Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-04-19 · Heft 800 (19.4.1921) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 800 (19.4.1921)
Date
1921-04-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979879--07316-2993355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

"GeAe 4 Men. Dkenskaq . - Mer,er Msr<renzes1««q td. Aprtt IftSl Ar. 800 Wien zu erkaufen? MS ob di« ewige Ruhelosigkeit „Ahasvers" nicht eben eine Folge ihrer Treue zum angestammten Glauben wäre? Welch glänzende Positronen haben die Juden, in Spanien preisgegeben, weil sie lieber zum Wanderstab als zum Kreuze griffen! Was hat die-Juden im Mittelalter vom Rhein nach Polen geführt und fetzt deren versprengte Splitter nach Wien. Und ausgerechnet hier sollten sie ihre angestammte Charakterfestigkeit, die ihr tausendjähriges Martyrium geadelt hat> plötzlich vergessen, um den Herren von der. „Deutschösterreichischen Tageszeitung" ein Objekt - dauernder Pöbele ien zu bitten! Die Deutschnation ölen können sich von ihrer neuen klingst sehr leicht befreien, wenn sie sich.-Belehrung bei ihren klerikalen Brüdern d^onr Antisemitentag holen. - Deren ^Rafsenantisemitisrrnrs'^ exiynert nämlich nur an die Geschichte vom Fuchs und den sauren Trauben.'Sie tzaben^ längst , die langgehegte Hoffnung aufgegeben, die. Juden zu „bekeh-' reu", und stellen sich deshalb so,als ob sie sie gar nicht wollten. Sie werden aber dieser „Rassentheorie" sehr, rasch untreu, so oft sich ein jüdischer Proselyt in ihre Reihen.^verirrt. Und es. ist noch sehr die Frage, ob es die anderen!„Rassenantiserniteir^ auf die Dauer anders ' machen würden. Das Beispiel Trebitsch spricht Bände; Ei« Z«hr jüdische Schlosserkehrwrrkstatte. Lou Dr Adolf Dvand, Sel'ktac des Jüdischen NationalrrsleS iiir O'st rrrick. Es ist, jetzt ein Jahr, daß der Jüdische'Nationalrat für Oesterreich die. Schlosserlehrwerkstätte seines Gewerbe sörderirngsamtes erösfneje. Diese Gründung war eines her Mittel zur Berufsumschichtung der Juden. Sie wär unbedingt notwendig, wenn die Bestrebungen zur Berüssumschichtung solche Kreise erfassen sollen, die aus religiösen oder aus anderen Gründen sonst ausgeschlossen bleiben müßten. Biele jüdische Lehrlinge werden wegen ihres Alters, ihrer Staatszugehörigkeit oder miS sonstigen Gründen in den staatlichen Gewerbeschulen «nicht ausgenommen. In diesen ist ferner der Unterricht ein mehrjähriger, während er in den Kursen des Jüdischen' Gewerbe förderungsamtes in konzentrierter' und'der jüdischen Eigenart, angepaßter Form . obgehalten wird und. parallel läuft mit der praktischen Ausbildung in den Lehrwerkstätten. Schließlich haben die Kurse' und 'Lehrwerkstätten des Jüdischen Getverbesörderungsamtes nicht nur Kenntnisse zu vermitteln, sondern, müssen bas größte Gewicht auf die..Erziehung der dich'er Arbeiten und der Einfügung in einen Werkstätt^nbetrieb bisher ungewohnten jüdischen Lehrlinge legen. H)ie'Lehrwerkstätten. haben auch noch die wichtige UnWbe, das Vorurteil zu bekämpfen, welches jüdischer manueller Arbeit, 'insbesondere Schtoerarbtzit, entgegengebracht wird. Wohl gibt es viele jüdische Arbeiter,' vielmehr als Uneingeweihte glauben, - die an Geschicklichkeit und. Ausdauer, ihren sonstigen Berufsgenossen nicht nachstehen; doch, tritt, ihre. Arbeitnicht als jüdische Arbeit in Erscheinung. Wie eS notwendig war, jüdische Turn- und Sportvereine zu gründen, wenn man jüdische Kraft und Geschicklichkeit zeigen und sehen wollte, so müssen-auch Stätten inS 'Leben gerufen werden, in denen allein'und ausschließlich jiAische Arbeiter beschäftigt werden sollen, damit lebendige Beispiele geschaffen werden, auf die man Hinweisen kann, wenn man von jüdischer Arbeit, von jüdischen Arbeitern spricht. Um Juden, die in geistigen oder kaufmännischen Berufen stehen, Gelegenheit' zu geben, das Schlosser- Handwerk zu erlernen, wurden in der Lehrwerkstätte Pra kt i's ch e Abendkurse eingerichtet. In diese Kurse kommen ältere und jüngere Leute, Buchhalter vnd Studenten, Prokuristen und Geschäftsführer nach der Tagesbeschaftigung, weil sie den Wert des Handwerks erkannt haben und sich nicht mehr den Zufälligvsiten geschäftlicher Konjunkturen ausi'etzcn wallen. Sie rüsten sich in dieser Zeit der sozialen Gärungen mit Kenntnissen aus, die — was'immer die Zukunft auch bringen .mag — ihren Wert behalten werden. Biele von ihnen NwllLn nach Palästina auswandern, dort aber «icht den hier ausgeübten Beruf fortsetzen, sondern Manuell-produktive Arbeit leisten. Die Werkstätte stellt einen neuen Typ dar: Sie ist eine Kombination von Lehr-undProduktionswerkstätte, das heißt, sie.arbeitet so wie jede in Privatbesitz befindliche Werkstätte und die Schüler dürfen mit au solchen Stuckern arbeiten, die ihren Weg ins praktische Leben machen. Gegenüber den.übrigen gewerblichen Schulen hat das den Vorteil, daß nicht nur kleine, sondern auch große Arbeiten ausgeführt werden, an denen' die Schüler natürlich mehr lernen als an den in den Gewerbeschulen ausschließlich gepflegten Kleinarbeiten. Ferner ist der Ansporn, Gutes zu leisten, viel' größer, wenn die Schüler wissen, daß die Außenwelt jedes Arbeitsstück begutachtet, sie gewissermaßen unter der Kontrolle der Oeffentlichkeit arbeiten. Ein großer Vorteil dieser Art von Werkstättenorganisation besteht auch darin, baß jede Werkstätte sich selbst erhalten ustd dadurch zu einer dauernden Institution werden kann,' ein Umstand, der bei dem bekannten Mangel der allen jüdischen Institutionen zur Verfügung stehenden Mittel ' nicht hoch genug gewertet wcr^n kann. Natürlich blieben der Werkstätte Kinderkrankheiten' wchl 'ES dauerte schon eine Zeitlang, his sie in orü.'vNichen Betrieb kam, zumal wegen'der Sabbat- ' Dch Som'.tErnhc eine andere ArbsüseinteilunL Mittcililngtn unsrem Publikum. Ä lscta Oswald Eimer Verlobte im Wien, km April 1921 ZUR VERLOBUNG des Fräulein Sabine Hübscher mit Herrn Oswald Eimer gratuliert heulichst Sigmund Edelstein 4775 Wien. ZUR VERLOBUNG des Herrn Samuel Schiff (Sanok) mit Fräulein Pepi Brandwein (Nadworna) gratuliert horzlichst ,77, Familie David ßlaser. B SBLLANVEN, Perlen, Gold, Silber,Platin n.ühren kauft und verkauft 776 ETTER Rotentnrmslr. 23, BEariahilf erstr. 98 Grösster und bester Käufer Wiens «eso BriBlanfen. Perlen Juwelen, Edelsteinhändler Rabino witsch, Juwelier I. Maximilianstrasse 5 II. Stephaniestrasse 3, nur Nr, 3 (jetzige Mahlerstrasse) (jetzige Hollandstrasae) Tel.’ 8541 "1,6 45146 im eigenen Hause Haltestelle Opernring, Zag. Särntnorstr. .... , _ , s.rmt., ge8cineiseii. H*ei> Sie auch unsere Prelee Restaurant. ->^3 §Mg Wien,II.,Taborstrasse 12 W’gaSSir'wI (Koiel Stefanie) sds Weiras und Slewawitz HDS Spezialität: Täglich Karpfen und Hechte und ßureasimöbel die grösste Auswahl Leopold Steinhart ,'asaWien, I., Biberstrass« Kr. S Sehreibmaeehinenreparatnren rasch, billig and gut l&fi TsL 4073/Vlll ■Transit Strümpfe lagernd alle Farben, billigst bei «$32 SS« B*r ÄlmÄlent* . ITicn, Üm Obere Donaustrasae 67—69 Teleplion 48.442 sh rei hmasoh i nen fabritsnen und gebraucht, alle Systeme *17 Leop KÜRZER,VU„ ff estbahnstr. 23 (Tel.31537) Küchengeräte für pessach Emailgeschirr, Teller, Gläser, Essbestecke u. s. w\ Karl Wolfer, Wien, II., Taborstrasse Nr. 50m Spezialität: Tokajer« Hegyalfaer und diverse Besser l-weine. ss» GROSZi?chc WEINSTUBE II . Praterstrasse 13 r ' ,m noS bv -ins p. f'*i*inon?d pinnrr^ m Wien, 11., Schiffamtsgasse Nr. 4 HsMWlMWMM , Ner&et für den SGitehl! Stärket die hier- ■ reieblsche. Oelegatlon eut dem Kongmi! (8cMm beim Zionistlscheii Lairdeskoraitee lör Qesterrelcl, II., Zirkosgasse 33 ni li allen Orlsgrappaa and Bezrkssektlana) Reichste Auswahl zu billigsten Preisen ln einfachen nnd Luxus Iftiltin SroShslm 17 VN., Kaiserstrasse ** bei Mariahilferstnute Haltestelle der Stnuweubdmliaien 5 und 15 tjy;. als dis in Wien übliche getroffen werben mußte,"um die durch den zwei en Ruhetag verlorenen Arbeitsstunden ernzubringen. Dies ist wegen der KonkurrenzfähigkLit des Unternehmens unbedingt notwendig, welche durch den Mangel eines entsprechend hohen Betriebskapitals ohnedies nicht unerheblich beeinträch igt wurde. Immerhin konnte sich die Lehrwerkstätte nicht nur selhst erhalten,. sondern erfuhr bank der großzügigen Unterstützung des „tzoint" im Verlauf dieses Jahres »eine verart bedeutende Erweiterung, baß mit den bisherige» Betriebsmitteln bas Auslangen nicht mehr gesunden werde» Es. ftot ALMueür. die ^.rage tzerane mb weder die Entwicklung der Wcrkftätte zu hemmen oder Geldmittel zu deren Erweiterung zu schaffen. Selbstverständlich wurde letz'er«I'versucht und dank dem großen Verständnis, welchem bei einer R.ihe bewährter Zionisten begegnet wurde, auch bald die Lösung gefuiäen. Es wurde die Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ^gewählt, welche die Lehrwerkstätte übernahm und neue Lehrwerkstätten anderer Art gründen will.: Die Personen nnd. Korporationen, welche diese Gesell-. schaft bilden, bürgen. dafür, daß/der nationalsoziale Zweck — die Heranbildung, jüdischer Handwerker — niemals durch geschäftliche Interessen in den Hintergrund . gedrängt werden wird. Dieser Zweck, kann, aber nur erreicht werden durch. , die Mitwirkung der breitesten jüdischen. Oeffentlichkeit, die dafür zu sorgen hat, daß die Werkstütbe niemals Mangel an Arbeit leide. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hinge-. wiesen, daß der Jüdische Nationalrat zu dem gleiche» Zwecke. einen Arbeitsnachweis . gegründet. hat, der bis . .heute über 2600 Juden in den verschiedensten Berufen und etwa 900 Lehrlinge in 18 verschiedenen Handwerkttr ' unbergebrächt hat. Sich dieses Arbeitsnachweises bei- Bedarf an Arbeitskräften al^ Art zu bedienen, liegt nicht nur irn Interesse derer, Die. sich seiner bedienen,, sondern ist Pflicht der'jüdischen Oeffentlichkeit, so weit sie noch an einer Gesundung des jüdischen Volkskörpers interessiert! ist, einer Gesundung, die nicht zum wenigsten auf das Verhältnis der Juden zu. ihrer nichtjüdisckM Umgebung wohltuend wirken wird.. Die „Erwachende»" als Geburtstags« gäste des Istdor Weinberger. Im Owshazaer. „Friss Ujsag" lesen wir an erster.. Stelle die folgende Mitteilung: Isidor Wein berger,, ein all^niein geach ejer Weinhändler unserer Gemeind^ ist. wie männiglich bekannt, Jude. Vorgestern hatte er . seinen Geburtstag und wurde aus diesem Mlaß von einer großen Zahl seiner Freunde und Verehret ausgesucht, die unser Freund Isidor mit magyarischer. Gastfreundschaft aufnahm. Unter den Geburtstagsgratulanten befanden sich auch vier führende Männer des Der- . .Landes, der „Erwachenden Ungarn" unserer Stadt, die - die Gastjreu-dschaft unseres Freundes Isidor in vollen Zügen genossen. Nicht wahr, es ist doch nicht jeder Jude ein Schuft und wenn es an seinem Tische zu essen nnd zu trinken gibt, versöhnen sich selbst die „Erwachenden Ungarn" mit dem Juden. So weit die Mitteilung des „Friss/ Ujsag" von Oroshaza. Das, was sie uns er- . zählt, ist nur ein. neues .Dokument zur Bestätigung unserer wiederholt aufgestellt^n Behauptung, daß die reichen Juden uyd diy Paschas der jüdischen Provinz-- gemeinden es nach vor gut. verstehen, selbst unter dem Regime des Weißen Terrors die'Sicherheit für ihre eigene Person zu erkaufen. Nur der-Titel hat sich geändert. Während sie früher die „Häusjnden" der Magnaten waren, für diese arbeiteten und - ihnen für die Bersteltung des adeligen Namens große Tautiemerr bezahlten, hat jetzt jeder reiche Jude einen- ,Haus- Erwachenden", von dem er in weißterwristischer Form ausgenützt und mißbraucht wird. Es ist nur ein vaürtari^cher Unterschiedin der Leistung des kriecherischen Juden an seinen Schutzpatron. In Oroshaza sind in der großen Pogromwelb: viele unschuldige Juden verschwunden. Der Weinhändler Isidor Weinberger ist, wie die satiri,che Notiz besagt, ein allgemein geachtetes - Bürger der Stadt und genießt die Auszeichnung, daß an seinem Geburtstage die . ^Erwachenden Ungarn" sich auf seine Kosten einen tüchtigen Rausch antrmken können. Ob sie dann aüf ihrem Heimwege nicht auf ihre/ Art einige Juden visitiert haben, verschweigt der. Satiriker des „Friss Ujsag" von Oroshaza... * Die lyrische Dicht**- im dlte* Judentum. Die astttdingS nur m germgrr Anzahl vordandenm lyrischen Dichlungen brwtii'en, daß im alten J'rael eme hochentwickelte nationale L''eramr vorhanden war, deren Eigenart in starke« Elgenbewüßt ein mit ausflesvrocken religiöser Prägung besteht. Zu den ätteiten Slücke« dresec Liicrstur gehört daa Siege sl t e d D e b o r a h S. Derartige Heldenlieder dürüe es mehr gegeben haben. Sie smd von eigewiimlicher Piagung. Neben dem starken Gonvettrane« spielt der Spott über den besiegle» Feind eme große Rolle wie in allen Literaturen dtr antike» Zcit. Hich'er gehört auch die wirkungsvolle L e i ch e n k l a g e D aw rüs um Saul undJonathari. Eine andere Leich e n k l a g e f ü r d e n K ö n i g I o j a k i m ist noch im Zenalter des Flavins Josephus bekannt gewesen. Politische Ereigniffe klingen eben'alls im Liede nach. ÄuS dem Zeitalter deS Zerfalls der davidrschrn Retchseinheit stammt daS Bibelwort: »Was habe» wir zu lim mit dem Hanie JsaiS? Auf m deine» Zelten, Jiratl!" AlSH o ch z e r t S l i e deines KömgS mit einer Ausländerin stellt sich der Psalm 45 dar« Die hebräischen Lied» beglei tn aber nicht nur das Schicksal der Gemeinschaft, sondern auch das Leben der einzelnen. Frohe Trinklieder, die monotonen Weiie» der Wächter, die aus den Morgen harren. Erntelieder von tiesste« religiösen Empfinden und trendiger LebenSbejahnng sind unS erhallen geblieben. Die im Psalm 5S emhaltenen dürftige« Reste beweisen, welche Schatze veilorengingen. Die Psalmen sind der. Vliednseklas einer jahrhunder «alten religiöse« Dichtung, von der auch in den P> ovhe'.enbücher« große Teile e. halten ged lieben sind. Die kultisch en Hymne« sind aus st endige Andacht gestimmt nufe haben wohl auch schon in srübrster Zeit mcht nur dem Timvelltttt, sondern^ auch der Nndacktsübung tm kleine* Kreise gedient. Als stolzestes GlaubmSlied Israels stellt der 47. Psalm sich dar. A« reichstm ist natüiltdh dir Gattung derGrbete vertrelrn, in der die Religiosität des einzelnen und der Gesamtheit Leben gewinnt. Besonders in dm Blttgrb t<« .sie gt die r e l i g i L s e 8 y t i f bef alten Israel zu dm höchsten Gipfeln der Kunst empor. Diese letzten Reste einer hochmlwickelten lyrische» Dichinna sind, wie Prv'essor Dr. S r a e r ck in einem Vortrag im Berliner Logenhaus auSfühite, er» Zeugnis für die große Fülle des Gcweftnm. Sie sinh lebendiges Zeugnis aus der nrsllLU, chivürdigen Vergangenheit emeS dkchdrsablL» Vsltes. 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.