Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 805 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 /Wien, Sonntag Wiener Akorgertzermug ,24. April 1921 .Nr. 805 karten für die Vorstellung klassischer Dramen zu erhalten. Umsoweniger konnte diese seine löbliche Tätigkeit von Schach-' ter als Lebensziel gewertet werden. Schächter war der Liebling seiner Lehrer, aber selbst' von dieser Liebe kann man für die Dauer sein-Leben nicht fristen. Endlich entschloß sich Schächter,. Wien zu verlassen, um in Berlin,. ausgestattet mit dem wärmsten Empfehlungsschreiben seiner Lehrer, sein Glück zu versuchen und tm Hildesheimerschen Rabbinerseminar wenigstens als außerordentlicher Hörer ausgenommen zu werden. Die Lehrer des Berliner Rabbinerseminars lernten Schächter infolge seines reichhaltigen-Wissens wie auch seines ernsten, und bescheidenen Auftretens hochschätzen und suchten ihn nach Möglichkeit zu fördern. Da trat ein Eveigüis ein, das für Schächters Zukunft lestimmenö sein sollte. MoseS Montefiore starb und setzte seinen Neff-en Sebak Montefiore zum Universalerben ein, aber nnt der Bedingung, daß fern Erbe nach Berlin gehe, um im Hildesheimer-Seminar Talmud zu studieren. Er kam in Begleitung ferner Mutter, aber da er des Deutschen nicht genügend mächtig und auch sonst für das Studium nicht genug vorbereitet war, fiel es -ihm schwer, den Vorträgen zu folgen. Nün war Schächter der estizrge im Seminar, der perfekt Englisch konnte,-und dazu der bedeutendste Talmudist.. Die Lehrer empfahlen ihn.als Jnstruktor des jungen Montefiore und . bald , gewann, er die Zuneigung seines Schülers und dessen Mutter. Schächter und der junge Montefiore wurden für einander unentbehrlich, und endlich, nachdem dem Wunsche des Erblassers Genüge geleistet war, stellte Mutter Montefiore.Schächter.den Antrag, ihrem Sohne nach London zu folgen und ihm dort -Unterricht zu erteilen. Gegen eine Bezahlung von 800 Pfund jährlich nahm Schächter den Vorschlag an, reiste nach seiner Vaterstadt, um . seine Angelegenheiten zu ordnen und nun hielt er sich bei seiner Rückreise einige Tage in Bukarest auf und, was selbstverständlich ist, besuchte das Haus seines alten Freundes Chaschmal, den Bukarester „Salon". Während unseres Gespräches erschien eil? neuer Gast, der uns beiden schon bekannte Ele asar Rok each. Rokeach, geboren in Safed (Palästina) 1854, dortselbst nach altem Brauch erzogen, entwickelte sich später zum eifrigsten Bekämpfer des palästinensischen Zelotentums und, wurdeschon gegen Eirde der Siebzigerjahre zum Vorkämpfer der Koloni- . sation Palästinas durch die eingeborene - palästinensische Jugend, welche den Bettelsack der alten Chaluka mit dem - Pflug eintauschen wollte. Rokeach hatte sich schon zu -jener Zeit durch die persönliche Propaganda /seiner -Ideen iv Rumänien große Verdienste um das Judentum erworben. Sein Ansehen stand .gerade damals in vollster Blüte- Er war von einem Nimbus umgeben, wie kein anderer vor ihm. Ein großer Teil der rumänischen Jugend scharte sich um ihn. Aber Rokeach. ausgestattet .mit vielen Tugcncen, war auch Mit fast'allen Untugenden eines alten „Mäskn" kehaf- -tot, das Beste vom'Althergebrachten rücksichtslos in den SVot zu zerren, um alles Neue aufs höchste zu verherrlichend Rokeach besaß Schwung und - hatte dichterische Fähigkeiten, aber es . fehlte --ihm. an. Kraft. und /Ausdauer. Ein Gemisch von Dichtung und Wahrheik/won Phantasie- und Wirtlichkeit -füllte sein ganzes Wesen aus, so daß--er oft'selbst-diese Elemente nicht mehr voneinander 'zu scheiden wußte. So hatte sein Erfolg keinelange Dauer und die, nüchtern gewordene Schar seiner Gefolgschaft erkannte bald den Wirrwarr und schrak zurück. Als Gesellschafter war' aber Rokeach. recht angenehm. Er wußte so manches in homerischer ‘ Breite zu erzählen und seine Erzählungen mit blankem Witze zu würzen und bei Chaschmal fühlte er sich besonders heimisch. Er ergriff bald - die Bcanntwemflasche, füllte sein Gläschen, trank „Lechajim" und forderte den Wirt auf, die Tafel zu eröffnen. Aber halt, es wird noch ein Gast erwartet. Chaschmal fand sein Vergnügen'daran, seinen Gästen Ueberraschungen zu bieten.' ' ( ,;; / „Der „Märanne" hat sich für' „Melawe-Mälke" angesagt", flüstert Chaschmal Rokeach zu. „Der polnisch-jüdische Urrumäne", wiederholt Rokeach laut) „Aron Btumenfcld, recte Ronnctti-Römqn*). Er wirb uns seinen „Radu" deklamieren Und wir ahm Wolf Ehrentcanz' „Romania"."' '' ' ' . / . " / Chaschmal winkte ihm warnend . zu, aber er kür.-inerte - sich wenig darum. Die Biographie Rönnetti-Rmuans' warfür die Eingeweihten''kein Geheimnis'mehr: In seiner Heimatstadt Jezierzanh (Galizien) Zvurde ein talmudgesehrier und frommer junger Mann namens Aron Vlumetiield im Jahre 1863 von einem Regimentsarzt, welcher das zufällige „Niesen"'des Beisitzers falsch deutete, „irttümlich". assentiert. Mit Hilfe desselben Beisitzers in der Kultüsgememd'e kannte Blumenfeld bald das Weite suchen. Et flüchtete'ins dumrlrge gelobte Land für 'viele. Deserteure, nach Rumänien. In der moldauischen Stadt Roman fand .er bald durch Privat mterricht in Talmud und Bibel seinen Unterhalt. Die freien Stunden widmete er der Fortsetzung und Vervollkommnung seines Wissens. "Seine philologische Begabung war außergewöhnlich und in, kürzester ^Zeit drang er in die Geherminsse einer ' fremden Sprache ein. So' erging es ihm äuch bei der damals noch so wenig kultivierten rumänischen 'Sprache.' Gerade dieses ihr Stadium bildete für ihn einen besonderen Reiz zu ihrer Erforschung '- üüd Entwicklung. In einer moldauischen Probinzstadt ‘ bot ' sich ihmwenig Gelegenheit - dazu. -Da wurde ein leiännter jüdischer' Arzt in Roman, Dok- '--*) RonnÄti-Roman gilt als der bedeutendste Dichter der neueren rumänischem Literatur. tor Geller, einer der eifrigst Haskala-Fanatiker, auf ihn aufmerksam., Di^ Rettung begabter jüdischer jnngec Leute aus der verknöcherten Orthodoxie und deren Zuführung zu einem regelrechten weltlichen Studium machte er sich fast zur Lebensaufgabe. . Dr. Geller stattete also mit Hilfe einiger gleichgesinnter begüterter Maskilim den jungen. Vlumenteld mit genügenden materiellen Mitteln aus und nebenbei — da er doch als Deserteur sonst Oesterreich nicht passieren, konnte, mit Dokumenten auf den Namen Ronnett^i« Roman, aus einem Dorfe Lei Piatra stammend, uni schickte ihn nach Leipzig. So zog Blumenfeld von Roman an der , Moldau bis, zur Grenze der Walachei über Bukarest, größtenteils im Bamernwagen und oft auch zu Fuß. Er wanderte'/ monatelang von Dorf zu Dorf, um die verschiedenen Dialekte unter dem Volke anzuhören und deren Klang auf sich wirren' zu lassen. . - Wenige Jahre spater erschien eines Tages in -Bukarest :, ein Poem unter dem Titel „Radu", 'ein gewaltiger Erguß der rumänischen Volksseele, geschrieben in einem-klassisch « rumänischen Stil. Und der Verfasser ist ein Homo novus, ein v Mann mit. Rament Ronnetti-Roman. . Die RumÄien sind stolz auf ihren neuerstandenen Dichter und als es sich aus seinen Dokumentenergibt, daß er . aus einem Dorfe in der Nähe von Piatra stammt, erhälr er. einen seinen Fähigkeiten entsprechenden. Posiest im Kultus- ' Ministerium. . , ' .. ", Der "arme^ Leipziger Student ist geborgen,' niemmw fragt jahrelang , um seine Herkunft. . Der . erste/welcher über ihn Näheres erfährt, ist Akiba Chaschmal.. Im geheimen liefert ihm Chaschmal hebräische Zeitschriften und wird auch sonst sein Vertrauensmann. Als Kosenamen legt ihm Chaschmal den Titel „Maranne" bei. Und so oft Ronnetti-Roman von einem inneren Drang ersaßt wird, in jüdischer Gesellschaft ein Stündchen zu verbringen, schleicht er sich in' das Hcpis Chaschmal und keteiligt, sich an den „Gelagen". ' ' Beim Erscheinen Ronnetti-Romans fühlen wir uns einigermaßen besangest. Selbst Rokeach war eingeschüchtert. Wie wenn ein Fremder oder ein Entfremdeter plötzlich die' Intimität Gefinnungsvcrwandter stört. Erst beim Nachtmahl wurde das Gespräch lebhafter. Nonneiti-Roman begann eine -literarische Diskussion über Gutzkows „Uricl Acosta", Rokeach führte das große' Wort. Er brach den Stab über Nichtjuden, welche sich' än ein jüdisches'Thema Heranwagten. Dabei Warf er mit Zitaten herum, welche er größtenteils soeben erdichtet hatte. Rönnetti-Roman bezwang ein ironisches Lächeln, um nicht zu verletzen. Endlich wendete er sich zu. jSchächtcr und zu mir und teilte uns seinen Entwurf zu seinem jüdischen Drama unter dem Titel „Menascheh" mit. Er legte Wert darauf, sich über so manches Bescheid zu holen. Schächter - entwickelte feinen ganzen Jdeengang über Juden und Juden» uamEtzjuemjHMB Kussl, Sciiwariz & Go, Eisenwarengrosshandlung- Wien, l„ Biberstrasse 26 Sb Laaer '5 Telephon Nr. 18-0-78 Telegrammadresse: Eisenschwartz, Wien 2 Waegon« Düngergabeln 2 Waggons Drahtstiften- 1-Waggon Rund;-und Flacheisen 2000 Stück Mauskaslenscblösser 3000 Stück Zugsügen - '- '- 500 Stück Gatter- und Kreissägen 3000 Dutzend la-Stiefeleisen samt Nägeln (tranäito) 1000 Kilogramm Stichschaufeln 1000 Kilogramm Pflugköpfe und Schareisen v 85« : Ferner grosse - Qmuvtithten VQn^ Zink un d verzinkten Blechen,'1 '’Hxiftiäj^ei,' Tapeziererhägei;1 Spahrisägen,; Schweifsägen, Sägefeilen, Möbelschlösser. 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