit wäre, Polen gegenüber folgende Verpflichtungen einzugehe«^ 1. Keine Angriffe auf Polen zu unternehmen; S. Pols« Recht des freien Transitverkehrs zum Meere einzura wir , einen Physiker, der an die Schwerkraft glaubt. Da a! in seinem Zimmer jetzt die Schwerkraft fehlt, wird er wiff daß er sich am «Boden" des Zimmers festbrnden muß» er nicht Leim leisesten Stotz ^hinauf", schweben soll. Stein, den er auf die flache Hand legt» bleibt schwebend «« derselben Stelle, wenn er die Handfläche unter ihm tptfr. zieht; bindet er einen (Stern mittelst einer Schnur an der ' Decke fest, so wird die Schnur mcht gespannt werden^ d« ja/keine Schwerkraft vorhanden ist. die den Stein z» JStfauC ziehen würde. Nun beginnt irgendeine Kraft das Zimmer mit fttttttea großer werdender Geschwindigkeit nach «röe»* zu ziehen. WaS wird jetzt im Zimmer Vorgehen? Der Man« . wird plötzlich einen Druck in den Deinen verspüren» er wrrd gegen den Boden gedrückt; der Stein, der früher schwebte^ beginnt mit . immer größer werdender Geschwindigkeit geg«^ den Boden zu fallen. Die Schnur, an welcher der anders Stein befestigt war, wird jetzt gespannt. . Wie erklär! stchf unser Physiker im Zimmer alle diese Vorgänge? Er sich sagen: „Ich.befinde mich jetzt in einem Gravi-« tation.Sfeld, deswegen werde ich zu Boden gedrückt, befr; wegen fällt der Stein; die Spannung in der Schnntj wird hervorgUnfen durch die „schwere" Massq^ deS Steines." Ihm erscheinen also diese Vorgänge zenaAj sc>, wir sie un§ in unserem Zimmer auf der Erde erscheinen» Aber ein Beobachter von außen, der weiß cd beffeL, DaS, was der Männ irw Zimmer für ein Gravitationö-z feid hält, ist für ihn nichts, anderes als eine einfache bs» schleunigtc Bctoegung. Der jStctn fällt gar nichb zu.Boden, sondern dieser bewegt sich nach „aufwärts". Drej Spannung in der Schnur rührt nicht do« der) „schweren", sondern von der „trägen" bc§ Steinc§ her. Jetzt leuchtet es uns ein, '.uaruick biH „träge". Müssender „schweren" gleich sein muß. * ■ : 3. Einfteinö Gravitatlonsthevrie» Einstein zog nun den folgenden Schluß: &uä :ieftuß Experiment ist die Relativität "des Gravita tionv, fsldes und der beschleunigten Bewegung «v» sichtlich. Ran kann sich das eine durch dis andere «rtftandeni denken. Ra» K.raucht also.'nur die ÄssgtzqtzchA