Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 805 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979884--07375-2993419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeltung '34. April'1921 Nr. 808 Das Kind soll von den Jesuien einem getauften i Juden namens Alexander (früher Baruch) Kafka in I Logis gegeben worden fein, von wo es zu seinem Vater zurückgekehrt sei. Diese Kafka ist merkwürdigerweise abgängig und die Rolle, die ihm zugeschoben wird, vollkommen unklar; bald heißt es, daß ihm das Kind geraubt wurde, bald soll er im Einvernehmen rnit Lazar Abeles gestanden sein. Dagegen -taucht eine andere Zeugin auf, ein getauftes jüdisches Kind: Die kleine Sara Uresin, die in diesem Falle die Sendung Semaels übernommen hat, ist ein ' dreizehnjähriges, körperlich verkrüppeltes und — wie festst die Anklage nicht verschleiern kann — sittlich verkommenes Geschöpf, das die Jesuiten in anderem Falle schwerlich.so zärtlich als „Mägdlein", sondern als „freches Judengöhr bezeichnet hätten. Sie erscheint, „wie gerufen". Man höre: „Und da nun .Din . Hochlöbl, Appellations- Collegium in reiffe Erwegung alles dessen, vielmehr dahin angezielt, man möchte sich äussert bemühen, einige, bevoraus Jüdische Zeugen noch aufzubringen, weilen man zum öftern in denen Jüdischen Inquisitionen wahrgenonrmen. daß bei ihnen weit mehrers eine Confwntation, da der eine Jud dem andern, was in Gesicht gesagt, als die Tortur selbsten zur Bekanntung der Wahrheit ausgegeben und gewürcket hat. So erscheint auf eine gantz unverhoffte Weiß ein gewisses Jüdisches Mägdlein Namens Sara Uresin, gegen 13. Jahre alt, ivelches in würcklicher Christlichen Lehr bey einer Christin sich aufgehalten und von dieser Inquisition etwan von weitem gehört, von sich selbsten, und von sreyen Stücken..." Und diese so ' prompte Wunschersüllung namens Sara Uresin — Eder erklärt ihr Erscheinen wenigstens auf übersinnliche Weise — sagt beim Königlichen Obergericht, zu dem sie den Weg selbst gefunden haben söÜ, all das aus, was die Untersuchungsrichter beim gegenwärtigen Stande der Untersuchung gerade wissen möchten: daß sie im Vorjahre im selben Hause gedient (!) habe, gerade als-Simon weggelaufen sei, um sich taufen zu lassen, daß dessen Vater gesagt habe, es sei besser, wenn der Bub verrecken würde, ihn dann mit einem Scheit Holz blutig geschlagen habe. Das' Mädchen wird mit Lazar Abeles konfrontiert. „Gott soll mich strafen, wenn ich dieses Kind jemals gesehen habe!" ruft er aus. Trotzdem hat ihm doch eben dieses Mägdlein „ganz standhaft, herzhaft und Aller Scheu oder Schrecken" alles ins Gesicht wiederholt. Nach dieser Konfrontation sieht Lazar Abeles ein. daß ihm keine Unschuld helfen könne, wenn schon bestellte falsche Zeugen gegen ihn ins Treffen geführt werden dürfen. In derselben Nqcht erhenkte er sich im Uhrturm des Mtstädter Rathauses. Es scheint, sagt die Denkschrift, „daß durch diese einzige Confrontation mit meA gedachten: Juden-Mägdlein Sara Uresin, welche doch nichts, als nur einige Paaeliminaria wegen des' Christ-Catholischen Eysers des Knaben ihme ins Gesicht zu sagen gewust, sein leichtfertiges, verrohtes Herz und Gewissen dergestalten gerührt worden zu sein", daß er sich umLrachte. Die Leiche wird rechtskräftig verurteilt, daß ihr das Herz herausgerissen und 'um das Maul geschlagen werde; sodann wird die Leiche'gevievteilt und auf den: Scheiterhaufen verbrannt. Seiner Frau Lea und der Köchin Hennele wird von dem Selbstmord nichts gesagt. Unter Drohungen, unter der Vorspiegelung, daß Lazar Abeles alles eingestanden habe, blieben sie bei der Beteuerung seiner Unschuld. Das Mägdlein „in privato auf Jüdisch gekleidet" wird mit der Köchin konfrontiert, die nun zu allem, was das Kind angibt, ihr Ja sagt und schließlich, mit offenkundigem Widerstreben darüber, daß sie ihren Dienstgeber preisgibt, hinzufügen mutz, daß er den Knaben umgebracht habe. Durch Gift. Es folgt die Konfrontation der Köchin mit Frau Lea Abeles, die in der vorhergegangenen Nacht von Anfällen des Herzkrampses — über deren Ursachen können wiv uns bei der Lektüre der Jnquisitionsakten leicht unsere Gedanken machen — heimgefucht worden war: - Auch sie sieht, da schon die Köchin wider besseres Wissen zur Belastungszeugin gepreßt ist, daß alles verloren ist. Um ihren Mann, von 'dessen Tod sie nichts weiß, zu retten, gibt sie an, ein Bekannter, von dem sie.weiß,, daß er nicht mehr in Prag weilt, ein gewisser Löbl Kurtzhandel, habe allein das Kind getötet, und zwar erwürgt.. Daraufhin bestätigt die Köchin auch dieses, die ftüher den Namen Kurtzhandel gar nicht genannt hat, obwohl sie doch viel weniger Ursache gehabt haben kann, ihren Dienstgeber preiszügeben und einen Fremden zu schonen, noch dazu, wenn dieser Fremde der Mörder wäre. Kurtzhandel wird in Manetin verhaftet und auf dem Prager Galgenberg zu Tode gemartert, nach, einem Prozeß und in einer Arft die zu den tollsten Kapiteln der Kulturgeschichte Böhmens gehört. Abu Bekr und sein Esel. Aus dem Hebräischen des Abraham Schner. Es war in jenen guten Tagen, da die Menschenlinder noch die Sprache der Tiere und Vögel kannten, denn gilt waren die Menschenkinder und redlich in ihren Herzen. In jenen Tagen siedelte ein Mann ttt der volkreichen Stadt Bagdad der Glorreichen, mit Namen Abu Bekr Jbn Mchakim. Makellos und fromm wandelte Abu Bekr vor keinen: Gott und auch Gott begünstigte ihn. ‘ Mm Bekr war stark und kräftig, und von hoher Statur. Von der Schulter ragte er empor über alle Leute des Ortes; und damals waren die Einwohner Bagdads sämÄich kräftig und van hoher Statur, denn nahe war Allah den Hütern feines Bundes, seinen Gläubigen. Reich war Abu Bekr nicht und Güter suchte er nicht. — „Ich habe Prot zum Esten, Master zum Trinken und ein Kleid, meine Blöße zuzudecken, und mein Zelt ist sanft über meinem Kopfe aüsgebreitet und was mehr, soll noch der Mensch von Allah verlangen? Gelobt sei Er in den Himme-lshLhen und verherrlicht der Name feines getreuen Propheten!" , . * Ms der Frühling zum siMnmÄdierUgsten Male wieder, kehrte, seit Abu Bekr das Licht erblickt hatte, das so gut war, brach er aus und ging nach Mekkw der Stadt, um . sich hinzüMrsen am Grabe des Propheten und, die, Schleppe der Qriineit <Dedfe zu küssen,, die Äer des Heiligen Hügel aus» gebreitet ist. .. ' * ' * 1 Lange bltüb er kniend vor dem Grabe und viele Gefällige und Refrains sprach er, und als er sich erhob und zum letzten Maile den heiligen schwarzen Stein küßte, fetzte er frohlockend den grünen Fez aufs Haupt,, denn dieser Ehre erfreuen; 'sich alle; die der Gnade teilhaftig wurden, am Grabe des Heiligen zu knien: ' Den Weg nach Mekka war Abu Bekr zu Fuß gegangen. Nun aber gezienrte ihm nicht mehr, ebenso zurückzukehren. denn 3lbu Bekr war jetzt nicht mehr einer der einfachen Einwohner der Stadt Bagdad, sondern der Abu Bekr mit dom grünen Fez, welcher der Gunst, am Grabe des Propheten zu knien, teilhastig geworden war. Doch Geld, um einen seinen und feisten libyschen Esel zu laufen, hatte Abu Bekr nicht; so kaufte er denn einen kleinen, mageren, der nicht größer war als eine der Ziegen im Felde. Der Weg war lang und schwor. Viele spitze Sterne lagen herum und Stacheln, die wie Schwerter schnitten^ umld verschlungenes Dorngostvüpp — und der Esel war kurzfützig. Abu Bekr aber war lang. . "Sehr lang war er. und seine Füße schleiften auf dem Boden und stießen sich an den spitzen. Steinen und den verschlungenen Stacheln. Hatte der Esel lange Füße, wie wohlig würde Abu Bekr aus seinem Rücken die grauen Wolken beobachten, die über dem blauen Himmel verstreut umherstveifen, und des Nachts die glitzernden Sterne — wie es nun einem Manne, geziemt, den der Prophet auserkoren hat, sein Grab zu sehen und zu küsien, und der schon den grünen Fez trägt. . s CENTRALSPEDITIONSBUREIU Telephon: (vormals Brüder Wittels) 18.455,19.481, . ' 20.835 wieij I., Biberstrasse 8 Telegramme: Centralspedit. ' Wien Güterübernahmsstelle: L, Gonzagagasse 13, Telephon 14-2-61 Filialbureau: XVIII., Währingergürtel 21, Telephon 23-1-28 Eigenes Lagerhaus: XVIII., Antonigasse 13 Eigene Magazine mit Geleiseanschluss in Station Wien-Michelbeuern, Wien-Ostbahnhof, Nordwestbahnhof und Matzleinsdorf Internationale Spedition»- n, Möbel-Transport-TJnteniehmwiig *u günstigen Preisen, prompt ab Lager "Wien. * Drehstrom (50 Per.): 29 St. B 5 PS 120/210 u. 220 380 Y. 1380 T. 8.8. W. 4 St. 7 5 PS 120/210 u. 220/3 0 V, 1390 T. 8. S. W. 3 St. 10.2 PS 120/210 u. 220/380 V. 1400 T. 8.8. W. 5 St. 22 PS 120/210 u. 220/380 Y. 1410 T. S. 8. W. ISt. 2.5 PS. 5 St. 8 PS. 1 St. 3 PS. 1 St. 3.6 PS. 2 St. 6 PS. t St 8 PS. 2 St 13.6 PS. ISt 28.2PS. ISt 37.6PS. Gleichstrom: 110 V. 110,220 n. 440 V. 110 V. 220 V. 440 V. 440 V. 220 u. 440 V. 440 V. 440 V. 1400 T. S.S.W; 1800 T. S.S. W; 1300 T. S.S.W. 1600 T. S.S.W. 1600 T. &s.w; 1260T. S.S.W, 1420 T. S.S.W. 690T.6tU t\M, 900 T. rer. s. es. int Sämtl. Elekfro-Material fftr Stark- und Schwachstrom-Installation. Grosse Posten in elektrotechnischem Porzellan, Glasrollen, Schalter, Fassungen, Steckkontakte n. s. w.', sowie Kabel, Drähte und Litzen in jeder Menge zu den kulantesten Bedingungen. ** Elektrizitäts-Zähler für jede Spannung. I J 1 I «hLaa£ll!*la ftl* jafa* ^a f fil Eigene Sammelverkehre von und nach der Tsche cho-Slowakei^ Polen, Jugoslawien, Italien, Rumänien, Schweiz, Deutschland lllvll U. UölUlti aller Art liefert waggonweise wie auch einzeln Expressverkehr nach Budapest 10*9 Chemikalien Vertretungen in allen grösseren Plätzen des In« und Auslandes für Industrie, Ge .. erbe und Landwirtschaft leiegr.-Bör.: MvdiMR« h ien, I. Bezirk, Graben, Tratti^erhof 2 m itiepbts Br. 23282 Ing. Prot Camillo BrMner & Co., Export elektrotechnischer und technischer Maschinen v. Betriebserfordernisse für Industrie und Landwirtschaft Wien, VIII., Langegasse 70. s87i Telegramm: Dynamomotor. Telephon 37-5-07 nanr Original „FR AM AG“ MT sofort lieferbar! Alleinverkauf für Oesterreich, Polen, Jugoslawien und Neu-Italie»: tosa Hch. WEISSin Wien, X.,'Laxenburger«tra83a 75. Telephon 54*2-60: