Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 805 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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m 8üö Soimtag Wiener MorgenzeiLnzrA 24. April 1921 Seite 17 tum, über das, Alte und Neue, über Vergangenheit und Zukunft des jüdischen Volkes. Nolinetti-Nomaii stimmte l^cht mit allem Merein. Ucber-hanpt war. ihm das jüdischnätionole Moment i?ti neu, aber er war durch Schächters mit schneiden-- der Logik geführte Auseinandersetzung zum Nachdenken anÄ geregt/Wd behielt sich vor, darauf zurückzukoiuwen. trW < Vom »Zurückkopunen auf ein ernstes Thema konnte.aber ' bold-kerne Rede mehr sein'/ Beinr ersten 'Glos Wein stimmte Nokeach eine'-schwermütige, arabische, näselnde Dfelodie arü welche mehr , komisch als animierend wirkte. Darauf fiel Ronnetti-Romän mit dem Ehrenkranzschen Liede '„Der Rebbe fuhrt auf dem -Jam" ein, zu welchent Chaschnral und sogar seine gutmütige bescheidene Frau den Chor bildeten. Tie ganze Gesellschaft wurde mitgerissen. Schächter versuchte zwar rroch einmal ernstlich, feine Theorien über Chafsidich'.urS^darziebieten. - Er wollte zumindest das . Andenken des Be sch t (Baalschcm) retten, aber lald sang er uns das Sieb „Ter BdrÜMt" und sein Ernst mußt^sich wenigstens für Mesen bankrott, erklären. '' Nach zweiunddreißig fahren, im Jahre 1013. . dem: W!.eüer,,ZlouifL.enkongrcfz, 'sah ich Salomon Schächter wieder. Er,kann als Delegierter aus New-Nork, wo er als Nekror des dortigen. Nabbrnerfeminar-.? wirkte. , Sein Weg.bis zum Rektor einer Hochschule war durch das glückliche Berliner Ereignis.fast vorgezeichnet. Dem ’• jungem Montefiore wurdenach kurzer-Zeit. d^s. Talmudstudium, wenn' nicht überdrüssig, so doch entbehrlich. Seinem Lehrer einfach eine Bettelpension auszusetzen, entsprach nicht ferner vornehmen. Gesinnung und vielleicht hafte.Schächter ferbst diese nicht ohneweiters angenommen. Da verfiel 'Montesiore auf einen öigentümlichon Gedanken. Ec bot der Universität-. %n Cambridge eine Summe von 20.000 Pfünd an. zur Gründung^ eines Katheders für rabbinische Literatur, deren Zinsen dem Vortragenden zukommen sollten, und stellte auch den Professor für dieses Katheder in der Person Salomou DchächtcrZ bei. , '/; ' I- Eine ..Äeffere. Wahl hätte das« Cambridger Kollegium «selbst freiwillig nicht treffen könnend Schächter wirkre als Professor, -trotz der kleinen Anzahl seiner Hörer, sehr ersprießlich. Noch-ersprießlicher wirkte er sür die jüdische Wstsenschpft. Sein-„Ben-Sira-Fund", die Auffindung derstMairnonidesschen Manuskripte in Kairo, die Herausgabe des „Midrasch iHirgadol" und nicht zuletzt, sein Buch über den Chassidismus verschafften ihm Weltruf, so das, er nach KohutS Ableben als Rektor an i das. New-Uorker Rabbinerseminar berufen wurde. - - - - Bei meiner letzicn' Begegnung mit ihm tat ihm die Erinnerung an die Bn.kärester „Metawc-Malko" sehr wob! und sein stärk gealtertes Gesicht rötete sich im Gedanken tu gemeinsam verbrachte Jugendzeiten.. * ' Fabrik und Reparaturwerkstatt© für Auftobestandteiie, SchsraibiataschlFaen u. Mähmsscltisson Wien, VI., Hirschengasse 3, Telephon 10-0-24 Eiskasten- Kühlanlagen und Kochkisten (Franz Boilinger) Grosses Läger für den Export. Reparaturen werden übernommen. Auf Verlangen erfolgt auch. Besuch des Vertreters. Fabrik: XV., Stagigasse 10, -Telephon 38-4-19 Lager: VII., Burggasse 17, Telephon 33-5-72 j. B&JRSZTYK St Co. HekArich Manu als Schilderer der Mische« AssiMilMsrr. f. Bou Dr. Ork»« Karbach . Die-Judensrage.hat in der Literatur dieselbe Behandluilg. erfahren wie im praktischen Leben; sie wurde zumetst totgeschioiegon oder aber tendenziös ausgeschrotet: So finden wir -Neben antisemitischen' WchAsHrN'.;.(re.lativ,'„ wenig zahlreich, wohl'auf den starken jüdischen Einfluß in Kritik-- und Lese-. welk zurÄckzuführen) sentimentÄ? und.§patl)etifche Bekenntnisse zur Rassenvcrsöhnuust und Rassennegierung, in letzter Zeit auch Bücher, die aus bewußt jüdischem Geiste, entstanden sind, wie die Werke Artur Landsbergers, deren Wert nicht geleugnet werden soll, als NiederschlggAeik-.bexschiedeneN: Anschauungen! Heinrich Mann, dem-stürmisch gefeierten und, heftig-.,fc?.*- kämpften Romancier,., der, am 27. März dsefes Jahres’feirN 50. Lebensjahr vollendet hät„ war cs Vorbehalten,) Werke von höchster künstlerischer Bedeutung zu schaffen/die'jüdische Verhältnisse frei vonjeder Tendenzuüd dabei unerbittlich scharf beobachtend dar stellt er ist >^r-bedeutendst: Schilderer der jüdischen Astimilatiou, als solcher--bisher nie gewürdigt. Der Dichter entstammt crnem Kreise, der dem deutschen Volke neben Scharen typischer Philiste« hie und da einen ganz , besonders erleuchteten Geist schenkt: Dem Patriziat der -freien! deMschc:n Städte^ dem-ja; auch/Goethe angehörte. Die Mischung von. monarchischem Untertan und Republikaner, Adeligem und Bürger, Aristokraten undiKausmann, bringt eine charakteristische Sonderstellung hepbor, hie best einzelnen zu einer geistigen Jsolirung führen kann, die im Effekt der deS Juden gleichkommt. Tatsächlich hat Mamr mit seinem Schaffen, das sich, durch eine außerordentliche, allen Erscheinungen des Lebens - gegenüber völlig gleicyblMende,kühle Betrachtungsweise auSzeichnet, den stürmischen Widerstand; gerade derjenigen Kreise gefunden, die in der. ersten Peihe der Jud^nfeuide stehe,:, und die sein-.schonungsloses Sezieren auch der sorglichst gehüteten-'Dogmen > und BorurteM - als nationale Felonie branbmarAlu . i * ' Wir, verdanken Mann vor allem das Buch „Schlaraffenland"^ ein Werk, dasmit-Recht als „Assimilantenspiegcl" be- ^zaichncL-owL.rdel^kapn. -daös keineswegs nur Zustände schildert,, sondern das, schärfer betrachtet, eine vollendete Darstellung der unseligen Fäulnis des entwurzelten Judentums ist, ja geradezu der künstlerische.Uüsdruck von all dem, das die Pioniere der bewußt-jüdischen'Bewegung gegen das ethische Fiasko der Assimilation je vorgebracht haben. Was diesem Buch seine überragende Bedeutung sür. uns Juden geben sollt?, ist nicht die amüsante, geistreiche Handlung, nicht die lebenswahrt: Milieuschilderung, auch nicht die elegant-:,, bei aller Unterstreichung unaufdringliche urch dabei niemals ..antisemitisch" wirkende Darstellung der überaus reichen und durchwegs protestantischen Juden in Beelin' W. und ihre-?, schmarotzenden Anhanges, der gewärtigen Macht ihres Kapitals,k ihres unentrinnbaren und dabei ungewollten verderblichen^ Einflusses auf diestdoutsche Kunst — wer „Schlaraffenland"-- genau liest, wird weit mehr finden. || Aber sein höchster Wort liegt darin, das; es diese uner«Ä meßlich reichen BörseaNer, diese von jeder sittlichen HemmungZ befreiten Großstädter, diese mächtigen Drahtzieher -äkleSß künstlerischen^ ^wirtschaftlichen und politischen Geschehens lalsß innerlich erstorbene, cils unglückliche Menschen schildert uuH glücklich,nicht durch' herbeigezogene Konflikte und'ckonstruierteM Katastrophen, sondern durch ihre innere Leere, dnrch^ihr Ri:a| vermögen, irgendein Ideal, irgendein Streben und Hoffen, ja' nur ein Gefühl der Furcht oder Erregung auszubringen. . In ihrer unerhörten Sattheit und Srcherhcit ist ihnen die- Fähigkeit, sich zu freuen und zu ängstigen, abhanden gekommen und selbst die gröbsten Reizungen, Skandale, Liebes ln mmprJ Erfolg und — Geldverdiencn, vermögen sie aus der iurreren! Erstarrung nicht aufzürütteln, die sie unter Skepsis und! Frivolität verbergen und vor-der ihnen graut. Von Limgeweile gepeinigt, lustlos und unbefriedigt, schleicht ihr Leben dahin. Daß Mann uns diesen wahren und gesteigertsten.Typus des Assimilanten in seinem allerhöchsten materiellen'Triumph und seiner tiefsten-seelischen-Verarmung geschenkt hat, ver leiht dem arischen Dichter einen Platz neben -unseren hervorragendsten Pionieren., Das „Schlaraffenland" ist die' künftje^ rische Rechtfertigung des Z i o n i s m,u•#] schlechthin. Dieses Urteil wird nur bestärkt durch die originelle W-Pw? des -Konjunkturzionisten Liebling, deren Schaffimg dlle'n^'iiiD Jahre 1900 schon ein Wagnis war. - Neben diesem Werte verdanken-wir Mann eine Äuz.'Ihl scharfgeschauter, mit wenigen Strichen meist-erhast' gezeichnetcr Gestalten jüdischer Afsituilairten in seinen, anderen Büchern, j vor allen: den königlich preußischen Atz'cssor Jadassohn im „Untertan",,- dem Täufling, auf der--.-Höchsten» .Stufe der Streberei, den Assimilanten, der im Gegensatz zu den satten, unabhängigen Bewohnern des,'^Schlaraffenlandes" zeitlebens in jeder Geste und jedem Wort seine Umgebung kopieren.und iibertreffen muß, um seine Positioin zu erhalten,, und 'den phantastischen Baron - Rptschuk in der „Herzogin von- .Assh", den skrupellosen Finanzmami und exotischen Politiker. Heinrich Mann hat nicht.beabsichtigt, jüdische Bücher zu schreiben, gber vielleicht gerade deshalb hat-sein'unVcrrrter scharfer Blick im Verein mit seiner grosieu Darstellungskü'-stü es vermocht, uns den Roman der jüdischen Assimilation zu geben, der einst zum künstlerischen Symbol.dieser nnerfreu« -lichcn Epoche der jüdischen Geschichte werden dürfte. vor?.innt6 und verzankte 8614 Giesskannen Fvtterdämgier K#pfef£cessd Kochkessel Hefde Bs?aiantweibkesse! ■ Maoskaslensclilösser Bat?besckläge Emalltellet etc erstklassiges Fabrikat, liefert prompt mit Ausfuhr Herss, industri&fjlrdSrun§s*^>-Si. Wien, Wltl.n iangegasse G3 (Telephone 56-3-20 u. 92-57). 670 EMS®.;:* " .> - .-'..-stW- . . is *j?v f- 4.^ , [Minen Metallu. BieGhbearbeitungsmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen, Elektromotoren, Transmissionen, Werkzeuge sind prompt lieferbar ab Lager Wien preisv/ert zu verkaufen (töaschinsnSaauu. V@rtriebs- Gesellschaft m. b. H. 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