Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 814 (3.5.1921)
- Date
- 1921-05-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 814 Men, Menstag M*'"'»''' -■»' II ■"'< I ■■ ■■■" * ■—* - fl" ' ■» ■ I II * 4mm Ter«orbande» in ÄZeißrutzland. Warschau, 8. Mai., (Funkspruch.) In M'ßrUßtanb wurden terroristische Organisationen gegen die Sowjets gebilberj itt Minsk wurde durch Mitglieder einer solchen Organisation die Kommunistin. Kremkin gehenkt. Bor einem neuen Bluff in Ungar«. Budapest, 2. Mai. (Privat.) Die liberalen Kreise iverden in der morgen, beginnenden Budgetsession der ungarischen Nationalversammlung einen energischen Borstoß unternehmen, um alle Hewaltmaßnahmen und freihcitZbeschränienden Verordnungen zu bekämpfen und die Aüfhebnng dieser zu fordern., Die sozialdemokratische Partei unterstützt diese Aktion. Bei der morgen beginnenden Tagung der Nationalversammlung dürste es' wahrscheinlich zu einer Debatte über diese Angelegenheit kommen. Vethlen inspizier Hie Jnterniertenlager. Budapest, 2. Mai. (Ung. Tel.-Korx.-Bur.) Ministerpräsident Graf Bethlen und Ptinister des Innern Graf Rad ah sind heute vormittags nach Zalaegerszeg abgereift, um das dortige Internierungslager zu'besichtigen. Wie verlautet, wird die Regierung, auf Grund des' Ergebnisses dieser Besichtigung über die weitere Ausrechterhaltung der Internierungen entscheiden. PetWra erledigt» Warschau, 2. Mai. (Funkspruch.) Die polnische Regierung hat auf die russische Note'wegen der „Darnower Regierung" geantwortet, baß sie bereits Maßnahmen zu deren Auflösung getroffen habe) obwohl sie dazu erst nach der Ratifizierung des Vertrages verpflichtet gewesen wäre. Luftverkehr. Washington, 2. Mai. (Funkspruch.) Mit einem Kapital von 50 Millionen Dollar wurde obre Luft-« Verkehrs gesellschaft gegründet, die mit zehn großen Lenkballon slden Berühr zwischen den Großstädten Amerikas aufnehmen will. Tagesbericht. Dersammlnag in Hernals. Das größte Versammlungslokal von Hernals faßte kaum fciet Zahl dev Juden, die gekommen waren, den Worten ihres geistlichen und politischen Führers zulauschen. - ‘ Zunächst sprach David Neben zahl.., Er wies auf die symbolische Bedeutüng des . Zufalls hin, daß der erste Jahrestag von San Remo auf den ersten Peßachtag fiel, der der Erinnerung an die Befreiung des jüdischen 'Volkes geweiht ist. Dann schildert der Redner die krisenhaften Zustände, unter denen jetzt alle , Völker leiden, am meisten, wieimmer, das jüdische wegen seiner Wurzellosigkeit. Aber per Weltkrieg, der unser Elend so sehr vergrößert hat, hat uns auch die Möglichkeit gegeben, diesem Elend ein Ende zu machen: durch die Erschließung Palästinas. An ihr müssen alle Juden Mitarbeiten, auch die, die hier/bleiben wollen, so wie die StäMcke, dis sich <öinst diesseits des Jordan an siedeln wollten, erst ihren Brüdern das Land erobern helfen Mutzten. Auch dis Hlekbleibenden werden durch die Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina frei werden, Wenn dies gelingt, dann wird das jüdische Volk das Volk sein, das wäe, ist' Und sein wird — ein ewiges Volk. Dazu Müßten, alle beitvagen. Die Assimilation sei gegenstandslos geworden und damit auch das Debattieren über den Zionismus, (lebhafter Beifall.) . . Sodann ergriff, sreubigst begrüßt, 'Herr Oberrabbiner Dr. CHajes das Wort/ Er gibt zunächst eine originelle Antwort aus die Frage: ,Mas ist Zionismus?" Ksin Volk auf Erden, und wäre es auch bas führende Volk, käUu sich einer Kultur rühmen, die E 'sein Eigentum und unbeeinflußt von fremden Kulturen entstanden.wäre, Während aber die anderen Völker in her Lage lvaven und sind, sich auszusuchen, was sie von den übrigen üNnehMN wvll.ir und was nichts hat das jüdische Volk, das seit Jührtausendenals Minorität unter kompakten Massen Andersgearteter lebt, diese Wahl laicht gehabt. Es hat sich mit Gewalt seiner Umgebung «upässen müssen mid befindet sich heute in der schrecklichen Situation eines Menschen, der sein Gedächtnis verloren hat. Denn es weiß nicht mehr, was sein ursprüngliches Eigentum ist und was es von den anderen angenommen haü Und das ist di« eigentliche Tragik des jüdischen Volkes. Aus ihr gibt es nur eine Erlösung: das Wtederautonvmwerden des jüdischen Geistes, damit er sich bett Weg suchen kann, der seiner Eigenart entspricht. Davon würden alle Völker profitieren, denn de§ Mische Genius wird der.nach Erlösung lechzenden SMt noch Entscheidendes geben können, wenn er erst frei'sein wird. Das haben di« anderen. Völker zum.Teil auch schon begriffen 'und nun Müssen es auch alle Juden einsehen. Gegen den Antisemitismus gibt es nuv ein Mittel: den Idealismus. Wenn wir unserer unvergle.chlichen Jugend Gelegenheit geben, LdoMmM Pm MWWi Mener Morgenzettung 'Vräj»6l33(L .j^!E3t.6z jC8r:a-.e 1^ ©n. 1 Donnerstag den 5. Mal 1921 findet im garten und in den Säleib des ReStaüranta „Praterfee*1, 11., Prater, Hauptallee (zwischen 1. und 2. Kaffeehaus), das zugunsten des Jüdischen Nationalfonäs statt. . Programm: Gesangs vor träge: Frau Glücksmann, Herr Streng von der Jüa. Btihne u. a. berühmte Kunstkräfte. Juxpost, Amerikanische Lizitation, Glftckifrad, Sehönheitdkonkurrenz, Koriandoli- und Konfettischlacht Und * andere Belustigungen. Anschliessend Tanz. Arrangeur Prof. Zifroni, kaptllntelster Geiger. Karten im Vorverkaufe K 40, an der Kasse K 50 (inklusive des Zuschlages für den „laar Austria“ K 20 per Karte). Anfang S Uhr. Ende??? Karton erhältlich: 3. N. F., II., Zirkn&gassc 33, Palästina*Amt 1., Bauernmarkt 34, .Wiener Morgeaeftltang*, II», Taboretraaee 1 bi« 8, Buchhandlung R. Löent, 1.. Rotentarmstr. L8, Kartenburena .Aida*. 11., TaborBtr. b, Verxholsstolto des J. N. F., II., Sehmälzgaese 7 und bei Bätotlichen Komitcenaitpliedern. 8887 Antisemitismus spotten. Dazu sind große Opfer nötig, die ihr bringen müßt. Denn wenn es auch eurem Körper wohlergeht, ist doch eure Seele krank. In ihr leben dreißig Jahrhundert Leiden und Hoffnungen. Hören Wie auf ihre Stimme! (Brausender Beifall.) Wahlen in dev „Polnischen Schul". .Wir erhalten Von geschätzter Seite folgende Zuschrift:. Am 8. d: M. finden im Tempelderein Beth Israel, genannt „Polnische Schul", Wahlen itt den Vorstand statt. Im Interesse der Ehre und Sicherheit der in Wien lebenden Juden östlicher Herkunft Muß zu diesen Wahlen Stellung genommen werden. Zur Wiederwahl kommt Herr Dr. Leo Landau. Ostjuden, welche sich noch ein Restchen von Gefühl für Würde gewahrt halben, dürfen diesen Mann nicht wählen. Dr. Leo Landau» selbst ein Gafizianer, hat seinexzeit gegen die Zulassung seiner durch den Krieg verschlagenen Kollegen aus Galizien gestimmt. Dr. Leo Landauer hat in die Kultus- Ksmeinde auf ein Programm kandidiert, dessen Hauptpunkt die Beleidigung und Verdrängung der O st j u d e n bildet. Unter Führung des unrühmlich bekannten Hetzers gegen die Oftjuben, Fleischer, hat er die gegen die »Polnischen" gerichtete Kampagne mitgemacht und hat Versammlungen und Besprechungen beigewohnt, deren Hauptpunkt der Kampf gegen die Ostjuden war. Dr. Leo L a n d a u fitzt heute im Wiener KultUswrrstand und kämpft in dieser Stellung, als getreuer Lakai einer halbantisemitischen, ostjudenfeindlichen Majorität, gegen die Verleihung des Wahlrechtes an Ostiuden. Wenn die dem Verein angehorigen Ostjuden sich 'nicht selbst altz Minderwertiges, je^en Ehrgefühls bares Element hinstellen wollen, dann dürfen fies unter keiner Bedingung ihren ärgsten Feind und Beleidiger Dr. Landau wähle». Sie müssen sich, gerade weil er als Galizianec so handelt, entrüstet von ihm abwenden. An 'Stelle Dr. Landaus wird ein altbewährtes Mitglied des Vereines, Herr Besirksrat Rürvert Rappaport» kandidiert. Stolzen und ehrliebenden Menschen wird die Wahl zwischen Liesen beiden Kandidaten nicht schwer fallen. Die IsinL-Konferenz itt Warschau. Die vom Joint nach Warschau einberuftne W^deraufbaukonfercnz, über welche wir bereits berichtet haben, hat folgende Resolutionen angenommen: Die Konferenz hält dft Gründung einer Zentralbank für zweckmäßig, die.die ganze Wieberaufbauarbeit zu leiten haben wird. Die Bank soll folgende Abteilungen enthalten: 1. Kredit für Kleinhandel, Handwerk, Ackerbau und Einzelkredit, Finanzierung der Kooperativen und Genossenschaften wie auch Kredit für den Wiederaufbau ruinierter GMete; 2. Finanzierung Von Haüd- 'toet ker s chulen, Fortbitunsschülen, Fachkursen und Berufsschulen; 3. eine statistische Kommission. , Die Konferenz anerkennt die Unterstützung der Ehaluz^ arheit in 'Polen als eine» Teil dev Wieder^ aufbauäktion. In Berücksichtigung der momentane«. Situation erftnnt die Konferenz die- Wied^raufbauaktion als unumgängliche Notwendigkeit an und stellt setz, haß diese Aktion unverzüglich begonnen werden muß, unabhängig von der Aktion für. momentane Hilft. Mit Rücksicht aus den provisorischen und nür informativen Charakter der KoUftrenz wird der Leitung des Joint vorgeschlagen, eine permanente. Abteilung zü schafftn, die einen genäiteji Arbeitsplan zu entwerfen und pek nächsten Konftrenz, die spätestens in ^tvei Monaten einberufe it werben soll, vorzülegen ljätie. ÄMe LMK. Dft ihrtstlichsozialö Presse macht verzweifelte ANstrengungmi, um die judenliberale Kottkmrenz aus dein Felde zu schlagen. Mit hßr Prosa allein kommt sie nicht Mehr ausuw Leser aiMlocköN. Auch Verse Müssen, dazu herhalten Und getadv in diesen soll die überteMe Kraft arischer Geistigkeit gegenüber dtzm sencktischen Skeptizismus Triumphe feiern. WeNn MN M. solcher Barde daS schreiben darf, wessen sein Hirn voll ist/ ftaiüt kommen merkwürdigerweise — Hobeljpäne heraus.^ Dies ist nämlich der Titel einer kleinen Musterkvllektrou „sittlich-reltgiöscl:" Gedauleulyrik, di: jnr tMt«' ’fäeir&a.kinu't iwtifctoMiHl <tt . aüen 3, 28üi 1921 (Seil? 3 auch Unseren Lesern nicht vorenttzalteu werdrii'ftil. OkSlert ist die Sammlung mit Eli F., was aber eine chemische Jrreführung ist, da es sich um keine Chlorverbindung, handelt, sondern um - reinen Schwefel. Erotik wirb man an frommer StAle natürlich vergebens suchen; die sinnliches Begierden konzentrieren sich bet einem „weißen" Dichter.M um den — Mägen. \; Ms Hungerkünstler haben wie lang genüg uns produziert,' Vielleicht Uns die Entente einmal als Preisesset engagftrt!' So gerne er aber den Hunger lvs werden möchte.— um den Durst tut-es ihm leid: « Dürststiller sind unwillkommene Gaben, > Für Leuff, dis gerne eisten hatzdn! Auch die politischen .Sorgen schlagen sich dem Autor, auf den Magen: Schaut in Oesterreich mäh herum, Da dreht es uns . freit Magen um. Es sorgt die wackere Republik Sogar für — Magengymnastik. Man beachte best genialen Rhythmus: „M a gengymnasti^l Kann Män die Unebenheiten unseres ösfertt-' lichen Lebens sinniger zu sprach - musikalischem Ausdruck bringen? Der Dichter kennt aber auch die tieferem Ursachen unseres Unglücks: Wem unfern Ruin wir danken? Durch dte Ban? nur' den Judsnbanken. Das ist sehr richtig erfaßt. -Denn die Judenbankem sind es vor. allem, die den christlichsoZialen. Mahlsands gespeist und damit dem gegenwärtigen Regiernngssystem itt Oesterreich die Wege geebnet haben. ' . •. Gänz ohne Huldigung für bas schSne Geschlecht kann aber Mich - ein „sittlich-religiöser" Dichter nicht sein Auslangen finden, und so vernehmen to-tr: Ammen sind i sehr energische Damett: V Zu allen ihren Wünschen mußt du sägen; Amen! Wir glauben un Gegenteil, daß gerade die Ammen,, die diese Huldigung ohne gesundheitliche Gefahr für die . ihnen anvertvauten Säuglinge übertancheu, den sanft-- mütigsten Teil des.Bundes christlicher Frauen bilden.' deshalb, weil ihre ästhetische Bildung kaum dazu ausrcicht,' daß sie sich Gedanken darüber machen können, wieviel Ungereimtes nur einem Reim zuliebe geschrieben wird/ Umsoweniger aber kann sich die „Reichspost" dieser Erkenntnis verschließen und so begreifen wir es menschlich nach den vor-/ stehend abgedruckten Proben vollständig, wenn sie sich' im ihrem Briefkasten gegen die ans sie einftürmende Flut mit den sanft abwehrenden Worten zu schützen sucht: „Dichten, Sie immerhin weiter, wie es im Frühling der Brauch ist! Aber die jeweilige Einsendung an die „Re^ichspost^' ist nicht notwendig." Ihre Exzellenz Fra« Lenke Beniezky-- . U, ' .Blnm. ..... .-.»S ( Me, bereits berichtet, hat der gewesene ungarische Minister Eugen Beniczky vqr einigen Drgen den Graftn Emmerich Karo ly i zum Duell gefordert, weil dieser öffentlich erklärte, daß Beniczky sich von einer Jüdin ans halten lasse, von ihrem Gelbe lebe und. mit ihren Mitteln antisemitische Hetzen veranstalte. Das' Duell fand.statt, mußte jedoch nach einer leichten Verwundung Beniczkys, nachdem der Arzt bei ihm Herzschwäche lvnstatierhe, abgebrochen werden. Graf Kavolyi^ .hftlt es dann für seine Pflicht, in einem offenen Briefes Frau Beniczky um Entschuldigung zu bitten. Dieft.- Affäre benützt „Az Ember" in ftiner letzten Nummer/ zur Veröffentlichung eines offtnen Briefes an Frau Lenke Beniczky-Vlunt, in welchem es nMr anderem heißt: „Zunächst soll festgestellt werd.cn, daß'. Graf Karvlyi im Tatsächlichen recht hat. Eure Exzellenzsind tatsächlich Jüdin. Gtas Karolyi nennt wvhl. nicht Jhte FamilienabpamMMg, wir können es jedoch'Nicht) verschweigen, daß der Vater Eurer Exzellenz, der Schwiegervater des Herr«Oebön Beniczky, B'ertho E Blum geheißen hat. Vater Blum war Börsenagent. Der Schwiegervater von Exzellenz Bemczky) wav tatsächlich ein glaubenstreuer Israelit, der zum Bei-' spiel den Versöhnungstag genau ein gehalten hat. Solange Eure Exzellenz als Mädchen im. Elternhaus > wohnten, habest auch Sie gesaftet, bis die Sterne sichtj bar wurden. Tatsache ist auch, baß Eure Exzellenz viel-! leicht üus Schamgefühl bis zunt heutigen Tage aus dem! Judentum nicht ausgetreten sind. Wie können^ es wohl begreifen, daß Herrn Beniczky, der feit Jahr-! zehnten zu .den lautesten antisemitischen Führern ge-! hört, jetzt die unangenehme Abstammung, seiner Frau , geniert und daß sein Schmerz vielleicht auch nicht durchs^ die Tatsache gemildert wird, bap er mit Fräulein Blum! außer der Sokoloer Herrschaft im Ausmaße von dreij tausend Joch auch. noch andere Güter, Häuser itnbt einen namhaften Barb^trag als Mitgift mitbekommen! hat. Wird ihm'dies nun ins Gesicht gesagt,- so ist kr! natürlich gezwungen, b-E WleftiguNg Mit Blut abzuwaschen. Allerdings nicht, gerade mit Blut, denn auch, jetzt, als er leicht verletzt wurde, zeigte er sich wegen! < Herzschwäche kampfunfähig. Mitunter kommt so eine Herzschwäche gerade zur rechten Zeit. Als Herr tftffcj Beniczky ln Transdanubien blutrünstige Pogr vM-; reden hielt nwd zu Mordtaten aufreizte, dui stellte sich niemals feine Herzschwäche ein. Dazu war! sein Herz stark genug. Und auch Eure Exzellenz haM, das Herz, diese der JUbendertilgung. gewidmeten Aus--l slüge des Herrn von Beniezky zu finanzieren. Denn ’ nur davon ist hier die Rede, Frau Lenke Beniczky-Blunn! ®taf Karolyi ist Kavalier und erklärt, nachdem ersich! mit dein Ausgehaltenen eines Judenweibes geschlagen! hat, höflich, daß er nicht die Absicht hatte, Frau Oed ö n , P.w MP..W.NW,