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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-28 · Heft 809 (28.4.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 809 (28.4.1921)
Date
1921-04-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ke. 8(& LLren» Donnerstag dpsrchenz-Birreau größere BewcgUch^it zu sichln. Zum Zweck ^«r Uebernahme deS Korrespondenz-Bureaus werde durch ein pom staatlichen und Nationalen Standpunkt aus VertrauensvürbigeS Syndikat: e ine k t t e ugef e'llsch <r ft mit einem xäpital von 5 Millionen 5kvone« gebildet. Das die Ergon- Akttengesellschcht und den Pressechef, Sektionsrat Eckhard t, begrifft, betont der Ministerprästdent, baß diese nicht -den geringsten materiellen Anteil an der Ncugründung ' haben. Fnm Schluffe protestiert er gegen den destruktiven Ton, tet sich tu den'hälÄosen Anklagen der JntschTeNation Drozdys itinfrgebe. Da« neue preußische Kabinett. Der preußische Ministerpräsident Stegerwald hat endlich sein Kabinett gebildet. Die Liste ist folgende: Aisgerwaid (Zentrum) — Pcäiidiüm. Wohlfahr.;Sch'.sfer (Demokrat) — Inneres; Zehnhoff (Z'ntrnm) — Justiz; Kis'chbeck (Demokrat) — Handel; WarMboLd (Beamter)'— LürrdwirtschafL; Becker. (Beamter) -- Unterricht; Aaemifch fB-LMter) Finan'Ln. Das neue Mi ist^iurrr besteht auf-er aus Beamten aus Angehörigen des Zentrums und der Demokraten. Die Mehrheit wird von diesen Parteien und den rechtsstehenden Grrrppen gebildet, da die Sozialdemokraten bereits die scharfM Opposition angekündigt haben. ' ' ©teuer Mvrgenzeittmg 28. AM 1921 crdr. L Znland DieLandtagswahleniuNiederösterrerch Nun hoben die Christlichsozialen ihr Zuckerl im sicheren, mit dem ihnen die Sozialdemokraten den Krlust der so lange innegehabten Vorherrschaft im Wiener Gemeinderat versüßen zu müssen glaubten. Eine rudere als diese zarte, menschliche Rücksicht zwischen iRalrtionsgenossen war ja kaum maßgebend für die paradoxe Dreiteilung des niederösterreichischen Land« iÄges in einer Zeit, deren dringendste Forderung friß rach Vc reinfach nn g unserer Verwaltung ist. Vom rein, logischen Standpunkt ans besehen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder war man von der Nnzertrenulichleit von Stadt und Land überzeugt, dann hätte man es eh§n b«tM?alten Zrlstand bewenden lassen Men; oder mail,verfocht die N^ichs unmittel-- barkeit Wiens, dann HALLE man den Mut aufbringen müssen, sie restlos durchzuführen. Statt dessen hat man eine ,Msurrst" gefüttden/ die scheinbar allen Standpunkten gerecht wird; in Wirklichkeit aber nur am dem Bestreben zeugt, Wer der beiden nieder» österreichi schen' Hausparteien' eine sichere - Domäne zu schaffen, in der sie ungestört vom gegenseitigen Neide — soweit des,en Msschcrltung überhaupt möglich ist —. schalten und walten können. Wird Wien im Zeichen wt rote«, so wird das flache Land im Zeichen der' -reißen Neike glücklich gemacht. Und damit der gute ^lang nicht sthlt, wird streng nach Schillers Anwei,ung in der „Glocke^ auch die Methode der M i s chung versucht im „gemeinsamen" Landtag. Dieser wird der neutrale Boden sein, auf dem sich die souveränen Beherrscher ihrer neugeschaffenen Domänen fried'lichschiedlich begegnen könne«. Der Wähler wegen wirb t»gn freilich auch bei diesen Begegnungen ein grimmiges Gesicht machen, wie denn «auch der letzte Wahlkampf unter der kriegerischen Maske „wilder Brüter" geführt wurde. In Wirklichkeit war bas Resultat, die Bildung eurer christlichsozialen Ntehrheit, nicht einen Moment zweifelhaft gewesen, konnte es auch infolge des schlau apsgetüftelten Wahlrechtes gar nicht sein. Bielleicht werden aber die christlich sozialen „Sieger" gLrade deshalb die Ergebnisse der Wahlen, nur mit sehr gemischten Gefühlen genießen und daS Zuckerl wird eher nach Sacharin fchmech-n — mit einem fatalen Beigeschmack. Denn ihre so sorgfältig vorbereitete Majorität betragt nur vier Stimmen *— 32 Christlichsoziaten flehen 22 Sozialdemokraten und 6 Gvoßdeutsche g^gen-- Wr! Noch schlimmer: Die Klerikalen haben gegen die letzten Landtags- und Nationalratswahlen große Mmmenverluste zu verzeichnen, dir ausschließlich den SoziaL.'mokra en zugute kamen! Und am allerschlimmftcu: Die „Rv.en" beginnen auch in der ureigentlichsten Twrnäne des Klerikalismus, dem kleinen, rein bäuerlichen Dorfe festen Kuß zu fassen!! Mit dem,Wankelmut der städtischen Bevölkerung rechnet schließl'ch jede Kartei, schon rvegen der fluktuierenden Elemente, die >lsr beigemischt sind. Aber Verluste unter den seßhaftesten Schichten der Bevölkerung, den Bauern, deuten auf wirklichen Stimmnngsumschwüng hin und zeugen von «ihtt WfallStendenz, die keine Partei leicht nehmen bars. Darum wird die große christlich soziale Partei die Stimmen, die sie in Heiligenkreuz an die Sozialdemokraten abgeben wußten, viel schmerzlicher errrpichden, als etwa die tausend Stimmen, dis sie in der Fsbrrksstabt S t o ck e r a u eingebüßt hat. Auch die Mrurnenzählung in anderen kleinen und kleinsten Gebinden Befcentefc für die. Christlich,pzialen,wenn auch vorläufig noch deine ausgespvocheüe Gefahr, so doch «ine sehr ernste Mahnung an die Vergänglichkeit.aller ichiichen Macht und Herrl chkeit. Die fözialdemvlrati,che Drganisa.ion der landwirtschaftlichen Arbeiter ist zwar hoch jung, aber sie hat sich überraschend-gut ge.chlagen. Ihre Fortschritte sowie das schlechte Äbschneiden der H&zn antlsemitjichrln Parteien — die Großdeutschen haben sich noch viel weniger Lorbeeren geholt als die Christ.ich,azialen -7 lassen erbeyM, baß auch auf dem flachen Lande mit dem einzigen Schlagwortr „darrr chcht mehr das KV, ftvow rH. vranämMmg <Jer RituaMHige. Eine Rede des griechische« Ministerpräsidenten Gnnariv. . Wir haben am iÄ. b. H. kurz berichtet, daß der griechische Ministerpräsi- , dent G u n a r i S von, der ParlamentS-- tribünc aus den RitiralmorÄwahnsinn, der in Saloniki zu Unruhen Anlaß gegeben T)tilke,in eindeutiger Weise gebrand- - : ' ,. .iv: markt Hirt. Wir erhalten nunmehr den i , Wortlaut der Rede des Herrn Gunaris, ' ' ' ' ' die am lü. d. M. in der Athener Kammer als Antwort auf eine Interpellation des jüdischen Abgeordneten von Saloniki, Herrn Ziarki, gehalten wurde; ,^Katrm erfuhr ich von freu Ereignissen in Saloniki, fritz'Hen,vöir nriserem geschätzten Kollegen, Herrn Abgeochuchen Z i a k k i, angeführten Motiverr zuzuschr^iken sind," so beeilte ich mich, durch Vermittlung des Mini-- stemuM: des ^Innern der zuständigen Polizeibehörde 'telephonisch den Auftrag zu erteilen, rasche und wirkungsvolle Maßnahmen zu treffen, damit die Ordnung in' keiner Weise gestört werde. Glücklicherweise konnte mich die Polizeibehörde dahin beruhigen, daß der ^oischsnfall.' vollkommen beigelegt wurde, ohne daß sich sonst etwas ereignet hätte, außer den von unserem Herrn Kollegen bereits mitgeteilten Ru hestörnngen. - Dkeine.Herren! Der Anlaß zu dieser. Ruhestörung ist etwas so ALkcheuerregendes, daß man diese gegen die Juden der ganzen Welt in allen Jahrhunderten erhobene Beschuldigung nicht strenge genug ahnden kann. Es ist . ' ' eine elende Verleumdung, dle im Dünkel der Zeiten und der Barbarei gegl^n ein Volk geschmiedet wurde, welches sich so vieler Verdienste um die moderne Zivilisation rühmen darf.' Ist doch auch aus dem Schoße dieses Dol^s der Stifter dieses Glaubens hervorgegangen, der uns albe erbaute. Meine Herren! Es ist eine unqualifizerbare Verleumdung, gegen die bas Gewissen jedes zivilisierten Menschen, der weiß, wie und wo diese Verleumdung entstanden ist und worauf sie hinzielt, nur die Entrüstung empfinden kann, die in der Seel« jedes eh rlichen Menschen entstehen muß, der ein ganzes Volk gebrandmarki sieht. Ich zweifle nicht, daß; die gesamte hellenische Nation , die Anschauungen teilt, die ich in diesem AngLubki^ . auf di. ser TriLiU.e vertrete. (Zahlreiche Zustimmungenr - So ist es!) Denn das griechische Volk hat unsere -isrdeki-i tischen^ Mitbürger überall, wo^ sie unter uns :&forn^ als «t u fte r h a f te Men s che n erkannt; wo es haudel e. ihren Pflichten mit Hingebung nachzukomkuen) als vffc;nherzige Bürger, als Menschen,:>;>bk] gänzlich unfähig wären, .die schrecklichen Greueln KÄ verübendie man ihnen zur Last legt. Ganz im Gegen^ teil: Ihr ruhiger, friedliebender nnd sattf^s^ Charakter ist unvereinbar mit solchen Scheußlichkette«. y Ich' bin überzeugt, daß unsere israelitische» Mitbürge^' in dem, was ich hier sage, den Widerhall finde» wertes von dem, was das griechische Bott von ihnen feettfti und für sie fühlt. Uebrigens können sie überzeugt feini daß, wenn je infolge eines uns aßbaren Mißv-e^ st ä n d n i f f es eine kleine Anzahl Verblendeter dvrchj' ein unerklärliches Zusammenwirken von Umstanden fichl verleiten ließe, ihnen gegenüber eine Haltung einzunehmendie der herrschenden Auffassung zuwidertiest'^ sie nicht nur das ganze griechische Volk sich gegenüSiEs fände, dessen Empfindungen diese gräßliche Ber^- leumdn ng gegen die J,raeliten zurückwList, sonÄernt' die strengste Strafgerichtsbarkeit und' die Staats gewal t Griechenlands. i: In meiner Eigenschaft als Justizmi«istDr ich' schon zweimal die Gerichtsbehörden in Saloniki kleJ graphisch beauftragen lassen, eine eingehende Unters suchung einzuleiten, um die Personen zu finden, das Gerücht verbreitet und eine Anzahl rcnglüchelrger! Verblende.er dazu verleitet hatten, Unruhen anMstiftem! Ich verbürge mich dafür, baß die Schuldigen, bald sie ermittelt sein werden, aufs strengste bestraft werden, damit schon durch dieses Beispiel ähnliche langen verhindert würden. -Ich vermute» daß es ft, lediglich um Leute handelt, die ein Interesse hnm haben, daß Unruhen entstehen." »«> Landbevölkerung beginnt zu denken! Das ist wohl die betrüle..dste Erkenntnis, die die „sittlich rel'g ösen" und ^germanisch-idealistifchen" Volksbeglüö^r aus den Landtagswahlen geschöpft haben. Daß die Kommunisten wieder ihre Schwäche zeigen mußten, danken sie wohl nicht Lern eigenen Entschluß, sondern freut Zwange ihres Moskauer Chefs. - . . / Das Länderblmkgesetz. Der Finanz- und Bubgetausfchuß hat sich gestern mit dem Länderbankgesetz befaßt und beschlosfen, die Vorlage einem Unterausschuß zuzuweisen, dem die gleichen Vollmachten zuerkannt wurden, die dem Boll-- a»lsschuß zustehen. Auch die Vorlagen über die B r o ta u f l a g e u d die Prelsstasselung für L e b e n s m i 11 e l wurden einem Unterausschuß zur Vorberatung zugeteilt. Der Wehrausschuß ist gestern dem Anträge des Subkomitees, betreffend die Novellierung des Wehrgesetzes, beigetveten, so daß di« bezüglichen Vorlagen in der heutigen Plenarsitzung in Verhandlung gezogen werden können. . ' , ... Vor einer Koalition der Christlichsozialen und der Grotzdentschen. Von chustiMszialer Seite wird ßie Müleckung vrrvrritet, daß die gestern im Parlament stattgestmdenm Besprechungen zwischen den EhrM chsozialen und GrvßdkUtsche» wegen einet Koalition einen günstigen Belauf nehmen und für die Negierung Mahr eine Maiorität im Nat onabat sichern werden. Als Rachiolger des Dr. G l a n? w tfrert die Cirristlichf zialen Doktor R a m«k für das Ministerium deS Innern kand dieren. Für daS Heerwesen ist der christlichsoziale Krakehlrr B a « g 0 i n auSnörhen. __ Hanptansschutz des Rationalrates. Der HauptauSfchuß hielt gestern eine Sitzrmg ad, in der zunächst eine Verordnung, betreffend die Erhöhung der Höchstpreise für Zündhölzchen um 5Y Prozent, zur Beratung stand'. Die Abgeordneten Settz und Eldersch be- , klagten die schlechte Versorgung der Bevölkerung mit Zündhölzchen. Der Ausschuß gemhnügte sobann «sch eine Reihe anderer Verordnungen, so eine, betreffend dir Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln, dre Aufhebung der Z lä-Verorönung über den. Verkehr mit Kerzen, eine Verordnung, betreffend den Verkehr mit Ko h le, K« ks u n d Erjahbrennstoffen, des weiteren eine Verordnung Über die Unterbrechung der Prozesse der Gelbverb endlich-' ketten in alter Kvonenwahvmg im BerhAturS zur tschechoslowakischen Republik.; Bei der Beratung der Verorbmmg, betreffend den Verkehr mit Bier, verlangt« Abgeordneter Eldersch entsprechende Maßnahme«, um zu verhindern, baß inländische landwirtschaftliche Produkte, die für bit Ernährung der Bevölkerung «rsorderlich fiwfe, 3«r BleeerAeugun? nerweubet Das Abstimmungsergebnis in Tiro Innsbruck, 37. April. Das amtliche Abstimmung Ergebnis in Nordtirol ist folgerlbes: Ab gestimmt h aben 134.319 Personen; davon mit Ja gestimmt 132.296, mit Nein 1722. L^r vdey! ungültig waren 300 Stimmzettel .Es haben fumM 98,5. Prozent mit Ja gestimmt, . . \ ,, 1 Eine Volksabstimmung fsir de« M>ä> fchlntz in Oberösterreich. Linz, 27. April. I» der heutigen Sitzung res ZandÜgO brachten die Grobdeusichen einen Antra» ein, m welchem BnAdeL-« rrgierung, Nationalra! und Landesiat anfgesoidrrk werde», einaebrächte Gcsetz m Durchführung der VoltSadstimmuns i den Anschluß der Republik Oesterreich an das Deutsche Reich Bkiadschiedung zu bringe». AndererfallZ würde die Bslk» mung im Lande Oberösterleich selbständig vorgenomme»_ Für diesen Fall wird die oberöämeichische Lande-regim«- mächtigt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffe». Der ftnirad wurde, nachdem sich die Vertreter aller Parteien dafür auSgei sprachen hatte», unter stürmische« Beifall des Hanse» e i stimmig angeuammen. Salzburg wird am 29. Mai abstimi SalzSurg, 37. April. Im Landtag wurde» heute einem Bericht deS Landrates Thristoph (groZdevtfch folgende Ariträge des Verfafsungs- und Derwaltuings«msfchirsft im Einvernehmen mit dem Anschlußausschuß einstimmig genommen: Der Bericht der Landesregierung, vettefftud , . nähme einer Volksabstimmung, wird zur KenntnrS genomme« Die Volksabstimmung im Lande Salzburg rst am 39. Ma vorzunehmen, falls nicht durch die Dundesregierung früherer Termin für das ganze Deich festgesetzt wird, Di Landesregierung wrrd mit dem Vollzug dieser VEüsft beauftragt z? Oesterreichs DorKriegsschnlKen. B->rIS, 27. April. Di« SmaiSd-b-liiüi-r dir UMs» zrerung des französisch - österreichische« Ah» kommen? bezüglich der Vorkriegöschulde» wurde durch einen ausführlichen Bericht Reynulds eingekeitet Der Berichterstatter empfahl die Annahme des Gesetz» entwurfeS. Die Lösung der Frage fei Oesterreich gegenüb« schwieriger als bei irgendeinem anderen Staate. Die strengt Anwendung des Vertrages von Saint-Germain fei tzefahv lich, wenn nicht überhaupt unmöglich. Man Hab, es bei . Oesterreich mit einem Schuldner zir tun, freff« Z a y l ü n. g S w i l l e zweifellos bester, deffen ZahlunySfähiM keit aber geringer sei. Man müsse gegen Schuldner, die sich m einer wirtschaftlichen Krise befinden, Nachsicht walle« lassen und ihnen die Möglichkeit bieten, zu lob«, and s« neuem Wohlstand zu gelangen. Seit dem!3. August ISA die DvrchfiHmiNs dos Ahkommeno. i» beide» Mi«deeH

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