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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-28 · Heft 809 (28.4.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 809 (28.4.1921)
Date
1921-04-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rr. 803 Mrit, Domrersrag Der Faszistentrrror in Italic«. SUalland, 27. Avril. Nachrichten aus Turin besagen, daß die Zaftisteu zur BergeUnng für die Erschießung eines Kriegsverstümmelten durch die Sozialisten in die LrbeiLskanrmer eindrangen, das Mobiliar zerstörte« und daS daneben befindliche Theater i« Brand stecke». Triest, 27. April. (Privat.) Eine Gruppe Faszisten veranstaltete aus dem Bahnhof Demonstrationen gegen die jugoslawische» Mitglieder der Abgrenzuugskommisstou. Die Demo«-- Krsnlev hinderten die Delegierte» am Umsteige» i» dev Schnelling Triest-Venedig. so daß die Delegierte» erst später Sb« die Geleise zu ihren Waggons gelange» konnten. Bei ihrer stbiahrt demonstr erte» die Faszisten mit Pfeifen, Fohle» and Schmährnfen. Die Polizei tat nichts, nm die Demonstrationen zu verhindern. Laibach» 37. Avril. (Privat.) „Fvtro* meldet, daß die fagoslaamfche Regierung von de» Delegierte« der AbgrenzungSkormnffno» ausfühLlrche Informationen über die Trirster Vorfälle verlangte, um brr der italreuifche» Reglung entsprechende Vchrrtte zu unternehmen. Der GiserrbahAerstrerk in Italien. Laibach, 27. Aori!. (Privat.) Wir aus Trust geurrldet tastvb, hat der in Jralien proklamierte Eisen-ahnerstrrik sich auf die Provmz Venetra Gmlia avSgedehnt. Heute ist m Laibach kein MÜg« Zug a«S Italien eingrlangt. Auch der ge'amte Telegraphen-, Telephon« und Postverkehr ist m dieser Provinz unterbreche«. Die Vorkehrungen Eredaros i« SLdtirol. Innsbruck, 27. April. Dre Blatter verLffentlichrn eine Meldung des Pressedienstes deS (Peneralkommiffariors. tiir Süd, tirol, derzutolge Gcneralkomm:ssär Credaro vom Mniisterpräsldentm Giolitti mit besonderer Vollmacht versehen und ermächtigt wurde, umfassende Berfügnngen zu treffen, um in Hinkunft Errigniffe. wie sie am letzten Sonntag in Bozen vorgefalleu sind «mmvglich zu machen. Zur Kontrolle der ans dem Süden nach SLdtirol ermeifeuden Personen hat Credaro bereits diesbezügliche Verfügungen erlasse». Die Wahle« i« Slowenien. Laibach, 27. April. (Privat.) Die GemeinderatSwahlen m Slowenien endeten nnt einer großen Niederlage der katholischen Bollspartei. Die meisten Eiimmen erhielten dre jugoslawischdemokratische Partei nnd die Sozialdemokraten. Tagesbericht. Eine Wiener Klel«garte«- und Siedlungszone. Am Dienstag hat der Stadtfenat einen Bericht des rmtsführenden StadtrateS Siegel zur Kenntnis genommen, ver das Stadtbauamt bsauftragt, dem Gemeinderat einen UeberstchtspLan zur Beschlußfassung. vortzulegen, der. diy Schaffung einer Kleingarten-, und Siedlungszone in den gegen die Stadt angrenzenden Teilen des geplanten Wald- und WiesengürtelZ bezweckt.. Die Kleingartenzone ist für die Anlage von planmäßig angeordkieten. in der Regel in geschloffene Gruppen zufammengcfaßten „Kleingarten". mit den gu ihrer Bewirtschaftung uotweivdigen Baulichkeiten bestimmt. Wohnhäuser, die zum ständigen Bewohnen geeignet wären, sind in der Regel m der Kleingartenzone nicht gestattet. Die in die Kleingartenzone fallenden Grundstücke dürfen bis zum Ablauf des Lahres 1986 keiner anderen als der gärtnerischen Ausnutzung zugeführt werden, Der Ausschuß für technische Angelegenherten kann aber auch die Errichtung größerer Baulichkelten bewilligen. Die Siedlnngszoue ist für die Errichtung von Wohnsvedlungen bestimmt« In dieser Zone sollen vor allem Einfamilienhäuser gebaut werden. Die Größe dieser Häuser ist so zu bemessen, daß auf jode Wohnung bä Quadratmeter Wohnfläche und 58 Quadratmeter Nutzstäche entfallen. Diese Siedlungen sollen auch, für die ßMLinsam zu deckenden Bedürfnisse der Siedler Rechnung tragen. Es können also Geschäftsläden, Gebäude für KonsumgÄwssenschäften, Wirtschaftsflächen, Kindergarten, Jugendheime, Sport- und Spielplätze, Krankenstuben, Luft-, Sonnen- und Wasserbäder errichtet werden. Auch gewerbliche Betriebe und Anlagen sind gestattet, wenn sie den Interessen der Siedler dienen, und keine Belästigung durch Rauch, Staub, Lärm nsw. verursachen. . Die Größe der einzelnen Parzellen hat in der Rege'. 400 Quadratmeter gu betragen. Die AbgrenzungÄinien des Wald- und WiesengürtelZ sind wegen Zweckmäßigster Bodenausnützung nachzuprüfen. Zlbgeholzte Waldteile oder andere Grundflächen mit hochwertigem kulturfähigen Baden sind ' für die Anlage von Nutzgärten zu verwenden. Für das Gebiet der Kleingarten- und SiedlüngSzone soll über Gcmemderatsbeschkuß die amtliche Wohuuugs- und Gartonaufsicht emgeführt werden. Der Wiener Landtag soll den Beschluß fofsen. daß von den Baulichkeiten in beide« Zonen keine Bautaxen oder sonstige Gebühren eingehoben werden. Außerdem wird der Magistrat beauftragt, in das von: Bundeörat zu beschließende neue Siedlungsgesetz die Aufnahme einer Bestimmung zu er- Wreutt MörgettzeWimg An nufere p. t. Leser «nd Abonnenten! Infolge der neuerlich enorm gesteigerten Herstellungskosten der Blätter sehen sich die Wiener Tageszeitungen gezwungen, die Bezugspreise für Abonnement und Einzelverkauf zu erhöhen. Bereinigung der österreichischen Tageszeitungen. * * * Auch die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" sieht sich genötigt, die Bezugspreise entsprechend zu erhöhen. Die Erhöhung wurde nur in dem Ausmaße vorgenommen, als notwendig ist, um die gesteigerten Gestehungskosten decken zu können. Wir bitten unsere Freunde und Leser, dies als eine im Interesse der Erhaltung unseres Blattes notwendige Maßnahme Zu werten und uns mnso gewisser ihre Anhänglichkeit Zu bewahren. Am 1. Mar begrünt ein neues Abonnement. Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Erlagscheine werden unsere« Monnenten in den nächsten Tagen zugehen. Abonnementpreise ab 1. Mai: Für Wien (zum Abholen in den Trafiken oder mit Postzusendung) Kr. 100.— monatlich. Mit Postzusendung: Deutsch osterreich monatlich.Kr. 100.— Tschecho.Slowakei monatlich.- Ko. 17 — Polen monatlich.. . poln. Mark 100.— Jugoslawien monatlich ....... Dinar 12.— Deutschland tf . Mark 12.— Rumänien KK *00*«O0* Lei 20.— Holland » holl. si. 1.30 Schweiz 9f 0*i4**o6 Fre». 3.- England ff G»oA»»a» » sd S- Italien 6.- Amerika fp e a a a e p « . Dollar -.50 Frankreich, Belgien monatlich.... . Fres. 6- Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung". Zahlstellen: Vefterreichisch es Pr stsparkasseukonlo (Wien) 150.893. Tschecho-slon». Posispavkassenkonto (Prag) 5S-SS1. Polnische- Postsparkassenkonto (Warschau) 100.227. Deutsches Postsparkassenkonto (Berlin) 109.722. Jugoslawisches Psstsparkasseukouto (Zagreb) 40.085. Rumänien (Ezernowih) - Allgemeine Depositenbank, Filiale (kzernowitz. Italien (Trieft): Soolota tiallaoa di oredito Commerelale, Triest» Vi» «»»in, 30. wirken, nach der außer der Enteignung auch der Zwangstausch bmt Liegenschaften zur Schaffung geschloffener Kleingarten- und, Siedlungskomplexe in Anwendung gebracht werden kann. Vorläufig ist die Bereitstellung des SiedlungslarrdeS in der Umgebung der Heil- und Pflegeanstalt »Am Sern» Hof" in Aussicht genommen. Für die Ausarbeitung eines Siedlungsplanes ist chestenS ein Wettbewerb ausgufchreiben. Eine Poptzer-Lhnkeus-Düste für das jüdische Ratioualmuseam. Die Jüdische Tischgesellschaft Alsersi r a tz e u n d U m g r b n « g hat zur Ehrung des Dichter- Philosophen Josef P o pp e r - 2 h n ke n S den akademische« Bildhauer GelleS beaustragt, seine rui Vorjahre mit dem Ehrenpreis? der Stadt Wien ausgezeichnete Popper-LynkeuS-Düste in Brorrje aust ähren zu kaffen; diese Diisle widmet die genannte Tischgesellschaft dem jüdischen Natioualmuseum in Palästina. Nach dieser überlebensgroßen Büste werden 2y kleine Dronzebüsten verfertigt, von welche» mornentan «och acht Stück verfsigbar sind. Interessenten wollen stch an Herrn Dr- Alired 8 o e w y, lX , Alferstraßr 32, nm Auskunft wenden. Die Wünsche der Gastgewerbetreibenden. AüZ Graz, 27. d. M., wird uns gemeldet: Ir» Rathaus begannen heute die öffentlichen meritorischen Beratuu. gen des ReichsverbrndeS der gastyvwerblichen Genossenschaftsverbände Oesterreichs. Hotelier Withalm forderte die Beseitigung der Preisprüfungsstelle und die vollkommene Aufhebung der Ernährungsvorschriften, di« Freigabe der Brotverabreichung» deS Handels mit Fleisch und Erleichterungen bei der Anforderung von Hotelzimmern. Es gelangte weiters eine Entschließung zur Annahme, in der erklärt wird, daß der Reichsverband für den Fall, als das Gesetz nicht abgeandert werLe, die Einhebung der Spielobgabe einfach ablehne. Der Vorsteher der Wiener Gafttvirtegenosfenschaft Holz mann referierte über die Notwendigkeit einer Novellierung der Ersatzfteuern. In einer einstimmig angefeinste englische MWn! Mt nornmerrerr Entschließung wird dis RerchSvsrbandSloittmtz osß.. gefordert, auf die Abschaffung der Erwerbsteneir hinzuarbeiten. Bis dahin, sei vom Nationalrat «ne AendHi rüng der einzelnen Erwerbsteuerklaffen zu verlange». jj NegierungSrat Gerenyi (Wien) empfiehlt die Angliederung einer Wiener Gastwirtemeffe cm die im Herbst int Wen stattfinLende Wiener Messe. Genossenschaftsvorsteher Pregant (Graz) trat für die Aufhebung der HöchftprM. für den Bierausschank ein. &M. Die Spirlhöhle des Rittmeisters Babarezy. Gin »eues Opfer »er nngarlfchen Aechtsovdnnng. Aus Budapest wird uns berichtet: Das beriich-, tigte Babarczy-DeLachernent, welchem m der Hochkonjunktur des Weißen Terrors schon so viele/ besonders reiche Judsn zum Opfer gefallen sind, hatte fein Unwesen so wE Getrieben, daß dir Reg^-ermrK sich gezwungen sah, nach der Ermordung des Pvlixisteu Soltr«,. an welcher das Detachement beteiligt war,' dieses aufzulösen. Daß diese Auflösung nur einewir< kungslose Formalität war, beweist der jüngste Fall/.' ' über den die ungarischen Blätter folgendes mitLeilenr- Der junge 25jährige Kaufmarm Anton Ruttkar--^ Rosenbaum, der Sohn de« millionenveicheu Kauf-!', rnännswitwe Markus Rosenbaum, wird seit letztw^ Samstag vermißt. Die Mutter des Vermißten ist unter? ONderem die Besitzerin des Hauses, m tvelchem sich daH Turul-Kasino befindet. RutLkai wurde in letzter Zeit) wiederholt von unbekannten Zivil- und Militärpersonttk^ gesucht, zuletzt an: Donnerstag, und da er nicht ym! .Hause war, ließen die Besucher eüw Adresse zurück/ urtter tyelcher sie zu finden' wären. Ruttkai leistetS offenbar dieser Aufforderung Folge. Was seitdem mit' rhin geschehen, ist unbekannt. Diese geheimnisvoll Adresse ist der Behörde ohne Zweifel bekannt, wird^ jedoch in der zeusurr-erten Mitteilung nur damit gedeutet, 8.aß Ruttkai zuletzt in der Nähe de« Aslbrech Ls-Kaserne gesehen' wurde. Diese Kaserne nun ist der Sitz des berüchtigten Babarezy-Detach ernents, das noch von der Britannia-Affäve her in' unrühmlichen AndenVen der Budapests Bevölkerung^ lebt. Es ist auch festgestellt, daß das im Hause der Frau Rosenbaum befindliche Turul-Kasino, Ralloezy^ ut 74, eine bekannte S p i e l h ö h l e ist, an deventi Spitze Rittmeister Babarezy sieht. I» Kasino werden die sogenannten unter stützendem Mitglieder, die, wie erst vor kurzem ein mntsichM Communiqus der OberstadthaupLmannfchaft feststelltz^/ fast ausschließlich' aus reichen Juden besiehe«^ im Hasardspiel förmlich ausgeplündert und es ist: nichts selten vvrgeSommen, daß, wenn die Herren israelitische« Förderer durch irgendeinen Zufall das Spiel mit Ga-, winn abschlossen, am anderen Dag VewaffneN Patrouillen bei ihnen erschienen, um den Gewinn vv«( Vortage zurückzufochern. Der vermißt Anton Zkvsenbaum zählte, wie gleichfalls festgestelkt wurde,' ebenfalls zu den Förderern des Turul-Aasinos des'; Herrn Rittmeisters Babarezy. Der Zusammenhang zwischen dem Detacheinent nnd d^m Verschwinden Shitt&tK Rosenbaums liegt auf der Hand. Es wirb sich mtt] fragen, ob es sich' dem Herr« Babarezy diesmal mit .einen schwereren Goldfischzug gehandelt hot, m welchem Falle Ruttkai, nachdem er ordentlich auSg«^ preßt sein tvird,' wieder zum Borschein foimn$n dürfte^ «der ob man es mit einer jener gründlichen M-eiiew dieser Mvrdgesellsn zu tun hat, die <rm> ttfe« drvl Donau ihren Abschluß finden. Der Goldschmuggler mit de« EhiAerm' schlstffel. ' Bor einiger Zeit gelangte daS KriegSwuHerckB M Kenntnis, daß der 37jahrige SchlafwagenkonduUe« Armir Wunderer, 3. Bez., Mohsgaffe 18 wohnhaft, sich mit de» Gold- und Balutenfchmuggel befasse. Organe des Kriegs- ' wucheramtes beachteten den Rann durch etwa acht Lage? Am 28. d. M. wurde Wunderer, der eben einen SüdbahnznK nach Triest begleiten sollte, im Südbahnhof knapp vor Ab»', gang des Zuges angehalten und zur Polizennspektio« g»-. bracht. Bei Durchsuchung seiner Habseligkeiten fand man «E Paket mit 267 Zwanzigfrankenstücke« und 88 Zehn» srarckenstücken in Gold. UeLer die Herkunft befragt, gab!. Wunderer an, die Goldstücke von dem rm Hotel Weairrx' sin der Beatrixgasse wohnhaften Rudolf Herschmann zvm! Schmuggel über die' österreichisch-italiemsche Grenze et*.* halten zu haben. Im Hotel wurden nun der SLfährige!' - Kaufmann Rudolf Herschmann und sein Bruder, taj -tHährige Kaufmann Norbert Herschmann» angchalte» und'durchsucht. Rudolf Herschmann gab zu» dem Demderetzj LoS .GoL übergeben zu haben. Der Schlafivagenkondukte»^ sollte die Goldfranken dem Bruder David Herschmann nach! TtiesL brvrtgen. In dem Zimmer des Norbert Herfchma»^ wurden gefunden: ein Scheck des Wiener Giro- und Kassew-j Vereins auf 2 Millionen Kronen, ein Brief fiir Rudok^ Gtotzmann mit Korrespondenzen aus Triest, eine Aw-i Weisung aus 600.000 deutschösterreichische Kronen «rd eine! .Anweisung auf 600.000 deutschSsterreichische Kronen vom Gaston Levi. Rudolf Herschmann hatte außer «mdewoj in der Siadtrestenmgsae nur f., Weihburg* W bis 12!£Ä "asse I;* ’■!. i i'. I

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