Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 816 (5.5.1921)
- Date
- 1921-05-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4 «Brr m* Donnerstag Wo f 'SBlmn Morgevzemm, & «Bl 1921 *L 818 »strophen zu uberwinden und unmöglich zu machen. Halästina mutz jüdisch werden! Das zu erreichen mutz der Stolz und die Ehre jedes einzelnen werden. Gelingt es uns, das Land in Besitz zu nehmen, dann wird $ das Blut der jüdischen Märtyrer im heiligen Land nicht umsonst geflossen sein! Die jüdischen Pioniere dürfen nicht länger allein bleiben; der arabische Vorstoß darf das seinen Drathziehern vor Augen schwebende Ziel nicht erreichen. Palästina gehört dem jüdischen Volke, das jüdische Volk muß Palästina zu seinem Argentum machen. Die Arbeit darf nicht stocken! Die Unruhen in Jaffa. Spratzeukämyfe zwischen Juden und Arabern. -r-4S Lote, 179 Derwuudete. — Belagerungszustand. ä&n&w, 3. Mai .(Del. der,Miene, Morgenztg") Neber die Poxfalle, die sich am 1. Mai in Jaffa ereignet haben, liegen noch keine genauen Mitteilungen vor. Es steht nur folgendes fest: Im Anschluß an eine M a i f e t e r j ü d i s ch e r A r bette r, die durch arabische Provokateure gestört wurde, entspann sich eine Schlägerei, die schließlich in einen Kamps zwischen Juden mrd Arabern überging. Auf beiden Seiten wurde von Waffen Gebrauch genracht. Die Straßenk ämpf«, in deren Versauf arabische Banden auch iLäden zu plündern versuchten, dauerten den ganzen Tag an. Am Mo ntag erhielten die.Araber aus der Umgebung Verstärkung, die Unruhen erneuerten sich, worauf Truppen mit Panzerautomobilen eiirschreiben mußten. Auf seiten der Juden sind 39 Tote zu beklagen, die Araber verloren 10 Tote Und '37 Verwundete. 142 Juden wurden verletzt. Die Polizei nahm 60 Personen in Haft. Die Ruhe wurde durch die Proklamierung des B el a g e rungszüstande s hergestellt. ' Jaffa, 3. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden fanden Montag ihre Fortsetzung. Bisher wurden an Toben 30 Juden und IO Ar« ber gezählt, hie Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 470 Juden mtö 67 dlraber. Es wurden 66 Verhaftungen vorgenommen. Sonst herrscht im ganzen Lande vollkommene Ruhe. Jerusalem, 3. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Der Ober- Sommissär Sir Herbert Samuel veröffentlicht eine Erklärung über die blutigen Unruhen in Jaffa, der« zufolge die. Araber die Maifeier der jüdischen Arbeiter zum Anlaß von Unruhen und Exzessen gegen die Juden genommen, haben. . Der Wahlkampf in Italien. Am 16. Mai sollen die Parkamentswahlen in Italien stattfinden und die Wahrbewegung nähert sich bereits ihrem Höhepunkt. Eine fast unübersehbare Reihen Wahllisten ich ausgestellt worden und die Parteien entfalten eine überaus rege Tätigkeit. Die eben aufgelöste Kammer war vor zwei Jahren unmittelbar nach Kriegsende gewählt worden und ihre Zusammensetzung entsprach vielfach der damaligen Zeitstimrnrmg. Das Gefühl der KriegsmüdigkeiL hatte die weitesten Kreise ergriffen und die neue Parole bedeutete einen Gewinn für: die radikalen Parteien, der sich in dem Anwachsen ihrer Mandate ausdruckte. Giolitti hat die Kammer, welche immer deutlichere Zeichen von Arbeitsunfähigkeit gab, mit der Begründung aufgelöst, daß ihre Zusammensstzung de« geänderten Verhältnissen nicht mehr ^spreche, und sich übex Me Bedenken hinwegzusetzen gewußt, welche der Eröffnung des Wahlkampfes im öegermryrtigey Augenblick entgegenstanden. Denn Italien wird in der letzte» Zeit, wie täglich neue Er? eignisst beweisen, von einer Art Bürgerkrieg heimge, srM, der zwar meistens in Klemkämpfe» sein Genügen stndtt, Men Opfer jedoch bereits eine beträchtliche Summe ergehen und der jedenfalls hie.Wirkung hat, Los Land in eine dauernde Unruhe zu versetzen. Dem Machtzuwachs der Sozialisten. welchen fie bei den letzten Wahlen zu verzeichnen hatten, hat ihre innere Geschlossenheit keineswegs die Wage gehalten und obgleich sie der Zustrom zahlreicher unzrrfriedener Gemente in die Möglichkeit versetzte, eine ganze Reihe von mehr oder weniger bedeutenden Gemeinden zu erobern, hat sjch das Bild von damals sehr stark verändert. Die kommunistische Welle, welche kn Italien einen besonders fruchtbaren Nährboden fand, hatte auch dort die Wirkung, das Proletariat in feindliche Lager zu spalten und die verschiedenen Putschistischen Akte, welche seinerzeit zur Besetzung der Fabriken und dem Versuch führten, kurzerhand Moskauer Expropriierungssysteme zu kopieren, haben im Lande eine mächtige Reaktion auSgtzlöst, und das Zünglein an der Wage schlägt bedenklich nach der änderen Seite. Giolitti hat sich seinerzett bei den kommunistisch«» Ausschreitungen ganz gegen die Wünsche der Nationalisten und Scharfmacher einer großen Zurückhaltung befleißigt und in der Tat ist es gelungen, der Bewegung ohne Blutvergießen Herr z« werden. Seit damals aber hat die nationalistische Strömung oder vielmehr deren Organisierung bedeutende Fortschritte gemacht und eS ist" soweit gekommen, daß da- Land in zwei Heerlager gespalten ist. Die Gruppen -er Faszisten treiben in ganz Italien' ihr Unwesen, sie erfreuen sich, wenn nicht der geheimen Untersetzung, so doch der stillen Duldung der md tffiilü» £mat m ta at» Zwei franzöfische Offiziere »nd zwölf Italiener erschossen. Berlin, 3. Mai. (Wolfs.) Der Auswärtige Ausschuß trat heute vormittags zu einer Besprechung über die Lage in Oberschlesien, zusammen. Reichsministec des Aeutzern Dr. Simons machte über die Lage in Oberschlesien eingehende Mitteilungen, die sich folgendermaßen zusammenfassen lassen: Die Lage hat sich verschärft und ist außerordentlich ernst. Die -Aufständischen haben das gesamte Jndustrierevjer sowie die Kreise Pleß, Rtzbnik und den Ostteil des Kreises Ratybor in ihrer Gewalt. Die deutschen Beamten sind zwar noch an Ort und Stelle, haben aber keinerlei Funktionen mehr. Desgleichen sind sämtliche deutschen Direktoren von den Gruben und Werken vetrrieben. Der Belagerungszustand ist .sHHs her Interallfiertm Korp- Mission auch auf die Kreise Glerwitz Sta'dt und Land ausgedehnt. Die Interalliiert^ Kommission sowie die , Kceiskontrolleure geben offen zu. Hatz es sich lediglich um einen polnrschen Aufstand handelt. Im einzelnen rstdre Lago m den Kreisen nach dm letzten Meldungen folgende: In' Kattowitz wurden gestern gutbewaffnete polnische Banden durch die französischen Truppen Vertrieben. Zwei französische Offiziere wurden getötet. Kreis Hindenbvrg: Stadt und Land sind, von Polen besetzt. Die Polen sind glänzend beivasfnet. Kreis Beuthen: Der Landkreis befindet sich völlig in den Händen der Polen, die zum Test polnische Uniform tragen. Die Stärke der Aufständischen Im Kreise Beuthen wird auf etwa 6000 Mann geschätzt.. » Im Kreise Rybnik haben Zusammenstöße zwischen Jnsurgentm und italienischen Truppen stattgefunden, wobei die Italiener nach Mitteilung der Interalliierten Kommission 12 Tote, darunter zwei Offiziere und einen Unteroffizier, hatten. Außerdem soll der Oberst Graf Bernizzo schwer verwundet sein. Der Güterdirektor Ganse von der fiskalischen Grube Czuchow und sein Assistent sind erschossen. Eine große Anzahl von Geiseln ist gefangen genommen und fortgeführt. Nach soeben eingetroffenen noch nicht endgültig bestätigten Nachrichten aus Oppeln soll Nybnik von den Italienern wieder genommen worden sein. Kreis Pleß: Nach Mitteilung der Interalliierten Kommission ist ein italienischer Offizier auf der Straße in Pleß durch einen Brusffchutz lebensgefährlich der, mundet Warden. Der Landkreis Gleichwitz ist in den Händen der Polen. Die Stadt Tarnowitz ist in der Hand der französischen Bdsatzungstruppen. Die Stadt Lubkimtz: ist offenbar Won Insurgenten singeschlossen. Die Palen sind m Len Kreis Rosenberg eingebwchs«. Der polnische Bericht. Warschau, 3. Mai. (Poln. Dtt.-Ägentur.) In der Nacht vom 2. auf den 3. Maihaben im Bezirks Beuthen Streikende damit begonnen, Dörfer zu besetzen" und die Angestellten der deutschen Polizei zu verhaften- Terror ist aus diese Weise durch Len brMrbigr» Bgelöst worden. Die bewaffneten Faszisten setzen sich aus berüflosen Demobilisierten zlrsammen, unter denen die „ArLitr" eine besondere Rolle spielen, die Angehörigen der früheren Sturmtruppen, deren militärische Tapferkeit ihre zivile Verläßlichkeit nicht immer die Wage hakt und bet großen Schar chauvinistischer Jugendlicher, denen die Führung politisierender Advokaten nicht fehlt, und die Zeitungen halten eine ständige Rubrik für Berschte vom inneren Kriegsschauplatz: Bald gibt es Raufi härche!, bald platzt eine Bombe, bald sind Fafzisten, bald Sozialisten die Angegriffenen und eS ist so weit gekommen, dqtz in verschiedenen sozialistischen Kreisen die Forderung nach Wahlenthaltung laut geworden ist, da man in dieser Atmosphäre mit der Möglichkett freier Wahlen nicht rechnen zu Knnen glaubt. Der Terror der Faszssten, der selbst die Schulen einbezieht und nach eigenem Gutdünken die Anlässe für schulfreie Lage festsetzt, gibt diesen Befürchtungen recht, ober die schwankende Haltung der Sozialisten beweist andererseits, daß fie auf einen Rückgang ihrer Stimmen vorbereitet find, nachdem auch in Italien auf de» Anhang der Konjrmkturfosialisten de, ersten Nüchsiiegszett nicht mchr K» rechnen ist. Den Forderungen der Sozialisten, die jetzt i» die unangenehme Lage gerate» find, bei Giolitti um Aufrechtnhaltung der Regterungsautyrstät vorstellig zu werden, hat dieser die Erhaltung der Ruhe zugesagt; aber das Versprechen ist leichter gegeben als erfüllt und die täglichen Straßenkämpfe, Volkshäuserverbrermungen und Plünderungen von Redaktionen mit und ohne Bombenwürfe und Menschenverlufte machew nicht den Eindruck, als ob die Bewegung abstauen wollte, die sich de- Schutzes der Armee erfreut und auch von den RegierenLen als Prellbock gegen den soziale« Radikalismus nicht, ungern gesehen wird. Auch die Popolari, die große katholische Volksvarlei, die namentlich auf agrar-politischem' Gebiete ziemliche radikale Forderungen aufstM, erwartet sich von den Wahlen nichts Gutes und auch sie dürfte wie die Sozialisten eine beträchtliche Einbuße «leiden. Inzwischen ist die Regierung daryrrgegaiigen, ihr Protz« «MMuM der an-iso^ialjstffckM W-MM. Französische Truppen schossen aus die Aufständische, deren mehrere verwundet würde«. Die StteiLmde» besetzten die Stadt Beuthen» wo die deutsche Polizei und hie militärischen Verbände Widerstand zu leiste« suchten. Die Aufständischen besetzten unter archeren die Ortschaften Groß-Donchvowka, Kamien, Piskary, Rosenherg, Mschowitz und Hohenlfiche »nd unternehmen auf Königshütte einen Angriff. Der ganze Bezirk Katt»* Witz ist von Aufständischen besetzt. Da die Garnifpn tzE, Stadt Kattowitz sich zur Gegenwehr anschickttz, zöge» sich die Aufständischen aus der Stadt zurück. Auf M* Truppen der Verbündeten werden Angriffe nicht untere nvmmen. Die Stadt ist von den Aufftändischen eins geschlossen.; Die Führer der Streikbewegung habe« an tat Obersten Rat zu Händen Llohb Georges ein Telegramm ab gesendet, worin erklärt wird: Die interalliierte Kommission hat damtt, daß sie Piost« nur zwei Bezirke zuerkannt hat, dis Bestimmungen des Friedensvertrages, betreffend die gemeindeweise Abstimmung, yerbetzt mck»' die Arbeiterlevölbrrung in die tiefste Entrüstung versetzt. Am dieser ihrer gerechten Entrüstung Ausbruch zu verleihen, sind die Arbeiter in. den Ans stand getreten^ der sich auf alle Bergiverke und di« Mehrheit b«;. Hüttenwerke ausgedehnt hat. Die Versammlungen de?) ausständigen' Arbeiter beaustvagten uns, dem Oberst«' Rat mitzutkilen, baß sdr niemals uub unter Bedingung ihre Zustimmung dazu geben werde«, neuem unter das deutsche Joch zurückzukehre«, daß. sie vielmehr entschlossen sinh, die industriellen Lutere nehmungen zu zerstören. Diesem Wunsche entsprechend', bittfett wir den Obersten Rat, den Witten der einge^ bereuen. polnischen Bevölkerung zu achten und daK Gebiet mit einer Mehrhett polnischer Aemeinben. und' Sttmmen mit Polen zu vereinige». Polnische Smppett m btt deutschen Grenze. Beesla«, 4. Mai. (PrivM Sichere« Rackrichts» Mfolye sind längs der ganzen deutsch-polnlschen Grnye polnische TryPPetz konzentriert. In Warscha« soll angeblich die MohÜrsi?xmlg Per! Jahrgänge ISIö bi- ISIS verlaurbatt ward« sein, — (D?e'>! Meldung geben wir mit Vorbehalt »ietzer.) Koefsnttz leitet de« Aufftemtz. Warschg«, 4. Mai. (Funkspruch.) Der setzM Amtes ' enthobene Po lnjsche PlebiszitL-mmissär K o r f a«'t y hat / sich an die Spitze her AufstaMböwegung gestellt. In einem Aufruf ernennt er Dvliva -um mMürischen Heiter btt AuffMdtfchen. Er fordert die Bevdchrunq. zur Aufrech terhalttwg der Rnhe und Ordurchg auf ruck. Mm Wrv« für «nr». Rortz. Schwindung m Diebstahl vor. TadesuchM hedLrfen keimr stättgung. D« Oberkommanbant der AusstLnhtschen, . Doltva, erklärt in setzMr ersten Tegesbefehl, baß dir polnischen Rechte mit de« Waffen i« der Harw gewlchrt werde» müsst«». * zu verwirklichen und eist ein liberal.denwkrattschgv Block zustande gekommen, der sich auf ein Programm delandläufige» bürgerlichen Liberalismus geeinigt hat: «her die «Mltlichen Träger her. aytzeu anti. foMWschen Politik, dje Faszisten, lehnen eS tzjMch äh, sich W Schlepptau nehmen zu Wey, so ddß fas «M Block, kaum geschaffen, schon vielfache Sprünge gufi weist, Md es darf nicht geleugnet wechen, . dsst dlst chanpinistischen Faszistm yi Pieren Belangen ifat m; zahmen Liberalismus des Bürgertums wett hinausgehen- Daß im liberalen Läger keineswegs kinigkett besteht, beweist da- Programm der Exminifterprasidente» Kttti, der unter anderem die scharfe Erfassung der. KriegSgewinner mtta» der gegenwärtigen Wirtschaftskrffe verantwortlich macht. Der Aufmarsch der herWedenen Listen bietei gegenwärtig ei» völlig chaotisches Bild. Aber allem Anschetu »ach werden die Wahlen mtt einem Rück nach rechts enden, der sich jedoch unter viel «evolutionäreren Erscheinung«» vollziehe» wird —* ober schon vollzieht — äli isi andere» Slärcher». Die Haltung der Armee Läßt jede» Gedanken an PutschiSmus und Revolution als Chimäre erscheinen. Nicht die Revolutioy ist «8, die Italien bedroht, sondern der ewige Älsinkrieg mt Jnnsrn, der Las Chaos verewrgt und zu stets neueu VsrzweiflungsauSbrüchen der nunmehr st» die Dsfenfipe gedrängten Gozialiften Anlaß gibt. Die wirtschaftlichen «chwierigkeiten und Röte» Witten imstande gewesen, die SadseS der Sozialfftvn zu stärke» und ichrru frifchen Nachwuchs zu erhalten, wenn ihre innere Spaltung und fat Moskauer Propaganda da nicht das Konzept verdorben hätte. Ued«ttalls gleicht das politische Leben in Jtalie« heute einem siedenden Kesiet. In dieser überhitzten Sphäre sollen Mm 'die Wahlen Italiens künftigs Polittk bestimmen. »»sstkch-lUttkch« No,ffikL. MM««, % Mt. Mnkspruch.) Der russische Künsul hat wesen der WtMW.WM!?rr. Mgitt'wch