Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 814 (3.5.1921)
- Date
- 1921-05-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979893--07466-2993519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r EeftelT Ntz», Mettsm- Wkener 2»vrge»zvrrvng D«S tzeS DehrgedarckenS" erhöbe», speien Mc Blätter Di« auf Gedeih und Verderb miteinander verbundenen ftsmfet, Gchwenndustriellen und Zentrumsleute täglich Uheffelweise das Gift in die Massen, drohen mit der Saust und —' reden nichts von de« Kapitalserhöhung« -er nationalen Industrie. Frankreich kann seine Laste» »icht mehr tragen, seine Fabriken nicht aufbaue», er» Mährt 70.000 Kinder auS den NordidepartementS i« Vüden: fein Drangen, daS sicherlich von Nationalisten, Royalisten und Imperialisten aufgestachelt wird, nimmt Formen an, die für Europa gefährlich werden. Aber die tieferen Gründe liegen in den durchaus reaktionäre«, kriegslüsternen, antisemitischen, anttso-ialen Schichten Dttttschlonds, die heute regiere«. Politische Rundschau. ZieNgowski m»d die Jede« t* Wilua. -Äntjn Wilensti* berichtet, dich General Zieligowfti den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Wilna, De. Dhzodski, nab den Vertreter der jüdischen LollS- Partei, Dr. Schab ad, eingeladen hat, am mit ihnen Über Pie Einberufung eine- Wilna« Sejm- und über die jetzt in Brüssel siatlfindenden Verhandlungen zwischen Pm« und Litanen m konferieren. Dabei erklärte General Aievgmoski, er Kmbfichtige eine Konfereenz der Vertreter aller jüdischen Parteich einzuberufen, um sich über die Stellungnahme der Jude« zur Wilna« Frage zu informiere«. Zu diesem offiziell angekLndigte» Schritt sichen dre Dn-führunge« Le- Tagblattes .Uns« Tag" in eine« offene» Brief an Geneval Zieligowstr in Widerspruch. E- «^g.i *■ -i-- jpn» »Zur Ausschmückung des Platzes, auf de« am tt. April die Gedenkfeier der Befreiung Wilnavon der bolfchewikische« Besetzung stattfand, wurde tagS vorher » de» Straße» eine große Zahl von Juden, zumeist d« Intelligenz angehörig, adgefange», damit sie de« Festplatz instand setzen. Da» Schauspiel vollzog sich «nu hellichten Lage vor de« Augen all« Passanten unter großem Aufsehen, begleitet von Gelacht« und rohe« Spässen. Auf die Frage eined« Betroffenen, warum man nur Juden abfange, wurde ihm zuerst d:e Antwort mit dem Gewehrkolben gegeben, dann bedeutete ihm ein Beamter, es sei .ein solcher Befehl* ergangen. Bemerkt sei» daß sich unter den auf diese Weise zur Arbeit herangezogene« Juden sechs Schüler der Wilna« Stabbiaerschule befanden.* Wunder. Die Jerusalem« Zeitung Upapvel Hazair* macht zu de« jüngsten Sr» ÜLvungen Dinstom ChurchrllS Sbet die Balfour-Deklaratton folgende Bemerkungen, die einen tiefen Blick in die Stimmung tu« lassen, in d« sich die jüdische Bevölkerung Palästinabefindet: Wieder«« hatte« wir eine Zeitlang eine Krise, die «un vorüb« ist. Der Fall Lhurchill Ist gnt verkaufen. Die Balfour-Deklaratio« wnrde von neuem und kräftiger bestätigt durch die klare und «nztveidentige Antwort, die Lhurchill der arabischen Delegation «teilt hat» und dnrch seine feierliche Siede ans de« Har-Hazofim (Skopu-bevg) in Gegenwart ein« großen Menschenmenge. Wiederum hat sich rin Purinnvund« «eignet. Die schwere Sorge, die in den letzt» Tage« auf nulastete» wurde von uns genounnen. Wie treiben eine fatalistische Polt«. Sie hangt von Fürste« und Regenten und nicht von malen Faktoren delatsächttche» Lebenab; deshalb hoben wir so viele Siege »nd so viele AngstzustSnde z« verzeichne«. Jede fatalistische Politik ist Bankrottpoliiik. Wich Üx Blckfour-DeSavation dmht wertlos zu werden, wenn wir un» auf Wund« verlassen werde», wenn wir dajüdische Leben aSHLnpig mache» de« äußerlichen Faktoren, von der guten Laune von P^itikeen oder von der Gewinnfthoffnung ivgendeiu« imperialistischen Regierung. Siege«, wirklich siegen, all den Versicherungen faktische« Wert verleihen, unser« Stellung im Lande Dauer und Sicherheit schaffen können wir unnur durch Auffchttchung eigener Produktion-mSglichkeiten, durch «rfbauends Arbeit und Maffemmmigration, durch Schaffung ein« WirÜlchtzest, die jeden Versuch, an unsere Rechte auf diese- Land zu rühm», erfolgreich abwetzven kan«. Der Fall Lhurchill muß unals Memento dienen. Wir dürfen uns nicht «nt fiktiven Siegen betrügen. Solange wir nicht «ine lebendige Kraft Im Lande find, wird Immer üb« un» da- DamokleS-Schwert schweben. Was jetzt in Asa und Haifa geschah, wain Jaffa und J«usalem ««hindert wurde, konnte nur verhindert, ab« nicht abgeschafft werde«. Die Spitze verli«en kann all dies nur, wenn in kürzest« Zeit starke Müssen einstromen werden und wenn von jede« Gipfel und aus jedem Tale das Echo de- Arbeitenden gehört werden wird, das jüdisches Leben und Schaffen verkünden wird. Nur vor dieser tatsächlichen Wirklichkeit wird die Gegnerschaft verstummen, nur diese greifbare Tatsache wird die chauvinistische Aufgeblasenheit der städtischen Araber bezwingen. > Der offene Brief weist mit Recht darauf hi«, daß sviche Vorkommnisse geeignet sind, dte Spannung zwischen de« Juden und de» polnischen Mitbürger« in Wilna zu vergrößern. General Zieligowstr ließ als Antwort auf diese» offenen Brief d« Wilna« Presse ei« Communrquee zutzehe«, i« welchem et «klarte, esei Sb« diese Geschehnisse eine Untersuchung im Gange, deren Resultat ihm ehesten- «itgeteM werden soll, worauf dann die eventuell «oiwendigeu Verordnungen «gehen würden. Der neue Sprecher de» englische« Unterhauses. Ver bisherige Speaker des englischen Unterhauses, Herr Si. Lowther, ist nach 16jähriger Amtsführung Kurückgetre-en. Sern Stellvertreter, der Deputy Speaker V H. Whitley, wurde einstimmig zum Sprecher gewühlt. — Der Sprecher, der Präsident des Unterhauses, vertritt diese Körperschaft auch nach außen, wahrt seine Rechte gegenüber der Regierung, er repräsentiert die Legislative vor dem König. Angesichts dieser Stellung ist es klar, daß nur Mitglieder, die das dollste Vertrauen des ganzen Hauses genießen, zu dieser Stellung gelangen können. Der Speaker hat die Pflicht, über den Parteien zu stehen, er hat auf die Einhaltung her Geschäftsordnung zu achten» er kann die Wgeordvetrn zur Ornung rufen. In seiner Abschiedsveoe erwähnte Lwwther, daß er durch 38 Jahre dem englischen Unterhaus angehört und daß kein AmtsvorgLnger daS Amt des Speakers so lange wie er iunegehabt habe. Als Nachfolger Lowthers ist G. H. Whitley auf den Historischen Wollfack gewählt worden. Gr hatte einigen Widerstand der Unionisten zu überwinden gehabt, bißchen Einfluß der Regierung auf die Ernennung des Speakers ausschalten wollten. Sie hatten unter andere» Sir Eknest Pollock, spater auch FrrsderickBanbur y vorgeschlagen. Whitley genießt großcs Ansehen im Hause; er ist mit seinen Regeln und Gebräuchen vertraut und verspricht in jeder Beziehung ein würdiget Rachfolger Lowthers zu werden, dessen Gehilfe er war. Als Deputy Speaker stand Mr. Whitley stets über den Parteien. Die englische Presse widmet dem Ereignis Lange Artikel, in denen nicht zuletzt der Stolz auf die Einrichtungen des ersten Parlaments der Welt zum Ausdruck kommt. Abrüstung zur See. £M9m, S. SRtri. (Funkspruch.) Der englische FlottenvevLin hat in seiner JahrssMeralversaMmlung eine Entschließung angenommen» die sich für die Einberufung einer Konferenz der großen Seemächte zur Verminderung der Rüstungen zur See auswm> Politik ohne Taten wird immer z« Zusammenstößen mit Len Arabern führen, in der Arbeit werden wir vielleicht de« Weg zu Frieden und gegenseitiger Verständigung sind««. Vergessen wkr daher rckcht, daß vorläufig nicht wir die Sieg« find, vergessen wir nicht, daß wir innen Niederlage auf Niederlage «leiden und daß eunnicht gelungen ist, die AiufbautLtigkeit über persönliche Politik und gegenseitigen Kampf htnauözuheben. Dagrößte Unglück besteht darin, daß nach all den Deklarationen dir einzige, entscheidende, wichtigste Deklaration — die »Deklaration de - Volkes" — noch nicht gekommen ist. Die richtige Antwort auf die gmche historische Fmdenung haben vorläufig nur die paar tausend L h a l u z I m gegeben — und diese Einwanderung. gegen welche Vitt« qe» kämpft haben, wurde jetzt sowohl nach innen als nach außen zum btt)entenden wirtschaftlichen Faktor. Mehr haben wir nicht gehört. Ab« wir hören den Berzweiflung-schrei der unglücklichen Brüder, das stumme Gebet von Tausende« mißhandelter und gejagter Juden» die Schuh and Rettung vor vollständigem Ruin suchen. Wo ist die große nationale Anstrengung. die die EinwanderungS. und ArbsitSmögttchkrtt schaffe« soll? Ist da- Volk tatsächlich verdorrt? Die »Deklaration de- Volles" wnrde «och nicht gegeben. Di« Arbeit, die un» bevorsteht, ist fchw« und verantrvortungSwoll und wir müsse« fie mit der größtmöglichen Kräftecmspannung ««gehen. Et« Land «wirbt man weder durch Verträge noch durch Dottv, man erwirbt e» durch Besitzergreifung, durch Arbeit — und in tae Arbeit werden wir siegen! Inland. Ftuauzvragra«« «uv Sauiernug. ' Di« Delegierten des FfilanzVvMtses des Kölkevbundes, Glückstad, Avenol und Drummould- Fraser» werde» Mittwoch Wien verlassen, sind Aach Bern «Kreisen. Da die Zeit drängt, wird die von den Finanzdelegierten des Völkerbundes verlangte Zustimmung der politischen PsLketesi zum Ainanzpwgramm spätestens Mittwoch mittags -er Regierung vorgelegt werden müssen. Di» christlich soziale .Partei und die Groß deutsche BolkSpaiM Hatzen btt den bisherigen Besprechungen mit dem Bundesminister für Finanzen Dr. Grimm bereits grundsätzlich der Regiermig ihre Unterstützung beider Durchführung dieses Programms zugesichevt. Von sozialdemokratischer Seit« liegt diese Zu^ stimmung noch nicht vor, da erst für heute eins Sitzung des sozialdemokratischen ParMliibs eiMxuftil ist. Men nimmt jedoch in politischen Kreisen an, daß auch hte sozialdemokratische Partei sich damit eiuverstanßsn erkläre« wich, daß mit dein borge sch üi Men Finanz« Programm der Versuch einer Sanierung des StllLts- Haushaltes unternommen werde. Fiume. Bueeart, 1'. Mai. (Korr.-Äur. Laibach.) Die mit der Abgrenzung des Staates WuM bötvüUjM Dele- Sjajt fcjMf. tirwtfiO&tetiL. In informierten Kreisen glaubt man, daß für üvL Durchführung der von den Delegierten des Völkerbundes borge sch lagenen Maßregeln ein Zeitraum von. j tzwoi Ächvm zuvsM weMu. wjxh. ö. Mllt 19^ X Nr. 811 ' ' " N Max glaubt, daß nmn eine Sicherung der nvtwendigen auswärtigen Kredite für die nächsten zwei Jahre an* stE. In diesen zwei Jahren soll auch der Abbau der L-ben-mittelzuschÜsse, der i-nS Auge gefaßt wird, staffelförmig durchgeführt werden. Ebenso sollen auch die Ersparungsmaßregeln und die neuen Steuern innerhalb dieses Zeitraumes vott zlvet Jahren verwirklicht werden. Die im Finanzplan vorgesehene Erhöhung der Persvneni. und Gütertarife her Staatsbahnen werden, dom Hauptausschuß schon in dev nächsten Zeit zugehen. Der Antrag soll, wie es heißt, eine hundertprozentige f Erhöhung der Personen- und Gepäättarife vorsehen, die bereits am 1. Juni in Kraft treten soll, während dev 1. August eine 70prvzentige Erhöhung der Gütertarife bringe« M. Die Mehrevmahmeu aus der Erhöhung der Gütertarife werden mit Berücksichtigung der automatisch sich' erhöhenden Berkehrssteuer jährlich mit sechs Milriarden Kronen «nd die Mehreinnahmen aus der Erhöung des Personen- und Gepäcktarifs mit einer Milliarde Krone» veranschlagt. Die gleichen Erhöhungen werde« auch auf den PrivakbahEN zur Einführung gelange», so baß bi« neuerliche Belastung des Eisenbahnverkehrs' für ganz Oesterreich mit e t w a z e h n Milliarbeu Krone« angenommen werden kann, unter der Voraussetzung, daß der Verkehr unter dem EinfkUß dieser enormen Erhöhung der Tarife nicht wesentlich, zurückgehen wird. Telegramme. / Die Eiuwanderuugsfrage i« Ksnada. Mwntvml, 80. April. (Füd. Korr.-Bur.) Die vom Deputierten Delary eingebrachte Resolutivn für dis vollständige Einstellung der Einwanderung nach Kanada ist im Repräsentunieuhaus auf heftige« Widerstand gestoßen. Eine große Mehrheit von Deputierten bezeichnet« die unbegrenzte Immigration nach Kanada alS Lebensfrage für das Land, insbesondere für dessen agttkultuvelle Entwicklung. Der jüdische Deputierte Jacobs forderte offene Tür für die Einwanderung, deren Drosselung b«m Lande nur zum Schaden gereichen wüttre. Der Minister für Einwanderungsfragen stellte eir.e baldige Erklärung über die Absichten und Richtlinien der Mgieruug in Aussicht und forderte den Deputierten Delary auf, seine Resolution bis dahin zurürkzuzitzhen. Streik- -er amerikanlschen -HaWelsmatirae? Washington, 2. Mai. (Reu^r.) Die Verhandlungen der Deeb«hörde mit den Reedern und dem seefahrenden Personal Über eine 15prozentige Herabsetzung der Löhne haben zu keinem Ergebnis geführt. Der Aus stand scheint unablvendbar. Die polnische Kabinettskrise. WMfchM, 1. Mai. (Privat.) Dem „Moment" wird von einer der Witos-Partei nahestehenden Seile über den Stand der Kabinettskrise berichtet, daß Minister- Präsident Witvs entschlossen fei, mit dem ganzen Kabinett zu demissionieren, baß jedoch ftin Klub ihm Weisung gegeben habe, dies erst nach der Erledigung der oberschlesischen Frage zu tün. Sollte die ober schlesische Frage noch vor dem 10. b. M. entschieden werden, dann wird das Kabinett Witvs wahrscheinlich bei der an diesem Tage ftattfiudenden ersten Plenarsitzung des Sejm seine Demission geben. Sollte die Erledigung dieser wichtigen Frage sich hinausziehen, so wird noch' der geeignete Zeitpunkt für die Deulisswn d«S Kabinetts festgesetzt werben. Der Charakter des künftigen Ministeriums läßt sich heute noch nicht bestimmen, es ist nicht «üsgeschlofftn, daß es ein Kabinett des Zenirums ohne Anteilnahme der Sozialdemokraten, aber a«ch ohne die Notionalbemokraten sein wird. Dm» Mandat des Radbitters Halpee«. ftfotffcWi i. M«i. (Plivst.) Mr an Gieike des verstorbenen orthodoxen Deputierten Rabbiner Kalpe un das freigewvche,:« Sejmmanbat übernehmen wird, steht noch nicht fest. Nach ölktigen Meldungen soll der Lodzer vrthobüz'e Smdtrat M i n z Ü e r g» nach anderen der. ebenfalls der orthodoxen Partei «n gehört ge Lod?er Fabrikant B ialer das Mandat übernehmen. Ein Putsch plan in Amerika? WefWtzK«, S. Mai. (Funftpruch.) Eir^e Hausdurchfuchung tz-t bst Aentmle der Dritteir Jttternationale in New-Aork ergab das Bestehen eines Pkasses zu einer revolntionArsn Erhebung in Ainerika am 1- Mai Md einer Verbindung mit den leitenden Stellen Sowjetrußtands. ZwSi der Führer der 83c* wegüng, Abraham Iacknrn und Israel Ämter, wurden von der Polizei verhaftet. Pt« pokUtsch-lttaUische Frage. Warschau, 3. Mai. (Funkfpvüch.) „Äazeta Povanü r" uzoldöL gus Paris, daß die Bildung eines litauischen Staates erwogen werde, der aus den Bezirken Kvwnv und Wilna bestehen würde und dessen Parhrmeut , rtch B^ierung M Mm SÄ '