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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-24 · Heft 805 (24.4.1921) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 805 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 805 Wien, Sonmag österreichischen Sozialdemokraten arbeiten und auf diese Weise ihre Position stärken wollen. In Liebermann erblickte sie aber im .Verlauf der langen Untersuchung nur einen. . Agitator, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht habe, die russische und polnische Judenheit für den Nihilismus und Sozialismus zu gewinnen, allerdings, ihrer Meinung nach, ohne grotzen Erfolg. -. - ' Während der Untersuchung hatte die Polizei, die über den'Stand der Angelegenheit nicht nur das Ministerium für Inneres, sorrdern muh das Jriformaiionsbureaü des Aus-, wartigen Ministeriums — eine Art russische dritte Abteilung — informierte, versucht, alle Fäden der ganzen Propagandaarbeit, sowohl der Nihilisten als auch der Sozialisten, aufzudecken. Inzwischen cchiclt nun das Jnformationsbureau von seinem Pariser Konfidenten Isidor Schmidt, genaue Mitteilungen über. die „gefährlichen Sozialisten" Gebrüder Rom und Hermann Gurewicz, diein einem engeren Kontakt mit Liebermann standen. Im selben Zeitpunkt wurde - auch in Berlin ein Prozeß. gegen Dr. Karl Noviling, der einen mißlungenen Attentatsversuch gegen Kaiser Wilhelm verübt hatte, geführt. Da nzvn die Wiener Polizei recherchiert hatte, daß im August ■■1877-. hr einem Wiener Hotel ein Rentier aus. Berlin namens Dr. Nobilirig und ein Baron Dr. Rudolf Ratacki gewohnt' hatten und der zweite Name mit einer kleinen.Variation..auch in LieberiuannS Briefen voriam, so meinte sie,, schon Sppren eines Zusammenhangs zwischen Liebermann und den. Anführern dieses' Attentats gefunden zu habm.< Aus diesem Grunde hatte auch das. Ministerium eS für notwendig erachtet, hievon'die Berliner Regierung zu verständigen. Noch, einer kurzen diplomatischen Korrespondenz teilte' auch der österreichische Korrespondent in Berlin, 'Graf Karolhi, am 26. Juni 4878-nach Wien mit, daß die Berliner Regierung sich entschlossen habe, nach Men einen „mit der sozialdemokcastsch-nihilistisch-anarchistischen Bewegung auf das genaueste bekannten Kriminalkomissarius Krüger zwecks Einsichtnahme in die Untersuchungsatten Lieber-- marmS" zu entsenden. 1 Die Untersuchung gegen Liebermann dauerte monatelang. Man suchte nach den Personen, die irgendwie in seiner Korrespondenz erwähnt wurden. So fand zum Beispiel die Wiener Polizei 'einen gewissen'Brojbo aus Wilna, der zufällig . in diesem Zeitpunkt nach Wien gekommen war. Da dieser Äamd in' Liebevmanns Korrespondenz .'vorkam, genügte es schon, ihn zu verhaften. Beim Verhör gestand Bröjdo auch, daß er in Berlin die Versammlungen der russischen Nihilisten besuchte, was natürlich die Wiener Polizei zu dessen sofortiger Abschaffung veranlaßte. Mit einer ge« - radezu fabelhaften'GenMigkeit führten die Wiener Behörden die Untersüchilng gegen Lieber mann,' der sofort nach seiner Verhaftung in' das Gefangenhäüs des Landesgerichtes abgeführt ivürde- und nur dank i den Bemühmrgen seiner Freunde-Mir Friedmann (Jsch Schalonr) und anderer war eS' Möglich,' ihm' gewisse Erlichtevungen zu verschaffe^ ' ES fehlte buch nicht viel, daß in diese ganztz Affäre aüch der. Redakteur'des' „.Haschachar", Perez Smolenskh, in dessen Dtuckever^Ärebermünüs' Zeitschrift .fHaemeth" gedrückt würde,' hincingezogew worden wäre, An Sntolensky sah nmnlich die ' Polizei einen ’Förderer der Propagandaärbeit LiebemiiannS, wie.auch .einen Mann-,' der' „öern Treiben' dieser Leute" — gemeint sind natürlich nür Liebermann und seine sozialischen Gesinnungsgenossen ,-Vorschub" leistete.' Nur dank einer entsprechenden- Intervention ist es Perez Smolenfky gelungen, ans dieser' Affäre ohne strafrechtliche Folgen dävonzukommen. Gegen September wurde die Untersuchung abgeschlossen für Anfang'November die Verhandlung dieses polittsch'en Mor'istcrprozesses festgesetzt. / - Am-Ist,. November .1878 fand, im Wiener. .Landesgericht ' unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Derlei die Verhandlung gegen Liebfirnrann. statt. Der..Angeklagte —-wie . die Berichte Mitteilen — ein »kleines, schmalbrüstiges Mäirnlein", hatte sich gcgep. die Beschuldigungen als „Agent der internationalen revolutionär-sozialistischen Union", die von Wien aus eine -Verbindung, -zwischen den einzelnen sozialistischen Stellen - NN Ausland schgffen und erhalten wollte, .zu veraniworten:' . Ruhig, .antwortete ec auf alle Fragen des Vorsitzenden... Kaum aber verlangte dieser von ihm.Auskünfte über'fremde Personen, mit denen er in ständigem Kontakt 'sta-ph, -verweigerte' L.iebermann in cmfgeregtem Tone jedwede- Antwort-.mit der Begründung, daß er nur'verpflichtet sor> Fragen,- die--seine -Person betreffen, - zu beantworten. Ja, die »Neue Freie Presse" stellte sogar in ihrem Bericht ganz besonders -fest,, daß Liebermann sich immer „klar und nicht in jenen höhlen Phrasen, welche unseren Sozialisten. so geläufig' sind,-'.ausdrückt. Freilich r-st er auch -nicht, .frei, von Schwärmerei.und! jener Verschwommenheit.-Veir.Begüffe, welche chei..Mensöherr' mit lebhafter Phantasie--'sp häufige an die:.- Stelle.präzisen Denkens und logisch.richtiger Schlüsse tretem--MM siehtt'es aber aus-jedem--Blicke,-man -hört es aus?i xedemi-MvD' des Angeklagten- --daß'- es --seinereine, nicht zu -eMMehstde. Ueberzeugung ist, was er. als sein politisches Hrögvümm. bezeichnet. Er.fühlt'sich als der Märtyrer einer gerechten Sache, er sieht die lange Lej-enskette, . welche ihn ierwac^t, bot-sW hält'es aber für sein Verhängnis. und zugleich für die Aufgabe seines Lebens, auf dein' eingcschlagcncn Wege gmtig his .ans Ende zu gehen. Nur in den .FeMn be$ schrankenlosen Absolutismus und der jeder Gerechtigkeit hohn-sprechenden Willkür,-wie sie? Rußlandseit Jahrhunderten trägtkonnte der verderbendrohende« Gedanke der Zerstörung alles - Bestehenden reifen, den Bakunin gleich einer BraichWel unter die empörten Geister eines mit Fitsten getretenen, .aber .nach Freiheit dürstenden Volkes' geworfen, itiib geradtzsdiefe gefährlichste Sorte der-Sozialisten ist cS; ^welche, glleist^ unter allen, Parteien dieser Richtung ein - klare's^.'beivn'tzteI^Atel änstrebk:' die Vernichtung 'alles desscu, was mgnMiMr GM und .«renWiKs - .Axtzert - seit' Wiener Morgerrzetmng - -—__£_' —- - T Jahrtausenden geschaffen. Aron Liebermann oder, wie er sichselbst nach seiner Flucht ans Rußland nannte, Arthur Fremay bekennt sich offen zu dieser Lehre."*) Wir -wollen hier auch einige biographische Daten, die Liebermann vor dem Gericht mitteilte, wiedergegoben, da dessen Biographen S. L. Zitron **) und Dr. M. Berkowicz ***> nur in kurzen Strichen seine Leöensgeschichte geWtdert haben. Lvobermann ist in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts in Luna, im Grodnoer Gouvernement, geboren und schloß sich in seiner frühesten Jugend, wo er Assekuranzbeamter war, der soziqlistischen Strömung an. 0t faßte den Entschluß, für den Sozialismus unter den jüdischen 'Massen Anhänger zu gewinnen. Im Jahr 1875 organisierte, er zusammen mit Dr.,Kantor,, dem späteren Redakteur des ersten modernen hebräischen Tagblattes („Hajom"). im W'ilncrer Rabbinerseminar eine geheime revolutionär« Gesell-' schuft, die aber gleich nach ihrer Begründung von Len russischen Behörden entdeckt wurde. Liebermann wurde verhaftet, es gelang ihm aber, zu flüchten. ' Bon Wilna, wo er seine Frau und drei kleine Kinder zurücklieh, begab er sich nach Paris und hier beginnt sein Wanderleben. Bald ist er in London,, bald in Berlin und i bv-ft tritt . <r .i-'-tcr. dnn' - N ninn -'ft-ur ^r auß -führt' eine .rege Propqgcmdaqrbeit und schickt Flugschriften mtt> geheime Literatur nach Rußland. Im April 1877 läßt er - sich in Wien nieder und beginnt seine Zeitschrift ..Haemeth" herauszuheben,' um auf diese Ärt in der jüdischen'Intelligenz den Sozialismus zu"- verbreiten. - ' Besonders interessant ist bei Liebermann seine starke Liebe zur hebräischen Sprache und sein — man kann fast sagen — radikaler jüdischer Nationalismus. Auf die Frage des- Gerichtsvqrsihenden: „Welche Religion?" antwortet er: „Ich bin Sozialist." . Und auf die weitere Frage: „Betrachten Sie das' als Glaubensbekenntnis?" antwortete Lieberrncmn: „Ja, der Nationalität nach bin ich Jude und konfessionslos." Und aufdie Frage, ob er — Liebermann — nur für hie russischen Juden schreibe^ gibt er stolz zur Antwort: „Für alle, die Hebräisch verstehen.* * Im Verlauf der Verhandlung brachte Staatsanwalt Graf Lamezanalle jene „Sünden und Verbrechen", von denen wir oben bereits gesprochen haben, gegen ihn vor, zum Schluß seiner Anklagerede beantragte er Bestrafung, weil der Angeklagte in Wien eine Etappe der extrem-sozialistischen Partei geschaffen und auf' diese Weise den Verkehr zwischen den sozialistischen Parteien in Oesterreich und dem Ausland,, insbesondere, aber Genf, hergestellt hatte. In seiner. Verteidigungsrede '— es ist interessant, daß Liebermann keinen Verteidiger hatte — betonte Webermann, daß, wenn er bestraft würde, dies nur darum geschehe, weil er Sozialist sei, und er-gebe selber zu, daß er cs bis zu seiner „äußersten Grenze" sei, verurteile man ihn aber nur seines Sozialismus wegen, so \ fei er bereit, nicht nur die" Arrest-, sondern auch die Todesstrafe änzuneh)ne.n/ Das österreichische Gesetz bestrafe aber nur denjenigen, der eine Verbindung zwischen den inländischen geheimen Gesellschaften und dem Ausland, herstellc. Dieses Vergehen habe, er keineswegs begangen, denn die Bücher und Flugschriften habe er aus dem Ausland erhalten und.sie nach dem Ausland (Rußland) geschickt. Wegen seiner Korrespondenz, in der sich der Meinungsaustausch mit seinen Genossen widerspiegle, könne man ihn doch keineswegs hestrafen, denn das könne absolut nicht als eine „geheime Gesellschaft" gedeutet werden, besonders» da ec tatsächlich keiner „geheimen Gesellschaft" angehöre. Seine Verteidigungsrede machte auf den Gerichtshof anscheinend keinen geringen Eindruck. , Denn er wurde vom Vergehen wegen Anteilnahme an geheimen Gesellschaften fveigesprochen, da ja, die - sozialistische - Partei als keine geheime gelte. -Liebermann verfolge zwar in Wort und Schrift revolutionäre Tendenzen, die aber-keinen Bezug auf das Inland haben, sondern lediglich Rnhland tangieren. Wegen Falschmeldung (da er einen falschen Namen 'führte und einen auf Liesen Namen..ausgestellten fälschen kolumbischen Paß bei sich führte) wurde ec mit einem Monat Ärrests und der Abschaffung aus dem Gehret dev int- Reichsrat vertretenen Länder bestraft.. Als Liebermann das..Urteil hörte, wurde er blaß, mit zitternder Stimme fragte er den Vorsitzenden, ob denn eine Abschaffung einer Auslieferung an die russischen Behörden. gleichkomme, worauf ihm der Vorsitzende die Arrtwort erteilte, daß die.Entscheidung darüber nicht in der Kompetenz -des Gerichtshofes liege. , Diese Antwort konnte ihn keineswegs beruhigen. Der Gedanke, daß man ihn gn Rußland, wo ihn nur die sibirische „Katorga" oder die Todesstrafe erwartete, ausliefern könnte, ließ ihch keine Ruhe. - ' , Aber es kam anders. Lieberinann wurde zwar auSgewiefen, jedoch nur an die preußische Grenze gestellt, und hier beginnt ein neues Kapitel in dein dornenvollen Leben' des ersten sozialistischen Schriftstellers in der hebräischen Literatur. j Wien, im April 1621. *) „Reue Freie Presse", Jahrgang 1878, Nr. 6107, vom 14. November. > .- **) In seinem Artikel im „Jude", Jahrgang 1918. Heft 8 bis 9. ***) In seinen wertvollen Artikeln in der „Hazefirah",' Jahrgang 1919, «Miuaarecheth Hgerneth", wo Dr. Berkowicz. einen großen Teil der während Liebevmanns .Untersuchung konfiszierten Korrespondenz veröffentlicht' ' - .$) Ä'ach?icl'?!'i!iiwiiZ A»^ia?e.,st lein Name 'F-^enirnr dieenglische .Uehürsetzüttg'^^ feines' Kantend LwHLrut«m. 24. April 1921 _Seite' g' Die Ausbeutung der Rückwanderer aus Amerika. Aus Nvw-Nvrk-wftd -'uüs berichtet: Die Aus--> beutung von Rückwanderern aus Ameribi nach. der»' valutaschwachen Ländern ist hier zu ein«nr sehr ein-!- träglichen Geschäft einer .Anzahl von Mnkelbanken worden, die den'Heimkehrer beim'Geldwechseln und beff der Beschaffung der'Fahrkarten unter schändlicher -Aus^- Nutzung der Dalutadifferenzen förmlich ausrauben. Dich amerikanischen Blätter haben in der letzten Z^it fu>?i haarsträubende Dinge über diese Mißbräuche veröffentlicht, daß man nun auch in Washmg-ou auf diese Dar--: fälle aufmerksam wurde. Unter dem Eindruck, diesech Kampagne sah sich, der' Senator des Staates' Albany^ Salvator Cotillo, veranlaßt, z-ür Vereitlung 'der Umtriebe angeblicher Bankfirmen einen Gesetzentwurf! einzubringen. Im Sinne dieses Gesetzentwurfes solh^ jeder Mißbrauch, der durch muwmidfreie Datenerch . w ie sen wird, unters be sonders - strenge Straffanktionenjgestellt werden. Es soll auch eine amtliche Auskunft^: und Schutzstelle zu diesem Zweck errichtet werden. Aller-^-' dings wäre es auch notwendig, daß in den betreffenden^'^ Ländern, welche jetzt das Ziel' vieler-ärnerjikauischert Rückwanderer sind, solche Rechts schutzorgamsationen ge- - schaffen werden, welche die ''gesammelten Beschiverdeft den amerikanischen Behörden zur'Kenntnis - bringen!' würden. Die beliebteste Üebervorteilu'ng der Rückwan-(' derer besteht darin, daß ihnen bei der Lösung Won Fährst karten'für die Rückreise nach Europa oder- Leim Geldwechseln ungestempeltes - Geld oder fremde, zum Beist spiel für österreichische Rückwanderer italienische,' franst zösifche oder ungarische Valuten weit Unter dem Kurse?'! aufgezwungen werden, wodurch ihnen ganz bedeutendes Schaden erwächst. In Budapest hat der Auswanderungsst rat den Schutz der Heimkehrer in feinen Wirkungskreis.- aufgenommen. V- / Ste«erfrag«kafte«. Stundung. Die Bewilligung zur Ratenzahlung erlisch^ auch, wenn die während der Stundungssrist fällig gewordenen Steuern innerhalb der gesetzlichen Zahlungstermine nicht gezahlt werden. Da Sie nur me die-Einkommensteuer 1919 und -die beiden ersten Raten 1920 die Bewilligung zur Ratenzahlung bis zur Erledigung der Bernfung erhalten, die späteren Raten aber nickt zu den Fälligkeitsterminen de«»hlt habe«, ist die Steuerbehörde formell im Recht, wenn ste Sie aus den ganzen «och schuldigen Betrag mahnt. Sic können iedoch neuerlich um Raien-, zahlung aniuchrn. — Haus. Goldschmied. -Das einkommen-, steuerfreie Existenzminimnm für 1920 beträgt noch immer K 8400; jedock ist die Steuer um ein Viertel ihres früheren Ausmaßes ermäßigt. Flic 1921 beträgt das 'Existcnzminlmum K 80.000, außerdem find neue Steuersätze festgesetzt. Bon einem Jahreseinkommen von kl 30.000 sind daher für 1920 K 675, für 192t nichts zu zahlen. — Angestellter. Bon den Steuerabzügen in dm Monaten Jänner bis April wird nichts vergütet, jedöch wird vom 1. Mar angefangen vom Jahresgehalt statt des bisherigen 20°-oigrn ein 25°/0ifltr Abschlag gemacht, so daß nur drei Viertel Ihrer Dienstbezüge versteuert werden. — Wiedener Hauptstraße 6. Nach deM '-kurMch beschlossenen Gesetz' sind Verluste ans einzelnen Veränßerungsgeschaften im - Jahre 1920 nur io weit abzngsfähig, als auch Gewinne aus ebensolchen Geschäften im Jahre 1920 erzielt wurden. ^- Vermögen. (g§: ist, anzuraten, daß Sie das Vorkrregsvermogen nicht bloß der Summe nach angebrn, sondern ebenso detaillieren wie das Ber-, mögen am 30. Juni 1920. Hiezu verwenden Scr 'die entsvrech enden- Beilageblätter, nur schreiben Sie deutlich darauf: Börkrrcgsvermögen «ach de« Stande vom 30. Juüi19t4. — Fritz Schl. XI. Sie müssen im ll. Teil -eS BekenntWes alle Kinder und Nachkommen verstorbener Kind« anführen, da Sie auch für die bereits großjährigen, und verheirateten eine Ermäßigung der Abgabe beausvruchen können. Ueberdies setzen Sie in demsrsbeir Blatt für jedes Kind, das kem eigenes Vermögen über ll 15-000 hat, einen Betrag von ll 15.000; also für drei Kinder ll 45.000,’ unter den ausscheidendm Beträgm em. — Bilanz. Das Beilageblatt 3 läßt sich so ausfüllen, daß sich eine Art Bilanz ergibt,) allerdings keine rein kaufmännische, da keine Abschreibungen zulässig sind. Dafür ist das Inventar nur zum Anschaffungswert zu bewerten. Immerhin ist es gut, wen» Sie auch eine Abschrift Ihrer Bilanz vorletzen. * Die heutig« Rümmer ist. 88 Seiten stark und c"**J hält eine Peßach-Beilage mit literarischen Beiträgen. * (gg wird nicht, so arg sein — — Das ist eine Formel,' mit -der ftldes - Schreckensbild verscheucht,., jede'. Eftnds-: darstellung abgeschwächt wird. In unserer Zeit, da er« . ' schütternde Not und wüste Verschwendung Tür an £üre: Hausen, ist es der Zauberspruch, mit dem die Genießer ihr.! Behagen rechtfertigen, mit dem sie den ganzen unbequemen! Komplex von Pflichten, Mitleidsregung, Gemütsbewegung\ seoleurcchig von sich abschieben. Und geben wir zu: Di.e'.- Redensart erfreut sich bei den Juden besondrer Beliebtheit. Denn wenn auch in der. Welt der gutchristlichen Kriegs-, gewinner die Teilnahmslosigkeit gegen den Jammer öey' Nebenmenschen genau so groß ist, so äußert sie sich-doch zumeist, m der - Form brutaler Gla.ichgültdÄt. Das nnß-- trauische Bezweifeln, das 'heuchlerische. Herabdrückenwollew! fremden Leides entspricht so recht dem -jMschen Ärgtvohw in den so viele von uns . Leiden und Ungerechtigkeit hineingehetzt haben. Es wird nicht so arg sein -- das ist das Leitmotiv der Bequemen geworden, der Wahlspruch aller, die sich.- nicht aufregen wollen, am wenigsten über fremdes Leid. Wir haben es zu Horen bekommen, als die erschütterndsten Berichte über die unsagbaren Leiden der Juden im Osten zu uns gelangten, man hat mit dieser Devise alle Schauer von sich abgeschüttelt, die die Pogromschilderungen . bei fühlenden:- Menschen hervorzurufen-geeignet'waren, man hat mit dieseq Redensart.'alle Not> allen Jammer von sich äbzuhattcu gemußt. Wem heute die undankbare Aufgabe zusällt, süc Bedürftige, für Fürsorgezwecke irgendwelcher Art bitten zu! gehen, der bekommt noch immer genau dieselbe Alriw'ort,'- Für alle Luxusbedürfnisse, und . wären sie , die törichlesten^ & aber-'ÄiM^- -

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