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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-24 · Heft 805 (24.4.1921) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 805 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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m. 8öö Men, Sonntag Meuer Mwrgenzettnng 24. Aprll 1921 Seite 1s »Allah ist allmächtig..." — dachte Abu Bekr — »kann kenn seine mächtige Hand nicht Hiilfe bringen?" Bor sich erblickte nun Abu Bekr eine Ekler ne Oase, da eine Quelle sprudelte; da wusch er seinen Leib, daß er rem ward; und getrocknet kniete er auf seinen Gebetteppich unter dem Schatten einer Palme und ergoß sein Gebet zu seinem Gotte: »Einzig ist Allah und einzig sein getreuer Prophet, und kein Allah ist außer Allah und kein Prophet außer seinem Getreuen. Äeise mir deine große Hand, Allah, deine Rechte, die Wunder zeigt deinem getreuen Unechte Abu Bekr' Jbn Alchakim, weise sie und verlängere die Füße meines kleinen Esels, damit die Füße deines Frommen nicht schleifen über die spitzen Steine und die Stacheln. Hist du doch allmächtig und nichts ist dir unmöglich, lstid ich werde deinen großen Namen verherrlichen, auf daß dich fürchten ave Völker und deine Größe in den Inseln kundgeben,! denn kein Allah ist außer Allah, meinem felsenfesten, der mein Schutz ist immerdar!" Inbrünstig betete Abu Vekr und sicher seines Allah, der das Gebet aller erhört, begab er sich an die Stelle, wo sein Esel kauerte, um mit eigenen Augen das Werk Allahs anzusehen. Aber da sah er... Abu Bekr sah seinen Esel kniend mit gegen Himmel erhobenen Beinen, wie er in inbrünstigem Gebete kaum hörbar flüsterte: „Allah, o Allah, du bist enzig und dein Name ist einzig und wer ist wie du auf Himmel und Erden! Kürze, Allah, Gott des Erbarmens und der Gnade, die Füße des Abu Bekr, meines Herrn, damit sie nicht anschlagen an die Nippen und den eingefallenen Bauch deines Getreuen, und erleichtere, Gott der Allmächtige, meine schwere Last, indem du Magerkeit in seinen feisten Leib schickest, auf daß dein Name weit unter Eseln gepriesen werde, der du dich kehrest an das Gebet des Armen..." Als Abu Bekr dieses Gebet des Esels vernahm, starid er wie vom Donner gerührt. Er fürchtete sehr. Allah könnte sein Ohr dem Gebet des Esels neigen, da vor ihm groß und klein gleich sind, und Abu Bekr mit dem grünen Fez und der Esel, der so groß ist wie eine Ziege, gleich groß ist, erscheillen gleich in seinen reinen, lauteren Augen... Und Abu Bekr sank in Betrübnis auf einen Stein. In seinem Kopfe aber, der voll Klugheit war, stieg ein großer Gedanke auf... Er stand auf, näherte sich sonst seinem Esel, streichelte ihm den Rücken mit freundlicher Liebkosung und redete also: „Deine Füße, mein Esel, sind mir zu kurz, jedoch nur solange ich auf dir reite; meine Füße sind dir zu lang, jedoch nur so lange, als sie über dir schleifen. Reite ich auf dir nicht, sind deine Füße nicht zu kurz und die «reinigen nicht zu lang. Ist dem so, lieber Esel, so gehe in Frieden deines Weges'und ich gehe nun meines Weges!" Das war in jenen guten Tagen, da die Menschen »och die Sprache der Tiare und Pögel kannten, denn gut waren die Menschen und redlich in ihren Herzen. > Uebertragen von E. P i ck e «. Professor Salomo« Schächter. Ein Kapitel aus «reine« Memoire«. Von D. S Silberbusch. In- Bukarest im Hause eines gemeinsamen Freundes namens Akiba Chaschmal bin ich Salomon Schächter rm Herbst des Jahres 1881 das erste Mal begegnet. Miba Chaschmal, eine markante Figur im damaligen Bukarester jüdischen Leben, ein in Rumänien bekannter Vermittler der hebräischen Haskala-Literatur, der Besitzer einer unkonzessionierten Hauptagentur des „Hamagid", „Haiwri* und „Haschachar", war ein eigenartiger jüdischer Typus. Erv rundes, behäbiges Männlein, ungefähr vierzig Jahre alt, Vater von sieben unmündigen Kindern, nichts weniger als begütert, bringt er den größten Teil des Tages ln lässiger Beschaulichkeit zu. .Im bunten .orientalischen Schlafrock, den türkischen Fes auf dem Kopfe und die dicke Bernsteinspitze im Munde, ordnet er de§ Morgens die verschiedenen eingelangien Zeitschriften, welche er dann mit Boten oder mit der Post weiterbefördert. Ein Exemplar aller eingelangtest Zeitschriften behält er für sich. Darin lieft er fast den ganzen Vormittag mit Andacht. Oft schreibt er selbst nach genossener Lektüre einen hebräischen Bericht an den „Haiwrr" in Vrody oder den «Hamagid" in Lhck. (An den «Haschachar" traut er sich nicht heran.) Erst nck8hdem er sein Mittagsschläfchen absolviert hat. kleidet er sich an und besucht verschiedene Leute, Mit denen er teils geschäftlich, meist aber in allgemein jüdischen Angelegenheiten konferiert. Er weiß in vielen Dingen Bescheid und so mancher holt sich bei ihm Rät. Diese seine Sorglosigkeit hat in einem ganz besonderen Umstand seinen Grund. Chaschmal ist das einzige Kind eines einfachen, braven, aus dem Osten eingewanderten Glasermeisters, der, seit vielen Jahren verwitwet, feinen ganzen Lebensinhalt in dem Gedeihen seines gelehrren und angesehenen einzigen Sohnes findet. Der alte Vater begnügt sich mit einem kleinen Zimmerchen seines eigenen, mühselig erworbenen Häuschens und verrichtet mit Freuden seine Arbeit, um das Haus seines Sohnes in Würde zu erhalten Das bescheidene Haus Chaschmals bildete für die damaligen hebräischen Maskilim den. Bukarester. „Salon". Selbstverständlich waren die dargebotenen „Gelage" ebenso mager und kärglich wie die hebräische Literatur jener Zeit. Aber kein hebräischer Maskil von Nonien dunste Bukarest passieren, ohne das Haus Chaschmal zu besuchen und dessen Gastfreundschaft zu gemHep. Das Hauptgelage fand oft Samstag abends zufl „Melawe-Malke" statt und bestand aus einem „Knoblauche barscht" (Roterübensnppe) urck Schaffleisch mit frifchgekochktz Erdäpfeln. Zu einer solchen „Melawe-Malke" wurde ich' vonl Chaschmal eingeladen. Als ich der Einladung folgte, fand ich dort'einen jungen Mann von hohem Wuchs, ungefähr dreißig Jahve alt, eine imposante Erscheinung, mit langem, blonden Bart, vor, Herr niir Chaschmal als „unfern Freund Salomo» Schächter" vorstellte. Schächter lächelte nur freundlich zu. Die Begegnung war die alter Bekannter. Im Smolenftyschen „Haschachar" hatten wir beide damals Aufsätze veröffentlicht. Die Mitarbeiter eines und desselben Haskala-Organs interessierten sich füreinander etwa wie die Mitglieder einer intimen Kult«, gemeinde. Wir kannten gegenseitig den Werdopcozeß unsere« „Aufklärung". Aus verläßlicher Quelle kannte ich sogar; Schächters ganze bisherige. Biographie: Neben einenr reichen talmudischen Wissen, neben einer tiefen Kenntnis der mittelalterlichen rabbinisch-philosophischen Literatur, mit einer Füll« von profanem Wissen und einer genauen Kenntnis einige« weltlicher Sprachen ausgestattet, "war er vor einigen Jahren aus seiner Vaterstadt Fokschani (Rumänien) nach Wien ge. gangen. Hier gedachte er sein Wissen zu vervollkommnen und einem praktischen Lebensziele zuzustreken. Aber hier erlebte e« bald, wie so mancher vor chm und so mancher nach ihm, ein«; bittere Enttäuschung. Wenn Moses nach Wien käme und sich um die Lehrerstelle für mosaischen ReligionZunterricht an einer öffentlichen Schule bewürbe, wenn Aristoteles einen Katheder für aristotelische Philosophie anstrebke, Rabbi AM? in einem Rabbinerseminar Talmud bortragen wollte« sie würden alle ohne beglaubigte Zeugniffe höhnisch abgewiesen werden. Und nrit seinem talnmdischen und hebräischen Wissen konnte Schächter höchstens in vergnügten «Stunden unentgeltlich köstliche chassidische Humoresken unter dem Titel „Sichoth Hane Zantre D'edahwe" für den „Haschachar" schreiben oöec sich ^als Hörer im Jellinekschen Beth-Hainidraschj einschveiben, wo er für das Änhören der Talmudvorträge von« Lektor Weiß und der Agada bei Lektor Friedmann er« monatliches Stipendium im Betrage von acht Gulden öftere veichischer Konbentions münze erhielt und noch dazu die Be« rechtigmig, leim Minjan zum „Mischnajothlernen" am Jahrzeittag eines längst verstorbenen jüdischen Krösus teilzunehmen und dafür dreißig Kreuzer Belohnung zu erhalten. Dieser Nebenverdienst für die einzig positiv geleistete Arbeitdie Förderung des Seelenheils eines Dahingeschiedene», dessen Nachkommen sich oft schon längst in den jSchoß der alleinseligmachenden Kirche geflüchtet hätten, Werstreg zwar oft die hohe Summe des monatlichen Stipendiumsaber alles in allem reichte es doch nW für einen jungen Mann, welcher! noch dazu das Bedürfnis hatte, sich wenigstens einige Mole monatlich beim «Uten Burgkheater .»anzustellen", um Gakrje- 5000 kg Ameisensäure SOproz. 5000 kg Oxalsäure, weiss krist. * 50.000 kg Kristallsoda 40.000 kg Yalonea 1400 kg benzoesaures Natron ausfuhrfrei und transit ca. 500 Steinzeugflaschen mit Weidenkorben «a. 1100 Steinzeugflaschen ohne Weidenkorbe alle mit oa. 30 kg' Inhalt, teils neu, teils gebraucht, jedoch gut erhalten, günstig abzugeben „KAMERUN“ Handelsgesellschaft m. b. H. 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