Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 810 (29.4.1921)
- Date
- 1921-04-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tzettH' Men. Freitag ttroler in den Genuß des Selbstbcstimmungsrechtes der Völker, für das die An'.erilaner gekämpft haben, weisen, »nd bie WiedcrvcrLinig-ung bc3 auSeinanderzerissoricrl Nordl»«b Srldtirol ehestens herbLiZufnhren. Telegramme^ Faszistenputsch in Fiume. Ausrufung eines Direktorium». Fiume, 26. Ävnl. (Srefavi.) Gestern bunächtigten sich hiesige Fas^sini dcs Rathauses von Fiume und riefen eitt Prsvrs o ' 4 es Direktor! u m unter dem Vorsitz tzes srichttce. ^Musters G r g a n t e aus. Graute erklärte de« Kommandanten der Karabimeri - von Fiume, daß er die xaqzr Buantwortrms Lberuehme. An du B«v8ikrrmrg wurden srer Ausruie erlassen, worin vor allem die Wahlen vor» 2t. Aprif für Mgültig erklärt wurden. Ein statll/cher Zug Sem egte sich durch. dir Straße» der Stadt und brachte Hochrufe aus Italien und d'Änuunzio aus. Die Stadt iß vollkommen ruhig. Die Ordnung mixtt Nirgends gestört. Lvre die Blätter melden, wurde dem italienische» Vertreter ««chnuttegs von der Prokr-mlarion offiziell Mitteilung gemacht. KabttLettskrise in Aegypten. London, 28. Apnl. (Fvnkspruch.) Zwilchen dem ägyptischen Kabinett und dem Nativnatl8en>iihrer Zaghlul-Pascha ist es in ernsten Nusilmmigkettrn gekommen; der R « ck 1 r \ i t d e § K z b i n c t tS wird für möglich gehalten. Die griechische Mobilisierung. Athen, 28. (Havas.) Drr Erlaß, der die Jahrgange 1912, ISIS, 1!K1$ Und 1904 ein'oemt. wird morgen im Amtsblatt er<- hcheinen. Eine amtliche Note erklärt, daß die militarr'che Lage sehr öt•ticbißtttb'ser. Gegnnvartig handelt cs sich um eine Periode der Boi'bcreitmrgerr in den SteHnngen, die seit Schluß des ersten Abschnittes der militärischen Ovrralronen gehalten weiden. Dir von Angora verörcitei? Nachricht über die Wieder» -mwahure ' der Offensiv r ist vom Femdr srn erfunden, um ihm sie Möglichkeit zu zebeu, eingtbrldete Siege im Abschnitt von tkschak zu melden. Polen opfert Petlsura. London» 28. April. Tel.-Komp.) Die .Times" berichten Pos Warschau: Polen ist bereit, zwecks Stärkung seiner Beziehungen IS Rußland Petljurr zu opfern. Als zur Zeit des Krsnsiadter Aufsicmder das Schicksal des rnsstschen Kommun smus und der Rigaer Friedensvertrog in Frage gestellt wurde«, begriffen die Polen, daß sie von dem Stmze der Moskauer Regierung m keiner Weise prosttiereu könne!-. Frflls die Verb ildung Polens m,t Petljura uud S'awinkow, die normalen Beziehungen mit Sowfitkußland irgendwirhindern ssÄlc, rmlerftkA es keine«. Ztverfel, doß Polin diefelbrn seinem rigrrreu^Wohte 'opfernwird. Deutsche AeöerterdelLgserte rretch England. Ro1t«»a«,.S8. Avril. (?el.-Kv'mp.) Wie berichtet wird. . werdr« Graßman«, Hue, Dntmünn und Silberschmidt heute von hoek vau Holland nach Land«« abrersen. -um dvrt mit rugltschm Politikern und ArbeitersLhrem wichtige politische Fragen betreffs Schadenersatzes und Wiederausbau der zerstörten Gebrete yt besprechen. Krtur Schnabels, der sich von der Höhe seiner Pianiftenlanf- Mhn kompositorischer Tätigkeit zurückgezogen hat und rtwcr in btt Linie Arnold Schönbergs.wirkt, stand zwischen 1 'Srjppcn Mahlerscher Lieder. Es ist eine Schöpfung sub-.. rimster Art. kaum für einen großen Kreis geeignet.' .Dennoch sesieftc der Adel und die Intensität des Gefühls dieser Liedtompofilwn nach einem Text von Richard Dehmel,. die schon durch die Kühnheit der Harmonisierung und formalen Anlage bemerkenswert erscheint. Ein Wort des Lobesnoch den geist-. vollen Vorträgen Paul Stefans (Wien), des Verfassers einer ausgezeichneten Schrift über Gustav Mahler, Rudolf Menge!» bergS (Amsterdam) und Rudolf Kästners (Berlin), die in instruktiven Darstellungen den Menschen und Künstler Mahler seinen Hörern näherörachten. V. tftembe sinnfälliger Kunstwirkungen sind in diesem xrichen Wiesbadener Frühling nicht an die Genüsse obstraktsymphonischer Konzerte gebunden. (Wir wollen gar nicht der Leichtherzigen gedenken, die den Rennen, Tanzturnieren und' Modaaussteüungen ihre Kurpnusen gewidmet haben.) Neben dem Marmorbau des Kurhauses, aus dem Wilhelm der Zweite seinerzeit entrüstet die modernen Erlerschen Fresken entfernen lassen wollte, erhebt sich der Prachtbau des kaiserlichen Opernhauses, der seinen Repräsentattonsbedücfnissen besser entsprach. Berlin selbst hat kein Theatsrgebaude ähnlichcr Kostbarkeit aufzuweisen. Hier wirkt eme Persönlichkeit voll ehrgeizigster Plane und verzehrender Siebe zum Theater. Karl Hagemarm, ein Intendant, dessen Ruf,in Deutschland' PvWaug hat. Eine moderne Opermvoche schließt sich an das Mahler-Fest. Franz Schreker dirigiert hier seinen „Schatz^ gräber" in einer, dank Hagemannö Regie, mustergültigen. Aufführung. Ein Liederabend Schrekers, bei dem die Mistin Marie Bagier sich als Sängerin von hervorragender Künstlerschost erwies, ergänzt das Bild des Schafften. Auch das jürrgste Musikgenie hat OpernlitLratur, Erich Korngold. kommt. mit sein« erfolggekrönten Oper „Die tote Stadt" »eben Pfttzner »nd Richard Strouz zu Wort. Ein verwirrender Reichtum des Kunstlebens also, den noch Klassiker-Neuinszenierungen und Kunstausstellung im Museum ergänzen. Deutschland laßt seinen Gästen nicht merken. datz an pMw- Wm-r-lH« Wunde« Lran^ _Wiener MorgenzeiLuttg_ Mitteilungen ans dem Publikum. Mn Horowitz Drohobyei Samson Rubin Wien Verlobte April 1921 im Lotti Perl Wien, H. Max Kanezuker Wien, V. empfehlen sich als Verlobte Julius Spritzer Salka Flachs Wien Podwolcczyska empfehlen sich als Verlobte mi April 1921 Baruch Spiegel Henriette Schreiber Teshfor de« Mqgm Schreiber Rozdol Chodoriw empfehlen sich als Verlobte «« April 192t Wir beglückwünschen rmsezen Neffen Baruch Spiegel va seiner Verlobung mit Ftautein Henriette Schreiber Chaim Spiegel tmd Familie rsr» Wton, XTl. RIL&ANTEN, Perle», Gold, Silber,PUtin «.Uhren kintt nai verkastt 776 ETTER itotentormstr. 33, aSerl&hllterstr. 98 IE r ö f f xixjl rx g* & a. zx 21 © i gr e rn MITTLER II., Haidgasse 8 Hongs-Pongs-AnzugEiB2i« bei HEINRICH WEINBERGER, I«, Singerstrasse G RESTAURANT Pariser Hetzmeldungen. Berlin. 28. April- (Wvlss.) nOmtim und „Echo bt Baris" melden, daß man deutscherseits bererrs Baracken baue für die Ausnahme der dliin'cn Truppen im Rnhrgebket. Bo« zuständiger Stelle wnd dazu bemerkt, daß diese Meldungen ftdec Grundlage enibchre«. Der Streik der englische» Kohlen-- arbeiter. Lenden, 28. Atzül. (Pr vät.! Drr Nalionale Band der Elsendahn^r hat beschlösse«, das Verbot gegen die Kohlenförderung der für Krankenhanser und für den Privatgebranch nötige Kohlen n'.cht in Anwendung zu bringe«. Freiheitsbestrebunge« in Ungar«. . Budapest, 26. April. lPrivak.) W'e verlanlet, mache« sich sich Nngam Lt ömungcn in den oppositionellen Gruppen bemerkbar, die daraus abziclrn, dre herrschenden Frcche>tsbeschränklmgen abzuchüssen. Em^elnr Gruppen sind mit Änsschaliung der Juden- und der KönigSirage bestrebt, die Uneinickeir in der Rrginungspartei auLZnnü-rn, um die Wiede»Herstellung der Freiheitöreckie zu cilangen. Unterstützt wcrden. diese Strömungen durch die S»z»aldemoiraü«, die nach längrier Zeit wieder eine Maifeier nut Masstnverjamnrlungen feiern wird. Der Ehrenbeleidigungsprozetz Drnesch gegen Eerensky. Pilse«, 28. April. (Tschechwslaw. Preßbur.) In der Berufung uu Plvzrsir Dr. Benesch ionira Ceren lh gab der hiesige KltiS-erichlshof dem Rekurse berder Parteien nicht statt Das Urteil der erste» Instanz wurde bestätigt und nur in dem Lmne abgiändert daß dem Geklagten Cnmsky bedingrer Strafaufschub aus drei Jahre gewahrt wird. Weiters wird Cerrnsky beauftragt, dem PrivaMgcr Genugtuung zu leisten. Die BanKSKerfälle In Amerika. Ehlcage. 2^. Avril. (Privat.) Infolge der.sich t» de« letzten Jahren hausenden Raubübrrfälle steht sich die Rkgierüng genötigt, die Bost, Eisenbahn und Ban'gcbäude durch Truppen zu besetzen, um str vor den «rgamsterten Räuberbanden zu schützen. Die m den letzten Jahren angerichtetc« Schäden werden offiziell auf 10 Millionen Dollar geschätzt. Der Kampf für den Keren Hajessod in Amerika. New-Nerk, 25. April. (Jüd. Korr.-Bur.) In den meisten Stödten der Bereinigten Staabew werden Komitees für die Keren Hajefsod-Arbeit zusammengesetzt. Die Bewegung breitet sich mit jedem Tage mehr aus« Die BorstLndskonferenz der zionistischen Distrikte von Groß-New-Dork %at soeben mit einer überwältigenden Majorität beschlossen, den Präsidenten der zionistischen Organisation Amerikas, Ni Hier Julien Mack,ausi zufördern, seine Opposition gegen den Keren i?>*tLULeHa yder^rr demi!sionieren. 29. d im Nr. SW — -- -. ————<_ Ein Appell an die zionistischen Führer Amerikas. Jerusalem, 25. April. (Iüd. Korr.-Bür.) Der Schatzminister der ainerikanifchen zionistischen Bereinigung,. H. .Schweitzer, der soeben von einer Reis« durch die jüdischen Kolonien nach Jerusalem zurückgölehrt ist, richtete an die Führer der amerikanischem Zionisteu, Qberrichber Louis Brandeis und Richter Mack, das telegraphifche Ansuchen, die Lkeren Hajesfod- Kampagne zu beschlcunigeil, da jeder Aufschub beim? gegenwärtigen Stande der Dinge nur Schaden bringen kann. Wettzmaun beim britischen Gesandte» in Amerika. Mw-York, 26. April. (Jüd. Korr.-Bur.) Im Anschluß an den Empfang W ei tz man n s beim Präsiteubev Harding gab der englische Gesandte ein Diner zu Ehre» Dr. Weitzmanns, bei welcher Gelegenheit der Gesandt« eine längere Besprechung mit Weitzmann über zio«»-. st ifche Fragen führte.. - ., Ein jü-ischesHaaptanswanderuagsamt in Polen. Warfchrm, 26. April. (Jüd. Korr.-Bnr.) Auf Einladmrg des Direktors der Jca, H. Mayersou, fand hier eine Konferenz der Vertreter der Mischen Organisationen statt. Es ttmc&6 die Bildung eines jüdischen Zentralauswanderungsrates für Polen beschlossen^ der die Emigration aus diesem Laude regeln soll. Tagesbericht. „Tiger". Eine Hmrdegefchichte. Leu 2. Schepire. Th5 bem Jüdischen Lb«trag«n von Sirgfntd Schmitz. .. (Schluß.) •- - ■ m. Schließlrch wurde es den Leuten zu dumm, sich E vn^ zu befassen. Als 'Galt mich und den Huick «in Frieden ließ doi? unseren Feinden", begann ich mich > auf «Tigers'* Bildung zu werfen. Zu allererst wollte ■ ich ihn das Stockspeingeu lehren. Ich »ahm einen. Stock und hielt ihm ihn hin. Zu meiner großen BerwundLrung bewies «Tiget^ gar keine Fähigkeiten; er blieb ruhig stehen und sei»- Hundeverstand ließ ihn bei dlefeck Problem völlig in Süch. Wieviel ich auch in iha hineinr^ete, er verstand nicht, was ich von ihm wollte. AS ich ihm säuge Male daS leberidigs Beispiel gab und über de» Stock sprang, - welchLn ich -dazu auf die -Erdehatte lege» müssen, tat er es mir nach und sprang - in einer sonderibav krummen, lächerlichen Pose, auch hinüber;- doch kam» «ech« ich den Stock in die.Hand, so blieb ^Tiger" stehen, rattoS. «nd hilflos. Nuf den Stock, schaute er mit verdächtige« Mick tt«b hatte anscheinend ..zu der ganze» Sache wenig Zutrauen. Ich versuchte auch, ihm. beizubringen, daß er mir etwas-im Maule Nachtrags, doch dabei war das Ergebnis, nicht besser: Steckte ich ihm etwas ins Maul, -was völlig ungenießbar war, so roch er-daran und wandte den Kopf verächtlich zur Seite, als sagte er: »Weiß der Teufel! Wa8 gibt er mir da eigentlich?!" Machte ich meine Prob» mit Dingen, die eßbar waren, so fraß er mit kühler Ruhe meine Lehrmittel auf, als gehöre es sich so und nicht anders^ „2Btc wird das enden, »Tiger"?" — so predigte ich ihm mehr als einmal Moral. „Du wirst so ungebildet bleiben, wie dein Vater war! Die Mühe, die ich mit dir habe, ist vev° qebens! Den!' nur daran — ich habe dich zu mir t gebe dir Essen und Trinken und eine Wohnstätte unter de« Balkongang; ich nehme mich deiner an und stehe genug anS um deinetwillen — und du? Ich wM aus dir etwas machen und du?... O, „Trger", „Tiger"! Haben sich so deine Brüder aufgeführt, von denen ich so viel in meinen Romane» gelesen habe? - . . . Der Philosoph blickte mir ernst inS Gesicht, und anscheinend wunderte er sich/ wozu ich soviel Bewegungen: mit dem Munde mache: Er hatte es besser verstanden wenn in diesem beweglichen Munde ein Stückchen Brot oder Fleisch zu sehen gewesen wären... Damals wußte ich noch nicht, daß Philosophen für das praktische Leben untauglich sind und daß sie über alles Nachdenken, doch nichts Rechtes tun könne», und daß sie sich über die einzige Sache, die sie doch tun — über das Esse» ganz und gar keine Gedanken machen. Da ich das alleS nicht wußte, ärgerte ich mich sckhr und fottnie mit mit „Tiger" keinen Rat schaffen. Ich hatte gehört, daß man eins» Hund schlagen.müsse, wenn mq« ihm etwas Lei« bringen wolle; gegen „Tiger" aber vermochte ich die Hand nicht zu heben, und so mutzte ich mich denn damit begnügen, baß er auf meinen Zuruf ^.Tiger!" eilig hevanlief, mir dig Hand leckte und an mir hochsprang. Ihn von mir wegzubrrnger^ wenn ich . es wollte, gelang mir schon viel schwerer. Bmr dem Brot, das ich für ihn stahl, kam „Tiger" ball» zu Kräften Und wurde geradezu dick. Spater wurde er dieser gewöhnlichen Speise. überdrüssig und begann von einem Stückchen Fleisch zu träumen. Die Träume wurden wohl auch zur Wirklichkeit. Ich schließe das daraus, daß im Hofe Klage» laut wurden, daß Stücke Fleisch und auch ganze Braten verschwinden. Dabei wiesen alle mit den Finger« auf „Tiger". UeLerdieS. begann ..Tiger" bald einen sehr leichtsinnige« Lebenswandel zu.führen: Gr empfing Gaste; zunächst Nachbarn, und sonstige gute Freunde. Die Gäste fühlten sich Lall» heimisch und der Hof wurde voll von Hunden. „Tiger" was nicht u>iebec4U£i;?e»$enl;. «r wurde mk MWt«, M