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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-24 · Heft 805 (24.4.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 805 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wirn, vsoumug Nr. 805 {‘Zh April Ml Seite S Vorstellungen voZ - europäischem Heldentum mit der ruhigen Selbstverständlichkeit derjenigen, 'die ihr Lebender jüdischen Sache verschrieben hatten und wußten, daß es darum gehl, jede Handbreit jüdischen Bodens mit Einsatz der ganzen Persönlichkeit zü behaupten, dem Ansturm aufrührerischer, an Zahl vielfach überlegener Araberhorden trotzten, bei welcher Gelegenheit einige unserer Besten Ahr Leben ließen. , - ■' In diese trühe Zeit bangen Wartens brach die Entscheidung von San Remo wie der Helle Sonnenstrahl durch dichtes Gewölk. Die von Balfour . eingeleitete Palästina-Politik fand durch den Areopag der Mächte ihre offizielle Beglaubigung und damit ist zu dem, was Theodor Herzl anstrebte, der Grundstein gelegt und die Judenfrage zu einer Wettfrage und einer Angelegenheit der internationalen Politik gestempelt worden. Die Ereignisse seit San Remo haben erkennen lassen, daß die politischen Pläne des Zionismus nicht so schnell reifenwie rs unsere begreifliche Ungeduld erwartet hatte. Politische Widerstände aller Art machen sich noch immer , geltend und noch ist der Vertrag von Sevres nicht unterzeichnet. Der inzwischen veröffentlichte Mandatsentwurf Englands wird vermutlich noch die Entscheidung der englischen gesetzgebenden Körperschaften, zu passieren haben, hevor ihm der Völkerbund seine end-, gültige Fopn. gibt, und auch in dieser Frage selbst ergeben sich -infolge des Einspruches Amerikas, welcher natürlich pichte im-mindesten speziell dem Palästina- Mandat gilt, sondern vielmehr durch die allgemeinen, von der europäischen Politik abweichenden Anschauungen Amerikas diktiert wird, manche Schwierigkeiten. Immerhin ist in der Palästina-Frage seither vieles zur Klärung gekommen. Wir haben die Richtlinien der küystigen englischen Palästina-Politik. wie sie sich in dem Mandat ausspricht, klar erkannt und es ist uns immer deutlicher geworden, daß nunmehr das jüdische Volk selbst das entscheidende Werk zu leisten haben wird. Nicht darauf kommt es letzten Endes an, ob das Mandat alle unsere-Wünsche restlos, befriedigt, es bildet für uns nur' die Form, in die wir den entsprechenden Inhalt einzüfügen haben , werden. Den Kernpunkt des Problems bilden die Anstrengungen des jüdischen Volkes selbst. Wir haben erkannt, daß Staaten nicht am grünen Tisch, und'von keiner Macht der Welt neu geschaffen werden ^können, solange die Entwicklung die Frucht, nicht hat reifen lassen, und das jüdische Volk wird begreifen.müssen,., daß eine Heimat/nur das Werk von zäher, opferreicher Arbeit sein, nicht aber wie ein- Ge-, schenk, durch, welches die Gabe völlig entwertet werden müßte, dem untätg Wartenden in den Schoß fallen kann. Wir werden viel zu arbeiten und große Opfer zu bringen haben. Aber nebender nationalen Volksarbeit wirb auch die politische-Arbeit des Zionismus nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Entwicklung, der Dinge wird, ein stetes Verhandelst mit der Mandatsmacht notwendig machen und von. unserer Leistung und .unserer organisatorischen Stärke wird es abhängen, welchen Einfluß wir auf die Entwicklung Palästinas im jüdischen Sinne werden zu nehmen vermögen. Mit der/Anerkennung^ der jüdischnationalen' Ansprüche geht auch die Anerkennung der zionistischen Orggnisation Hand in HaNd. Sie gilt heute der Mäudatsmacht als den Willensvollstrecker des jüdischen Volkes und Verhandlungen zwischen diesem und England werden, wle bisher, auch weiterhin nur durch' die , zionistische Organisation geführt werden können. Um diese jedoch erfolgreich und fruchtbringend zn gestalten, dazu bedarf es des Ausbaues der zionistischen Organisation. Es darj nicht genügen, daß wir den Lebenswillen und die Aktivität im jüdischen Volke repräsentieren, 'diese Tatsache muß vielmehr auch in der. Schlagkraft, Leistungsfähigkeit und inneren Geschlossenheft der Organisation zum'Ausdruck, kommen. Es ist wahr, in unseren: Lager ist das jüdische Volk und die anderen sind einzelne Trümmer^ Aber dieser- Tatbestand wird auch durch die-Zahl unserer Anhänger zu erweisen sein.' Noch'gibt es ungezählte Juden, die im Herzen bei uns stehen und den formalen Anschluß an die Organisation nicht vollzogen haben. Sie müssen in unsere Reihen zur Stärkung unserer Zahl. Heute mehr denn je bedürfen wir der ausdrücklichen und formalen Zustimmung aller jener, denen unsere Arbeit gilt» Wie in alten Zeiten die Heerschau über das jüdische Volk durch die. Kopfsteuer, durch die Zahl der abgegebenen Schekel, gehalten wurde, so soll es auch-heute sein. Der zionistische Schekel ' bedeutet die Beitrittserklärung zur zionistischen Organisation, 'die Anerkennung ihres Fundaments, des Baseler Programms, dessen erster Satz besagt: „Der Zionismus erstrebt die ^Schaffung eineröffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina sin das' jüdische Volk." Wer die Lösung 'der Judenfrage in unserem Sinne erstrebt, wer sich als Sohn des jüdischen Volkes fühlt, das am Wendepunkt seiner Geschicke angelangt ist. wer ihn: ein freies und eigenes Leben auf der mütterlichen Scholle bereiten will, Montag den rs. ftptil um halb 8 Uhr abend^Mi,. F|stsaale des Hotel „Lontinenta 1", Wie«,ifc Ca>or$tra$$e Hr. * der Herren Prof. Dr.torczyiKr über „Das Rätsel in der Bibel“, Gemeinderat Dr., PlasebKei über „Schekel und Keren Hajessod“ Dienstag den 26; d. M., 8 Uhr abends \ Redner: Si9 in den ,* v>r 1, lil.« Marxargasse 17. Sephi Ofeerrabbtaer Df. Chafes Ing. Robert Stricker Gemetaderat Dr. Piaschkes Gegenstand: „Schekel und Keren Hajessod“. wen: es um die Erhaltung und die Höherzüchtung des jüdischen Geistes durch die Zurückführung zu seinen Quellen geht, des Geistes,'der seine Mission auf Erden noch , lange nicht erfüllt hat und . sich zu einem neuen Aufschwuug rüstet, der zeichne den Schekel und vollführe so den Eintritt in unsere. Reihen. Die geringe Ab-i gäbe soll die Mittel schaffen zur Fortführung' der großen zionistischen Volksarbeit, aber sie soll auch, mehr als das, . den- Führern der jüdischen Volksbewegung die Legitimation darbieten, daß sie in.der Tat im Namen , ihres Volkes sprechen und die Willensträger der jüdischen Zukunft sind. Nur eine starke und. allseitig ausgebaute zionistische. Weltorganisation, wird die. großen Aufgaben zu erfüllen vermögen-, vor welche sie die nächste Zukuujt stellen wird. Mehr denn je liegt die Zukunft unteres Volkes in. unserer eigenen Hand.und, von uns hängt, es ab, was wir aus den großen Erfolgen zu machen verstehen,. welche eine unentwegte Volksarbeit der'jüdischen Sache errungen hat und deren sichtbarsten Ausdruck die Beschlüsse .hon San Remo bilden, deren'Tag sich am heutigen Petzach.zum ersten Male'jährt. Der Schekel. - ' Der .Schekel ist die obligatorische Jahresleistung jedes Zionisten,'er gibt das Wahlrecht für den zionistischen Kongreß. > 7 Der Preis des. Schekels Heftagt. für. Oesterreich ' K.. 20.. .Eit folgenden Stellen - sind 'Schekalim erhältlich und werden von dort auch Landes- und. Ortsgruppenbeiträge entgegengenommen: -; I. 53 t s i x I: S t ktlo it I: HanD Kandl, Wiestngersiraßr 6; Bernhard Jäger, Salzgrits 2. U. B e z i r k : Jüdischer Nqüonalrat^ Taborstraße 20a;' Moses Tümci, Kleine Sverlgaffc 8; Moni Semo, Sch üttelstl aste 19a; Moses Feldstein, Rüeppgäste 16; Bartield, Sebastian Kneipvgastr-3; Meichulim Schächkrr. Fcuerbachgasfe 8; Jüdischer Verein Nord-Ost, TaborsUaße.2M; Sieamünd Haber, Große Mohrengaffe 3b; Bankhaus Mäher, Taborstraße 8: „Wiener Alvrgcnuitung", Taborstraße 1/3; Zionstisclns Bureau. Z'xkuSgasse 33. III. B ezirk: -Zionistische Bezirlsseltion, Untere Viaduklgaffe 13 (Montag, Mittwoch. Samstag 6 bis 8 Uhr abends); Jüdor Zelnik; Marrergasse 1s (Sonntag 9 bis 12 und 3 his 5 Uhr); Elias Wolfsohn, Löwrngaffe 8 <Sonntag 8 bis 12 und 3 bis 5 Uhr). IV. und V. B e a i r f: Rudolf Stein. V., Hamburgersträße 12; Max Straus;. IV.. Favvritemtraße 21: Friedrich MMcr, IV., Allcegasse >62; Jiak Schuldenfrei. V, Bogelianggaste 41. Vl./VIU. B e ri r k: Zionistische Bezirkssektion, VI.. Anmling-- straße.19. IX. Bezirk: Zionisti'che Bcz'rkssettion, Liechtensteinstraße 11/13. X. B ezi rk: Zionistische Bezirkssckrion, Favoritenstraße 130 (täglich, auster Freitag, .und SamStag. V-7 his V, 10 Uhr abends); Ädoli Langer, ' Keplerpiav 13; Viktor Knie, Larenburgerstraße 27; Leovold Bauer, Bürgervlatz 22: M>'r Schlesinger. Keplerplatz 3. XU. brs XV. Bezirk: Zionistische BernkSiektion. XV.. Hrrklvtgäste.,21. XVl./XVN. B ez i r k: Leopold SitMcmn, XVI., Bmnnenciasie 41. XVIII. Bezirk: Dr. .Arnold Friedmann, Edmund Wcißgafse 7 (2 bis 3 und 6 bis 7 Uhr tägliche: Dr. Hermann Ebner. Mcsierschmiedtaasse 38 (2 bis 3 und 6 bis 7 Uhr täglich). XlX. B e zi rk: Professor Dr. Wilhelm Stein, Sardtgasse 6. XX. B e <i r k: Zionistische BeprkSsektion,. Karl Meistlgafse 5; Moscs Mehler, Heinzelmarmgasse 17 lrior- und nachmittags); Michael Zipper», Klostermuburgerstraße 22; Hirsche! Engel. Treustraße 1 (»orirnd nachmittags); ReichSfrld. Spanuqaste 19 (vor-und nachmittags); Weingartner, Rauschrrstraße 18 (vor- und nachmittags). XXI. B e z i r k: Dr. Samuel Nuß, Hretzgaste 8. Die Kriegsschuldige« i« Deutschland. Berlin» 23. April. (Wolfs.) Eine der Botschasterkonferrnz übergebene Note teilt mit, daß die Einvernehmung der englischen und belgischen Zeugen in der Angelegenheit der Kriegsschuldigen unmittelbar bevorsteht. Sobald sie rrledigt ist, werden die B erhandln n gen i »Leipzig .beginnen. PoMischeRundschau. Der Wiener Handel soll boykottiert werde«'! I In Frankfurt wird jetzt die Frühjahrsmesse ünN im Zusammenhang damit eine .Außenhandels-! taguyg abgehalten. Den Wiener Kaufleuten wuAe die' Beschickung dieser Messe zur nationalen Bruderpflicht - gemacht. Sie wurden mit Hinweis auf dieAnschluß^! ' bewegung an geeifert, den wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Deutschen Reiche durch zahlreichen! Besuch' zu dokumentieren und solcherart die Wirtschaft^ liche Verbrüderung vor der politischen durchzuführen.1 Viele Mener Kaufleute folgten der Einladung ' uM - glaubten so im nationalen Interesse ihres Volkes und!j. im wirtschaftlichen Interesse Wiens zu handeln. Eiw! ' mehr als sonderbarer Vorfall aber hat ihre mitgebrachtv Begeisterung zusammenschrumpfen lassen... In > eine ins Referat über d je deutschb a l k a n i s ch e n 'H a-n»! delsbeziehungen, welche im Rahmen der Außen»! * Handelstagung vor der versammelten Kanfmannschaftl also auch der österreichischen, abgehalten wurde, erklärt« . der von der Messeleitung berufene offizielle Referent^ Hermann Wendel: Der deutsche Handel mußs den Balkan erobern. Z u d i e s e M' Z w eck e muß e rj; > unter allen Ein ft änden Wien als Zwis ch em-! Händler aus schalten. Das Referat wurde - vom den reichedeutschen Teilnehmern mit verständnisinnigem'' Beifall belohnt. — Man hprt von der Taktlosigkeit' gewisser reichsdeutscher Elemente viel. reden. -Der geschilderte Vorfall beweist, baß dieses Gerede'nicht: leer ist.' Er stellt jedenfalls, eine Meisterleistung aufdiesem . Gebiete -dar. Man lädt Wiener Kaufleute brüderlich! ein, um ihnen dann zu beweisen, daß ihre zielbewpßies, - Bekämpfung und Vernichtung heilige Pflicht im Dienst^ des deutschen Wirtschaftslebens ist! Die abgrundtiefes- Borniertheit der Frankfurter Macher ist bedauerlich') aber ihre Offenherzigkeit erfreulich. Vielleicht' wertzew. viele Wiener Kaufleute, die sich hlind in den Dienm der deutschradikalen Bestrebungen» gestellt haben, ex4 kennen, welche Gefahr Wien und seiner Wirtschafts-i stellung von gewisser Seite im Reiche drüben droht.'! Eine merkwürdige Ausgleichskonferenz Aus Lemberg wird uns berichtet: Der Sozialist Dr. Dia in and hat anscheinend auf eigene Faust eine, jüdisch--polnische „Verständigungsaktivn" unternommen^ und sich dabei einen trefflichen Mitstreiter ausgesucht,! nämlich den aktivsten Reaktionär.-im polnischen Wejm,! Erzbischof Theodowwicz, dessen Bemühungen die reak-- twnäre Färbung-der polnischen Verfassung zufordersts zu danken ist.. Dieses ungleiche Brüderpaar berief vor kurzem in den Saal des Lemberger- -Magistrats einel . Versammlung (für geladene Gäste!) ein,' welche dev! polnisch-jüdischen Verständigung gewidmet war. Außer«' den Einberufern erschienen von polnischer Seite der; Deputierte G l o m b i n s k i, Graf S k a r b e k, Professor T u l j e (der Rektor der Lemberger Universität^ Führer der Klerikalen, Gründer der Lemberger Guppe des „Rozwoj", Pvopagator der antisemitischen Gesell-- schaft „Swvj do ^wego", ehemaliger Herausgeber , der . antisemitischen Zeitung „Ruch katolicki")/ ferner Herr - Laskvwnieki.und der Deputierte Hausne^r. Von! Juden waren da: Der Kultuspräsident Dr. Jakobi! D i a m a n d, Viktor C h a j e § (Macher.bei den so-! genannten „Zydowscy mieszczani), Dr. Wasser (ein!. Pole' mosaischer Konfession), Dr. Blumen sie l d und" der städtische Vizebürgermeister Dr. Friedrichs. Schleicher. - . . .. j Erzbischof Theodorowiez' eröffnete die - Ber>! sammlung, sagte, er sei gebeten worden, die Versannn^' lung einznbernfen (von wem er gebeten wurde,' verrieter nicht) und eröffnete die Diskussion über die von rhu^ als im Vordergrund des allgemeinen Interesses ftehendk bezeichnete Frage, wie die polnisch-jüdische Verständi-s - gung zu ermöglichen sei. Erster Redner war der-De-! putierte Diamand, welcher ein paar Phrasen über! Einheit, Friede, Zusanmienhalt aller Schichten in wich-! tigen nationalen Du:gen und dergleichen vorbrachte und? seine Rede rasch zu beenden trachtete. In seine Vdelodi« stimmte Herr Laskownicki, Redakteur des „Wiek! Nowy", ein und bann kam die interessanteste Rede, di<? des'Professors Tnlje. Er bezeichnet^ die ganze Aktion! einer Verständigung mit den Juden als komisch* das er nicht begreife, was die Juden wollen. Sie hätte^k .mehr Rechte als die Christen, der ganze Handel uud dasj Geld sei in ihren Händen. Man müsse erst Mittel finden,) um die Rechte der Christel: zu erweitern, welche vons den Juden exploitiert werden. Erst bis Gesetze gej-s., schaffen sein werden, welche die Christen vor den Jtlden; schützen, könne es zu emer Verständigung mit den Judew kommen. 'z Uiieiitbehrlicli tür Frühjahr und Sommerhegfinn! Blau-,Polar-,Kreuz-,Zobelu. Alaskalüclise wie auch grosse Auswahl in Zobel»,Marder-,Hermelinu.Chinehilla-Btoles FACH GEMÄSSE ttnd gesickerte AUFBEWAHRUNG von PELZWERK unter voller Werth&ftung Pelzhaus O. J. Pipersberg, Wien, H. Praterstrasse Nr, 9

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