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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-28 · Heft 809 (28.4.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 809 (28.4.1921)
Date
1921-04-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 Men. Donnerstag Mene» Msinen?,eLzmr» 28. 2ü)rl! 1VL1 Stt. 809 boi&ereitet worden. Beim österreichischen AbrechrmngSamt feien 700V Ausgleichsversuche anhängig gemacht worden. §0M Ausgleiche seien schon durchgeführt, da die österreichischen Schuldner gezahlt haben, bei 2000 werden österreichische cHuthaben in Frankreich verwendet, 8000 bilden den Gegenstand von Verhandlungen des österreichischen und des französischen AuSgleichZamteS. Das Abkommen trage dent durch Len Tiefstand der österreichischen Krone verursachten Schwierigkeiten Rechnung und schone sowohl die Interessen der französischen Gläubiger als die der österreichischen Regierung. S«iätor de M o n z i e (demokratisch-radikal) erblickt in dem Abkommen weder genügende Zugeständnisse an Oesterreich, noch, eine genügende Wahrung der französischen Interessen. Den französischen Gläubigern, deren BorkriegSforde-' cungen an Oesterreich sich auf 1800 Millionen beliefen, während diesen nur 150 Millionen, an österreichischen Aktiven in Frankreich gegenüberstanden, wäre besser gedient gewesen, wenn man die Sequestrierungen aufgehoben, aber von Oesterreich wirtschaftliche Sicherheiten verlangt hätte. Das ÄLkommen werde, etwa eine Milliarde von.de» Forderungen der französischen Gläubiger ungedeckt lasse». Redner bedaure mrch, dass sich die französische private Initiative »richt den in Oesterreich sich bietenden Möglichkeiten genügend qugewendet, und daß die vorhandene Initiative nicht zureichende Unterstützung gefunden habe. Den Wiederauf, <4au Oesterreichs sehe Redner,als eminentes französißches Interesse an. Wenn man die Vergangenheit betrachtet, müsse man das gegenwärtige Oesterreich von *in«m Grossteil btt Schuld lassprechen. Jedermann weiß setzt, daß die verantwortlichen Person. ^Lch'ckeiben, -ie den Krieg verschuldet halben, gar nicht dem Gebiet des jetzigen Oesterreich entstammen» sondern den assoziierten Nachfolgestaaten. Wenn ma» wieder in die Zukunft; blicke, müsse man anerkennen, daß die Er. Haltung eines selbständigen Oesterreich für Frankreich von Äementarer Wichtigkeit sei. mid zwar in jeder Hinsicht, wirtschaftlich wie ^strategisch. Diese Selbständigkeit sei nun in höchstem Matze gefährdet. Ohne wirksame Hilfe von außen vime Oesterreich nicht leben. Das Tiroler Plebiszit sei ein ernstes Symptom se§ drohenden Zerfalls. Dem Anschluß an Deutschland müsse unbedingt vorgebeugt werden, aber ei» Vertrag allem biete nicht den genügenden Schutz. Man könne bald einer weit grösseren, von der Verzweiflung veranlatzten Erhebung' zegenüoerstehen. Nicht in der Losung technischer Einzellroge» erblicke Redner die Rettung, sondern in einer deutlich «rkennbaren österreichischen Politik» die ein unabhängiges' Oesterreich befestige. Die Anschlützpolitik hohe in Oesterreich deshalb solche Fortschritte gemacht, weil sie aftiv. . weil sie gegenwärtig sei; die alliierte Polittk in Oesterreich sei nicht genug aktiv, sei nicht genügend gegenwärtige Politik. Man müsse, sich, eines klarmachen: Wen» der Anschluß gelänge, io .hätte Deutschland zweifellos nachträglich den Krieg ge». Wonnen. Dies müsse unter allen Umständen verhindert veicden, urH zwar durch eine osterreichfreundliche )roh zugige Politik. ' SektiönSchef im Ministerium beS Aeutzern, Herbette, rrklarte, wirtschaftliche Sicherheiten in Oestttreich seien von sq» österreichischen Delegierten selbst abgelehnt worden. Mjß beweis dafür, daß. Oesterreich mit dem Abkomme» zusrtLden stzi. führt der Regierungsvertreter an, daß nach, dem Muster d»S Abkommens mit Frankreich von Oesterreich wkitexs. Abkommen mit England und Belgien abgeschlossen lapsN», seien. , sdie Vorlage wurde angenommen. « -——• j Telegramme Amerikanische Millionen für de« Keren Hateffod. >. New-Dork, 24. April. (Jüd. Korr.-Bur.) Gestern Lyurde das Keren Hajessod-Bureau für Amerika eröffnet. Das Arbeiterkomitee besteht aus Delegierten der Minorität der amerikanischen zionistischen Exekutive, der Poale Zion, des Miscachi, der Zerre Mon und des Ordens B'nei Zion.. Die jüdischen Geschäftsleute Brooklyns haben sich zur Aufbringung einer Million Dollar .verpflichtet. Weiters hat das zionistische Distriktskomitee von Größ-New-Aork die Sammlung von drei Millionen Dollar übernommen. Eine jüdische Emigrationskonferenz in Berlin. Kspebchagen, 25. April. (Jüd. Korr.-Bur.) Das jüdische Hilfskomitee in Skandinavien ergriff die Initiativ« zur Einberufung einer EmigrationSkonferenz nach Berlin zwecks Besprechung der Fragen der jüdischen Emigration aus Rußland. Zu. dieser Konferenz sollen alle jüdischen Hilfsorganisationen in Europa eingeladen werden. Di« polnisch-jüdische Brrständignngsaktion. . Warschau, 26. April. (Privat.) Am 24. April fand erne Sitzung des Komitees der an der polnisch-jüdischen Derständigungsaktion beteiligten jüdischen Parteien statt, an der sich auch Dr. Nossig beteiligte. Bei dieser Sitzung wurde die Frage d?r Wetterführung . der Unterhandlungen in der Ausglejchssrage mit der Regierung erörtert. Die Konferenz war in Hinsicht auf die weiteren VerhandlungsmöglWeiten pessd Mitteilungen ans dem Publikum. Bertha Melzer Alfred Austerlitz IX. N. 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Mat, dem Tage des Wiederzusammentrittes des Parlamentes, zu demissionieren und nennt als seine» Nachfolger den gegenwärtige^ Unterrichtsminister Rataj oder den jetzigen Vrzeminisier deS Aeußer» Dombfki. „Przeglad Wieczorny" versichert ebenfalls, daß das gegenwärtige Kabinett anfangs Kai demissionieren werde, meint jedoch, WitoS werbe an oer Spitze deS neuen Kabinetts bleibe», das eine Umbildung »ach links erfahre« fall. Die Fnnktionsdaner des gegenwärtige« polnische« Landtages soll verlängert werde«. Warsch-rm, 26. April. (Privat.) Wie „Moment" berichtet, hat der polnische Ministerrat in seiner letzten Sitzung di« Frage der Wahlen in den an, Polen «euangegliederten östlichen Randgebieten. die noch jür den gegenwärtige« Sejm erfolgen sollen, erörtert. Entscheidende Beschlüsse wurde« noch nicht gefaßt. Daß die Regierung sich mit dem Gedanken trägt, Ergänzungswahlen in de» neuerworbenen Gebiete» noch tirr owiwteMW. VLtryl/mtmi M(m« Funktivnsdauer itt Kürze abläuft, läßt darauf schließe«, baE vie Regierung mit einer Verlängerung der Funktionsdauer des Parlaments rechnet. Vielfach wird in politischen Kreise« der Vermutung Ausdruck gegeben, daß der gegenwärtige Sejm bis tn die letzten Monate des lausenden JahreS verfamm^L bleib«! dürfte. Der Prozeß gegen die deutsche» Kriegsbeschnldigten. London, 26. April. (Wolfs.) Heute begann tm Polizeigericht von Bowstreet die Vernehmung der 13 Srittschen Zeugen, die sich nicht W dem Ende Mar in Leipzig statt-l findenden Verhandlung«! gegen die deutschen Kriegsbeschuldigten begeben können. Der erste zur Verhandlung kommende Fall ist der des HauptmannS der Reserve Müller, der kurze Zeit Kommandant deS Gefangenenlagers Flavy-le-Martrl war, eines vormrlS feindlichen Lagers, das bei der Märzofsensive im Iah» 1918 rn deutsche Hände fiel. Hauptmann Müller wirb der Mißh andlung vyn Gefangenen beschuldigt und für die schlechten sanitäre» Verhältnisse des Lagers verantwortlich genracht. Die Zeugen wurden von einem Vertreter der brrttschen Regrerung und von den Verteidigern der deutschen BeschulLigtetr' ins Kreuzverhör genommen. Die Zeugenvernehmung wird morgen, fortgesetzt. HardiNg konferiert mit den Entente- Vertretern. Sß*trt$, 37. April. Die „Chicago Tribüne" meldet aus Washington: 3rach dem Kabinetts rat im Weißen Haus^ und der darauf folgenden geheimen Beratung des PräsLenlen Harding mit Staatssekretär Hughes sind die Botschafwr der alliierten Mächte vom.Staatssekretär zu einer Besprechung eingeladen worden. Als erster wurde der belgische Bvtschaftl'r empfangen, dann der französische und hierauf der japanische. Zum Schlüsse empsing der StaatZ,ekretär den englischen Botschafter, mit dem er.eine gute halbe Stunde eiugeschtosscn blieb. Wie der „Marin" meldet, ist auch der italienische Botschafter vom Staatssekretär Hughes empfange» worhe». Die französischen Güter GNas v. Parms dNiben unter Zwangsverwaltüng. Blots, A7. Slpril. (HavaS.) DaS Zivilgericht hat heute die Entscheidung über hss Ansuchen des Prinze» Elias von Bourbon Parma, des Eigentümers des Schlosses Ehambord, gefällt, der sich auf seine Abstammung von König Philipp v.. von Spanien berief, :mtt als spanischer Staatsang-ehöriger die Aushebung der Zwangsverwaltüng des Gutes Ehambord zu beansprnchen, Das Gericht hat das .Ansuchen für unzulässig «rllärt und die Zrpangsverwaltung für die Güter des Prinzen aufrechterhalten. Ernst« Wrndnng im englische» Bergarüeitersireik. 26. April. Der Bergarbeiterstreik hat eine ernste Wendung genommen. Der nationale Eisenbahnerverbattd hat ebenso wie der Transportarbeiterverband seinen Mitgliedern Befehl erteilt, keine Steinkohlen mehr Von den Gruben abzutranZpor tiaren u Ui» alle Ko h len trän spvrte zwischen einzelnen Orten ebenfalls «inzustellen. Man befürchtet, daß diese Maßnahmen ernste Folgen nach sich ziehen werde». Der französische Kammerausschuß gegen Horthq-Ungarn. VvdaPest. 27. April. Das Ungarische Telegraphen-Kvrresponheuz-Bureau meldet aus Paris vom 23, d. M,: Der Gesetzentwurf, betreffend die Ratifizierung des Friedens von Tri anon, HM bereits vor kurzer Zeit auf die Tagesordnung der Kammer gelangen solle». Die Vorgänge, die sich i» her jüngsten Vergangenheit in Ungarn abgespielt haben, haben jedoch zur Folge, daß die Verhandlung her Vorlage aufg« schoben wurde und daß,dyr Kammerausschutz für Auswärtiges es als' notwendig erachtet hat, den Depu« üierjen Guernier zu ersuchen, einen ergänzenden Bericht über die Angelegenheit der Kammer vorzulegen. G ue rnier hat sich unverzüglich an die Arbeit gemacht uns hofft, Ehaß er mit dem Dokument in der ersten Hälfte des Monats Mai fertig werden kann. Der Ausschuß hat sich darauf beschränkt, die Punkte zu bezeichnen, bezüglich deren er Aufklärungen wünscht, nachdem er zustimmend die Mißernngen zur Kenntnis genommen hatte, die Guernier in der Kammer im Interesse öet| Ratifizierung zu tun wünschte. Der Auswärtige Ausschuß verlangt Aufklärungen über hie Verfügungen, die die Verbündete« in Äussicht genommen hatten zu dem Zwecke, daß erstens 'die W ledere insetzung der Habsburger wirksam verhinder t, zweifens, baß die Uebergabe der westlichen Komitate an Oesterreich s eitens Ungarn durchgeführt,. und drittens, baß verhindert werde, daß im Gegensatz zum Vertrag von Triguon geschlossene Abmachungen unter dem Vorwände von Grenzber! chtiguugen direkt den Vevttag brechen. Der Auswärtige Ausschuß wünscht überdies genaue Mitteilungen über die Arbeiten der römischen Konferenz, über die Vorbereitungen der Konferenz von Portorose sowie über jede Zusammenkunft und Vereinbarung, durch die die wirtschaftlicher Verhältnisse der SukzessionSstaaten der früheren östcrreichisch-ungarischen Monarchie in ein« Harmonie miteiuawder gftro&t werde» frifc*.

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