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Wiener Morgenzeitung · 1921-05-01 · Heft 812 (1.5.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 812 (1.5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien. Sonntag Wiener Mörgeuzeiruttg l. Mar MI' <vtr. sra Telegramme. Der Hberste Rat. ' .f 30. April. (Reuter.) Wie amtlich mitge- Wt wird, wird der Oberste Rat heute um 4 Uhr nachmittags in Down ingst ree t die erste Sitzung abhalten. Premierminister Lloyd George wird wahrscheinlich vorher mit dem Ministerpräsidenten Briand eine Besprechung haben. Die Vertreter Frankreichs und Belgiens sind heute nachts hier eingetrofsen, die Vertreter Italiens werden heute vormittags erwartet.? Paris, 30. April. (Wolfs.) Die Sitzung dez Obersten Rates hat in London heilte itnt' 3 HTjc nachmittags begonnen- Lloyd George und BriaUd hatten um halb 12 Uhr eine Unterredung, die Zwanzig Minuten dauerte. Vormittags hatte der aus Berlin eingetrofscne englische Botschafter d'Abe r uorr im Aolonialaint eine längere Unterredung mit der Ministerialkoinmissioich die 'Lloyd George eingesetzt hatte, um die Reparationsfrage vörzubereitcn. Die Kommission besteht aus dem Kriegsminister Worthington Evens, Kolonialminister Churchill und dein Minister für Indien Lord Moutagu- Nach dieser Beratung begaben sich die drei Minister, begleitet vom Botschafter d'Äbernon, zu Lloyd George, wo sich bereits Lord Curzon und die anderen englischen Minister eingefunden hatten. Das englische Kabinett hielt sodann eine Sitzung ab, die eine Stunde dauerte. Der Oberste Rat tagt heute. Lands». 20. April. (R:utrr? Dcr Obrrste Rat hat sich *<s« lYsftüiibiaei. Beratung itr.i 7C3 Uhr abends aus morgen II Uhr vorw'.UasZ verisgt. Die französischrrr Forderungen. ' ' Berlin, 30. April. „Eft Eurape" meldet aus Paris VSm 30. April: Zn den französischen Plänen, die Minister Loucheur in London verteidigt, teilt „Echo de Paris" sorgendes mit: 1. Auferlegung einer Steuer von 20 Golbmark per Tonne Kohle,. 2. fünfzigprozentige Steuer auf die Ausfuhr, 3, dreißigprozentige Beteiligung an den deutschen Industrien, 4.-Lieferung von Fertigwaren für die zerstörten Gebiete. Dieses System soll mit einigen Abänderungen nicht nur im Rheingebiet, sondern in ganz Den-schlanb zur Durchführung gelangen. AeberuKkMederöeurschenausrändischen IrrLeresseA. Paris, 30. April. (HavaS.) Gemäß Artikel 2o0 des Versailler Vertrages hat die Mparationskoinnntjwn beschlossen, sich seitens Deutschlands sämtliche Recht« Und Interesse n übertragen zu lassen, welche ow deutsche Regierung und deutsche Siaatsang^horrge an gemeinnützigen llnternehnurngm und an Kon.r.eijroneri besitzen, die sich in Ruß land, O-esie rre rch-Ungar n, B n lg a r ic n, der Türk ei sowie in den durch den Friedensvertrag abgetretenen Gebieten beimden.Enttzegen der'einschränkenden AuZlcznng Deutschlands, cns- Lesondere betreffend die Bergwerks- und Petrolcum-- tonzessionen, haben die Rechte und Interessen n i6) t nur Akt i e n, sondern a u ch O b! i g a t i o n e n - zu umfassen. t Gedenket des grossen, der nacn Moses und Ssffai' als- Dri 1 t e r Israel-aus dem Lande :<i£r nach Erez Israel in die fährt. Gedenket der den Tag von San Bern© mchtmehr erlebte. Spendet ihm zu Ehren für den ■ " 64 77 .Spendet für den .. Jüdischen Nationalfonds -der Herds Traum zur Wahrheit macht. Jeder Jude Oesterreichs spendet heuer wenigstens 100 Kronen zur Pflanzung eines Baumes im „Jaar Austria“. d« „Jaar Austria“ ww nur dann am Kinereihberge in Palästina gepflanzt, wenn bis 26. Juli ----- 2Q. Tamus wenigstens 100.000 Bäume gespendet wurden. V Spenden für den Jaar Austria“ an Zlrhusgasse 33 . r für den rJaar Austria*! für den J. N. F.! Amerika und Deutschland. Washington, 30. Apnb (Rentcr.) Scnator Lvdge erklärte im Senat, daß ein Vertrag mir Deutschland in der Annahni r der Vil c f o l u t i o n Knor w.üm'chrinlich folgen weide. Der Senator snxte hinzu, daß Präsident 'Harkiritz -und das Staatsdepartement dentlich die Absicht der Bneimgten Staaten bcwniea haben, die Alliierten nicht im Stiche zu lassen.' Griechenland ergreift Besitz von Smyrna.. London, 30. April. Elinkspruch^) Ministerpräsident Gunaris und andere Mitglieder der Regierung sind nach Smyrna abgereist,, um die Stadt im Namen des griechischen Volkes , in Besitz zu. nehmen- Rumänisch-tschechische MMtürkonventirm. B rtKare st» 30.April. (Tel. d.^Wr.Morgenztg/) Nach einer amtlichen Mitteilung der rumänischen Regierung wnrde in B »karest zwischen der Lsch echo-Slowakeit nnd Rnmünien eine militüv politische 5?o n v enL i v n abgeschloffen. Dies bedeutet den Eintritt Rumäniens in die kleine Entente- Amerika stellt den Ban von Dreadnoughts ein. Washington, 30. April. (Fimkspruch.) Das Repräsentantenhaus hat Jinit großer Diehrheit eilten Gesetzentwurf angenommen, wonach vor der Einberufung einer Abrüstungskonferenz durch den Präsidenten Harding kein Gelb für den Bi au von Großkam p f s ch i f f e n aus gegeben werden dürfe. Der StaatsbeamtenftreiK iitl SlaUest. Rom, 30. April. (Tel.-Kvmp.). Die Lohnbewe. gung der italienischen Staatsbeamten dehnt sich imrirer weiter aus. Vier Ministerien mußten gänzlich geschlossen werden, während es in anderen zu stürmischen KundeguLugen und bewegten Versammlungen der Beamtenschaft kam. Diese fordern die sofortige .Auszahlung der seit langem versprochenen Zulage. Ruhe in Fiume. Mailand, 30. April, (Schweiz. Dch.-Ageni.) Dem „Sctolv" zufolge ist in Fiume die Ruhe wird» -«gestellt. Alle . Geschäftshäuser sind geöffnet und der Straßenbahnverkehr ist im Gange. Auch in de» Fabriken wird gearbeitet. Die Fasziftcn Haben die Stadt wieder verlasse«. Burgennnsier Besiasto hat die Regierung öbernommm und s-fort die Reorganisation derMaatLnnd Gemeindeverwaltung angeardnet. Der deutsch - russische) Handelsvertrag gefShrdet.'' -- •- - Warschau, 30. April. (Tel.-Komp.) Der' „Kurjer Poranny" stellt gegenüber anderslautenden Nachrichters fest, daß der beutfch-r uf ft fche Hiandelsvert r a g ui ch t ratifiziert .werden wird, da Sowjet rußland von Deutschland den Verzicht auf jeden Anspruch aus die Vermögensrechte deutscher Staatsangehöriger in Rußland fordert. In dem ursprünglichen Entwurf des Vertrages ist von einem derartigen Verzicht nichts erwähnt.! Der italtenisch-jugoslamische Handelsvertrag. D«lgrald,28. Slprik. (Preßburcau Belgrad.) Die Verhandlungen zwischen Jugoslawien und Italien zwecks Abschlusses eines Handelsvertrages werben demnächst wieder ausgenommen, da Italien in den nächsten Tagen auch den Rordteil Dalmatiens räumen wird. Die italien - scheu Delegierten LucciöTi und 0nar 11eri treffen anfangs Mai in Belgrad ein. Die Optionen in Deutschland, und " ■" ■" ' : Pvlen- Paris, 31 April. (Tel.-Komp.) Die Prälim'marvrrhandlungrn zwischen Deutschland und Polen Lber Optienmg der Angehörigen beider Staaten sind beendet. ^"Die: endgültige Lösung dieser Frage wird dmmächst irr Paris erfolgen. Das jüdische Theater und sein Publikum.?'■ ' Das Drama hat im jüdischen Denkkreise eigentlich Nievrals Raum fiudcu «önnen. Vielfeicht deshalb, weil die kultische Verbindung nicht gegeben war. Die dramatische Form fand lange Zeit — Wahrscheinlich schon von der frühesten Zeit des Exils an — eigentlich nur am Purim Anwendung, jenem Tage,-dü sich auch sonst &{c Geschlossenheit des jildrschen-' Zebenskreises löst. Es scheint, das; der eigentlich nur bem lhrisch-explosrveit Un-chrnck geneigte Jude für den dramatlschen Ausdruck überhaupt keiic Verständnis Wtie. Böswillige ckönnten behaupten, daß dieses dramatische Verständnis trotz der Gewandtheit, mit welcher Inden seit ein paar Generationen in der Gestaltung, Ausführung und dem Erlebnis der dramatische!: Form als dramatische Autoren, Schauspieler und als Publikum tätig sind, bis heute dem Jrcderr abgeht. Der Jude betrachtet bis heute Theater und Drama als eine „badchonische" Ungelegenheit. Symptomatisch dafür ist, daß/emdr der Borsärlfer der Gold fade nschen Singspieldichter in jüdischer Sprache, S ch l o jm e Ba d ch e n war, welcher eine Art Bilrleske, betitelt „Moses oder die Befreiung der Juden aus Uegyp'ien", verfaßte. Goldfaden, mit dessen 1877 erfolgter Theaiergründung i;t Jassy die Entwicklung des modernen jüdischen Theaters beginnt, hat, wib David Kinski in seinen /.Studien über bas jüdiM D'rairm" mit tveftr Einsicht benrcrft, den Badchen, den Improvisator des Ghetto^ Kurn Llnsgangspunkt genommen und ihn in die ihm innewohnenden Unterhaltungselemente zerlegt, die er auf verschiedene Personen aufteilte. Schon dieser Ausgangspunkt für die moderne jüdische Bühne und' die nsihc.'en' Begleitumstände,' ivelche mit ihrer Gründung verbnnderl.. war^.^ beeüululGn dir MrLML.beH.Wi-.. schen Theaters beiuc Publikuur. Goldfaden spielte in Rumäciien Thcaier vorwiegend für die Kriegslieferant?n, die sich dort während des russisch-türkischen Krieges zusammengefunden hatten, nud wie gichtig er-sein -Publikum einschätzte, beweist sein Ausspruch': „Id) .spiele für Moifche, nicht für Moses " Und es ist ebenso bezcichrwnd, daß die Entwicklung^ des neuen .jüdischen Theaters eigentlich im Amerika-erfolgt ist, wo Goldfadens Singspiel in die Niederungen der. burlesken Operette nnd der Zote ^elcjugte..urtd. jvo. eigentlich - sozusagen der Unschluß , an dje ^uropMlH^-Drhma^ik und bas. enropäische.. Theater gefunden wurde. .D'enr Publikum ist cs wohl zuzuschreiben, daßzunächst in Amerika / jene Umarbeitung: europäischer .dramatischer DichUlng . erfolgte, welche Shalespeares, -Hebbels und Moliöres gültigste Gestalten in-ein jüdisches Milieu übertrug und aM..>,Mnrep und Julias ,/Zlvei Brüder Zurie^ machte und Hamlets Monolog „Sein oder Nichtsein", in eine Betrachtung über die damaligen Zustände irr lstußland nmivandelbe. Dies beweist am besten, baß das jüdische Theaterpublikum die absolute. Gültigkeit dramatischer Gestaltung uicht versteht,' baß eS nicht die waltenden Mächte, welche die .Gestaltendes Dramas führen, anerkennt und begreift, da es ein« ganz andere Sluffassnng vom Geschehen der Welt hat als die, welche das Drama hervorbraMe. ' i->. - Auf diese ausder Geschlossenheit der jüdischen Weltanschauung sich' ergebende dramatische. Verständnislosigkeit ist es auch zurückzuführen, baß vielfach noch bis he,rfä das Mische Theaterpublikum fordert, baß die Bühnenvvrgänge gut ausgehen. Mm kann.nicht einiverchen, daß . die Zusammensetzung des Publikums in den ersten;Jahrzehnten.des jüdischen Theaters hier besondere Wirkung gehabt habe. Das sogenannte nicbrigr Publikum. bietet ja überall den Gradmesser für , .,daL drauLMM LeMinbM,.in ßWriüa eine jüdische Bühne entwickelt hak, als Gvrdins Theater- Latent durch das Kompromiß zwischen europäischer D'ramatik und jüdischem Milieu den Moden für die Ausuahmssiihigkeit beim ostjüdischen Publikum geebnet hatte/ begann die eigentliche neujüdische, dramntische Dichtung in Europa,'welchechurch'M-Mnie»:P-in[ii, Kob rin, Libiu, Asch, Pcrez, Hirschbei-n -u.-a-: geiennzeichnet ist. Bei dieser neuen' Dramatik ist mach'- imincr das rein Milieuhaste mitbLstimrnend.-Uud' es. ist wic'aer bezeichnend-: daß sie ihr Theater zunächst in dtmeri'la fand: Ni ^: ■i,\ ■ v’. -:1:‘.•H’ I In Europa haben erst die letzten Jahre «tue kürrftfische Entwicklung jüdischen TheaterZ angröahn!, wcsthe .der" neuen 'jiidischon Dranjatik uUd'benr 'Drama den. Der künstlerische Aufstieg..'der,, jübischen. Bühne ist mit der Gilnäer Matertruppe 'eng"verbunden. Dort wurde der Versuch gemacht, den Stil für ein jüdisches .Theateö. zu finden, der es'vom badchonischm Element wegsührt und nicht bloß, europäisch) sondern auch jüdisch macht. Lange Zeit fand-.''solches.V-rstreben beim, j.ndischchl Theaterpnblikum.geriügcs Verständnis. und Theater, trug auch', die possenhafte Vergröberung, di« lange Zeit auf dem jüdischen Theater herrschte, bas ihrige^dazu bei, um die neuen Versuche ungewöhnlich! erscheinerr zu lassen. Und der Jude,' welcher bis heute Drama und. Theater als Unierholiungssache betrachtet, vermochte nicht, zuru. Neuen das richtige Verhältnis zu, finden. Erst ist den allerletzten' Jahren, als die jüdische Intelligenz dies Ostens sich auf Fortentwicklung des. Mischen Wesens, einstellte, kam sia' zum Teile .tÄL- 7

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