Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 800 (19.4.1921)
- Date
- 1921-04-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 800 Wien, Dienstag_ Telegramme. Der internationale Transportarbeiter- Kongreß. j IStoif, 18. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Heilte wurde hker der internationale.Kongreß . der Transportarbeiter eröffnet» Vertreten sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Gvoßkritarmien, Holland, Luxemburg, Norwegen, Oe st erreich, Schweden, die Schwerz und die Tschecho- Slowakeü Wegen der gegenwärtigen Krise in England ist der Präsident des englischen TransportarbeiterverbandeS, Gosling, mit den Delegierten dieser Gruppe noch nicht eingetroffen. Das vom Kongreß gewählte Präsidium besteht aus 3$ 51 x i g g (Deutschland), Garrey (Frankreich) und Beding (England). Dem Kongreß lag eine Entschließung, gegen die R eaktion und den Militarismus vor, worin es heißt: Der Kongreß stellt fest, baß dir wirksamste Waffe gegen den Militarismus und Imperialismus in allen Ländern in der organisierten Kraft der Gewerkschaftsbewegung besteht. Der Kongreß beauftragt das Sekretariat, den Vollzugsausschuß und den Generalrat, mit Wachsamkeit und Energie alle Bestrebungen und Plärjd des Militarismus, Imperialismus-und deS internationalen Kapitalismus aus Unterstützung der Reaktion, der Konterrevolution und des Krieges zu bekämpfen. Der internationale Transportarbeiterverband in England reichte folgende Entschließung ein: Der gegenwärtige Kongreß der Transportarbeiterbeglückwünscht die Arbeiter, die den „unterdrückten Rassen" angehören, zu ihrem immer mehr kundgogeSmen Wunsche, ihren Ideen über die gewerkschaftliche Bewegung zum Durchbruch zu verhelfen. Er erklärt, daß alle Anstrengungen der farbigen Rassen in ihrem Kamps um die Befreiung von der Beherrschung des Imperialismus und Kapitalismus eine günstige Rückwirkung auf die Lage der Arbeiter in den Ländern des Westens haben müssen. ' Eine Entscheidung, betreffend den Friedensvertrag, eingereicht vom Vollzugsausschuß, lautet; Der Kongreß protestiert, in Erwägung der vandalischen Zerstörungen von Maschinen und notwendigen Produktions- Materialien und Transport mitte ln, die in Ausführung des Vertrages von Versailles in den besiegten Ländern ausgeführt iourbe, energisch gegen Handlungen dieser Art. Blutige Exzesse in Italien. Matta' d, 18. April. (Tel.-Köinp.) Der Wahlkampf hat gestern in Toskana zu blutigen Zusammenstößen geführt. Eine Expedition von 250 Faszisten begab sich in verschiedene Ortschaften der Umgebung und nahm im heu Arbeitskarnmern Hausdurchsuchungen vor. Auch in Prato und Bisenzio kam es zu Exzessen, in deren Verlauf sieben Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden. In den betreffenden Orten wurde der Generälstreik proklamiert. . SMltUirg -er französischen Gewerkschaften. ' Paris, 18. April. Wie verschiedene Blätter berichten, scheine in der letzten Zeit eine Spaltung m den gewerkschaftlichen Organisationen Frankreichs unvermeidlich, Es seien kürzlich Versammlungen in Bordeaux, wo der Sekretär des Allgemeinen Gewerkschaftsverbändes Dumouli.il' sprach, und gestern in Marseille, wo der Generalsekretär Ion h aux sprach, von den Kommunisten gestört worden. Im Seine-Departement werde dieser Kampf am heftigsten in der Bereinigung der Gewerkschaften, an deren Spitze die Kommunisten Mammon fse au und Tomasi stehen, geführt. Die Trennung sei' aup dem Kongreß m Lille im September zu erwarten. Das las-Millionrn-Destzit der Schweiz. Bern, 18. Aprjl. (Schweiz. Depeschen-Agentur.) Die eidgenössische Staatsrechnung für 1921 weist an Einnahmen 343,556.351' Franken und gn .Ausgaben '443,893.081 Franken aus, schließt somit mit einem Dtzsizit van 99,553,730 Franken ab Bei diesem Ergebnis ist in Bewacht zu ziehen/ haß die Kpsten der Motilmachung der Armee, die sich im Fahre 1920 auf 1.187,485.072 Fransen belaufen haben, darin n ich t enthalten sind. Das Verbleibe» Exkaiser Karls in der Schweiz. * Paris, 18. Apr l (Funkspruch.) „Mati^ meldet ans Genf, daß die Untersuchung des politischen Departements des Schweizer Bundes rotes über die Nm» stände der Flucht des Exkaisers Karl aus der Schweiz ergeben hqben solle, daß nichts vorliege, was diesen verhindern würde, bqs Asylrecht weiter zn genießen. Besetzung der Triestiner Staatsbah»- direkiion durch KriegsbeschLdigte. Drjest, 18. April. Samstag besetzten kriegsbeschädigte Offiziere und Soldaten das Gebäude her Staatsbahndirektion Md verlangten, daß ihnen die dort versprochenen Stellen verliehen werden. Verhandlungen sind im Zuge. Der Tisza-Prvzeß- DMpiest, Itz. April, (ftng. M.-Korr.-Bur.) Zepge Alexander Hüttner, beginnt, seine Zeugenaussage mit einer Schilderung der Vorgeschichte der Revolution. Haup tlnanN Us-srntzak habe ihst in das Hokal der Kavolhw Partei eingeführt, wo sie durch Kgxylyi, Feghes, Hock tufe MiLönMhMr der Mwluüük kmrbMi wiMe«.. _Wiener Morgenzeitung_ 2lus Palästina. Herbert Samuels Versöhnvngspottttk. Jerusalem, 13. April. (Jüd. Korr.-Bur.) Die palästinensische Negierung veröffentlicht soeben ein Gesetz, demzufolge jeder, der sich die Beleidigung eines befreundeten Nachbarlandes zuschulden kommen läßt, einer Strafe bis zu 100 Pfund Sterling oder bis'zu einem Jahre Gefängnis Mterliegt. HebrStfierung der Familienname». Jerusalem, 15. April. (Jüd'. Korr.-Bur.) Die Regierung veröffentlicht soeben ein Dekret, demzufolge den Einwohnern Palästinas und den Einwanderern die .Abänderung ihrer Namen ohneweiters gestattet wird, doch muß diese Tatsache im offiziellen Regierungsorgan verlautbart werden.. Dieser Erlaß erschien notwendig, weil die Einwanderer ihre Namen oft spontan hebräisiert haben. Beginn der EleLtrifizierrmgsarbetten Jerusalem, 15. April. (Jüd. Korr.-Bur.) In Jaffa, Tel-Awiw und Petach -Tikwah wurde die Ausführung des Elektrifizierungsplanes von Ingenieur Rotten borg in Angriff genommen. Die Arbeiten werden bereits in einigen Tagen im vollen Gauge sein. (Das großzügige Projekt des amerikanischen Ingenieurs Rottenberg ist bekanntlich bestimmt, die Wasserwirtschaft in Palästina auf neue Grundlagen zu stellen, und wäre geeignet, zahlreiche jüdische Arbeitskräfte zu beschäftigen.) Stadt Tel-Awiw. Jerusalem, 15. April. (Jüd. Korr.-Büv.) Das moderne jüdische Stadtviertel von Jaffa, Tel-Awiw, wurde von den Behörden als eine von Jaffa unabhängige Stadt anerkannt. Hiomit ist ein langjähriger Wunsch der Ermvohner Tel-Awrws nach vollständiger autonomer Verwaltung erfüllt worden. seien. Es sei die Ermordung Tiszas beschlossen worden. Man habe die Vollführung dieses Mordes ins Auge gefaßt und damit geeignete Personen, namentlich Keri, Fenyes und F r i e d r i ch, betraut. Der Zeuge gibt ferner an, daß in derselben Sitzung auch eine Liste der Prvskribierten vorgelegt worden sei, welche die Namen aller derjenigen enthielt, die der Revolution im Wege stehen könnten und unter Bewachung gestellt werden müßten. Auch Polen ratifiziert den Rigaer Friede«. Waieschäu, 17. Aprils (Privat.) In der letzten Sejmsitzung wurde der Antrag auf Ratifikation des Friedens von Riga in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Turkestanische Sowjetrepublik. Hielsingfors, 18. April, (Wolfs.) Das Moskauer Zentralexekutivkomitee hat verfügt, daß die turkestanische sozialistische Sowjetrepublik, bestehend aus den Gebieten des Syrk Darja, Senüretschensk, Fergano, Samarkand, Transkaspien und Amu Darja, ein autonomer Teil der russischen Sowjetrepublik sei und den Namen Turkestanische sozialistische Sowjetrepublik führen soll. Die Völlrerdundkrommission in Wien. Gestern vormittags haben hie. meritoriMn Besprechungen zwischen der Völkerbundkommission und der Regierung begonnen. Die Basis dieser Konferenzen bildet die bekannte Note des Finanzkomitees an de« Obersten Rat, welche für Oesterreich dje Emittierrmg einer inneren Anleihe, den Abbau der Ausgaben für dfe Staatsangestellten und die Zuweisung dar beschlagnahmten Aktiven für den Dienst der Anleihen und fötörtte in Aussicht nimmt. Das Finanzkomitee verlangt für sich die Kontrolle der Verwaltung der Pfänder, ohne aber in die innere Administration einzugreifen. Von .größter Wichtigkeit ist die von einem' Mitglied des Komitees ausgesprochene Meinung, daß eine Gesundung Oesterreichs vyn der Ermöglichung seiner Handelsfreiheit abhängt und daß die Sukzessionsstaaten auf der Konferenz von Portorose das ihre tun werden, um die Hindernisse und Hemmungen aufznheben. Die Arbeiten der Kommission begleitet ein Artikel der Londoner „Times", der gegen ein Hinaus schleppen der Hilfsaktion Stellung nimmt. „Die österreichische Frage", sagt bas Blatt, „bildet den Kernpunkt für bas Problem des großen wirtschaftlichen Organismus von Zentral- und S ü dosteuropq. Schon ist viel wertvolle Zeit verloren- Mangen. Die WiederherstellMg her Wirtschaftskräfte Oesterreichs wird sich automatisch vollziehen, wenn seine Währung gesundet. Obwohl Aü^larchskrediie für die Wiederherstellung Oesterreichs unbedingt notwendig sind, bedarf mau ihrer nur zu dem Zweck, um die Produktionsfähigkeit Oesterreichs wieder $u helebUl und dem Lande dadurch zu neuen Kräften zu verhelfen, damit es unsere Waren erwerben könne. Die Bewilligung von Anleihen an Oesterreich ist daher nicht nur für Oc'^r-efch, sondern guch für . & UMlM vMl Leschäsil-cheur Borbil. IS. April 1921 _Seite 3 Tagesbericht. Zionisten! Am 24. April jahrt sich zum ersten Male der Tag von San Remo, der uns in aller Form Rechtens Palästina wiedergegeben hat. Ungeheuer groß sind die Ansgaben, die vor nns stehen, und dementsprechend große Mittel muffen wir für die verschiedensten Zwecke von euch verlangen. Wir kennen die Opfer, die jeder von euch bringt. Darum hat sich die österreichische Parteileitung die ganzen letzten Jahre bemüht, ihr ordentliches Budget aus den Eingängen an ordentlicher Parteisteuer decken, um eure Lasten nicht noch zu vergrößern. Nun aber sind die Aufgaben zu große geworden und wir können unsere Organisation nicht ausbauen, großzügige Propaganda nicht betreiben, wenn ihr nicht besondere Mittel zur Verfügung stellt. Es muß euch klar werden, daß letzten Endes auch die Arbeit des Keren Hajeffod, des NatwnalfondS, unseres Schulwesens, unserer Fürsorgeinstitutionen, unserer Turn- und Sportvcrbände, unserer Jugendgruppen. unserer Chaluz-Fürsorge davon abhängt, ob die zionistische Organisation als solche stark und groß ist. Mit ihr steht und fällt alle andere Arbeit. Das müßt ihr einsehen und darum müßt ihr außerordentliche Beitrage zum Parteifonds leisten. Zionisten, zahlt außerordentliche Part ersten er! DaS Zionistische Landeskomitee, für Oesterreich, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33, Die »enen Straßenbahntarife. Der Direktor der städtischen Straßenbahnen Ingenieur S p ä n g l e r erstattete gestern im Gemünderalsausschusse für städtische llnlermhrmmgm einen Brncht über die Erhöhung der Straßenbahntarise. Diese Erhöhung ist vor allem deshalb notwendig, weil allein die bewilligte Teuerungszulage von monatlich K2012 auf K4012 einen jährlichen Mehraufwand von 31? Millionen erfordert. Außerdem verursacht die Steigerung der "gleitenden Zulage eine Mehrausgabe von 66 Millionen Kronen, die Zuwendungen au die Beamten eine solche von 63 Millionen Kronen, für die Bauarbeiter ergibt sich eine Mehrausgabe von 37 Millionen Kronen und die Ueberweisuugrn an den Pmsionsfonds erfordern ein Mehr von 22 Millionen Kronen. Man müsse im ganzen mit einem Jahresmehrerfordern,s von »ngelähr 800 Millionen Kronen rechnen. Um dieses Erfordernis decken zn könne», beantragt die Dlrektion dem Ausschuß folgende Tarifregnlirrun'g: Der Preis des g e w ö h n l i ch e n T ä g e8 f a h rfchei « es ist von L S auf 7 zu erhöhen. Die B o rv e r k a u iS k a r t e» sind von K 4.50 auf ll 6.50 zu erhöhen. Die R ü ck f a h r f ch e i u e sollen von ll 7 ans K io erhöht werden. Der Preis der Fahrscheine nach V*10 Uhr abrndS soll von K 7 auf K io erhöht werden. Die Kinderkarten sollen von K 1.50 auf K 2. die Nachtfahrscheine von K io auf K 20 erhöht werden. Die N e tz k a r t r n mit halbjähriger Gültigkeit sollen statt K3000 K 4QÖ0 kosten, die M 0 n a tskarlen statt K 600 K 8$Q,; Sireckenkarten mit einmonatiger Gültigkeit bis zu zwei Teilstrecken statt K 250 ll 350 kosten. Streckenkarten bis zu Ms Terlstreckm sollen von K3l5 auf K 440, die Streckenkalter» , über fünf Teilstrecken von K 380 auf K 530 erhöht werden. Diese Anträge wurden angenommen und werden am 4. Mar wirksam, falls ihnen der Gemeinderat beltritt. Verhängung von verschärfte« VerLehrsbefchränknngen im Grenzbezirk. Im heutigen Bundesgesetzblatt wird eine Verordnwg deS DMdesministeriumS für Finanzen im Einvernehmm mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft verlautbart, in der mit Rücksicht auf den in bedrohsicher Weise überhand genomneueu Schmuggel mit Pferden, Rindvieh u»d Kleinvieh über die Grenzen des Bundesgebietes nach § 24 des Zollgesetzes und tz 24 der Zollvollzugsanweisung verschärfte VerkehrSbeschränkuugeu i« Grenzbezirk verhängt werden. Ein deAtschnationnler AngstLraum. Die Ostjudenfrage ist für das Wiener Organ der D'eutsch'nati-onalen zu einem konttvuierlichen Alpdruck geworden, unter dessen Einfluß immer neue Fiebern träume die geängstigte Phantasie des stöhnenden Pa« tienten plagen. Am Sonntag war „die Trud" besonders! boshaft und malte den erschreckten Schriftleitern eine ganz neue Lösung des Ostjudenpvoblems an die Wand* vor deren Eventualität auch den Mutigsten unter ihnen das tentsche Herz erstarrt. Man höre, was die Wackeren ängstigt: „Wemr alle in Wien eingewanberten Ostjuden zum Christentum übertreten, somüssen die christlich^ sozialen Abgeordneten nach' dem Bekenntnisse der- Frau Kudel-Zeynek über diese neuen Christen eine große Freude an den Tag legen und sie an ihr Herz/ drücken." Bor einer solchen Lösung der Ostjudenfrage mit der völligen Gleichberechtigung her „katholischen Juden" graut bejr Herrens > Sie vertraten indes mit dieser Angst nur öas'eine^ wie wenig sie von den Ostjuden, an denen sie sich so lange Zeit in der unverschämtesten Weise reiben, in Wirklichkeit wissen. Da schreiben sie. Tag für Dag die tiefsinnigsten Aufsätze über Juden und Judentum, geben sich den Anschein, als ob sie die einschlägige Materie streng wissenschaftlich studiert hätten und aus fcem„ff' beherrschten, und jetzt geben sie sich eine solche Blöße, daß sie den Ostjuben einen Massenübertritt znnr , MiüMtum Lüm.meni um djSMt Mn, MMtlM in.