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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-24 · Heft 805 (24.4.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 805 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Sonmag Wientt •Mot$enjie\tuu& 24. April 1921 ... Nr. 806 I prompt lieferbar "MP Möbel-Fabrik Johann Grfinwa Wwe Wien, Ir, F 1 ei sc irxn ark t 17. >reiMi^iinr»ii iiiriiiiaaataBMinbmffiimemeamampawaäaHamascMMi Nach' dieser effektvollen Rede, welche deutlich das Niveau erhwuen läßt, von dem aus dieser Träger der Intelligenz und Kultur das indische Problem betrachtet, kam Dr. Wasser -zu Wort, welcher gegen die Nationaldemotraten lvZzog und sagte,, nur sic seien an ' den unleidlichen: Zuständen iin Lande schuld. . Er schloß mit dem beweglichen Nus: „Wie können wir .Polen mosaischer Konscssixn Einfluß bei den jüdifch-m Massen tzeiviunen, wem: ihr durch eure schädliche Politik «uns . die Arbeit unmöglich macht?" Während , der R-^de/ves Dr. Wasser verließen Glvmbinski':und Grap Sf-arbek die Beratung, angeblich wichtigen Angelegenheiten abberufen; sie baten durch den Mund des Erzbischofs- Theodvrvwiez, man mögeohne, sie keine Beschlüsse fassen, da sieerst -ihren Standpunkt darlegen wollten: So schloß' denn, nachdem der /sozialdemokratischem Deputierte Hausner in einer kurzen Rede darauf hingewiesen hatte, den.Juden sei in Polen vielfach Unrecht:' geschehen, und diese Beratung solle dazu führen, das Unrecht wieder gut zu machen,- Theodorotvicz die Ver- ' sammlung mit der Mitteilung, die zweite - Beratung werde er in schriftlichem Wege belanntgeben. .Hoffentlich hört man bald voü den weiteren Beratungen der merkwürdigen' Verstäudigüngsaktion, zu der sich Dr. Diamnn'd die , richtigen Teilnehmer sammengellaubt hat- -- Anland. Wahlen und Krisen. (!kon unserem Parlamcntsbcrichterstalter.) - .Der Nationalrat hak in der abgelaufanernWoche eine Beratungspause eingelegt, da ein Großteil der" Abgeordneten mit der Agitation für die heute stattfindeuden n ic re röste r re ich: l chen Land tags wählen' vollauf beschäftigt, war. Den- LändtagswahlAi in Niedervsterreich werden in wenigen Wochenhie LaMagstvahlen in Tirol und am 12. Juni.die Nationalrats- und Landtagswahlen in Kärnten folgen. Ihr-Ausgang wird vornehmlich von den Christlichsozialen und den Sozialdemokraten mit begreiflicher Spänüung'erwartet, bietet er ihnen doch Gelegenheit, zu ei fahrefa, ob und inwiewett eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen diesen beiden. Parteien, die sich nach dein Rennerschen Rezepte alle Machtpositionen in Staat, Stadt und Land zugeeignet Habens eingetreten ist. . - Die eine Stimme Mehrheit, iVxit bet in her letzten 9far:onalratssitznng der äußere Anlaß für den Rücktritt des Gesamtkabinetts beieitigt. wurde, zeigt deutlich die permanente Kri-'e, in der sich das Kabinett Mayr befindet. Es ist nur zu hegreiflich, daß bei so labilen 50(^1)^ heitsverhälbsnisseu ^owM Dr. A h r e r als auch.Dpktor Gürtler eS.abgesehnt Hähers, das durch den Rücktritt des Dr. G la n z-freigewvrdene Portefeuilles des Innern zu übernehmen. Die. Einführung syt8' Dr.' Uh re r ins Amt ch'äffe — so ward.-versichert- —- den Aufttzk^ bilden sollen füreinen starE äntiso zntz ListisrkMw K uM, der 'znnächst in dem auch von der Entente verlangten Abbau der staatlichen Zwan'gswirtschaft. in, Erschetrmng treten sollte. Voraussetzung für diesen Kurs der starken Hand wäre allerdings eine -trag fahr ge Regierungsnrehr- Da keine 'dieser., VoraussetzunHer^'züMfamihrm^ übrigen' auch die Großbeutschen nicht geneigtst schienen, ihre Stichinen, dem.; christlich so zialen :. Herrn? Ä-Ht,e r, zuHw-"' chenden, ..verzichtetedieser,auf das Hm zchgeh-rAte Portefauillc; ans ähnlichen Gründen hat auch fein Partes genösse-Dt. Gürtler abgelehnt. , ' ' ' : Die Verhandlungen zur Bildung eines st ar teil RegKa/run g s b locks -werden in den nächsten Tagen sehr itttens-iv Betrieben/ werben-müssen. Bisnun war' dir MößlichM^des Regierens für den Herrn Ma hr nur dadurchgegeben, daßihm die- Sozialdemokraten alte inner- Md außerpm-Kmentarischen Schwierigkeiten - beseitigten, damit er .und faine Parier nicht etwa das faule Negierungsgeschäft samt der überaus peinlichen Ber« änttvortung hinwarfarr. Herr Mahr hat darmn bis jetzt mit wechselnden Mehrheiten regiert und manche Abstimmung im Nationälrat ist für ihn nur ans dem' Grunde glücklich yusgegangen, weil die sozialdemokratischen Bänke —ln der Beschränkung zeigt sich die Meisterschaft-^- nicht immer vollbesetzt waren. Nach der Haltung der Großdeutschen Lei den letzten Abstimmungen ist der-''Charakter' des gegenwärtige« Kabinetts als christlichsoziale MiriderheiLDregierun g klar geworden. Nun wollen Herr Dr. Mayr und mit ihm seine Partei aus diesem Zustand des ewigen Hangens und Bangens -heraüH und dem Kabinett eine-tragfähigere Grundlage geben. Die Deutsche Bauernpartei ist..schon.halb und halb für ein gemeinsames Vorgehen, fnit 'den Christlich sozialen front gegen den snzialMschen Umsturz" aus.gegeben batst Mit der SttmrüL^ EMnins gibt bas eine knappe- Mehrheit von ein E -zwei < Stimme«- im Nütio^alvat.- Die Bemühungen dev Christlichsozialen gehennun dahin, auch die 20 Manu starkem Gruppe der Großdeutschensn ein fixes Verhältnis zur Regierungsmehrheit zu hringen. Das dürfte auch gelingen, umsomehr, als .ja hegen die bürgerliche.- Einheitsfront nur der,, nationaldemokratische- Flügel cher - Großdeutscheu prinzipielle Ue-. henken äußert, indem es. aus seinem Programm den Satz .hervorholt, daß die-Partei sich'nicht auf den KlassenstandpMkt,- 'sondern auf den der ganzen Bolks^ Gemeinschaft .stellt, - : Eine Klärung tvird' bereits am, Attitwoch die Pe r-, hand l'nn gd ösL ä n de rLa n kge setzes ich Finanzausschüsse btingem'-Die 'ChristlichfaKiaWn snrd Nicht ge- ' willt, allein Ms Odium - hex Dotteruüg dieser Vorlage zu tragen und - Xiiffeftp erklären,, daß alle Parteien' für das '' Gesetz zu stimNE hMen, wenn seine Bewilligung tat- ' schlick)'aus-gesatttLsLäaM^en Gcwägun'gM nicht zu utngehen dciS'-MichtzL'öMreichische' - SchuldNfslchtsgese^.-Änd-rtzüs Mtihübsbur^ergesetz, --so - joll eg diesrnal däs''Mn8etbanfgesetz" Wr, dessen Annahme unter der D'tvhung etner RLgierungs- und Staätskrtse drirchgedrückt' werden soll. Dieses Einsteklen der parwmLntarischeri 'Situation auf' Biegen oder Brechen hei einzelnen Abstimtnnvgen war-schon im alten österreichischen Reichsratö'eine"'beliebte Methode der wech-- selnden Mgierungen, denen abev im übrigen noch der vielberufene'' § 14 zur Verfügung stand. - ' Wie die Dinge jetzt-liegen, stehen derchristlichsozia-.- len Regierung.nicht - zü - viel 'Wege offen. Die 'Berhand-' langen mit den Finäüzdele»stert'dn des 'Völkerbundes hinterlaffen deii' MudEst daß -Hi8 Mssigmachüng dev ' Kredite noch geraKme'-Zcit 'erfordern kvirö, und - daß' die' ' zu gewährenden Darlehen von Voranssetzirngerr abhyn- - gig gemacht werden, für bie eine einzelne Partei oder Parteigruppierung nur Mver die Verantwortung übernehmen kann. -' \ i - r i f/j- ( iv. Die Situation im Hause äm'Mng'dess lJ. November ist mehr ' denn.ungemütlich geworden und man wird sich nicht wundern dürfen, wenn schon demnächst, vorausgesetzt, daß die beiden großen Parteien mit de,n Gewinnimb Verlustkonto der heute und in den nächsten Wochen stattfindenden Landtagswahl^r zufrieden sind, sich die -Stimmen für die Auslösung des N.ÜLjpuälraites rnehren. .^y wie im Vorjahre'nach der-Uuskstndigung der. stoaMon gerade die am -heHesteü' stumst-eitrenKn Vorlagen, Ve.rmoAensabgab^ und' VLVfassungsre'form, ohne Regierungsmehrheitauf Grund' ' vonParteielwereinbärungen durchgepeitscht' .wurden,. fo-. köchrt^ esstämhi^ Mt' ^aesHehen, daß -.bas' H'aÄs-Lchl'-lAppeit'iiM-'l>ie--W^-rM ünd in der ZwisckMzeit.'nbis'i : den .-^Lahlchrgemäß. tziner Vereinbarilng der. Parteien deü gesämteü Komplex der Vorlagen, weWr - im innigen' Zufachmenliang mit den ''Eus^ttzLN^tts?KwMeu Hhttsttterab'schiebet- Mankönnte barm nM der Ernte, die Neuwahlen vornehmen und' im ' 'Herbst mag . auch schon der Groll,, der die Avalitivnsge-irossen von ernst so streng: geschieden hat-'-wieder verraucht sein, und' die -alte Koalition zwiH-e-tt Schwärz und Rot statt der Eiuheit§- fvont wieder erstehen. . -; '! ^/ ' nasKfxamm Versinkendes Land. Von Eugen Hoeflich. r Nach der Schlacht ging..ich eige Landstraße entlang.. Ziellos, wunschlos, cs' sei denn im Wunsche, dem Grauen zn euttommen, ^rüch..irgendwo friedlich' in diese warme Sonne, zu schmiegen und..alles zu. vergossen, was jüngst um mich;war. Es stand aber drohend noch der dumpfe Zorn der . Schlacht ans dem Lande, auf der einfamen Landstraßeans der einsame Tote 'lagen, verkrampft oder dahingestreckt, freudlos und fahl, wie sie gegangen iuaren, dem uilbekannteu Ziele zu. Grenzenlos dehnte sich rechts nnd links die herzzerreißende Bosfnungslosigleit der Zerstörung. Schwarz beb rannte Häusermauern, aus denen der Wind leisen Brandgeruch brachte,. Geruch von verbcanntenr Fleisch und Bäume, die entblättert und traurig,, tvie. sterbende Gsneratro-- nerl Denksäulen, Wahrzeichen einer unmenschlich unbarmherzigen Zeit dastanden. Rechts und links- Tod war über' dieses Land gegangen.. Kein-Tod aber, der tröstende den Müden in seine Arme nimmt, Tod. vielmehr, der,- hassend und.blutig, die Blüte vor der.Sonile zextritt,.- ehe sie nochVanhub, zu vlnhen. s ' Eins.un ging ich voc dem Tod durch -das be'oünte- Land des Entsetzens, da-ddr Sand des Bodens selbst erbleicht im fahlen Entsetzen des Lcstialischen: Erlebens-- Nichts um niich lebte, und ich ging, - ergeben und bereit, mich vom Tode, der schwer hinter mir hertappte, über-. holen zu lassen, mich gleich' zu machen dem, däs rechts und links vorwurfsvoll vor der-Ewigkeit lag. Und ich ging gesenkten Blickes meinen Weg, bis' mW' ein dnnller Schatten uusblicken ließ. Riesengroß' stand' Pin Pferd vor rnir auf gespreizten Bttnen und aus seinem^ müden weißen Kopf rann eine -schmale.Spur roten- Blutes. Schmer stand es und gewichtig^ als stünde es aus^ Stein hier anfgcbaut, sich ans Leben klalnmornd aus seiner galten Liebe zum Leben. Keine, Flanke bewegt» sich, kein Ohr zuckte, aber aus Utn ffatt*ri Wu%t ein Strahl unendlichen, jamnrervollen, hilflosenSchmer-- zes. Mit dev. M.nen. PWM Vik MiM MM Wschütterte den Rest lauen Wassers in meine , hohleq Hände, die ich'dem Tiere reichte. Aber das- Tier, das arme, unschuldige Tier,, röchelte aus in . dumpfem Schmerz und vernichte nicht die-gelähmte .Zunge zu rühren. Dochaus bemi einen heilen Auge chxach ein Strahstiefster- Dankbarkeit.. Als Dank traf ermein trauerndes - .Auge. Dann aber brüllte es mrf in Der-' zweiflung und sein Blick ward Bitte um Tod. Tief war schmerzendes Mitfühlen ün-,mir,. ich' riß .diL 'Mnde auskinander, daß das Wfser dump^f in den Sandfiel zu den Füßen des Pferde^^Hahnr den'Revolver heraus' und erfüllte des Tieres lMe Bitte. Schüß auf Schuß, Kugel auf Hügel schoß ich in des Tieres Kopf- Rochmals traf Mich, sein Blick, Zittern flog uin seine Flanke, und bann fiel, es.duchpf und schweren den Sand. Hoch warf sich noch einmal fein Hals empor^ Krämpst schuttelien den Leib/'leises Aechzen fiel 'mit rotem Schäum' aus dem leichtgeöffnefan. Mund', Hals saük zurück tmb‘ ich pannte schreiend i>teT Landstraße, hinaus' üstd der Död shinter mir schlug.eüte schnellere Gangart an- I Keine Wüstes keitre- Einisbe der Wüste ist einsamer 'als die Wüste der Bra-ndruinen-, durch' die diese Lmrdstraße des Hammers zog, auf der Europa, gezogen war, seine Handelsgüter Mt Waffengewalt abzüsetzen. Und. ich' schritt durch alles Elend und ich .kostete esaus bis zu- .feinem - letzten- Grund/ benn iu mir war - geöffnet bas - Tielste, aus bessen Pforten das Mttfühlen strömt rn-liebender Hingabe. Nicht verließ mich'- der letzte Blick des sterbenden- Tieres, ^der. mrfgeschrien hatte: Warum m i r-alt dieses Leid , da ich nicht Schuld Mge am Leide der Welt? Ich kam durch Dörfer mvLner jüdischen Brüder; in 'traurigen Hohlen hausten die Uebriggebliebenen. Hunger umstand sie und Schmutz und Fieber. Und M ging und ging und sah das Sterben meiner Brüder in den,verbrannten Dörfern, in den zerstörten Städten^ auf den Trümmern der 'Dethäuser und in den leeren^ hungernden Stuben. Und. ichkam in Städte meiner .Brüder und ich' sah meine Brüder anders, Äs sie gewesen waren. Nicht war mehr auf ihren Stirnen das MM ÜÄrtE M blickten Are MM mb. MM? los' und dann und wann flackerte ein irräZ Licht -höllischer Schlauheit auf. Einer sah dem anderen auf die Härrde^ Und alfa - Zusammenhänge von früher waren zerrissen- Nur der Zufamntenhang des Not band die Widerstrebenden« Alle Jnnerlichfait aber war ar:s der Welt gegangen. ' ' O nwin jüdisches Volk! Alle deine Innerlichkeit^ vost - der ich, dein' abgesplitterter Mohn, nur gehört' hatte, war vergangen. Nicht schlägt mehr, bei den Mählern König David iw die Saiten, nicht trügt unser Lehrer-Mvschdh des Gesetz vor, nicht 'tanzt .mehr Dtiriänr' und nicht lehrt , mehr Weisheit König Schelvmoh-/ Persuuken' sind die Zeiten des Liedes und wranfhrltsanr löst sich, ivas dich' einst band. Europas Krieg, der dich nichts anging, fraß dein Liebstes und fraß dein Größtes. Deipe Dörfer sind zerstört, nicht fühlt mehr bar Schmied, das Unglück des Schächters, nicht fühlt mehr-der Lehrer, mit dem Glücke des .Kaufmanns, der Eine ist'erschlagender Andere ist-geflohen, und nicht klopft wehr der Wächter an 'die Häuser/ aufznrustn die Schläfer zur Pflicht des Gebetes, und aüsdeinen Tänzen bricht nicht mehr hie. äste, hinrc ißende; Freude. Alles Elendder Welt, alles Elend Europasward in deiner Seel« versammelt, aus allem Elend, wußtest du aufwachsen/neue .Generation -meiner jüdischen Brüder. O/ihr, die-ihr ein Erbe-antratet,-von-den: ihr nur aus Erzählungen, wißt, o, ihr Erben verbrannter Bibliotheken, ' zerstörter Häuser, Verschtvundener Mähler und vergessener Tanze, o, ihr/Erben einer, nicht mehr ererbten innerlichen Herrlichkeit, klagt.mit mir, klagt mit miraus der Tiefe eures Herzens, denn um das. größte Erbteil unseres. Volkes hat euch die Zeit betrogen: die Innerlichkeit, die Güte ist! aus» der Welt gegangen. -' ' —s Es wächst ein müdes, gehetztes Geschlecht heran/ das seinen Gott verlor ü,ck> nur dunkle Erinnerungen an "Formen'bewährt, bi« ihm EnMuldigimg sein! müssen für verlorene Inhalte. Ein Geschlecht wächst "Hertz«, bas mit seinem- Blüte seine Güte verlor, sich des Anvechtes oltf die Martyrien scliwp Sendung begab,

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