Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 814 (3.5.1921)
- Date
- 1921-05-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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<Mk( Wim, Dimrlag Wiener LLorgsuzettmes S. Mai 1921 i&t. 814 fs zc^fLhlend als der Graf. Wir wollen Ihre Exzellenz tzeborette. Blum öffentlich fragen, ob sie.sich denn nichts schämt. sehe auch die Ehe zweier Leute Priv atfache sein »sog, so kawr rnau doch,nicht wortlos darüber Kftrweggeh^t», dvtz der ungebärdigste Pogromveranstalter von einer jüdischen Frau finanziert wirL, daß Herr venies^Y in Ser Kutsche her'Jüdin zu den antisemitischen.Bersummlungen fährt. Empfinden nicht Eure Sxzelleftr, geböre«ü Blum, daß man sich einer solchen Mtuanvn schämen rnnß^ JSdische Arbett Im ferne« Oste«. , „Haarez" veröffentlicht ein Gespräch mit Herrn Isrc'tl Cohen, bev int' Auftrag. der Zionistischen Oryaniiation. zum erste» Male den ferne« Osten bereift'hat» Die Reise umfaßte Australien, Neuseeland, Cbiua,' Indien, Japan urür die Mandschurei. Die Zahl der Juden dort ist gering;, in Australien sind .es 1600, in Nenleeland 2000, Schanghai 1500, Yokohama 500, m Eha Mn leben zirka 10.000 meist russische Juden. Ihre materielle Lage ist im allgemeinen sehr günstig, -obwohl'natürlich, auch sie urüer der. allgemeinen Welt-' krjse zu leideir haben. Die Lebensweise ist englisch- ' Misch, das Interesse für die Arbeit der Jn':e» in?der Welt ist sehr rege und dte DvOpaganda.für den Keren Haje s s o d!o ucde dort , mit großem : Eifer . aufgerrommen. Der Präsident des Parlaments im Staate. Reu-Süd-Wales, ist Jude.. Einmal mußte sogar, die Sitzung am Jom-Kipur . aus fallen, weil-sowohl der Kräsident-aw'. auch der Vizepräsident in der Synagoge waren. Las kulturelle geficn leidet sehr unter dem Mangel an modernen, gebildeten Mbbipern. Hebräisch wird in fast allen Städten gelernt. Unweit-Melbourne gibt es -auch einejüdische Ackerbaukolonte, In 'Zähl--' reiche«. Versammlungen, denen auch viele Christen beiwohnten, sprach Herr Cohen über den Keren Hajessod- In Wettingdon führte der christliche Bürgermeister den . Borsitz.: Unter den Rednern befanden, sich auch der Mi- «isterpräs ident und der. Obe-rrich jer. Außer den 7iy0 in der Stadt wohnenden Juden haben sich »n bÄ« - Beiträgen für de« Keren - Hajessod 1S 0 0 L h ri ste n beteiligt. Arrch in anderen Städten beteiligten sich Christen am Keren Hajessod. Im ganzen wurde?, durch Herrn Cohen 114.000 Pfund aus gebracht. aus dem Publikum. Margit Singer Salomo Horn Kaschan 1 Wien empfehlet! sich als Verlobte 4m _ Mai am ■ .? , . Fräulein. . cand. med; Annie Btinzl ■fochter des Herrn Ludwig Bünzl, hat sich mit. Herrn cand^ med. Philipp Resek _ »verlobt. soss RlUANfEN, Perlea, Gold,Silber,Platin «Obres kauf t-and verkauf'* 776 ETTER RotontannstT. 33, IfiariaMIferstr, 83 —-1— :-:—:-- Grösster und bester Käufer Wiens «so BpiIlaufen, PerSnn Juwelen, EdcIsteinhämKörREbjsiowätash, Juwelier (. 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Da iffc zum Beispiel das Blatt eines Traumbuches, das' man in dem Kasten eines Dienstmädchens Hannä Dobbs fand, auf der der Verdacht ruhte, ihre Herrin in der scheußlichsten Weise ermordet zu haben. Da die Stelle des Traumbuches sich auf ein Verbrechen bezog, konnte man mit seiner Hilfe,die Mörderin zum Geständnis zwingen. Ein eigentümlich verknotetes S.ilck Schuhsenket führte zur Entlarvung von Herbert' John B e n n e t t. der seine' Frau erdrosselte, aber alle Spuren so geschickt zu verwischen verstand, daß man aus seine Täterschaft' zunächst 'gar nicht kam. Der Schifferknoten aber,'mit hem die. mörderische Schlinge geknüpft war, ließ auf teinen Seemann schließen, und Benndtt hatte in der Marine gedtent. Deshalb ging man der Spur weiter nach, stellte den alten Mann fest, der den Senkel verkauft hatte, und dieser erkannte in dem Ehematin der Ermordeten den Käufer. ‘ Eins kleine Laterne, die ein defektes. Schloß hatte, wurde zwei Mördern, Milson und Fowler, zum Verderben. Sie wurde nämlich bei der Leiche des Opfers gefunden und die mühselige Nachforschung der'Detektivs-brachte heraus, daß die beiden Uebeltäter diese La-^ Lerne besessen und sie in der Nacht deZ Verbrechens bei sich gehabt hatten. Nur dadurch, daß düs Schloß schadhaft war, ließ sich die Laterne identifizieren. Ein einziges. rötliches Haar auf dem Kragen einer ermovdeten Frau lieferte den Mörder in die Hände der Gerechtigkeit. Durch mikroskopische Untersuchung der Haare des Menschen, auf den der Verdacht dieser grausigen Untat siel,' stellte man fest, daß das an der Lerche gefundene Haar &>n ihm herrührte. Auch charakteristische Handschrift chat schon manchen Uebeltäter verraten. Bei einem «ussebenerregenden Giftmord der letzten Zeit handelte t& sich darum, festzustcllen. von welcher Hand das Rezept geschrieben war/das dem Vergifteten unter der Vor- Spiegelung einer harmlosen Arznei das tödliche Gift in die Hände gespielt hatte. Die eigenartige Handschrift des Rezepts führte, dazu. daß man die Schrift als die eines Dr. Lamson erkannte, der unter falschem Namen das Rezept geschrieben hatte, um seinen jugendlichen Schwager ins Jenseits zu befördern.; In dem „Schwarzen Museum", gibt es noch eine Menge solcher Kleinigkeiten, wie Spielkarten, Haarnadeln. Knöpfe usw., die dem Kundigen eine dramatisch spannende Geschichte von der ßnthiillnn« eines schweren Verbrechens erzählen. .* Kassierin Verkäuferin geschulte Kräfte, Vertrauens-' posten für ein grosseres Re-' staurant und Selchwaren* Niederlage Konditionen: Ganze Verpflegung und Gehalt nach lieber" einkommen. Offerten unter „L. 6pou an. die Adm. d. Bl. Samstag geschlossen. s sh re! bittaseh inen »17 fabrikneu und gebraucht, alle Systeme Leop KURZER, Yll., WBStbalmstr. 23 (IeI.31537) ENGROS EXPORT! EM DETAIL WS EM I.WlPPL! NQERSTR. 29. IX.UNIVERSITÄTSSTR12 RICHTIGE AUGENGLÄSER * BESTE FASSUNGEN BILLIGSTE PREISE REPARATUREN SOFORT »N EIGENEN WERKSTÄTTEN. NACH AUSWÄRTS POSTWENDEND. 7623 STUDENTEN, ANGESTELLTEN U. ARBEITERN 1®% NACHLASS. EiRsLeAmg des direkten Verkehrs bei den v-Zügen Wien—Warschau. Weil Pole» die öfterveiibischen Wagsans nicht ' .../zrrrüEeklt. Die. in den D-Zügen Wien—Warschau (Wren-Novdbahnhof ab, Mittwoch, Freitag,' Sonntag, 8 Uhr 50 Minuten bot« mittags)' bisher berührenden durchlaufenden Personenwagen Men—Warschau,. Wien—Krakau und Wien—Lemherg wer«' den aus Polen schon seit, Monaten sehr unregelmäßig nach Wien i Zurückgesendet. Um den. durchlaufenden Verkehr nach Polen ungestört aufrchtzuerhalten, hat die österveichische Eisenbahnderwaltüng die ausgeLliebenen ’Sßoßoi bisher erseht und hat . beim. Eifenbähnnunifteriufll ' .in. Warschau wiederholt dringende 'Vorstelluttgen wegen Mückstellung unserer Magen, erhoben., ' , Trotz der von der polnischen StaatSeisenbahnberwaltung immer wieder -zugesicherten Abhilfe, ist aber'bis jetzt keine Besserung des Wagenrücklaufes eingetreten und cs fehlen aus dem Stände der österreichischen Buudesbahnen nunmehr schon vierzehn vieraö)sige Personenwagen erster und zweiter Klasse. 4Oas österreichische-Bundesministerium für Verkehrswesen sieht sich. Leshalb gezwungen, den Verkehr der durchlaufenden Perfünenwagen bis zur erfolgten Rückstellung oller fehlenden Wagen gänzlich einzustellen, und hat im Einvernehmen mit den tschecho-stowäkiscken Staatsbahnen die Verfügung getroffen, daß.voy Mittwoch den 4. , Mai angefangen in den D-Zügen Wien—Warschau die Personenwagen nur mehr von Wren-Nordbahnhof bis OderLorg und zurück verkehren. Reisende nach und aus' Polen mit Ausnahme der Schlafwagenreisenden müssen demnach bis auf weiteres in Oder», borg um stet gen.. Im Verkehre der in diesen Zügen laufenden Sch >af- M»—MrlZaij .tritt LßlStz ÄenLexssg M. FeShlmg i« Wiener I«den»leietEt. G«e Griteä gaffe vom Hohen Markt trifft ma« die Theaterkuliffe des »Kauß »m«n won Venedig". Die Genrebilder von S ch a l om Ä f A; bi« JudengemSlde Isidor K a nfma « « S, diese Jnterienrff «nd Architeklur. welche die Phanlasse mit den Novelle^ von Karl Emil Franzos füllt. Jede Grshstadk bat dieses Jndenviertck. die ^modernste" «nd jene, m der 'bräckelydrS, mittelalterliches Inventar mit Pirtöt konserviert vnrdti . ein Stück alter Geschichte im Norden, wie im Süd eu, im Osten vne im AZesten, in Frankfurt. Berndig, Krakau, Wien: die Andevgasse, daS JndenvierteL Zwei Schritte vom Hohen Markt, ei« Stück Ueberrrst, ein versprengtes Stadtbild, wie rin verirrter fremder Block imnittm des vulsserenden internationalen GroßftadlkeberrSwie ei« verirrter Block neben jenem Hü'usergrbirge, das man wiknerffche Architektur nennt. Noch haben die Häuser! ibre groMLdtische Hohe, aber sie scheinen sich scheu sk ducken, rüge, ganz engzusennmenzurüLe», mm ein Himmelsstrich zwischen und ober de» Dächern. A«S dickes schnralen blauen Streifen lacht jetzt der Frühling, «ei«, ite lächelt hier etwas trübselig, . schwermütig, . die Sonne, dte Maisseahlen scheinen mcht, sie. zittern bloß obenbin me den schwarten Mauenr, berühren vocsichtia die alten Hosen, feen' Kram, der liier zum B -rkanf aushangt Die Straße ist immer! vollgesM. jetz't im Früljbns noch gedrängter. Es ist Frühling! tnit> zugleich . die Zeit des Garderobewechsels, dcS Gn--/mtd! V:rkavf<§.:Der Wintermantel wird gegen den Nebrrzieher/ den warme Anzug gegen den leichten getauscht. HanSrat verklopst tm ein Schuhpaae aus zweiter oder dritter Hand.. Man gebt etwas! veischämt in die Seitengasse, der.Beamte, der gedemütrgte. und! gedruckte, der zur Sprichwörtl'.ckkeit. verarmte „ MittelstLudler.s Man geht aus gelöcherten,. zerfransten, ,mrs leise» Sohlnrl w« der.. Frühling selbst hin. Der Student, bttj Beamte, der Srlbsskonsnment wie der Zwischerchändler, der «in \ tatet, um zu verkaufen.'Die Jndengasse wird, zu einer FrLbiahrs^ messe deZ Avttquars, z« einer BasarstM. Die Sonne deckt dw. Schäden de-Ladens brutal aui, beleuchtet Flecken, aufgerissens Nähte, den »alte« Glanz'' des Anzuges Der Winter hielt daß! Lager in einer warmherzigen, zweckdienlichen Finsternis. ALeS alt macht der Mar, aber die Judenieele wird nicht frisch nnd frei,! ste bleibt . gedrückt, ein gepreßt in dem engen Judenviertel. Fünf Tage dauert' das Geschäftslebe», dann um die Dämmerung senken sich die Rollbalken nnd öffnet sich der Tempel, Sabbate Hütt. gvldgeschnuttne" Gehetbüchrr, in all den. engen Hänserv Kächenduft. Die Ersparnisse der Woche werde» hingegrben, um den Freitagabeud seiertägig zu bestellen. Dir Kerzen ftnnmrrn »ind der Flüchtling sieht die Heimat, das Jndengaßche», das Judenbaus. Denn diese Jodengaffe Wiens ichemtja doch bloß ein A yl, lewe Hemrat. -eine Zustucht, kein fester Boden.. . Bevg- und TattdeaNomus? Die siegreich fortschreitende Entjudung der österreichischen Touristenorgamiatiouen könnte Naive zu dem Schluß verleiten, daß rö rmu kaum mehr ein Gebiet gibt, au! dem die remlübe Scheidung zwischen.Ariern und Nichiartern' nicht Mchgefühlt oder wenigsieus begonnen worden wäre.' Leuten, die Attvös werden» wenn sie m GottdS frperlNatuc . tnit Juden znsammenttessen, würde man eS kaum' zumute», daß sie m der Stickluft der GeschaktSwelt toleranter sind. Und doch, ist^dies der Fall. So fitzt der Raffenantisemit Dr. W a n n e k im Berwaltuugsrat der „Zedu" A -G. für chemisch-technische uvd phatmaient sche Präparate mit folgenden Herren, deren Namen nicht gerade grohdeutsch klinsen, bnsammm: Dr. Siegmund F i s ch-e r, Dr. Edgar Frankel, Kommerzialrat Oskar T r ob i ts ch. Diese-AltiengeseÜschrst wurde mit emer Million Kronen gegründet, i» 8VV0 Muen zu L 3V6. Am 81. Dezember 1920 notierte die Aktie bereits mit K iCOO. Und das scheint das. einzige Argument zu sei«, dem die. sonst für Gegengründe wenig empsäuglichen Vorkämpfer des «g e r m a n r-i f ch e n. J d c a l i S m u 9* noch einiges Verständnis entgegen« bringen. . - . * Lerfoksung der jüdische« Lehrkräfte k« Uugar«. Wir hcchen vor kurzem berichtet, baß die antisenritischs Majorität des Budapester GemeinderateS den Magistrat aufforderte, binnen kurzem, über -die konfessionellen Verhältnisse, der. hauptstädtischan Lchckräfte Bericht zu erstatten. Diesem Aufträge ist nun, wie. uns. aus Budapest berichtet wird, Folge geleistet worden. Die amtliche Statistik, stellt, fest,' daß 83 ..Prozent sämtlicher Lehrkräfte Christen uftd 17 Prozent Jude «sind, wobei als besonders charakteristisch bemerkt werden soll, daß auch die Konfessionslosen und. die Getauften als Juden gezählt wurden. Nach dem amtlichen statistischen Ausweis wirken au den Budapester städtischen-Schulen insgesamt 6325 Lehrkräfte, davon 4408 Christen, 810 Juden, 102 getaufte Juden und 5 Konfessionslose. Auf Grund dieser Statistik fordert nunmehr die Majorität: die . so.ifortjge Entlassung .der jüdischen S.chulle.iter und;eine allmähliche Säuberung der Schulen von jüdischen Lehrkräften überhaupt. Der Schulreferent, Mngiratsrat Eugen Zilahi-Kis,' erklärte ^wohl, daß man die« jemg«m.^ die seinerzeit , im Wege-der gesetzlich einwandfreien Wahl' als Schulletar bestellt wurden» nicht gut ohne iede» Grund'.von Heute auf morgen auf die Straße setzen könne, doch versprach er, sämtliche Fälle einer gründlichen Revision zu unterziehen und dann entsprechende Vorschläge zu machen. Mau weiß,, was eine solche «Revision" in Budapest heute bedeüteL Die jüdischen Lehrkräfte werden wohl-nicht von heute auf morgen, aber sicherlich in ganz kurzer Zeit aufs .Pflaster -geworfen. werden. Zum Stusse sei noch erwähnt, daß sich das .Schlagwort von. der- Beriudung der Budapester Schulen, wie so viele antisemitische Schlagworte, als Lügen erwiesen habe, denn seihst, nach dem Prinzip des Numerus clausus ist. die Zahl der jüdischen Lehrkräfte an den städtischen schulen, eine viel germgevs, als sie nach der BvrhÄtniS« zahl sein sollte. _ . * Di« Volschewiren und die jüdische Hilfsavbeit. Wie das Jüdische Preßburca« in der Ukraine beuchtet, haben die Bolschewiken in Kameney-Podolsk daS jüdische HWkomileeliquidiert, sein Vermögen konfisziert ■flfe jffir ffi—ilwrilaltrlMT (HMda *»«i»t«n*ii<»BtfaiM» JUtyfiit am 692197141910