Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 805 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Wien, Sonntag (Zadik schccjno tow). Aber auch umgekehrt Hecht es da» selbst Z, 11: „Wehr dem Frevler, der böse ist." Gibt es denn einen bösen und einen nichtbösen Frevler? Allerdings! Wer döse ist gegen den Himmel und böse gegen die Mitgeschöpfe, der ist em böser Frevler, wer aber nur base gegen den Himmel ist und nicht böse gegen die Mitgeschöpfe, der ist ein ,.::chtböser Frevler". Gorki würde also der Talmud einen .Nicht» bösen Frevler" nennen und Dostojewski einen «nicht guten Gerechten". Und MofeS (4. Buch, 20) am „Haderwasser". der iw Uebereifer die Ehrfurcht, gegen Gott.verletzt, der es nicht so genau nimmt, nur um dem dürstenden Äolke gleichsam ntii gesteigerter Sicherheit und - schnell Hilfe zu bringen (statt bloß zu reden, > schlägt er mit dein Stab zweimal an den Felsen)... er ist die große, rührende Figur, das tiefste Symbol dieses tiefsten aller menschlichen Konflikte. Wäre diese Szene nicht symbolisch zu verstehen, so wate die grau» same Strafe seiner geringen Verfehlung (Gott verkündet ihm sofort darauf, daß er das gelobte Land nicht betreten werde), diese so lief synrbolische .Strafe nicht verständlich. » Der edle Franzose P. I. Jouve war seit Beginn der Krieges freiwilliger Krankenpfleger. Ich lese sein Gedicht «Der Sang vom Spital". Welch, ein Heroismus! Die keusche Schwester, die Krankenwärter, brave Burschen, die über» menschliche Arkrit leisten, «Ich sehe keine Wahrheit mehr", sagt Jouve zum Schluß, „als die, dem Kranken Linderung zu bringen un8 geduldig zu leben, auf daß er lebet" In meinem Innern sagt etwas nicht „Ja" dazu. — Typhuskranke und ihre unermüdlichen Pfleger, die entstellten Opfer des Krieges und ihre Mütter, die sie zum letzten Male sehen, vom Dichter getröstet — das alles erscheint wir mit einem Mole in seiner Gesamtheit als eine ungeheure Statisterie des Höllenabgrundes. Es find, nicht zwei einander gegenüberstchende Parteien, die, welche gepeinigt werden, und die, welche trösten — Nein, «S ist eine einzige Partei von armen Höllenbewohnern, es ist die Maschine deS Unheils, des Kotes, die sich wütend hecumschwingt, ohne Ausweg, ohne Erfolg. Will ich mir dieses Gefühl nachträglich klarmachen, so komme ich etwa auf folgende Ueberlegungen — ohne daß ich dafür einstehen kann, daß sie fich auch nur annähernd mit dem Grundgefühl decken: Es könnte wie eine Apologie dieser Schmerzen klingen, wenn man feststellt, daß sich an ihnen Herzen anderer Menschen (Herzen der Pfleger und Helfer) emporläurern. Ja, wenn es wirklich die „einzige Wahrheit^ ist, den zerfetzten Zielscheiben der Granaten Beistand zu bringen, wenn es Menschen gibt, die diesen Labedienst mit innerer Beseligung, mit stiller Freude, mit erhabenem Glücksgefühl verrichten, ja, die erst in ihm den Vollfinn ihres Däferns, die Urgestalt ihrer himmlischen Seele auS sich selbst herausschälen — dann haben ja auch di« gräßlichsten Krieg-- Verwüstungen einen «Sinn gehabt, hinter dem EugelSglanz sich onftut, dann ist es nicht mehr weit zur «christlichen Einsicht", daß Leiden bester Inhalt deS Lebens find. Damit aber wird das „unedle" Unglück des Kriegs« lazaretts zu einem „edlen" Unglück hinaufgelobt. Und das ist es, wovor man sich hüten sollte. — Nichts zu sagen gegen den Dienst in solch einem Lazarett, solange man fühlt, aufschäumend vor Empörung und Unruhe fühlt, daß all das hier auSgebreitete Elend Folge des durchaus unnotwendigen KriegZwahnfinnS einiger Herrscher ist. deren Wahnsinn zwar immanent scheint, denen zu gehorchen jrdoch dir Menschheit nur infolge ihrer mißglückten Organisation vorläufig bemüssigt ist. Ruhe und Veredlung unter der Fahne des roten, blutroten Kreuzes empfinden — das scheint mir schon ein Abweg. Den Krieg sabotieren ist wichtiger als ihn bedienen, sec eS auch in philanthropischer Absicht. Wenn nun aber der Krieg schon ausgebrochen und ein Teil se-neS Unheils nur durch Lazarettdienst zu mildern, ist, daun ge- - schrcht dies doch in innerer Auflehnung gegen eine so überflüssige Spezies des Weltunglücks. Aus dem Buche eines anderen Dichters, der als. SamtatSsodrt den Krieg mitmachte (Armin T. Wegner — „Der Weg ohne Heimkehr", Ein Martyrium in Briefen), spricht solch schöner Trotz, richtige Empörung und Erkenntnis: «daß dies nicht der Wille der Notwendigkeit war". (So heißt eS wörtlich bei ihm.) Aber, Resignation, Friede der Seele, Liekesraufch des Mitleids, Geduld schaffen beinahe Mitschuldige. Daß man eigentlich bei allen Krankheiten (nicht nur bei den frevelhaft erweise durch menschliche Geschoßindustrie erzeugten, nein, auch bei den «natürlich" eintretenden) dieses seltsame Gefühl der Auflehnung gegen ein Unrecht hat. deutet doch darauf hin, daß unsere Lebensweise oder unsere Heilmethoden oder beide unrichtig sein mögen. Ein Hinweis auf Vegetarismus, Naturarzneikunde u. ä. ist damit freilich noch nicht gegeben. Das Gefühl, das gewillkürtes Unglück vom notwendigen scheidet, sagt wie des Sokrates' Daimonion nur „Nein", niemals „Ja". Eine phantastische Nebenbcmerkung: Wäre wirklich die ganze ärztliche Wissenschaft mit ihren Salben und Rezepten eine Geißel der Menschheit, dann hätte bei dem Umstand, daß den Juden ein Hauptanteil an der Entwicklung der Medizin zulommt, das Judentum unbewußt die fürchterlichste Rache an Edom . genommen. Es wäre ein geradezu ungeheuerlicher Beweis für Strindbergs „gerechte Vergeltung in der Weltgeschichte", wenn die Juden, durch Rom und ihre «Wirtsvölker" vom Boden losgerifsen, 8er Natur entfremdet, gerade infolge ihrer' Naturentfremdung das Zutrauen zum geheimnisvollen Wirken der Naturkräste im Menschenkorper verloren, zu gekünstelten Mittel« gegriffen und mit all ihren Dekokten den Peinigern, freilich auch sich selbst die allerärgste, jahrhundertelang während« Oual nie erlöschender Krankheit zugefügt hätten. Und hieS alleZ ate&.Mtäk.te M tzz» tejtm v j Wiener Morgenzeitung 24. April Et Rr^ Eine ganz ähnliche (Stimmung überflog mich einmal beim Ducchblättcrn älterer Jahrgänge von ,.2'Jllustrat'on". Diese fröhlichen Kolonialkriege — elegante Pariserinnen ' zu Besuch trn Zelte deS ..HeldengeneralS" — die leichten Tropenhelme — das anmutige Weiß — und wie leicht, kinderleicht das moderne (fast hätte ich gesagt fashionablei Kleinkälibergeschütz in die bambusstrohgedcckten Dächer der feindlichen Hauptstadt feuert — man spürt förmlich, wie nutzlos der Widerstand irgendwelcher Siamesen oder Marokkaner gegen so vollendete Präzisionstechnik der letzten Errungenschaften ist, wie glatt und klar sich ein solcher Schcinkampf abspielen muß... Aber getrost! Diese ..Wüten" nehstien tausendfach Blutrache für all das/ was man ihrer Wehrlosigkeit antut. Nicht der eigenen Hände bedienen sie sich dabei; auf geheimnisvolle Art sorgt Gott dafür, daß fremde Machte, an Segnungen der Technik dem Sieger ebenbürtig, die grauenvolle Bestrafung zur eigenen Sache machen. Spürt denn niemand/ daß gerade die «Wehrlosigkeit" der Kolonialvölker, ihre Fähigkeit, Ausbeutungsobjekt zu werden, zum Fallstrick für Europa werden muß — denn um dieses jedem Zugriff offene Objekt, um diese. Greuel auf Kolonial« expeditionen, die scheinbar ohne große Opfer anslaufen, entzünden sich immer aufs neue die Greuel europäischer Schlachtfelder. Le weither es nachgibt in der Materie Asiens und Afrikas, desto wilder wird die Begehrlichkeit der „kulturtragen, den" Nationen aufgesporirt. Jedem erschossenen Neger sind Tausende von Briten,. Franzosen, Deutschen, Italienern usw>, gegenseitig voneinander erschössen, nachgefolgt. Und solange die europäischen Nationen nicht einmütig auf kapitalstische «Durchdringung" der schwächeren Volker verzichten, so lange müssen sie.zur Strafe mit dem blutigen Schwert eine die andere «durchdrrngen". ' Ueberlegungen, wie die eben, gemachten, such imstande, das „Sonderungsgefühl" für edles und unedles Unglück zu scharfen. Ob hie Theorie, das religiöse System von dresein Gefühl Gebrauch machen will, ist eine andere Sache. Ist alles Unglück edel? Oder gibt es nur unedles Unglück? Oder beide Arten neben- und ineinander? —• Das ist der Punkt, an dem die Geister sich scheiden. Von hier aus fasse ich denn auch den Grundunterschied zwischep Judentum und Christentum. , Charakteristisch für das Judentum ist, daß. es dem unedlen wie dem edlen Unglück ihre Stelle im Weltplan und ihre Reflexe im Verhalten des Menschen anweist. Das Christentum dagegen vernachlässigt das unedle Ungl nck zugunsten des edlen Unglücks. Das Christentum betrachtet jedes Leid als. n o tw e n d ig, als e d e l. Jur Geschichte der Petzach- Agada. EiärireMi*. Von Dp. Zosef Meisk. Kein jüdisches Buch ist nächst der Bibel so bekämst und populär, keines selbst dem assimiliertesten Juden so geläufig, wie die schlichte und kunstlose und doch so reizvolle Peßach- Agada. Sie hat keinen Autor, sie ist ein Produkt» des Volkslebens, das in Erhaltung des biblischen Gebots von der Erzählungspflicht des Vaters über den Auszug aus der ägyptischen Ky-rchtschaft dem von den Gesetzeslehrern für die Frager: und Antworten vorgefchrie^nen Rahmen Stein auf Stein hinzufügte, bis der bekannte Text vorlag. Wie haben wir uns mn; nach den Forschungsergebnissen der Wissenschaft die Ent» stehung dieses Buches zu denken und wie ist dieses Buch den Mittelpunkt der jüdischen Feier, die wir an den beiden Sederabenden begehen, gestellt worden? Die handschriftlichen Agada-Exemplare, die. auf uns gekommen find, reichen nicht weiter zurück, als in die Zeit Moses MaimonideS, d. h. in das zwölfte Jahrhundert. Ob schon in der talmudischen Zeit besondere Au^eichnungeN d-s Rituals und der Erzählung, etwa dem Inhalt der Agada entsprechend, vorhanden waren, wie M. Friedmann angenommen hat, ist sehr bestritten, jedenfalls nicht bewiesen. Gleich» wohl find die Bestandteile -ei: Agada älteren Ursprungs und die Gebräuche des Peßachvituals bestärken teilweise schon zur Tempelzeit. Die Mbelworte: ..Und es soll Seschehen, wenn eure Söhne zu euch sprechen: Was soll euch dieser Dienst? So sprechet: Ein Peßachapfer ist es dem Ewigen, der hiriwegschritt über die Häuser der Kinder Israel in Mizrasim, als er die Aeghpter schlug und unsere Häuser verschonte usw. Und tue kund (wehigad'to) deinem Sohne an temfelfcen Tage mit den Worten: Um des willen, was der Ewige mir getan, als ich auSzog aus Aegypten..." (Exodus 12, 86ff., 18, y) — bilden den Ursprung der Peßach-Agada. Dreimeck eyzAhlt die Bibel in den. historischen Büchern, wie die Vorschrift des Peßach praktisch ausgeführt wurde. Auf dem Gefilde von Jericho, feierte Josua mit den Seinen während der Lagerung in Gilgal das Peßackfest. Mit besorrderec Umständlichkeit schildert das zweite Chronikbuch (30 und 85) in teilwekser Uebereinstimmung mit dem zweiten Königsbuche die großen Feierlichkeiten, die unter den Könige Chiskia und Jofia M der Darbringung des PetzachopfetS veranstaltet wurden. Chiskia ordnete an, daß dieses Opfer vok da an nur im Heiligtum in Jerusalem dargebracht werde, und verlegte das Fest in den zweiten Monat, weil sin ersten die die Zeit' der Feier nach dem Gesetze ankündigende Gerstenreife noch nicht eingetreten war. War das Volk dem Ruse deS Chiskia picht sehr freudig gefolgt, vielleicht weil es von der bis dahin geltenden Sitte der Opferung des Pcßachlammes auf Privataltären nicht lassen wollte, so beteiligte eS fich in hellen Scharen an dem von Josia veranstaltete« Gemein fchaftsftste» däS fich dikrch Musik und Leviten^efang großartig gestartete. 3tow Ut» ft&uik ääßOtttiexL hfa. dl jM dEi , gemeinen' wahrscheinlich in der ganzen Zeit deS Tempete kultus behielt. Daß diese Feier eine ständige Einrichtung blieb, wÄtz män aus verschiedenen Andeutungen und W-! legentlichen Erwähnungen in zeitgenössischen Quellen, wie zum Beispiel in den Paphrusfunden von Elephanttne. Doch offizielle Opfer durfte nur in Jerusalem dargebracht Werders mau könnte deshalb meinen, daß nur dort mn gemeiuschafi-. liches Festmahl gehalten wurde. Aber so sehr auch für dick außerhalb Jerusalems' wohnenden Juden die geistige Form! des Kultus, nämlich die Versammlung zu Gebet und Schrift-, auslegung, die Hauptsache sein mochte, so kam es ganz naturgemäß dahin, daß, ebenso wie fm den heidnischen Kultvereine«, auch die Juden der. Diaspora von' Zeit zu Zeit zu festttchM Opfermahlen zusammenkamen. In diesen von dem Brennpunkte der heiligen Stadt entfernten lokalen Feiern lag Wohl der eigentliche. Kern der häutzbichen Peßachfeier und hier haben die zur Peßach-Ägada vereinten Elemente ihre Goburtsstätte. Eine Reihe von Auffchlüssen über die Entwicklung des Peßachrituals gibt das Neue Testament. Nach der Darstellung der Synoptiker ist das letzte Mahl, welches Jesus ' mit seinen Jüngern genossen hat, am „ersten Tage der ungesäuerten Brote" vorbereitet und am Abend eingenommen worden, es müßte demnach ein Peßachmahl gewesen sein. Ob dies wirklich zutrisft und ob, wie die Berichte der Synoptiker behaupten, Jesus in der Nacht nach dem Mahle gefangen und vevurteilt und am folgenden Tage, das heißt dem ersten Peßachtage, hingerichtet wurde oder ob hier etwa eine andere Kalenderberechnung zugrunde liegt, mag hier dahingestellt bleiben» obschon darüber eine reiche Literatur de- . steht. Wichtiger für unS ist, ans diesen Mitteilungen einiges auf das Peßachmahl Bezügliche zu entnehmen. Hier ist die Rede von dem Eintauchen in die Schüssel, dem Lobgesang „Hallel", dLm bequemen, gepolsterten Lager bei der Mahlzeit, dem Gebrauch deS Weines, Bräuchen, die zum Teile keine Spezialität des Peßachrituals bilden, aber jedenfalls mit ihm ebenfalls verbunden gewesen sind, wie die .ganze, nicht gerade auf die Schilderung des. Petzachmahles, sondern anderer Ereignisse grrickstete Darstellung zweifellos ergibt. Wir sehen also, daß zu den Feierlichkeiten des Opferkultus eine Reihe, neuer Bräuche bei dem Mahle hinzuiriit. So bedeutungsvoll diese symbolischen und charakteristischen Bräuche sind, so wären sie nicht vollkommen, wenn nicht für die zur Evfüllung des biblischen Gebots gleichfalls notwendige Auszug-. erzÄhlung bestimmte Vorschriften bestanden hätten. Uuh daßder». so war. lehrt der Mischna-Trakbat „Peßachim", welcher neben anderen Bestimmungen über das Petzachfeft auch der^ ersten Agadatext enchält. Hier finden wir auch die erste Form«-, lietuwg der vier Fragen: «Was ist dieser Nacht vor allen, anderen Nächten verschieden? Denn in allen Nächten tauchen^ wir einmal ein, in dieser Nacht zweimal. Denn in allen: Rächten affen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, in dieser... Nacht nur Ungesäuertes. Denn in allen Nächten essen wir'. Flisch gebraten, gesotten und gekocht, in dieser Nacht.pur gebraten." Di«s? Fragen unterscheiden, sich von den jetzt; ge- , bräumlichen erstens durch die Reihenfolge der Aufzählung untz;.. zweitens dadurchdaß die letzte Frage durch eine andere,' nämlich: «In allen anderen Nächten essen wir entweder frei-; sitzend oder angelehnt, in dieser Nacht sitzen wir alle angelehnt"! ersetzt wird. Diese Veränderung entspricht dem tatsächliche«, Verlauf der Ghthuidlung. Die Frage nach der ZubereitungS-t art des genoffenen Fleisches hatte nur einen Sinnsolange' der Opferdier^t bestand, und war in dem Mommt, in welchem! sich die Feier wicht rmhr um das Peßachlamm, wie zur Zeit des) TvmpÄS, konzent-rieren konnte, gegenstandslos. Zugleich kau«, aus dem Text der Mschna gefolgert werden, daß bereits wöh». rend des Bestandes des Opferdienstes die Auszugserzählqmgdl aySgeheNd von den vier Fragen, schon eine deutliche,- immetz. weiter sich fortbilberrde Gestalt angenommen hatte und immen. mehr in den Mittelpunkt des Festaktes ruckte. Damit doll- . zog sich eine immer stärkere Entmaterialisierung der Fest-j. .gebrauche, eine Entwicklung im Sinne des bekannten AuS»! spruches des R. Ganckiel: »Wer nicht diese drei Worte am> Peßach gesagt hat, nämlich Peßach, Mazza und Merorim, hat» sein« Pflicht nicht erfüllt", was bcsagssn will, daß nicht der Genuß deS Peßachlammes die Hauptsache ist, sondern daß «an denr Feste durch die Erläuterung seines Inhalts eine geifttge Bedeutung verleihen müßte, Stand einmal die Uebmig fest, daß die Anregung zuder dem Vater obliegenden Erzählung des Auszuges durch die Fragen der Sohnes gegeben werden sollte, fo bedurfte es nunmehr einer n^eren Festsetzung der Antwort. Die Misihna sagt: „Gemäß dem Verständnis des Sohnes lehrt ihn febt Vater. Cn: fängt an mit Schmide und endet mit Lob." „Schande",' das heißt nach der einen Version die Götzendienerei in der vorabrcchamitffchen Zeit, nach der anderen- Version die Knechtschaft in Aegypten. Unser Agadatext entspricht dieser Auffassung, indem Nach der Fragestellung die Antwort sofort mit dem Stücke „Knechte waren wir usw." und mit dom noch Zung hier als erster Quelle flehenden Bericht -über die Auszugserzählung der vier Weisen in: B'ne Brak einsetzt und nach Einschaltung anderer Stücke zn der- Göhendienerdi in der Zeit vor Abraham übergeht. Einen ganz besonderen Wert legte man auf die denr' Traktat „Berachot"entiwmmene', mit den Worten „R. Clerrsor^ Sohn AsarjaS, bemerkte" beginnende Einschaltung, so daß. N'. Natrons» erklärte, daß derjenige, der dieses Stück fortläßt, sich gegen die Vorschriften der Weisen vergehe und als Ketzer von allen füdffchen Gemeinden ausgeschlossen werde«, rnüßte. Der folgende, mit mannigfachen AenderungcN. anderen Quellen (insbesondere dem jerusalemischen Talomdss entnommene Abschnitt ist die allgemein bekannte, vielfach illustrierte Darstellung der vier Typen, welche vier verschieb de«e Arten -des Verhältnisies zur Religion re-präsentieren. Nebenbei sei hiev auf die oft schon bemerkte und ajjtrf Ä«E<M. lim MDÄWM . «WM mam m