Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 811 (30.4.1921)
- Date
- 1921-04-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Men^Pamsrag. Wiener Morgenzenung ^811 so. April 1921 •" r0feitc s Zionistische Bezirkssektion XVI/XVII. Massenversammlung Montag, 2. Mal, 7 Uhr abends. Etablissement Cschwandtner, XVII., Hernalser nauptstrasse 41 Redner: Oberrabbiner Dr. H. P. Ctiojos ( Dr. Israel Waldmann wo David Nebenrahl Thema: Die politische Lage im Zionismus: Weitere Versanimlxingen: Montag, 2. Mal, v,8 Uhr abends, Restaurant Halndl, wtum wilden Mann“, IV., Favoritenstrasse 54. ^bnstsg, 2. Mal, 7 Ohr abends, Technisches Museum, Xtti., Linzerstrasse ($chönbru.un). Larding HLlt Flottenpavade. Xumm, 29. April. (Wolfs.) Aus Old Point Tomfort (Virginia) wird vom gestrigen gemeldet: Präsident Hartz ing hielt von seiner Präsidentenjacht aus 'ine Parade über die atlantische Flotte ab. Hieraus begab er sich auf das Schlachtschiff „Pennsylvania" und hielt eine kurze Ansprache an die Mannschaften, in --,6r er erklärte, er hoffe, daß niemels wieder im Ernstfälle der Befehl ergehen müßte, daß die Schiffe feuern. Wenn alle Regierungen wie die der Vereinigten Staaten wären, dann würde dauernder Mede herrschen. Amerika wolle leine Gebiete und keine Tribute; Amerika wolle nur das, was ihm rechtlich zustehe. Die englischen Bergarbeiter lehnen die Aegierungsanbote ab. London, 28. April. Die Bergleute haben das neue Angebot der Negierung a b g e le h n t. — Die Ablehnung des Vorschlages erfolgte, weil die Bergleute, wie sie erklärten, von den fundamentalen Forderungen nach einem nationalen Lohnamt und einem nationalen Pool für di« Profite, wofür die Bergarbeiter kämpfen, nicht ab gehen kannten. London, 29. April. (Reuter. — Unterhaus.) Der Vorsitzende des Handelsamtes Sir Robert Hör ne erklärte, die mit den Bergleuten ein geleiteten Verhandlungen seien bedauerlicherweise trotz des hochherzigen Anbotes der Negierung gescheitert. Er könne nicht hoffen, daß die Arbeitseinstellung, die, wie sich jetzt herausstellt, politische Zwecke verfolge, bald ein Ende nehmen werde. Die derrtsch-russtschen Handelsbeziehungen. Moskau, 29! April. (Tel.-Komp.) Die Moskauer „ELonomitscheskaja Schisn" bringt einen längeren Artikel 'über dett russischen Außenhandel, in welchem bezüglich der russisch-deutschen Beziehungen gesagt wird, daß L)Sutichlandlunter den nach Rußland importierenden Staaten an erster Stelle stehe. Deutschland liefere so ziemlich alle Wareugattnngen und verspreche, Rußlands HaupUieserant zu werden. Än zweiter Stelle steht Amerika, das in erster Linie Kohlen und Leder liefere. Die aus Deutschlaüd und Amerika gelieferten Waren machen die Hälfte der gesamten Einfuhr aus. Beide Länder werden voraussichtlich auch in Zukunft die Hauptmärkte des russischen Außenhandels bleiben. Der Austausch der ungarischen Volkskommissare. Budapest, 29. April. (Ung. Tel.-Morr.-Bür.) Die Regierung hat sich mit dem Bericht über die Rev aler Verhandlungen, ^des Sektionschefs im Ministerium des Aeußern Michael Jungerth befaßt und ihm die zur Beendigung der Verhandlungen notwendigen Ermächtigungen erteilt. Sobald Litwin ow, der zur Zeit in Moskau weilt, nach Reval zurückgekehrt ist, werden die Verhandlungen wieder ausgenommen werden. Bor der Tagung des Prager Parlaments. Pria-g, LS. April. (Privat.) Die verschiedenen parlamentarischen Parteien hielten vorige Woche Beratungen übe« däs künftige Mbeitsprogrcmrm des Parlaments ab. Gestern fand eine Beratlmg des Fünferausschusses statt; diese Beratungen werde heute fortgesetzt und sollen noch dies« Woche beendet werden. Nächste Woche finden bann getrennt die Beratungen der Parteien statt, worauf eine gemeinsame Beratung der Vorstände des Senats und des Parlaments erfolgt. Wie verlautet, tritt daS Parlament -am 17. oder IS. Mar zusammen. Was die Rekonstruktion der Kabinetts betrifft, so besteht die Absicht, wie die „Prager Presse" meldet, das Ressort des Ministerpräsidenten neu zu besehen. Die Regierung hat dem Abgeordnetenhaus eine Reihe neuer Gesehesvorlagen unterbreitet, die das HauS in der bevorstehenden Session beschäftigen werden. Ein Entwurf sieht die Ein Hebung eines besonderen Zuschlages zu den direkten Steuern zugunsten der öffentlichen Krankenhäuser vor, ein anderer Entwurf NoveMrt das Gesetz über den Achtstundentag in. Uebereinsttmmung^mit den Beschlüssen der internationalen Arbeitskonferenz. Schließlich hat die Regierung daS neue Preßgefetz vorgelegt. Die Regierung beabsichtigt, womöglich noch im Laufe dar Sessioh dem Parlament eine« Entwurf, der die Dienstverhältnisse der Journalisten regelt, und einen Entwurf-üher die.Journalistenlammer vormleaeu. Der jüdische Sejwdeprrtierte Haltern gestorben. Lodz, 28. April. (Privat.) Nach' kurzer Krank-. h«it ist hier der aus Lodz gewählte Sejmdepntierte Rabbiner Moses Eliahu Halpern im 49. Lebensjahre gestorben. Rabbiner Halpern, eine der angesehensten Persönlichkeiten von Lodz, wurde von den dortigen Orthodoxen ins polnische Parlament entsendet. Sie verlieren in Rabbiner Halpern einen fähigen und energischen Führer ihrer Partei und einen recht geschickten Parlamentarier. Halpern, der seit 1914 Rabbiner in Lodz war, wurde einige Wochen vor seinem Ableben nach Warschau berufen- — An Stelle des verstorbenen Rabbiners Halpern übernimmt laut der Wahlliste Rabbiner Josef Feiner das Sejmmandat. Eine Stadt vom Sturm zerstört. SB-n g on, 29. April. (Funksptuch.) Ein Tornado zerstörte die Stadt Braxton im Staate Mississippi. Tagesbericht. Annahme des Ariernaragraphen im Oesterreichischen TonristenkLnÄ. Große Tumulte In der Generalversammlung. Gestern abends fand in der Volkshalle des Rathauses die außerordentliche Generalversammlung des Oesterreich:schon T-ouristenklubs statt. Schön dis äußeren Merkmale zeigten, daß die Generalversammlung einen st ü r m i s ch e n Verlauf nehmen werde. Von den 11.000 Mitgliedern, die der Verein zählt, waren kaum 4000 erschienen.; Die Generalversammlung sollte bekanntlich über den bekannten Hetzantrag entscheiden, daß ausschließlich Arierals Mitglieder in den Tonristenklnb ausgenommen werden können. Die Versammlung wurde von dem Präsioenten Mat ras eröffnet, der an die Anwesenden die Aufforderung richtete, die alte Tradition des Klubs zu wahren und jedem der angemeldeten Redner Redefreiheit zu gewähren. Seine Wort>ä fanden aber keinen'Widerhalt bei den Radauantisemiten, die schon mit -der festen Absicht gekommen waren, einen großen Skandal zu inszenieren. " Der erst« Redner, Dr. Mehrt, trat als .Verteidiger des Arierparagraphen aüf. Er versucht«' plausibel zu machen, daß es wichtig fei, den Paragraphen zum Beschluß zu erheben, damit „unber ufene Elemente" ftrngehalten werden. Diese Ansichten des Herrn Meh rl wurden in einer ausführlichen Rede dhrch Herrn Dst. Braun bekämpft, der u. unerklärte: „Wenn Vernunftgründe maßgebend wären, dann hätte dieser Antrag nie eingebracht werden dürfen." Bet diesen Worten brach wie auf Verabredung ein Tumult aus. Es hatte den Anschein, als ob die Paragraphenrowdies die Absicht hätten, die Versammlung mit einer veritablen Rauferei zu sprengen. Stöcke und Schirme wurden gegen den Redner geschleudert und; es bestand die Gefahr, daß es jeden Augenblick zu Tätlichkeiten gröbster Art komme. Der Redner Düktor Braun wurde a t t a ck i e r t, so daß er gezwungen war, die Rednertribüne ^u verlassen. Der nächste Redner, Herr Rohrer, führte unter anderem aus, daß es für Wien eine Schande sei, eine solche Sitte, die aus dem Mittelalter stamme, im Touristenklub einführen zu wollen. Schließlich wandte er sich gegen di« Hetzer innerhalb des Touristenklubs. Seine Rede erregte bei den Radaubrüdern eine solche Aufregung, daß sie auf den Redner erndrangen und ihn vom Rednerpult mit Gewalt herunierrissen. , , Dieser gemeine Auftakt war wahrscheinlich. planmäßig, vorbereitet, um den nächsten Redner, den berüchtigten Dr. Riehl, geziemend einzuführen. Der Riehl bestieg wie ein kleiner Napoleon die. Rednertribüne und ließ seine Plattheiten und Hetzereien vom Stapel. Er stellte folgende klassische Philosophie auf: „Bei dem Arierparagraphen handelt es sich nicht , so sehr um die arischen Jünglinge, sondern um die deutschen Jungfrauen, die vor den lüsternen Juden geschützt werden müssen." Selbstverständlich wurde dieser Riehlsche Unsinn von den Krawallmachern mit großem Hallo ausgenommen und es ist bezeichnend, daß sich Riehl überhaupt trauen konnte, mit solchem Unsinn den Arierparagraphen zu verteidigen. Unter allgemeiner Aufregung wurde nun zur Abstimmung geschritten. Das Resultat wurde erst in den spaten Abendstunden bekannt. Insgesamt wurden 9840 Stimmen abgegeben, von «denen 306 8 für und 782 gegen die Einführung des Arierparagraphen waren. Die Abstimmung ergab daher eine Majorität für den Riehl sch en Hetzantrag. _____ EhrisMchsozral. Bon Gemeindcrat Dr. Leopold Plaschlrco. Unter der Spitzmarke „Humanitäts- oder Strafanstalt? Die Fürsorge für die jüdischen Pfleglinge in Lainz" besprechen «die „Wiener Stimmen" gestern das angeblich ungerechte Vorgehen der Versorgungshausverwaltung gegenüber einem christlichen Ehepaar und dürfen es sich natürlich nicht versagen, für den Vorfall außer der gesamten sozialdemokratischen Partei 1 — mittelbar wenigstens — die Mische« Bfleglinge per« Verein. „Er.ea Xsrae>lcc Wieä Donnerstag den 2, Mal 1824 findet im Garten und in den Sälen des Restaurants „Praterfee". II., Prater, Öauptallee (zwischen 1. und 2. Kaffeehaus)* das zugunsten des Jüdischen Nationaifouds statt. Programm: Gesangsvorträge: Frau Glück smann, Herr Streng von der Jüd. Bühne ü. a. berühmte Kunstkräfte. Juxpost, Amerikanische Liz«tation, Glücksrad, Scbönheitskonkurrenz, Koriändoli- und Konfettischlacht und andere Belustigungen. , Anschliessend Tanz. Arrangeur Prof. Zifroni. Kapellmeister Geiger. I Karten im Vorverkaufe K 40, an der Kasse K 50 (inklusive 6 des Zuschlages für den „Jaar Austria“ K 20 per Karte), I Anfang 3 Uhr. v Ende??? | Karten erhältlich} J. N. F., II., Zirkusgasso S3, Palästina-Amt, i 1., Bauernmarkt 24, .Wiener Modenzeitung“. II.. Tabörstrasteö 1 bis 3, jj Buchhandlung B.. Lüwit, I.. Hotcnturraslr. 22, Kartenbureau „Aida“. a 11., Taboietr. 5, Verkanfestello des J. N. F., II., Schmclzgasse 1 und bei g sämtlichen Komjleemitgliedern. 8887 8 antwortlich zu machen, weil sie ihre Ostern würdig feiern, während dies den christlichen Pfleglingen unmöglich -war. Es entzieht sich meiner Einflußnahme unid ich rann es daher nur bedauern, daß die frommen Leser der „Wiener Stimmen" und der „Reichspost" ihren Glaubens- und Volksgenossen das Osterfest nicht verschönt haben. Juden, und zwar auch solche, die auf religiöss Dings sonst nicht viel geben, haben es für ihre Pflicht gehalten, Iden innigen Wunsch der armen, jüdischen- Pfleglings in Lainz und anderen. Versorgungs-r und Krankenanstalten nach ritueller Osterkost auch Heuer zn erfüllen. ■ t - Während in früheren, Jahren die Osterfpeifen sehr - auf Kosten ihrer Güte und Bekömmlichkeit aus der Stadt zugeführt werden mußten, war es Heuer durch Entgegenkommen der Lainzer Verwaltung möglich, eine unbenützte Küche des Pavillons 19 in «der Jagdschloßgasse behufs Herstellung dieser Speisenfür acht Tage zugewiesen zu erhalten, was mit Rücksicht. aus den Stand von etwa 120 jüdischen Pfleglingen nur gerecht war. . Soweit es nach den religiösen Satzungen nur irgendwie zulässig ist, erhalten die jüdischen Pfleglinge die gleichen Speisen, welche von der Verwaltung für die christlichen Insassen vorgeschrieben wurden, jedoch in ritueller Zu- ( bereitnng. Mit dem Rathaustegime, das wieder einmal am Unrechten,Ort angegriffen wurde, .hat die ganze Sache nur so viel zu tun, daß die Gemeinde durch Auszahlung des (verkürzten) Relutums einen namhaften Betrag erspart und es unterließ, diese - Ersparung-bloß deshalb, abzulehnen, weil ein sehnlicher Wunsch ärmer,, . siecher Juden erfüllt werden sollte. r. Des Verbrechens, für die Osterversorgung der Juden in den Wiener Heil- und Pflegeanstalten ein-- getreten zu sein und sie durchgesetzt zu haben, bin ich geständig und 'freue mich, dadurch den ärmsten meiner. Volksgenossen ein paar frohe Stunden bereitet zu haben. Ms ich nämlich den ersten Sederabend mit den Pfleglingen in Lainz verbrachte, haben mich die glücklichen Mienen der Blinden und Lahmen, der durch Alter und Krankheit Gequälten für aste Mühe reichlich entschädigt. Sie jubelten, als ich ihnen erzählte, daß die Juden Wiens sich ihrer trt brüderlicher Treue annehmen unss daß der Vorstand der Wiener jüdischen Gemeinde sowie Herr Oberrabiner Dr. Ctzajes durch Geldspenden und der treffliche Mische Seelsorger in Lainz, Rabbiner Fischer, durch seine rastlose Tätigkeit das Werk ge-, fördert haben.; Was die „sittlich-religiösen" „Wiener Stimmen" an alldem auszusetzen haben, ist mir wirklich Melhaft. Vielleicht, daß auch die Juden im Versorgungshaus Kriegsgewinner sind!? Die-meisten von ihnen haben nämlich erst im Kriege erworben — den Aufenthalt in * Lainz! . .__ f Inkrafttreten der Untermietadgake. Das am 28. d. M. erschienene Landesg-esetzblatt - für Wien enthält das Gesetz, Le treffend die Einführung' der Untermietabgabe im Gebiete der Stadt Wien (Untermietabgabe). und die Durchführungsvewrd^ nung zu diesem Gesetze. Das Gesetz 'tritt am Tage der, Kundmachung in Kraft. — Nach dem Gesetze hat jeder Mieter von dem Entgelt für Untermieten eine Wgabe von 10 Prozent zu, entrichten. Jeder Hauseigentümer (Stellvertreter) ist verpflichtet, in seinem Hause einen - Hmrsbogen zirkulieren zu lassen' und bis längstens ' 8. >Mal beim zuständigen magistratischen Bezirksamts aözuliesern. Jene Parteien, die ihre Wohnung (Geschäft)- ' oder Teile davon weitervermietet haben, sind verpflichtet, ein Untermietbl-att anszufüllen. In den ’ nächsten Tagen werden die erforderlichen Drucksorten' in die Häuser zugestellt. Weitere Drucksorten sind bei den magistratischen Bezirksämtern erhältlich. Die Abgabe ist i. onatlich im nachhinein, das erstemal innerhalb! der ersten acht Tage des Mai für den April, künfttg innerhalb der ersten acht Tage jeden Monats für den abgelausenen Monat beim inständigen magistratischen Be-> zirksamt einzuzahlen. Solange die behördliche Be-- Messung und-Borschreiüung nicht erfolgt ist, hat die! Bezahlung der Abgabe auf Grund der im Untermietblatt enthaltenen eigenen Angaben des Mieters zu. erfolgen. Die Einzahlung: kann auch mit Posterlagscheinen geschehen, die in den magiftratischey Bezirks.^ ämtem erhältlich sych.