Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-05-04 · Heft 815 (4.5.1921) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 815 (4.5.1921)
Date
1921-05-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979894--07476-2993530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

91c. 815 Wien, Mittwoch ^Wiener Morqeuzertrrug 4. Mar 1921 nach der .Leütmlf.ssähig!eit^ Also! BefferuvgLschcm. Indexziffern; Feffiresiung ocßcbnifoUS durch mternatiönale Sachverständ'.grnkommtsftDnen. Der K-ipitalbetrag von 50 Milliarde», von dem keinerlei Snchleistungm abgezogm werden, wird mit 4°/, verzinst (außerdem amortisiert). Deutschland legt unter Vergiinffigungen eine internationale Anle'he auf. deren Zmsendienst es übernimmt. Sachleistungen, Beteiliaung am Wrederaufbau (Vorschläge überreicht): ferner: Deutschland zahlt 1 Gold- Milliarde m bar (850 Millionen Schatzwechsel, die innerhalb von drei Monaten einzulösen sind). Die Festsetzung der R epa r a 1 i o n s k o m Mission: 132 Golvimlliardm, ausschließlich der belgischen Verpflichtungeni! o it t> o it (der Vorschlag Englands): 42 Jahresuü-lungen zu 2 Milliarden Goldmark und ‘25% von der. deutschen Einfuhr iü die Enkenielcinder Bis zur Vollzahlung der Smentefordemrig ,o»r 326 Milliarden Goldmark. Inland. Die Sanierung Oesterreichs. Die Delegierten des Völkerbundes haben ihre Abreise von Wien bis Freitag verschoben, um den Parteien Zeit zur Erwägung des Finanzprogramms zu geben. Die Christlichsozialen haben bereits die Unterstützung der Re» gierurigspläne beschlossen. Die Sozialdemokraten werden ihre Haltung erst am Donnerstag endgültig festlegen. Soweit aus Mcfer Partei Mitteilungen vorliegen, glaubt man. Laß sie eine allzu weitgehende Ausdehnung der indirekten Steuern ablehnen und eine Verbreiterung der Besitzsteuern sowie die Einführung einer Vermögenssteuer und einer VertnögenszuwachKsteucr verlangen werde. Ein prinzipieller Widerstand gegen das Finanzprogramm der Regierung, das sich übrigens in seinen Grundzügen mit den alten Ideen des Ministers Dr. Grimm deckt, wird von den Sozialdemokraten kaum erhoben werden. Die Grüßdeutschen werden gleichfalls die Regierung unterstützen. Die Länder sperren sich ab. Linz, 3. Mai. Von der oberösterreichischen Landesregierung wird mitgeteist, sie beabsichtige, auf Grund der zu gewärtigenden Verordnung der Bundesregierung jeden mehr als achttägigen Aufenthalt.Fremder im, Lande Oberästerreich mit Rücksicht, auf die Ernährungs- und WohnungSschwierigkeiten grundsätzlich von einer vorherigen behL rdlichen Bewilligung abhängig zu machen,und diesbezüglich strenge Kontrolle zu üben. Die Gesuche werden an die Reise- und Fremdenverkehrsstelle der Landesregierung in Linz, Graben 16, zu richten feilt. Dem Gesuche muß der gemeindeamtlich bestätigte Nachweis der Unterkunftsmöglichkeit in dem Sommeraufenthaltsorte angeschlossen werden. Die Fremden haben keinen Anspruch auf rationierte oder staatlich bewirtschaftete Lebensmittel oberösterreichischer Herkunft. Weiters wird beabsichtigt, «ne.F r e m de n a b g a h t für Approvisionierungsünd Wohnungsfürsovgezwecke einzuheben. (So wird die von der Völkerbundkommission aufgestellte Forderung nach voller Freizügigkeit in Oesterreich durchge führt. — Red.) Salzburg, 8. Mai. Der Gemernderat hat beschlössen, daß ein vierzehn Tage überschreitender Aufenthalt an die Bewrlligung durch das städtische Einreiseamt zu binden sei« Telegramme. Eine Nekonstruktio« des Kabinetts Paste. Belgrad, Z. April. (Priv.) Wie verlautet, wird ht den nächsten Tagen eiue Rekonstruktion' des Kabinetts Paste vorgenommen werden. Zum Außenminister soll der ehemalige Minister Dr. Nunc ernannt werden. Exkaiser Karl bleibt in der Schweiz. Berlin, 3. Mar. (Privat.) AuS Luzern wird gemeldet, daß Exkaiser Karl in einer Ortschaft am Bierwkldstättns« Aufenthalt nehmen wird. LSrmfzenen tm ungarischen Parlament. „ Budapest, 3. Mai. (Priv0 Als gestern ein oppositioneller Abgeordneter in der Nationalversammlung wegen der Enteignung der Kivosheater Stellung nah«, fiel ein. Zwischenruf : »Das ist weißer Kommunismus." Es entstand hierauf «in Lärm. Di« oppositionelle« Gruppe» beschimpfte« die Mitglieder der Re' gierungsparter und nnr «ii Mühe gelang eö de« Präsidenten, die Ordnung wiederherzustelle». Dudapester Blutnrteile. Budapest, 3: Mai. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Das Strafgericht siir den Pestrr Landbezirk hat heute nach fast fünfmonatiger Verhandlung in dem Pwzeß gegen die Mitglieder des ehemaligen Arbeiterrates, beziehungsweise Direktoriums von Szent-Ereke das Urteil gefällt. Die Angeklagten Chuby, C^oray und Schrötter wurden wegen Wortes, beziehungsweise Anstiftung zum Morde zum Tyde durch den Strang, zwei Angellqgte wegen Anstiftung. zum Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus, zwanzig weitere, darunter «in ehemaliger Staatsanwaltsnbstitllt, ein ehemaliger Polizeibeamter . und Zwei Lehrer, zu Zuchthausstrafen hon z w e itzi n K ä l b bis fünfzehn Jahren verurteilt. 100 Millionen Pfnnd jährlich und 25prozentige AnsfUhrtaxe. LSndon, 2. Mai. (Reuter.) Die Beratungen des Obersten Rates Vollzöge« sich in Vollem Einvernehmen «nd es wurde eine Lieber sink nn ft itt der Frage der Deutschland Vorzulegenden Bedingungen erzielt. Wie verlautet, hat man sich dahin «reemigt, daß die DenLschland aufzusrlsger^en Verpflichtungen im Betrage von 6GY0 Millionen Pfund Sterling durch Ausgabe von Sprvzentigen Bons anerkannt werden sollen. Deutschland soll 160 Millionen Pfund jährlich bezahlen und Werdies eine LSpvozenriae Taxe auf seine Ausfuhr entrichten. Wenn dies mehr ergeben sollte als die Summe, die zur Verzinsung der bereits ansgegedensn Bons Nvtrvendr'g ist, soll die Reparationskommission ermächLigl werden, die Ausgabe weiterer Bons zu verlangen, «m den Aeberschutz, der durch die Zahlung der 166 Millionen Pfund und der 28r?roZentigen Taxe entsteht, Zu ahsorbieren. Die militärischen. Vorbereitungen Zur BesLtznng. ■ Paris, 3. Mcri. Die Agon cs Zavas meldet aus London: In der heutigen Sitzung des Oberst:« Rates legte Marjchall Foch die Umstände dar, unter welchen er erforderlichenfalls zur Besetzung des Ruhrgebietes schreiten würde. Der Plan wurde vom. Rate genehmigt. Die Admiräle Beatty und Grasser, die über Aufforderung Briands hier eingetroffen sind, führen aus, daß die eventuell durchMührenderr Maßnahmen zur See in der Blockade De utschland s od-rr in der Be sie tzungHamburgZ un.'er Mitwirkung von Landstrsitkr. sku bestehen würden. Die Finanzmaßnahmen. Die Finanzsachverständigen verfassen ein Memorandum über die Bedingungen und Bürgschaften der * Zahlungen. Die Entsetzung eines Garanii kon-.iiees, die gestern auf britischer Seite Bedenken auslöste, wurde nunmehr genehmigt. Der Oberste Rat wird nachmittags seine Zustimmung hiezu erteilen. Der Oberste Rat beschloß die Absendung eines Telegramms an die-Regierung brr Vereinigten Staaten, worin diese eingeladen wird, Vertreter in den Obersten Rai, den E Botschaftsrat, undk> denWiedergutmachungsausfchuß wieder zu entsenden. ' Die Zolleinnahmen am Rhein. Rach einer Information des Obersten Rates haben die au der Zyllinie am Rhein erhobenen Einnahmen in einem Monat den Betrag von 156 Millionen Papiermark erreicht, das sind 600 Millionen Goldmark jährlich. Briandg-chenkt morgenabzureisen. Lonvm, 3. Mai. (Havas.) Die Finanzsachverständigen sind heute vormittags zu einer Sitzung znfammengetreten. Der Oberste Rat versammelte sich um 11 Uhr. Seiner Beratung waren die militärischen und Marinesachverständigen beigezogen. In französischen Kreisen wurde die Bestimmtheit des Tones der Antwort der Bereinigten Staaten an die deutsche Regierung günstig, beurteilt. London, 3. Mai. (Reuter.) Amtlich' wird mitgeteilt: Die Konferenz hat mit den militärischen Sachverständigen und den Admirälen Beatty, und Grasset die Maßnahmen geprüft, die zu Lande und zur See zu ergreifen wären, falls sich Deutschland seinen Verpflichtungen entzöge. Es wurde über eine Reihe Maßnahmen beraten und die Besetzung des Ruhrgebietes gebilligt. Falls es die Lage erfordert, werden späterhin auch Ftottenmaßnahmen zur Anwendung gelangen, über deren Ausdehnung noch beraten wird. Bisher Keine neuen deutschen Gegenvorschläge. Vor.Von, 3. Mai. Das R'utersche Bureau erfährt, daß in britischen amtlichen Kreisen über eine angebliche neue Note Deutschlands an Amerika nichts bekannt sei. Deutschland habe vor einige« Tagen an die amerikanische Regierung eine Depesche gerichtet, worin die in der ursprünglichen Note vom 24. April enthaltenen Vorschläge näher ausgesührt werden, und die ähnliche Informationen enthielt, wie jene, die Lord Dabernonr am 30. April nach London gebracht hat. Mangels bestimmterer Nachrichten glaubt man, daß die Meldung sich auf diese Erläuterungen bezieht. Es liegt keine Nachricht über irgendwelche neuen deutschen Vorschläge vor. Beratungen Über «in neues deutsches Augebat. Berlin, 3. Mai. (Tel.-Aomp.).In. der heute nachmittags begonnenen Sitzung des R-cichZkabinetts hat der Reichsfinanzminister einen Ueberblick über die Höchstleistungsmöglichkeiten Deutschlands gegeben und die Grundzüge des neuen deutschen Angebot t«L vv.rgx1eLt, die. zu dstn nüMen $siw den aMexten Regierungen übermittelt werden sollen., hiebei! dürften vor allem-neben dem .Gedanken eines Valutaschemas, an welchem die Entente bei Besserung der., ,. Markwährung unmittelbar Anteil haben soll, nöch--^ mals die Monopolmöglichkeiten erwogen werden'.. Wie! bereits bei früheren Gelegenheiten bekannt wurde, Irith. ' man im Finanzministerium in erster Linie für eW Zuckeruud Kalimo nvpol und den Ausbau desf ' Branntweinmonopols ein und glaubt hiedurch , etwa 1,5 bis 1,6 Milliarden Mark im Jahre erzielen zu können. Ferner wird untersucht werden, wie starh f der Zinsendienst, den Deutschland übernehme::, müßte,. ' belastet werden kann und 'in welcher Zeit und mit. welchen Mitteln der Ausbau unternommen werden , könnte. Auch der Gedanke einer Beteiligung der! . Entente am Gewinne der deutschen Industrie wird nochmals geprüft werden... Amerika gegen, eine WLockade Deutschlands-/ _ - London, 3. Mai. (Tel.-Komp.) Mach den „Daily News" hat der euglifche Botschafter. in WaihrnKLsu vom Staatssekretär Hughes , die MiLLeilmrg erhalten, daß sich die/amer!- konische Regierung einer B l o <k er d e , Deutschland rvidersetzen WÜrds. MmerikK Verlangt Vou D§Rt?chlemÄ . genaue VsrschLLgs.. Washington, 3. Mai. (Reuter.) Die Antwort des Staatssekretärs H u g h e s an den Minister des Aeußern Dr. Simons lautet: Die amerikanische ' Regierung hat das von Dr. Simons dem Kommissär der Bereinigten Staaten am 24. April übergebene Memorandum bezüglich der WiedergutmgchüMerr erhalten. In dessen Beantwortung erklärt die amerikanische Regierung, daß es ihr unmöglich sei, zu der. Schlußfolgerung zu gelangen, daß diese Vorschläge eine für die Verbündeten annehmbare Verhandlungsgrundlage liefern, und daß diese Vorschläge nichtin Erwägung gezogen werden können. Infolgedessen empfiehlt die Regierung der - Vereinigten Staaten, indem sie ihren aufrichtigen Wunsch nach rascher Regelung dieser vitalen Frage ' wiederholt, der deutschen Regierung nachdrücklich, unverzüglich und direkt den alliierten Regierungen klare, genaue und a n g e m e s s e n e V v r s ch l ä g £■ zu unterbreiten, die in jeder Beziehung ihren gerechten^ Verpflichtungen entsprechen würden. Paris, 3. Mai. Die „Chicago Tribuns meldet aus , Washington: Ojsizielle Kreise weigern sich, irgendwelche Meinung über die Verhandlungen der interalluerten Konferenz in London - zu äußern, s. nige diese nicht beendet sei. Berlin, 3. Mm. Der United Telegraph meldet aus Washington: Dem Vertreter des United Telegraph wtrd> bestätigt, daß Staatssekretär Hughes gegenüber dem französischen Botschafter Ausser and seinem Bedenken Ausdruck gab, das die Vereinigten Staaten gegen Zwangsmaßnahmen hegen/ die zur Niederwerfung/ Deutschlands führen müssen. Nachdem Staatssekretär-- Hughes von den letzten Beschlüssen des Obersten Ratss- Kenntnis erhalten hatte, suchte er Präsident Harb ing'- zu einer längeren Besprechung auf. ... Tagesbericht. WieMv Verschwörer. Ms die breite Oeffentlichkcit erfuhr, welch hoch? trckbenden Titel sich die jungen Leute beigelegt hatten, die. der. um die Republik pflichtgemäß besorgte Kadi en Masse vor den Richterstuhl lad, um sie sehr rcrsch beruhigt wieder zu entlassen, wurde sie von. einer gelinden Heiterkeit erfaßt. Der Name .Totenlegion" erweckte Gedcinkenassoziationen an „LützowS wilde, verwegene Jagd", an die Freischärler B a p K o ch b a s. an unzählige Blutzeugen eines bis. zur letzten Konseguenz unerschütterlichen Idealismus, der über die traurigsten Seiten der Weltgeschichte einen* verklärenden Glanz breitet. Mit diesem Glanz hat aber das Licht nichts, gemeinsam, das unsere rührige Polizei in die Geheimtuerei gebracht hat, an der etliche hundert abgerüstete Offizrere Geschmack und Gefallen gefunden hatten. Und doch war dep Name „Toten!egion", den ihnen kindische Sprelerei mit rmnantischen Begriffen oingegeben hatte, viel treffender gewählt, als sie wahrscheinlich selbst geahnt hatten ,und , als die spottluftigen Wiener glauben. Denn es ist die Tragik dieser' Männer, daß sie viel toter sind, als sie es selbst wissen. Die; Erziehung, die sie . in den Kadettenschulen genossen hcchen, hat in ihnen die Ueberzeugung von ihrer Unentbehrlichkeit und der absoluten Notwendigkeit des Militarismus grotzgezogen. und so gefestigt» daß sie sie auch in den neuen Berufen .nicht losgeworden sind, in die sie die Sorge ums liebe Brot nach dem. Umsturz gedrängt hat. Die glänzenden Uniforme« halben sie abgelegt, aber nicht den.Glauben, -aß es um die Staatlichkeit, um die Gesellschaft unbedingt geschehen sei. der sie nicht mehr Stütze sind. Deshalb haben sie sich zu irgend« MtzM, &«$£ WM durchaus unUcmen Zweck vevemiqt, gegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.